Jerusalem – Die Klagemauer der Juden am Haram esch Scherif.

Die Mauer ist im unteren Teil der Rest des Unterbaues vom Tempel des Herodes. Sie ist etwa 18 m hoch. Die Quadern sind sehr gut gefugt, manche von ihnen sind mehrere Meter lang. Die oberen Lagen stammen zum Teil aus jüngerer Zeit und zeigen kleineren Steinsehnitt. An dieser Mauer pflegen besonders am Vorabend des Sabbath die Juden sich zu versammeln, zu beten, kleine Kerzen anzuzünden und Klagelieder anzustimmen wegen des Unterganges des Tempels und des jüdischen Reiches. Eine genaue Beschreibung des herodianisehen Tempels hat der jüdische Schriftsteller Flavius Josephus hinterlassen, der als Begleiter des Kaisers Titus die Zerstörung Jerusalems miterlebt hat (Antiquitates XV 11, Kaisers Titus I 21, V 5). Danach sind von Archäologen und Architekten sehr viele Rekoustruktionsversuehe gemacht worden, vgl. z. B. Chipiez und Perrot, Le Temple de Jerusalem, Paris 1889.

Jerusalem. Der Eingang zur heiligen Grabeskirche (Keniset el Kijáme).

Die Eingangswand ist in zwei Geschosse geteilt; den oberen Fenstern entsprechen unten zwei Eingänge, deren östlicher vermauert ist; überall zeigen sich gedrückte Spitzbogen. Sie sowohl wie die Form der Säulen und Kapitelle, die Figurenfriese über der Tür und die Motive der Bogeneinfassung beweisen, daß diese Eingangswand aus der Kreuzfahrerzeit stammt. Doch sind die horizontalen Gesimse über den Eingängen und Fenstern aus einer weit älteren Zeit, vielleicht vom ersten Bau des Kaisers Konstantin im Jahre 33(5 n. Chr. (vgl. Strzygowski, Orient oder Rom, Taf. 8 und S. 127—150), dessen Mutter, die Kaiserin Helena, neben dem Grabe Christi das Kreuz gefunden haben soll. Der jetzige Bau ist das Produkt zahlreicher Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte. Er besteht aus zwei Hauptteilen: 1. dem Kuppelbau, unter dem sieh das im Jahre 1810 ganz erneuerte Grabgebäude (7,9 m : 5,5 m) befindet, 2. dem Langbau, welcher einen halbkreisförmigen Abschluß hat und in welchem sich die griechische Kirche befindet. Diese beiden Komplexe werden von zahlreichen Kapellen. Altären und Verehrungsplätzen umgeben. Vgl. C. Schick, Führer durch die heilige Grabeskirche, Jerusalem 1898.

Jerusalem.Tantúr Fir’ún (sog. Absalomgrab)

Der Bau ist ein aus dem Felsen gearbeitetes Grab etwa aus dem letzten Jahrhundert v. Chr. Er ist, wie manche Fassaden zu Petra, ein vorzügliches Beispiel des sogenannten späthellenistischen Barockstils. Der rechteckige Unterbau mit Eckpfeilern und ionischen Halbsäulen, Triglyphenfries und ägyptisierender Hohlkehle darüber, ist in der Grundfläche 6 : 6,5 m groß. Über ihm erhebt sich der rechteckige Untersatz der Trommel, deren in geschwungener Linie spitz zulaufende Bekrönung dem Bau den arabischen Namen »Mütze des Pharao« eingetragen hat. Dieser Bau und mehrere benachbarte Felsfassaden beweisen, daß, ebenso wie zu Petra, in Jerusalem zur Zeit Christi schon längst die griechischen Stilformen ihre Herrschaft ausgebreitet hatten.

Hauptstraße von Samaria (Sebastije)

Samaria, die Hauptstadt des nördlichen jüdischen Reiches, liegt auf einem umfangreichen Berghügel beim heutigen Dorf Sebastije. Der König Herodes baute sie in verschwenderischer Weise um und nannte sie nach dem Kaiser Augustus (griechisch: Sebastos): Sebaste, deren Name sich im Dorf erhalten hat. Die Stadt war mit einer starken Mauer und Türmen umgeben, ihre Straßen waren geradlinig und mit Säulenhallen ausgestattet, von denen Taf. 24 einige Reste zeigt. Die Straße endigt bei einem Stadttor mit großen, runden Türmen. Durch Ausgrabungen fand man u. a. den Tempel des Augustus und die Statue des Kaisers, die sich jetzt im Museum in Konstantinopel befindet. Auch Reste der ältesten jüdischen Epoche von Samaria sind in großer Tiefe gefunden worden.

Die Geburtskirche Christi in Bethlehem

Über der Stätte, wo Christus geboren sein soll, errichtete Kaiser Konstantin bereits eine große Basilika, die durch Kaiser Justinian erneuert wurde. Die jetzt erhaltene Kirche geht auf den Bau Konstantins zurück, bietet aber infolge von Umbauten der Forschung zahlreiche Probleme. Das Innere ist von großartiger Schlichtheit. Das Langhaus hat fünf Schiffe, von denen das mittlere breiter ist als die übrigen (10,40 m).

Die Höhe der monolithen, korinthischen Säulen beträgt 6m. Unsere Tafel zeigt einen Eckpfeiler mit angearbeiteter Halbsäule, daneben die geschnitzte und bemalte Bildwand der griechisch-orthodoxen Kirche. Unter dem mit drei Aveiten Apsiden kleeblattförmig ausgestatteten Chor der Kirche liegt die Geburtskapelle (12,4 m lang, 3,9 m breit und 3 m hoch). Der Boden und die Wände sind mit Marmor belegt, und in der östlichen Nische befindet sich am Boden ein silberner eingelegter Stern mit der Inschrift: »Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est«. (Hier Avurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren.)

Siehe auch:
Alte Denkmäler aus Syrien, Palästina und Westarabien Teil 1
Alte Denkmäler aus Syrien, Palästina und Westarabien Teil 2

Text und Bild aus dem Buch: Alte Denkmäler aus Syrien, Palästina und Westarabien, Author: Cemal Paa.

Alte Denkmäler aus Syrien und Palästina und Westarabien

Amman im Ostjordanland. Die Stadt war Hauptort der Ammoniter und hieß damals Rabbat Ammon; König David ließ sie durch seinen Feldhorrn Joab erobern. In griechischer Zeit wurde sie durch König Ptolemaios II. Philadelphos neu gebaut und nach ihm Philadelphia genannt. Die Reste, die man jetzt sieht, stammen aus römischer Zeit. Sie liegen zum Teil auf der Zitadelle über der modernen Stadt, zum Teil innerhalb derselben. Letztere haben leider durch die moderne Bautätigkeit stark gelitten. Bis vor wenigen Jahren war z. B. ein kleines Odeon fast vollkommen mit Zuschauerraum und dekorativem Wandschmuck erhalten. Jetzt ist es zum größten Teil abgerissen. Dasselbe ist der Fall mit der Säulenstraße und mit dem großen Nymphäum, dessen Säulen man auf der Tafel links erkennt. Ein reichgeschmücktes Tor ist 1915 von einem Hausbesitzer abgetragen worden (abgebildet und rekonstruiert von Bruno Schulz im Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts. Vgl. Howard Grosby Butler. Ancient Architecture in Syria. Section A. Part 1. S. 34ff.

