Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof.

Direktionssitz Regensburg.

Die Bayerische Überlandcentrale A.G. wurde Ende 1908 gegründet, um die in der südlichen Oberpfalz vorhandenen Braunkohlenlager für die Stromversorgung dieses Gebietes zu verwerten. Die Gesellschaft erwarb größtenteils von einer früher bestehenden Gewerkschaft das ausgedehnte Kohlenvorkommen, welches sich von den Stationen Ponholz und Haidhof i. Opf. aus nach Westen zu erstreckt, ferner größere Kohlenfelder bei den Orten Schwetzendorf und Schwaighausen nördlich von Regensburg. Es handelt sich hier um junge Braunkohle, welche sich in der Tertiärzeit zwischen den Ausläufern des Jura abgelagert hat und mit Ton- und Sandschichten überdeckt ist. Die Kohle ist stark lignitisch und im allgemeinen in großen, flachen, regelmäßigen Mulden abgelagert. Ihr Heizwert beträgt ungefähr 2000 Wärmeeinheiten auf das Kilogramm.

In der Haidhofer Gegend wurde der Kohlenbergbau schon vor ungefähr 100 Jahren aufgenommen, in größerem Maße aber erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch die benachbarte Maxhütte, sonst nur in kleinem Umfange und in sehr ursprünglicher Form betrieben, während jetzt der Abbau in vollkommen geregelter bergmännischer Weise erfolgt.

Ausgebeutet wird zur Zeit das Feld Haidhof I, welches in fünf Flözen zusammen eine Mächtigkeit von rund 15 Meter bei einer größten Teufe von 60 Meter besitzt. Die Gewinnung geschieht im Tiefbau nach dem Pfeiler-Bruch-System und zwar von dem Schacht „Augusta“ aus, von welchem sich ausgedehnte Vorrichtungen in die verschiedenen Flöze erstrecken.

Die Grube ist sowohl über wie unter Tag mit modernen maschinellen Einrichtungen, wie Fördermaschinen, Ventilatoren, unterirdischen Pumpen und Ketten- und Seilbahnförderungen versehen, welche Anlagen alle elektrisch betrieben werden. Die Grubenwasser werden in Klärweihern gereinigt und fließen dann in einen unterirdischen Ablauf in dem Kalkgestein.

Da die gewonnene Kohle fast ausschließlich für den Betrieb der Überlandcentrale verwendet wird, so war die Förderung in den ersten Jahren naturgemäß klein, sie hat sich aber in den letzten Jahren mit dem steigenden Stromabsatz der Centrale ständig erhöht. Damit stieg auch allmählich die Belegschaft der Grube, die heute rund 110 Mann umfaßt.

Die Kohle gelangt von dem Schacht über eine Kettenbahn in große Silos, welche zum Ausgleich zwischen der Förderung der Grube und dem Kohlenbedarf der Centrale dienen, von da durch automatische Transporteinrichtungen in die über dem Kesselhaus liegenden Bunker und aus diesen in die Kesselfeuerungen. Zur Zeit besteht die Kesselanlage aus 6 Wasserrohrkesseln mit zusammen 1560 qm Heizfläche und 14 Atmosphären Überdruck, die mit entsprechenden Überhitzern, Vorwärmern und Pumpenanlagen ausgerüstet sind. Von den Kesseln gelangt der Dampf in das Maschinenhaus, wo zur Zeit 4 Dampfturbinen und zwar 2 von je 2000 und 2 von je 4000 PS, also zusammen 12 000 PS aufgestellt sind, während die Maschinenhalle Raum für einen weiteren Maschinensatz bietet. Die Maschinen sind mit Oberflächen-Condensation ausgerüstet. Jede der Dampfturbinen treibt einen elektrischen Generator zur Erzeugung von Drehstrom von 6000 Volt. Die Regulierung der Maschinen geschieht von einer erhöhten Schaltbühne aus, hinter welcher sich ausgedehnte Schaltkammern zur Sammlung und Verteilung des Stromes befinden. Zum Antrieb der verschiedenartigen Hilfseinrichtungen der Zentrale dienen Elektromotoren, für welche ein Teil des Stromes durch besondere Transformatoren auf 400 Volt Spannung gebracht wird.

Dem Leitungsnetz wird der Strom zum Teil mit der Maschinenspannung von 6000 Volt, zum Teil für die Fernübertragung mit 35 000 Volt zugeführt, auf welche Spannung der Strom in mehreren Ferntransformatoren gebracht wird, die in besonderen Kammern aufgestellt sind.

Das Leitungsnetz, welches in dem beistehenden Plane dargestellt ist, erstreckt sich vorerst nur wenige Kilometer nach Norden; dagegen führt nach dem Süden zu eine Hauptlinie von rund 23 Kilometer Länge bis in die Nähe der Stadt Regensburg, wo sich eine Hauptschaltstation befindet. Von dieser gehen dann Hochspannungs-Verteilungsleitungen aus und zwar nördlich und südlich der Stadt Regensburg wie auch in den ganzen südlich der Donau liegenden Teil der Oberpfalz. Der entfernteste Punkt, bis wohin der Strom zur Zeit geliefert wird, befindet sich, in der Luftlinie gemessen, rund 40 Kilometer von der Zentrale. Das Leitungsnetz umfaßte Ende 1913 rund 190 Kilometer Hochspannungsleitungen und 76 Ortsnetze.

ln den einzelnen Orten wird der Strom durch Transformatoren auf die Gebrauchsspannung herabgesetzt, die meist 208 Volt für Kraft und 120 Volt für Licht und nur in einzelnen Fällen 380 Volt für Kraft und 220 Volt für Licht ist. Von den Transformatorenstationen gehen dann die Ortsnetze aus, an welche die verschiedenen einzelnen Abnehmer mit ihren Motoren, Lampen und Heizapparaten angeschlossen sind.

