Aktien-Papierfabrik Regensburg

Gegründet 1836 – Papierfabrik Alling.

Von Regensburg erreicht man auf der Strecke nach Ingolstadt mit der Lokalbahn Regensburg—Alling in zirka 10 Minuten die 5 Kilometer von der Stadt entfernt gelegene Station Sinzing, in deren Nähe das gleichnamige Dorf liegt, welches sich zu beiden Seiten der Laaber. eines Nebenflusses der Donau, ausdehnt und das den Schlüssel zu dem eigentlichen Laabertale bildet. Die Laaber mit ihren vielen Gefällen bot wohl der Industrie die erste Veranlassung zu ihren Niederlassungen; auch der Gründer der Papierfabrik mit ihren Beiwerken hatte sein erstes Augenmerk darauf gerichtet, sich deren Kräfte zu nutze zu machen. Dem Flusse aufwärts geht nun die Fahrt in vielen Windungen und reich an landschaftlichen Bildern bis zu der 5 Kilometer weiter gelegenen Station Alling, dem Kndziel der Lokalbahn und unserer Reise. Das Tal dehnt sich noch stundenlang aus und bietet den vielen Besuchern durch seine Schönheit und Abwechslung die reichsten Naturgenüsse. Wir aber befinden uns nach Verlassen der Station in unmittelbarer Nähe der Fabrik, welcher unsere Beschreibung gilt.

Zunächst fällt unser Blick auf die von weitern schon auffallenden beiden Kamine, welche die Geschichte der Fabrik und die einzelnen Epochen der Vergrößerung derselben äußerlich zeigen. Als Gründungsjahr lesen wir über dem Eingang des Hauptgebäudes die Zahl 1836, also eine Zeit, wo unsere Industrie noch in den Kinderschuhen stak und wo das Papier noch mit der Hand in Bogenform geschöpft wurde. Der um diese Zeit ständig steigende Bedarf an Papier konnte jedoch auf diesem Wege nicht mehr befriedigt werden und der Gründer des Unternehmens, der damalige Buchdruckereibesitzer und Buchhändler Herr Friedr. Pustet, war einer der ersten, der sich die Vorteile der damals neu erfundenen Maschinenpapierfabrikation zu nutze machte und eine kleine Papiermaschine aufstellte, auf welcher das Papier in endlosen Bahnen hergestellt wurde. Durch den guten Absatz der Papiere, welche wegen ihrer Schönheit besonders begehrt waren, sah sich der Gründer veranlaßt, bald eine zweite Maschine aufzu-stellen, welche sein Sohn Klemens anläßlich seines Besuches der Londoner Ausstellung im Jahre 1851 in England kaufte. Die deutsche Maschinentechnik war damals noch nicht auf der Höhe der Zeit. Die Fabrikation erfuhr durch die Aufstellung dieser zweiten Maschine für damalige Verhältnisse eine bedeutende Erweiterung. Um den nötigen Rohstoff zur Stelle zu bringen, erbaute Herr Friedrich Pustet im Jahre 1855 das Hilfswerk Unter-Alling für Hadernmachung und Bleicherei und stellte dortselbst alsbald eine dritte Papiermaschine auf, sodaß die Erbauung eines weiteren Hilfswerkes in Ober-Alling anfangs der sechziger Jahre eine dringende Notwendigkeit wurde. Nach kaum geschehener Vollendung desselben zerstörte ein großes Brandunglück im Jahre 1861 das Hauptwerk in Alling. Die rastlose Energie des Gründers konnte jedoch durch diesen Schicksalsschlag ebenso wenig, wie durch das im Februar 1862 eingetretene bedeutende Hochwasser, welches kolossalen Schaden an Gebäuden und Maschinen in den drei Fabriken verursachte, gebrochen werden. Unterstützt von seinen Söhnen, welche die Fabrik übernahmen und von denen der jüngste namens Klemens die Leitung bekam, ging der bereits 65 jährige Herr daran, diese Schäden durch entsprechende Um- und Neubauten auszugleichen und so sein Lieblingswerk zu einem modernen Unternehmen zu gestalten.

Im Jahre 1871 wurde die Fabrik aus Familiengründen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und Aktienpapierfabrik Regensburg vormals Gebr. Pustet benannt.

Inzwischen hatte die deutsche Industrie im Maschinenbau England bedeutend überholt; die inzwischen veralteten englischen Maschinen konnten daher durch neue deutsche ersetzt werden und so wurde die Firma Escher Wyß & Co., Ravensburg, mit der Neugestaltung der gesamten inneren Einrichtung betraut, welche in der Aufstellung zweier neuer Papiermaschinen und Holländer (Mahlwerkmaschinen) etc. bestand, die bis 1873 betriebsfertig übergeben wurden. Noch eine Reihe von Jahren konnte sich die Fabrik ihres Ruhmes und guten Absatzes erfreuen. Schon mit der Erfindung der Zellulose und des Holzschliffes trat eine Wendung ein. welche der Papierindustrie und dem Maschinenbau zwar einen gewaltigen Aufschwung brachte, aber den Wert der Produkte bedeutend herabsetzte. Durch die Gründungen vieler neuer Papierfabriken mit ungleich größeren Produktionen gestaltete sich die Lage der Papierindustrie immer schwieriger und kam für die Papierfabrik Alling auch die Zeit, wo deren Leistungsfähigkeit in Frage gestellt war. Im Jahre 1898 trat die Gesellschaft in Liquidation, die jedoch zu keinem Ergebnis führte. Nach dem Tode des damaligen Leiters Herrn Klemens Pustet entschlossen sich die Aktionäre der Arbeiter wegen, deren Existenz von der Fabrik abhing, dieselbe weiter zu führen. Im Jahre 1900 wurde der noch heute das Werk führende Leiter Herr Rud. Bäcker berufen, um dasselbe auszubauen und der Jetztzeit entsprechend zu modernisieren. Heute steht die Fabrik auf der Höhe ihrer Aufgabe; erzeugt werden täglich 12 000 bis 15 000 kg Papier gegen ca. 4000 kg im Jahre 1900 und 1000 bis 2000 kg in den früheren Jahren. Aber so erfreulich der Aufschwung in der Vergrößerung der Produktion ist, so bedauerlich ist die Lage der Papierindustrie, welche heute unter der Überproduktion schwer zu leiden hat. Möge bald die Zeit einen Ausgleich bringen, damit diese große, schöne Industrie wieder erstarke und sich ihrer Erfolge erfreuen kann.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth