Äquator Taufe


Wer auf einer Seereise zum ersten Male den Aequator passiert, wird getauft; so will es ein alter Seemannsbrauch. Der ganze lustige Mummenschanz der Aequatortaufe wird sich wohl noch lange erhalten, denn es bietet auf See, wo das Vergnügen ziemlich dünn gesät ist, immerhin eine amüsante Abwechslung. Freilich geht es dabei auf einem eleganten Salondampfer verhältnismässig manierlich zu. In ihrer ganzen Urwüchsigkeit findet man die Aequatortaufe wohl nur noch auf den Kriegsschiffen vor. Auf einem solchen spielt auch die Taufe, wie sie uns nachstehend ein Matrose schildert.

…. Schon am Abend des vorhergehenden Tages (Fastnacht), erzählt dieser, erscheint der Gesandte Neptuns an Bord und meldet dem Kommandanten, dass Neptun am nächsten Tage mit Gefolge kommen werde, um Schiff und Mannschaften zu taufen. Der Gesandte — ein alter Obermaat — wird von unserem Kommandanten mit den üblichen Ehrenbezeugungen empfangen und auch dann wieder von Bord begleitet. Auch die Abfahrt wird markiert: eine Tonne, mit Holzspänen, Kohlen und Teer gefüllt, wird angezündet und treiben gelassen. Vom Kommandanten wird nun vorsichtshalber befohlen, am folgenden Tage die schlechtesten Anzüge anzuziehen.

Der Morgen beginnt; alle Vorbereitungen sind getrollen. Die Landungslatette ist zu einem Himmelswagen eingerichtet. Hierin sitzt Neptun mit seiner Gemahlin, 6 Nigger sind davorgespannt, und auch eine Niggerkapelle in schwarzem Anzug sorgt für passende Musik. Von den älteren Mannschaften, die schon die Linie passiert haben, sitzt einer vorne, einer hinten auf dem Schiff und einer auf jedem Mast, auch ein Navigationsoffizier ist dabei. Er beobachtet genau, wenn das Schiff die Linie passiert und gibt dann ein Zeichen. Dann wird eine Flasche Schaumwein am Bug der „Arcona“ zerschlagen. Das Schiff hat die Linie passiert und ist getauft.

Nun wird die Geschichte noch interessanter. Da ist Neptuns Aktuar mit den Taufscheinen und dem Register der Mannschaften, die getauft werden sollen. Zunächst aber kommt der Ordensregen. Dort steht eine ganze Kiste voll für die Offiziere. Das geht der Reihe nach und beginnt mit dem Kommandanten.

