Bilder aus der Kameruner Vogelwelt

Die Vogelwell Kameruns ist ziemlich reich an Arten. Bei dem Wasserreichtum des Landes treten natürlich die Schwimm- und Wasservögel in den Vordergrund. Die Flüsse und Sümpfe wimmeln von zahllosen Schwimmvögeln, Enten-und Gänsearten. Daneben treffen wir alle möglichen Arten von Störchen und Reihern. Der Wald ist von Papageien der verschiedensten Gattung, von Nashornvögeln, Pisangfressern (Turakos), Adlern, Aasgeiern, Falken und zahlreichen kleinen Vogelarten bevölkert.

Unter den Raubvögeln ist namentlich der Schopfadler zu nennen, der grösste Raubvogel Westafrikas.

Singvögel in unserm Sinne gibt es in Kamerun wie überhaupt in den Tropen nicht. Das fröhliche Gezwitscher und Jubilieren, das bei uns im Frühjahr und Sommer den Wald erfüllt, werden wir daher in Kamerun vergeblich suchen. Dagegen wetteifern die verschiedenen Vogelarten durch die Farbenpracht des Federkleides miteinander.

Wie in Ostafrika sind auch in Kamerun die Webervögel sehr häufig, ja man könnte sie fast die Spatzen Afrikas nennen. Die Männchen haben ein prächtig gelbes Federkleid, die Weibchen sind bescheiden grau gefärbt. In der Paarungszeit nimmt das Federkleid jedoch eine lebhaftere Färbung an.

Unter den Schwimmvögeln ist die Nilgans (Bild 1) sehr zahlreich vertreten. Ihr Name ist eigentlich irreführend, denn sie ist fast in ganz Afrika anzutreffen. Von den Nilländern aus ist sie aber wohl zuerst bekannt geworden. Schon die alten Aegypter haben sie gezähmt, und wenn sie auch nicht, wie verschiedene andere Vögel, für heilig gehalten wurde, so war sie doch Seb, dem Vater des Osiris, geweiht. Schon durch ihre weniger plumpe Gestalt sticht sie angenehm von unseren zahmen Gänsen ab. Ihr Gefieder ist prächtig hellbraun und rotbraun gefärbt, die Flügeldecken schimmern grün und violett, und Schnabel und Füsse sind schön rot. Der Vogel ist ebenso auf den Flüssen Kameruns wie auf den Seen und Sümpfen anzutreffen und nistet entweder im Schilf oder auch auf trockenem Boden und sogar auf Bäumen. Sein Fleisch ist sehr schmackhaft,, und da er ja ein recht schönes Gefieder hat, so wird er auch in Europa häufig als Ziervogel auf Teichen gehalten.

Bild 2 zeigt uns den Ibis, einen Schreitvogel, der ebenfalls am häufigsten in den Nilländern vorkommt und dort den  Namen „heiliger Ibis“ erhalten hat. Auch dieser Vogel ist über das. ganze tropische Afrika verbreitet und in Kamerun nicht gerade selten. Auffällig ist sein sichelförmig gekrümmter Schnabel. Kopf und Hals sind kahl, Schnabel und Füsse schwarz. Bis auf die schwarzen, grün schimmernden Schwungfedern ist sein Gefieder glänzend weiss.

Einer der schönsten afrikanischen Schreitvögel ist der Riesenreiher (Bild 3), der, wie schon sein Name andeutet, erheblich grösser ist als die anderen Reiherarten. Namentlich sein Hochzeitskleid ist prachtvoll und zeichnet sich durch zwei schurzfellartige Federquasten an der Unterseite aus.

Papageien kommen zahlreich, in den verschiedensten Farben vor und erfüllen den Wald mit ihrem misstönenden Geschrei. Doch, wie jedes Kind weiss, sind sie sehr possierlich — „gefiederte Affen“ nennt sie der alte Brehm — dabei aber äusserst vorsichtig. Von dieser Eigenschaft bei den Graupapageien (Bild 4), die in Kamerun besonders häufig sind, erzählt Hauptmann Hutter sehr nett: „Wenn ich mich zur Beobachtung oder zur Gewinnung eines dieser rotschwänzigen Gesellen für unsern Kochtopf heranpirschte, musste ich bei ihrem Gebaren stets an unsere heimischen Nusshäher denken. Man weiss, dass auf einem Baum eine ganze Bande dieser Rotschwänze sitzt, hat man sie doch dort einfallen sehen, aber zu Gesicht bekommt man keinen. Alle, soeben noch in der lautesten Unterhaltung begriffen, schweigen sofort still, ziehen sich in die dichte Baumkrone zurück und gewinnen lautlos kletternd die dem Schützen entgegengesetzte Seite des Baumes, streichen ab, und nun, in sicherer Entfernung, geht ein Geschrei, Geschimpf und Gespött an ob des überlisteten Jägers.“

Eine sehr niedliche und lebendige Gesellschaft sind die zu den Klettervögeln gehörigen Mausvögel (Bild 5), die in Kamerun etwa die Stelle unserer Meisen einnehmen. Wie diese durchstreifen sie in kleinen Scharen den Wald und nähren sich von Früchten, Beeren, Knospen und dergl. Wie unser Bild zeigt, sitzen und hängen sie, wie die Meisen in den sonderbarsten Stellungen zusammen.

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    3. Oktober 2016

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