Buonamico Buffalmacco

Geboren um 1300 zu Florenz Gestorben ca. 1351 daselbst.

in Schüler des Andrea Tafi war der florentinische Maler Buonamico di Christofano, genannt Buffalmacco. Er wird schon von Boccaccio in seinem Decamerone als ein sehr spaßhafter Mann gerühmt; auch weiß man, daß er ein treuer Gefährte der Maler Bruno und Calandrino gewesen ist, die beide gleich ihm gern Scherz trieben. An seinen vielen Arbeiten, die in ganz Toskana zerstreut sind, erkennt man übrigens, daß er auch in seiner Malerkunst wohl erfahren war. Franco Sacchetti erzählt von ihm in seinen dreihundert Novellen, daß zur Zeit, als er noch bei seinem Lehrer Andrea wohnte, dieser die Gewohnheit hatte, im Winter, wenn die Nächte lang waren, vor Tag aufzustehen, seine Jungen zu wecken und sich an die Arbeit zu setzen.

Dies war Buonamico sehr verdrießlich, und er sann auf ein Mittel, zu verhindern, daß er nicht so im besten Schlafe gestört werde; da fand er einst in einem schlecht gekehrten Gewölbe dreißig große Dreckoder Mehlkäfer; jedem dieser Tiere befestigte er mit einer ganz feinen Nadel ein Licht auf dem Rücken, zündete es an, und schob zu der Stunde, zu welcher Andrea ihn zu wecken pflegte, durch eine Spalte in der Tür langsam einen Käfer nach dem anderen in das Zimmer seines Lehrers, der eben erwacht war und Buffalmacco rufen wollte. Als dieser die wandelnden Lichter sah, geriet er in große Furcht, fing an zu beten und sich Gott zu empfehlen, und anstatt Buonamico zu wecken, steckte er sich tief unter die Decke und blieb so immer zitternd vor Furcht bis zum Tagesanbruch liegen. Am Morgen fragte er Buonamico, ob er gleich ihm Tausende von Dämonen gesehen habe, worauf jener mit nein antwortete, er habe die Augen geschlossen gehabt, und wundere sich, daß er nicht gerufen worden sei. „Was, dich wecken?“ rief Tafo, „ich dachte an andere Dinge, als ans Malen, und bin entschlossen, in ein anderes Haus zu ziehen.“ In der folgenden Nacht ließ Buffalmacco nur drei Käfer hinein, und Tafo kam durch die Angst der vorhergegangenen Nacht und diese wenigen Teufelchen so um allen Schlaf, daß es nicht so bald Tag geworden war, als er das Haus verließ, in der Absicht, nie wieder dahin zurückzukehren. Man mußte ihm sehr zusprechen, bis er seine Meinung änderte; der Priester des Kirchspiels indessen, den Buonamico zu ihm brachte, beruhigte ihn, so gut er konnte, und als Tafo mit Buonamico über den Vorfall sprach, sagte dieser: „Ich habe immer sagen hören, die Dämonen seien die größten Feinde Gottes; so müssen sie auch arge Gegner der Maler sein, denn nicht nur, daß wir sie sehr häßlich darstellen, bemühen wir uns, was noch viel schlimmer ist, fortwährend auf Tafeln und Mauern Heilige zu malen, und dadurch zum Trotze der Dämonen die Menschen frommer und besser zu machen. Weil sie nun Zorn gegen uns hegen, und im Finstern mehr Macht haben, als am Tage, treiben sie solch ein Spiel mit uns, und werden es noch ärger machen, wenn wir nicht ganz auf hören wollten, zur Nacht zu arbeiten.“ Also redete er zu öftern Malen, der Priester stimmte ihm bei, Tafo stand nicht mehr in der Nacht auf, und die Teufel wanderten nicht mehr mit den Lichtern im Hause umher. Nach ein paar Monaten jedoch hatte Tafo alle Furcht wieder fast vergessen, und fing an, um des Gewinnes willen, wiederum bei Nacht aufzustehen und Buonamico zu wecken; alsbald aber zogen auch die Käfer wieder umher, so daß es not tat, das Frühaufstehen ganz zu unterlassen, wozu der Priester sehr riet, und als die Sache inder Stadt bekannt wurde, wagte eine lange Zeit weder Tafo, noch sonst ein Maler, bei Nacht zu arbeiten.

