Bilder aus der Tierwelt Südafrikas

Die Tierwelt unsrer südwestafrikanischen Kolonie ist ausserordentlich reich an Arten, weil dort verschiedene Haupttiergebiete Zusammentreffen und daher teilweise die Tiere mehrerer Zonen gemischt Vorkommen. In der Hauptsache gehört unsre Kolonie jedoch dem südafrikanischen Tiergebiet an.

Besonders zahlreich sind die einzelnen Tierarten allerdings nicht vertreten, mit den Wildherden der Steppen Ostafrikas z. B. können sich diejenigen Südwestafrikas nicht messen; nur der Norden der Kolonie macht darin eine Ausnahme. Die Trockenheit des Landes, der Mangel an natürlichen Tränkstellen macht manche Teile der Kolonie wenig geeignet zur Entwickelung eines grossen Wildstands. Anderseits hat der Mensch im Laufe der letzten Jahrzehnte gewaltig unter dem Tierbestand aufgeräumt und manche Vertreter ganz ausgerottet. Trotzdem kommt der Weidmann, wenn er sich von den Ansiedlungen etwas weiter entfernt, noch reichlich auf seine Rechnung und es ist zu hoffen, dass in Zukunft sich in der Kolonie ein guter Wildbestand erhalten lässt, denn der früheren Aasjägerei, die hauptsächlich von umherziehenden Buren ausgeübt wurde, ist jetzt glücklicherweise einigermassen gesteuert. Die Buren sind nicht mehr in der Kolonie unter sich, sondern jetzt gibt in weidmännischer Beziehung der deutsche Farmer, der Beamte und Offizier den Ton an, und zeigt erheblich mehr Sinn und Liebe für die Tierwelt als der vagabondierende Bur.

Von den grossen Raubtieren ist der Löwe, wenigstens im Norden der Kolonie, noch häufig anzutreffen; es ist noch nicht lange her, dass bei Karibib und Omaruru solche Bestien die Herden heimsuchten und dabei erlegt  wurden. Regelmässig hört man die Stimme des Königs der Tiere allerdings nur noch im höheren Norden des Landes. So erzählt der Farmer Schlettwein in Otjitambi an der Grenze des Kaokofelds, dass er z. B. im Tal des Hoanib wiederholt Löwen getroffen habe und einmal ist sogar auf einem nächtlichen Ritt sein Pack-Maultier von einem Raubtier angesprungen worden, andermal hatte ein Löwe, während Schlettwein nachts auf dem Anstand sass, fast unter seinen Augen aus einem zur Tränke kommenden Antilopenrudel ein Tier geschlagen und halb verzehrt, ohne dass der Jäger das geringste bemerkt hatte; am andern Morgen fand er zu seinem Erstaunen kaum 100 Meter von seinem Ansitz im feuchten Sande die Spuren des Raubtiers und 50 Meter weiter die Reste der frisch gerissenen Antilope. Wieder ein Beweis, wie heimlich das grosse Raubtier sein kann. Viel häufiger und schädlicher als der Löwe ist in Südwest der Leopard, der im ganzen Lande vorkommt und jährlich in grosser Zahl erlegt wird, ohne dass eine Abnahme zu bemerken wäre. So hat z. B. der Farmer Janson in Franzfontein allein in der nächsten Umgebung seiner Besitzung etwa fünfzig Leoparden in den letzten Jahren zur Strecke gebracht, über hundert Leoparden sind in Franzfontein überhaupt in dieser Zeit vertilgt worden.

