Wir haben die Reihe unserer Bilder mit einer Landschaft aus Aegypten begonnen, und wir schliesseri sie jetzt mit einem Denkmal aus Kleinasien, welches wenigstens in der Meinung mancher eine Erinnerung an Aegyptens grössten König ist. Unser Weg geht zu dein vielgenannten Nimfi oder Nymphia, wo wir uns das rätselhafte Steinbild ansehen werden, welches nach Herodot der grosse Sesostris auf seinem Erobernngsznge durch Asien hier zurückgelassen hätte.

Treffen wir zunächst die zu einem solchen Ausfluge in der Nachbarschaft von Smyrna nöthigen Vorbereitungen. Wir miethen einen Dragoman und die nöthigen Pferde, untersuchen, reinigen und laden sorgfältig unsere Waffen, da es hier durchaus nicht geheuer ist und sehr leicht Xebeken vom Gebirge auf den Gedanken kommen können, uns zu berauben oder in Hoffnung eines tüchtigen Lösegeldes wegzuschleppen, versehen uns mit Mundvorrath und Wein und machen uns dann frischen Muthes auf den Weg nach Nimfi, der zwar nicht länger als sechs Stunden, aber, wie wir bald bemerken, ziemlich beschwerlich ist.

Die Strasse führt zunächst über die Karawanenbrücke und dann an dem sogenannten Bad der Diana vorüber. Eine klare, kühle Quelle lässt hier so reichliches Wasser hervorsprudeln, dass der davon fliessende Bach kaum dreihundert Schritt von hier Mühlen treibt. Seitwärts steht eine Papierfabrik der Regierung, die indess, wie so manches andere industrielle Etablissement dieser Gegenden, durch Nachlässigkeit und Unredlichkeit im Betrieb in’s Stocken gerathen und jetzt schon halb Ruine ist. Rosenhecken und Orangenbäume geben dem Ort ein anmuthiges Aussehen. Bad der Diana heisst er, weil vor einigen Jahren in der Quelle eine wohlerhaltene Bildsäule gefunden wurde.

Nachdem wir von hier der grossen Strasse eine kurze Strecke gefolgt sind, biegen wir links ab und reiten gerade nach Osten durch die am Fnss des Tartalü-Dagh sich hinziehende Ebene. Anfangs ist dieselbe sorgfältig bebaut. Getreidefelder und Weingärten wechseln mit Pflanzungen von Maulbeer-, Feigen-, Granat- und Olivenbäumen, die nach der sehr vernachlässigten Strasse hin mit Hecken und Erdwällen abgeschlossen sind. Weiterhin hört aller Anbau auf, die Gegend wird wilder und was bisher fast wie ein mittelmässig guter europäischer Dorfweg aussah, wird zum blossen Karawanenpfad, der nur den Nutzen hat, dass er die Richtung andeutet, in der wir uns fortzubewegen haben. Mit dem Anbau ist übrigens die Fruchtbarkeit des Bodens nicht zu Ende. Ueppiges Gras wächst rings umher, und nach allen Gegenden hin sehen wir Gruppen dickstämmiger Oelbäume, die liier wie in dem grössten Tlieil der Levante den Hauptreichthum der Grundbesitzer ausmachen, weshalb auch nach ihrer Zahl der Wohlstand der Einzelnen bemessen zu werden pflegt.

Wir lassen das in quellenreicher Gegend am Nordabhang des Tartalü-Dagh anmuthig gelegene Dorf Bunarbaschi zur Rechten und kommen in der Mitte der Thalebene zu einem einsamen Kaffeehaus, wo wir unsere Pferde ein Weilchen ausruhen lassen. Der Dragoman erzählt uns hier, dass Bunarbaschi bis vor Kurzem, obwohl kaum anderthalb Stunden von Smyrna entfernt, nicht selten von Xebeken heimgesucht wurde und, so gut es sich zur Villeggiatnr eignete, niemals der vornehmen Gesellschaft der Stadt zur Sommerfrische diente. Wer hätte sich auch dort ansiedeln mögen, wo er bei jedem Spazierritt gewärtig sein müsste, dass ihm plötzlich ein halb Duzend Flintenläufe aus einer Schlucht entgegenstarrten und er von den dazu gehörigen Räubern aufgefordert würde, vom Pferde zu steigen, sich der Waffen zu entledigen und der Bande zu folgen, um nicht eher zu den Seinen zurückzukehren, als bis seine Familie ihn mit tausend Piastern ausgelöst. Jetzt ist den Wegelagerern das Handwerk gelegt, doch nur bis auf Weiteres und nicht in dem Grade, dass man allein und ohne Waffen ohne Bedenken hier reisen könnte.

Jenseits des Kaffeehauses verliert die Thalebene mehr und mehr ihr fruchtbares Aussehen. Der Boden wird steinigt, und an die Stelle der Oelbäume treten Zwergeichen und Dornbüsche. Die kahlen Abhänge des Sipylos erheben sich im Nordosten immer schroffer und kühner, je näher wir ihnen kommen. Dagegen präsentirt sich der im Süden hinstreichende Tartalü-Dagh weit anmuthiger. Seine Abhänge sind sanfter, seine Flanken mit dichtem Gestrüpp bewachsen, und in seinen Schluchten strebt grüner Wald auf. Diese beiden Bergzüge, welche die Ebene von Smyrna im Osten wie Wälle umschliessen, sind durch den Pass Kavaklü-Dere getrennt, durch welchen die nächste Strasse zu den grossen Städten im Innern Kleinasiens führt. Dieser Engpass ist von keiner beträchtlichen Höhe, aber doch sehr unbequem durch seine Steilheit und Enge. In seiner Mitte stellt ein einzelner hoher Felsen, um dessen Südseite sich das Bett eines im Sommer trockenen Wildbaches windet. Zwischen Fels und Bach führt ein Weg wie ein Ziegensteig über allerlei scharfkantiges Geröll hinauf. Der Pass selbst ist so eng, dass man eine Strecke zurückreiten muss, wenn man in demselben einer Kameelkarawane begegnet. Die ganze Gegend aber ist von wilder Romantik und wieder fallen uns die Xebeken ein, für die es kaum einen passenderen Ort geben kann, um Reisenden einen Hinterhalt zu legen. Sie kommen indess nicht, und nach etwa zehn Minuten gelangen wir wohlbehalten aus dieser Wildniss in ein kleines freundliches Thal, in welchem neben einem alten Begräbnissplatze mit einigen Cypressen inehre Häuschen harmloser Landleute stehen.

Hierauf geht der Weg wieder in eine enge unheimliche Schlucht hinab, an derem östlichen Ende die Berge nach beiden Seiten plötzlich zurücktreten und eine überraschend schöne Aussicht auf die sich niederwärts ausdehnende Landschaft gestatten.

Vor uns liegt, nach Nordosten hin, eine noch grössere und anmuthigere Thalebene, als die, welche wir soeben verlassen haben. In der Tiefe windet sich, meilenweit mit den Augen zu verfolgen, das mit Oleandern eingefasste Flüsschen Nimfi-Tsehai durch grünes Land bis in die Gegend von Cassaba. Auf allen übrigen Seiten ist der Gesichtskreis von hohen waldbedeckten Bergzügen eingeschlossen, hinter denen sich in der Ferne die beschneiten Gipfel des Tmolus erheben.

Ist man in diese Ebene hinabgestiegen, so befindet man sich wieder auf dem fruchtbarsten Boden, aber die Gegend ist nur wenig bewohnt und angebaut. Die grosse Karawanenstrasse zieht sich in der Mitte der Fläche immer in der Richtung nach Osten hin. Wir aber müssen, um nach Nimfi zu gelangen, rechts ablenken und einen Weg einschlagen, welcher am Südsaunie der Ebene hart am Fusse der Berge hinführt. Wie alle wenig besuchten Wege dieser Gegenden bestellt er nur aus Pferde- und Kameelspuren, die sich verworren durchkreuzen und nach allen Seiten hin verlieren, wesshalb wir ohne Führer bald nicht mehr wissen würden, wo uns hinwenden.