Einige Zeit nach dieser Begebenheit, so erzählt derselbe Sacchetti, trennte sich Buonamico von seinem Lehrer Tafo, weil er selbst ein ziemlich guter Meister geworden war, und es fehlte ihm nie an Bestellungen. Er hatte zu seiner Wohnung und Arbeit ein Haus gemietet, neben welchem dichtan ein schon ziemlich begüterter Wollenarbeiter wohnte, der, weil er ein neuer Emporkömmling war, Gänsekopf genannt wurde; die Frau dieses Mannes stand jede Nacht so zeitig auf, daß Buonamico, der bis dahin gearbeitet hatte, sich erst zur Ruhe legte, wenn seine Nachbarin schon wieder munter war, und sich unglücklicherweise gerade an der Wand, wo Buffalmaccos Bett stand, an ihr Rad setzte, wo sie so emsig Wolle spann, daß Buonamico vor dem Getöse nicht schlafen konnte. Er sann und sann, wie diesem Übel abzuhelfen sei, und bald bemerkte er, daß hinter einer Mauer von Backsteinen, die sein Haus und das des Gänsekopfes trennte, der Herd der schlimmen Nachbarin sei, so daß man durch eine Ritze sehen konnte, was sie am Feuer trieb. Da erdachte er eine neue List; er machte sich nämlich mit einem langen Bohrer ein Rohr, und indem er die Zeit abpaßte, wo Frau Gänsekopf nicht am Feuer stand, spritzte er damit soviel Salz in den Topf der Nachbarin, als ihm gut schien; kam nun der Gänsekopf zum Essen nach Hause, dann konnte er die meisten Male weder Fleisch noch Suppe essen, alles war versalzen und nicht zu genießen. Ein oder zweimal hatte er Geduld und zankte nur ein wenig; als er aber sah, daß Worte nicht hinreichten, schlug er mehrmals die arme Frau, die verzweifeln wollte, weil sie wußte, daß sie beim Salzen des Essens die allergrößte Sorgfalt beobachtete. Als daher der Mann sie einst wieder schlug, wollte sie sich entschuldigen, dies versetzte aber den Gänsekopf in noch ärgeren Zorn, und er schlug sie von neuem, bis sie ein solches Geschrei erhob, daß die ganze Nachbarschaft zusammenlief. Darunter war auch Buffalmacco, und als er hörte, wie die Frau des Gänsekopfes ihren Mann anklagte und wie sie sich entschuldigte, sprach er zu diesem: ,,Wahrlich, Freund, hier gilt es billig sein, du beschwerst dich, daß das Essen mittags und abends versalzen ist, und ich wundere mich, daß deiner guten Frau irgend etwas wohl geraten kann, denn ich begreife nicht, wie sie bei Tag imstande ist, sich auf den Füßen zu erhalten, da sie die ganze Nacht an ihrem Spinnrade sitzt, und kaum, glaube ich, eine Stunde schläft. Dulde nicht, daß sie die halbe Nacht wache, und du wirst sehen, wenn sie genug schläft, wird sie am Tage ihre Sinne beisammen haben und nicht in so arge Fehler verfallen.“ Er wandte sich hierauf zu den anderen Nachbarn, und stellte ihnen die Sache so augenscheinlich vor, daß sie sagten, Buonamico habe recht, und sein Vorschlag müsse Gehör finden; dies überzeugte auch den Gänsekopf, er befahl, sie solle nicht bei Nacht arbeiten, und das Essen war fortan nicht versalzen, wenn es sich nicht einmal die Frau etwa einfallen ließ, in der Nacht aufzustehen, denn dann schritt Buffalmacco sogleich zu seinem Mittel, bis der Gänsekopf es endlich dahin brachte, daß sie es ganz unterließ.

Buonamico lieferte eine seiner ersten Arbeiten im Kloster der Nonnen von Faenza, welches auf dem Platze gelegen war, wo jetzt die Citadelle del Prato steht. Die ganze Kirche ist von seiner Hand ausgemalt, und unter vielen Darstellungen aus dem Leben Christi, die alle recht gut sind, war auch der Betlehmitische Kindermord abgebildet, wobei er die Leidenschaft der Mörder, wie der anderen Gestalten, sehr lebendig ausdrückte; einige Ammen und Mütter, welche die Kinder den Blutknechten entreißen, gebrauchen Hände, Nägel und Zähne, und alle Bewegungen ihres Körpers zeigen, wie sie von Zorn, Wut und Schmerz ergriffen sind.

Da jenes Kloster heutigen Tages zerstört ist, kann man von diesen Malereien nichts mehr sehen, als in meinem Zeichenbuche ein koloriertes Blatt, worauf eben jedes Bild von Buonamico selbst entworfen ist. Während er in jenem Kloster arbeitete, schauten die Nonnen zuweilen durch die Leinwandverkleidung, welche er hatte ziehen lassen, um dahinter zu malen, und verwunderten sich sehr, den Buffalmacco, einen wunderlichen und in Kleidung und Lebensweise ganz willkürlichen Mann, immer ohne Mantel und Käppchen arbeiten zu sehen, was in jenen Zeiten allerdings etwas ganz Ungewohnt liches war. Sie sagten dem Hausmeister, es gefalle ihnen nicht, daß er immer nur in der Jacke gehe; dieser beruhigte sie darüber, und sie schwiegen einige Zeit still; endlich indessen, als sie ihn immer nicht anders gekleidet erblickten, fingen sie an zu zweifeln, ob es nicht vielleicht ein Junge sei, der nur Farben reibe, und ließen ihm durch die Äbtissin sagen, sie wünschten den Meister arbeiten zu sehen, und nicht immer den da. Obgleich nun Buonamico deutlich erfuhr, wie wenig Zutrauen sie zu ihm hatten, erwiderte er doch in seiner gefälligen Weise, sobald der Meister komme, wolle er es ihnen sagen lassen. Hierauf stellte er zwei Bänke aufeinander, setzte oben darauf einen Wasserkrug und ein Käppchen darüber, so daß es auf dem Henkel ruhte, verdeckte das übrige des Kruges mit einem langen Mantel, den er sorgfältig über die Bänke zog, steckte in den Schnabel, aus welchem man das Wasser gießt, geschickt einen Pinsel und ging fort. Bald nachher kamen die Nonnen, und schauten an einer Stelle, wo er die Leinwand weggezogen hatte, nach der Arbeit, da erblickten sie den falschen Meister in vollem Staate, und in der Meinung, daß er emsig arbeite, und wohl etwas anderes zustande bringen werde, als jener gemeine Junge, bekümmerten sie sich mehrere Tage weiter nicht darum. Endlich nach vierzehn Tagen, in welcher Zeit Buonamico nicht einmal dort gewesen war, wünschten sie zu sehen, was für schöne Dinge der Meister vollendet habe und eilten in der Nacht, als sie ihn fortgegangen glaubten, seine Malereien zu betrachten; wie verwirrt aber und beschämt blieben sie stehen, als sie, eine neugieriger als die andere, den feierlichen Meister entdeckten, der in vierzehn Tagen nichts gearbeitet hatte. Sie erkannten, daß Buonamico sie nach Verdienst bestraft hatte, und daß seine Arbeiten lobenswert waren, deshalb ließen sie ihn durch den Kastellan rufen, und Buffalmacco machte sich mit großem Gelächter und Vergnügen wieder an die Arbeit, indem er ihnen gezeigt hatte, welcher Unterschied zwischen einem Menschen und einem Krug sei, und daß man nicht immer von den Federn auf den Vogel schließen dürfe. In wenigen Tagen vollendete er hierauf ein Gemälde, mit welchem sie in allem sehr zufrieden waren, nur meinten sie, die Gesichter schienen etwas zu blaß. Dieses hörte Buonamico, und weil er wußte, daß die Äbtissin Vemaccia hatte, einen toskanischen Wein von der besten Sorte, den sie zum Meßopfer verwahrte, sagte er ihnen, um solchem Fehler abzuhelfen, gebe es nur ein Mittel, man müsse die Farben mit gutem Vernacciawein auflösen, dadurch würden die Wangen und die Hautfarben der Gestalten rot und lebendig. Die guten Schwestern, welche alles glaubten, versorgten ihn von nun an, solange er arbeitete, mit gutem Vernacciawein, und Buonamico freute sich dessen, genoß ihn und gab mit seinen gewöhnlichen Farben den Gestalten ein frisches und lebhafteres Kolorit.

