Bilder aus der ostafrikanischen Vogelwelt

Die Vogelwelt unsrer Kolonie ist an Zahl der Arten so gross, dass wir uns darauf beschränken müssen, einige der auffälligsten Vertreter vorzuführen. Wir lassen hier den Strauss ausser acht, weil er zum ausgesprochenen Nutztier geworden ist oder doch werden soll. Natürlich ist die Zahl der kleinen Vögel Legion. Alle Regenbogenfarben sind darunter vertreten. Besonders interessant sind die Webervögel, eine Finkenart. Sie werden so genannt, weil sie ihre Nester, die oft zu Hunderten an einem Baum hängen, kunstvoll aus Gras oder ähnlichem Material zusammenflechten. Prachtvoll feurig rot erglänzt ihr Hochzeitskleid, wenn sie pfeilgeschwind durch die Luft schiessen. Im dunklen Busch schlägt die Nachtigall und über die breiten Blätter der Seerosen eilt flink und gewandt das Wasserhuhn. Auch der Kuckuck fehlt nicht in Afrika oder wenigstens eine unserm Freund verwandte Art.

Die Flüsse, Seen und Sümpfe sind von zahllosen Wasservögeln aller Art bevölkert: Kronenkraniche, Flamingos, Pelikane, verschiedenerlei Störche und Reiher sind die auffälligsten Vertreter dieses Teils der Vogelwelt. Auch an allerlei Enten und Gänsen fehlt es nicht, und der Jäger kann an den Gewässern Ostafrikas seine Freude haben. Nur wird es ihm meist sehr schwer werden, seine Beute zu erlangen, da geschossene Tiere vielfach in den ungeheuren Schilfmassen spurlos verschwinden und das Herausholen geschossener Vögel aus dem Wasser wegen der Krokodile seine Haken hat.

Neben den zahllosen Wasservögeln sind viele Raubvogelarten zu nennen: Geier und Adler verschiedener Grösse und Form usw. Die Geier verdienen aus dem Grunde Erwähnung, weil sie mit andern begeisterten Aasfressern zusammen die freiwillige Reinigungs und Gesundheitspolizei des Landes darstellen. Dann gibt es allerlei Steppenvögel: Hühnerarten, Trappen, die kleinen Frankoline, die unsern Rebhühnern an Grösse und auch an Geschmack ähneln, u. dergl.

Von den Steppenvögeln ist namentlich das Perlhuhn als Jagdtier wichtig. Es belebt in grösseren oder kleineren Völkern die Steppe und den Buschwald und ist verhältnismässig wenig scheu, also nicht schwer zu erlegen. Es bildet denn auch häufig den sonntäglichen, wenn nicht gar täglichen, Braten auf dem Tisch des Europäers. Erwähnenswert als sehr schönes Tier ist das Geierperlhuhn (Bild 1), so genannt, weil es einen nackten Kopf und Hals hat. Im übrigen ist sein feines Gefieder überaus farbenprächtig. Der Balg des Perlhuhns, namentlich die Flügel, sind denn auch als Schmuck für Damenhütte beliebt.

Eine groteske Erscheinung ist der Hornrabe (Bild 2), der vorwiegend im lichten Buschwald vorkommt und wie unser heimischer Rabe von Larven, Kriechtieren und kleinen Nagetieren lebt. Dem Jäger ist er sehr unangenehm, da er, obwohl ihm niemand nachstellt, durch vorzeitiges Aufflattern und auffälliges Gebaren die übrigen Tiere warnt.

Unter den Wasservögeln fällt der Flamingo (Bild 3) auf, der zahlreich an den Binnengewässern Afrikas zu treffen ist. Das prächtig rosa und weiss gefärbte Tier ist sehr scheu und flieht den Menschen schon aus weiter Ferne.

Beliebt bei unsern Damen ist der Marabu (Bild 4) wegen der ausserordentlich wertvollen feinen Flaumfedern, die er unter seinem Schwanz trägt. Meist ist diese Verehrung aber platonisch, denn seine Federn sind so selten und teuer, dass sie sich nicht jedermann leisten kann. Wegen dieser Federn wird ihm eifrig nachgestellt, vielfach ohne Resultat, denn das Tier ist sehr scheu und nicht leicht zu erlegen. Nur am Aas, das der Marabu seht liebt, soll leichter an ihn heranzukommen sein, da er in seiner Gier die gewohnte Vorsicht ausser acht lässt.

Jedenfalls stellt der Vogel, da er nicht eben selten in der Kolonie ist, einen hübschen wirtschaftlichen Wert dar. Hauptmann H. Fonck regt in seinem jüngst erschienenen Buch über die Jagd in Ostafrika an, den Marabu zu züchten, was nach seiner Ansicht nicht schwer wäre, da das Tier kein Kostverächter, sondern mit allerlei Abfall zufrieden ist.

ln verschiedenen Arten kommt der Pelikan (Bild 5) vor, ein in seiner Schwerfälligkeit auf dem Lande sehr possierliches, zugleich aber sehr gefrässiges Tier aus der Ordnung der Ruderfüsser. Was sein Kehlsack, in den zunächst alle Nahrung wandert, zu bergen vermag, ist unglaublich.

Irgend einen Nutzwert hat dieser Vogel nicht, infolgedessen auch wenig Feinde, es seien denn solche der Tierwelt.

Vorläufig führen alle diese Vögel, besonders soweit sie am Wasser leben und den natürlichen Schutz der ungeheuren Schilfmassen und dichten Uferwälder der Tropen geniessen, ein von Menschen ziemlich ungestörtes Dasein, denn da die Jagd auf Vierfüsser so mannigfaltig ist, so wird die Wasserjagd noch wenig gepflegt.

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2 Comments

  1. […] von Lüderitzbucht Die Diamanten-Regie des südwestafrikanischen Schutzgebiets in Berlin Bilder aus der ostafrikanischen Vogelwelt Vom Deutschtum im Ausland […]

    2. Oktober 2016

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