(1471—1528)
Selbstbildnis

Holz, 65×48 cm

Das berühmte Bildnis ist hinsichtlich seiner Entstehungszeit ein noch nicht sicher gelöstes Riitset. Der technische Abstand zwischen dieser Meisterlcistung und anderen gleichzeitigen Werken Dürers, von welchen das Bildnis des Oswolt Krell von 1499 und jenes eines unbekannten jungen Mannes, mutmaßlich des Hans Dürer von 1500, welche, weil in dem gleichen Kabinett wie das Selbstbildnis, die Vergleichung leicht machen, ist ein zu großer, und ebenso steht Dürers Beweinung Christi von 1500, gleichfalls in der Pinakothek, technisch hinter dem Bildnis weit zurück. Besonders das Gesicht zeigt eine flächige Malweise, malerisch ungleich gereifter als dies alle anderen Dürcrschcn Werke dieser Jahre zeigen. Und doch ist an der Echtheit der Inschriften, links das Monogramm mit 1500, rechts Albertus Durcrus Noricus ipsum me propriis sic effingebam coloribus actatis anno XXVIII. wenn auch die Buchstaben und Ziffern später etwas verschärft sein mögen, nicht zu zweifeln. Eher an dem buchstäblich Zutreffenden der letzteren Inschrift Verfasser neigt zu der Ansicht daß der Künstler, der das Bild zeitlebens im Hause behielt, in späteren Lebensjahren nach Maßgabe seiner gereiften Kunstanschauungen und technischen Entwickelung an dem Gesichte gebessert, die frühere Linienführung, welche im Anfang seiner Laufbahn die Einwirkung der Schongauer-Studien wie seiner graphischen Tätigkeit nur zu deutlich verraten, getilgt oder gemildert und dafür dem mehr malerischen Verfahren Raum gegeben habe, wie auch die volleren Züge den Gedanken nahe legen, daß sie bei der auffallenden Magerkeit des Künstlers ln seinen Jünglingsjahren mehr dem 38. als dem 28. Lebensjahre entsprechen. Das Übrige, das Haar mit dem prächtigen Liniengcricscl, das Gewand und die Hand scheint unberührt geblieben zu sein, wie denn auch die letztere in Ton und Modellierung empfindlich gegen das Gesicht kontrastiert Experimente fortschreitender Entwickelung sind an einem in der Werkstatt verbleibenden Selbstbildnis naheliegend, es ist auch von Rembrandt bekannt, wie häufig er sich selbst, um Studien zu machen, als Modell benutzte. — Über die Schönheit des Werkes ist jedes Wort überflüssig, bekannt ist auch die Schönheit des Modells selbst, dessen edle, an ein Christusideal gemahnende Formen, dessen ernster, sinniger Blick und dessen prächtige Haar- und Bartumrahmung seinen Eindruck für alle Zeit behaupten wird. Das Bild war nach Dürers Tod in den Besitz des Magistrats Nürnberg gelangt und verblieb in demselben bis gegen das Ende des 18. Jahrhunderts, um welche Zeit es von einem betrügerischen Kopisten, der das Malbrett spaltete, auf die mit der städtischen Marke versehene rückseitige Bretthälfte seine Kopie (jetzt im Germanischen Museum zu Nürnberg befindlich) malte, und diese dem Magistrat zurüekgab, entfremdet und verkauft wurde. In verschiedene Hände gelangt, kam so das abgesägte Original schließlich durch den Konsulenten G. G. Pez 1805 um einen Spottpreis in die kurfürstlich bayrische Galerie.

Text und Bild aus: Album der Alten Pinakothek zu München, fünfzig Farbendrucke, mit begleitenden Texten und einer historischen Einleitung. Author,Alte Pinakothek (Munich, Germany); Reber, Franz von.

ALBRECHT DÜRER 1471-1528 Album der Alten Pinakothek zu München Kunstdrucke

(1471—1528)
Die Geburt Christi
Holz, 152×123 cm

Das vorliegende Bild ist das Mittelstück eines um 1502 gemalten und von den Patriziern Stephan und Lukas Paumgartner in die Katharinenkirche zu Nürnberg gestifteten Triptychons. Die beiden Flügel machten neuerdings viel von sich reden, als die J. G. Fischerschen Übermalungen 1902 wieder abgenommen und nach Beseitigung des landschaftlichen Hintergrundes wie der Pferde und der Helme der Patrizier die Gestalten auf schwarzen Grund gesetzt zum Vorschein kamen, in den Figuren nur dadurch verändert, daß statt der Helme Goldhauben, statt der Lanzen Fahnen mit den Emblemen des hl. Georg bei Lukas und des hl. Eustachius bei Stephan zum Vorschein kamen, wie sich auch bei dem erstcrcn der Drache statt des Schildes herausstcllte. Dos Mittelstück wurde 1903 auf den alten Bestand gebracht, indem die übermalten kleinen Figuren der Stifterfamilien mit ihren Wappen bervorgcholt wurden. Beiden Vornahmen kam cs zu statten, daß in einer Münchener Kunsthandlung gute Kopien der Flügel aufgetaucht waren, welche schon vor der wohl bald nach 1613 vorgenommenen Übermalung hergestellt waren, und daß sich in der Lorenzkirche zu Nürnberg eine alte Kopie des Mittelbildes (vielleicht zu den Flügelkopien gehörig und dem Jobst Harrich zugeschrieben) befindet, das zur Ergänzung der zerstörten Teile hcrangezogen werden konnte. Das Werk hat, abgesehen von der Rückführung der originalen Komposition, wesentlich gewonnen: Die Stifter erscheinen nicht mehr durch schwerfällige Zutaten beeinträchtigt, das Mittelbild aber erscheint dadurch gebessert, daß die Buntheit der kleinen, das Kind adorierenden Engel durch die Farben der Stifterfigürchen paralysiert ist und daß der koloristische Aufbau seine richtige Basis wiedergewonnen hat. Die perspektivischen Mangel, an den romanischen Säulen des Stalles rechts besonders auffällig, sprechen mit für die frühe Datierung des Werkes. Nach dem noch vorhandenen Briefwechsel zwischen Herzog (nachmals Kurfürst) Maximilian L von Bayern und dem Rat der Stadt Nürnberg bezw. dem Ratsschreiber Wolff Löffelholcz von Kolberg und dem Agenten Eustachius Underholtzer zwischen 30. September 1612 und 22. März 1613 gelangte das Triptychon im leutgenannten Jahr geschenkweise in die herzogliche Kunstkammer nach München. (K. Voll, Albrecht Dürers Paumgartner-Altar in der Münchener Pinakothek. Helbing. Monatsberichte 1903. S. 39 fg.)

Text und Bild aus: Album der Alten Pinakothek zu München, fünfzig Farbendrucke, mit begleitenden Texten und einer historischen Einleitung. Author,Alte Pinakothek (Munich, Germany); Reber, Franz von.

ALBRECHT DÜRER 1471-1528 Album der Alten Pinakothek zu München Kunstdrucke