Asien-Die Nachkommen Noahs

Kann man die Geschichtlichkeit der Sintflut beweisen? Soweit ein vorgeschichtliches Naturereignis mit den Methoden und Ergebnissen einer Ausgrabung bewiesen werden kann, ist es geschehen. Leonard Woolley, der Ausgräber von Ur am unteren Euphrat, hat durch die Feststellung einer 2,5 m starken Tonschicht, die in beträchtlicher Tiefe die Kulturschichten unterbrach, eine Flutkatastrophe von einzigartiger Mächtigkeit einwandfrei nachgewiesen. Daß diese Flut mit der biblischen Sintflut identisch ist, kann kaum ernstem Zweifel unterliegen. Die Überlieferung einer solchen Flut ist ja nicht biblisch, sondern sumerisch und wurde im babylonischen Gilgamesch-Epos dichterisch verarbeitet, wo Utnapischti seinem, das ewige Leben suchenden Urenkel Gilgamesch die Geschichte seiner Errettung von der Flut erzählt, und zwar in fast völliger Übereinstimmung mit der späteren biblischen Fassung. Wenn wir die heutige Entfernung von Ur vom Persischen Golf in Betracht ziehen, erscheint die Möglichkeit einer großen Flut, die ohne Mitwirkung der See undenkbar ist, freilich fabulos. Wenn wir jedoch den unablässigen Landzuwachs des babylonischen Alluvialgebietes in Betracht ziehen und erfahren, daß das Meer um 400 n. d. Zw. noch bis Kuma reichte, wo heute Euphrat und Tigris sich vereinigen, und daß um 2000 v. d. Zw. die beiden Ströme noch weit voneinander getrennt in den Golf mündeten, dann erscheint Ur ganz nahe an die Meeresküste herangerückt und mußte natürlich in eine Flutkatastrophe mit einbezogen werden.

Das Tal des Euphrat war damals noch ein Sumpf, aus dem immer mehr Inseln trockenen Alluvialbodens auftauchten, der mit seiner überwältigenden Fruchtbarkeit die an harte Feldarbeit auf dem unwirtlichen Boden des nahen arabischen Plateaus oder des mittleren Euphrattals gewohnten Bauern magnetisch anzog. Die alljährlichen Überschwemmungen, die das Land weithin in eine einzige Wasserfläche verwandelten, zwangen die Siedler mehr als irgendwo anders auf Erden zum Zusammenschluß in Städten, die im Laufe der Jahrhunderte, da Schlammziegelhütten kurzlebig sind und grundsätzlich von jeder Generation erneuert zu werden pflegen, immer höher über das Alluvialland emporwuchsen, die sich aber von ihrer Gründung an durch drei bis fünf Meter starke Rohziegelmauern vor dem Hochwasser schützen konnten. Daraus erklärt sich, daß Ur und andere Städte des Schwemmlandes sogar die Große Flut überlebten.

Gründer dieser ältesten Städte in Babylonien waren die Sumerer, deren Rassenangehörigkeit noch nicht festgestellt ist und die wahrscheinlich aus dem östlichen Hochland, das sich vom Zweistromland bis zum Industal erstreckt, stammten. Ihrer eigenen Tradition nach kamen sie mit einer bereits fertig geformten Kultur in das Schwemmland und hatten die Kenntnis des Ackerbaues, der Metallarbeit und der Schreibkunst mitgebracht. Den Ursiedlern des Alluvialgebietes waren sie soweit überlegen, daß jene bald zu Sklaven herabsanken.

Die sumerischen Königslisten zählen die Könige vor und nach der Flut auf: „Dann kam die Flut, und nach der Flut stieg das Königtum abermals vom Himmel hernieder“, heißt es auf den Tontafeln. Als L. Woolley 1927/28 am vorgeschichtlichen Gräberfeld, am Rande des Hügels von Ur, einen Laufgraben ausschaufeln ließ, fand er zunächst bis hinab in eine Tiefe von zwölf Meter Ha uskehricht und Asche von Herd feuern, zersetzte Schlammziegel, Massen von Tonscherben, alles in deutlich abgesetzten Lagen. Dieser Schutt konnte nur aus der höhergelegenen Stadt stammen, über deren Mauern man ihn — wie heute noch in alten Städten — jahrhundertelang herabgeworfen hatte. In diesen Schutt hinein waren die königlichen und andere Gräber gegraben worden, er erstreckte sich noch bis unter die Gräber. Es wurden nun Schächte bis unter die Bodenebene der tiefsten Gräber, der Königsgräber, getrieben, und man fand dort Tonscherben, deren Schriftcharakter viel altertümlicher war als in den Gräbern. Der Schrift nach konnten sie etwa dem 37. Jahrhundert v. d. Zw. zugewiesen werden, waren also zweihundert bis dreihundert Jahre älter als die Gräber. Die Töpferware dagegen und sonstige Gegenstände glichen ganz jenen in den Gräbern, woraus sich der Schluß ergab, daß sich die materielle Kultur des Volkes wenig verändert hatte. Nach weiterer Vertiefung der Schächte aber gelangte man zu einer reinen Tonschicht ohne den geringsten Kulturschutt, die nur durch Wasser angeschwemmt worden sein konnte. Diese Schicht war zweieinhalb Meter stark, worauf wieder Schuttlagen mit Scherben, Feuersteinkernen und Steingeräten folgten. Scherben und Geräte waren jedoch von den oberhalb der Tonschicht gefundenen verschieden. Sie glichen jenen des vorsumerischen Dorfes Obeid, sie gehörten einer älteren Zeit an, und daraus ergab sich ein Bruch in der geschichtlichen Stetigkeit: über dem Ton lagen Schichten rein sumerischer Kultur, unter ihm dagegen der Schutt einer Mischkultur, die teils sumerisch, teils anders war und jener Rasse angehörte, die das Flußtal bewohnte, bevor die Sumerer sich ansiedelten. Wie sehr aber die Stadt Ur damals schon den primitiv gebliebenen Dorfbewohnern der Umgebung kulturell überlegen war, zeigt ein in dieser Tiefe gefundener gebrannter Ziegel an, der den Beweis lieferte, daß die Bewohner von Ur damals schon in dauerhaften, festgefügten Häusern wohnten und Ur kein Dorf von Schlamm-und Rohrhütten war wie das nahe Obeid. So hatte dieser, mit moderner Methode und scharfer Kombinationstechnik durchgeführte Ausgrabungsprozeß Woolleys zu mehreren grundlegenden Resultaten geführt. Die Ablagerung der Flut war gefunden und bewiesen, daß diese wohl eine Unterbrechung, nicht aber eine Zerstörung der bereits vorher entwickelten sumerischen Kultur verursacht hatte.

Als Gradmesser dieser Kultur dienen die Funde der Königsgräber, die in diesem Gräberfeld geöffnet wurden. Es waren überwölbte Grabkammern aus Stein oder Ziegeln. Man fand im Grabe einer Königin geriefelte Goldgefäße von unüberbietbarer Eleganz der Form, vergleichbar den schönsten Gefäßen der Empirezeit. Ihr einziges ornamentales Motiv außer der Riefelung ist je ein Zickzackfries am oberen und unteren Rand. Man fand dort ferner ein kupfernes und ein silbernes Boot, letzteres gut erhalten, sechzig Zentimeter lang, mit steil gekurvtem Heck und Bug, fünf Sitzen und mitschiffs einem bogenförmigen Gestell für das Sonnensegel, das die Insassen schützte; die blattförmigen Ruder lagen noch in den Duchten. Heute noch werden solche Boote in den Sümpfen des unteren Euphrat benützt. Eine besondere Überraschung bot der Kopfschmuck der Königin. Auf einer in der Mitte gescheitelten, seitlich weit ausgepolsterten Perücke lagen drei Schnüre aus Lapislazuli und Karneolperlen: der unterste geschmückt mit großen goldenen Ringen, die über die Stirne herabhingen, der zweite mit goldenen Buchenblättern, der dritte mit Weidenblättern und goldenen Blumen, deren Blätter aus blauen und weißen Einlagen bestanden. Die Königin trug außerdem einen goldenen „Spanischen Kamm“ mit fünf Spitzen, die in goldenen Blumen endigten, deren Inneres Lapislazuliauflagen zeigt. Spiralringe aus Golddraht waren in die Seitenlocken der Perücke gewunden und schwere halbmondförmige goldene Ohrringe hingen auf die Schultern herab.

Mit dem König oder der Königin wurde auch der Hofstaat begraben, Palasttruppen, Kammerdiener, Hofdamen und Gespanne. Die Hofdamen trugen ebenfalls kostbaren Haarschmuck; von den sicherlich feinstoffigen, bunten Gewändern fanden sich nur Spuren. Goldverzierte, mit Mosaik ausgelegte Harfen lagen in allen Fürstengräbern. Zu einem mit Einlegearbeit und goldenen Löwenköpfen geschmückten hölzernen Schlittenwagen mit den Skeletten zweier Esel und der Stallknechte fand sich auch ein besonders schöner, silberner Deichselkopf, bestehend aus Zwillingsringen zum Durchlauf der Zügel und geschmückt mit einem auf den Ringen laufend dargestellten Esel von überraschender Natürlichkeit. Diese sumerischen Deichselköpfe sind die Urahnen der unzähligen späteren, wovon heute zahlreiche Exemplare meist aus medischer und achämenidischer Zeit in den Gräbern von Luristan gefunden werden. Die sumerischen sind die ältesten Exemplare dieses Metallbeschlages, der den Menschen durch seine fünftausendjährige Geschichte begleitet und heute noch am Kühlkasten der Kraftwägen seine Rolle spielt. Die auf die Begräbnisse der Könige beschränkt gebliebenen Menschenopfer mögen aus der Vergottung der Herrscher erklärbar sein, der nach dem Glauben des Volkes nicht starb, sondern ins Jenseits versetzt wurde, so daß es für die Mitglieder seines Hofes als ein Vorrecht empfunden worden sein mag, den Gebieter dahin zu begleiten. Solche Totenopfer bei Begräbnissen von Häuptlingen und Königen waren bei den meisten Naturvölkern bis in unsere Zeit gebräuchlich und hielten sich selbst bei Kulturvölkern, wie den Chinesen und Indern, weit in ihre historische Zeit hinein. Zu den eigenartigsten Funden der Grabbeigaben gehört die Gruppe eines auf den Hinterbeinen stehenden Ziegenbockes hinter einem stilisierten Baum, der aus einem zylindrischen Stamm und zwei seitlich symmetrisch aufragenden Ästen und Blüten besteht.

Es wurden zwei Exemplare dieser symbolisch verschieden deutbaren Gruppe gefunden. Die Körper derartiger Figuren wurden aus Holz geformt, feinere Teile aus Gips modelliert, dann mit Asphalt als Klebemittel bestrichen und mit Goldblech überzogen. Die Haarlocken wurden aus weißer Muschel oder Lapislazuli geschnitzt und separat eingesetzt. Das feinste Stück Treibarbeit in Gold ist ein Helm, der sich wie eine Haube um den Kopf schmiegt und nur Nase, Mund und Kinn freiließ. Die Haarwellen und Locken erscheinen aufs feinste reliefmäßig herausgetrieben und ziseliert; ebenso ein um den Helm gelegter Flechtkranz; die Ohrmuscheln haben Gehörlöcher. Stücke wie dieses, das heute im Irak-Museum in Bagdad aufbewahrt ist, und die obenerwähnten Goldschalen und -becher beweisen, daß die Goldschmiedekunst vor 5000 Jahren bereits eine schlechthin unübertreffliche Meisterschaft erreicht hatte, die die verwöhntesten Ansprüche des modernen Menschen ästhetisch vollauf befriedigt, während wir die menschliche Figurenkunst nur als archäologische Dokumente genießen können. Ein Denkmal dieser Art ist die „Mosaikstandarte von Ur“, die wie alle andern Funde in Woolleys Büchern über seine Ausgrabungen in Ur abgebildet ist. Sie besteht aus zwei rechteckigen Tafeln von 55 cm Länge und 22,5 cm Breite und aus zwei dreieckigen Endstücken.

Das Ganze war an einer Stange befestigt und wurde wahrscheinlich bei Prozessionen vorangetragen. Es lag an der Schulter des königlichen Standartenträgers. Das Mosaik besteht aus kleinen Perlmutterfiguren auf Lapislazuligrund. Die dreieckigen Enden zeigen mythologische Tier-Szenen, die Haupttafeln in Streifen ein königliches Festgelage, die Herbeischaffung der Schlachttiere, Rinder, Widder und Fische, das Heranschleppen der dem Feinde abgenommenen Beute, die Vorführung der Gefangenen vor dem König, einen Zug von Kriegern und die gegen den Feind kämpfenden Kriegswagen. Die Darstellung zeigt also bereits die für die spätere assyrische und persische Hofkunst typischen Gegenstände. Die Krieger tragen haubenartige Helme, wie der oben beschriebene, und Mäntel, die mit einer Spange am Hals zusammengehalten werden, als Waffe Äxte. Die mit Wagenlenker und Speerträger bemannten, von Maultieren gezogenen Kriegs wagen haben ein hohes Vordergestell, in dem in einem Köcher vier Reservespeere stecken. Die Standarte bietet die älteste Darstellung der Armee der ältesten Großmacht des Zweistromlandes, ist daher ein Schlüsselwerk von größtem Wert. Sie gibt ein Bild des Heeres, das die sumerische Kultur vom Rande des Persischen Golfs bis hinauf in das nördliche Mesopotamien und bis hinüber zu den Gestaden des Mittelmeeres trug.