Daneben gibt es noch eine Menge kleineren Raubzeugs, Geparde (sogen. Jagdleoparden, weil sie besonders schnellfüssig sind und sich zu Jagdzwecken zähmen lassen), Luchse, Hyänen, Hyänenhunde, Löffelhunde, Schakale usw. Letztere in zwei Arten, der Goldschakal, so genannt wegen seiner lichtbraunen Farbe, und der Silberschakal. Ersterer wird wegen eines dunklen schabrackenartigen Streifens auf dem Rücken auch Schabrackenschakal genannt. „Er trug einst — wie eine Hottentottensage erzählt — die Sonne, die ihm als schönes Mädchen begegnete, auf dem Rücken und zum Dank verbrannte ihm diese das Fell.“

Von Affen kommt nur der Pavian vor. Der ironische Spitzname „Affenland“ passt daher eigentlich für Südwest nicht. Allerdings leben die Paviane im Gebirge in grosser Zahl und werden manchmal auch den Ansiedlungen lästig, indem sie in die Felder und Gärten einbrechen, gelegentlich auch Lämmer rauben,  lediglich um sich an der geronnenen Milch in deren Magen gütlich zu tun. Der Pavian ist ein wehrhafter Geselle, den man, wenn man ihm in Herden begegnet, am besten unbehelligt lässt. Auch der Leopard, der sein Fleisch sehr zu schätzen scheint, greift ihn mit Vorsicht an. Im allgemeinen nährt sich das Tier von Früchten, Feldzwiebeln und Insekten, die durch kunstgerechtes Wenden der Steine ermittelt werden.

Als Pelztier ist der Klippschliefer oder Klippdachs, ein murmeltierartiges Tier, sehr gesucht. Sein weiches, feines, gelbbraun gefärbtes Fell lässt sich zu grossen Decken verarbeiten, wie man sie in Südwest in vielen Häusern zu sehen bekommt Sehr niedliche und harmlose Tierchen sind die Erdmännchen. Sie gleichen, abgesehen von ihrer hellgelben Farbe, unsern Eichhörnchen, leben aber nicht auf Bäumen, sondern, wie ihr Name besagt, in Erdhöhlen, vor denen man sie häufig aufrecht sitzen sehen kann. Sie haben natürlich unter dem kleineren Raubzeug, namentlich unter den Raubvögeln zahlreiche Feinde und unser Bild auf Seite 4 führt uns ein Drama aus der Natur vor, bei dem ein solches Erdmännchen die leidende Rolle spielt.

Das afrikanische Grosswild, Elefant und Nashorn, ist leider aus unsrer Kolonie verschwunden, abgesehen vom äussersten Norden, wo es hoffentlich noch möglichst lange erhalten wird. Früher muss der Elefant in Südwestafrika in den wasserreichen Gegenden sehr zahlreich gewesen sein, denn noch im Jahre 1870 wurden in der Walfischbai, dem englischen Hafen an der Küste unsrer heutigen Kolonie ganze Wagenladungen von Elefantenzähnen verfrachtet. Die Elfenbeinjäger sollen damals unglaublich in ganz Südafrika gehaust haben und man erzählt, dass ein Däne einmal an einem Tage über hundert Elefanten geschossen hat.

Auch das Nashorn war früher offenbar ein häufiges Wild. Abgesehen davon, dass an Wasserstellen gelegentlich noch Schädel und Hörner gefunden werden, erzählen die wunderbar naturgetreuen Buschmannzeichnungen in den Höhlen der Kalahari, dass Elefant, Nashorn und Büffel ein von diesen Naturmenschen einst vielgejagtes Wild war. Nashörner gibt es nur noch im Norden und Nordwesten der Kolonie. Der Büffel war ebenfalls in grosse Herden vorhanden, aber was der Aasjäger übrig liess, vernichtete die Rinderpest. Das Flusspferd hatte natürlich in dem trockenen Südwestafrika keine Heimstätte. Immerhin war es im südlichen Grenzfluss, dem Orange, anzutreffen, und auch heute noch sollen in seinem Unterlauf einige Exemplare leben. Dagegen ist das Tier im nördlichen Grenzfluss, im Kunene, im Okawango und in den Gewässern des Caprivizipfels zahlreich zu Hause. In den Norden der Kolonie hat sich auch die Giraffe, die früher fast überall anzutreffen war, zurückgezogen.

