Oft erscheint in der Geschichte der Name eines Fürsten mit dem eines Künstlers eng verbunden, aber fast immer ist diese Verbindung ungleich gewesen. Grosse Künstler haben schwachen Fürsten, wie Velazquez Philipp dem Merten, wie van Dyck Karl dem Ersten, und grosse Fürsten haben schwachen Künstlern zu dauern dem Ruhm verholfen. Nur einmal weist die Geschichte den Fall auf, dass Grösse auf beiden Seiten zusammentraf. Dieser glücklichste Fall hat in der Kunst eine neue Epoche heraufgeführt.

Die griechische Kunst hat wenige Namen von so glanzendem Klange, wie die des Lysipp und Apelles. Beide, der Bildhauer und der Maler, haben in der Darstellung Alexanders des Grossen ihre höchste Aufgabe gefunden. Ihnen allein und dem Steinschneider Pyrgoteles gewährte der König die Gunst, ihn nach dem Leben zu porträtieren, und mit ihnen und vor allem mit dem Maler stand er in vertrautestem Verkehr. Von seinen Besuchen im Atelier gingen zahlreiche Anekdoten im Altertum um. Die Künstler waren um ihn, begleiteten ihn auf seinen Zügen. Apelles konnte sich ihm gegenüber Dinge erlauben, die kein anderer wagen durfte: er hat ihm einmal geraten, im Atelier nicht über Technik zu reden, damit er sich nicht vor den Farbenreibern lächerlich mache.

Die Freundschaft des Königs gab den Künstlern die Möglichkeit, ihn genau kennen zu lernen. Auf dieser Grundlage – der besten, die es für den Porträtkünstler giebt, — sind ihre Bildnisse Alexanders erwachsen, konnten ihre Bildnisse völlige Wahrheit erreichen und — bei der Natur des Königs — die Wahrheit festhalten, selbst wenn ihre Bewunderung sie dazu trieb, den Menschen dem Gotte zu nähern. In so gesteigerter Auffassung hat ihn Apelles mehrfach gemalt, dem Zeus ähnlich, den Blitz haltend, der eine rote Glut auf Antlitz und Brust des Helden zurückwarf, in einem anderen Bilde mit allegorischen Figuren vereint, auf dem Triumphwagen stehend, den gefesselten Kriegsgott vor sich, oder von der Siegesgöttin und den Dioskuren umgeben. Unzählig oft hat er den König porträtiert.Ein Reiterbild in Ephesos wird gerühmt. Es war gewiss nicht das einzige Bild, in dem er den König zuPferde gemalt hatte, denn in der Tiermalerei war er unübertroffen.

Read More Alexander der Grosse

Alexander der Große Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst

Eine Weltgeschichte in einem Bande.