Die in den Gräbern gefundenen Waffen, meist Dolche, zeigen eine für jene frühe Zeit bisher imgeahnte Vollendung. Dies zeigt uns, daß die Sumerer schon am Ende des 4. Jahrtausends die Wagentruppen in die Kriegsgeschichte einführten, mit welchen später die Babylonier und Assyrer ihre Reiche gründeten und durch die noch Alexander seine Schlachten gewann.

Im Hügel von Obeid bei Ur wurde eines Tages der Grundstein eines Gebäudes gefunden, dessen Inschrift den Namen des zweiten Königs von Ur als Erbauer nennt. Damit wurde die geschichtliche Treue der schon vorher bekannten Königslisten von Sumer bewiesen, deren frühe Dynastien man bisher nicht als historisch anerkannt hatte. Die Dritte Dynastie nach der Flut wird die Erste Dynastie von Ur genannt, und ihr Gründer war Mesannipadda, der in der Inschrift als Erbauer des Gebäudes genannt war. Dieses konnte daher um 3100 v. d. Zw. datiert werden und mit ihm die darin gemachten Funde. Durch die Auffindung dieses Grundsteins wurde die Erste Dynastie von Ur in das Reich der Geschichte eingerückt und ein ganzes Zeitalter wiedererweckt.

Woolley versuchte nun auf Grund der teilweise noch stehenden Grundmauern und der Funde von Metallverkleidungen ein Modell von Mesannipaddas Haus herzustellen, das das älteste, bisher bekanntgewordene im Zweistromlande und eines der ältesten der Welt ist. Die Funde von vier kupfernen Standbildern von Stieren, von Kupferrelieffriesen mit ruhendem Vieh, mit schreitenden Kühen und Tauben, ferner mit einer Meierei mit einem Kuhstall aus Rohr in der Mitte, Melken der Kühe, Seihen und Buttern auf beiden Seiten, aber nicht durch Hirten, sondern durch Priester oder Tempeldiener, bestimmten das Gebäude als einen jener Tempel, die mit heiligen Meiereien verbunden waren, wo die Priester rituell die Milch der Muttergöttin Nincharsag zubereiteten, die den Priestern und Königen als Nahrung Vorbehalten war. Die Tempelfassade bestand aus einer Wand mit vertikalen Nischenrillen, dem in Mesopotamien allgemein gebräuchlichen Fassadenomament, und einer Freitreppe, die zu dem hochgelegenen Eingangstor führte. Dieses hatte ein von kupferbeschlagenen Holzsäulen getragenes Vordach, während Mosaiksäulen den Türsturz trugen, über dem ein fast zweieinhalb Meter langes und einen Meter hohes Kupferrelief angebracht war, das die heraldische Gruppe eines Adlers zeigt, der mit jedem Fang einen Hirschen greift. Am Rande der Plattform standen zu beiden Seiten die kupfernen Stiere, um sie herum gefärbte Tonblumen, die eine Wiese andeuten mochten. Höher oben lief der Kupferfries mit dem ruhenden Vieh, darüber der Mosaikfries mit der Meiereiszene und noch höher der Taubenfries. Eine idyllische Fassade, pastoral und friedlich, noch mit patriarchalischem Hirtengeist erfüllt, eine seltene Ausnahme von den stets wiederkehrenden Kriegszügen, Schlachten und Tributprozessionen der späteren mesopotamischen Fassadenkunst.

Die Eigenart dieser frühesten Kunst im Zweistromlande ist, wie alle genannten Werke uns lehren, die Kunst der Verkleidung. Hier im Schlammland von Unter-Mesopotamien, wo es Steine nicht gab, war der sonnengetrocknete Schlammziegel das gegebene Baumaterial und Holzpfeiler wurden als Träger verwendet. Für die Hütten des Volkes genügte beides im rohen Zustand. Die Palmstämme wurden nicht einmal geglättet, wenn wir von den heute üblichen Häusern auf die einstigen zurückschließen dürfen. Die Säulen der Tempel und Paläste dagegen wurden mit blankem Kupferblech und geometrischem Mosaik aus Muscheln, Lapislazuli und Schiefer verkleidet und Metallfriese scheinen als Schmuck der verputzten und geweißten Wände vorgeherrscht zu haben. Noch war der glasierte Ziegel nicht in Gebrauch, der später die Wanddekoration Westasiens bestritt.

Durch die Jahrtausende markierte ein Riesenhügel die Lage von Ur, die Ruine der Ziggurat, des Hochtempels, eines Baudenkmales der Dritten Dynastie, die von 2300 bis 2180 herrschte. Rund sieben Jahrhunderte waren vergangen seit der ersten Blütezeit von Ur, eine enorme Zeitspanne, aber doch auch uns westlichen Menschen nicht unerhört in der Geschichte einer Stadt, wenn wir nach Rom blicken, das zwischen seiner Kaiserzeit und der zweiten Glanzzeit unter den Päpsten auch fast ein Jahrtausend des Niederganges überlebt hat. Das Land Sumer, das um 2900 zum „Weltreich“ aufgestiegen war, hatte die Oberherrschaft über Mesopotamien einige Jahrhunderte lang an die semitischen Könige von Akkad verloren, die sich „Könige von Sumer und Akkad“ nannten, und deren Hauptstadt etwa achtzig Kilometer nördlich von Babylon am Euphrat lag, gewannen sie aber um 2600 wieder zurück. Erst hatte die Stadt Lagasch ein Jahrhundert lang die Führung und dann kam unter ihrer Dritten Dynastie Ur wieder obenauf. Aus dieser Zeit stammt die Ziggurat, einst die größte im Lande Sumer, und heute noch die besterhaltene in Mesopotamien. Sie wurde von den zwei ersten Königen dieser Dynastie, Ur-Nammu und Dungi, erbaut. Schon vor fünfundachtzig Jahren hatte der damalige britische Konsul in Basra, Mr. J. E. Taylor, die Kuppe des Hügels abgegraben und Tonzylinder mit Inschriften gefunden, die vom letzten König von Babylon, Nabonid, um 550 v. d. Zw. deponiert worden waren und berichten, daß er den Turm wiederherstellen ließ, der von Ur-Nammu und seinem Sohn Dungi erbaut, aber nicht vollendet worden sei. Damit war nicht nur das Alter der Ziggurat, sondern auch die Identität des Ortes mit „Ur in Chaldäa“, der biblischen Heimat Abrahams, festgestellt.

Taylor, der noch dem romantischen Ausgrabungsziel, der Jagd nach eindrucksvollen Schaustücken für das Museum, nachging, wie sie damals die assyrischen Hügel so reichlich lieferten, verließ diesen Ziegelberg bald wieder, leider ohne die oberste, freilegte Plattform der Ziggurat wieder zugeschüttet zu haben, so daß sie dem Wetter und den arabischen Maurern ausgeliefert war, die billige Ziegel für ihre Bauten suchten. Immerhin war noch genug übrig, als 1922 die Ausgrabung von der gemeinsamen Expedition des British Museum und des Museums der Universität von Pennsylvanien unter Woolleys Leitung in Angriff genommen wurde. Es war eine kostspielige und selbstlose, um nicht zu sagen undankbare Räumungsarbeit, undankbar für die Museen, für die wenig gefunden wurde, aufklärend freilich für die Archäologie. Zwei Winter mußten zahlreiche Arteiter Tausende von Tonnen Schutt wegräumen, bis der Kern des Baues freigelegt war.

Ziggurat heißt „Himmelshügel“ oder „Gottesberg“, und in Mesopotamien gab es in jeder Stadt einen oder mehrere solcher Hochtempel. Sie waren jedoch nicht auf das Zweistromland beschränkt, sondern über die alten Kulturen der Erde verbreitet. Wir finden Stufentürme und Stufenpyramiden auch im alten Ägypten, in allen Ländern Hinterindiens und auf den Inseln des Ostindischen Archipels, ferner in Chinesisch-Turkestan und in Pagodenform in China, endlich in Ozeanien, Peru und Mexiko. Lokale Erklärungen ihrer Herkunft werden ihnen daher nicht gerecht, wie etwa die, daß die Sumerer aus einem Bergland kamen und daher ihre Götter auf Höhen zu verehren gewohnt waren. Wir werden diesen Hochtempeln als Träger kosmischer Vorstellungen später wieder begegnen. Ihre Stufen entsprechen mytho-kosmischen und häufig auch okkult-geistigen Sphären und Stufen des Aufstiegs zur Gottheit, wie ihn nach orientalischen Vorbildern noch Dante in seinem „Berg der Läuterung“ dargestellt hat. Sie sind Weltbergsymbole und repräsentieren in Indien den Götterberg Meru, und eine ähnliche Bedeutung mögen sie auch in Mesopotamien gehabt haben. Die Ziggurat von Ur, die zum Tempel des Mondgottes Nannar gehört, mißt etwa sechzig Meter in der Länge und fünfundvierzig Meter in der Breite.

Ihre ursprüngliche Höhe war etwa einundzwanzig Meter. Ihr Kern aus Rohziegeln ist mit einer zweieinhalb Meter starken Hülle aus gebrannten Ziegeln verkleidet. Die fünfzehn Meter hohe, erste Stufe ist geböscht und ihre Masse durch flache Strebepfeiler verfestigt. Das zweite und dritte Stockwerk war bedeutend niedriger, und auf der dritten Plattform stand eine Kapelle für das Götterbild. Auf der Nordostseite, gegenüber dem Nannar-tempel, führten drei Freitreppen mit je hundert Stufen nach oben, eine in der Achsenrichtung, zwei längs der Mauer. Langsam und feierlich bewegten sich die Prozessionen gleichzeitig von drei Richtungen, Stufe für Stufe, nach oben: die Hauptpersonen, der Gott-König, die Priester und Minister voran auf der zentralen Achsentreppe, Züge von Hymnen singenden Jünglingen und Mädchen sowie die Vornehmen aus Stadt und Land auf den seitlichen Treppen. Aus einer Inschrift ergab sich der Schluß, daß die Terrassen mit Erde bedeckt und mit Bäumen bepflanzt waren, mit hängenden Gärten, die den Bau noch mehr als Gottesberg erscheinen ließen. Der Bericht von diesen hängenden Baumgärten änderte unsere bisherige Vorstellung vom Anblick der Ziggurats wesentlich. Die Ziggurat von Ur war gewiß keine Ausnahme, sie machte wahrscheinlich Schule. Sonst hätte Kaiser Augustus, der erste römische Weltherrscher, diese Bauidee nicht aufgreifen und an seinem Grabdenkmal nachahmen lassen.

Sein Mausoleum, dessen Mauern heute noch im Zentrum des alten Rom stehen, war ein kreisrunder Bau, nicht massiv wie die Hochtempel, sondern ein Hohlbau mit Schermauern, etwa dreizehn Meter hoch, aus Travertinquadern, mit einem darüber aufgeschütteten konischen Hügel, der mit Zypressen und Efeu bepflanzt war und bis zu einer Höhe von fünfundvierzig Metern aufstieg. Von einem von unten heraufkommenden zentralen Mauerpfeiler getragen, stand auf der Spitze die Riesenstatue des Divus Augustus, des göttlichen Kaisers, aus Bronze. Das war doch etwas anderes als die Ära Pacis Augustae unten in der Stadt, dieser noch klassische Einfalt und republikanische Schlichtheit atmende Friedensaltar vom Jahre 9 v. d. Zw. Inzwischen hatte man Weltmachtrausch genossen und war vergöttlicht worden wie die orientalischen Despoten. Man hatte vom Orient gelernt, Monumente für die Ewigkeit zu errichten und nützte den großen Vorteil, diese mit Riesenstatuen krönen zu dürfen, wie sie der Hellenismus entwickelt hatte, anstatt nur mit Kapellen. So dauerhaft freilich wie eine babylonische Ziggurat war die „Moles Augustea“ nicht. Ihr Verfall begann schon nach vierhundert Jahren und hielt mit dem Verfall Roms im Mittelalter gleichen Schritt. Dagegen stand die Ziggurat des Ur-Nammu von etwa 2250 bis 550 v. d. Zw., also rund siebzehnhundert Jahre intakt, worauf sie von Nabonid wieder hergerichtet und mit einer neuen Kapelle aus blauglasiertem Ziegel gekrönt wurde.

Zu Füßen der Ziggurat stand gegenüber der axialen Freitreppe, die zur Höhe führte, der große Tieftempel des Hauptgottes von Ur, Nannar. Wohl stand das eigentliche Heiligtum des Mondgottes auf der obersten Plattform des Turmes, doch genügte es nicht für den Kult, geschweige für die damit verbundene monastische Großwirtschaft der Priesterschaft. Jeder Tempel besaß, wie in Europa die Klöster, ausgedehnte Ländereien, deren Ertrag dem Gott zufloß. Dafür waren Getreidespeicher, Stallungen und Vorratskammern ebenso notwendig wie ein entsprechender Verwaltungsapparat. Da ferner der König der sichtbare Vertreter Gottes auf Erden war, amteten hier auch die Hof- und Staatsbeamten, die Staatssekretäre für Finanzen, Krieg, Bodenkultur und Transport, die Steuereinnehmer und der dazugehörige Beamtenkörper. Die Bauern brachten den Zehnten ihres Viehs, ihrer Schafe, Ziegen und Esel, Gerste und Käse, Tonkübel, gefüllt mit zerlassener Butter und Olivenöl, Datteln, Rohr und Wein, Ballen von Wolle. Alles mußte gewogen, auf Tontafeln registriert und bestätigt werden. Es herrschte ein streng kaufmännischer Geschäftsbetrieb, wie heute.

Die Tausende von Tontäfelchen, die gefunden wurden, geben Kunde von diesem Betrieb. Statt daß der Schreiber ein vorgedrucktes Geschäftspapier in die Maschine einlegte, nahm er eine frischgemachte, noch weiche Tontafel und grub mit einem Rohrgriffel in Keilschrift, die die Sumerer entwickelt hatten, die Lieferungsliste ein und gab auch dem Überbringer eine Bestätigung seiner getätigten Lieferung. Dann wurden die Tafeln rasch im Ofen gebacken und wurden so fest, daß sie alles Papier überdauerten.

Vier andere Tempel aus verschiedenen Epochen, zwei Kapellen, eine für Nannar, die andere für das Schiff des Mondgottes, ferner der Palast des Ur-Nammu bildeten ein Tempel-und Palastviertel, einen Nannarbezirk, der viel später von Nebukadnezar (625 — 561), dem Begründer der letzten babylonischen Dynastie, wiederhergestellt und mit einer großen Rohziegelmauer umgeben wurde.

Unmittelbar an den Heiligen Bezirk schloß sich eines der ältesten Wohnviertel von Ur an. Schon um das Jahr 2000 waren hier die Häuser auf Terrassen gebaut worden, die auf dem Schutt der früheren Jahrhunderte eingeschnitten worden waren, so daß die Häuser aus der Zeit Abrahams in verschiedenen Höhen standen. Bei der Zerstörung der Stadt im Jahre 1885 v. d. Zw. wurden die zutiefst liegenden vom Schutt der höheren bedeckt und so gut erhalten, „daß sie eher gestern als vor achtunddreißig Jahrhunderten verlassen worden zu sein schienen“. Die Häuser waren unten aus gebrannten, oben aus Rohziegeln gebaut, verputzt und weiß getüncht; sie waren zwei Stockwerke hoch und enthielten um einen gepflasterten Mittelhof dreizehn bis vierzehn Räume. Durch das straßenseitige Tor gelangte man in ein Vorhaus, wo meist ein Waschzuber für die Füße bereit war. Von hier trat man in den Hof ein, der mit Ziegeln gepflastert war und in der Mitte ein Loch mit Abzugsrohr für das Regenwasser hatte. Die Zimmer waren fensterlos, da sie durch die Türöffnungen genug Licht erhielten. Eine Stiege führte in den Oberstock auf eine hölzerne Galerie, die ringsum lief und den Zugang zu den oberen Familienräumen vermittelte.

Das flache Dach bestand aus einer Schlammdecke auf Matten, die von Balken getragen wurden. Die Leute in Ur und wohl auch in den anderen Städten von Untermesopotamien wohnten also gerade so, wie heute noch die Orientalen vieler Länder wohnen, und auch in Europa waren die einfachen Häuser der südlichen Länder so gebaut. Das maurisch-spanische Haus hat gleiche Gestalt.

Ur war nur einer der Stadtstaaten in Chaldäa. Ihrer eigenen Tradition nach waren die Sumerer vom Meere aus eingewandert. Die der sumerischen verwandten, gleichalten Kulturen im Indusland sprechen für die Annahme, daß sie selbst aus den Gebirgstälern der Quellflüsse des Indus zu Wasser herübergekommen waren. Dieser Herkunft entspräche der Kult des Ozeangöttes Enki (Ea) in Eridu, einer südlich von Urgelegenen Stadt, die ursprünglich vom Wasser des Golfes bespült war. Wahrscheinlich gründete jeder Clan seine eigene Stadt mit ihrem Sonderkult. So waren Isin und Larsa Sitze des Sonnengottes Babbar (Schamasch), Ereh-Uruk die Kultstätte des Himmelsgottes Anu und der Ischtar, übrigens auch die Heimat des Nationalhelden Gilgamesch, Nippur der Sitz des Enlil, des Gottes der Erdoberfläche, auch der „Kaufherr der weiten Erde“ genannt, der die Verteilung der Königreiche vornahm, Kisch die Kultstätte des Kriegsgottes Zababa und der Ischtar, Babylon, wie ihr Name besagt, die „Gottespforte“ des Marduk, und Sippar ein zweiter Sitz des Sonnengottes. Dazu kam noch Tello-Lagasch, das etwas westlicher an einem Verbindungs arme des Tigris zum Euphrat gelegen war, wo der Kriegsgott Ningirsu verehrt wurde.

Während zweieinhalb Jahrtausenden spielte sich zwischen diesen miteinander um die Hegemonie wetteifernden Stadtstaaten eine wechselvolle Geschichte ab. Die Führung wechselte zwischen Kisch, Erech, Ur, Lagasch, Isin und Larsa oder entglitt ihnen allen zugunsten volksfremder Eroberer, wie des Königs Kutur-Nachunte von Elam, dann des Sargon von Akkad und des Bergvolkes der Guti, die aus den Zagrostälern in das Zweistromland einbrachen. Dazu kamen die stets wiederkehrenden Raubzüge der Beduinen. Aber wie in China alle barbarischen Eroberungsvölker nach einer Weile in den Bann der starken chinesischen Kultur kamen und sinisiert wurden, so überlebte die sumerische Kultur alle Anfechtungen fremder Eroberer, drückte ihnen ihren Stempel auf und ließ sie teilnehmen an den Segnungen eines wohlorganisierten Staatengebildes.

In erster Linie an den Segnungen des Rechts. Vom Hörensagen kennt jeder das berühmte Gesetzbuch des semitischen Königs Hammurabi von Babylon, der um 1950 über ganz Mesopotamien herrschte. Sein Text wurde auf einer großen Stele in Susa aufgefunden, wohin sie von den Elamiten auf einem Raubzug im 12. Jahrhundert verschleppt worden war. Wie fast alles andere in der babylonischen Zivilisation, war auch dieses Gesetzbuch nicht semitischen, nicht babylonischen, sondern sumerischen Ursprungs. Es war nichts anderes als eine Kompilation und Redaktion altsumerischer Rechtsgrundsätze und Brauchtümer, die nunmehr mit einigen Änderungen für den babylonischen Staat in Geltung gebracht wurden. Es war auch nicht das erste Gesetzbuch. Dungi, der zweite König der Dritten Dynastie, hatte bereits ein solches aufschreiben lassen und früher noch Urukagina, ein Patesi oder Provinzgouverneur von La gasch um 2630. Außerdem gab es mehrere Lokalkompilationen in den verschiedenen Städten. Die Änderungen der semitischen Juristen in Babylon bei der Kompilierung der sumerischen Rechtsbräuche erstreckten sich hauptsächlich auf Verschärfung der Strafen für bestimmte Vergehen, besonders gegen die Heiligkeit der Familienbande und für Vergehen der Sklaven. So wurde z. B. auf Ehebruch Todesstrafe der beiden schuldigen Teile gesetzt, während das sumerische Strafrecht nicht einmal unbedingte Scheidung verlangte. Aus den zahlreichen sumerischen Tontafeln ergibt sich, daß jede Handlung im Zivilleben gesetzlich geregelt war: Kauf und Verkauf, Erbschaften, Kontrakte, Darlehen, Heirat und Scheidung und Adoption.

