Was von den Erzeugnissen Indiens und des fernen Ostens im späteren Mittelalter auf die deutschen Märkte kam, wie Spezereien, Farbwaren, Wohlgerüche, Seidengewebe, Perlen und Edelsteine, war fast alles aus der Levante zunächst auf venezianischen oder genuesischen Schiffen nach Italien und von dort entweder durch die Galeeren der zwei großen Seestädte nach Brügge und Antwerpen gebracht und durch die Hansen dem Verbrauch besonders des nördlichen Deutschland zugeführt oder in zahllosen Ballen von den Kaufherren der süddeutschen Handelsstädte an der Donau und am Ober- und Mittelrhein auf dem Landweg über die Alpen herübergeholt und über Süddeutschland verteilt worden, während Mitteldeutschland teils von Norden teils von’Süden her damit versorgt wurde. Konstanzer und Ulmer, Augsburger, Regensburger und Nürnberger waren neben rheinischen Handelshäusern und -gesellschaften an dem Geschäfte beteiligt. Die Bedingungen freilich, unter denen in Venedig, dem weitaus bedeutenderen der zwei italienischen Stapelplätze, der Einkauf der orientalischen Waren vor sich gehen mußte, für die man mit deutschen Gewerbe- und besonders Bergbauerzeugnissen zahlte, wurden von den Handelsherren, und nicht bloß von den deutschen, als beengender Zwang nur unmutig ertragen. Erlaubte doch die Markus-Republik keinem der vielen fremden Kaufleute direkten Warenaustausch mit anderen in der Stadt anwesenden Fremden oder unmittelbaren Handelsverkehr mit den Ursprungsländern der Waren; nichts durfte den Hafen verlassen, was nicht durch die Hände eines einheimischen Kaufmanns gegangen war. Einkauf von Waren mußte in Begleitung und unter Vermittlung des dem fremden Kaufmann zugeteilten Maklers vorgenommen werden, und besonders zahlreichen Einschränkungen war der Pfefferhandel unterworfen, der wichtigste Geschäftszweig des mittelalterlichen Venedig. Solange sich nun die Republik mit der Hohen Pforte im Friedenszustande befunden und ungestört ihre Handelsvorrechte in der Levante genossen hatte, war jeder Versuch aussichtslos gewesen, dies Verhältnis, das im 15. Jahrhundert einem Handelsmonopol Venedigs für die orientalischen Waren nahekam, zu ändern; als aber 1499 der Krieg zwischen Sultan Bajesid II. und der Republik ausbrach und deren Levantehandel auf ein paar Jahre lahmlegte, wandten sich die deutschen Kaufleute in rascher und tatkräftiger Ausnutzung der Gelegenheit, um ihren Bedarf an indischen Waren zu decken, nach Genua, das im 15. Jahrhundert, wenn es auch politisch mit der Republik von S. Marco längst nicht mehr rivalisieren konnte, kommerziell doch noch einmal kräftig aufgeblüht war, jetzt vorübergehend Hauptstapelplatz für die Erzeugnisse des Ostens wurde und ihnen schon in früheren Handelsverträgen wesentlich günstigere Bedingungen eingeräumt hatte als Venedig. Eine Stelle in den Tagebüchern des Venezianers Marino Sanuto läßt deutlich erkennen, daß 1501 unter Führung der Fugger vier deutsche Handelsgesellschaften sich sogar zusammengetan hatten um von Genua aus unmittelbare Beziehungen mit der Levante anzuknüpfen.