Amman. Blick von Norden auf das große Theater, welches für mehr als 4000 Menschen Platz hatte. Die Bühne ist nicht erhalten, der unterste Teil des halbkreisförmigen Zuschauerraums steckt im Boden und nur 5 Stufen des untersten Ranges ragen hervor: der mittlere Rang hat 14. der obere 16 Sitzreihen. Den obersten Teil bildete eine Säulenhalle, hinter deren Umgang einige Felsgemächer liegen. Das Theater war aus festem, graugelbem Kalkstein erbaut. Vor ihm dehnte sich ein rechteckiger freier Platz mit Säulenhallen aus, von denen noch einige erhalten sind. Neuerdings ist das Theater leider durch Einbau moderner Wohngebäude stark entstellt worden. Auch wurden die Sitzreihen in der Mitte des Theaters im April 1018 dureh einen englischen Granatenvolltrefler stark beschädigt.

Amman. Inneres des sogenannten el Kasr auf der Hochburg. Das Gebäude ist ein aus Kalkstein errichteter kleiner, palastähnlicher, einst mit Kuppel bedeckter Zentralbau mit vier kreuzförmigen Nischen, dessen Äußeres ganz schmucklos, dessen Inneres aber aufs reichste ornamentiert ist mit den hier abgebildeten bogenförmigen Architekturformen und flachen Pflanzenmustern. Der Eingang scheint durch den südlichen Kreuzarm geführt zu haben. Es ist geplant, dieses Gebäude, dessen Kuppel eingestürzt ist, durch einen von S. Exz. Djemal Pascha zu entsendenden Architekten zu konservieren, denn es ist eines der ältesten und originellsten dekorativen Bauwerke der islamischen Epoche des Ostjordanlandes. In seinem »Handbuch der muselmanischen Kunst« urteilt H. Saladin über den Bau folgendermaßen: »Der Palast von ‚Amman kann als eines der interessantesten Beispiele muselmanischer Baukunst angesehen werden. Man wird seine Entstehung zu Beginn der Hidjra ansetzen müssen.« Viele der Ornamente lassen sich auf die Antike zurückführen, manches erinnert an sassanidische Einflüsse.

Leider ist gerade dieses kostbare Bauwerk im Frühjahr 1918 der Gegenstand von englischen Fliegerangriffen geworden. Drei Volltreffer fielen auf die Dachterrasse und verursachten tiefe Trichter. Ein folgender Schuß traf den freiliegenden Gewölberand des südwestlichen Eckraumes und warf drei Gewölbesteine heraus. Der fünfte Schuß hat den Westrand der südlichen Liwantonne getroffen, den oberen Teil der Fassade mit der Hälfte der Blendnische abgesplittert, etwa bis zur Kapitellplatte der Halbsäulchen. Durch den Stoß sind außerdem zwei Wölbsteine der Tür zum Südwestraum herausgeschleudert worden.

Jerusalem. Stadtbefestigung.

Oben: Stadtmauer am Südwestende der sogenannten Kal’a (Zitadelle), welche fälschlich als die von König David erbaute Zionsburg erklärt worden ist. Die Mauern des heutigen Jerusalem, welche sich in einem sehr guten Erhaltungszustand befinden, sind nicht älter als das 14. Jahrhundert n. Chr., stehen aber zum Teil auf älteren Fundamenten.

Unten: Eingang in die Kal’a. Der Eingang führt über eine kleine Brücke, unter welcher der tiefe Graben liegt, in den Vorhof, an dessen Rückseite das Haupttor liegt. Bemerkenswert ist, daß der große Turm rechts in seinem unteren Teil außergewöhnlich große Quadern hat. Diese sind wiederverwendete Werkstücke von den drei Türmen Phasael, Mariamne und Hippikos, welche König Herodes in den letzten Jahrzehnten vor Christi Geburt hatte errichten lassen. Als Kaiser Titus Jerusalem zerstörte, ließ er diese drei Türme stehen, um der Welt zu zeigen, eine wie starke Stadt er überwältigt habe. Einige unzerstörte herodianische Reste haben sich an dieser Stelle in den untersten Schichten gefunden. Der Turm Phasael war 45 m hoch, 20 in lang und ebenso breit, er enthielt Prunkgemächer und einen Baderaum. Auch in den anderen beiden Türmen befanden sich kostbare Prachträume. Vgl. Paul Mickley, Jerusalem zur Zeit Christi, im Palästina-Jahrbuch 1911, S. 35ff. Über die Gesamtlage des alten Jerusalem und seine verschiedenen Epochen vgl. G. Dalman, Palästina-Jahrbuch 1915, S. 17fi. Schöne Panoramabilder finden sich in dem Werke von B. Moritz, Bilder aus Palästina, Nordarabien und dem Sinai.

Jerusalem. Bab el Amud (Damaskustor). Das Damaskustor ist der bedeutendste Eingang der heutigen Stadt. Es steht an der Stelle eines älteren Tores. Noch im 6. Jahrhundert n. dir. befand sich gleich hinter dem Eingang ein freier Platz mit einer alleinstehenden, sehr großen Säule, die heute verschwunden ist. Aber die Erinnerung daran hat sich in dem Namen Bäb el Amüd. wörtlich = Säulentor, deutlich erhalten. Das Tor in seiner heutigen Gestalt geht auf einen inschriftlich bezeugten Neubau des Sultans Suleimän im Jahre 944 der Hidjra (1537/38 a. Chr. Geb.) zurück und ist eines der schönsten Beispiele der Festungsbaukunst jener Zeit. Es wird von zwei Türmen flankiert, die an den Ecken mit zierlichen Erkern ausgestaltet sind, der Torweg selbst ist in doppeltem Winkel angelegt.

Jerusalem. Die Moschee el Aksa (Mesdjid el Aksa), au der südlichen Seite des Haram esch Scherif (Tempelplatz). Das Bild zeigt die llauptfront dieser besonders heiligen Moschee (vgl. Sure XVII 1) mit ihrem durch sieben große Portalbogen gebildeten Eingang, hinter welchem eine schmale Vorhalle liegt. Dieser Teil ist Anfang des 13. Jahrhunderts n. Chr. von Malik ab Mu’azzam ‚Isä erbaut; der obere Aufbau ist noch jüngeren Datums. Die Moschee wird aus sieben schmalen Langschiffen gebildet, von denen das mittlere breiter ist als die übrigen. Ursprünglich war der Bau eine von Kaiser Justinian zu Ehren der Maria erbaute Basilika. Zur Moschee wurde sie durch den Kalifen Omar umgewandelt.

Jerusalem. Blick von Norden auf den Haram esch Scherif (Tempelplatz). Im Hintergrund Kubbet es Sachra (der Felsendom). An der Stelle des Haram escli Scherif (= das vornehme Heiligtum) hatte schon König David einen Altar, Salomo seinen Palast und Tempel errichtet und es ist wahrscheinlich, daß ein uralter Brandopferaltar an der Stelle des Felsendoms lag. Der glänzende, von König Herodes 20 v. Chr. begonnene Tempelbau wurde bekanntlich 70 n. dir. durch die Römer unter Kaiser Titus zerstört, und Kaiser Hadrian errichtete später an der Stelle einen großen Jupitertempel.

Der Felsendom ist unter Anlehnung an byzantische Formen im Jahre 72 der Hidjra (694 n. Chr.) durch Abd-al 31alik erbaut worden. Sieben Tore führen aus der Stadt auf den ihn umgebenden Platz, der an der Westseite 490 m lang ist, an der Ostseite 474 m. im Norden 321 m, an der Südseite 283 in. Einen sehr guten Überblick über die gewaltige Größe des Platzes geben die Aufnahmen bei B. Moritz. Bilder aus Palästina. Nr. 3 und 4, nebst erläuterndem Text.

Jerusalem. Haram esch Scherif (im Hintergrund), vorn der Sebil (Brunnen) Kait Bai. Der sehr elegante Brunnen des Mamlukensultans Malik al-Ascliraf Abu’l-Nasr Kait Bai, dessen Regierung in die Zeit von 146S—1490 fällt, zeigt einen aus farbigen Kalksteinquadern errichteten rechteckigen Unterbau, über dem sich ein achteckiger Aufbau erhebt. Dieser trägt eine oval aufstrebende Kuppel, die mit reichen vergoldeten Arabesken im Relief ausgeschmückt ist.

Jerusalem. Hauptansicht des Felsendoms (Kubbet es Sachra). Die Moschee bildet ein Achteck, jede Seite ist 20,40 m lang und zeigt über einem hohen Marmorsockel je sieben Bogen, von denen jedesmal die der Ecke benachbarten als llaclie geschlossene Nischen ausgebildet sind, während die fünf übrigen bunte Glasfenster enthalten. Auf den Türseiten sind nur vier Bogen mit Glasfenstern ausgestattet, der mittlere ist durch die Türen verdeckt. Die heutige Anordnung und Form der Fenster stammt aus dem Jahr 935 d. H. — 1528/29, als Sultan Suleimän auch die prächtigen Fayencen anbringen ließ, die mit ihrem Farbenglanz so sehr zu der großen feierlichen Wirkung des Gebäudes beitragen. Die Kuppel ist in ihrer jetzigen Gestalt vom Kalifen Hakim im Jahre 413 d. H. = 1022 an Stelle einer eingestürzten Kuppel errichtet worden. Ihre Höhe beträgt vom Boden ab etwa 30 m, ihr Durchmesser 20 m, die innere Höhe 11,15 m. Im Innern werden Dach und Kuppel von zwei konzentrisch angeordneten Stützenreihen getragen. Die buntfarbigen, monolithen Marmorsäulen sind von älteren Bauten entnommen. Der ganze Raum ist reich mit Goldinosaik ausgeschmückt, das vorzugsweise Püanzenmuster darstellt. Innerhalb der inneren Stützenstellung erhebt sieh, von einem besonderen Gitter umgeben, der heilige Fels, an dessen Stelle nach der Überlieferung Abraham den Isaak opfern wollte, wo später die Buudeslade gestanden hat, und in dessen Höhle Mohammed betete, worauf er zum Himmel entrückt wurde. Der Fels erhebt sich 1,25—2 m über den Boden der Moschee. Vgl. R. Hartmann, Der Felsendom in Jerusalem, Straßburg 1909. Vorzügliche Ansichten des Innern bei B. Moritz, Bilder aus Palästina usw., Nr. 5—10. Für die gesamte Anlage vgl. M. de Vogue, Le temple de Jerusalem.

Text und Bild aus dem Buch: Alte Denkmäler aus Syrien, Palästina und Westarabien, Author: Cemal Paa.

Alte Denkmäler aus Syrien und Palästina und Westarabien

Sinai. Oase von Wadi Ferän auf der Westseite Auf der Halbinsel.
Das Tal von Ferän ist der fruchtbarste Teil der sonst so öden Halbinsel; es wird daher die »Perle des Sinai« genannt und die Datteln seines Palmenhains sind berühmt. Dieser wird von einem Bache bewässert, der weiter unterhalb plötzlich versiegt. Die Oase war früher ein See, von dem nach dem Durchbruch nur noch der Bach übrigblieb. Das Gebirge besteht aus äußerst hartem, undurchlässigem Urgestein. Der antike Geograph Ptolemäus, der im 2. Jahrhundert n. Chr. lebte, nennt hier den Ort Pharan, in dem sich nach späteren Schriftstellern viele Klöster befanden. Im Hintergrund des Bildes erscheint der Gipfel des 2060 m hohen Serbäl, der ursprünglich als der Berg galt, wo Moses die Gesetzestafeln empfing. Später wurde der südöstlich gelegene Berg beim heutigen Sinai-kloster, dessen Höbe 2292 n, beträgt, ffir den Mosesberg erklärt und erhielt daher auch den Namen Djebel Müsä.

