DEM Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze“, heisst es. Mag es immer so sein. Wenn ihm die Mitwelt deren nur genügend zuwirft, so wird er sich wegen des Wegfalles der anderen leicht zu trösten wissen. Wie aber steht es um die, denen der Lohn für ihre Leistungen weder jetzt, noch, zum freudigen Stolz ihrer Erben, später beschieden wird? Dabei denke ich noch nicht einmal an jene Genies, denen ein Gott gab, wie sie sich über ihr Leiden hinwegsetzen mögen: was wollen diese auch noch von der Aussenwelt! Nein, es gibt Menschen, deren Wirken die nachhaltigsten Folgen gehabt hat, deren Anregung in weiter Verzweigung und nach geraumer Zeit zu den grössten Leistungen der Menschheit führte, die vom Gipfel um sich schauend, sagen könnten: „Seht, das alles geht auf mich zurück,“ — und ihre Namen sind selbst den ausgewählten Kreisen entfallen.

Horace Lecoq de Boisbeaudran wurde wohl Direktor einer Zeichenschule, erhielt auch das Kreuz der Ehrenlegion, aber da seine Bilder in den öffentlichen Sammlungen fehlen, so ist er nicht darunter, wenn das tausend von Malern genannt wird. Trotzdem ist er die letzte Ursache von vielem Schönen, das wahrscheinlich hochgehalten werden wird, nachdem der Ruf der meisten jener tausend Künstler langsam einschlummern durfte. Er war der Lehrer von — um nur zwei Meister anzuführen Henri Fantin-Latour und Alphonse Legros. Wenn ich hinzufüge, dass er es war, der diesen beiden ver-feinertsten Künstlerseelen den besonderen Anstoss zu ihrer so verschiedenen, nur in der lauteren Vornehmheit gleichen, Entwickelung gab, so habe ich auch gesagt, warum sein Name in dankbarer Erinnerung lebendig bleiben sollte.

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Alphonse Legros Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst