Autor: <span class="vcard">Kunsthalle Hamburg</span>


Die kunstgewerbliche Renaissance schenkt der Handschrift ständig mehr Aufmerksamkeit. Immerhin wird auch heute noch nicht jedermann sofort einsehen: was die primitive Funktion des Schönschreibens mit dem Kunstschaffen zu tun hat. — Ich will den Skeptiker bekehren und bitte ihn, sich diesen Denkmalsblock anzusehen, er trägt eine Inschrift . . . schwer zu lesen, tolle Hieroglyphen . . . warum? alles ist kantig und gradlinig und oben darauf steht ein preußischer Militär, warum dann aztekische Schnörkel? ob der Bildhauer das selbst zu verantworten hat, oder ob er’s dem Steinmetz überlassen; hätte er nicht für einen Zusammenklang von Block und Schrift, von Ornament und Ornament-Träger, sorgen sollen! Bitte, ein zweiter Steinblock . . . Moltke, es ist klar zu lesen; aber warum tanzen die Buchstaben und warum sind sie mit so geringem Sinn für Gliederung auf die Fläche gesetzt? Bitte, die Wand eines kirchlichen Innenraumes, gotisch; über der Tür: Sakristei in Antiqua . . . seltsame Dissonanz, ob der Architekt oder der Dekorationsmaler das mit Überlegung getan hat? Am Fries leuchten Sprüche: die Aufers tehung. . . warum das st nicht zusammensteht? . . . G ottes . . . warum das o wie ein Sprengmittel wirkt? Bitte, ein Taschentuch, welch entzückendes Monogramm: BG, nein RS, nein BG . . . donnerwetter. Und nun hier sehr deutlich: LG, aber wie langweilig, welch häßliche Schablone.

Kunstartikel

Wer unter Künstlern lebt, erfährt’s alle Tage, der Kunst – Akademiker schaut herablassend auf den Kunstgewerbler und des Kunstgewerblers Hoffen und Sehnen ist doch schließlich die Kunst-Akademie.

Der Kunstgewerbler fühlt sich geringer, jedenfalls geringer eingeschätzt von der Außenwelt, von Künstlern und vom Publikum. — So meinen wenigstens die Künstler, obwohl die Praxis schon deutlich genug z. B. in den Ausstellungen gegen dies Gefühl spricht.

Doch solche Gefühle von geringerer gesellschaftlicher Einschätzung müssen doch zuletzt einen Grund haben.

Welchen Grund wohl?

Die früher besonders bei den Herren der Kunst – Akademie so beliebten Samtkittel, wallenden Locken und Schlapphüte sind für Moderne doch höchstens etwas, was durch alte romantische Erinnerungen lustig und belustigend wirkt.

Vielleicht tut’s gar die Visitenkarte? Kunst-Akademiker und Kunstgewerbler klingt für gar so viele liebe gute Deutsche sehr verschieden. Ein Fremdwort ist immer wohlklingender für die weiten Umwohner Köpenicks — und dem Gewerbler hilft das Vorgesetzte Wort Kunst sicherlich ebensowenig wie dem Kunstmaler, dem Kunstschreiner, dem Kunstgärtner im wirklichen Ansehen, im tatsächlichen Erfolg. Das weiß der Kunstgewerbeschüler gewiß am allerbesten. Die Angabe seiner Bildungsstätte hat nichts vom »imponierenden« Klange des Herrn Akademikers.

Schade, daß der Kunst-Akademiker nicht dieselbe Feinfühligkeit oder Empfindlichkeit für Titel entwickelte wie sein Kommilitone vom Gewerbe. — Seitdem es Schneider-Akademien und akademisch gebildete Schneider — vielleicht bald Chauffeure gibt, nützt doch wohl nicht mehr allzulange der Wohlklang vieler schöner Vokale im fremden Wort.