Wadi Musa. Diese gewaltige Schlucht mit ihren 30—50 m hohen Wänden aus rotem Sandstein bildet den Eingang zu der einstigen Hauptstadt der alten Nabatäer, Petra. Man erreicht das Wadi durch einen Ritt von der Station Maän der Hidjäzbahn in sechs Stunden. Heute heißt die Schlucht es Sik und ihr Spalt ist der Sage nach entstanden, als Moses Wasser aus dem Felsen schlug. Der Mosesbach fließt durch den Sik, im Altertum war er jedoch vor Eintritt in die Schlucht abgeleitet und wurde durch einen künstlichen Kanal in weitem Bogen herumgeführt. Der Sik ist etwa 1 km lang und 3—4 m breit. Er bildete den einzigen bequemen Zugang zur Stadt, die an allen anderen Stellen rings von hohen Felsklippen umgeben ist. Bald nach dem Eintritt in den Sik bemerkt man an den Wänden den Rest des einstigen Stadttores, auch sind Reste von Wasserleitungen und Votivreliefs mehrfach erkennbar.

Wadi Musa. Westlicher Ausgang des Sik. Nahe dem Westausgang des Sik verbreitert sich die Schlucht durch ein quer vorgelagertes Wadi, das den Namen El Kantagha führt. Wenn man auf dieses, von Osten durch die Schlucht kommend, zuschreitet, so bietet sich dem Auge ein unbeschreiblich großartiger Anblick dar: man erkennt schon von weitem die vornehmen Formen einer zweistöckigen Felsfassade, die mit ihrem überraschenden Auftreten auf den Besucher den stärksten Eindruck ausübt. Während im Sik uns die wildesten Formen der ungebundenen Natur umgeben, steht plötzlich vor uns ein durch menschliche Geisteskraft geschaffenes Kunstwerk: das Felsengrab eines Königs der Nabataer, heute El Chazne (Schatzhaus) oder El Djarre genannt.

Wadi Musa. Die Grabfassade El Cliazne in Petra. Die ganze, 20 m hohe Fassade ist aus demFelsen herausgehauen. Sie ist das Werk eines der letzten Nabatäerfursten, denn sie ist ihrem Stil nach etwa im letzten Jahrhundert v. Chr. Geburt entstanden, als Petra schon längst Formen der griechischen Baukunst angenommen hatte. Der Bau wird unten von sechs korinthischen Säulen getragen. Der Relieffries ist mit Ranken und Gefäßen geschmückt, im Giebel befand sich ein Gorgonenkopf zwischen Ranken. An den Ecken sah man Löwenfiguren als Grabhüter. Den Oberstock bildet eine sehr malerische, barocke Architektur mit gebrochenen Giebeln und einem feinen kleinen Rundtempel in derMitte. Alle Zwischenräume der Säulen dieses Oberstocks tragen die Reste von Frauenfiguren. Die Gestalt in der Mitte wird auf die Göttin Isis gedeutet, die beiden Figuren rechts und links sind schildbewehrte Amazonen, die mit ihrer Waffe, der Axt, einen Tanz aufführen. Auch der obere Fries zeigt schöne Rankenmuster; auf den Giebeln sitzen Adler, und das Dach des Rundtempels, das von einem korinthischen Kapitell gekrönt wird, trägt eine steinerne Graburne als Symbol der Bestimmung des Gebäudes, das im Innern drei große Grabkammern enthält.

Im ganzen sind in Petra mehr als 700 Felsfässaden von Gräbern gefunden worden. Keines ist schöner und vornehmer als El Cliazne. Alle Gräber sind beschrieben in dem vorzüglichen deutschen Werke von E. Brünnow und A. v. Domaszewski: Die Provincia Arabia, Straßburg 1904/9, 8 Bände. Petra ist fiir die Wissenschaft wiederentdeckt worden im Jahre 1812 durch den deutschen Reisenden J.L.Burckhardt, der bald darauf von Beduinen ermordet wurde.

