Geboren ca. 1444 wahrscheinlich zu Messina Gestorben 1493 zu Venedig.

icht wenige Meister, welche dieser  zweiten Manier folgten, haben der Kunst der Malerei so mannigfaltigen Vorteil gebracht, daß man sie um ihrer Arbeiten willen nicht anders, als wahrhaft sinn reich und trefflich nennen kann. Ohne Mühe und Kosten zu scheuen und ohne auf ihren eignen Vorteil zu achten, suchten sie unermüdet die Malerei zu besserem Ziele zu führen. In dieser ganzen Zeit hatte man fortwährend auf Holztafeln und Leinwand nicht anders, als in Tempera gemalt, ein Verfahren, in welchem um das Jahr 1250 Cimabue den Anfang machte, als er in Gemeinschaft mit einigen Griechen arbeitete, und welches von Giotto, wie von allen beibehalten wurde, deren bis jetzt Erwähnung geschehen ist; man beharrte bei dieser Methode, obwohl die Künstler erkannten, daß den Temperamalereien eine gewisse Weichheit und Frische fehle, welche geeignet wäre, den Zeichnungen mehr Anmut, dem Kolorit mehr Reiz zu verleihen, wobei sie auch die Leichtigkeit vermißten, die Farben ineinander zu vertreiben, indem man bis dahin gewöhnlich mit der Spitze des Pinsels schattiert hatte. Viele forschten eifrig nach solch einer Sache, keiner indes hatte eine Methode gefunden, die gut war, wenn sie auch flüssigen Firnis, oder andere Arten von Farben unter die Tempera mischten. Unter vielen, welche diese und ähnliche Dinge umsonst versuchten, waren Alesso Baldovinetti, Pesello und viele andere, deren Werke alle nicht die gehoffte Schönheit und Vollkommenheit erlangten; ja, hätten sie auch gefunden, was sie suchten, so war ihnen doch die Kunst nicht eigen, die Malerei auf Tafeln so haltbar zu machen, wie auf der Mauer, und sie in der Weise aufzutragen, daß man sie waschen könnte, ohne daß die Farben sich vermischten und daß sie jeder Erschütterung zu widerstehen vermochten. Um dieser Dinge willen pflegte eine große Anzahl von Künstlern sich oft zu versammeln, sich zu beraten und zu streiten, ohne daß es Nutzen schaffte. Das selbe Bedürfnis empfanden viele ausgezeichnete Geister, welche sich außerhalb Italiens, in Frankreich, Spanien, Deutschland und anderen Ländern mit der Kunst der Malerei beschäftigten. Auf diesem Punkte standen die Dinge, als ein Maler in Flandern, Johann von Brügge, der sich durch seine Geschicklichkeit in der Kunst einen großen Ruf in jenen Landen erworben hatte, den Versuch machte, verschiedene Arten von Farben in der Malerei anzu wenden; er fand Vergnügen an der Alchimie und mischte bei Bereitung seiner Firnisse und ähnlicher Dinge viele Öle untereinander, wie sinnreiche Menschen auf allerlei Gedanken geraten. Unter anderem hatte er bei einem Bilde große Mühe aufgewandt und es mit Fleiß zu Ende geführt, zog den Firnis darüber und stellte es, wie Brauch war, zum Trocknen in die Sonne; weil jedoch die Hitze zu groß, oder das Holz schlecht gefugt oder nicht lange genug aufbewahrt worden war, sprang jene Tafel an den Stellen, wo man sie aneinandergepaßt hatte. Johann, welcher den Schaden sah, beschloß, so zu Werke zu gehen, daß ihn bei seinen Arbeiten nie wieder ein solches Mißgeschick treffen könne, und da ihm der Firnis nicht minder zum Überdruß geworden war, als das Malen in Tempera, sann er, einen Firnis zu entdecken, der im Schatten trocknen könne und ihn der Notwendigkeit überhebe, seine Bilder der Sonne auszusetzen. Er versuchte vielerlei Dinge, einzeln und mit anderen gemischt, und erkannte endlich, daß Lein- und Nußöl von allen, die er probierte, am leichtesten trockneten; diese kochte er mit anderen Mischungen und fand so den Firnis, welchen er und alle Maler der Welt lange gewünscht hatten. Er stellte noch andere Versuche an und sah, daß wenn er die Farben mit dieser Art von ölen anrieb, eine sehr haltbare Mischung entstand, die getrocknet, nicht nur vom Wasser keinen Schaden mehr litt, sondern auch den Farben solches Feuer verlieh, daß sie für sich, ohne Firnis, schon Glanz hatten; am allerwunderbarsten aber schien ihm, daß alles sich viel leichter verbinden ließ, als bei der Tempera. Johann, der sich, wie leicht zu denken ist, sehr über diese Erfindung freute, lieferte nun eine Menge von Arbeiten und diese verstreuten sich zu größtem Vergnügen der Menschen und sehr zu seinem Vorteil in jenem ganzen Lande. Von Tag zu Tag gewann er mehr Erfahrung, vollführte immer größere und bessere Dinge, und bald erscholl überall der Ruf von seiner Erfindung; wodurch nicht nur in Flandern, sondern auch in Italien und in vielen anderen Gegenden der Welt in den Künstlern ein großes Verlangen erwachte, zu wissen, wodurch er seinen Arbeiten eine solche Vollkommenheit zu geben vermöge. Sie sahen seine Werke, ohne zu erkennen, wie er dabei verfahre, fühlten sich aber gezwungen, ihn durch unsterbliches Lob zu feiern und zugleich ihn im edlen Sinne zu beneiden, um so mehr, als er einige Zeit niemand bei der Arbeit Zusehen lassen und niemandem sein Geheimnis mitteilen wollte. Da geschah, daß einige florentinische Kaufleute, die in Flandern und Neapel Handel trieben, dem König Alfons ein Ölgemälde schickten, worin Johann eine Menge Figuren dargestellt hatte; es wurde wegen der Schönheit der Gestalten sowohl als wegen der neuen Behandlung der Farben von dem Könige sehr wert gehalten und lockte alle Künstler jenes Reiches herbei, die es durch Lob feierten.

Zu jener Zeit war Antonello aus Messina nach dieser seiner Vaterstadt zurückgekehrt, ein Mann von hellem und richtigem Verstand und erfahren in seinem Beruf. Er hatte sich viele Jahre zu Rom im Zeichnen geübt und sich dann vorerst nach Palermo zurückgezogen, woselbst er eine Menge Arbeiten vollführte und dort, wie überall in seiner Vaterstadt, den Ruf eines geschickten Malers, den er sich erworben hatte, bestätigte. Antonello begab sich, verschiedene Geschäfte zu besorgen, einstmals von Sizilien nach Neapel, und hörte daselbst, König Alfons habe aus Flandern das oben genannte Bild erhalten, welches Johann von Brügge in Öl in solcher Art gemalt habe, daß man es waschen könne, daß es jede Erschütterung vertrage und in allem vollkommen sei. Antonello suchte es zu sehen, und die Lebendigkeit der Farben wie die Schönheit und Einheit der Malerei übten eine solche Macht über ihn aus, daß er alle anderen Gedanken und Pläne hintenan setzte und sich nach Flandern begab. In Brügge angelangt, erwarb er sich die vertraute Freundschaft Johanns, indem er ihm eine Menge Zeichnungen, die nach italienischer Manier gemacht waren, samt vielen anderen Dingen schenkte. Johann, der zudem schon alt war, faßte wegen dieser Gaben sowohl als wegen der Verehrung, die Antonello ihm zollte, den Entschluß, ihn sehen zu lassen, nach welcher Weise er in Öl male; jener aber schied nicht eher von Brügge, als bis er die langersehnte Methode völlig erlernt hatte. Bald nachher starb Johann, und Antonello verließ Flam dem, um sein Vaterland wiederzusehen und Italien des schönen und nützlichen, die Malerei erleichternden Geheimnisses teilhaftig zu machen. Er verweilte nur wenige Monate in Messina und ging dann nach Venedig, woselbst er als Mann, der in hohem Maße dem Vergnügen, und besonders den Freuden der Liebe ergeben war, für sein ganzes übriges Leben zu bleiben beschloß, da er dort eine Lebensweise ganz nach seiner Neigung gefunden hatte. Er fing an daselbst zu arbeiten, und führte viele Ölbilder aus, wie er es in Flandern gelernt hatte. Diese sind in den Häusern der Edelleute verstreut und wurden der Neuheit wegen sehr geschätzt; viele andere schickte er nach verschiedenen Orten, und als er endlich großen Ruf und Namen erlangt hatte, bekam er Auftrag für S. Cassano, eine Parochie jener Stadt, ein Bild zu malen. Er vollführte es nach besten Kräften, ohne Zeit zu schonen, und es wurde sowohl um der Neuheit der Malerei, als um der Schönheit der Figuren willen, die nach guter Zeichnung dargestellt sind, sehr gerühmt und wert gehalten. Als man zudem erfuhr, welch’ Geheimnis er von Flandern nach Venedig gebracht hatte, erzeigten ihm die Edelleute jener Stadt bis zum Ende seines Lebens immerdar viele Liebe und Freundlichkeit.

Unter den Meistern, welche damals in Venedig berühmt waren, galt Meister Domenico für sehr vorzüglich; dieser erwies Antonello, als er nach jener Stadt kam, die allergrößten Höflichkeiten und Liebkosungen, wie man nur einem werten und geliebten Freunde tun kann. Antonello, der nicht in freundlichen Sitten von Domenico übertroffen werden wollte, lehrte ihn nach wenigen Monaten das Geheimnis und die Methode, in Öl zu malen; eine seltene Güte und Freundlichkeit, die jenem mehr galt, als irgend sonst ihm etwas hätte wert sein können, und sicherlich mit Recht, denn, wie er erwartet hatte, wurde er deshalb immerdar in seinem Vaterlande geehrt. In Wahrheit steht in gröblichem Irrtum, wer da glaubt, ob er auch mit Dingen, die ihm nichts kosten, zurückhaltend und geizig sei,- müsse doch jedermann, wie man sagt, um seiner schönen Augen willen ihm dienstbar sein. Die Höflichkeit des Venezianers Dominico entlockte dem Antonello das Geheimnis, welches er mit vieler Mühe und Anstrengung erlangt hatte, und vielleicht für große Summen Geldes keinem anderen kund gegeben hätte. — Antonello ward aber krank und starb in seinem neunundvierzigsten Lebensjahre an einem Brustleiden. Die Meister seines Berufes, dankbar für das Geschenk, welches er der Kunst durch Überbringung der neuen Methode verliehen hatte, ehrten ihn durch ein feierliches Begräbnis, wie die Grabschrift beweist, welche ihm gesetzt wurde.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto
Buonamico Buffalmacco
Jacopo della Quercia
Luca della Robbia
Lorenzo Ghiberti
Masaccio
Filippo Brunelleschi
Donatello
Frate Giovanni da Fiesoie (Fra Angelico)

Antonello da Messina

Wir wissen, daß Dürer sich in Venedig die Gunst des Altmeisters Giovanni Bellini gewann; dieser war ja nicht bloß Großmaler, sondern auch namentlich in seiner früheren Zeit ein feiner Miniaturist gleich dem nordischen Gast, der hier sichtlich in seinen Spuren gegangen ist. Noch deutlicher wird uns dieser Zusammenhang, wenn wir uns an einzelne kleine Bilder des in Venedig hoch gefeierten Antonello da Messina erinnern, der jetzt nicht mehr am Leben war. Ob aber gerade der junge Tizian zu Dürers Bewunderern gehörte, will uns nach dem zu seinem „Zinsgroschen“ Bemerkten zweifelhaft scheinen.

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Siehe auch: HYACINTHE RIGAUD, ALBRECHT DÜRER, TIZIAN, RAFFAEL, FERDINAND BOL, ADRIAEN VAN DER WERFF, SALOMON KÖNINCK, JAN VAN DER MEER VAN DELFT, CARLO DOLCI, KASPAR NETSCHER, GERARD DOU, REMBRANDT VAN RIJN, JAN DAVIDSZ DE HEEM, GABRIEL METSU, REMBRANDT VAN RIJN, ADRIAEN VAN OSTADE, DER MEISTER DES TODES DER MARIA, JUSEPE DE RIBERA, GUIDO RENI, LORENZO LOTTO, FRANCISCO DE ZURBAR AN, RAPHAEL MENGS, REMBRANDT VAN RIJN, BARTOLOME ESTEBAN MURILLO, HANS HOLBEIN DER JÜNGERE, JEAN ETIENNE LIOTARD, ANTON GRAFF, ANGELICA KAUFFMANN, ANTONIO ALLEGRI DA CORREGGIO, JAN VAN EYCK, ANTONIUS VAN DYCK, JACOB VAN RUISDAEL, CLAUDE LORRAIN, ANTOINE WATTEAU, PAOLO VERONESE, MEINDERT HOBBEMA, PETER PAUL RUBENS, CIMA DA CONEGLIANO, JAN WEENIX, PALMA VECCHIO, JAN WILDENS, MICHELANGELO CARAVAGGIO, POMPEO BAtONI, FRANCESCO FRANCIA, JAN VAN DER MEER VAN HAARLEM, DAVID TENIERS DER ÄLTERE, WILLEM KLAASZ HEDA, ADRIAEN BROUWER, JAN FY , HRISTIAN LEBERECHT VOGEL.

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