Es ist nicht dazu gekommen. Denn inzwischen hatte Portugal begonnen aus der Entdeckung des Seewegs um das Kap der Guten Hoffnung (1497/98) die kaufmännischen Folgerungen zu ziehen: im März 1500 war Pedralvares Cabral mit 13, im März 1501 Joao da Nova mit 4 Fahrzeugen aus der Tejomündung nach dem Osten ausgelaufen; und wenn auch das erste Unternehmen nur mit beträchtlichen Verlusten an Schiffen durchgeführt wurde und der kaufmännische Erfolg dadurch hinter den Erwartungen Zurückbleiben mußte, so kehrten doch von dem zweiten alle Schiffe unversehrt und mit Ladung zurück, und in den ersten Monaten des Jahres 1502 ging unter dem Admiral Vasco da Gama eine Flotte von 20 Schiffen nach den Gewürzländern in See, von der ein Geschwader unter Vicente Sodre Befehl hatte, im Indischen Ozean kreuzend den arabischen Handel vom und zum Roten Meer nach Kräften zu behindern; man begann damit die Verwirklichung des kühnen, weitausschauenden Planes, den Zwischenhandel der arabischen Kaufleute nach Ägypten und Syrien zu vernichten und den Gewürz- und Drogenhandel nach dem Westen ganz in portugiesische Hände zu bringen, Lissabon an Stelle Venedigs zu seinem Stapelplatz für Europa zu machen. Gelang der Versuch — und bei dem Verfall der Mamelukenmacht schien das nicht unmöglich —, so war für den Indienhandel eine völlig neue Sachlage gegeben. Es zeugt von dem Weitblick und Unternehmungsgeist der süddeutschen Kaufleute, daß sie das alsbald erkannt und ihre Maßnahmen danach getroffen haben. Wurde der Gewürzstapel nach Lissabon verlegt, dann mußten sie künftig dort ihren Bedarf decken, und je eher sie sich dazu entschlossen, um so mehr Aussicht hatten sie, günstige Bedingungen für ihre Geschäfte und einen Vorsprung vor den Konkurrenten aus anderen Ländern zu erlangen. So hören wir nichts weiter von ihrem Plan, selbst über Genua mit der Levante in Verbindung zu treten, dagegen bringt bereits am 13. Februar1 1503 als Vertreter des Anton Welser (in Augsburg), Konrad Vöhlin (von Memmingen) und ihrer Gesellschafter deren Agent Simon Seitz in Lissabon einen Privilegienvertrag mit König Manuel dem Glücklichen von Portugal zum Abschluß, wonach der Welser-Gesellschaft und dem deutschen Kaufmann im allgemeinen auf 15 Jahre die Zollvergünstigungen, die dem deutschen Handel durch einzelne Förderungsbriefe schon früher in Portugal eingeräumt worden waren, von neuem zugesichert, mit bestimmten Vorbehalten aber auch auf die Handelsartikel ausgedehnt wurden, die aus den neuentdeckten Ländern kämen, und ihnen unter gewissen Bedingungen für die Zukunft unmittelbare Beteiligung an dem überseeischen Handel in Aussicht gestellt war. Die in dem Vertrag zugestandenen Rechte sollten allen deutschen Handelshäusern zugute kommen, die in Lissabon Niederlagen einzurichten wünschten und sich an dem Handel nach Portugal mit einem Kapital von mindestens 10 000 Dukaten beteiligen würden. Die vorbereitenden Verhandlungen mit dem König hatte vermutlich, da Simon Seitz auf der Reise nach Portugal, in Begleitung von Lukas Rem und Scipio Löwenstein, am 7. Januar 1503 erst bis Saragossa gekommen war1, also die portugiesische Hauptstadt vor Ende des Monats schwerlich erreicht haben kann, ein in Lissabon ansässiger, auch bei Hofe angesehener Deutscher geführt, Valentim Fernandez aus Mähren. Einer der frühesten Buchdrucker in Portugal, war er zugleich ein Mann von geistigen Interessen und gelehrter Bildung, und so finden wir ihn in den folgenden Jahren in Briefwechsel mit dem bekannten Augsburger Humanisten Konrad Peutinger, in dessen Besitz