Die erste sichere geschichtliche Nachricht von Petra stammt aus dem Jahre 312 v. Chr.. wo König Antigonos im Kampf gegen Ptolemaios von Ägypten vergeblich versuchte, Petra zu erobern. Der Ort war wegen seiner Lage an den großen Karawanenstraßen vom Roten Meer nach Gaza und nach Damaskus sowie wegen seiner großen Festigkeit ein sehr beliebter Stapelplatz, und die Könige erwarben sich hierdurch große Reich tümer. Im 2. Jahrhundert v. dir. dehnte sich ihre Macht über das ganze Land östlich des Jordan, bis nach Damaskus aus. Erst im Jahre 106 n. Chr. wurde die Stadt vom römischen Kaiser Trajan unterworfen, der damals eine große Straße von Syrien zum Roten Meer anlegte. Die Stadt hatte auch unter den Römern eine große Blütezeit, sie verlor ihre Bedeutung erst im 3. Jahrhundert n. Chr. durch die Einfälle der Neu-Perser und wird in der arabischen Zeit kaum noch erwähnt.

Wadi Müsa. Felsengrab in Petra. Das Bild zeigt, wie auch im Innern des Talkessels von Petra sich der wilde Charakter der Landschaft fortsetzt, der auf große vulkanische Erscheinungen zurückgeht. Das hier abgebildete Grab ist ein Werk der römischen Epoche von Petra. Zwei starke Säulen tragen das Hauptgebälk mit Giebel, dessen Ecken und Mitte von drei Urnen bekrönt werden. Die Grabtür zwischen den zwei großen Säulen ist wieder von Halbsäulen umrahmt, über denen sich ein flacher Bogen spannt.

Wadi Müsa. Gruppe von Felsgräbern zu Petra. Die große Fassade links zeigt, mit welcher Pracht und Verschwendung in römischer Zeit zu Petra die Gräber der Vornehmen ausgestattet wurden. In das Innere führen vier Eingänge in reicher Säulenumrahmung, die abwechselnd mit runden und spitzen (liebeln bekrönt sind. 18 Halbsäulen bilden den Mittelstock, auf dem eine Häufung dekorativer Glieder sich aufbaut. Vom obersten (dritten) Stock sind uns noch sieben Halbsäulen erhalten. Das Ganze macht nicht mehr den vornehmen Eindruck wie bei der Chazne (vgl. Taf. 4), sondern wirkt überladen, und die Glieder zwischen dem mittleren und Oberstock zeigen mißverstandene Elemente.

Rechts neben diesem Felsengrab erkennt man ein zweites, welches in ähnlicher Weise wie die Chazne gebildet ist. Auch dieses Grab stammt aus römischer Zeit und zeigt, wie stark die griechischen Vorbilder später nachgewirkt haben. Am stärksten ist dies der Fall bei dem ins Kolossale übertriebenen Heiligtum auf der folgenden Tafel.

Die Felsfassade von Ed Der bei Petra. Diese 42 m hohe, 45 in breite Fassade, hinter welcher sich nur ein einziger Innenraum von 11 einhalb zu 12 m befindet, stellt eine ins Breite und Plumpe übertragene Nachahmung der Chazne dar, aus der alle Zierlichkeit und Anmut geschwunden ist. Dieses Werk, bei dem man lediglich die ungeheure Arbeit der Steinmetzen bewundern kann, scheint indessen kein Grabhaus, sondern ein Tempel gewesen zu sein, denn weder im Innern noch in der Umgebung sind Gräber gefunden worden. In der Nische der Rückwand stand ein Altar; der große, freie Platz vor der Fassade läßt auch darauf schließen, daß hier der Versammlungsraum einer größeren Gemeinde war.

