BDM-Mädels kochen für den freiwilligen Arbeitsdienst

„Fünf Mädels brauche ich, die mir beim Kochen für den Arbeitsdienst helfen“; so sagte an einem Heimabend unsere Führerin zu uns Mädels. Weiter fügte Sie noch hinzu: „Der Küchendienst ist in keiner Weise dem Arbeitsdienst angegliedert, eure Arbeit wird nicht der eines Arbeitslagers gleich gewertet. Aber wer sich nun meldet, muß jeden Morgen für eine Woche hindurch um 4:30 Uhr in der Kochküche, die sich in der Luipoldschule befindet, sein; denn um 6 Uhr wird schon der Kaffee, die Brote und die Marmelade abgeholt und das zweite Frühstück für 10 Uhr wird ebenfalls gleich mitgenommen, das aus Marmelade oder Wurst besteht. Zwei Mädels müssen dann zum Frühdienst antreten bis 10 Uhr, die andern zum Mittagsdienst von 10 Uhr ab. Zweimal in der Woche wird dann mit dem Früh- und Mittagsdienst abgewechselt. Um 13:30 Uhr muß das Mittagsessen fertig sein, abends um 18:00 Uhr wird das Abendbrot abgeholt, das meißt aus Tee, Rahmkäse und Butterbrot besteht. Da gibt es natürlich viel Arbeit, und Schlafmützen kann man da erst recht nicht gebrauchen.

Aber trotzalledem flogen 45 Hände und noch mehr wie auf Befehl in die Luft, alle wollten mithelfen. Es war wirklich schwer, da eine Auslese zu halten, aber schließlich hatte man doch fünf Mädels herausgewählt und die andern auf die nächste Woche vertröstet, denn der Arbeitsdienst besteht ja schließlich nicht nur eine Woche lang.

Gleich am nächsten Morgen darauf begann dann der Kochdienst. An einem der darauffolgenden Wochentage, an einem Freitag war es, überfiel ich unsere „Köchinnen“, um meine Neugierde zu befriedigen. Gleich am Eingang wurde ich beinahe von zwei Mädels umgerannt, von denen die eine einen Putzeimer schwang, die andere aber einen Henkelkorb trug, der solche Ausmaße hatte, daß man hätte meinen können, sie wolle damit unser ganzes Städtchen auskaufen. Als wir uns von dem Zusammenprall etwas erholt hatten, fragte die eine: „Geh nur weiter, gerade links die Treppe runter.“ Erwartungsvoll ging die Treppe hinab. Wie würde es dort unten aussehen? Als ich durch die Tür trat, sah ich zuerst gar niemand, dafür hörte ich aber um so mehr. Ich hörte einen nassen Aufwaschlumpen auf den Boden aufklatschen, hörte das Brodeln in einem Feuerkessel und das Rasseln einer Kaffemühle. Ich ging weiter und sah nun auch die Heinzelmännchen, die diesen Lärm verursacht hatten. Die eine lauerte gerade am Boden und drehte den Lumpen aus, sie hat heute Frühdienst, da gehört das auch dazu. Die andere steht an einem der drei Kessel und rührt mit einem mordslangen Kochlöffel in dem Kessel herum; sie nickt mir mit ihrem weißen Kopftuch und ihrer weißen Schürze luftig zu und lädt mich ein, doch etwas näher zu kommen. „Heute gibt es Linsensuppe und Würstchen.“ „Ah, da würde ich auch gleich mithalten.“ „Das kannst du, du mußt nur warten bis 13:30 Uhr, da holen nämlich 3-4 Mann vom Arbeitsdienst in großen Milchkannen das Essen. Was da zuviel ist, bekommen wir.“ „Ja,“ flicht die dritte ein, die inzwischen auch näher gekommen ist, und gestern hat uns unsere Führerin sogar davon abhalten müssen, nicht gar so hohe Berge auf unsere Teller zu laden, obwohl kurz vorher noch eine erklärt hatte: In meinem ganzen Leben habe ich noch keine Tomatentrunke leiden mögen.“

Während dieses Gespräches kommt unsere Führerin, die die Küche über sich hat, wieder zurück. Sie war gerade fort gewesen, um Warenbestellungen zu machen. Für den Arbeitsdienst wird alles im großen eingekauft, weil dies viel rentabler ist. In zwei großen Regalen stehen da Blechofen mit Maggiwürfeln, Kaffee und Tee, ein Flaschenkorb und Essig, eine Kanne mit Öl, Schachteln mit Lebensmitteln aller Art, und unter den Regalen liegen Säcke mit Mehl, Zucker und Salz.

Aber nun wieder zurück zur Küche. Unsere Köchinnen haben schon wieder alle Hände voll zu tun, aber flink geht ihnen die Arbeit von den Händen, denn was sie tun, tun sie freiwillig, nur von dem Wunsche erfüllt, einerseits etwas intensiver in die Kochkunst einzudringen, da es ja in unserer Stadt selbst keine Kochschule gibt, anderseits sind sie auch glücklich, mithelfen zu dürfen für eine Gemeinschaft, freiwillig zu arbeiten, auch wenn sie für ihre Arbeit nicht bezahlt und entlohnt werden.

Oppersheim/Rheinpfalz

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