später auch eine von Valentim Fernandez herrührende und heute nach ihm benannte, überaus wertvolle Handschrift übergegangen ist, die sich in der Bayerischen Staatsbibliothek zu München befindet und Darstellungen vor allem dessen enthält, was Valentim Fernandez über die Westküste Afrikas bis zur Sierra Leone und einzelne Inselgruppen im Atlantischen Ozean sowie über die Entdeckung dieser Erdräume durch die Portugiesen im 15. Jahrhundert hatte erfahren können. Als Übersetzer hat er ferner die Reiseberichte des Marco Polo, Niccolo dei Conti und Geronimo da Santo Stefano ins Portugiesische übertragen und 1502 in Lissabon gedruckt Daß er sich um das Zustandekommen des Privilegienvertrags vom 13. Februar Verdienste erworben hatte, dafür spricht, daß Simon Seitz acht Tage danach für ihn vom König das Amt eines Maklers der deutschen Kaufleute erbittet und erlangt. Später hat er auch mit den Fugger und Imhof Beziehungen unterhalten. Das gleiche Privileg wie den Weisem, einschließlich einer diesen im besondern zugestandenen Zollermäßigung, wurde noch in demselben Jahr dem Ulrich Fugger und seinen Brüdern ausgestellt, und die Gossenprott und Höchstetter von Augsburg sowie die Nürnberger Häuser Imhof und Hirschvogel scheinen sehr bald nachgefolgt zu sein. Wenn in dem Vertrag vom Februar 1503 den Deutschen das Recht eingeräumt wird, eigene Schiffe, die sie in Portugal bauen ließen, mit allen Privilegien und Freiheiten der eigenen Untertanen des Königs für das Schiff wie für die Güter, die es führe, in allen Häfen und Flüssen des Landes wie zum Handel nach auswärts zu benutzen, so zeigt das in Verbindung mit den andern Zugeständnissen, welchen Wert Manuel auf Anknüpfung engerer Beziehungen zu den deutschen Kaufleuten legte. Und das hatte seine guten Gründe.

Das kleine Portugal besaß keinen Überfluß an natürlichen Hilfsquellen. Die Aufbringung der Geldmittel für immer neue Indienflotten stellte an die königlichen Kassen, von denen sie hauptsächlich bestritten wurde, außerordentliche Anforderungen; und Seeverluste, wie sie die Flotte Cabrals gehabt hatte (1500/01) — von zehn nach Indien bestimmten Schiffen kamen nur fünf mit Ladung zurück, ebenso viele gingen unter — ließen es dem König und seinen Beratern zu Zeiten zweifelhaft erscheinen, ob mit Staatsmitteln allein ein regelmäßiger Verkehr mit den Gewürzländern aufrecht erhalten werden könne. Einen großen Teil ihres Bedarfes an Holz, Teer und anderen Materialien des Schiffsbaus hatte den Portugiesen immer der deutsche Norden geliefert und auch manche hansische Hulk war, wenn sie in Lissabon ihre Ladung gelöscht hatte, vom Schiffsherrn mit Nutzen an einen portugiesischen Reeder verkauft worden. Masten, Pech und Teer werden denn auch in dem Vertrag vom 13. Februar 1503 ausdrücklich unter den Waren genannt, deren Einfuhr durch einen Zollsatz von nicht über 10% begünstigt sein sollte. Der Bedarf an seetüchtigen, tragfähigen Schiffen war nun in den ersten Jahren nach Anknüpfung der unmittelbaren Verbindungen mit Indien ein ungewöhnlich hoher, der Bau im Land aber bei der starken Entwaldung desselben sehr erschwert. Die verhältnismäßig bedeutendsten Werften waren am Anfang des 16. Jahrhunderts die der Ribeira zu Lissabon, nicht mehr wie im Beginn des 15. die Werften von Porto; die Mehrzahl der für die Indienfahrt benutzten Schiffe aber war biskayischer oder flandrischer Herkunft. Manuel mochte hoffen, daß die kapitalkräftigen deutschen Handelshäuser ihm, zumal bei ihren Verbindungen mit den Niederlanden, geeignete Fahrzeuge erstellen könnten. Auch