Es gab zwei Gerichtshöfe, einen bürgerlichen und einen kirchlichen. In den Tempeln war die Gerichtsbarkeit in den Händen der Priester, für das Zivilleben wurden Richter vom König ernannt. Außerdem hatten hohe Funktionäre, wie der Bürgermeister und der Gouverneur einer Provinz, ihre eigene Gerichtsbarkeit. Ein fundamentaler Unterschied von unserer modernen Rechtsanwendung war allerdings in den Klassenunterschieden begründet, die wir in allen alten Zivilisationen finden. Nicht jeder war gleich vor dem Richterstuhl. Die Bevölkerung war in drei Klassen eingeteilt: die Patrizier, die Bürger und die Sklaven. Ein Verbrechen gegen einen Patrizier wurde viel höher bestraft als gegen einen Angehörigen der zweiten Klasse. Aber der Patrizier selbst wurde ebenfalls strenger bestraft als ein gewöhnlicher Bürger, wenn er seinem Stand durch ein Verbrechen Schande machte. Heiraten wurden von den Eltern arrangiert, und die Verlobung wurde durch ein Geldgeschenk des Bräutigams an seinen künftigen Schwiegervater abgeschlossen, das er verwirkte, wenn er sie auflöste, jedoch doppelt zurückerhielt, wenn die Braut anderen Sinnes wurde. Wenn ein Mann ein Mädchen verführte, mußte er bei ihren Eltern um sie anhalten. Die Vermählungsförmlichkeit bestand einfach in der schriftlichen Ausfertigung der Heiratsurkunde mit allen gegenseitigen Verpflichtungen auf einer Tontafel. Durch die Heirat gelangte die Braut in den Besitz der Verlobungssumme, und sie brachte auch selbst eine Ausstattung mit ins neue Heim. Soweit einige Proben des recht umfangreichen Eherechts.

Wie im Mittelalter unsere Klöster, so waren in Sumer die Tempel die Zentren der Erziehung. Knaben und Mädchen wurden in den Tempelschulen zu Schreibern herangebildet, was mit der Keilschrift nicht so einfach war wie später mit der Buchstabenschrift. Da galt es nicht nur, sich mehrere hundert Zeichen einzuprägen, sondern auch deren verschiedene Bedeutungen zu kennen, wie heute noch in der chinesischen Sprache. Die zahlreichen ausgegrabenen Tontafeln vermitteln eine gute Vorstellung von der Lehrmethode. Erst bekam der Schüler eine lange Liste mit Schriftzeichen und ihren phonetischen Werten zum Memorieren, dann Listen von Schriftzeichen in alphabetischer Ordnung und von Ideogrammen, die ein bestimmtes Wort oder eine konkrete Idee ausdrückten oder eine Qualität oder Gruppe bezeichneten. So setzte man z. B. das Zeichen für „Holz“ vor die Schriftzeichen für „Stuhl“ oder „Baum“, ganz ähnlich wie im Chinesischen. Die Schüler lernten dann kurze Sätze, die üblichen Geschäftsformeln, typische Redewendungen, Ehrentitel. Schließlich kam man zur Grammatik, die man heute aus den Tontafeln mit Deklinationen der Substantiva und Konjugationen der Verben rekonstruieren kann. Endlich ging man zu selbständigen Schreibübungen über. Der Lehrer schrieb auf eine Seite einer weichen Tontafel einen Text, der Schüler las ihn und versuchte ihn auf der andern Seite aus dem Gedächtnis nachzuschreiben. Tafeln mit Multiplikationen und Divisionen, mit Kubieren und Wurzelausziehen, mit Übungen der angewandten Geometrie sind Zeugen des mathematischen Unterrichts. Man fand Listen von Maßen und Gewichten und Wörterverzeichnisse mit Synonymen sumerischer und semitischer Worte in parallelen Kolumnen.

Die Studenten und Studentinnen, die alles das gelernt hatten, wurden häufig als Schreiber in den Tempeln selbst angestellt, wo sie Kopien alter Texte anfertigten, die Texte für die Hymnen und Litaneien niederschrieben, aber auch die umfangreiche Wirtschafts- und Handelskorrespondenz besorgten. Es gab auch gelehrte „Schreiber“, die alte Inschriften auf Ziegeln und Steinen sammelten und kopierten, Forscher, denen die moderne Orientalistik wichtige Kunde aus noch älteren Epochen verdankt. Außer diesen „Schreibern“ wurden auch Ärzte, Architekten und andere Berufe ausgebildet. Die Statue des sitzenden Gudea, Gouverneur von La-gasch um 2400, mit dem Plan eines Tempels auf seinen Knien, und zahlreiche andere Pläne von Landgütern, Städten, Häusern und Kanälen auf Tontafeln zeugen für die Baupraxis und Baulust von König und Volk. Die Praxis der Chirurgie und Heilkunde freilich war für beide Teile von fragwürdigem Vorteil. Waren Hausmittel und Dämonenaustreibung verhältnismäßig harmlos, so waren chirurgische Eingriffe um so gefährlicher. Auf ihrem Mißlingen standen denn auch hohe Strafen. „Wenn ein Arzt mit einer Kupferlanzette das Auge eines Menschen operiert und dieser dadurch das Auge verliert, soll man auch das Auge des Arztes mit der Kupferlanzette entfernen.“ Also eine Art von „Aug-um-Aug-Zahn-um-Zahn-Justiz“, die nicht sehr berufsfördernd gewirkt haben mag.

Der wichtigste Erwerbs zweig des Volkes war natürlich Ackerbau und Viehzucht. Soweit die Bewässerung reichte, war der Boden äußerst fruchtbar. Nur wer selbst einmal orientalischen Fruchtboden durchschritten hat, kann sich davon eine Vorstellung machen. Er weiß aber auch, wie emsig die Bauern sich den Tag lang auf ihren Gemüsegärten und Feldern zu schaffen machen, besonders mit der Bewässerung, von der alles abhängt, und die daher in der Zumessung des täglichen Wassers streng geregelt ist, um jedem das nötige Quantum zu sichern. Der Boden wurde mit dem Pflug bearbeitet, der eine sehr alte Erfindung ist, obgleich die älteste sumerische Darstellung eines solchen, von einem Joch Ochsen gezogen, erst aus dem 14. Jahrhundert v. d. Zw. stammt. Nach der Ernte wurde das Getreide auf einem festgestampften runden Dreschboden im Freien aufgelegt und mit von Ochsen gezogenen Schlitten entkernt, ein Vorgang, den wir heute noch in Griechenland und anderen Ländern des Orients bis China beobachten können.