Der bekommt den höchsten Orden „Pour le mérite“, welcher vom Büchsenmacher fein ausgearbeitet ist. Bei der Ordensverleihung an die Offiziere wird vom Aktuar unverhohlen verlesen, worin ihr Verhalten den Mannschaften gegenüber zu loben und zu tadeln sei. So wird z. B. unserem Stabsarzt gesagt, er müsse ein bisschen Schnaps mehr bewilligen, und unser Zahlmeister bekommt den Orden zur roten Königsbohne, die wir seinerzeit in Westindien zu essen bekommen hatten und die sich recht hart kochte. Doch nun zum Taufgeschäft. Zunächst mussten wir alle zum Barbier; da stand er schon mit einem gewaltigen Rasiermesser aus Holz mit der Aufschrift „echt Solinger“ drauf und neben ihm ein mächtiger Seifentopf, ein grosser Kessel mit Seifenschaum, Oel, Fett, Schmiere und dergleichen angenehmen Dingen. Na, mit dieser schönen Mischung wurde nun jeder gründlich eingeseift. Auf dem Hinterdeck stand die grosse Scheuerkiste schon bereit. Sie war jetzt voll Wasser gefüllt, und hinter der Kiste sah man einen langen Windsack ausgespannt. Am Ende standen Friseurgehilfen und warteten auf uns mit Puder,  Schminke und Schwärze. Unser Stabsarzt ging uns allen mit gutem Beispiel voran und machte den mutigen Anfang. Er setzte sich auf die grosse Kiste und wurde rasiert. Und dann ging es eins, zwei, drei: kopfüber in die grosse Kiste, untergetaucht, rauseefischt und in den langen Windsack geschoben. Hier war nun jeder seinem Schicksal überlassen und krabbelte, was er krabbeln konnte, bis er am Ende wieder zum vorschein kam. Für die nötige Schnelligkeit sorgte die Damspritze hinterher. War man dann  glücklich durch den Windsack gelangt, so fiel man in die Hände der Verschönerungsräte und wurde nach allen Regeln der Kunst geschminkt und gepudert. Das war ein Hallo und Gaudium. Erst spät am Nachmittag war der ganze Taufakt vollendet. Am Abend aber ha.ten wir ein grossartiges Festessen. Wir waren keineswegs in Aschermittwochsstimmung und merkten gewiss nichts davon, dass an diesem Tage die Fastenzeit begann.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“
Eine Straussenfarm in Deutschland
Wie der Neger in Togo wohnt
Deutsche Diamanten
Zur Frauenfrage in den deutschen Kolonien und andere Bekanntmachungen
Die Landesvermessung in Südwestafrika
Bilder aus dem Norden von Deutsch-Südwest: Namutoni
Koloniale Neuigkeiten
Deutschland, England und Belgien in Zentralafrika
Das Deutsche Institut für ärztlich Missionen in Tübingen
Bilder von der afrikanischen Schutztruppe
Die Kolonien in der Kunst
Der Handelsagent in Deutsch-Afrika
Bierbrauerei der Eingeborenen in Afrika
Samoanische Dorfjungfrau
Losso-Krieger aus dem Norden von Togo
Allerlei aus dem Leben des Togonegers
Ostafrikanisches Obst
Ostafrikanische Küstenbilder
Tabakbau und Tabakverarbeitung in Havanna
Die französische Fremdenlegion
Kamerun : Totentanz der Küstenneger
Ein Rasseproblem
Blick in eine Wanjamwesi-Siedlung bei Daressalam
Der Botanische Garten zu Berlin als Zentralstelle für koloniale Landwirtschaft
Die Kirchen in Daressalam
Das Meer und seine Bewohner : Seevögel
Sie riss das Gewehr an die Backe, zielte einen Augenblick und schoss . . .
Wie man in Afrika in der Regenzeit reist
Auf den Diamantenfeldern von Lüderitzbucht
Die Diamanten-Regie des südwestafrikanischen Schutzgebiets in Berlin
Bilder aus der ostafrikanischen Vogelwelt
Vom Deutschtum im Ausland (Chile)
Medizintanz der Baias in Kamerun
Hamburg als Hafenstadt
An der Trasse der Bagdadbahn
Die Baumwollfrage
Die Mischehen unter fremden Rassen
Das Haar
Deutsches Leben in Deutsch-Südwest Afrika
Unteroffiziere der Schutztruppe in Südwest-Afrika feiern Weihnachten
Wenn der Buschneger den ersten Weissen sieht …
Berittene Spielleute des Sultans Sanda von Dikoa
Ein Morgenpirschgang in Ostafrika
Die Kilimandjaro-Bahn
Die Aufgaben der deutschen Frau in Deutsch-Südwestafrika
Kolonie und Heimat : Rückblick und Ausblick
Prosit Neujahr!
Wie die Ponapeleute entwaffnet wurden
Goldgewinnung an der Goldküste
Eingeborenen-Bilder aus Kamerun : Die Wute
Wie schafft man sich gesundes Blut?
Bilder aus der Tierwelt Südafrikas
Totengebräuche auf den Salomons-Inseln
Fünfundzwanzig Jahre Deutsch-Ostafrika
Eine Reise durch die deutschen Kolonien
Neues aus dem Innern von Neu-Guinea
Der Nord-Ostsee-Kanal
Bilder aus der Kameruner Vogelwelt
Die landwirtschaftliche Ausstellung in Keetmanshoop
Herero-Mann Deutsch-Südwestafrika
Die Straussenzucht in Südwestafrika
Kolonie und Heimat erscheint von jetzt an wöchentlich.
Die deutsche Frau in der Südsee
Die Ölpalme
Frauenerziehung in China
Seltsame Fleischkost
Mitteilung des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft
Die Herstellung von Rindentuch in Zentralafrika
Südwestafrikanische Früchte in Deutschland
Windhuk
Der Panamakanal
Bilder aus Kiautschou : Unsre Besatzungstruppe
Bilder aus Kiautschou : Chinesische Verkehrsmittel
Ein Besuch in der chinesischen Stadt Kiautschau
Das neugierige Krokodil
Bilder vom Wegebau in Kamerun
Negerkapelle
Verarmte deutsche Ansiedler in Jamaika : Ein Notschrei aus Westindien
Pestgefahr in Kiautschou?
Gastfreundschaft in Deutsch-Ostafrika
Eine leckere Mahlzeit
Südseeinsulaner aus Jap (Westkarolinen)
Kalkutta
Liebesdienst
Die Ausfuhrprodukte Deutsch-Ostafrika
Die Bewohner von Ruanda
Die Heuschreckenplage in Südafrika
Südseeschutzgebiete
Deutsch Ostafrika : Gefangene junge Elefanten in Udjidji am Tanganjikasee
Koloniale Plastik
Wie der Europäer in Südafrika wohnt
Bilder von der ostafrikanischen Nordbahn
Die Tropenhygiene auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung
Kamerun: Ein Haussa-Fleischer in Bamum räuchert Fleisch
Ein afrikanischer Operettenkrieg
Der tote Buschmann
Das neue Südafrika
Auf einer Station im Innern von Südkamerun
Die drahtlose Telegraphie und ihre Bedeutung für unsere Kolonien
Das Museum für Meereskunde in Berlin
Ein Besuch in Bombay
Bilder aus Ceylon
Suahelifrau im Festgewand
Hamburg als Hafenstadt II
Idyll aus Deutsch-Südwest: Fütterung eines jungen Springbocks
Die Bremer Baumwollbörse
Rund um Afrika
Schlangen in Südwest-Afrika
Mädchen von der Karolineninsel Jap
Milchwirtschaft auf einer südafrikanischen Farm
Auf den Lüderitzbuchter Diamantenfelder
Missionspredigt in einem Dorf von Süd-Togo
Altindische Baudenkmäler
Ein neuer Ostafrika-Dampfer
Haartrachten der Eingeborenen in Afrika
Totengebräuche im alten Samoa
Badende Kinder auf Samoa
Eine Fahrt auf der sibirischen Eisenbahn