Wadi Wadi Musa. Felsfassaden älteren Stils in Petra. Die ältere Art, Felsfassaden zu dekorieren, war äußerst einfach und lehnte sich an die Pylonenform ägyptischer Gräber an. Einige Streifen mit Dreieckimistern bildeten das Ornament und stets führte nur eine Tür in das Innere. Diese Dekorationsart war bis tief nach Arabien hinein verbreitet. Beispiele davon zeigt Taf. 11 (oben) aus Madäin Säleh nach einer Aufnahme des K. osm. Fliegerleutnants Herrn Dittmar.

Wadi Musa. Grabfassade in Petra. An dieser Fassade ist die allgemeine, ältere Pylonenform noch deutlich vorhanden: die große Hohlkehle, welche das horizontale Gesims abschließt, sowie die treppenförmigen Bekrönungen sind ägyptisierende Formen. Die übrigen Gesimse aber sowie die zwei korinthischen Hauptpfeiler zeigen mit aller Deutlichkeit das Eindringen der griechischen Elemente in die Baukunst von Petra. Vollkommen von älteren Einflüssen frei ist die Eingangspforte mit ihren gekoppelten korinthischen Pfeilern, dem Triglyphenfries, den Eckzierden in Gestalt von Urnen und der Sirene, die den kleinen Giebel krönt.

Wadi Musa. Der Tempel Kasr Firun in Petra. Der Tempel liegt im westlichen Teil von Petra, am südlichen Ufer des Mosesbaches. Er ist nach Norden gerichtet und zeigt auf dieser Seite eine Vorhalle mit vier Säulen: von da kam man durch eine hohe Tür in einen breiten Saal, auf den sieh drei Gemächer von quadratischem Grundriß öffnen. Einzelne Teile der Umfassungsmauern sind noch bis ans Dachgesims erhalten, so daß man den Tempel im Bilde ganz wiederherstellen kann. Feine Stuckdekorationen bedecken die unteren Teile der Außenwände. Sie stellen eine phantastische Architektur mit gebrochenen Giebeln dar, ähnlich wie die Giebel der El-Chazne-Fassade. Vgl. H. Kohl, Kasr Firaun. Leipzig 1910 bei J. C. Hinrichs.

Oben: Felsgräber der älteren nabatäischen Epoche bei Madain Saleh in Arabien, ferner Jaussen und Savignac, Mission archeologique en Arabie.

Unten: Das Tote Meer bei Masada

Im Vordergründe des Bildes erkennt man die salzigen Lagunen, welche das Tote Meer an den flachen Stellen seines westlichen Uferrandes bildet. Im Hintergrund bemerkt man eine Schlucht und rechts von ihr einen steil abfallenden Tafelberg. Dieser trägt die berühmte Burg, welche von den Juden, wie der Schriftsteller Flavius Josephus erzählt, nach der Zerstörung Jerusalems hartnäckig gegen die Römer verteidigt wurde. Der römische Feldherr Flavius Silva mußte infolgedessen die Festung rings mit einem Wall umgeben und einen 100 Meter hohen Damm anschütten, dessen Reste heute noch deutlich sichtbar sind. Auf diesem gelang es den Römern, mit Belagernngsmaschincu an die Burg heranzukommen und in sie einzudringen. Bevor die Römer aber in den Besitz der Festung gelangten, töteten sich die Juden gegenseitig mit Weib und Kind. Heute ist die Gegend vollkommen verlassen. Die Burg wird nur noch von Touristen besucht, denen sich von der Höhe ein prachtvoller Blick auf das in vielen Farben schimmernde Tote Meer und auf die wild zerrissene Berglandschaft bietet.

Text und Bild aus dem Buch: Alte Denkmäler aus Syrien, Palästina und Westarabien, Author: Cemal Paa.

Alte Denkmäler aus Syrien und Palästina und Westarabien