Von Else Ficke.

Der Vortrag wurde am 27. Februar 1917 gehalten. Herr Konsul Heinrich Ficke, der verdiente Vorkämpfer für den deutschen Handel in Marokko, ist inzwischen den Folgen der erlittenen unwürdigen und barbarischen Behandlung erlegen und am 2. Juni 1917 gestorben.

Stahlberg.

Einem Ansuchen an meinen Vater, die Leiden unserer Gefangenschaft der Öffentlichkeit in einem Vortrage zugängig zu machen, mußte er leider entsagen, denn die Folgen der erduldeten Strapazen, Entbehrungen und schwerer Krankheit machen es ihm unmöglich. Da ich dieselben Leiden miterlebt habe, so habe ich mich dazu erboten, so gut ich es vermag.

Obgleich an den Toren Europas gelegen, war Marokko für die Allgemeinheit ein ziemlich verschlossenes und daher wenig bekanntes Land. Erst das Jahr 1907 änderte die Lage, als im August die französische Flotte die offene Stadt Casablanca in verräterischer Weise beschoß und Tausende von Unschuldigen mordete. Auch wir haben diese Beschießung miterlebt und alle Schrecken der französischen Kriegführung kennengelernt. Bei Ausbruch des gegenwärtigen Krieges war mein Vater über 37 Jahre als selbständiger Kaufmann eines Import- und Exportgeschäftes in Casablanca ansässig. Meine einzige Schwester und ich sind dort geboren.

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2. Reich

Von Kapitänleutnant Freiherr Treusch v. Buttlar-Brandenfels.

Der Vortrag ist am 4. Januar 1918 gehalten worden.

Das Institut für Meereskunde hat den Wunsch geäußert, daß an einem der Vortragsabende ein Offizier über Luftschiffangriffe auf England sprechen möchte. Der Führer der Marine-Luftschiffe, Fregattenkapitän Strasser, hat mich mit dem Halten eines solchen Vortrages betraut, und ich hoffe, Ihnen heute abend einiges Neue über Luftschiffangriffe auf England und über die Marine-Luftschiffahrt im allgemeinen berichten zu können. Ich bin in der Lage, Ihnen einige Lichtbilder aus dem Gebiete der Luftschiffahrt zu zeigen, die mein Wachoffizier, der Oberleutnant zur See v. Schiller, auf unseren gemeinsamen Fahrten aufgenommen und zum Teil für den vorliegenden Zweck hergestellt hat.

Ehe ich zur Schilderung eines eigentlichen Luftschiffangriffes übergehe, erscheint es mir notwendig, daß ich ganz kurz die Beschreibung eines Luftschiffes gebe und etwas über das Wesen der Luftschiffahrt vorausschicke.

Ungefähr denselben Aufschwung, den die U-Bootwaffe im Krieg genommen hat, hat auch die Luftschiffwaffe erlebt. Sie hat sich als solche im Kriege eigentlich erst herausgebildet, und wie für vieles andere, so hat auch hier der Krieg die Entwicklung ganz wesentlich gefördert, und ich glaube, wir hätten in derselben Zeitspanne des Friedens höchstens halb so leistungsfähige Schiffe geschaffen, wie wir sie jetzt haben.

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2. Reich

Von Kapitän z. S. z. D. J. F. Meuß1).

Die deutsche Flagge Übersee.

Uns, die wir in der Flagge das Sinnbild der Macht und Größe unseres Vaterlandes zu sehen gewohnt sind, für dessen Ehre und Verteidigung wir Blut und Gut einsetzen, will es fast unglaublich erscheinen, daß Merkel im Jahre 1848 mit Recht schreiben konnte2): „Es ist nirgends eine Spur, daß das heilige Deutsche Reich zu einer bestimmten Farbe sich bekannt hätte.“

Reichsfarben oder gar eine Reichsflagge im heutigen Sinne hat es im heiligen römischen Reiche deutscher Nation nicht gegeben. Was uns durch Beschreibung und Abbildung als Reichsbanner oder Reichsfarben überliefert ist, entspricht der früheren Kaiserstandarte, d. h. einem Zeichen, das die persönliche Anwesenheit  des Reichsoberhauptes oder seine persönliche Befehlsführung über die Streitmacht des Reiches nach außen kenntlich machte.

1) Der Vortrag ist am 16. November 1917 gehalten worden. Er war dazu bestimmt, auf die während des Weltkrieges fast unbeachtete 50. Wiederkehr der Stiftung der schwarz-weiß-roten Flagge hinzuweisen. Wenn er jetzt am Ende des Krieges zum Druck kommt, wo die deutsche Flagge wieder zu einer offenen Frage geworden zu sein scheint, so wird er dazu beitragen können, daß diese Frage so gelöst wird, wie es deutscher Würde entspricht. Die deutsche Zukunft muß mit festem Willen an die stolze Vergangenheit der schwarz-weiß-roten Flagge geknüpft werden. Der Herausgeber.

2) Merkel, Das Banner des heiligen Deutschen Reichs. (Beilage zur Augsburger Allgemeinen Zeitung, Nr. 167 vom 15. Juni 1848.)

Als älteste bildliche Darstellung eines solchen Kaiserbanners wird ein zeitgenössisches Deckengemälde im Lateran zu Rom angeführt, das Karl den Großen zeigt, wie er ein Banner vom heiligen Peter empfängt, über dessen Aussehen die Beschreibungen allerdings so auseinandergehen, daß sich ein Eingehen darauf hier verbietet. Es sei nur bemerkt, daß dies rote Banner mit weißem Kreuze auch noch bei späteren Gelegenheiten erwähnt wird. Das gleiche gilt von einer roten Fahne mit dem Erzengel Michael, die Kaiser Heinrich I. und nach ihm sein Sohn Otto der Große führte.

Am 15. Oktober 1080 trug Gottfried von Bouillon Heinrich IV. das Reichsbanner in der Schlacht bei Merseburg gegen Rudolf von Schwaben voran. Dies war eine gelbe oder goldene Fahne mit einem schwarzen Adler. Erst unter Kaiser Friedrich I., Barbarossa, erhielt der Adler mit Bestimmtheit seine Stelle in dem Reichsbanner, während er sich schon unter Konrad II. 1031, 1036 und 1038 auf Siegeln des Kaisers findet.

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2. Reich Die Deutsche Flagge