Aufstieg der Nordvölker : Peter der Große

Noch einmal warfen sich die Germanen mit aller Macht auf Osteuropa. In Österreichs Diensten entriß Prinz Eugen Serbien der Türkei. Der schwedische Karl XII. brauste wie ein Wirbelsturm bis hinunter nach der Ukraine durch die Grenzländer des Zarenreichs, und August der Starke ward König von Polen. Am Njemen und an der Weichsel wurde Preußen immer mächtiger. Da erstand den Ostslawen ein Genie in Peter dem Großen. Er dämmte die Germanen zurück und gab den Slawen ihre unabhängige Stellung. Hatte Rurik den russischen Staat geschaffen, Iwan III. Wassiljewitsch ihn neu begründet, Iwan der Schreckliche die Grundlagen der russischen Großmacht gegeben — Peter der Große führte den Plan dieses Weltgebäudes aus. Er verband sich, da zu Anfang sein Reich noch schwach war, mit Sachsen, Polen und Dänemark gegen Karl XII. und warf die Schweden zum Lande hinaus. Karl XII. brachte jedoch nach seiner Niederlage von Poltawa die Osmanen auf die Beine. Peter mußte 1711 gegen sie zu Felde ziehen, und geriet am Pruth in die mißlichste Lage, aus der nur Geld ihn befreite. Von jetzt an aber ist der Stern Rußlands im Aufsteigen. Das Reich gewann die Ostseeprovinzen und in Petersburg seine neue Hauptstadt. Derbent, Baku, Astrabad und die südkaspischen Länder Gilan und Mazenderan wurden 1723 an Rußland von Persien abgetreten, das durch Bürgerkriege zerrüttet war.

Sehr gegen den Willen seiner Untertanen versuchte Peter eine Verwestlichung des heiligen Rußlands. Er berief Holländer, Deutsche und Schweden als Handwerker und Lehrmeister. Er gilt daher noch heute den Altrussen nicht als ein richtiger Vertreter seiner Nation. Der Zar, der lange Zeit als junger Mann in Holland das Schiffsbau werk gelernt hatte, behielt zeitlebens eine große Vorliebe für das Meer, für Flotten und überseeische Unternehmungen. Das Meer, an dem er ja auch seine Hauptstadt erbaute, sollte gewissermaßen das Fenster sein, durch das vom übrigen Europa her Licht nach dem Moskowiterreich einstrahlte.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große
China und Rom
Punische Kriege
Der Staatsbegriff im Altertum
Kelten und Romanen
Hellenismus
Wuti und Cäsar
Römischer Imperialismus
Germanen
Christentum
Die Cäsaren und die späteren Han
Römische Spätzeit – Anfänge Japans
Völkerwanderung – Weltstellung des Christentums
Die Reiche der Völkerwanderung
Der Islam
Karl der Große
Anfänge der modernen Völker
Papsttum und Kaisertum – Aufstieg des Papstes
Die Kreuzzüge
Westöstliche Kulturvermittlung
Der Kampf der Weltreligionen
Der Staatsbegriff im Mittelalter
Mongolensturm
Aufschwung der Seestädte
Die Geburt heutiger Volkstümer und Sprachen
Die Zünfte
Die Condottieri
Entdeckungen und Erfindungen : Renaissance und Reformation
Entdeckungen und Erfindungen : Europäer in Afrika, Asien und Amerika
Entdeckungen und Erfindungen : Südeuropa gegen Nordeuropa
Aufstieg der Nordvölker : Holländer und Engländer
Aufstieg der Nordvölker : Kämpfe in Ostasien
Aufstieg der Nordvölker : Abschließung Ostasiens