Kategorie: Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte

Wieder einmal liegen sich die Politiker in den Haaren und streiten sich um ungelegte Eier. „Das deutsch-russische Abkommen“ ist ihnen zu Kopf gestiegen. Noch ist über das Abkommen von keiner Seite eine autoritative Aeußerung gefallen — auch die gestrige Rede Pichons hat keine Aufklärung gebracht — und schon beeilen sich englische Zeitungen, „Kompensationen“ zu fordern; in Frankreich sieht man die Tripelentente bedroht und in Rußland versucht man, das Abkommen in das Fabelland zu verweisen. Warum die Unruhe und Aufregung? Weil die deutsche Regierung sich dazu entschlossen hat, Rußland einen deutlichen Beweis ihrer offenen und ehrlichen Politik zu geben und gleichzeitig einzelne Unklarheiten in der politischen Konstellation im näheren Orient zu beseitigen, ohne dabei andere Interessenten irgendwie zu schädigen. Aber die guten und redlichen Absichten der deutschen Politik zu entstellen, gehört ja zum täglichen Brot gewisser Politiker in London und Paris, die sofort die Alarmtrommel rühren, sobald Deutschland auch nur im geringsten etwas tut, was man einem andern Staate gar nicht weiter verübeln würde.

Wenn auch der von der „Evening Times“ veröffentlichte Wortlaut des noch gar nicht abgeschlossenen deutschrussischen Abkommens allgemein als bare Erfindung erkannt worden ist, so müssen in dieser Publikation doch gewisse Stücke enthalten sein, die den Gedankengängen entnommen sind, in denen sich die Unterhandlungen zwischen der deutschen und der russischen Regierung bewegen; sonst würde man nicht aus St. Petersburg melden, daß die dortigen Regierungskreise wegen der durch die Eröffnungen der „Evening Times“ bewiesenen „Indiskretionen“ eine gewisse Unruhe erfaßt habe. Ganz unbeachtet kann man also die Mitteilungen der „Evening Times“ nicht lassen, nur darf man in ihnen nicht mehr erblicken, als ein noch völlig uüklares Schattenbild der in Aussicht genommenen Vereinbarungen. Läßt man das drum und dran von „Erklärungen“ bei Seite, so tritt als Kernpunkt der ganzen Aktion das Bestreben Deutschlands hervor, der Bagdadbahn von Bagdad, dem wirtschaftlichen und politischen Mittelpunkte Mesopotamiens aus einen Zugang nach West-Persien zu sichern. Deutschland ist an der Bagdadbahn – Gesellschaft heute mit gut 50 Prozent beteiligt; „international“ ist die Gesellschaft wegen der Beteiligung französischen und andern fremden Kapitals heute schon. Nur hat die deutsche Kapitalgruppe die Leitung in Händen und ist bestrebt, alle Hindernisse zu beseitigen, die für die spätere Entwicklung des für das fremde Kapital, wie für die Türkei und gleicherweise auch den internationalen Handel gleich wichtigen großen Werkes nachteilig sein könnten.

Die Entwicklung des Handels mit West-Persien, die dem Warenzuge vom Persischen Golf und vom Norden her den Weg über Bagdad weist, läßt es als eine zwingende Notwendigkeit erscheinen, von Bagdad aus eine Bahnlinie zu schaffen, die auf persischem Gebiete ihre Fortsetzung in einer bis Teheran reichenden Bahn finden muß. Nun hat die russische Regierung bisher einer solchen Bahnverbindung zwischen Bagdad und Teheran aus politischen und strategischen Gründen ein Mißtrauen entgegengebracht, das sachlich zwar nicht begründet ist, aber trotz aller Bemühungen noch nicht beseitigt werden konnte. Um nun Rußland zu zeigen, daß sein Mißtrauen gegen die von Bagdad nach der persischen Grenze bei Chanikin abzweigende Linie unbegründet ist, will man jetzt allem Anscheine nach von deutscher Seite, wohlgemerkt auch im Interesse der an der Bagdadbahn beteiligten fremden Kapitalgruppen, Rußland das Zugeständnis machen, daß die nach Persien hineinreichende Zweiglinie der Bagdadbahn nur bis zur persischen Grenze von der Bagdadbahn-Gesellschaft ausgebaut wird, daß aber die Ausführung der Bahn auf persischem Gebiete Rußland überlassen werden soll.

Wenn diese Kalkulation richtig ist — und sie wird voraussichtlich durch die bevorstehenden authentischen Veröffentlichungen bestätigt werden —, dann liegt für die englische und französische Diplomatie gar kein Grund vor, das deutsch-russische Abkommen anzugreifen, denn seine Durchführung würde in Mesopotamien und Persien weder fran zösische noch englische Interessen schädigen, da die Bahn-Bagdad-Teheran dem internationalen Handelsverkehr, also auch dem französischen und englischen Handel, Nutzen bringen würde.

