Das deutsche Volk ist reich, fast überreich begabt, und doch voller Schwächen. Körperkräftig und geistesstark, gemütvoll und vielseitig, liebt es die Arbeit ohne die Waffen zu fürchten. Aber es fehlte ihm die Völkertreue, das feste staatliche Rückenmark, nur zur oft die Kraft und der Wille: das Ich, die Sippe, den Stamm der Gesamtheit, das Einzelne dem Ganzen unterzuordnen. Es erwies sich kleinlich und mißgünstig, übermütig und überschäumend im Glück, haltlos im Unglück, ohne Gleichmut der Seele; dann wieder erhob es sich Taten groß und gewaltig, zu einer Leidenschaft, einer Hingabe, einem Opfermute ohnegleichen, zu einer Wucht, die den Erdball erschütterte. Jahrhunderte dämmerte es fast gedankenlos dahin, und doch zählt es die ersten Geisteshelden zu den Seinen.

Es vollbrachte den Sturz des römischen Weltreiches, aber nur, um mehr als die Hälfte seiner tatenfrohen Söhne zu verlieren, um siegend besiegt zu werden. Es errang die Kaiserkrone Roms und gestaltete sie zum Dornenkranze, an dem es selber und Italien sich verblutet haben. Es durchbrach die mittelalterliche Weltordnung und ging im dreißigjährigen Kriege durch seine Heldentat staatlich zugrunde. Deutschland war schließlich nur noch ein geographischer Begriff, ohnmächtig, zerissen, verarmt im Innern, im äußeren Bestande eingeengt und beraubt, verspottet, verachtet von den Nachbarn.

Da erhob sich aus seiner gefährlichsten Schwäche: seinem Triebe zur Sondergestaltung, die entscheidene Macht. Über den märkischen Kiefernwäldern begann ein bislang unbeachteter Aar (Adler) zu kreisen, der seine Schwingen reckte, machtvoll und stark bis an die Grenzen des Reiches. Aus der Kleinstaaterei erwuchs ein Gebilde, welches zum Weltreiche wurde. Auf allen Meeren weht die deutsche Flaage, fern und nah erkämpft sich die deutsche Ware einen Ehrenplatz, überall arbeitet deutscher Verstand und deutscher Fleiß, werden deutsche Einrichtungen bewundert, beneidet, nachgeahmt. Und daheim bildet Deutschland das Herz Europas mit einem unternehmenden, kühngemuteten Volke, einem starkem Staatswesen, einem mächtigen Kaisertum. In Kampf und Not erwachte sein Selbstvertrauen, mit Blut und Eisen erkämpfte es aus der Zwietracht die Einigkeit. Seine Armut verwandelte sich in Reichtum, die Verachtung der Nachbarn in Ansehen und Bewunderung.
So ist die deutsche Geschichte einzig in ihrer Art gewesen, und einzig in seiner Art ist auch dieses Werk, welches sie versinnbildlicht, welches der Inbegriff ist von Deutschlands augenblicklichem Selbst, seiner inneren Höhe, seines äußeren Glanzes. Die «Deutsche Gedenkhalle» ist kein Buch gewöhnlicher Art, sondern hebt sich aus allen heraus und schuf sich sich selbst ihren Rahmen. Sie gibt keine landesübliche Darstellung in fortlaufender Erzählung, sondern Einzelschilderungen über Haupt- und Staatsaktionen, über Recht, Sitte, Kultur, Kunst und Wissenschaft, kurz die ganze reiche Lebensfülle des Daseins in Vergangenheit und Gegenwart; jeder Abschnitt besteht für sich und doch hängt er mit seiner Umgebung zusammen, alle liefern sie ein farbiges Gesamtbild. Demgemäß wurde jeder Einzelbeitrag sorgfältig ausgewählt, aber seine wahre Bedeutung, gleichsam seine Weihe erhielt er erst durch den Bearbeiter, welcher stets ein namhafter, meistens der namhafteste Fachmach ist: ein Gelehrter, der vorurteilslos zu forschen und in edler Wahrhaftigkeit darzustellen verstand. Das Buch bildet damit den Höhe- und Sammelpunkt der augenblicklichen Geschichtsschreibung. Zu den Gelehrten gesellten sich die Künstler, dahingeschiedene und lebende. Sie schufen für das Auge, was ihre Gefährten dem Geiste erschlossen. Und weiter kam hinzu ein Buchschmuck, der kaum seinesgleichen findet, der die Größe des Gegenstandes auch groß und herrlich wiedergab. In dem Zusammenklange aller dieser Dinge beruht der unvergängliche Wert des Werkes, erscheint es als literarisches Denkmal ersten Ranges, erhebt es sich zu einem Marksteine für Gegenwart und Zukunft.