Philipp siegte 338 bei Chaironeia über Athener, Böotier und Genossen. Griechenland lag zu seinen Füßen. Er selbst, der König wurde bald darauf ermordet. Sein leidenschaftliches Weib, die genannte Olympias, hatte ihn aus Eifersucht töten lassen. Nun ergriff Alexander der Große die Zügel der Herrschaft. Zunächst hatte er Aufstände der Griechen niederzuwerfen, dann zog er gegen die wilden Stämme im Norden, Illyrier und Kelten. Als Gesandte Alexanders die Kelten an der Donau fragten, ob sie sich nicht vor Alexander fürchteten, da erwiderten sie: wir fürchten nichts, es sei denn, daß der Himmel einstürze! Nach diesen militärischen Vorübungen begann Alexander seine große Eroberung Asiens. Mit weniger als 40000 Mann setzte er über den Hellespont und schlug zunächst im nördlichen Kleinasien 334 die Perser am Granikosflusse. Er beging nun alle Küsten Kleinasiens und wandte sich dann wieder ins Innere, nach Gordion, wo er den gordischen Knoten zerhieb. Nun führte ihn der Weg nach dem Taurus, dort wo jetzt die deutschen Schienen der Bagdadbahn gelegt werden, und nach dem alten Tyrus, dessen Belagerung ihn sieben Monate aufhielt. Er gewann mit leichter Mühe durch einige Konzessionen die Juden für sich und rückte in Ägypten ein. Inzwischen war in seinem Rücken ein Aufstand ausgebrochen. Ein genialer griechischer Admiral Memnon drohte ihm alle rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden. Doch gelang es noch die Gefahr zu beschwören. Am Nil wurde Alexander als Befreier vom persischen Joche begrüßt und wie ein Gott geehrt. Ägypten ist bis zur Gegenwart das strategisch wichtigste Land der Erde. Alexander, der keineswegs bloß ein Draufgeher und stürmender Kriegsheld war, sondern der auch für die Bedürfnisse der Volkswirtschaft einen hervorragenden Blick besaß, gründete an der Mündung des Nils Alexandrien. Die Stadt blühte mit unglaublicher Schnelligkeit auf und wurde schon nach einem Menschenalter der bedeutendste Handelsplatz der ganzen Westwelt. Während dieser Ereignisse hatten die Perser Zeit gehabt, sich zu sammeln. Auch versuchten sie durch Verhandlungen etwas zu gewinnen. Beides nützte ihnen wenig. Den Abgeordneten des Darius Kodomannos antwortete der Mazedonier: Zwei Sonnen können am Himmel nicht leuchten! und die bei Gauga-mela im Gebiete des mittleren Euphrat versammelten Streitkräfte des Darius zerstreute er mit leichter Mühe. Den fliehenden Perserkönig ermordete einer seiner eigenen Vasallen, Bessus. Alexander, der aus einem Gemeinsamkeitsgefühl königlicher Legitimität heraus sich als den natürlichen Rächer betrachtete, setzte dem Bessus nach, ereilte den Mörder und ließ ihn töten. Er selbst drang bis zum Jarxartes (dem Sir Darja) bis an die Schwelle Fer-ganas vor und nötigte die iranischen Gaue im südlichenTurkestan zur Huldigung. Auch nahm er eine der dortigen Fürstentöchter, die Roxane, zur Gemahlin. Nunmehr begab er sich daran, die Verhältnisse in Persien zu ordnen. Sein Hochziel war, eine Verschmelzung des griechisch-mazedonischen Wesens mit dem Per-sertum zu erreichen. Bald aber fühlte ersieh schon mehr als König der Perser, denn als einer von Mazedonien. Das größere Gewicht des Riesenreiches hatte ihn herübergezogen. Er wurde dem Occident ab — und dem Orient zugewandt. Noch aber war nicht alles getan. Noch waren die Lande weiter östlich nicht unterworfen. Ohnehin wurde jemand erst als neuer Herrscher anerkannt, wenn er alle Grenzen des Reiches beschritten hatte. So setzte sich Alexander abermals in Bewegung, durchzog Ostiran und rückte durch den Khaiberpaß nach dem indischen Pendschab, das ja ebenfalls, wenn auch häufig nur dem Namen nach, zu Persien gehörte. Er besiegte alle die indischen Maharadscha, die sich ihm entgegenstellten und erreichte den östlichen Nebenfluß des Indus, den Satladsch. Hier aber meuterte sein Heer. Es war unzufrieden mit den beständigen Märschen und Strapazen, deren Ende sich nicht absehen ließ, und es sehnte sich nach der Heimkehr. Um so höher ist das Genie Alexanders zu bewundern. Die Meuterei war nicht die letzte. Fortwährend zeigte sich neue Unzufriedenheit bei denTruppen. Trotz aller dieser Schwierigkeiten aber, da er nicht nur gegen die ungeheure Überzahl der äußeren Feinde ankämpfen, sondern auch die Zwietracht im eigenen Lager dämpfen mußte, hat der große Mazedonier doch den Hauptzweck seines Zuges erreicht. Ja, er ist noch über die Grenzen des Achämenidenreiches hinausgegangen. Er hat auch die Landschaft Sindh, das Gebiet des unteren Indus, bis zur Mündung des Flusses durchstreift und hat dann seinen Admiral Nearchos ausgesandt, um die Seeverbindung zwischen Indien und Mesopotamien genauer zu erforschen. Der König selbst kehrte mit seinem Heere auf dem Landwege zurück. Unglücklicherweise wählte er die südliche Strecke, den Weg durch Belutschistan und Seistan, eine Strecke, die in unseren Tagen englische Offiziere des Öfteren und zuletzt noch Sven Hedin bereist hat. Es ist das eine fürchterliche Wüste. Kein Baum, kein Strauch, kein Gras. Und oft mehrere Tagreisen weit kein Tropfen Wasser. Oder, wenn sich solches findet, so salzig, daß es kein Mensch trinken kann. In dieser Wüste, die man damals die gedrosische nannte, verlor Alexander von seinen 40000 Mann — die Verluste waren inzwischen durch Nachschub mehr als wett gemacht worden — nicht weniger als dreiviertel. Zurückgekehrt, schlug der Eroberer in der alten Residenz der babylonischen und persischen Könige, in Susa, seine Residenz auf. Hier ergab sich Alexander einem erschlaffenden Wohlleben. Gastereien und Gelage folgten einander unaufhörlich. Alexanders durch Ausschweifungen geschwächter Leib erlag 323 der Malaria.