Der eigentliche Wildbestand besteht heute neben Raubtieren aus Antilopen aller Art, die je nach ihren besonderen Lebensbedingungen im Lande verteilt sind. Es kommen fast alle Arten vor, die es auch in Ostafrika gibt. Die Hauptvertreter sind aber das Kudu mit seinem stolzen spiralförmigen Gehörn, der Hirsch Afrikas, dann der Spiessbock, in Südwest Gemsbock genannt, mit seinen meterlangen geraden Gehörnstangen, ferner der zierliche Springbock mit seinem leierförmigen Gehörn, eine der schönsten Gazellenarten. Seinen Namen hat das Tier von den auffälligen Luftsprüngen, die es im Laufe ohne erkennbaren Grund ausführt. Während der Springbock in grossen Rudeln lebt, die in guten Weidegegenden Hunderte ja Tausende von Tieren umfassen, leben die ersteren Antilopen mehr paar- und familienweise.

Nicht selten ist auch das Wildebeest (Gnu) und das Hartebeest (Kuhantilope), die Elenantilope und verschiedene kleinere Antilopenarten, im Norden der Wasserbock. Die grossen Antilopen sind im mittleren und südlichen Teil von Südwestafrika erheblich besser daran als ihre Artgenossen in Zentral- und Ostafrika, weil hier ihr Hauptfeind, der Löwe, fehlt; der Leopard hält sich mehr an kleinere Antilopen oder zieht es vor, die Herden des Ansiedlers zu brandschatzen. Selten ist leider das Zebra geworden, in grösserer Zahl kommt es nur noch im Norden, namentlich im Kaokofeld und Amboland vor, im Süden ist es bedauerlicherweise von den Buren so gut wie vernichtet worden.

An Reptilien ist kein fühlbarer Mangel. Neben der Riesenschlange, die nicht giftig ist, kommen leider auch Giftschlangen vor; die Naja, (die afrikanische Brillenschlange), die Hornviper, die Puffotter, die Baumschlange, die Speischlange u. a., endlich Eidechsen aller Art und Grösse, Schildkröten, 20 bis 25 Zentimeter lange Ochsenfrösche usw.

Natürlich fehlt auch das Krokodil in den dauernd Wasser führenden Gewässern des Nordens der Kolonie. Der südliche Grenzfluss, der Oranje, ist reich an Fischen, namentlich Welsarten, die in der wasserreichen Zeit auch in die Nebenflüsse des Oranje, namentlich den Grossen Fischfluss hinaufsteigen, nach Abfluss des Wassers sich in den Tümpeln sammeln und dort massenhaft gefangen werden.

Das Meer längs der deutsch-südwestafrikanischen Küste ist ebenfalls sehr reich an wohlschmeckenden Fischen, allerdings wird dieser Reichtum leider noch wenig ausgebeutet. Der Walfisch muss früher an der Küste sehr häufig gewesen sein, wie die massenhaft an der Küste verstreuten Gerippe des gewaltigen Wassersäugetiers beweisen. Man hat diese Gerippe vielfach sogar als Baumaterial benutzt. Jetzt bekommt man solche Kolosse nur noch selten zu Gesicht.

Zu nennen ist noch die Seekuh, ein walähnliches Wassersäugetier, das im Kunene und im Oranje lebt, und als Tier der Küste und der ihr vorgelagerten Inseln der Seehund. In unsrer Nr. 23, Seite 12, ist ein sehr amüsantes Missverständnis geschildert, das sich an die in den Klippen südlich von Lüderitzbucht sehr zahlreich vorkommenden Seehunde knüpft. Besonders häufig sind die Seehunde in den unsrer Küste vorgelagerten englischen Inseln, den Sinclair- und Roastbeetinseln, ferner auf Long Island, Hollams Vogelinsel usw. Ein Handelskapitän hat einmal an einem Tage 1400 Seehunde erlegt. In dem Meyerschen Werk über „Das deutsche Kolonialreich“ wird erzählt, dass im Jahr 1825 eine merkwürdige Epidemie in die Robbenbestände der südwestafrikanischcn Küste ungeheure Lückenriss und ganze Inseln buchstäblich mit Robbenleichen bedeckte.

