Die vorliegenden Tafeln bezwecken die Momentaufnahmen des Pferdes den Künstlern in ausgedehnterem Masse. als dies gewöhnlich möglich ist, dadurch ausnutzbar zu machen, dass sie die bei verschiedenen Stellungen und Bewegungen des Pferdes sich plastisch markierenden Regionen in: die einzelnen modellierenden Faktoren zerlegen und zeigen, welcher Anteil hiebei den knöchernen und knorpeligen Skeletteilen, den Muskeln, Sehnen und Bändern zukommt, während zugleich die gegenseitige Beweglichkeit der Organe berücksichtigt wird. Ausser den Tafelerklärungen ist ein kurzer alles für diesen Zweck Wissenswerte enthaltender Text beigefügt. Im Interesse leichteren Verständnisses sind, so weit möglich, die Muskelnamen konform mit den den meisten Akademikern geläufigen für den Menschen gebräuchlichen Bezeichnungen verwendet worden, im übrigen haben wir uns der gewöhnlichen in der Veterinäranatomie üblichen Terminologie bedient.

Die Bedürfnisse des Künstlers vermag der Künstler besser zu beurteilen als der Anatom. Die beigegebenen Abbildungen sind daher von Herrn Maler Ebner in freier Wahl nach Studien zusammengestellt, die von ihm nach in der hiesigen Tierarzneischule angefertigten Präparaten entworfen wurden. Zur Erreichung möglichster Einfachheit in der Darstellung und leichteren Verständnisses wurde in Tafeln und Text alles Nebensächliche, sich äusserheh nicht Modellierende den für die Plastik in betracht kommenden Massen untergeordnet. In Präparation und Zeichnung haben wir möglichste Naturtreue erstrebt, schmeicheln uns aber keineswegs, dieselbe nach jeder Richtung nie erreicht zu haben, denn unser Objekt bietet Schwierigkeiten, welche die plastische Anatomie des Menschen kaum kennt, und die hauptsächlich in der Beherrschung der gewaltigen Muskelmassen und deren Schlaffwerden, sowie in der eine richtige Lagerung behindernden Schwere des Kadavers und der ( nmöglichkeit, länger dauernde Posen des lebenden Tieres zur Kontrole zu benützen, bestehen.

Gleichwohl hoffen wir die Schwierigkeiten des Verständnisses des Exterieurs des Pferdes und der Muskelwirkungen zu Verringern und auch das Studium nach dem lebenden Pferde zu erleichtern, indem wir zur Einführung in die plastischen Details den Weg gewählt haben, die äusserlich auffallenden Massen und Regionen an der Hand der Präparation auf die sie zusammensetzenden Teile zurückzuführen und bestrebt waren, vom Bekannten zu weniger Bekanntem fortschreitend auch für anatomisch nicht geschulte Leser in leicht fasslicher Weise verständlich zu werden.

MÜNCHEN, i. Januar 1888, geschrieben von Dr. R. Bonnet.

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