sonst mußte die engere Fühlung mit ihnen, vor allem mit den Fugger, ihm wertvoll sein, weil die indischen Waren am vorteilhaftesten in Silber oder Kupfer bezahlt wurden, beides aber um 1500 fast nur vom deutschen Kaufmann bezogen werden konnte. Deutschland allein besaß damals große Silberfundstätten, wie es überhaupt im Bergbau vorbildlich war. Schon von der Mitte des 15. Jahrhunderts an hatten große oberdeutsche Handelshäuser sich an dem Kupfer-und Silberbergbau in Tirol, Kärnten und Sachsen, später auch in Ungarn, Schlesien und Böhmen beteiligt, ihn z. T. wohl auch mit ihrer Kapitalkraft erst zu seiner vollen Blüte gebracht. Den Anteil der Landesherren an der Ausbeute solcher Bergwerke nahmen sie mit Vorliebe als Pfand für Darlehen, die sie den immer Geldbedürftigen gewährten, oder ließen ihn sich gegen Vorauszahlung des Kaufpreises gleich für mehrere Jahre verschreiben. So war der Handel mit den beiden Metallen fast ausschließlich in deutschen Händen. Von den oben genannten Häusern sind in hervorragendem Maße die Fugger, aber auch Anton Welser, Konrad Vöhlin und Gesellschafter und die Höchstetter, im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts nächst diesen beiden das bedeutendste Handelshaus in Oberdeutschland, am Handel mit Silber beteiligt gewesen, und im Kupferhandel nahm vermöge seines Bergwerks- und Hüttenbesitzes in Deutschland und Ungarn das Haus Fugger die unbestritten führende Stellung ein; man kann hier fast von einem Monopol sprechen. Die Gossenprott finden wir 1498 mit ihnen sowie mit den Herwart in Augsburg und Hans Paumgartner aus Nürnberg an dem großen Syndikat für den Verkauf von Kupfer in Venedig beteiligt.

Daß 1504, vermutlich doch für die Zwecke der Handelsfahrt, Silber von den genannten Häusern nach Portugal gesandt werden sollte, zeigt ein Geschäftsbrief Anton Welsers, datiert von Augsburg 11. Dezember d. J. an seinen Schwager Konrad Peutinger, dem Abschrift eines Briefes aus dem Kontor der Welser-Kompanie in Antwerpen vom 18. November 1504 beigegeben ist. Die Verschiffung von Antwerpen war auf Schwierigkeiten gestoßen, weil im Lande ein Ausfuhrverbot für Silber bestand. Seit nun aus einer Hulk ein Posten des edeln Metalls geraubt worden war, war das Land voll davon, »die Teutschen fieren nichtz dann Silber«; verdächtige deutsche Kaufmannsgüter wurden, besonders in Zierikzee, geöffnet und durchsucht und allem dabei gefundenen Silber drohte die Beschlagnahme. Peutinger soll daher den Kaiser Maximilian, an dessen Hoflager er gerade weilt, zu Vorstellungen an seinen Sohn, den Regenten der Niederlande, Herzog Philipp (den Schönen), veranlassen, daß der Welser-Gesellschaft freier und sicherer Paß für ihre Silbersendungen nach Lissabon durch Seiner Gnaden Gebiet zu Lande und zu Wasser gewährt würde; denn erstens werde das Silber nicht in den Niederlanden aufgekauft, sondern aus Oberdeutschland dorthin gesandt; zweitens werde es in Lissabon gegen Spezerei und sonstige Waren ausgetauscht, die dann von der Gesellschaft wieder in Seiner Gnaden Häfen, Ländern und Städten eingeführt und gehandelt würden, was durch die Zollerträge und auch sonst den Niederlanden zugute komme; drittens aber werde nicht nur Silber in und durch das Land geführt, sondern auch viel im Lande erzeugten »gwands« gekauft und ausgeführt, was demselben wiederum Nutzen bringe. Vlämische Tücher hebt in der Tat Lukas Rem als besonders wichtigen Artikel, mit dem er in Portugal 1503—1508 gehandelt habe, im Tagebuch hervor. Dem Kaiser soll Peutinger vorstellen, daß, wenn es bei der