Das Korn wurde zwischen Mühlsteinen gemahlen oder geröstet und zerstampft für die Bereitung von Brei und für Bier brauen verwendet. Wein wurde aus Datteln und Reben gewonnen. Die Flüsse und Kanäle lieferten Fische. Kurz, die Sumerer waren ein autarkes Volk, soweit die Ernährung in Frage kam. Auch ihre Bekleidung gewannen sie im Lande. Es gab genügend Schaf- und Baumwolle sowie Flachs. Gab doch später Mossul dem weltberühmten Musselin den Namen. Dagegen fehlten andere wichtige Güter, wie Holz und Metalle, die aus den Bergländern herabgeflößt wurden, Zedern aus dem Libanon, Nußholz und Erze aus den armenischen Bergen. Die sumerischen Städte am Persischen Golf waren Umschlagplätze für den überseeischen Handel aus Ägypten und Indien. Dieser ging flußaufwärts bis Karkemisch, einer hettitischen Stadt nordöstlich von Aleppo, von wo die Waren mit Karawanen nach Syrien weiterbefördert wurden. Die Handelshäuser der sumerischen Städte hatten weit entfernte Agenturen, mit denen sie in Korrespondenz standen und mittels Kreditbriefen Geschäfte abschlossen. Da es noch kein gemünztes Geld gab, vollzog sich der Handel auf der Basis des Barter- oder Tauschgeschäftes. Für den Lokalhandel galt ein bestimmtes Maß Gerste als Wertmesser, für den Fernhandel Gold und Silber. Das Schekel Silber war die übliche Währungseinheit. Jedes Geschäft mußte bei Strafe schriftlich abgeschlossen und durch Zeugen erhärtet werden.

Die Religion der Sumerer war polytheistisch, ihre Götter zahlreich. Die Hauptgötter der Städte besaßen die großen Tempel und waren Herren des Landes, die andern waren Gäste in ihren Tempelbezirken und mußten sich als solche bescheiden. Der in unnahbarer Abgeschlossenheit hoch auf den Ziggurats thronende Hauptgott stand dem Volke zu fern, dieses verehrte, jede Familie in ihrem Haus, ihre eigenen Schutzgottheiten, die auch als Vermittler nach oben fungierten. Trotz seiner unnahbaren Hoheit nahm jedoch der Hauptgott in seinem Haus, dem Tempel, teil am menschlichen Leben seiner Untertanen. Er bekam seine Mahlzeiten serviert, heiratete menschliche Frauen und hatte von ihnen Kinder. Als Ländereienbesitzer war er an der Ernte interessiert, für deren reichliche Fülle er sorgte, falls das damit verbundene Ritual entsprechend durchgeführt wurde. Die Stadtgötter zogen auch mit in den Krieg, und ein Sieg war erst dann vollständig, wenn das Standbild des feindlichen Gottes als Beute mitgebracht wurde. So wurde der Stadt- und Reichsgott Marduk, nach der Eroberung und Zerstörung von Babylon durch Tukulti-Nimurta, den Sohn des Salmanassar, im 13. Jahrhundert in effigie nach Assur übertragen und dort als Assur in einem neuen Tempel angesiedelt.

Die assyrische Residenz gewann dadurch eine gewaltige Stärkung ihrer Macht. So teilten die Götter mit ihrem Volk Freude und Leid. Ihre Geltung beschränkte sich jedoch auf diese Welt, weü auch ihr Volk eine jenseitige Welt nicht kannte. Die Sumerer glaubten wohl an ein Fortleben der Seele oder des Geistes, aber in einer trostlosen und öden Unterwelt, ähnlich dem griechischen Hades. Sie gaben ihren Toten Speise und Trank mit ins Grab, um ihren Geist in Ruhe zu halten und ihn von unstätem Umherirren, das den Lebenden lästig werden konnte, zu bewahren.

Das Leben galt alles, das Jenseits nichts. „Nannar dem König brachte Ur-Nammu dieses dar um seines eigenen Lebens willen“, lauteten die üblichen Dedikationsinschriften. „Möge Nannar, mein König, sich über mein Werk freuen. Möge er mir dafür ein Lebensdekret schenken, eine erfolgreiche Regierung, einen sicher fundierten Thron; möge ich der von Nannar geliebte Hirte sein, möge mir ein langes Leben vergönnt sein.“

Alle Götter hatten ursprünglich ihre besonderen Funktionen, die erst später willkürlich vermischt wurden. Enki von Eridu war der Herr der Gewässer und der Gott der Weisheit, der die Handwerkskünste und die Kunst des Schreibens erfand, Enlil war der Herr über Regen und Wind, Nabu herrschte über die Vegetation, Nergal über die Seuchen, der Sonnengott Schamasch über die Gerechtigkeit. Ischtar war die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit und Nin-Khursag die Herrin der Geburten. Das waren ihre ursprünglichen Funktionen. Die spätere Führerschaft des einen oder anderen Gottes war eine Projektion der irdischen Erfolge seines Königs. Das tägliche Opfer von Speise und Trank teilt der Gott mit den Priestern und dem Personal. Die Mahle bestanden aus Fleischspeisen, Brot, Datteln, Milch, Wein und Bier. Zwecks Aktivierung der besonderen Kräfte des Gottes wurden besondere magische und symbolische Ritualakte durchgeführt. So goß man z. B. reines Wasser in eine Vase mit Getreideähren und Dattelzweigen, um so auf magischsymbolischem Wege die nötige Menge Wasser für die Ernte zu sichern. In Dura am Euphrat ist eine Darstellung aus späterer Zeit einer solchen magischen Libation durch Priester für eine bestimmte, der Opferhandlung beiwohnende Familie erhalten.

Sie ist ein Beispiel für die Jahrtausende überlebende sumerische Tradition auch in magisch-religiösen Dingen. Erst das Christentum machte vielem, aber nicht allem ein Ende. Wenn am Sonnabend vor Ostern unsere Dorfpfarrer in die großen Höfe ihrer Gemeinde gehen, um die dort in Körben auch von den kleineren Nachbarbauem zusammengetragenen Speisen, Frucht ihres Bodens, zu weihen und zu segnen, so ist dies ein bis zu den Sumerern zurück verfolgbarer Akt. Das „Lamm Gottes“ der christlichen Evangelien war schon in sumerischer Zeit das Symbol des Menschenopfers. Ein Lamm wurde geopfert, um den Gott günstig zu stimmen, und dazu erklärt: „Das Lamm ist der Stellvertreter des Menschen, er hat ein Lamm geopfert für sein Leben, er hat den Kopf des Lammes geopfert für seinen Kopf.“ Das alles war magisch gemeint und hatte nicht die geringste tiefere religiöse Bedeutung. Dementsprechend blühte auch die Wahrsagern und die Astrologie.