Unser Führer und Dragoman aber ist mit der Gegend wohlbekannt, und so haben wir nicht zu befürchten, uns zu verirren. Abwechselnd folgen wir dem trockenen mit Steinbrocken gefüllten Bett eines Giessbaches oder brechen uns, so gut es gehen will, durch dichtes Buschwerk Bahn, und wenn das seine Unbequemlichkeit hat, so sind wir dessen auf der Reise in Palästina gewöhnt geworden, ausserdem aber entschädigt uns reichlich die fortwährend wechselnde Aussicht auf das Gebirge.

Endlich beginnt unser Weg wieder anzusteigen und wir betreten ein Hochthal, in welchem wir neben einem verfallenen Begräbnissplatze die dunkeln Zelte nomadisirender Juruken antreffen, die sich in dem Gebirge theils als Schafhirten, theils als Kohlenbrenner ernähren, harmlose Leute, die keinen Grund zu Befürchtungen geben.

Gleich jenseits dieser Thalschlucht, auf einem in die Ebene hinausragenden Bergvorsprunge, erblicken wir endlich Nimfi, das Nymphäum des Alterthums, umgeben von reizenden Gärten und Glivenpflanznngen. Gleich den meisten hiesigen Gebirgsdörfern zeichnet es sich durch seine malerische und vortheilhafte Lage aus. Ein Stück davon liegt auf einem mit Gebüsch bekleideten Felshügel, ein grosser Rninenhaufen mit den Resten eines Thurmcs, in welchen man den Sommerpalast erkennen will, welchen Kaiser Hadrian hier erbaute. Aus späterer Zeit stammt ein Kloster, welches, gleichfalls verfallen, von byzantinischen Herrschern zur Bezeichnung einer der Stellen errichtet worden sein soll, wo der Apostel Paulus auf seinen Wanderungen durch Kleinasien predigte.

Das Dorf selbst sieht ziemlich wohlhäbig aus. Von den Gebirgen geschützt, die den Bewohnern Kühlung und reine Luft gewähren, hat es die fette Ebene unter sich in unmittelbarer Nähe. Die Strassen sind allerdings eng, krumm und mit dem landesüblichen Schmutz gepflastert, die Häuser unscheinbar, aber wer würde hier, in einem kleinasiatischen Gebirgsdorfe, Besseres erwarten, wo selbst die Hauptstädte, mit Ausnahme der von Europäern bewohnten Viertel, nicht viel sauberer und ordentlicher eingerichtet sind.

Wir suchen ein Kaffeehaus auf, um uns von dem langen Ritt ein wenig zu erholen, ehe wir das Sesostnsdenkmal zu betrachten gehen. Jenes ist eine Bretterbude, die nur ein Zimmer enthält. Rundherum an den Wänden laufen Simse hin, auf denen blank geputzte und zu sofortigem Gebrauch mit Wasser gefüllte Nargilehs stehen. Unter dem Simse befinden sich einfache Holzbänke für die Gäste dieses primitiven Etablissements. Ausserdem gibt es von Meublement noch etliche niedrige Strohsessel ohne Lehne, für die Besucher des Hauses bestimmt, welche es vorziehen, ihren Kaffee vor der Tlnire zu gemessen. In einem Winkel des sehr verräucherten Gemachs stellt der Heerd und daneben in Turban und Kaftan der Kavedschi, beschäftigt, sein wohlschmeckendes braunes Getränk zu bereiten und über den Kohlen Brod von der Gestalt flacher Kuchen zu backen.

Während unser Dragoman zu dem Vorsteher des Ortes geht, um uns für die Dauer unseres Aufenthaltes in dein berüchtigten Nimfi eine Sicherheitswache zu bestellen, beobachten wir die Manipulationen des emsigen Wirthes und erquicken uns mit Kaffee und einem Nargileh. Der Dragoman kommt mit den vornehmsten Bewohnern von Nimfi zurück. Bei Kaffee und Tschibbuk werden die von ihm eingeleiteten Unterhandlungen noch eine Weile fortgesetzt, wobei auf Seiten der Herren Türken bisweilen das bedenkliche Wort „Xebek“ fällt. Dann wird uns der Erfolg der Transaction mitgetheilt: wir erhalten gegen ein massiges Backschisch eine Escorte von bewaffneten Leuten, und cs steht unserem sofortigen Aufbruche nichts im Wege.

Wir besteigen wieder unsere Pferde und lenken, geführt von unserer mit langen Flinten und Yataghanen annirten türkischen Schutzmannschaft nach einer engen, steil berganführendes Waldschlucht ab, die von vielen tiefen Regenrinnsalen durchfurcht ist. Wir reiten anfänglich auf einer Art von Saumpfad. Bald aber verliert sich derselbe in wild durchwachsenem Dickicht von Eichen, Fichten und Kastanien, so dass wir absteigen und die Pferde am Zügel nachführen müssen. Noch klettern wir ein Stück bergan, dann stehen die Führer still.

Ans einigem Gewirr von Felsblöcken und allerlei Buschwerk erhebt sich vor uns eine hohe graue Klippe, in welche etwa acht Fuss über dem Boden eine flache viereckige Nische eingehauen ist, die in halberhabener Arbeit das Steinbild eines alten Kriegers zeigt. Die Seite der Klippe ist nach Westen gekehrt, die Figur, schreitend dargestellt, blickt nach Norden und bat über der nach aussen gewendeten rechten Schulter einen Bogen, in der linken Hand einen Speer. Den Kopf bedeckt eine spitze Mütze, den Leib ein kurzer Wafl’enrock. Das Ganze ist sehr verwittert, das Gesicht, wie es scheint von Menschenhänden, zerstört.

Dieses uralte Steinbild ist ohne Zweifel eines der beiden Monumente, deren Herodot, von den Zügen des Sesostris erzählend, in seiner einfachen Treue Erwähnung thut. Er sagt im 106. Capitel seines zweiten Buches:

„Es sind auch in Jonien zwei Bildnisse dieses Königs in den Felsen gemeisselt, das eine auf dem Wege von Ephesus nach Phocäa, das andere auf dem von Sardes nach Smyrna. An beiden Stellen ist ein Mann ausgehauen, vier und eine halbe Ellbogenlänge hoch, der hält einen Speer in der rechten Hand und einen Bogen in der linken, und das Uebrige seiner Rüstung stimmt damit überein, denn sie ist zum Tlieil ägyptisch, zum Theil äthiopisch. Von der einen Schulter zur andern zieht sich in heiligen ägyptischen Schriftzeichen eine Inschrift, die hat folgende Bedeutung: Ich habe dieses Land durch meine eigenen Schultern unterworfen. Wer oder woher er sei, zeigt er hier nicht, aber er hat es anderswo bekannt gemacht. Einige, die diese Denkmäler gesehen haben, sind der Meinung gewesen, es seien Bilder des Memnon, worin sie jedoch sehr weit von der Wahrheit entfernt sind.“

Dass der alte Geschichtschreiber mit dem zwischen Sardes und Smyrna befindlichen Bilde das bei Nimfi noch jetzt vorhandene gemeint hat, ist unanfechtbar sicher, obwohl er demselben Bogen und Speer in die Unrechten Hände gibt und die von ihm erwähnte Hieroglyphenschrift: zwischen den Schultern des Bildes nicht zu finden ist. Ueberdies ist auch das andere Bild, welches auf der Strasse von Ephesus nach Phocäa stand, in neuester Zeit, vier Stunden von Nimfi, nicht weit vom Wege naeli Kassaba, wieder entdeckt worden. Dasselbe wurde zuerst irrthümliclier Weise für eine weibliche Figur gehalten und die weinende Niobe genannt, weil durch das Gestein Wasser sickert, was, von unten herauf ans einiger Entfernung betrachtet, wie Thränen erscheint.