Sperrung bleibe, ein Preissturz des Silbers unvermeidlich sei und Königlicher Majestät an ihren Tiroler Silbern zu nicht geringem Schaden ausschlagen müsse. Im übrigen würden die Kaufleute bei Fortdauer der Sperre genötigt sein sich nach französischen oder spanischen Häfen oder nach Genua zu wenden und Handel und Gewerbe der Niederlande dadurch geschädigt werden. Die Bemühungen der Gesellschaft sind auf die Dauer jedenfalls von Erfolg gewesen; denn wir hören, daß 1507 an der galizischen Küste ein Schiff, das in Zeeland auf Rechnung der Welser, Vöhlin und Gesellschafter, der Fugger, Höchstetter, Imhof und Rehlinger von Augsburg für Lissabon bestimmtes Kupfer und Silber geladen hatte, gekapert worden ist. Kupfer nennt neben Blei, Zinnober und Quecksilber unter den Artikeln, i die er in Lissabon verkauft habe, das Tagebuch des Lukas Rem; »Messinck, Kupfer, Zinober, Quicksilber« zählt der Privilegienbrief der Welser-Kompanie vom 13. Februar 1503 unter den Einfuhrwaren auf, und Kupfer bildet bei den portugiesischen Indienflotten der Jahre 1504—1506 den weitaus größten Teil der mitgenommenen Waren, die wir aus dem Berichte Ca Massers an die Signoria von Venedig vom Jahre 1506 kennen; auch Blei, Zinnober und Quecksilber fehlen dort nicht; aus den Rechnungsnachweisen des Fugger-Archivs aber ergibt sich, daß die Fugger in den Jahren 1510—1513 in Danzig aus dem gemeinsamen Handel mit den ungarischen Thurzo 77 734 Zentner Kupfer zur Verfrachtung nach Antwerpen, Amsterdam und Lissabon behufs Wiederverkaufes übernommen haben. Ein großer Teil des in Portugal von ihnen eingeführten Kupfers ist zweifellos nach dem Osten gegangen. Von den indischen Häfen erwies sich 1505 Cananor als besonders aufnahmefähig dafür: Almeida berichtet unter dem 16. Dezember d. J. dem König, daß hier allein fast mehr Kupfer werde abzusetzen sein als in den andern von den Portugiesen besuchten Häfen zusammengenommen; viel davon ging jedenfalls nach dem großen Binnenreich von Vijayanagar. Dabei galt doch für den Pfeffereinkauf in Cochin seit der Reise des Admirals in den Jahren 1502/03 die Vereinbarung, daß iU der Gewürzmasse in Kupfer, das Quintal zu 12 Cruzados, 3/4 in barem Geld bezahlt werden sollten; es müssen also schon dort beträchtliche Mengen davon umgesetzt worden sein.

Was aber die deutschen Kaufherren in erster Linie nach Portugal geführt hatte, war die Beteiligung am Gewürzhandel in Lissabon. In der Tat hatte der König ihnen das Recht zollfreier Ausfuhr der in seinem Lande gekauften Spezereien, Farbhölzer und anderen Waren, die von Indien und den neu aufgefundenen Inseln (Brasilien) kämen, vertraglich zugesichert. Aber diese Vergünstigung sollte für die Waren, die von den Indienflotten der Jahre 1502 (unter dem Admiral Vasco da Gama) und 1503 (unter den beiden Albuquerque) heimgebracht, und für die brasilianischen Waren, die sie von Fernando de Noronha bis 1505 kaufen würden, wo dessen Monopol für den Handel mit Brasilien ablaufe, keine Gültigkeit haben; hier sollten sie vielmehr 5 % Ausfuhrzoll zahlen: es ist sehr möglich, daß infolge dieser Vorbehalte die ihnen gewährten Vergünstigungen tatsächlich nie in vollem Umfang wirksam geworden sind, weil in den folgenden Jahren der Gewürzhandel mehrfach durch neue Verordnungen geregelt und schließlich Kronmonopol wurde. Allein die Absichten der Deutschen waren auch von vornherein weiter gegangen als auf bloßen Einkauf der indischen Waren an ihrem neuen, westeuropäischen Stapelplatz: sie dachten die Zulassung zu den Gewürzländem selber vom König zu erlangen.