Der sumerische Staat war theokratisch wie der chinesische unter der ältesten Dynastie. Der Gott war eigentlich der König der Stadt, und der Gouverneur oder König nur sein sichtbarer Vertreter, der „Pächter“ Gottes. Der König oder Gouverneur war daher selbst ein Priester und seine Funktion als solcher ist auf den Tontafeln oft erwähnt. Da sie im Namen Gottes regierten, war die Vergöttlichung der Könige eine natürliche Folge. Kirche und Staat waren so eng miteinander verquickt, daß der Staat als Theokratie, aber auch die Kirche als politische Institution angesprochen werden muß. Berossus, ein Priester und Geschichtsschreiber der griechischen Periode Babyloniens, nach der Eroberung Babylons durch Alexander den Großen, schildert ein Volk, dessen Menschen, halb Fisch, halb Mensch, geführt von einem gewissen Oannes, vom Persischen Golf herkamen und sich in den Küstenstädten Sumers ansiedelten, wo sie die Kunst des Schreibens, des Ackerbaus und der Metallkunst einführten. „Mit einem Wort, alle Dinge, die das Leben verbesserten, wurden den Menschen durch Oannes vermacht, und seit dieser Zeit wurden keine weiteren Erfindungen mehr gemacht. Diesem Oannes begegnen wir als Gott noch an den Fassaden der assyrischen Paläste.

Berossus fand also in seinen Tagen nichts von Bedeutung, das nicht schon von den Sumerern gekannt, erfunden und verwendet worden war. Die sumerische Zivilisation wurde von den babylonischen und assyrischen Reichen übernommen und weiterverbreitet. Die akkadischen Semiten, die Assyrier, Hettiter, Perser und noch die Griechen unter den Nachfolgern Alexanders des Großen übernahmen die von den Sumerern erfundene Keilschrift; die sumerischbabylonische diplomatische Sprache wurde an den Höfen Syriens und Ägyptens eingeführt. Die Siegelzylinder Syriens und Kappadokiens waren mesopotamischen, d. h. sumerischen Ursprungs. Die Plastik der Assyrier, Hettiter und Phönizier hat viele sumerische Züge. Die Wölbekunst, Rundbogen, Tonne und Kuppel, die im Westen erst nach dem alexandrinischen Eroberungszug bekannt und nachgeahmt wurde, war in Ur schon in den alten Königsgräbern, also im 4. Jahrtausend, angewendet. Seither kann sie in Mesopotamien denkmalmäßig durch die Jahrtausende herab verfolgt werden.

Neben dieser materiellen wirkte die geistige Kultur der Sumerer durch ihren Einfluß in die hebräische Literatur stärker und voller bis in unsere Zeit weiter als die römische. Horaz und Ovid kennen nur studierte Leute, das Alte Testament aber kannte seit den Bibelübersetzungen jedermann. Die Erzählungen von der Schöpfung, dem Sündenfall und der Sintflut sind wohl die populärsten auf Erden und sind sumerisch, von den Hebräern in ihre Literatur übernommen. Während ihrer babylonischen Gefangenschaft wurden die Juden mit der babylonischen Geisteskultur bekannt, von der das Alte Testament voll ist. Dieser Einfluß erklärt die Weltgeltung der Bibel. Die Gesetze des Moses, die eine der stärksten Grundlagen auch der westlichen Zivilisation wurden, fußen auf sumerischen RechtsgrundSätzen.

Leonard Woolley, dem die Welt die Wiederentdeckung der sumerischen Kultur verdankt und dessen Ausführungen in seinen Büchern wir vielfach folgten, möge dieses Kapitel mit seinen eigenen Worten beschließen: „Die sumerische Zivilisation erleuchtete eine noch tief in primitiver Barbarei steckende Welt. Die Zeiten sind vorbei, da alle Künste von Griechenland abgeleitet wurden und Griechenland wie Pallas Athene, gerüstet dem Haupte des Zeus entsprungen, gedacht wurde. Wir haben gelernt, bis zu welchem Ausmaß der griechische Genius seinen Lebenssaft von den Lydiern und Hettitern, von Phönizien und Kreta, von Babylonien und Ägypten bezogen hat. Die Wurzeln aber reichen tiefer: hinter all dem liegt Sumer. Die militärischen Eroberungen der Sumerer, Handwerk und Künste, die sie so hoch entwickelten, ihre gesellschaftliche Organisation und ihre moralischen Prinzipien sind keine isolierten Erscheinungen oder archäologischen Kuriositäten; sie verdienen unsere Beachtung, weil sie ein Teil unserer Zivilisation sind, und es gebührt ihnen unsere Bewunderung als unseren geistigen Urahnen.“

Siehe auch:
Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Der Seelenglaube
Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut
Deutsche Mythologie – Die Seele in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die Seele in Menschengestalt
Deutsche Mythologie – Der Aufenthaltsort der Seelen
Deutsche Mythologie – Der Seelenkultus
Deutsche Mythologie – Zauberei und Hexerei
Deutsche Mythologie – Der Maren- oder Alpglaube
Deutsche Mythologie – Schicksalsgeister
Deutsche Mythologie – Der Mütter- und Matronenkultus
Deutsche Mythologie – Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Elfen und Wichte
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Zwerge
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Hausgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Wassergeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Waldgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Feldgeister
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Name und Art der Riesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Luftriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Berg- und Waldriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Wasserriesen
Deutsche Mythologie – Der Götterglaube
Deutsche Mythologie – Name und Zahl der Götter
Deutsche Mythologie – Mythenansätze und Mythenkreise
Deutsche Mythologie – Mythenansätze und Mythenkreise – Der Feuergott
Deutsche Mythologie – Mythenkreise – Licht und Finsternis. Gestirnmythen.
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Tius
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Foseti
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Wodan
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Donar
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Balder
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Deus Requalivahanus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen
Deutsche Mythologie – Die Mutter Erde
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nerthus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nehalennia
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Tanfana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Hludana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Haeva
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Frija
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Ostara
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Baduhenna
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Walküren
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Schwanjungfrauen
Deutsche Mythologie – Der Kultus
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Gottesdienst, Gebet und Opfer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferspeise
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferfeuer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Wirtschaftsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst itn Staatsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Kriege
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst des Einzelnen im täglichen Leben
Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen
Deutsche Mythologie – Wahrsagerinnen und Priesterinnen
Deutsche Mythologie – Das Erforschen der Zukunft
Deutsche Mythologie – Ort der Götterverehrung
Deutsche Mythologie – Tempel
Deutsche Mythologie – Tempelfrieden
Deutsche Mythologie – Tempelschatz
Deutsche Mythologie – Götterbilder
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Der Anfang der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Die Einrichtung der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Das Ende der Welt