Falls daneben Rußland die Erklärung abgibt, daß es dem Weiterbau der Bagdadbahn keine Hindernisse in den Weg legen und den deutschen Handel in Persien nach dem Prinzip der Gleichberechtigung behandeln will, während Deutschland feierlich versichert, daß es in Persien keine politischen Ziele verfolgt, so wären das unter den jetzigen Verhältnissen Selbstverständlichkeiten, die doch keinen Menschen weiter in Aufregung versetzen sollten.

Ein im Abkommen etwa ausgesprochener Verzicht Deutschlands auf größere wirtschaftliche Unternehmungen in Nord-Persien zugunsten Rußlands würde nur allein deutsche Interessen berühren, also gleichfalls als Schreckgespenst nicht wirken können. Bliebe als Residuum von allgemein politischer Tragweite die Tatsache übrig, daß Rußland und Deutschland im Wege gütlichen Uebereinkommens sich über eine ganz konkrete Frage, den Ausbau der Zweiglinie Bagdad—Teheran, geeinigt, vorhandene Mißverständnisse beseitigt und bei dieser Gelegenheit sich auch über gewisse Richtlinien für ihr Verhalten auf persischem Gebiete ausgesprochen haben. Alles Dinge, die nicht dazu angetan sind, in den politischen Kreisen Europas Unruhe hervorzurufen oder gar den Wunsch nach „Kompensationen“ berechtigt erscheinen zu lassen.

Trotz aller Schwankungen in den äußeren Vorgängen unserer politischen und wirtschaftlichen Betätigung in Mesopotanien und Persien habe ich in den Veröffentlichungen der „Deutschen Orient-Korrespondenz“ stets daran festgehalten, daß unsere deutsche Politik in jenen Ländern am besten beraten ist, wenn sie unablässig im Auge behält, daß die klaren Folgen geschichtlicher Vorgänge uns auch dort als Richtschnur für unser Handeln dienen sollen. Geschichtliche, durch die geographische Lage bedingte Vorgänge haben bekanntlich dazu geführt, daß Rußland in Nord-Persien auf handeis- und verkehrspolitischem Gebiete eine ausschlaggebende Stellung für sich errang, — daß England wiederum vom Persischen Golfe aus seine Einflußsphäre in Süd-Persien befestigte und nach dem räumlich benachbarten Mesopotamien ausdehnte. Bei ruhiger Abschätzung aller von Rußland und England in der Vergangenheit schon geleisteteten Arbeit und für die Zukunft angesammelter Aktionskraft in jenen vom Zweistromlande bis zum Kaspischen Meere und den Grenzen Beludschistans reichenden Gebieten, konnte die deutsche Diplomatie nach meinem Dafürhalten keinen anderen Weg wählen, als den, dem sie jetzt zu folgen sich entschlossen hat. Unbeirrt durch die von deutschen Unternehmern mit anerkennenswerter Kühnheit gefaßten Pläne, hat sie sich bereit finden lassen, in Nord-Persien sowohl wie in Süd-Mesopotamien den Ansprüchen einerseits Rußlands, andererseits Englands Rechnung zu tragen. Zweifellos wird das kluge Verhalten der deutschen Diplomatie, deren Gedankengängen ich in meinen oben wiedergegebenen Ausführungen nachzuspüren mich bemüht habe, reiche Früchte tragen und zur Befriedung der politischen Lage mehr beitragen, als manche phantastische Auslassungen englischer Minister über Abrüstungspläne und Schiedsgerichts vertrüge.

Text aus dem Buch: Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte, Verfasser: Wiedemann, Max.

Siehe auch:
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Vorwort
Die Türkei, Deutschland und die Westmächte.
Deutschlands Verhältnis zur Türkei
Der Verkauf deutscher Kriegsschiffe an die Türkei
Die Sorgen der türkischen Marine um ausreichende Transportschiffe
Frankreich — noch immer die „christliche Vormacht“ im Orient
Frankreich als Lehrmeister der neuen Türkei
Eine türkische Studienreise nach Frankreich
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Überraschungen
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Nervosität
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Übertreibungen
Der Streit um die Bagdadbahn
Deutschland und die Bagdadbahn
Die Bahn von Bagdad nach Damaskus
Der Anteil Deutschlands am Handelsverkehr in Bassra und Bagdad
Einiges über Kapitalanlagen in türkischen Eisenbahnbauten und über die Bagdadbahn
England deckt im Streit um die Bagdadbahn seine Karten auf
Kuweit als Endpunkt der Bagdadbahn aufgegeben?
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Eine Enttäuschung
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Politische Phantasien
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Persien
Die Entwicklung des deutschen Handels mit Persien
Rußlands Handel mit Persien
Vom persischen Markt
Der Anteil der einzelnen Staaten am persischen Handel.
Die Zukunft des Eisenbahnbaues in Persien.
Deutschland und Persien
Eisenbahnbauten in Persien
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Persien II
Der Streit um Persien

Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte

Seit Veröffentlichung der offiziösen russischen Kundgebung in der „Rossija“ ist in der deutschen Tagespresse das Thema „Persien“ des öftern behandelt worden; leider vermißt man aber in den Auslassungen der Blätter das Maß politischer Einsicht, ohne das die einschlägigen Fragen nicht richtig beurteilt werden können. Es ist zu viel die Rede von deutscher Macht, von deutschem Selbstbewußtsein usw.; dagegen ist die Frage vielfach unberücksichtigt gelassen, wie wir denn wohl unsere Macht in Persien zur Geltung bringen sollen und welche Ereignisse der Vergangenheit schließlich zu der jetzigen Lage der in Persien ausschlaggebenden auswärtigen Machtfaktoren geführt haben.

Es ist nicht erst seit gestern bekannt, daß England und Rußland ein Abkommen bezüglich der Begrenzung ihrer Interessensphären in Persien abgeschlossen haben, das heute noch gilt. In diesem Abkommen sind wohl Zusicherungen enthalten, daß alle andern Staaten ein Recht auf freie wirtschaftliche Betätigung in Persien haben sollen; das Abkommen enthält aber so viele einschränkende Bestimmungen, daß deutlich zu erkennen ist, unter welcher Bedingung England und Rußland diese freie Betätigung anderer Staaten zugestanden wissen wollten. Durch das Abkommen zieht sich wie ein roter Faden der deutlich ausgesprochene Wunsch, die Kontrolle über alle wirtschaftlichen Vorgänge von irgendwelcher Bedeutung in der Hand zu behalten, weil nach Ansich der vertragschließenden zwei Mächte wirtschaftliche Unternehmungen von größerer Wichtigkeit, wie Anleihen und Bahnbauten, für die Persien benachbarten Staaten leicht eine politische Bedeutung erhalten können.

Erschien ein solches Abkommen den anderen Staaten zu drückend oder im Widerspruch mit den sonst geltenden völkerrechtlichen Gebräuchen, so war damals bei Abschluß des Abkommens der Zeitpunkt gegeben, um Bedenken gegen die von England und Rußland getroffenen Vereinbarungen geltend zu machen. Wurde ein derartiges Eingreifen damals — auch von deutscher Seite — nicht beliebt, dann konnten die am Abkommen beteiligten zwei Staaten mit Recht annehmen, daß ein Widerspruch gegen das Abkommen und gegen etwaige weitere Schritte, die sich als Konsequenz aus den Bestimmungen des Abkommens ergeben, auch in Zukunft nicht geltend gemacht werden würde. Qui tacet, consentire videtur. Von deutscher Seite ist bisher kein Einspruch gegen die durch das englisch-russische Abkommen vom Jahre 1907 geschaffene Lage in Persien erhoben worden; stillschweigend wurde damit anerkannt, daß Rußland und England ein Anrecht auf gewisse Vorzugsrechte in Persien besitzen, die in dem besonderen Verhältnisse dieser Staaten zu Persien begründet sind. Im Widerspruch zu diesem bisherigen Verhalten würde es nun stehen, wollte die deutsche Diplomatie jetzt Unternehmungen deutscher Kapitalisten in Persien unterstützen, deren Durchführung England und Rußland Unbehagen bereiten würde. Zu einem derartigen Schritt wird sich die deutsche Regierung nicht verleiten lassen. Da nun aber Unternehmungen großen Stils in Persien von fremden Kapitalisten nicht ohne Beihilfe der Diplomatie ins Werk gesetzt werden können, so sollte man in den beteiligten Kreisen bei uns darauf Bedacht nehmen, im Wege friedlichen Meinungsaustausches sich den Anteil an den Kulturarbeiten in Persien zu sichern.

Marokko sollte uns hierbei als lehrreiches Beispiel dienen. Dort haben wir zeitweilig die nun einmal vorhandenen realen Machtverhältnisse außer acht gelassen, sind nach Algeziras gewandert, ohne die Lage wesentlich zu bessern und sind erst nachträglich auf den richtigen Weg gekommen, indem wir mit Hilfe des Kompromisses Vorteile errungen haben, die noch immer wertvoll genug sind, um uns ein großes Arbeitsfeld in Marokko darzubieten. In gleicher Weise sollten wir auch in Persien jetzt Vorgehen und Fehler vermeiden, die uns im Marokkohandel schweren Schaden zugefügt haben.

Monate sind seit dem Erscheinen der zuletzt hier wiedergegebenen Artikel vergangen. Diese Zeit hat uns als wichtigstes Ereignis auf dem Gebiete der Orientpolitik die Potsdamer Entrevue gebracht, deren politisches Ergebnis ich darin erblicken möchte, daß es der deutschen Diplomatie gelungen ist, das Mißtrauen Rußlands gegenüber den wirtschaftlichen Plänen Deutschlands im nahen Orient zu beseitigen. Dieses Ergebnis ist so überaus wichtig, daß es nicht als ein Schaden bezeichnet werden kann, wenn von deutscher Seite, um zum Ziele zu gelangen, Opfer gebracht worden sind. Ein Opfer war es, daß während des Potsdamer Meinungsaustausches, wie ich im Vorworte schon erwähnt habe, die deutsche Regierung sich bereit erklärte, die Unterstützung irgendwelcher größerer Unternehmungen deutscher Kapitalisten in Nord-Persien fallen zu lassen. Ein Opfer war es ferner, daß das Abkommen getroffen wurde, den Ausbau der auf persischem Gebiete geplanten Verbindungsbahn Chanikin-Teheran russischen Unternehmern zu überlassen. Nach beiden Richtungen hin hatte Rußland irgendwelche Rechtsansprüche nicht geltend zu machen; trotzdem verzichtete man auf deutscher Seite auf weitere Unternehmungen, nur um zu beweisen, daß Deutschland in Persien, ebenso wie in Mesopotamien lediglich wirtschaftliche Ziele verfolgt und von der Ausführung oder Kontrolle wirtschaftlicher Unternehmungen zurückzutreten bereit ist, falls Erwägungen politischer Art dies wünschenswert erscheinen lassen.

Um die Potsdamer Entrevue und das „deutsch-russische Abkommen“ hat sich schon ein üppiger Legendenkranz gebildet, zu dem englische, französische, wie auch russische Publizisten besonders reichlich beigetragen haben. Die einen behaupteten, daß Rußland und Deutschland unter Verletzung französischer und englischer Interessen eigenmächtig über Fragen entschieden hätten, die nur auf internationalem Wege geregelt werden könnten; andere fabelten von einem „Geheimvertrag“ und hatten auf diese Weise freie Hand, die gruseligsten Geschichten zu erzählen. Die Veröffentlichung des „Abkommens“ in der „Evening Times“ gab Anlaß zu den tollsten Kommentaren. In der „Deutschen Orient-Korrespondenz“ habe ich den Versuch gemacht, die Haltlosigkeit all dieses Geredes nachzuweisen.

D. O. K. 1911, 13. Januar.

Text aus dem Buch: Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte, Verfasser: Wiedemann, Max.

Siehe auch:
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Vorwort
Die Türkei, Deutschland und die Westmächte.
Deutschlands Verhältnis zur Türkei
Der Verkauf deutscher Kriegsschiffe an die Türkei
Die Sorgen der türkischen Marine um ausreichende Transportschiffe
Frankreich — noch immer die „christliche Vormacht“ im Orient
Frankreich als Lehrmeister der neuen Türkei
Eine türkische Studienreise nach Frankreich
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Überraschungen
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Nervosität
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Übertreibungen
Der Streit um die Bagdadbahn
Deutschland und die Bagdadbahn
Die Bahn von Bagdad nach Damaskus
Der Anteil Deutschlands am Handelsverkehr in Bassra und Bagdad
Einiges über Kapitalanlagen in türkischen Eisenbahnbauten und über die Bagdadbahn
England deckt im Streit um die Bagdadbahn seine Karten auf
Kuweit als Endpunkt der Bagdadbahn aufgegeben?
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Eine Enttäuschung
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Politische Phantasien
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Persien
Die Entwicklung des deutschen Handels mit Persien
Rußlands Handel mit Persien
Vom persischen Markt
Der Anteil der einzelnen Staaten am persischen Handel.
Die Zukunft des Eisenbahnbaues in Persien.
Deutschland und Persien
Eisenbahnbauten in Persien
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Persien II

Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte

Wieder einmal hat ein Kesseltreiben gegen Deutschland begonnen — und zwar im Anschluß an Nachrichten über gewisse wirtschaftliche Pläne Deutschlands mit Bezug auf Persien. Der Angriff geht diesmal nicht von englischer, sondern von russischer Seite aus. Russische Zeitungen, an der Spitze die „Nowoje Wremja“, bezichtigen Deutschland politischer Aspirationen in Persien und behaupten, daß deutsche Finanzkreise sich mit großen Plänen bezüglich persischer Anleihe- und Bahnbauunternehmungen trügen. Allem Anscheine nach ist man in der Wilhelmstraße in Berlin über alle diese unberechtigten Vorwürfe erklärlicherweise ungehalten, denn man hat es für zweckmäßig erachtet, in der „Kölnischen Zeitung“ einen scharfen Artikel erscheinen zu lassen, der alle den deutschen Bank- und Finanzkreisen angedichteten Absichten mit Bezug auf persische Anleihe, Bahnkonzession usw. als falsch zurückweist und besonders deutlich hervorhebt, daß politische Aspirationen Deutschlands in Persien nicht bestehen und daß die deutsche Politik sich niemals von dem Boden des Vertragsrechts, wie es zum Teil in dem russisch-englischen Abkommen vom Jahre 1907 niedergelegt sei, entfernt hätte. — Wie eine Antwort auf diese offiziösen deutschen Auslassungen mutet der soeben in der „Rossija“ erschienene Artikel einen an, der, offenbar halbamtlichen Ursprunges, die Stellung Rußlands und Englands zur persischen Anleihefrage und zu andern „Fragen“ ähnlicher Art näher erläutert. Der Artikel sucht, kurz gesagt, nachzuweisen, daß Rußland und England ein Anrecht auf die politische Vorherrschaft in Persien besitzen und daß sich aus diesem „Recht“ für beide Staaten die Notwendigkeit ergibt, darauf zu achten, daß diejenigen Teile der persischen Staatseinnahmen, die zur Sicherung der von russischen und englischen Banken der persischen Regierung früher schon erteilten Darlehen dienen, von dritter Seite zu ähnlichen Zwecken nicht in Anspruch genommen werden. Rußland und England seien ferner aus strategischen Rücksichten genötigt, das Recht des Eisenbahnbaues in Persien für sich in Anspruch zu nehmen.

Zu allen diesen in den offiziösen Auslassungen enthaltenen Darlegungen hat schon vor Wochen (am 8. April) die „Deutsche Orient-Korrespondenz“ Stellung genommen. Damals handelte es sich um Angriffe russischer und englischer Zeitungen gegen wirtschaftliche Erkundungen, die auf Veranlassung der „Deutschen Bank“ in Persien vorgenommen wurden. Die „Deutsche Orient-Korrespondenz“ schrieb damals, daß Deutschland niemals in die Lage kommen werde, mit Hilfe von wirtschaftlichen Unternehmungen irgendwelcher Art in Persien auf politischem Gebiete etwas für sich zu erreichen, wohl aber müsse sich Deutschland in allen auf Persien sich beziehenden wirtschaftlichen Fragen die freie Entschließung Vorbehalten, werde jedoch dabei stets bereit sein, auf die bedeutenden politischen Interessen Englands und Rußlands in Persien jede nur irgendmögliche Rücksicht zu nehmen. — Bezüglich der Eisenbahnkonzessionen vertrat die „Deutsche Orient-Korrespondenz“ in ihren Ausführungen vom 15. April d. J. den Standpunkt, daß weder England noch Rußland nach Ablauf des bekannten Abkommens vom Jahre 1900 betreffend Zurückstellung aller persischen Bahnbauten ein vertraglich gesichertes Recht für sich beanspruchen könnten, über den Ausbau der persischen Bahnen weiter nach ihrem Belieben zu verfügen.

Jetzt hat also die russische Regierung in ihrem Namen sowie namens ihres englischen Teilhabers am persischen Geschäft gesprochen. Die Sprache der „Rossija“ läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Ganz unzweideutig wird die Behauptung aufgestellt, daß Rußland und England ein Anrecht auf die politische Vorherrschaft in Persien besäßen und auf Grund dieses Anrechts auch gewisse Rechte auf wirtschaftlichem Gebiete, u. a. das ausschließliche Recht des Ausbaues der persischen Bahnen für sich in Anspruch nehmen müßten. Die Geschichte Persiens während der letzten Jahrzehnte beweist nun deutlich, daß England und Rußland systematisch darauf ausgegangen sind, durch wirtschaftliche Unternehmungen, Bankgründungen und Anleihen Persien auch politisch in Abhängigkeit von sich zu bringen. Beide Staaten haben in das persische Geschäft schon Millionen hineingesteckt. In ihren Bestrebungen sind sie durch die geographische Lage ihrer asiatischen Besitzungen unterstützt und gerade durch diesen Besitzstand auch dazu gezwungen worden, ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluß in Persien auszudehnen. In welchem Umfange ihnen das gelungen ist, sehen wir heute. Trotz des „konstitutionellen“ Regiments, das in Persien nun seit Jahr und Tag besteht, ist die persische Regierung in ihrer auswärtigen Politik machtlos und im Innern, soweit es sich vor allem um die Finanzwirtschaft des Landes handelt, von den Nachbarn im Norden und Süden vollkommen abhängig. Tatsächlich besteht also eine politische Vorherrschaft Rußlands und Englands in Persien, der eine gewisse historische Berechtigung nicht abgesprochen werden kann. Nur begeht die „Rossija“ in ihren Ausführungen den Fehler, aus diesen politischen Verhältnissen gewisse wirtschaftliche Folgerungen abzuleiten, die geeignet sind, die auch von russischer Seite zugestandene Gleichberechtigung aller Nationen im Wettbewerb auf wirtschaftlichem Gebiete in Persien zu untergraben. Hierher gehört z. B. die Folgerung, daß beide Staaten kraft ihrer politischen Vorherrschaft auch das Recht besäßen, über den Ausbau der Eisenbahnen im ganzen persischen Reich eine Kontrolle auszuüben, weil die Bahnen von strategischer Bedeutung wären und daher zu denjenigen politischen Fragen gehörten, über deren Schicksal allein Rußland und England zu entscheiden hätten. Bei dieser Beweisführung fällt zunächst auf, daß sich die „Rossija“ vollständig darüber hinwegsetzt, daß Persien vorläufig wenigstens ein nach Völkerrecht unabhängiger, souveräner Staat ist, innerhalb dessen Grenzen fremde Staaten nur kraft besonderen Vertrages irgendwelches Verfügungsrecht über wirtschaftliche Werte oder Unternehmungen haben. Aber das Völkerrecht versagt bekanntlich in solchen Fällen, in denen der leidende Staat trotz der formell vorhandenen Unabhängigkeit einem mächtigeren Gegner gegenübersteht, der aus wichtigen politischen Gründen sich das Recht beilegt, an Entscheidungen über innere politische Fragen des betreffenden Landes teilzunehmen. Es bleibt zunächst Sache des betreffenden Staates, sich mit den hierdurch geschaffenen Verhältnissen abzufinden. Anders aber gestaltet sich die Lage, wenn die Rechte anderer Staaten dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. Das würde in Persien der Fall sein, wenn z. B. von England und Rußland allen anderen europäischen Staaten das Recht abgesprochen würde, in Persien irgendwelche Bahnbaukonzessionen zu erwerben. — Zugestanden, daß England und Rußland ein besonderes und in Anbetracht ihrer politischen Stellung zu Persien berechtigtes Interesse besitzen, eine Kontrolle über Bahnbauten in den persischen Grenzgebieten auszuüben, so ist damit doch nicht gesagt, daß sie nun ganz allgemein alle übrigen Staaten von der Beteiligung am Ausbau der persischen Bahnen auszuschließen berechtigt wären. Das würde über die Grenzen des Statthaften hinausgehen, weil dabei persische Gebietsteile in Frage kämen, die, wie z. B. im Westen von Persien, weder an englisches noch an russisches Gebiet grenzen, also strategisch für England und Rußland nicht direkt in Betracht kommen. Der von der „Rossija“ aufgestellte Satz von dem ausschließlichen Vorrecht Englands und Rußlands auf den Ausbau der persischen Bahnen dürfte daher in seinem vollen Umfange bei den übrigen an der Frage interessierten Staaten schwerlich Billigung finden.

Das gleiche gilt von den Ausführungen über die Unterbringung persischer Anleihen. Mögen England und Rußland auch in Anbetracht der zurzeit diesen Ländern gegenüber schon bestehenden finanziellen Verpflichtungen Persiens ein berechtigtes Interesse daran haben, daß gewisse Staatseinkünfte, die zur Sicherung dieser Forderungen dienen sollen, von dritter Seite nicht gleichfalls mit Beschlag belegt werden, so besteht daneben doch das Recht anderer Finanzgruppen außerhalb Englands und Rußlands, mit Persien Anleihegeschäfte abzuschließen, durch die etwa schon verpfändete Staatseinkünfte nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Allerdings bleibt die Frage dann noch offen, ob es für diese Finanzgruppen zweckmäßig erscheint, sich überhaupt auf ein Anleihegeschäft einzulassen, wenn sie infolge der nun einmal gegebenen politischen Lage in Persien die Beobachtung machten, daß die Sicherheiten, über die man bei Uebernahme einer Anleihe in Persien notwendigerweise verfügen muß, von anderer Seite schon in Anspruch genommen sind.

Von deutscher Seite, behauptet die „Kölnische Zeitung“, wünscht man in Persien weder Bahnkonzessionen zu erwerben noch Anleihegeschäfte abzuschließen; das mag, soweit die gegenwärtige Lage in Frage kommt, richtig sein. Immerhin erschien es zweckmäßig, an dieser Stelle näher auszuführen, zu welchen Konsequenzen die in der „Rossija“ entwickelten Ansichten notwendig führen müssen und in welche Stellung Persien zu seinen Nachbarn im Norden und Süden jetzt tatsächlich geraten ist.

Wirtschaftliche Unternehmungen großen Umfanges auf so gefährlichem Boden, wie in Persien, können nicht früher in die Hand genommen werden, als bis man sich die Gewißheit verschafft hat, daß auch politische Bedenken internationaler Art der Ausführung des Planes nicht im Wege stehen. Ist die Lage nicht genügend geklärt oder fehlen uns die Machtmittel, um etwa auftauchenden Widerstand zu beseitigen, dann tun wir gut, uns auf derartige Pläne überhaupt nicht einzulassen. Nach diesem Grundsatz wollen unsere Unternehmer, soweit die Ausführungen der „Kölnischen Zeitung“ erkennen lassen, in Persien handeln; sie werden es sicher nicht bereuen.

Meine Mahnung zur Vorsicht erneuerte ich in einem weiteren Artikel, in dem ich mich namentlich mit einzelnen, von deutschen Publizisten bezüglich unserer persischen Politik aufgestellten Forderungen beschäftigte, die meiner Ansicht nach das nötige Maß politischer Einsicht vermissen ließen.

D. O. K. 1910, 3. Jani.

Text aus dem Buch: Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte, Verfasser: Wiedemann, Max.

Siehe auch:
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Vorwort
Die Türkei, Deutschland und die Westmächte.
Deutschlands Verhältnis zur Türkei
Der Verkauf deutscher Kriegsschiffe an die Türkei
Die Sorgen der türkischen Marine um ausreichende Transportschiffe
Frankreich — noch immer die „christliche Vormacht“ im Orient
Frankreich als Lehrmeister der neuen Türkei
Eine türkische Studienreise nach Frankreich
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Überraschungen
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Nervosität
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Übertreibungen
Der Streit um die Bagdadbahn
Deutschland und die Bagdadbahn
Die Bahn von Bagdad nach Damaskus
Der Anteil Deutschlands am Handelsverkehr in Bassra und Bagdad
Einiges über Kapitalanlagen in türkischen Eisenbahnbauten und über die Bagdadbahn
England deckt im Streit um die Bagdadbahn seine Karten auf
Kuweit als Endpunkt der Bagdadbahn aufgegeben?
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Eine Enttäuschung
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Politische Phantasien
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Persien
Die Entwicklung des deutschen Handels mit Persien
Rußlands Handel mit Persien
Vom persischen Markt
Der Anteil der einzelnen Staaten am persischen Handel.
Die Zukunft des Eisenbahnbaues in Persien.
Deutschland und Persien
Eisenbahnbauten in Persien

Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte

Vor kurzem ist das im Jahre 1900 zwischen Rußland und England getroffene Abkommen bezüglich des Ausbaues von Eisenbahnen in Persien abgelaufen. Neue Vereinbarungen sind vorläufig nicht getroffen worden; wohl aber haben die Regierungen beider Länder bei Gelegenheit der letzten in Teheran geführten Anleiheverhandlungen das Zugeständnis von Persien zu erlangen versucht, daß Persien ohne Genehmigung Rußlands und Englands keine Bahnbaukonzession an Dritte erteilen werde. Die Anleiheverhandlungen sind bekanntlich abgebrochen worden, weil von persischer Seite die Annahme der Anleihebedingungen abgelehnt wurde. Ueber die jetzige Rechtslage bezüglich der Erteilung von Eisenbahnbaukonzessionen in Persien äußerst sich nun die „Times“ in einer Weise, die wieder deutlich erkennen läßt, wie leicht sich englische Zeitungen über Rechtsfragen hinwegsetzen, wenn es sich darum handelt, die Machtstellung Englands schwächeren Gegnern gegenüber zu verteidigen.

Die „Times“ behauptet zunächst unter völliger Verdrehung der Tatsachen, daß durch das oben erwähnte Abkommen zwischen Rußland und England Persien „verboten“ worden wäre, Bahnen im Bereiche seiner Grenzen zu bauen. Davon hat in dem Vertrage kein Wort gestanden; vielmehr einigten sieh die Kontrahenten nur dahin, daß keiner der vertragschließenden Teile während der Dauer des jetzt abgelaufenen Vertrags Bahnen in Persien bauen wolle; ein direktes, Persien am Bahnbau verhinderndes „Verbot“ war also in dieser Vereinbarung nicht enthalten. Die Behauptung der „Times“ beruht hiernach auf einer unrichtigen Auslegung des russisch-englischen Abkommens vom Jahre 1900. Dann weist die „Times“ auf die von Sir Edward Grey im englischen Parlament am vorigen Donnerstag abgegebene Erklärung hin, der zufolge das Recht Englands, in Südpersien Bahnen zu bauen trotz des Ablaufs des russisch-englischen Abkommens noch weiterbestünde, falls Persien irgendeiner dritten Macht gestattete, in einem Teile des Landes Bahnen zu bauen. Das ist zum mindesten eine völlig willkürliche Anwendung dos jetzt nicht mehr geltenden Abkommens. Ist ein Vertrag abgelaufen, dann kann er nicht von einem der Kontrahenten mit Wirkung Dritten gegenüber nach beliebiger Richtung hin über den Zeitpunkt seiner Gültigkeit hinaus angewendet werden. Nur wenn in dem Vertrage etwa vereinbart worden wäre, daß das Abkommen, falls keine Kündigung erfolgt, stillschweigend weiterläuft, könnte sich die englische Regierung auf den Vertrag berufen. Da aber derartiges im Abkommen nicht vorgesehen ist, so sind die getroffenen Vereinbarungen nach Ablauf des Vertrags jetzt null und nichtig und England hat nicht das mindeste Recht, sich jetzt nachträglich auf den Vertrag zu berufen. Das sollte auch den Politikern an der Themse klar sein.

Niemand bestreitet England das Recht, seine tatsächlich vorhandenen großen Interessen in Südpersien und am Persischen Golf zu verteidigen. Wogegen aber auch von deutscher Seite Einspruch erhoben werden sollte, bezieht sich darauf, daß man von englischer Seite zu unredlichen Mitteln greift, um die jetzt durch den Ablauf des russisch-englischen Eisenbahnbauabkommens schwierig gewordene Lage günstiger zu gestalten; denn als unredliches Verfahren muß es bezeichnet werden, wenn man sich jetzt englischerseits das Fortbestehen gewisser für England günstiger Bestimmungen aus einem Vertrage zurechtkonstruiert, der tatsächlich nicht mehr vorhanden ist.

England und Rußland können nicht gut gehindert werden, das Abkommen zu erneuern oder unter Berücksichtigung der inzwischen veränderten Verhältnisse abzuändern. Aber sich willkürlich auf einen außer Kraft getretenen Vertrag zu berufen, bloß weil es nicht gelungen ist, ihn durch ein neues Abkommen oder durch Anleihebedingungen zu ersetzen, ist nicht angängig. Tatsächlich hat Persien jetzt freie Hand, Eisenbahnkonzessionen außer an England und Rußland auch an dritte abzugeben; nur fragt es sich, ob die persische Regierung dies auch tun wird. Es fragt sich auch weiter, ob dritte gut daran tun, sich in das persische Eisenbahnbaugeschäft einzumischen, da doch offenbar ist, daß England und Rußland, wie Sir Edward Grey gleichfalls am vorigen Donnerstag hervorgehoben hat, in Persien vitale Interessen zu verteidigen haben, die vom politischen Standpunkt aus unumwunden anzuerkennen sind und bei Regelung wirtschaftlicher Fragen auch von deutscher Seite berücksichtigt werden müssen.

Erneute Angriffe russischer und englischer Blätter auf die deutsche Politik in der persischen Frage führten dazu, daß die Frage der Bahnkonzessionen in Persien, wie auch die ganze Stellung Persiens zu seinen Nachbaren Rußland und England noch einmal in einem längeren Artikel der „Deutschen Orient-Korrespondenz“ besprochen werden mußten. Den Ausführungen lag die Absicht zugrunde, Deutschland im Prinzip das Recht zu wahren, in Anleihe-uhd Bahnfragen mit Persien frei und unabhängig von anderen Staaten verhandeln zu können. Anderseits aber wollte ich nicht versäumen, die Grenzen näher zu bezeichnen, die den deutschen Unternehmern in Persien infolge der dortigen politischen Lage, wie auch der handels- und verkehrspolitischen Verhältnisse gezogen sind. Daß ich damals schon zur Vorsicht mahnte, kann mir im Hinblick auf die im Vorworte näher erläuterten Ergebnisse der Potsdamer Entrevue nicht wohl zum Vorwurf gemacht werden.

D. O. K. 1910, 20. Mai.

Text aus dem Buch: Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte, Verfasser: Wiedemann, Max.

Siehe auch:
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Vorwort
Die Türkei, Deutschland und die Westmächte.
Deutschlands Verhältnis zur Türkei
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Frankreich als Lehrmeister der neuen Türkei
Eine türkische Studienreise nach Frankreich
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Überraschungen
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Nervosität
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Übertreibungen
Der Streit um die Bagdadbahn
Deutschland und die Bagdadbahn
Die Bahn von Bagdad nach Damaskus
Der Anteil Deutschlands am Handelsverkehr in Bassra und Bagdad
Einiges über Kapitalanlagen in türkischen Eisenbahnbauten und über die Bagdadbahn
England deckt im Streit um die Bagdadbahn seine Karten auf
Kuweit als Endpunkt der Bagdadbahn aufgegeben?
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Eine Enttäuschung
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Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Persien
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Rußlands Handel mit Persien
Vom persischen Markt
Der Anteil der einzelnen Staaten am persischen Handel.
Die Zukunft des Eisenbahnbaues in Persien.
Deutschland und Persien

Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte