Geboren zu Paris 1683, Gestorben Ebenda 1757.
Französische Schule

Während in den freien Niederlanden auf frischem Boden eine neue Volkskunst aufwuchs in der Sonne wachsenden Reichtums, raste im deutschen Reich der dreissigjährige Krieg. Streiten und Toben um ein Dogma! Und aller Wohlstand ward vernichtet für Jahrhunderte. Was soll Kunst in Landen, wo nur Not und Elend herrschen, wo bald die Volksseele zu stark wird und zertrümmert, was den Fürsten zu eigen ist, bald die Herrscher zur Rache die Volksseele bändigen in Zwist und Streit. Das XVII. und XVIII. Jahrhundert kennen keine deutsche Kunst. Als im Norden ein neues Königreich, das Fundament zu einem neuen Deutschland, geschaffen wurde und der König von Preussen nach einem Hofmaler verlangte, musste er in Frankreich anfragen. Nach französischem Muster, das ja auch in Sachsen eingeführt war, sollte eine höfische Kunst geschaffen werden. Was man verlangte, waren Porträts der Fürsten und Dekoration von Prunksälen, nicht zum eignen Selbstzweck sollte die Kunst schaffen. Dass da keine hohe, edle Kunst erstehen konnte, ist begreiflich. Friedrich I. hatte zur Pflege der Wissenschaften sein möglichstes getan, Universitäten gegründet und Akademien. Zum Direktor der Berliner Akademie ernannte er 1711 den Franzosen Antoine Pesne, der weiterhin mit wenigen Unterbrechungen in Berlin verblieb. Reichlich hat er die königlichen Schlösser mit Fresken geschmückt, die im echten französischen Barockstil nicht Anspruch auf besondere Beachtung machen dürfen. Besser sind seine Porträts, deren es in Berlin und Dresden genug gibt. Sie tragen alle noch einen barocken Charakter in der etwas schweren, vollen Plastik, die sich aus sorgsamer Durcharbeitung und tiefer Tonfarbe ergibt. Gerade unser Bild, das den alten Meister selbst mit seinen beiden Töchtern darstellt, hat noch manches von der strengeren Solidität einer älteren Zeit. Bewegte man sich doch damals schon lebhaft in flatterhaften Sprühlichtem des Rokoko. Das Genrehafte hat Pesne einer gewissen Würde und Grösse zuliebe zurückgehalten. Die Figuren haben Haltung und Festigkeit in der Stellung, die ja im Rokoko bald zerflittert. Genau ist das Detail behandelt, und die stoffliche Wirkung der Gegenstände ist auch nicht einem leichten Gesamteffekt zuliebe aufgegeben. Die Zeichnung ist gut und bestimmt. Besonders der Kopf des Künstlers ist ganz vorzüglich herausgearbeitet. Die Komposition ist etwas schwerfällig. Die Figuren sind eng in ein Dreieck zusammengebracht, wobei eine Raumwirkung nicht zustande kommt, da offenbar der Hintergrund zu leer gelassen ist. Das Kolorit steht noch in den bleichen Puder- und Schminketönen der höfischen Kunst, wenn auch die Damen schon ihre Perücken abgelegt haben. Die grosse Delikatesse solcher Gesamtstimmung matter, bläulicher Fleischtöne, die in den Schleiern weiter überspielen bald zu einem Weiss oder Schwarz der Kleider oder einem tiefen Orangerot im Kostüm des Künstlers, gibt dem Ganzen eine besondere Stimmung.

Antoine Pesne