Schwieriger ist die Frage zu entscheiden, ob Herodot Recht gehabt, dieses Werk dem berühmten ägyptischen Eroberer zuzuschreiben. Die Gelehrten sind lange Zeit uneinig darüber gewesen. Wenn der französische Reisende Lenormand die ägyptischen Schriftzeichen an der Brust des Bildes gesehen haben will, so ist das kein Beweis, denn es geschieht (namentlich französischen Forschern) oft, dass man zu sehen glaubt, was man sehen will. Andererseits könnten aber auch die Einflüsse der Witterung im Laufe von mehr als dreitausend Jahren diese Hieroglyphen zerstört haben. Von grösserer Bedeutung aber ist, dass die Tracht und Bewaffnung des Kriegers und die ganze Aufstellung der Figur nichts mit ägyptischem Styl zu thun hat. Weder die spitze Mütze noch der kleine runde Schild, noch die schnabelförmig aufwärtsgebogenen Spitzen der Fussbekleidung des Mannes finden irgendwo auf den Monumenten am Nil ihr Seitenstück. Eher erinnert das alte Skulpturwerk an assyrische Denkmäler, und dass die Assyrer wiederholt Erobernngszüge bis in den Westen Kleinasiens unternommen haben, steht ziemlich fest. Das Steinbild von Nimfi ist auf keinen Fall das Denkmal eines der ägyptischen Pharaonen, welche Herodot unter dem Namen Sesostris zusammenfasst, sondern wahrscheinlich ein Siegeszeichen des assyrischen Eroberungszuges, der im dreizehnten Jahrhundert vor Christi Geburt bis in das Gebiet der Lyder unternommen wurde, vielleicht ein Bild des Königs Ninos, dessen Namen die alte Sage mit diesem Zug in Verbindung bringt.

An Alter verliert das Bild von Nimfi durch diese Betrachtung nicht, es ist sicher älter als dreitausend Jahre, und damit ist auch das letzte Käthsel gelöst, welches die Oertlichkeit aufgibt. Die Stelle, wo das Ninosdenkmal sich befindet, ist eine abgelegene und schwer zugängliche Wildniss. Es scheint keine grosse Strasse hier vorbeigeführt zu haben. Denkmäler aber pflegt man da anzubringen, wo sie gesehen und zwar von Vielen gesehen werden können. Aber wer beweist, dass einst hier eine solche Einöde war, wie jetzt? Wer widerlegt, dass das fruchtbare Thal drunten einst auch allenthalben Frucht trug, zahlreiche Dörfer und Städte nährte und durch seinen Ausgang nach dem Meere hin eines der wichtigsten von Lydien war? An anderen Orten, die nicht mehr sind, was sie waren, erzählt uns die Geschichte, was wir fragen. In Nimfi müssen wir uns mit der stummen Sprache des Steinbildes begnügen, welches uns ein Käthsel aufgibt und zu gleicher Zeit die Lösung ausspricht.

Text aus dem Buch: Bilder aus dem Orient (1864), Author: Busch, Moritz; Lèoffler, August.

Siehe auch:
Bilder aus dem Orient – Der Orient.
Bilder aus dem Orient – Alexandrien
Bilder aus dem Orient – Kairo, die Chalifenstadt
Bilder aus dem Orient – Die Citadelle von Kairo
Bilder aus dem Orient – In der östlichen Wüste
Bilder aus dem Orient – Die Gärten und Garteninseln Kairos
Bilder aus dem Orient – Altkairo und die Derwische
Bilder aus dem Orient – Matarich, die Stätte von Heliopolis
Bilder aus dem Orient – Die Pyramiden und die Sphinx
Bilder aus dem Orient – Jaffa
Bilder aus dem Orient – Jerusalem
Bilder aus dem Orient – Das Harem Esch Scharif
Bilder aus dem Orient – Die Täler um Jerusalem
Bilder aus dem Orient – Der Ölberg und Bethanien
Bilder aus dem Orient – Jericho
Bilder aus dem Orient – Am Jordan
Bilder aus dem Orient – Mar Saba
Bilder aus dem Orient – Bethlehem
Bilder aus dem Orient – Sichem und Nablus
Bilder aus dem Orient – Nazareth
Bilder aus dem Orient – Am See Genezareth
Bilder aus dem Orient – Beirut
Bilder aus dem Orient – Damaskus
Bilder aus dem Orient – Die Ruinen von Baalbek
Bilder aus dem Orient – Die Insel Rhodus
Bilder aus dem Orient – Smyrna

Bilder aus dem Orient


Das Bild von Smyrna, und seiner Umgebung ist häufig mit Neapel verglichen worden, und in der Thiat, wer an die weite, schön geschweifte Bucht, an die warmen Farben des Ganzen und an den seltsamen Doppelgipfel der Fratelli denkt, der auch ein Vulcan, wenn auch ein ausgebrannter ist, der wird den Vergleich nicht ganz übel gewählt finden. Die Höhenzüge um die Bai sind ungemein malerisch grüppirt, zahlreiche Seitenbuchten bringen Gliederung und Abwechslung in das Panorama, grüne Strandebenen mit Wäldchen, Gärten und weissen Dörfern bilden einen anmuthigen’Rahmen um die weite Wasserfläche, die bei Windstille wie ein ruhiger Gebirgs-See aussieht.

Weniger Anlass, in Begeisterung auszubrechen, gibt die Stadt selbst, namentlich von der Rhede aus betrachtet. Von fern gesehen erscheint sie hier als ein schmutzig rothes, unregelmässiges Viereck, welches sich rechts ein Stück am Berge hinaufzieht und hier einige dunkle Stellen hat, in denen man später Cypressenhaine erkennt. Nachdem man die flache Landzunge passirt hat, welche das kleine türkische Fort Sandschak Kalessi trägt, ändert sich das Bild, ohne indess an Gliederung sehr zu gewinnen. Auch merkt man hier der Stadt nicht an, das sie 150,000 Einwohner zählt. Man erblickt jetzt vor sich, hinter dem Mastengewirr der Segel-und Dampfschiffe, welche auf der inneren Rhede ankern, einen Halbmond hellfarbiger, einstöckiger, meist mit grünen Jalousien versehener Häuser, die bis hart ans Wasserreichen, und über deren schrägen Ziegeldächern sich die gekrönten Flaggenstangen von Consulaten, einige nicht besonders geschmackvolle Thürme griechischer Kirchen, die Kuppel der neuen armenischen Kathedrale und weiter hinaus zwei oder drei Minarets erheben. An vielen Stellen wird die Uferfronte durch bemooste Landungsbrücken, Schuppen und Pfahlgerüste mit Kaffeeschänken unterbrochen. Auf der äussersten Rechten macht sich eine grosse weiss und rotli bemalte Kaserne bemerklieh. Hinter den Häusern der Strandebene mit ihren hellen Farben steigen andere mit düstergetärbten Holzhäusern, zuweilen von Gärtchen oder Friedhöfen mit hohen Cypressen unterbrochen, den Berg hinan, bis das Stadtgebiet etwa aiif dem dritten Tlieil der Höhe mit zwei sehr grossen Gypressenhaineu abschliesst. Weiter hinauf ist der Berg — sein Name ist Pagos — vollkommen kahl, und erst sein Gipfel zeigt in den Ruinen einer Burg wieder Spuren von Gebäuden.

Weit anmuthiger und imposanter erscheint Smyrna von dem Rande des grossen Cypressenhaines im Westen gesehen. Lassen wir hier das Auge über die. schöngeschwungenen Linien des Strandes wandern, über die stolzen waldbewachsenen Kegel der Fratelli, die sonnebeschienenen kahlen Flanken des Sipylos und den breithingelagerten Pagos, über das buntfarbige Amphitheater der Stadt und den glänzenden Wasserspiegel davor, so werden wir, namentlich, wenn der Abend seinen veilchenblauen Duft über Berghänge, sein clunkelgelbes Licht über den Himmel und seine sehwarzblaucn Schatten über die Thäler ausgiesst, hingerissen werden, auch wenn wir schon sehr viel Schönes gesehen haben.

Smyrna zerfällt in fünf Abtheilungen: das Frankenquartier, hart am Wasser gelegen und aus einer grossen im europäischen Styl erbauten Strasse mit einigen Nebengassen bestehend; das griechische und das armenische Viertel, hinter jenem im Süden, noch auf der Strandebene gelegen und ebenfalls grösstentheils von der Bauart südeuropäischer Orte; endlich das Türken- und das Judenviertel, jenes Gewirr von Holzhäusern mit rothen Ziegeldächern, Moscheen mit weiss und rothgestreiften Minarcts und kleinen und grossen Gärten, welches sich im Westen und Südwesten am Berge hinaufzieht. Die Strassen sind überall sehr ens und mit wenigen Ausnahmen schlecht gepflastert. In der Nähe des Hafens belebt, sind sie weiter landeinwärts und namentlich auf den Höhen gewöhnlich sehr einsam.