Als er diese Arbeiten beendet hatte, malte er in der Abtei von Settimo einige Begebenheiten aus dem Leben des heil. Jakob in der Kapelle des Klosterganges, welche diesem Heiligen geweiht ist, und stellte in der Wölbung die vier Patriarchen und die vier Evangelisten dar, wobei merkwürdig ist, mit welcher Natürlichkeit der heil. Lukas in die Feder bläst, damit sie Tinte von sich gebe. Als er diese Arbeit vollbracht hatte, kam er auf seinem Wege durch Arezzo, und der Bischof Guido, der gehört hatte, Buonamico sei ein sehr fröhlicher Mann und geschickter Maler, verlangte, er solle einige Zeit in jener Stadt bleiben und im Dome die Kapelle malen, in welcher nunmehr der Taufstein ist. Buonamico fing das Werk an und hatte es schon ziemlich weit geführt, als ihm, wie Franco Sacchetti erzählt, der seltsamste Zufall von der Welt begegnete. Der Bischof hatte einen ganz außerordentlich spaßhaften und verschlagenen Affen. Dieses Tier stand einst auf dem Gerüste und sah zu, wie Buonamico malte, achtete auf alles, und verwendete keinen Blick von ihm, wenn er die Farben mischte, die Fläschchen in die Hand nahm, die Eier zum Temperieren aufschlug, kurz beobachtete alles, was er tat. Am Sonnabend spät ging Buonamico von der Arbeit, und am Sonntagmorgen darauf sprang der Affe trotz einer großen und schweren hölzernen Walze, welche ihn der Bischof tragen ließ, damit er nicht überall hinkönne, auf das Gerüst, wo Buonamico zu malen pflegte, nahm die Fläschchen in die Hand, schüttete eines in das andere, machte zehnerlei Mischungen, schlug alle Eier hinein, welche da waren, und fing an, mit dem Pinsel alle Figuren zu besudeln, womit er nicht eher aufhörte, als bis er das Ganze übermalt hatte; hierauf mischte er noch einmal die wenigen Farben, welche übrig geblieben waren, stieg vom Gerüste und ging fort. Der Montagmorgen kam, und Buonamico kehrte an seine Arbeit zurück; wie erstaunt aber und erschreckt blieb er stehen, als er sah, daß seine Malereien verdorben, seine Fläschchen ausgeschüttet, und alles zu oberst und zu unterst gekehrt war. Er hatte allerlei Gedanken, und meinte endlich, irgendein Aretiner habe es aus Neid oder aus sonst einem Grunde getan, eilte zum Bischöfe und sagte ihm, was begegnet war und welchen Argwohn er hege. Der Bischof war darüber sehr bestürzt und aufgebracht, redete aber Buonamico zu, er solle sich noch einmal an die Arbeit machen, und weil er seinen Worten glaubte, gab er ihm sechs von seinen Kriegsknechten, die, wenn er nicht dort war, mit ihren Speeren Wache halten mußten, und Befehl hatten, jeden, der käme, ohne Erbarmen in Stücke zu hauen. Die Bilder waren nun zum zweiten Male gemalt; da, eines Tages, als die Kriegsknechte auf der Lauer standen, hörten sie ein Lärmen und Rollen in der Kirche, bald darauf sprang der Affe auf das Brettergerüst, und sie sahen, wie der neue Meister in einem Augenblicke die Farbenmischte, und anfing, Buonamicos Heilige zu übermalen; schleunigst riefen sie diesen und zeigten ihm den Übeltäter, mußten aber alle, wie sie den Affen malen sahen, so lachen, daß sie fast