Teilnahme von in Lissabon ansässigen fremden Geschäftshäusern an den indischen Handelsunternehmungen Manuels hatte auch bisher schon stattgefunden; es bedurfte dazu freilich in jedem einzelnen Fall, wie für die eigenen Untertanen des Königs, einer besonderen Ermächtigung, die unter bald günstigeren bald ungünstigeren Bedingungen in den ersten Jahren erteilt worden war. So hatten sich seit 1500 mit Kapital wie mit Schiffen der reiche und angesehene Florentiner Bartolomeo Marchione und sein Landsmann Girolamo Sernigi, die geldmächtigen Gualterotti und Frescobaldi, gleichfalls von Florenz, die ihr Hauptgeschäft in Brügge hatten, auch Giovanni Francesco Affaitato von Cremona an Fahrten nach Indien beteiligt. Die gleiche Vergünstigung hofften nun die Welser, die zuerst von den Deutschen in Lissabon festen Fuß gefaßt hatten — schon am 8. Mai war dort zur Errichtung einer Niederlage für den Warenhandel des Hauses Lukas Rem eingetroffen — ihrer Handelsgesellschaft bereits für 1504 zu erwirken, wo eine stattliche Flotte unter Lopo Suarez nach Indien abgehen sollte. Mit Empfehlungsbriefen Kaiser Maximilians und seines Sohnes Philipps des Schönen an den portugiesischen König und mit der stattlichen Summe von 20000 Dukaten, die teils bar teils in Waren an das Unternehmen gewendet werden sollten, kamen im März 1504 über Antwerpen ihre Agenten nach Lissabon, begleitet von zwei jungen Handlungsdienern, die mit der Flotte nach Indien gehen sollten. Fürs erste indes sah die Gesellschaft sich in ihrer Erwartung getäuscht; Manuel lehnte diesmal mit einer einzigen Ausnahme, zu der ein im vorhergehenden Jahre gegebenes Versprechen ihn nötigte, jede Beteiligung fremder Kaufleute ab: er gedenke den Handel mit Indien künftig sich selber vorzubehalten. Es war eine jener Schwankungen des Entschlusses, wie sie die Wechselfälle des Glückes in den ersten Jahren nach der Entdeckung wiederholt bei ihm bewirkt haben. Im Hochgefühl eines schönen Erfolges glaubte er aus eigener Kraft das indische Unternehmen bestreiten zu können, in einem Augenblick der Entmutigung konnte er (Anfang 1502 nach den schweren Verlusten der Cabralschen Flotte) gegenüber dem venezianischen Gesandten äußern, daß er es vielleicht ganz aufgeben werde. Beides entsprang vorübergehenden Stimmungen; nüchterne Erwägung der Kosten und des verfügbaren Schiffsraumes machte ihn doch den Wünschen der Kaufherren wieder zugänglich. Es dauerte auch diesmal nicht lange und er wurde anderer Meinung. So konnte denn am 1. August 1504 Lukas Rem im Namen des aus den oben genannten Augsburger und Nürnberger Häusern bestehenden Handelskonsortiums mit ihm den Vertrag zum Abschluß bringen, kraft dessen die erste deutsche Handelsfahrt nach den neuentdeckten Ländern im Osten zustande gekommen ist.