Die Überlandzentrale zählt zu ihren Abnehmern besonders die nahe liegende Eisenwerksgesellschaft Maximilianshütte, deren Walzwerk in Haidhof zum großen Teil durch Elektromotoren betrieben wird, ferner das neu errichtete große Portlandzementwerk Burglengenfeld und eine Anzahl mittlerer gewerblicher Betriebe. Auch die Stadt Regensburg entnimmt einen Teil ihres Stromes dem Netz der Überlandzentrale und zwar hauptsächlich denjenigen, welcher für die Versorgung ihres Industriehafens dient. Der übrige Strom wird von einigen kleinen Städtchen, den Vororten von Regensburg und einer großen Zahl kleiner Landorte und Höfe aufgenommen und hier zum Teil für öffentliche und private Beleuchtung, zum Teil als Kraft für kleingewerbliche und landwirtschaftliche Betriebe verwendet.

Außer ihrem Hauptwerk in Haidhof besitzt die Gesellschaft noch ein kleines Werk in Nabburg, welches für die Stromversorgung dieses Städtchens und der südlich davon gelegenen Orte bis nach Schwarzenfeld zu dient. Dieses Werk ist mit 2 Lokomobilen von zusammen 120 bis 160 PS ausgerüstet und im übrigen hinsichtlich des Stromerzeugungs- und Verteilungs-Systems in derselben Weise wie das Hauptwerk in Haidhof angelegt. Das Nabburger Werk ist nur als vorläufige Anlage gedacht und wird später mit dem Hauptwerk durch eine Fernlinie vereinigt werden.

Über die Entwicklung des Anschlusses und des Stromabsatzes geben die folgenden Ziffern Aufschluß:

Die Gründung und Entwicklung des Unternehmens ist ausschließlich privater Tatkraft zu verdanken, und auch die Mittel für seine Durchführung sind bisher vollständig von privater Seite aufgebracht worden. Die Gesellschaft arbeitet zur Zeit mit einem Aktienkapital von 2,5 Millionen Mark und rund 1,5 Millionen Darlehen, also einem Gesamtkapital von 4 Millionen Mark.

Wie aus obigen Zahlen ersichtlich, ist sowohl die Anschlußbewegung als auch der Stromabsatz in stetiger Entwicklung begriffen und das Werk ist heute schon hinsichtlich des Umfangs der Stromlieferung weitaus das größte in der Oberpfalz und rechnet im laufenden Jahre 1914 mit einer Verdoppelung seines vorjährigen Absatzes. Durch die Größe seiner Maschinenleistung von 12 000 PS und die natürliche Grundlage, welche es in dem einheimischen, der Gesellschaft gehörenden Kohlenvorkommen besitzt, zählt es zu der Reihe der Großkraftwerke, die berufen sind, an der allgemeinen Stromversorgung großer Gebiete Bayerns teilzunehmen.

Die Einzelnen Buchabschnitte aus: Die Industrie der Oberpfalz in Wort und Bild:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.
Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof
Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching
Die Spulen-Fabrik Max Borger in Cham
Teerprodukten-, Dachpappen- und Isoliermaterialienfabrik
Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte in Rosenberg (Oberpfalz)
Die industriellen Betriebe in Friedenfels
Dampfsäge- und Hobelwerke, Kistenfabrik (Bayer. Wald)
Möbelfabrik von A. Schoyerer in Cham – K. Bayer. Hoflieferant.
Hartpapierwarenfabrik in Dietfurt
Eichhofen, industrielle und landwirtschaftliche Besitzung des Herrn Wilh. Neuffer
Weck & Sohn : Bau- und Möbelschreineret Dampfsägewerk, Holzhandlung und Kistenfabrik
Porzellanfabrik und Malerei
Dampfsäge- und Hobelwerk, Holzwollefabrik
Krystallglasfabrik F. X. Nachtmann in Neustadt Waldnaab
Die Fabrikbetriebe der Firma Carl Zinn in Neumarkt i. Oberpfalz
Bayerischer Lloyd
Erste kaiserlich königlich privilegierte Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (Agentie Regensburg)
Mineralölwerke Bayern G.m.b.H in Regensburg
Christof Ruthof, Schiffswerft Regensburg
Königlich Ungarische Fluß- u. Seeschiffahrts Aktien – Gesellschaft
Ölwerke J. Leis & J. Ruckdeschel G.m.b.H., Regensburg
Die Werke von Steinfels
Porzellanfabrik Johann Seitmann in Vohenstrauß
Weßely & Spaett Tuchfabrik, Waldmünchen
Gareis, Kühnl & Co., Waldsassen – Porzellanfabrik, Porzellanmalerei
Glasfabrik Waldsassen G.m.b.H. in Waldsassen
Porzellanfabrik Waldsassen Bareuther & Co. A.G. in Waldsassen

11 Comments

  1. […] Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz. Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching Die Spulen-Fabrik Max Borger in Cham Teerprodukten-, […]

    27. August 2016
  2. […] Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz. Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching Die Spulen-Fabrik Max Borger in Cham Teerprodukten-, […]

    27. August 2016
  3. […] Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz. Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching Die Spulen-Fabrik Max Borger in Cham Teerprodukten-, […]

    27. August 2016

Comments are closed.