erstickten, besonders Buonamico, dem es zwar leid geschah, der aber dennoch lachte, daß ihm die Tränen aus den Augen strömten. Endlich entließ er die Kriegsknechte mitsamt ihren Speeren und ging zum Bischöfe, dem er sagte: ,,Hochwürdiger, Ihr wolltet nach einer Weise gemalt haben, Eurem Affen aber gefällt eine andere,“ und indem er ihm die Sache erzählte, fügte er hinzu: ,,Es tat nicht not, daß Ihr fremde Maler kommen ließet, da Ihr den Meister im Hause habt. Vielleicht aber verstand er nicht so gut, die Grundfarben zu mischen; jetzt wo er es weiß, kann er allein arbeiten; ich bin nicht mehr dazu nötig, und weil ich seine Verdienste erkannt habe, verlange ich für mein Werk nichts, als nach Florenz zurückkehrenzu dürfen.“ Obgleich die Sache dem Bischöfe sehr verdrießlich war, mußte er dennoch lachen, besonders darüber, daß ein Affe dem allerspaßhaftesten Manne einen Streich gespielt hatte, und nachdem sie sich an der tollen Begebenheit genugsam belustigt hatten, überredete der Bischof Buonamico, daß er zum dritten Male an die Arbeit ging und sie vollendete; der Affe aber wurde zur Strafe für sein Vergehen in einen großen hölzernen Käfig gesteckt und mußte zuschauen, wie Buonamico arbeitete, wobei es höchst possierlich am zusehen war, welche Unruhe der Affe zeigte, wie er Gesicht, Schnauze, Hände und den ganzenjCörper bewegte, als er den anderen tätig sah, und nicht dasselbe tun konnte. Als Buonamico die Malereien in der Kapelle vollendet hatte, befahl ihm der Bischof aus Scherz, oder aus sonst einem Grunde, er solle ihm auf einer Wand seines Palastes einen Adler auf dem Rücken eines Löwen darstellen, den er getötet habe. Der schlaue Künstler^ welcher versprochen hatte, alles zu malen, was der Bischof verlangte, ließ eine Bretterverkleidung ziehen, und sagte, bei einer solchen Arbeit wolle er nicht gesehen sein, verschloß sich dort ganz allein, und stellte im Gegensatz zu dem, was der Bischof gewollt hatte, einen Löwen dar, der einen Adler zerreißt. — Als das Bild fertig war, verlangte er vom Bischof Erlaubnis, nach Florenz gehen zu dürfen, um Farben zu holen, die ihm fehlten, verschloß die Bretterverkleidung und eilte nach Florenz, in der Absicht, nicht wieder zum Bischof zurückzukehren. Als die Sache sich demnach in die Länge zog und der Maler nicht wiederkam, ließ dieser die Bretterwand öffnen, und erkannte, daß Buonamico schlauer gewesen war als er; darüber ward er sehr zornig, und verbannte ihn lebenslänglich aus seinem Gebiete. Buonamico, der dieses hörte, ließ ihm sagen, er solle ihm das Schlimmste antun, was er könne, wogegen ihm der Bischof böslich drohte; endlich indes bedachte er, daß er gefoppt war, weil er hatte foppen wollen, vergab Buonamico die Beleidigung, und bezahlte ihn freigiebig für seine Arbeiten; ja was noch mehr ist, er berief ihn bald nachher wieder nach Arezzo, ließ ihn im alten Dome viele Bilder malen, die jetzt zugrunde gegangen sind, und behandelte ihn immer wie einen Hausfreund und treuen Diener. Auch bemalte Buffalmacco zu Arezzo in der Kirche S. Giustino die Nische der Hauptkapelle.

