Kategorie: 2. Reich

Eine ganze Reihe von Männern erhob den Anspruch, das erste Freikorps aufgestellt zu haben. Nicht ein einziger von diesen Ansprüchen ist verifizierbar; die Gleichzeitigkeit einer ganzen Reihe von Gründungen läßt es nicht zu. In Mitteldeutschland war das »Freiwillige Landesjägerkorps« (FLK) des Generals Maercker eins der ersten, das aufgeslellt wurde, cs erwies sich im Endergebnis als ein erheblich wirkungsvolleres und zuverlässigeres Instrument als die regulären Truppen des Generalkommandos Lequis. Doch zur selben Zeit, zu der Maercker begann, seine Formation zusammenzustellen, gab cs auch schon einzelne Offiziere, die mit Freiwilligen, die sie – zum Teil sogar auf Anordung der örtlichen Soldatenräte -um sich geschart hatten, in Kämpfe verwickelt waren. Das war besonders in exponierten Teilen Deutschlands wie Schlesien, West-und Ostpreußen der Fall, wo es zu Auseinandersetzungen zwischen Polen und Deutschen kam. Ein anderes Beispiel ist das der Eisernen Brigade – der Vorläuferin der Eisernen Division, eine Formation, die auf gemeinsamen Beschluß der Zentralen Soldatenräte von Mitau und Riga in Lettland ins Leben gerufen wurde. Der Kommandeur der dort stationierten Einheiten des Heeres hatte mit der Begründung, daß die Armee aufgehört habe, zu existieren, seine Mitwirkung bei der Schaffung einer Truppe verweigert, die den Rückzug der 8. Armee hätte decken können. Dem entschluß-freudigen Eingreifen eines Unteroffiziers aus dem Soldatenrat war hier schließlich der Meinungsumschwung zu verdanken. Aus der Sicht der späteren Entwicklung sind in solchen Fällen paradoxerweise Freikorps nicht eine Schöpfung der Kräfte der Gegenrevolution, sondern der Sozialdemokratie gewesen.

Das ursprüngliche Ziel allerdings jener, die wie Maercker Freikorps ins Leben riefen, war es, aus dem Feldheer zuverlässige Leute auszusondern und sic – nach dem Zeugnis des Kriegstagebuches des FLK »zum Schutz der Ostgrenzen gegen Bolschewisten und Polen und zum Kampf gegen Spartakus« einzusetzen. Die bei weitem größte Anzah von Freikorps gewann ihre Leute mit dem Versprechen, sic würden im Osten zum Kampf eingesetzt werden; daß viele von ihnen dann nur im deutschen Bürgerkrieg zum Einsatz kamen, sollte zur Ursache beträchtlicher Unzufriedenheit werden.

Obwohl sich Maerckers Freiwilliges Landesjägerkorps als eines der am besten disziplinierten Freikorps erwies und in seinem Selbstvcr-ständnis immer noch die militärische Tradition Preußens verkörperte, zeigte schon der erste Tagesbefehl bezeichnende Abweichungen vom überkommenen Vorbild, und in der Art und Weise, wie Maercker Widersprüchen begegnete, kündigte sich eine neue Marschrichtung an. Er führte ein neues Abzeichen an der Uniform ein, ein silbernes Eichenblatt, »das Symbol der deutschen Treue«. Die einzelnen Formationen sollten aber außerdem noch ein Abzeichen ihrer eigenen Wahl am Ärmel tragen, eine Neuerung, die Maercker selbst auf die Gepflogenheiten britischer Regimenter zurückführte.

Siehe auch:
Ukrainer
Donkosaken
Krimtataren
Ingrier-Esten-Letten-Litauer
Litauen-Lettland-Estland
Weißruthenen-Weißrußland
Idel-Uraler
Nordkaukasier
Aserbeidschaner
Turkestaner
Armenier
Georgier
Ostfinnen
Westfinnen
Goten-Waräger-Deutsche
Das Balten-Gebet
Litauen war ehemals mächtige europäische Großmacht
Baltikum-11. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Das Baltikum wird zerstückelt
Das Ende Alt-Livlands
Rußlands Dauerprobleme mit seinen Ostseeprovinzen
Der Untergang des Deutschen Ritterordens
Und immer wieder russische Grausamkeiten
Der Erste Weltkrieg im Baltikum
Teilrepubliken-Sowjetunion
Sowjetunion-Staatsorgane
Sowjetunion-Wirtschaft
Sowjetunion-Technisierung
Sowjetunion-Landwirtschaft
Sowjetunion-Das Land
Sowjetunion-Schlußwort
Sowjetunion-Russen
Die Ukraine als Arbeitsfeld für Deutsche und Deutsches Kapital

2. Reich Baltikum

Für die baltischen Staaten wurde das Ringen der benachbarten Großmächte, insbesondere zwischen Deutschen und Russen, zur Geburtsstunde ihrer modernen Staatlichkeit. Zugleich hinterließ dieser Krieg für lange Zeit Narben,weil durch den Frontverlauf insbesondere der lettische Raum zu einem zentralen Schlachtfeld wurde. Und als der Weltkrieg längst beendet war, floß infolge des russischen Bürgerkrieges und der Freikorpskätnpfe an der Ostsee weiterhin Blut.

Zwischen März und September 1915 geriet Litauen unter deutsche Besatzung, im Mai das Kurland. Dort wurde der Vormarsch des kaiserlichen Heeres gestoppt. Zwei Jahre lang verlief die Front auf halbem Wege zwischen Mitau und Riga und entlang der Düna. Deutsche Soldaten stießen auf weitgehend entvölkerte Landstriche: Die russische Angstpropaganda hatte Erfolg gehabt und große Teile der litauischen Bevölkerung zur Flucht veranlaßt.

Auch unter den Letten hatte eine Massenflucht eingesetzt; mehr als ein Drittel von ihnen wurden entwurzelt. Die Einwohnerzahl Kurlands sank von 800 000 schlagartig auf 230 000, als mit den von den Russen demontierten Industrieanlagen auch die Arbeiter und ihre Familien ins Innere des Reiches zogen. Die durchweg deutschfreundliche jüdische Bevölkerung gab wenig auf derartige Phantasien. Doch der russische Oberbefehlshaber, Großfürst Nikolai, hatte sie unter dem Vorwurf »hochverräterischer Handlungen« zwangsweise deportieren lassen. Am 3. September 1917 nahmen deutsche Truppen Riga ein, im Oktober mit Hilfe der Flotte auch die estnischen Inseln Oesel, Moon (Muhu) und Dagö (Hiiumaa).

2. Reich Baltikum

Von Else Ficke.

Der Vortrag wurde am 27. Februar 1917 gehalten. Herr Konsul Heinrich Ficke, der verdiente Vorkämpfer für den deutschen Handel in Marokko, ist inzwischen den Folgen der erlittenen unwürdigen und barbarischen Behandlung erlegen und am 2. Juni 1917 gestorben.

Stahlberg.

Einem Ansuchen an meinen Vater, die Leiden unserer Gefangenschaft der Öffentlichkeit in einem Vortrage zugängig zu machen, mußte er leider entsagen, denn die Folgen der erduldeten Strapazen, Entbehrungen und schwerer Krankheit machen es ihm unmöglich. Da ich dieselben Leiden miterlebt habe, so habe ich mich dazu erboten, so gut ich es vermag.

Obgleich an den Toren Europas gelegen, war Marokko für die Allgemeinheit ein ziemlich verschlossenes und daher wenig bekanntes Land. Erst das Jahr 1907 änderte die Lage, als im August die französische Flotte die offene Stadt Casablanca in verräterischer Weise beschoß und Tausende von Unschuldigen mordete. Auch wir haben diese Beschießung miterlebt und alle Schrecken der französischen Kriegführung kennengelernt. Bei Ausbruch des gegenwärtigen Krieges war mein Vater über 37 Jahre als selbständiger Kaufmann eines Import- und Exportgeschäftes in Casablanca ansässig. Meine einzige Schwester und ich sind dort geboren.

2. Reich

Von Kapitänleutnant Freiherr Treusch v. Buttlar-Brandenfels.

Der Vortrag ist am 4. Januar 1918 gehalten worden.

Das Institut für Meereskunde hat den Wunsch geäußert, daß an einem der Vortragsabende ein Offizier über Luftschiffangriffe auf England sprechen möchte. Der Führer der Marine-Luftschiffe, Fregattenkapitän Strasser, hat mich mit dem Halten eines solchen Vortrages betraut, und ich hoffe, Ihnen heute abend einiges Neue über Luftschiffangriffe auf England und über die Marine-Luftschiffahrt im allgemeinen berichten zu können. Ich bin in der Lage, Ihnen einige Lichtbilder aus dem Gebiete der Luftschiffahrt zu zeigen, die mein Wachoffizier, der Oberleutnant zur See v. Schiller, auf unseren gemeinsamen Fahrten aufgenommen und zum Teil für den vorliegenden Zweck hergestellt hat.

Ehe ich zur Schilderung eines eigentlichen Luftschiffangriffes übergehe, erscheint es mir notwendig, daß ich ganz kurz die Beschreibung eines Luftschiffes gebe und etwas über das Wesen der Luftschiffahrt vorausschicke.

Ungefähr denselben Aufschwung, den die U-Bootwaffe im Krieg genommen hat, hat auch die Luftschiffwaffe erlebt. Sie hat sich als solche im Kriege eigentlich erst herausgebildet, und wie für vieles andere, so hat auch hier der Krieg die Entwicklung ganz wesentlich gefördert, und ich glaube, wir hätten in derselben Zeitspanne des Friedens höchstens halb so leistungsfähige Schiffe geschaffen, wie wir sie jetzt haben.

2. Reich