Drei Schiffe sollten die beteiligten Häuser mit der Flotte des Jahres 1505 nach Indien senden und durch eigene Agenten Spezereien dort einkaufen dürfen. Die Gestellung dieser Schiffe und die Aufbringung des erforderlichen Kapitals war übrigens nicht ausschließlich deutsches, sondern gemeinsames Unternehmen deutscher und italienischer Kaufleute, und wir erfahren aus einem eingelegten Blatte der »Cronica alter und newer geschichten« von dem Augsburger Wilhelm Rem auch die Summen, die dabei auf die einzelnen entfielen. Von dem Gesamtkapital von 65 400 Cruzados schossen florentinische, darunter Bartolomeo Marchione, und genuesische Kaufleute 29400 Cruzados ein, während von den für die Deutschen verbleibenden 36000 die Welser als Hauptbeteiligte allein 20000 (nach Lukas Rem »ob 21 000«) Cruzados in dem Unternehmen anlegten, die Fugger und Höchstetter je 4000, die Imhof und Gossenprott je 3000 und die Hirschvogel 2000. Aus anderen Quellen haben die Bedingungen sich erschließen lassen, an welche die Zulassung zur Fahrt für die deutschen Kaufleute geknüpft war. Danach hatten sie erstens die Schiffe zu stellen und den Unterhalt für deren Bemannung auf 18 Monate zu bestreiten3. Kapitäne und Mannschaft mußten Portugiesen sein oder den fremden Kolonieen in Lissabon angehören und standen für die Dauer der Fahrt unter der unbedingten Befehlsgewalt des portugiesischen Flottenkommandanten. Auch bezüglich ihrer Handelsgeschäfte war ihnen nicht unbeschränkte Freiheit eingeräumt. Den Tauschwert der vom König zur Einfuhr zugelassenen europäischen Handelsgegenstände setzten ebenso wie den der Gewürze die königlichen Faktoren fest und an ihn waren die Kaufleute gebunden. Was dagegen die Menge der einzukaufenden indischen Waren betraf, so war sie nur durch die Höhe des Angebots auf den malabarischen Märkten und durch die Kaufkraft der Handelsherren sowie die Tragfähigkeit der Schiffe begrenzt. Von dem, was sie nach Lissabon brachten, hatten sie als Abgabe an den König ein Viertel und ein Zwanzigstel, zusammen also 30 % der eingeführten Gewürze, zu zahlen. Das übrige sollten die Kaufleute ohne jede weitere Beschränkung oder Abgabe auf beliebigen Schiffen von Lissabon ausführen dürfen.

Die deutschen Kaufleute hatten damit ihr nächstes Ziel erreicht und den berechtigten Stolz der Augsburger, auf einer von keinem deutschen Handelsherrn noch betretenen Bahn die ersten zu sein, lassen die Worte Konrad Peutingers in dem bekannten Brief an den kaiserlichen Sekretär Blasius Hölzl vom 3.Januar 1505 erkennen:

»Meins Schwehers Brief wollet auch vertigen, dan die Schiff zu Portengal schier gen India faren werden, und uns Augspurgern ains groß Lob ist, als für die Ersten Deutschen, die India suechen. Und K. Maj. zu eren hab ich in die Brief gesetzt, wie er als der erst römisch kunig die schicke, dan solchs von kainem röm. Kn. vor nie geschechen ist. Mocht auch wol leiden das in den briefen stand, das anwalt des kunigs von Portengal in India, die teutschen Kn. Maj. zugehörig, den indianischen Kunigen von wegen seiner Kn. Maj. anzaiget etc.«

Siehe auch:
Die erste deutsche Handelsfahrt nach Indien, 1505/06 : Der Indienhandel vor Entdeckung des Seewegs ums Kap.

Die erste deutsche Handelsfahrt nach Indien

Abbildungen Karten & Diagramme