Nach fast200 Jahren war das gewaltige Ringen zu Gunsten des Westens geendet. Das von den Mazedoniern geleitete Griechentum hatte den Osten übermannt. Sofort setzte eine starke Hellenisierungein.Das Reich Alexanders zerfiel zwar sogleich nach dem Tode des Stifters. Allein, wenn auch zersplittert, lebte sein Werk doch fort. In den verschiedenen Teilreichen, die auf dem Boden des Alexanderreiches entstanden, erhoben sich Fürstenhöfe, durch die auf jede Weise die griechische Bildung gefördert wurde. Griechische Kunst feierte in den Bauten von Alexandrien und Pergamon, von Antiochia und dem wiederauflebenden Athen neue Triumphe. GriechischeSchauburgen füllten sich mit eifrigen Hörern, die zur Hälfte wenn nicht mehr „barbarischen“ Ursprungs waren. Hellenische Kriegsmethoden wurden alleinherrschend, höchstens, daß man dem Orient die Benutzung gezähmter Elefanten entlehnte. Endlich verbreitete sich griechische Sprache überallhin, bis zu den Alpen Abessiniens, bis zu den Hängen des Hindukusch und im Norden bis zum Kaukasus und nach Samarkand. Im fernen Abendlande entsprach dem eine Ausbreitung der Sprache bis zur Rhone und bis nach Tripolis. Genau so wie den Fahrten eines Vasco da Gama die Verbreitung des Portugiesischen und denen eines Columbus die des Spanischen folgte, so hat auf die Eroberungzüge Alexanders, ferner des Agathokles, der Karthago bestürmte, und des Pyrrhus, der gegen Rom focht, eine Ausdehnung des griechischen Sprachgebietes Platz gegriffen. Neben den Entdeckungen, zu denen Alexander den Anstoß gab, waren am wichtigsten die Fahrten des Pytheas und des Eudoxos. Pytheas aus Massalia in Südfrankreich hat Nordeuropa als erster Kultureuropäer bereist.

Die Zeitgenossen des Herodot nahmen an, daß an den Gestaden der nebel verhüllten, eisigen Nordmeere der Wohnsitz der Hyperboräer liege. Aber schon der „Vater der Geschichtsschreibung“ zweifelt daran, daß der Nordpol bewohnbar sei, denn „wenn der Nordpol bewohnbar ist, muß es auch der Südpol sein.“ Von der Existenz fabelhafter Menschen im äußersten Norden erzählten bereits Homer und Hesiod; hier liege das gelobte Land der Seligen, wo kein Streit und Hader ist, sondern ewiger Friede herrscht. Diese Geschichten von der Neidlosigkeit der Hyperboräer paßten gar nicht schlecht zu der friedliebenden Gesinnung und der treuen Art der heutigen Eskimos, und der Ausspruch des Geographen Eratosthenes von Kyrene, daß in diesem Lande die Sonne nur einmal auf- und untergehe, ist von einer guten Naturbeobachtung eingegeben. Doch alle solche Berichte blieben doch nur phantastische Vorstellungen, bis etwa um das Jahr 320 v. Chr. Pytheas seine berühmte Fahrt nach Thule unternahm. Eine neue, wunderbare Welt schloß der Mann aus Massilia dem Altertume auf, als er die Orkney- und die Shetlandinseln entdeckte, und vielleicht sogar bis nach Norwegen, dem nordischen Thule vordrang. Dieser erste Pionier der Polarforschung berichtet schon von dem sogenannten „Totenwasser“, von dem dann im Mittelalter wieder die Wikinger und die deutschen Walfischfänger bei ihrem Eindringen in die Eismeere zu erzählen wußten. Durch Pytheas wird die Kunde von einem Eismeer dem „hyperboräischen Ozean“ in die Vorstellung der Alten von der Erde eingeführt. Von diesem „trägen Meer“ nahm man an, daß es dem Ende der Welt benachbart sei, wo Erde, Luft und Meer in eins zusammenflössen, und jede Schiffahrt unmöglich werde. Eine wundersame, unbewohnbare Welt „wo das zähe Eis alle Monate hindurch steht“, und „wo die Sonne Ruhe hält.“ Eudoxos, d.er im Dienste der Ptolemäer, der mazedonischen Beherrscher Ägyptens, seine Fahrten ausführte, hat als erster wissenschaftlicher Reisende die ozeanischen Küsten Afrikas nördlich vom Gleicher näher erforscht. In den Jahrhunderten nach Eudoxos nahm die Kenntnis von Afrika noch weiter zu. An der Ostküste ging sie wohl bis Mosambik und Madagaskar hinunter. An der Westküste bis Senegambien und vielleicht noch darüber hinaus. Im Innern gelangte man bis zu den ersten Katarakten des Nils und vernahm dunkle Kunde von den großen Seen, die erst das 19. Jahrhundert ganz entschleiert hat. Nicht minder ist eine trübe Kunde von dem großen Flusse Niger damals schon bis an das Mittelmeer gelangt.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens

Alexander der Große Männer; Völker und Zeiten