Es finden sich noch heute auf der Insel Possession ausgedehnte Felder einer kaffeebraunen, stark phosphorsäurehaltigen Masse, die sich aus den Verwesungsprodukten jener Tausende von Robbenleichen gebildet hat.

Auf den genannten Inseln kommen auch zahllose Pinguine und Kormorane, die wichtigsten Guanolieferanten, vor und, gelegentlich in grossen Schwärmen aus dem Innern von Afrika kommend, Pelikane und Flamingos.

Unter der Vogelwelt ist der vornehmste Vertreter der Strauss. Er ist wild noch sehr zahlreich anzutreffen und wird in neuerer Zeit auch gezüchtet. Während des Aufstands, als kaum jemand an Jagd dachte, konnte er sich natürlich ziemlich ungestört vermehren, und er ist daher jetzt, namentlich in der Kalahari, eine häufige Erscheinung. Von den Hottentotten wurde er früher eifrig zu Pterde gejagt. Sie umzingelten ihn und hetzten ihn so lange hin und her, bis er erschöpft zusammenbrach. War gerade kein Fleischbedarf, so rupfte man dann dem wehrlosen Tier die wertvollen Federn aus und liess es wieder laufen.

Busch und Steppe beleben Trappen (von den Buren Pfau genannt), die 40 bis 50 Pfund schwer werden, Perlhühner, Frankoline usw. Die Frankoline entsprechen etwa unsern heimischen Rebhühnern. Alle diese Tiere werden als gutes Wildbret geschätzt.

Durch ihren merkwürdigen Nesterbau fallen verschiedene Finkenarten auf. Die Webervögel behängen mit ihren aus feinen Gräsern geflochtenen Nestbeuteln zu vielen Hunderten die Zweige der Bäume, und die Siedelsperlinge bauen sich grosse, schirmartig angelegte Kolonien in den Baumkronen, so dass, wie auf unserem Bild zu sehen, manchmal die ganze Krone des Baumes von einer solchen Nestkolonie eingenommen wird.

Im Norden gibt es auch verschiedene hübsche Papageienarten. Im ganzen Land verbreitet sind allerlei Rabenarten und Raubvögel, von letzteren ist der Sekretär wegen seines würdevollen Ganges auf hohen Füssen eine der auffälligsten Erscheinungen. Die früheren holländischen Ansiedler haben ihn als Schlangenfresser gerne gezähmt und zum Wächter des Federviehs bestellt. Die Zahl der kleineren Sing-, Steppen- und Wasservögel ist Legion. Es sind vielfach dieselben Erscheinungen, die auch in den andern Kolonien vorkommen. Auch hier zeigt sich wieder deutlich der Umstand, dass in der Kolonie verschiedene Tierzonen zusammenstossen. Von Einfluss auf das Vorkommen vieler Vögel ist in Südwest auch der ausgesprochene Wechsel zwischen warmer und kalter Jahreszeit. So viel man bis jetzt beobachtet hat, ziehen in der warmen Jahreszeit gewaltige Scharen tropischer Vögel aus dein Norden und Nordosten in die Kolonie ein. Sie finden namentlich in der mannigfaltigen Insektenwelt reichliche Nahrung. Aus dieser wollen wir zum Schluss nur noch zwei Schädlinge erwähnen, die gütigen Skorpione und die Heuschrecken, die oft in milliardenstarken Schwärmen in die Kolonie einfallen und grossen Schaden anrichten.

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