Ihren Ausdruck erhalten diese Tatsachen in der Teilnahme Seiner Majestät des Kaisers, der in einer Kabinetts-Ordre schrieb:

«Es ist Mir ein Bedürfnis Meiner Befriedigung Ausdruck zu geben, daß Ich das Protektorat über ein Werk habe übernehmen können, welches durch die Gediegenheit seines Inhalts und den vornehmen Geschmack seiner Ausstattung ein Denkmal deutscher Buchkunst genannt werden muß.»

Voll diesen Verständnisses für die Schwierigkeiten, die der gesamten Geschichtsschreibung und diesem Buche im Besonderen anhaften, hat der Herrscher es sinnig mit den Worten unseres größten Dichters eingeleitet, daß es das Schwerste ist:

«Mit den Augen zu sehen,

Was vor den Augen dir liegt!»

 Pflugk-Harttung, Julius von

Die Deutsche Gedenkhalle
Deutsche Gedenkhalle: Cheruskerfürst Hermann
Deutsche Gedenkhalle: Karl der Große
Deutsche Gedenkhalle: Kaiser Otto I.
Deutsche Gedenkhalle: Friedrich Barbarossa
Deutsche Gedenkhalle: Kaiser Friedrich II.
Deutsche Gedenkhalle: König Heinrich V.
Deutsche Gedenkhalle: Graf Rudolf von Habsburg
Deutsche Gedenkhalle: Ludwig der Bayer/Ludwig IV.
Deutsche Gedenkhalle: Konzil zu Konstanz
Deutsche Gedenkhalle: Karl V. in Antwerpen
Deutsche Gedenkhalle: Martin Luther
Deutsche Gedenkhalle: König Gustav Adolf
Deutsche Gedenkhalle: Westfälischer Friede
Deutsche Gedenkhalle: Schlacht bei Fehrbellin
Deutsche Gedenkhalle: Friedrich I.
Deutsche Gedenkhalle: König Friedrich I.
Deutsche Gedenkhalle: Friedrich der Große
Deutsche Gedenkhalle: Schlacht von Zorndorf
Deutsche Gedenkhalle: Friedrich der Große und die Österreicher
Deutsche Gedenkhalle: König Friedrich II. und Kaiser Joseph II.
Deutsche Gedenkhalle: Vereinigung der großen Geister Deutschlands
Deutsche Gedenkhalle: Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm I.
Deutsche Gedenkhalle: Schillsche Jäger/Schillsches Freikorps
Deutsche Gedenkhalle: Volksopfer im Jahre 1813
Deutsche Gedenkhalle: Aufruf an mein Volk
Deutsche Gedenkhalle: Gebhard Leberecht von Blücher
Deutsche Gedenkhalle: Belle Alliance im Jahre 1815
Deutsche Gedenkhalle: Huldigung vor König Friedrich Wilhelm IV.
Deutsche Gedenkhalle: Krönung König Wilhelms I. zu Königsberg
Deutsche Gedenkhalle: 2. Bataillion des 24. preußischen Infanterieregiments
Deutsche Gedenkhalle: Abreise des Königs Wilhelm I. zur Armee
Deutsche Gedenkhalle: Sturm des 1. Garderegiments auf St.Privat
Deutsche Gedenkhalle: Bismarck und Napoleon
Deutsche Gedenkhalle: Generalfeldmarschall Graf von Moltke
Deutsche Gedenkhalle: König Wilhelm I., Bismarck und Graf von Moltke
Deutsche Gedenkhalle: Kaiserproklamation in Versailles
Deutsche Gedenkhalle: Prinzregent Luipold von Bayern
Deutsche Gedenkhalle: Berliner Kongreß
Deutsche Gedenkhalle: Kaiser Wilhelm I.
Deutsche Gedenkhalle: Fürst Otto von Bismarck
Deutsche Gedenkhalle: Letzte Heerschau Kaiser Friedrichs III.
Deutsche Gedenkhalle: Erste deutsche Linienschiffsgeschwader 1903
Deutsche Gedenkhalle: Die Deutschen an die Front
Deutsche Gedenkhalle: Eröffnung des deutschen Reichstages
Deutsche Gedenkhalle: Ein Reich, ein Volk, ein Gott

Deutsche Gedenkhalle Deutsche Geschichte

…und sein Hofstaat in Palermo

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Im Jahre 1162.

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