Das Frankenquartier enthält die Wohnungen der Europäer und Levantiner, d. h. der aus europäischen, meist italienischen, Familien stammenden Eingebornen, und so tritt hier das türkische Element fast zum Verschwinden in den Hintergrund. Begegnete man nicht zuweilen einer türkischen Patrouille, einem Hammal oder einem griechisch gekleideten Barkenführer, so könnte man sich inmitten dieser Häuser mit Glasfenstern, dieser mit französischen und englischen Waaren gefüllten Läden, der Pariser Toiletten, die uns auf den Strassen begegnen, der Buch- und Kunsthandlungen, Photographen-Ateliers und Apotheken mit italienischen oder französischen Firmen, in irgend einer Gasse Venedigs, Anconas oder des älteren Theiles von Triest glauben. Die Strassen haben hier sogar französische Namen, und selbst Equipagen würden nicht fehlen, wenn es das holperige Pflaster erlaubte.

Das Griechenqnartier hat ebenfalls einen europäischen Anstrich, indess empfindet man hier doch schon häufiger, dass man im Morgenlande ist. Wir begegnen hier fast nur schwarzen Haaren und Augen und jener bräunlichen Gesichtsfarbe, mit der die Sonne des Orients auch die schönere Hälfte der Sterblichen, sofern sie sich nicht verschleiert, zu bemalen pflegt. Wir hören hellenische Laute, sehen häufiger das hohe umgebogene Fess und die schlotterige Pumphose des Inselgriechen, finden in den Nebengassen noch etwas mehr Schmutz, als im Frankenviertel, und blicken andererseits in den vornehmeren Strassen, wo Hausthüren offen stehen, durch steingetäfelte Vorhallen in hübsche Gärtchen, in welchen um einen Springbrunnen Bäume und Gesträuche des Südens: Oleander, Granat- und Orangenbüsche stehen. Gegen Abend öffnen sich alle Thüren, man setzt Stühle und Diwans in die Hausflur und auf die Gasse und empfängt und macht auf diese Weise sich gegenseitig Besuche. Die Griechen bilden, gegen 70,000 Seelen stark, nahezu die Hälfte der Einwohnerzahl Smyrnas. Sie sind vorzüglich Kauileute und Schiffer, aber auch Handwerker, Gastwirthe, Fuhrleute, Gärtner und Taglöhner, und man begegnet unter ihnen allen guten, aber auch allen üblen Eigenschaften ihrer Nationalität.

Das Viertel der Armenier, die hier etwa 12,000 Köpfe zählen, zieht sich zu beiden Seiten des Flüsschens Meies hin und besteht seit dem letzten grossen Brande meist ans Strassen, die sich im rechten Winkel kreuzen. Die Häuser sind hier grossentheils klein und einfach, doch steht man bisweilen vor einem stattlichen und geschmackvollen Wohnsitze still und betrachtet mit Wohlgefallen durch die geöffnete Pforte die Sauberkeit und Eleganz der inneren Einrichtung. Die Bewohner dieses Stadttheiles verfolgen dieselben Beschäftigungen wie die Griechen und gelten, wie alle Armenier, als ein besonders schlaues Volk, was schon dadurch bestätigt wird, dass sie von allen christlichen Confessionen sich stets gut mit den Osmanli zu stellen und manches schätzenswerthe Privilegium zu erlangen wussten. Sie waren unter anderem die ersten, welche sich bei der Pforte die Erlaubniss erwirkten, ihren Kirchen Thürnre und Glocken zu geben, und nur sehr selten geschah es, dass man an die Reiehthümer ihrer Gotteshäuser die Hand legte. Aueh ihre neue grosse Kirche ist sehr reich und prachtvoll ausgestattet, wenn auch von etwas überladener Natur wie der in ihr gehaltene Gottesdienst. Sehr schön ist das Gitterwerk an derselben. Am besten aber ist die sie krönende Kuppel ausgefallen, die mit ihrer stolzen Wölbung die ganze Stadt überragt und selbst die grosse Hauptmoschee des Türkenquartiers in Schatten stellt.

Die Juden Smyrnas, 15,000 an Zahl, wohnen in dem an das Viertel der Türken grenzenden Ghetto und sind fast ohne Ausnahme Abkömmlinge der unter Isabella der Katholischen aus Spanien vertriebenen Israeliten. Ihre Sprache ist noch jetzt ein verdorbenes Spanisch, ihr Loos hier wie in Constantinopel, Salonik und Brussa ein sehr wenig beneidenswerthes; denn von Christen wie Moslemin gleichmässig gehasst und gemisshandelt, nehmen sie mit wenigen Ausnahmen die unterste Stelle in der Gesellschaft ein. Sie sind übrigens ein weit sehönerer Menschenschlag als durchschnittlich ihre Glaubensgenossen in Europa, und nicht blos unter den Frauen, sondern auch unter den Männern trifft man ungemein regelmässige und edelgeformte Züge. Ihr Quartier und ebenso das der Türken, ihrer nächsten Nachbarn, gewährt mit den dazwischen liegenden Gärten und Friedhöfen nur aus der Ferne einen angenehmen Anblick, ln der Nähe erscheinen beide Viertel als ein Conglomerat liederlich gehaltener Bretterbaracken, sclnnutzstarrender Kaffeehäuser, tiefer Kothlachen und windschiefer gichtbrüchiger Dächer von Pfannenziegeln.

Die Bevölkerung des Türkenquartiers wird auf 40,000 Seelen veranschlagt. Sie soll fortwährend abnehmen, wogegen die Griechen in starker Zunahme begriffen sind. Vielleicht in keiner grösseren Stadt der Levante ist der Türke weniger fanatisch und intolerant als hier. Nicht nur, dass sie keinem Franken den Eintritt in ihre Moschee wehren, sie iiötliiffen ihn nicht einmal, dabei die Stiefel auszuziehen. Die schönsten dieser Moseheen Smyrnas waren früher christliche Kirchen. Die Türken haben diese nur etwas umgestaltet, ein Minaret hinzugefügt und einen Vorhof davor gebaut, wo der zu den vorgeschriebenen Waschungen nöthige Brunnen mit fliessendem Wasser sich befindet. Meist ist dieser Vorhof mit Bäumen bepflanzt, in deren Schatten Arme und Sieche liegen, um den Rechtgläubigen Gelegenheit zur Ausübung der Mildthätigkeit zu geben. Besondere Merkwürdigkeiten besitzt keine von den Moscheen der Stadt. Das Innere ist überall sehr einfach. Die Wände haben, wo sie nicht aus christlicher Zeit her noch mit Marmor bekleidet sind, einen gewöhnlichen weissen Kalkanwurf, worauf sich bisweilen Koransprüche in arabischer Schnörkelschrift zeigen. Statt des Hochaltars hat jede Mosehee nur das Mechrab, die Nische, welche die Richtung von Mekka angibt. Zu beiden Seiten dieser Nische laufen Treppen zu einer schmalen Estrade hinauf, deren eine Hälfte als Kanzel für den Imam dient, während die andere einen Ehrensitz für den Sultan enthält, der freilich nur sehr selten hierher kommt. Die Steinplatten des Fussbodens sind mit Strohmatten bedeekt, und von der Decke hängen an Schnüren Lampen und Strausseneier herab. Die Hauptmoschee liegt am Ende des Basars und ist ein rein byzantiniseher Bau.

Der Basar, zwischen dem türkischen und dem fränkischen Viertel sich hinstreckend, ist ein eigenes Quartier für sich, welches aus überwölbten Gängen besteht, die rechts und links Verkaufs-Nischen haben. Gegen das Meer zu ist er von alten Festungswerken der Genuesen geschützt, die hier ein Castell hatten. Wer Stambuls kolossale Kaufhallen, auf deren Terrain die ganze gute Stadt Leipzig Platz hätte, noch nicht gesehen hat, dem wird dieser Smyrnaer Basar durch seine grosse Ausdehnung und die bunte Fülle seiner Waaren nicht wenig imponiren, aber nur einige seiner Gassen und Districte haben noch ihre frühere streng morgenländische Physiognomie. Die grössere Hälfte der Gewölbe ist mit europäischen Kattunen und anderen Erzeugnissen englischer, französischer, deutscher und schweizerischer Fabriken gefüllt und nur die kleinere mit orientalischen Warnen. Für uns haben natürlich nur letztere Anziehungskraft. Die türkischen Teppiche und die persischen und indischen Sliawls, die Verkaufsstände mit buntgestickten Jacken, die Pferdegeschirre und das ganze Bereich der Rauch-Utensilien und Parfümerien, theilweise auch tlie Goldarbeiter, die Graveure und die Posamentiere gehören in diese Kategorie. Die Verkäufer sind hier durchgehends Türken, was jeder Käufer sehr bald inne wird, sobald er die Manieren der Griechen und Armenier kennen gelernt hat, die sich des übrigen Handels und Geschäfts bemächtigt haben. Der Türke hält als Kaufmann noch an alter guter Sitte, er schlägt nicht vor, gibt solide Waare und verachtet allen Schwindel, mit welchen Eigenschaften er im schroffsten Gegensatz gegen seine christlichen Berufsgenossen im Basar steht.

Sehr des Besuches werth sind die grossen Friedhöfe mit ihren Riesen-Cypressen, deren Wipfel Hunderttausende aufrechtstehender weisser Grabsteine mit buntbemalten Turbanen und goldenen Koransprüchen auf blauem Grunde beschatten.

Noch tiefer in’s Morgenland versetzt uns ein Besuch der Karawanenbrücke im Südosten der Stadt. Dieselbe, in ihren Fundamenten ein alter Bau, überspannt mit ihrem einzigen Bogen den kleinen im Sommer wasserarmen Fluss Meies, in dessen Nähe der Ort gezeigt wird, wo die Sage Homer geboren sein lässt. Die Umgebung ist sehr baumreich und ein Vergnügungsort der wohlhabenden Classen Smyrnas, die hier in einem der zahlreichen bunten Kaffeehäuser, im Schatten hoher Ulmen, Cypressen, Platanen oder Maulbeerbäumen, ihren Mokka und ihr Nargileh zu gemessen und dabei das wunderbare Schauspiel der jeden Augenblick wechselnden, und namentlich im Spätsommer zu ungeheuerster Fülle anschwellenden Bilder aus dem Innern des Landes zu betrachten liebt, welche sich über die Brücke bewegen. Die letztere ist ein Glied der grossen Strasse, auf welcher der gesammte Handel und Verkehr der Stadt mit dein Innern Anatoliens hin und herfluthet. Erst eine Viertelstunde Weges weiter trennen sich die Strassen nach Norden und Süden. Smyrna ist einer der Ilanptcinfuhr- und Ausfuhr-Häfen des Landes, und alle diese Rohproducte, diese Millionen Centner von Feigen, Rosinen, Krapp, Getreide und Teppichen, diese Tausende und aber Tausende von Kisten und Ballen mit europäischen Eisen- und Baumwollen-Fabrikaten müssen bei der schlechten Beschaffenheit der Wege hier ganz ebenso wie in Syrien auf dem Rücken von Kameelen nach dein Ort ihrer Bestimmung befördert werden. Ein Kameel aber trägt durchschnittlich nicht mehr als fünf Centner. Man wird sich also vorstellen können, welch eine Masse von solchen Thieren in der Zeit, wo die Kaufleute im Innern ihre Sendungen nach der Küste machen, diesen Weg passirt. Im August und September sind nicht selten drei bis viertausend an einem Tage über die Meiesbrücke geschritten. Sie kommen aus den fernsten Strichen Kleinasiens, aus Karahissar, von Kjutahia, von Aksehehr, von Koniah, selbst von Angora und Kaisarijeh, und ihre Führer repräsentiren ohne Ausnahme den von der abendländischen Civilisation noch nicht berührten Orient.

Vergegenwärtigen wir uns die Ankunft einer solchen grossen Karawane. Von fern schon vernehmen wir das rauhe Gebrüll der ermüdeten, hungernden und dürstenden Thiere, Pfeifeii-geschmetter und Geklingel von kleinen Glöckchen. Aus der Staubwolke, die sie aufjagen, reiten zuerst auf Pferden oder Mauleseln Trupps von Bewaffneten hervor. Dann kommt ein beturbanter Türke auf einem Esel, behaglich an seinem Tsehibbuk saugend. In der Hand hält er eine Leine, die locker an das erste Kameel des Zuges und dann weiter bis zum letzten angeknüpft ist, so dass mit ihr die ganze Proccssion dirigirt werden kann. Leisen Schrittes, breithinwandelnd folgen mit ihren vorgestreckten Schlangenhälsen die hässlichen, aber gutmüthigen und nützlichen Ilöker-tliiere eines nach dem andern in nicht enden wollender Reihe. Auf hohen Packsätteln und zu beiden Seiten des Leibes tragen sie allerlei Bastsäcke und Körbe. Um den Hals gehängte Glöckchen geben entgegenkommenden Passgängern und Reitern das Signal ihres Herannahens.

Sehr wunderlich sieht es aus, wenn sie auf das Commando ihrer Führer sich niederlegen, um abgeladen zu werden, und wenn sie sich dann mit dein ganzen unbeholfenen Körper, Hals und Kopf einbegriffen, der Länge nach auf dein Boden lagern, um von ihren Strapazen auszuruhen.

Das ganze Bild lässt den Beschauer sich weit hinwegträumen von den Grenzen occidentalen Culturlebens. Und doch ist diese Cultur so nahe. Keinen Kanonenschuss weit von hier ankern ihre Dampfschiffe, und keine fünfhundert Schritt von der Karawanenbrücke bauen englisehe Speculanten eine Eisenbahn, die sich —- sehr zum Verdruss der Kameeltreiber, aber sehr zum Vortheil des ganzen Landes — in einigen Jahrzehnten sicher bis in das Herz Anatoliens aus gedehnt haben wird. Die Poesie der Brücke wird dann viel verlieren, aber jene noch so wenig bekannten und vielfach vernachlässigten herrlichen Provinzen des Innern werden sehr bald den Segen inne werden, der mit der Civilisation verbunden ist, und auch die Wissenschaft, namentlich Geographie und Alterthuinskunde, werden dadurch Förderung gewinnen.

Smyrna, von den Türken Ismir genannt, ist eine alte Stadt und muss schon in sehr früher Zeit schön und imposant gewesen sein, da alte Dichter sie die „liebliche“, „die Krone Joniens“ und „die Zierde Asiens“ nennen. Der Ort, wo die Stadt steht, ist dein Handel äusserst günstig und so erstand dieselbe immer wieder, wie schwer auch die Zerstörungen waren, die sie im Laufe der Zeiten erlitt. Smyrna war ursprünglich eine ätolische Colonie, die indess später in den Besitz der Jonier gelangte. Um das Jahr 600 v. Uhr. wurde es von den Lydern eingenommen und in einen Schutthaufen verwandelt. In diesem Zustande blieb es bis in die Zeiten Alexanders des Grossen. Nach Pausanias gründete dieser grosse Herrscher selbst, durch einen Traum veranlasst, auf den Trümmern eine neue Stadt für Colonisten aus Ephesus. Anderen Nachrichten zufolge war es Antigonus, der die Stadt wieder aufbaute. Gleichviel wer der Gründer der neuen Anlage war, der Platz war gut gewählt, und Smyrna wurde bald der Mittelpunct des kleinasiatischen Handels und blühte unter den Römern immer mehr auf. Weniger glücklich war sie unter der Byzantiner Herrschaft, doch wissen wir von ihr aus dieser Zeit nur einige wenige Daten. Im Jahre 1084 setzte sich Tzachas, ein türkischer Rebell, in Besitz des grössten Theiles der Küstenländer West-Kleinasiens und der benachbarten Inseln, nahm den Königstitel an und machte Smyrna zu seiner Hauptstadt. 1007 wurde er hier von Johann Dukas, dem Feldherrn des Kaisers in Byzanz, belagert, und die Stadt wurde nach ihrer Einnahme durch jenen wieder eine Trümmerstelle. So verblieb sie mit Ausnahme der Akropolis bis ins dreizehnte Jahrhundert. Johann Angelus Comneinis, welcher 1224 starb, baute die Burg aus und verschönerte sie vielfach. Im vierzehnten Jahrhunderte war Smyrna und seine Umgebung vielfach der Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen den Rhodiser-Rittern und den Türken, und dies gab Veranlassung, dass der Mongole Timur Leng, der vernommen, d iss Christen und Mohammedaner sich hier unablässig befehdeten und in Smyrna sieh mit zwei Festungen gegenüberständen, in Person vor die Stadt rückte und sie zu Wasser und zu Lande angriff. Nach zweiwöchentlioher Belagerung nahm er sie mit Sturm, liess nach Mongolenart alles, was Leben hatte, umbringen und zerstörte die Häuser von Grund aus. Erst als die Herrschaft der Türken allenthalben an die Stelle des Regiments der byzantinischen Kaiser getreten war, begann Smyrna sich von diesem letzten Schlag zu erholen.

