Automobillastwagen für den Transport von landwirtschaftlichen Produkten


Unser nächstes Bild zeigt uns eine photographische Aufnahme nach dem Wettbewerb der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft 1905 auf dem Marktplatze in Quedlinburg a. H. Auf diesem Wettbewerbe hat bekanntlich die Neue Automobil-Gesellschaft mit ihren Lastwagen, die in den Werkstätten der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin gebaut werden, den Kaiserpreis errungen. Vom größten Interesse für die Landwirte dürfte zunächst der beistehend abgebildete Milchwagen sein.

Derselbe ist mit einem 8—9 PS. zweizylindrigen Benzinmotor versehen und dient dazu, um die Milch in Kannen oder Fässern vom Gute direkt in die nächste Stadt zu schaffen. Der Wagen läuft mit einer Geschwindigkeit von etwa 18—20 km in der Stunde und ist mit Vollgummireifen versehen. Verschiedene kleinere Ausführungen, für die aber kein wesentlicher Bedarf vorliegt, sind dieser neuesten Type vorangegangen. Der Wagen stellt in dieser Ausführung so ziemlich das kleinste Lastautomobil für den Landwirt dar. Das Gewicht desselben beträgt ungefähr 30 Zentner, und er kann mit 30—40 Zentner beladen werden.

Die obenstehende Abbildung zeigt eine kleine Lastzugmaschine derselben Gesellschaft, welche als Straßenlokomotive dient und zwei beladene Lastwagen schleppen kann. Solche Lastzüge dürften sich namentlich für den Transport von Zuckerrüben eignen. Wie man schon von außen sieht, ist die maschinelle Einrichtung der Lastwagen dieselbe, als die der vorher abgebildeten Tourenwagen, nur sind hier die Kraftübertragungsmittel viel kräftiger ausgebildet.

Angaben über den Brennstoffverbrauch finden die verehrten Leser weiter hinten unter der Rubrik „Betriebskosten“. Außer diesen Lastwagen baut die Gesellschaft noch die verschiedensten Typen mit zwei- und vierzylindrigen Lastwagenmotoren, die etwa 650—750 Touren in der Minute machen.

Den größten bisher von der N. A. G. gelieferten Lastzug sehen wir auf den nächsten Bildern dargestellt; derselbe wurde nach den Angaben des Herrn Oberleutnant Trost für Westafrika gebaut und ist mit einem 40 PS. Spiritusmotor versehen. Mit demselben können gleichzeitig 20 000 kg gleich 400 Zentner befördert werden, die teils auf der Maschine selbst und teils auf die Anhänger verladen werden. Das erste Bild zeigt die Benutzung auf guter Straße, als Straßenlokomotive, während die anderen Abbildungen uns nach Afrika führen.

Wir sehen zunächst, wie die Wagen beladen werden. Sobald der Schlepper auf eine schlechte Straße kommt, wo die Räder nicht mehr die gehörige Adhäsion am Erdboden finden und sich daher in den Boden einwühlen wollen, wrerden sie mit 80 cm breiten Sporen aus U-Eisen versehen. Genügt dieses noch nicht, dann wrerden die Anhängewragen abgekuppelt, der Schlepper fährt allein vor, und die an ihm befindliche Windetrommel wird in Tätigkeit gesetzt, siehe Abbildung, um die Anhängewagen einzeln am Drahtseil heranzuziehen. Hierbei wird der Schlepper verankert. Es ist dieses eine recht mühselige Beförderungsart, aber wie man sieht, ist auf solch schlechten Wegen kein anderer Ausweg möglich.

Die nächsten Bilder zeigen uns die bekannten Geschäftslastwagen der Daimler-Motoren-Gesellschaft, Berlin-Marienfelde. Diese Wagen wurden auf verschiedenen Ausstellungen von der Gesellschaft und auch von beteiligten Militärbehörden vorgeführt. Die Daimler Motorengesellschaft baut in obiger Zweigfabrik Lastwagen im größten Umfange und verfügt dadurch natürlich über die besten Erfahrungen, was allgemein bekannt ist.

Einige andere Typen derselben Firma für eine Belastung von 750—6000 kg.sehen wir in den nächsten Abbildungen. Sie alle sind leistungsfähige Gebrauchswagen, die vielfach erprobt sind.

Siehe auch:
Die Arbeitsweise des Explosionsmotors im Vergleich zu der Dampfmaschine
Das kraftspendende Medium im Explosionsmotor
Der Übergang der Motorenkraft auf die treibenden Hinterräder des Wagens
Robert Bosch / Treue zum Werk