Nun, vielleicht nehmen sich beide Künstler-Kategorien ein Beispiel an Michelangelo. Der war beleidigt als ein Brief adressiert war: »An den Bildhauer Michelangelo Buonarotti«. — Er sei nur Michelangelo, war seine entrüstete Einrede.

Gewiß auf Visitenkarte und Kleidung gibt man heute nicht mehr viel. Das Ganze entscheidet — und Gefühl und Blick sind hier sehr verschärft und gegen alles Auffallende gerichtet. Eine äußere Gleichstellung ist bei Akademiker und Kunstgewerbler schon deshalb gesichert. Aber dieser äußeren Gleichstellung scheint die ideelle nicht gefolgt zu sein. Sind vielleicht die Vorstudien der Schüler beider Anstalten so grundverschieden?

Ganz und gar nicht. — Auf der Akademie sind vermutlich ebensoviele Absolventen einer Mittelschule wie auf der Kunstgewerbeschule. Hier wie dort sind Schüler in großer Zahl vorhanden die nicht durch Lateinkenntnisse ihr Talent zur Kunst zu beweisen vermöchten.

In gesellschaftlicher Beziehung stehen also Akademiker und Kunstgewerbler sich — genau hingesehen — doch auch gleich. — Wichtiger ist aber, ob sie sich in künstlerischem Werte gleich stehen, noch wichtiger, ob vielleicht der Kunstgewerbeschüler eine weniger günstige Aussicht auf Erfolg im Leben, d. h. im künstlerischen Berufe hat als der Akademiker. Wohlgemerkt, im gleichen Prozentsatz, wie im allgemeinen.

Nach diesem Resultate unserer Frage ist ganz allein die Rangfrage zwischen Kunstgewerbler und Akademiker zu entscheiden. Denn nur die Möglichkeit, ein höheres oder geringeres Lebensziel erreichen zu können, ist ausschlaggebend im modernen Staat. — Denn das ist, zwar vom Einzelnen dumm, aber doch berechtigt, daß der Absolvent eines Gymnasiums sich höher einschätzt als der Absolvent einer Realschule. Jenem stehen so viel mehr Möglichkeiten einen Beruf zu ergreifen offen als diesem.

Kunstartikel

Grimmig, aber voller Würde schauen die Reichsgründer von 1871, General Moltke, Kaiser Wilhelm I. und der Reichskanzler Fürst Bismarck auf ihre Betrachter herab. Die drei Statuen, geschaffen von dem Werdener Bildhauer Wilhelm Albermann, zierten bis 1932 die alte Königsbrücke und wurden nach deren Abbruch in die Dückerstraße verbannt.

Erst 1853/1854 wurde die Königsbrücke gebaut, auf der 1884 das Denkmal von Kaiser Wilhelm I. enthüllt wurde. 1891 folgten ebenfalls auf der Königsbrücke die auch von Wilhelm Albermann geschaffenen Statuen von Helmuth von Moltke und Otto von Bismarck, die heute im Dückerpark in Werden aufgestellt sind. Diese drei Sandsteinstatuen sind 1986 als bewegliches Denkmal in die Denkmalliste der Stadt Essen aufgenommen worden. Diese stählerne Brücke wurde 1932 niedergelegt und durch eine Straßenbrücke aus Beton ersetzt.




Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.
Glaubenskämpfe in anderen Ländern Europas.
Am Glaubensstreit geht das Reich zugrunde.
Der Dreißigjährige Krieg (1618—1648).
Randstaaten werden Weltmächte.
Ein neues Deutschland ersteht.
Um die Herrschaft über Europa und die Welt.
Wiedergeburt und Befreiung des deutschen Volkes.
Das deutsche Volk will die Einheit.
Bismarck errichtet das neue Reich.
Das Reich unter Kaiser Wilhelm II.
Im Weltkrieg unbesiegt.
Die Schmach von Versailles und die Republik

Abbildungen










Abbildungen