DÜRER schreitet in zielbewusster Männlichkeit, Altdorfer regt sich wie ein spielendes Kind. Dennoch, weil des Regensburgers Treiben besonderen Charakter und nirgend seinesgleichen hat, fehlt auch ihm das lebhaft erregte Interesse des Beobachters nicht. Seine Kunst ist keine hohe Zierpflanze, sondern eine Waldblume, die ein wenig wild wuchert, ein echtes Kind des heimischen Bodens, des oberdeutschen Landes, des Donaugaues. Im Reize persönlicher Eigenart ist Altdorfer mehr als einer der Dürer-Schüler, die ihn an Können übertreffen, mehr als Hans von Kulmbach und Schäufelein, mehr selbst als Hans Baidung, als Burgkmair. Und wie hoch steht Baidung an Verständnis der Körperformen, Burgkmair an Geschmack, an Kultur über ihm! Dem Regensburger war das Geschick beschieden, leicht hinwegzukommen über Schranken, die Dürers Streben hemmten. In der Geschichte der Landschaftsmalerei wird Altdorfer genannt, wenn nicht als der Bahnbrecher — dieser Titel möchte seiner Statur unangemessen scheinen —, so doch als ein Vorläufer.

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Albrecht Altdorfer 1480-1538 Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst

Albrecht Altdorfer 1480-1538 Kunstdrucke

(1480 ?—1538)
Waldlandschaft mit dem heiligen Georg
Pergament auf Holz, 27×21 cm

Die Fragen über die engere Heimat und die künstlerische Herkunft A. Altdorfers haben die Forschung lange beschäftigt Endlich mußte man es aufgeben, des Namens wegen seine Geburtsstätte in einer Stadt oder Ortschaft Altdorf (in der Schweiz, in Mittelfranken, bei Landshut in Niederbayem usw.) zu suchen. M. Friedländer hat es dagegen mehr als wahrscheinlich gemacht, daß Altdorfer als Sprößling einer Patrizierfamilie in Regensburg geboren sei, daß aber der mutmaßliche Vater Ulrich Altdorfer, der 1478 als Maler das Regensburger Bürgerrecht erlangt hatte, dasselbe 1499 wieder aufgegeben und sich wohl in Amberg niedergelassen habe. Von dort war wenigstens Albrecht Altdorfer zurückgckchrt, als er 1505 mit der urkundlichen Bezeichnung als „Maler von Arnberg“ das Bürgerrecht in Regensburg abermals gewann. Naturgemäß ist dann, daß er von seinem Vater den Unterricht empfing. Aufzugeben ist der angebliche Schulzusammcnhang mit A. Dürer, welcher Meister erst beträchtlich später von einigem, keineswegs starkem Einfluß auf den Regensburger Künstler geworden ist Die behauptete Einwirkung durch M. Grünewald aber ist so unerweislich, wie jene durch J. Barbari. Ähnlich verhält es sich mit der oberbayerischen Kunst. Größer wird wohl der Einfluß der Werke des Miniators Berthold Furtmeyr von Regensburg gewesen sein, der die bis auf das frühe Mittelalter zurückgehende Regensburger Miniatorenschule rühmlich abschloß, wie überhaupt die Büchermalerei als einer der Ausgangspunkte der ganzen Donaukunst von Ingolstadt bis Passau zu betrachten ist. Schon die Kleinheit nicht bloß unseres Bildes, sondern der meisten Altdorferschen Werke, verbunden mit dem niedlichen Figurenverhältnis zum Raum spricht für diesen Zusammenhang und nicht minder die genrehafte Auffassung der Figuren im Gegensatz zu der monumentalen Typik der meist plastischen Vorbildern nachgehenden oberdeutschen Kunst. Niemals vorher in dieser ist der Landschaft so viel Selbständigkeit eingeräumt und so wie hier die Darstellung eines Heiligen, wie unser St. Georg, auf eine fast belanglose Staffage herabgedrückt worden. In dem Wald unseres Bildes hat das plastische Element dem malerischen vollkommen Platz gemacht und gelangt trotz aller noch anhaftenden Mängel zu einer dem Naturvorbild näheren Wirkung. Mit Recht schließt Friedländer seine Charakteristik des Meisters mit den Worten: „Nicht nur die Geschichte des Landschaftsgemäldes, auch die Geschichte des Genres und die des Architekturbildes nennt den Altdorfer wenn nicht als Führer, doch als Vorläufer.“

Text und Bild aus: Album der Alten Pinakothek zu München, fünfzig Farbendrucke, mit begleitenden Texten und einer historischen Einleitung. Author,Alte Pinakothek (Munich, Germany); Reber, Franz von.

Albrecht Altdorfer 1480-1538 Album der Alten Pinakothek zu München Kunstdrucke

Albrecht Altdorfer 1480-1538 Kunstdrucke