Einige erzählen, Buonamico sei zu Florenz mit Freunden und Gefährten oft in der Bude von Maso del Saggio gewesen, und habe mit vielen anderen das Fest angeordnet, welches am ersten Mai die Bewohner der Vorstadt S. Friano in einigen Barken auf dem Arno gaben; sei aber, als die Brücke Carraja zusammenbrach, die damals von Holz und zu sehr mit Menschen besetzt war, welche herzuströmten, jenes Schauspiel zu sehen, nicht wie andere behaupten, umgekommen, sondern gerade fortgewesen, einige Dinge zu kaufen, welche beim Feste fehlten; die Brücke stürzte in demselben Augenblick ein, als auf den Kähnen die Hölle dargestellt wurde.

Bald nachher ward Buonamico nach Pisa berufen, und malte in der Abtei von S. Paolo am Arno, welche das mals den Mönchen von Vallombrosa gehörte, im Kreuze der Kirche auf drei Seiten vom Dache bis zur Erde viele Darstellungen aus dem alten Testament, von der Erschaffung des Menschen bis zur Erbauung des babylos nischen Turmes. Dies Werk ist heutigen Tages zwar zum großen Teile verdorben, dennoch aber erkennt man Leben in den Gestalten, gute Behandlung und Frische der Farben in der Malerei, und überhaupt die Gabe, welche Buonamico besaß, mit der Hand wohl auszudrücken, was er sich im Geiste vorstellte, während er jedoch nicht viel Zeichnung hatte. Auf der Wand des rechten Kreuzesarmes, jener gegenüber, in welcher die Seitentüre ist, sieht man in mehreren Bildern der heil. Anastasia gar schöne altertümliche Gewänder und reizenden Hauptschmuck an einigen Frauen, welche dort in sehr anmutiger Weise dargestellt sind. Nicht weniger schön sind andere Figuren, die sich in wohl erfundenen Stellungen in einem Schiffe befinden, worunter Papst AlexanderIV. zu erkennen ist, dessen Bildnis Buonamio, wie man sagt, von seinem Meister Tafo erhielt, der jenen Papst in S. Peter in Mosaik abgebildet hatte; und im letzten Felde endlich, in welchem er die Marter jener Heiligen und noch anderer darstellte, zeigte er in den Gesichtem sehr gut die Furcht vor dem Tode und den Schmerz und Schreck derer, welche sie martern sehen, während die Heilige an einen Baum gebunden über dem Feuer schwebt.

Zur Zeit, in welcher Bruno diese Arbeit vollendete, verlangte ein Bauer, Buonamico solle ihm einen heil. Christoph malen; sie kamen in Florenz wegen der Bes dingungen überein, und zwar so, daß die Figur zwölf Ellen groß werden müßte, und der Maler acht Gulden dafür bezahlt erhalten sollte. Buonamico ging nach der Kirche, in welcher er den heil. Christoph zu zeichnen hatte, fand aber, daß sie nur neun Ellen hoch und neun Ellen breit war, und konnte ihn deshalb weder innen noch außen wohl anbringen; da er sich nun nicht anders helfen konnte, entschloß er sich, ihn innerhalb liegend zu malen, und weil er auch so nicht völlig hineinging, mußte er bei den Knien auf die andere Wand ums biegen. Als der Bauer dies sah, wollte er durchaus nicht zahlen, sondern behauptete, er sei gefoppt; die Sache kam vor die Obrigkeit, und es hieß, Buonamico habe dem Kontrakte nach recht.

Es würde zu lange dauern, wenn ich alle Späße mits teilen, und alle Bilder aufzählen wollte, welche Buos namico Buffalmacco vollführte, besonders zu der Zeit, in welcher er häufig nach der Bude von Maso del Saggio ging, die ein Sammelplatz aller fröhlichen und mutwilligen Männer in Florenz gewesen ist; deshalb sei hier genug von diesem Manne geredet, der in seinem achtundsiebzigsten Lebensjahre in Santa Maria Nuova, dem Spitale von Florenz, starb, woselbst man ihm, als einem vorzüglichen Manne, in seiner Krankheit Beistand leistete, weil er sehr arm war und immer mehr ausgegeben hatte, als eingenommen. Er wurde im Jahre 1340 in der Ossa (so hieß ein eingeschlossener Teil des Klosters, oder eigentlich der Gottesacker desSpitales) unter den übrigen Armen begraben, und wie man seine Malereien schätzte, während er lebte, wurden sie später als Arbeiten jener Zeit immer gerühmt.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto