Strand von Scheveningen


In Amsterdam lebte neben dem Figurenlandschafter Klaas Berchem ein jüngerer Maler dieses Fachs, ein Sohn des angesehenen Marinemalers Willem van de Velde, dessen anderer Sohn, Willem, gleichfalls Seemaler war, Adriaen van de Velde, der von Wouwerman und Potter gelernt und später auch manchmal seinem erfolgreicheren Nebenbuhler Berchem nachgestrebt hat, Ist feiner und geistiger als dieser und namentlich in der Zeichnung der Figuren (Tiere, vorzugsweise Hornvieh, aber auch Menschen der verschiedensten Art) ihm unbedingt überlegen. Seine Bilder waren zu seiner Zeit, als man in Amsterdam anfing die italienischen Richtungen zu bevorzugen, wenig gesucht, sie haben nur manchmal einen leise an Italien erinnernden Anflug, und erst in neuerer Zeit ist, zuerst in England, ihre Schätzung bedeutend gestiegen. Man bewundert die Wiedergabe von Luft und Wasser, von Sonnenlicht und Wolken. Das Naturbild ist wahrer und einfacher als bei Berchem, der in seiner Flottheit gern übertreibt und viel mit künstlichen Beleuchtungen arbeitet. Noch bekannter als durch seine Bilder, die in unseren Sammlungen niemals in grosser Zahl Vorkommen, ist Adriaen van de Velde durch seine Staffage geworden, die er in die Bilder anderer gesetzt hat. Diese manchmal ganz kleinen, immer deutlichen und lebendigen Menschen und Tiere begegnen uns in den Landschaften von Ruisdael, Hobbema und vielen anderen, und wir bemerken es gleich, wenn bei diesem und jenem anstatt seiner einmal ein Ersatzmann eintritt, der dann seine Sache viel weniger gut macht als er, der sich das stehende Lob eines „geistreichen“ Staffagisten gesichert hat. Gegen das Ende seines sehr kurzen Lebens scheint er kränklich gewesen zu sein, seine Kunst nimmt in diesen letzten Jahren auffallend ab. — Ausser Viehweiden, die am häufigsten sind, und Waldbildern mit Tieren und Menschen hat er auch Strandansichten gemalt. Unser feines, silbertoniges Bild aus seiner besten Zeit (1653) zeigt uns Scheveningen bei ebbendem Meer mit einer Staffage, die nicht bloss zierlich ist. Man sehe sich die einzelnen Figuren an, wie sie wirken, die Stehenden, die Gehenden und die lebhafter Bewegten und Beschäftigten, man verfolge sie vom Vordergrund anfangend bis in die Tiefe des Bildes: wie sie leben, wie sie den Raum aufklären. Was wäre dieser Strand ohne diese Menschen!

Aus dem Buch “Album der Casseler Galerie” von 1907.

Siehe auch: HYACINTHE RIGAUD, ALBRECHT DÜRER, TIZIAN, RAFFAEL, FERDINAND BOL, ADRIAEN VAN DER WERFF, SALOMON KÖNINCK, JAN VAN DER MEER VAN DELFT, CARLO DOLCI, KASPAR NETSCHER, GERARD DOU, REMBRANDT VAN RIJN, JAN DAVIDSZ DE HEEM, GABRIEL METSU, REMBRANDT VAN RIJN, ADRIAEN VAN OSTADE, DER MEISTER DES TODES DER MARIA, JUSEPE DE RIBERA, GUIDO RENI, LORENZO LOTTO, FRANCISCO DE ZURBAR AN, RAPHAEL MENGS, REMBRANDT VAN RIJN, BARTOLOME ESTEBAN MURILLO, HANS HOLBEIN DER JÜNGERE, JEAN ETIENNE LIOTARD, ANTON GRAFF, ANGELICA KAUFFMANN, ANTONIO ALLEGRI DA CORREGGIO, JAN VAN EYCK, ANTONIUS VAN DYCK, JACOB VAN RUISDAEL, CLAUDE LORRAIN, ANTOINE WATTEAU, PAOLO VERONESE, MEINDERT HOBBEMA, PETER PAUL RUBENS, CIMA DA CONEGLIANO, JAN WEENIX, PALMA VECCHIO, JAN WILDENS, MICHELANGELO CARAVAGGIO, POMPEO BAtONI, FRANCESCO FRANCIA, JAN VAN DER MEER VAN HAARLEM, DAVID TENIERS DER ÄLTERE, WILLEM KLAASZ HEDA, ADRIAEN BROUWER, JAN FY , HRISTIAN LEBERECHT VOGEL.

ADRIAEN VAN DE VELDE 1635-1672 Kasseler Galerie