Bilder aus Kiautschou : Unsre Besatzungstruppe


Unsre Kolonie Kiautschou untersteht bekanntlich nicht dem Reichskolonialamt, sondern dem Reichsmarineamt. Kiautschou ist nicht nur als Handelskolonie gedacht, sondern soll mit der Zeit auch eine starke Flottenstation werden. Die ganze Eigenart einer eventuellen Landesverteidigung bedingt von selbst aus praktischen Gründen die Zuteilung zur Marineverwaltung.

Demgemäss ist die Besatzung der Marine entnommen und zwar speziell dem III. Seebataillon in Wilhelmshaven und der Matrosenartillerieabteilung in Cuxhaven, welche die heimatlichen Stammformationen für Kiautschou bilden.

Die gesamte Besatzung, die dem Gouverneur von Kiautschou als Kommandeur untersteht, umfasst 55 Offiziere und 2274 Mann, eingeteilt in vier Kompagnien zu Fuss und eine Kompagnie beritten. Dazu kommt als Bestandteil dieser Truppe eine Marinefeldbatterie. Ferner gehört zur Besatzung eine Matrosenartillerieabteilung zu vier Kompagnien und eine Matrosen- und Werftdivision.

Die etatsmässige Stärke der Feldkompagnie beträgt 250 Mann, die der berittenen Kompagnie 135 Mann, die der Feldbatterie 164 Mann mit 6 Geschützen und 2 Maschinengewehren. Die Matrosenartillerie hat 734 Mann und dient zur Besetzung und Bedienung der Küstengeschütze in den Hafenbatterien.

Jährlich kommt etwa die Hälfte der Besatzung zur Ablösung. Der Ersatz wird bei den Stammtruppen in Wilhelmshaven beziehungsweise Cuxhaven am 1. Oktober eingestellt, erhält dort eine dreimonatliche Ausbildung und wird Mitte Januar in einem eigens dazu gemieteten Dampfer nach Kiautschou befördert.

Das 3. Seebataillon samt seinen Teilen in der Kolonie ist der Inspektion der Marineinfanterie, die Matrosenartillerie der Inspektion der Küstenartillerie und des Minenwesens untergeordnet, entsprechend den Einrichtungen in der Heimat

Die Bewaffnung der Besatzung von Kiautschou besteht aus dem Gewehr Modell 98, der Waffe der heimischen Armee. Es ist dies ein Magazingewehr mit 5 Patronen und 7,9 mm Kaliber mit sechs Rundzügen und Schussweite bis 2000 Meter, das sich schon bei der ostasiatischen Expedition im Jahr 1900/1901 bewährt hat.

Die erste Ausbildung der Besatzung erfolgt in der Heimat ganz nach den Grundsätzen der übrigen Marineinfanterie, bezw. Matrosenartillerie. Drausscn wird sie dann unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der Kolonie fortgesetzt.

Die Uniform der Marineinfanterie ist dunkelblau mit weissem Kragen und Aufschlägen, die feldmässige Kopfbedeckung ein Tschacko, wie ihn unsere Jäger tragen. Als Bespannung für die Feldartillerie werden Maultiere verwendet, als Reittier für die berittene Truppe dient das Chinesenpferd, ein kleines ponyartiges Tier, das sehr ausdauernd ist und sich bis jetzt bei unsrer Truppe in jeder Hinsicht bewährt hat.

Die Besatzungstruppen sind jetzt alle in neuen Kasernen nach heimischem Muster untergebracht, die den Namen Iltis- und Bismarckkasernen führen.

Bemerkenswert ist, dass die Truppe in Kiautschou zu einem grossen Teil aus Freiwilligen besteht. Es werden auch Einjährig-Freiwillige angenommen. Die Meldung allef Freiwilligen hat beim 3. Seebataillon in Wilhelmshaven zu erfolgen, wo diese mit der andern Mannschaft drei Monate lang ausgebildet werden.

Unsere Bilder zeigen die Besatzungstruppen bei der Parade und beim Felddienst, und zwar Bild 1 und 4 die Marineinfanterie und die Marinefeldbatterie im Parademarsch, Bild 2 die Offiziere bei der Kritik, Bild 3 die Marineinfanterie im Biwak.

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