Bilder aus Kiautschou : Chinesische Verkehrsmittel


Wer den Norden des „himmlischen Reiches“, Chinas, betritt, ist von vornherein darauf gefasst, dass er allerlei Absonderlichkeiten zu sehen bekommt, die uns zunächst unverständlich sind. Das gilt namentlich auch für die Verkehrsmittel. In den Küstenstädten freilich tritt dies nicht so sehr in die Erscheinung, weil sich dort der europäische Einfluss, wenn auch langsam, geltend macht.

Immerhin muten die Rickschas, dieDroschken des fernen Ostens, noch reichlich fremdartig an, und zunächst ist uns der Anblick eines schwitzenden Rickscha-Kulis unangenehm, weil wir seine Arbeit, die eines Zugtieres, als Entwürdigung empfinden. Aber schliesslich gewöhnen wir uns an den Anblick und finden diese Art von Beförderungsmittel sehr praktisch. Die Rickscha ist denn auch nicht auf Ostasien beschränkt geblieben, sondern hat in Indien, ja sogar in Süd- und Ostafrika Anklang gefunden. Wir sind jedenfalls in Daressalam und Tanga sehr froh über dieses Fortbewegungsmittel. Gäbe es dort keine Rickschas, so müssten wir wahrscheinlich auf Schusters Rappen durch die glühende Tropensonne traben.



Doch die Rickscha ist in China, also auch in unserer Kolonie Kiautschou, auf die Hafenplätze beschränkt. Das verbreitetste Verkehrsmittel in Schantung, der chinesischen Provinz, deren Ausfuhrplatz Kiautschou ist, ist der Schiebkarren. Diese Schiebkarren sind indessen ganz anders als die unsrigen, sie beruhen auf einem ganz anderen Prinzip der Gewichtsverleilung. Bei uns befindet sich die Last zwischen dem Menschen und dem Rad, beim chinesischen Schiebkarren links und rechts vom Rad. Das Rad läuft im Gestell, wie bei unseren Scherenschleiferkarren. Mit diesen Karren werden sowohl Waren wie Passagiere befördert. Hesse-Warttegg erzählt, dass er Hunderte von Schiebkarren getroffen habe, auf denen Literaten, Prüfungskandidaten und europäische Missionare sich von bezopften, halbnackten Kulis umherradeln liessen. Sie lagen gewöhnlich auf ihren Decken und Kissen ausgestreckt auf der einen Seite des Karrens, während die andere ihre Reisekoffer, Kochgeschirre usw. trug. So brachten sie vielleicht ein bis zwei Wochen auf der Reise zu.

Sogar Auswanderer, die aus einer Provinz des chinesischen Reiches in die andere ziehen, transportieren so Hab und Gut, Weib und Kind. Will der Bauer ein Schweinchen auf den Markt, seine Frau zu einer Theatervorstellung führen, so setzt er die Frau auf die eine Seite des Karrens, das Schweinchen auf die andere und kutschiert sie so an den Ort der Bestimmung. Geht es bergauf, oder ist die Last besonders schwer, so spannt sich wohl, wie auf unserem ersten Bilde zu sehen, ein zweiter Kuli vor, in ganz schweren Fällen wird manchmal auch ein Pferd zur Hilfe genommen.

Ganz merkwürdig muten die Segelschiebkarren an. Der Chinese ist eben Bevölkerungsüberschuss etwas abzubekommen Ausserdem aber verstösst dies gegen den Anstand, der vornehme Mann gehört in den Wagenkasten. In geringerem Umfang werden Packtiere und Sänften benützt. Bei letzteren soll man sich aber ja nicht einbilden, dass man „sanft“ reist; sie bestehen aus demselben Kasten wie die Reisewagen, nur dass statt des Wagengestells Tragestangen angebracht sind. Angesichts dieser Verkehrsmittel in Schantung ist es verständlich, dass unsere deutsche Eisenbahn nicht nur von den Europäern, sondern auch von vielen Chinesen als Erlösung begrüsst wurde.

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