Es ist nicht zu verwundern, wenn nach solchen Heimsuchungen in Smyrna keine auffallenden Reste des Alterthums vorhanden sind. Dazu kommt aber auch noch, dass Smyrna auf vulkanischem Boden steht, und dass die hier sehr häufig, vorgekoimneneii Erdbeben jedenfalls beigetragen haben, das, was die Menschenhand von den Resten der alten Stadt nicht zerstörte, zu vernichten oder doch zu verschütten, oder bis zur Unerkennbarkeit zu verstümmeln. Ja man muss sogar annehmen, dass sich durch sie die Physiognomie des Grundes und Bodens nicht unwesentlich geändert hat. Die Höhle am Meies, in welcher Homer seine Gesänge vom Zorn des Achilles und den

Irrfahrten des Odysseus gedichtet haben, die Stelle nicht weit davon, wo seine Mutter ihn geboren haben soll, hat selbstverständlich keinen Anspruch auf Echtheit. Stritten sich doch mit Smyrna nicht weniger als sechs Städte Griechenlands: Khodus, Kolophon, Salamis, C’hios, Argot; und Athen um die Ehre, den grossen Epiker zu ihren Bürgern gezählt zu haben.

Dass das alte Smyrna weiter landeinwärts als das heutige gelegen und den nördlichen, nicht wie dieses den westlichen Abhang des Pagos bedeckt hat, ist jetzt so ziemlich ausser Zweifel gestellt. Man stösst hier allenthalben auf Erhöhungen des Bodens, welche Schutthaufen sind, und der Bau der Eisenbahn nach dem benachbarten Aidin hat an den Ufern des Meies an verschiedenen Stellen werthvolle Fragmente alter Marmorsäulen und anderer Sculptur- und Architektnrstücke zu Tage gefördert. Im Türkenquartier, und ebenso im Ghetto, sind nicht selten Reste antiker Gebäude in die Terrassen der Häuser und die Gartenmauern verbaut oder in das Pflaster aufgcnommen. liier und dort in der Türkenstadt zeigt man wohl auch einen antiken Marmorsarkophag, der vor einem Brunnen als Wassertrog oder vor einer Schenke als Pferdekrippe dient — eine Metamorphose, auf die sich ein hübsches Distichon machen Hesse. Endlich nehmen sehr wahrscheinlich die grossen Friedhöfe einen beträchtlichen Theil des Terrains ein, wo das alte Smyrna stand. Hier Ausgrabungen zu veranstalten ist unmöglich, aber auf dem Begräbnissplatze der Juden trifft man sehr häufig Leichensteine, die offenbar Bruchstücke von Säulen aus dem Alterthume sind. Dieselben sind aus Marmor von Tenos und Paros gemeisselt und gehören jedenfalls der maeedonisehen und römischen Periode der Stadtgeschichte an.

Noch grössere Spuren alter Bauten finden wir, wenn wir auf den über den Begräbnissplätzen emporsteigenden kahlen Gängen des Pagos nachsuchen. Die antike Stadt wird wie alle Städte des hellenischen Alterthumes angelegt gewesen sein. Man suchte sich einen nicht zu steil abfallenden Berg oder Hügel, krönte ihn mit einer Burg oder Akropolis und legte die eigentliche Stadt so an, dass sie sich von der Akropolis den Abhang herabzog. Zuletzt wurde auch die etwa vorhandene Strand- oder Flussebene bebaut oder ein eigener Studttheil angelest, der den Hafen umschloss.

Hier am Abhang des Pagos ist noch ein Rest des alten Amphitheaters zu finden, ein ziemliches Stück der Umfassungsmauer und nicht fein davon eine Aushöhlung des Berges, in welcher man das Stadium erblickt. Von der Pracht und Schönheit, die Pausanias und Strabo von dein Bauwerk rühmen, ist nichts mehr zu entdecken. Wohl aber lässt sich die Grösse desselben noch ermessen, und darnach zu urthcilen, scheint es zu den grossartigsten des ganzen Alterthums gehört zu haben. Auch ist die Lage ausserordentlich schön. Hier wurde der Sage zufolge der heilige Polykarp hingerichtet, welcher ein Schüler des Apostels Johannes und der erste Bischof von Smyrna war, das bekanntlich zu den „sieben Kirchen Asiens“ gehörte und noch jetzt St. Polykarp als Schutzpatron verehrt. Letzterer wurde bei der Christenvcrfolgung des Jahres 167  n. Chr. verhaftet und starb als Märtyrer 169. Bekannt ist Herder’s schöne Behandlung der Legende, nach welcher die Flamme seines Scheiterhaufens sich wie ein vom Winde geschwelltes Segel um ihn legte und dass, als hierauf ein Kriegsknecht ihn mit dem Schwerte durchbohrte, plötzlich eine weisse Taube aus seinem Blute aufflog. Man trifft hier noch die Ruinen einer Capelle, welche die Byzantiner zu seinem Gedächtniss mitten in der Arena errichteten.

Umgehen wir den Burgberg von hier in halber Höhe, so gelangen wir zu einem gegen das Meer hin vorspringenden Ausläufer, wo einst ein Tempel des Asklepios gestanden haben soll. Jetzt erhebt sich dort eine kleine Pyramide mit den Namen derjenigen Schweizer, welche, als Mitglieder der schweizerischen Legion während des Krimkrieges einige Wochen hier garnisonirend, dem Klima zum Opfer fielen.

Die Mauern und Thürme der Burg, welche den Gipfel des Pagos krönt, enthalten jedenfalls noch die Mehrzahl der Steine, ans denen die Festungswerke der alten Akropolis bestanden. Wie sie sich jetzt präsentiren, gehören sie späteren Jahrhunderten an. Innerhalb des sehr beträchtlichen Raumes, welchen sie einschlicssen, hat man Reste eines Tempels entdeckt, der dem Zeus geweiht war. Die sehr verfallene kleine Moschee im Centrum des Burghofes soll die erste griechische Kirche in Smyrna gewesen sein, was indess schwerlich begründet ist. Sonst trifft man hier nichts von Interesse, als einige alte Gewölbe und Cisternen. Vor einigen Jahren wurde, in einem Thorweg vermauert, die kolossale Büste einer weiblichen Figur gefunden, die durch die Bemühungen des prcussischen Consuls für das Berliner Museum erworben wurde, und in welcher man den Rest einer Statue der Amazone Smyrna zu sehen glaubt, die der Stadt ihren Namen gegeben haben sollte.

Die Aussicht von hier oben ist ausserordentlich grossartig, namentlich nach Norden hin, wo man zunächst die Häuser und Gärten der Stadt, dann die Schilfe des Hafens und zuletzt die prachtvolle Bucht mit ihren vielgestaltigen Bergen vor sich hat. Nach Osten hin sieht man wellige Ebenen und das Thal des Flusses Ilermus, und nach Südosten senkt sich der Blick in die Schluchten, in welchen, umgeben von rothen Oleandern, Stacheleichengebüsch und Gruppen von Oelbäumen, die grosse Wasserleitung liegt, die über den Meies führt. Dieselbe ist jedenfalls von hohem Alter, vielleicht aus römischer Zeit, und hat drei Reihen von Bogen übereinander, von denen die unterste einen grossen und einen kleinen Bogen, die mittlere acht und die oberste vierzehn Bogen hat.

Andere Alterthümer in der Nachbarschaft Smyrna’s befinden sich an den Bergen östlich vom Pagos, nicht fern von dem Dorfe Burnabat, am Rande einer Ebene, die, den Hintergrund einer kleinen Seitenbucht des Golfes bildend, mit den sehr anmnthig in Gebüschen gelegenen Villen der Handelsherren und Consuln von Smyrna bedeckt ist. Hier trifft man zunächst inmitten eines Felsenhügels das sogenannte Grab des Tantalus, einen Bau, der jedenfalls aus vorhellenischer Zeit ist, indem er aus cyklopisehen Quadern besteht. Wenn auch nicht der genannte alte Heros, so lag hier doch sicher ein Fürst der Urzeit begraben, und zwar war seine Gruft hier nicht die einzige, sondern man entdeckt bei einigem Nachforschen noch eine Menge kleinerer Grabstätten von ähnlicher Construction. Es ist kein Zweifel, dass wir uns hier unter den Ruinen einer Nekropole der Jahrhunderte befinden, in welchen diese Küsten von Pelasgern bewohnt waren. Eine Stadt kann hier nicht wohl bestanden haben, da die Gegend vollkommen unfruchtbar und ohne Quellen ist.

Schliesslich ist noch kurz der sogenannten Bäder des Agamemnon zu gedenken, warmer Quellen, die im südwestlichen Winkel des Smyrnaer Golfs, hart unter den spitzen Kegeln der Fratelli entspringen. Auch hier trifft man Ruinen, Reste einer Wasserleitung, Badebassins und die Trümmer einer Brücke, die in den Wildbach, über den sie einst führte, zusammengebrochen ist. Wir sehen, die alte Welt ist bis auf wenige Spuren verschwunden. Was der Grieche gebaut, zerstörte der Mongole. Aber aus Schutt und Trümmern liess die unerschöpfliche Lebenskraft dieses gesegneten Bodens die neue Stadt aufwachsen, und wieder preist sie die gesammte Levante als eine ihrer schönsten und zukunftsreichsten.

Text aus dem Buch: Bilder aus dem Orient (1864), Author: Busch, Moritz; Lèoffler, August.

Siehe auch:
Bilder aus dem Orient – Der Orient.
Bilder aus dem Orient – Alexandrien
Bilder aus dem Orient – Kairo, die Chalifenstadt
Bilder aus dem Orient – Die Citadelle von Kairo
Bilder aus dem Orient – In der östlichen Wüste
Bilder aus dem Orient – Die Gärten und Garteninseln Kairos
Bilder aus dem Orient – Altkairo und die Derwische
Bilder aus dem Orient – Matarich, die Stätte von Heliopolis
Bilder aus dem Orient – Die Pyramiden und die Sphinx
Bilder aus dem Orient – Jaffa
Bilder aus dem Orient – Jerusalem
Bilder aus dem Orient – Das Harem Esch Scharif
Bilder aus dem Orient – Die Täler um Jerusalem
Bilder aus dem Orient – Der Ölberg und Bethanien
Bilder aus dem Orient – Jericho
Bilder aus dem Orient – Am Jordan
Bilder aus dem Orient – Mar Saba
Bilder aus dem Orient – Bethlehem
Bilder aus dem Orient – Sichem und Nablus
Bilder aus dem Orient – Nazareth
Bilder aus dem Orient – Am See Genezareth
Bilder aus dem Orient – Beirut
Bilder aus dem Orient – Damaskus
Bilder aus dem Orient – Die Ruinen von Baalbek
Bilder aus dem Orient – Die Insel Rhodus

Bilder aus dem Orient


Unter den glücklichen Inseln der Sporaden, die sich an der Küste des westlichen Kleinasiens hinziehen, ist Rhodus nächst Chios die schönste und glücklichste. Wegen ihres heiteren Himmels liess sie die Sage des Alterthums in der Vorzeit von den Helinden, den Kindern des Sonnengottes, bewohnt werden. Wegen ihres Keichthmnes an vortrefflichen Früchten war sie zu allen Zeiten gepriesen, ebenso wegen ihrer Rosengärten und ihrer Traubenfülle. Grosse und dichte Waldungen geben ihr noch jetzt einen für das Auge des Malers sehr bedeutenden Vorzug vor ihren meist von Gehölz entblössten Nachbarinseln. Auch die Menschen, die sich hier niedergelassen, machten mehr als in einer Periode der Geschichte von sich reden. In sehr alter Zeit schon tüchtige Schiffer, gründeten sie Colonien an verschiedenen Küsten des westlichen Beckens des Mittelineeres. Wohlhabend, klug und tapfer, wussten sie sich sehr bald des ihnen von Alexander dem Grossen auferlegten Jochs zu entledigen und sieh ihre Freiheit bis auf Vespasian zu bewahren. Die grösste Bedeutung aber gewann die Insel im Mittelalter, als der streitbare Kitterorden der Johanniter nach dem Verluste von Palästina hier seine grosse Seeburg gründete und von da an fast zwei Jahrhunderte hindurch mit seinen Galeeren den Halbmond bekämpfte. Der Orden musste vor Sultan Solimans Macht sich nach Malta zurückziehen, und jetzt ist die Insel mit acht benachbarten kleineren Eilanden ein Sandschak des türkischen Ejalets Dschesair.

Die Einwohner von Rhodos, ungefähr 22,000, darunter 17,000 Griechen und einige Hundert Juden, sind vorzüglich Schiffer und Schiffbauer, ausserdem bauen sie Wein und Getreide und führen Oel, Baumwolle, Südfrüchte, W achs, Honig und Vieh aus. Von der Kunst ihrer Urväter, der Teichinen, bildhauender Zauberer, die nach der Sage zuerst es verstanden, dem Stein menschliche Gestalt zu verleihen und ihn zu beseelen, ist unter ihnen nichts mehr vorhanden, so wenig wie von der grössten. Statue des Alterthums, dem ehernen Koloss, der, von Chares geschaffen und siebzig Ellen hoch, am Eingang des Hafens der Hauptstadt stand. Jene Kunst hat praktischen Beschäftigungen Platz gemacht, dieses Riesenbild warf ein Erdbeben um, und der Chalif Moawijah, der sich im siebenten Jahrhunderte der Insel bemächtigte, überliess die Trümmer einem Juden aus Emesa, der sie auf neunhundert Kameelen fortschaffen liess.

Die Hauptstadt, von der unsere Abbildung nur das Castell und den Eingang zum Hafen zeigt, hat etwa 12,000 Einwohner und ist stark befestigt. Schildern wir sie, wie sie zu der Zeit war, als das Bild anfgenommen wurde.

Ein Boot trägt uns an das Ufer, wo wir zunächst nach ausgedehnten Weiften kommen, auf denen Schiffszimmerleute so fleissig als es die brennende Sonne gestattet, an Fahrzeugen aller Grössen bauen. Durch ein Thor gelangen wir in das Innere der Stadt, wo wir sofort nach der berühmten Strada dei Cavalieri, der Ritterstrasse fragen. Sie ist bald in einer schmalen, massig ansteigenden Gasse gefunden, die rechts und links hohe massive Gebäude zeigt, welche sämmtlich gut erhalten sind und mehr wie Burgen als wie Wohnhäuser aussehen. Schöne Thore führen in gewölbte Hallen, steinerne Treppen und dunkle Corridore zu Zimmern und auf die platten Dächer. Viele dieser Häuser der alten Ritter von Rhodos sind unbewohnt, in anderen hausen Türken, wie die mit Gitterwerk verschlossenen Haremsfenster andeuten. An mehreren sieht man die Wappen ihrer ehemaligen Besitzer in Stein gemeisselt. Das Pflaster der Strasse, noch aus alter Zeit erhalten, ist besser als irgendwo in der Levante, und an den Seiten befindet sich sogar ein erhöhtes Trottoir. In der ganzen Strasse, die früher ohne Zweifel die vornehmste und lebhafteste der Stadt war, herrscht auffallende Einsamkeit.

Besteigen wir das Dach eines der unbewohnten Ritterhäuser. Aus den Fugen des Mauerwerkes wachsen Feigenbäume und Kapernsträuche hervor. Unter uns liegt die Stadt, in der Ferne unser Dampfer. Die Umgebung ist fruchtbar. Wir sehen hier und da eine schlanke Dattelpalme und ganze Gruppen und Wäldchen von Feigen-, Orangen- und Oliveubäumen, Terebinthen, Maulbeerbäume und Silberplatanen. Unmittelbar neben unserem Hause befindet sieh ein verfallenes Portal, das auf die bergansteigende Gasse wie ein Triumphbogen herabsieht. Es führt uns auf einen kleinen Hof, in welchem links eine Moschee steht. Früher war diese eine christliche Kirche und zwar die Ilauptkirche der Rhodiser-Ritter. Sie war als solche Johannes dem Täufer geweiht und hat im Schiff zwei Reihen schöner Säulen, die, von den Türken barbarisch übertüncht, nur an den Stellen, wo der Kalküberzug abgefallen ist, zeigen, dass sie von Marmor sind. Hier liegen die Ritter und Grossmeister des Ordens begraben. Steinerne Tafeln mit Wappen und Inschriften nennen ihre Namen und Titel. Auf einer dieser Marmortafeln, unmittelbar unter den Stufen, die zum Altar führen, bemerken wir ein Wappenschild mit angefügten Flügeln und einem gekrönten Adlerkopf, und darunter lesen wir in Uncialbuchstaben: R. et IIl. D. F. Fabricius de Capperto Magnus Rhodi Magister Urbis Instaurator et ad Publicum Utilitatem per Septennium Rector hie jacet. Anno MDXX. Es ist die Gruft des letzten Grossmeisters der Rhodiser-Ritter. 1522 zog der Orden von hier hinweg, und die Ritter hiessen fortan Malteser. Das Hospital der Ritter ist jetzt ein Getreidespeicher, der Palast der Grossmeister ein Haufen von Schutt und Quadersteinen.

So sah die Stadt im Frühling des Jahres 1856 aus, noch gewaltig in ihren Ruinen, ehrfurchtgebietend durch die Erinnerung an die ehernen Gestalten der Johannes-Ritter, die hier ihre Burgen zurückgelassen. Wenige Monate nachher war der grösste Theil dieser Reste mittelalterlichen Ritterthums vernichtet. Ein Pulver-Depot, noch aus der Zeit der Johanniter herrührend und von den Türken vergessen, flog plötzlich mit entsetzlichster Wirkung auf die Stadt auf. Der furchtbare Knall mit seinem donnernden Widerhall in den Bergen, die heftige Bewegung des Erdbodens, das Zurückprallen des Meeres, das dann brandend wiederkehrte, liessen die Bewohner iin ersten Schrecken glauben, dass ein Erdbeben begonnen habe, wie ein solches fünf Jahre vorher die Stadt heimgesneht hatte. Man stürzte auf die Strassen, sah dicken Pulverdampf über sich und hörte, wie ein Hagel von Säulen und Quaderstücken aus der Luft herniedersauste. Als der Qualm sich endlich verzog, war der grösste Theil von Rhodus ein Trümmerhaufen. Von der Johanniskirche stand nur noch der Thurm und die Rückseite des Chors, von der Ritterstrasse waren fast nur noch die Häusermauern übrig, von dem Conferenzsaale des Capitels hatte nur das Portal der Explosion widerstanden, und fast das ganze Quartier, welches die Altstadt bildete, war damals verlassen.

Am 22. April 1863 endlich, um 11 Uhr Abends, versetzte ein heftiger Erdstoss diese Insel abermals in den bedauernswürdigsten Zustand. Zwanzig Secundcn reichten hin, ganze Dörfer zu zerstören und aus der Insel Bhodus fast nur einen Trümmerhaufen zu machen. Mehr als 300 Personen verloren bei die-em Erdbeben ihr Leben und über 1500 Häuser stürzten ein. Der St. Johannisthurm, dieses schöne Baudenkmal der Johanniter-Ritter, das seit Jahrhunderten allen Arten von Gefahren getrotzt hat, ist nur noch eine Ruine.

Von Rhodus aus fährt das Schiff, das von Beirut nach Smyrna geht, fast ohne Unterbrechung zwischen Inseln hin, und nicht selten wird auch zur Rechten das Felsengestade Kleinasiens sichtbar. Zunächst erscheint Kos, die Geburtsinsel des Hippokrates, jetzt Stanco genannt. Dann Patmos, wo der Apostel Johannes in der Verbannung starb. Ein burgartiges auf steiler Höhe thronendes Kloster, umgeben von weissen Häusern, bezeichnet die Stelle, wo er der Sage nach wohnte und sein Evangelium schrieb. Unten am Hafen zieht sich die Niederstadt hin. Auf dem Festland gegenüber liegt die Stadt Skala Nuova und daneben die Trümmerstätte von Ephesus, wo der greise Apostel Bischof war und wo auch sein Grab gezeigt wird. Weiterhin folgen andere Inseln, Kalymnos, Leros, Nikaria, dann Samos, ein hoher kahler, vielfach zerklüfteter Felsgipfel, umgeben atoii niedrigeren mit Wald bedeckten Höhen, liier wurde im Anfang der Tage im Schatten eines Agnus Castus-Baumes die Gemahlin des griechischen Göttervaters, Hera Boopis, geboren, und hier spielte die Geschichte vom Ring des Polykrates. Wir sind auf classischem Boden, auf dem Boden der Gesänge Homers. Ein paar Stunden noch, so sind wir auf der Rhede von Chios, deren Umgebung mit ihren schöngeformten Bergen und ihren in die verschiedensten Schattirungen von Grün gekleideten II ainen von Oliven-, Orangen- und Feigenbäumen, von Cypressen, Silberpappeln und Platanen, Mastix- und Mandelsträuchern unser Schiff wie ein prächtiger Kranz umschliesst, und vor deren bezauberndem Anblick wir es nur natur-gcmäss finden, wenn, wie man sagt, auf Chios die schönsten Frauen des Archipelagus wohnen.

Wieder ein paar Stunden auf dem blauen Meere. Dann fahren wir in eine weite apfelgrünschimmernde Bucht hinein, die zu beiden Seiten und ebenso im Hintergrund von hohen Bergen überragt wird. Es ist die Bai von Smyrna, und bald darauf erscheint sie selbst vor uns, die Königin von Anatolien, ihr Haupt gekrönt mit einer Burgruine, neben sich ihren Sprössling, das amnuthige Burnabat.

Text aus dem Buch: Bilder aus dem Orient (1864), Author: Busch, Moritz; Lèoffler, August.

Siehe auch:
Bilder aus dem Orient – Der Orient.
Bilder aus dem Orient – Alexandrien
Bilder aus dem Orient – Kairo, die Chalifenstadt
Bilder aus dem Orient – Die Citadelle von Kairo
Bilder aus dem Orient – In der östlichen Wüste
Bilder aus dem Orient – Die Gärten und Garteninseln Kairos
Bilder aus dem Orient – Altkairo und die Derwische
Bilder aus dem Orient – Matarich, die Stätte von Heliopolis
Bilder aus dem Orient – Die Pyramiden und die Sphinx
Bilder aus dem Orient – Jaffa
Bilder aus dem Orient – Jerusalem
Bilder aus dem Orient – Das Harem Esch Scharif
Bilder aus dem Orient – Die Täler um Jerusalem
Bilder aus dem Orient – Der Ölberg und Bethanien
Bilder aus dem Orient – Jericho
Bilder aus dem Orient – Am Jordan
Bilder aus dem Orient – Mar Saba
Bilder aus dem Orient – Bethlehem
Bilder aus dem Orient – Sichem und Nablus
Bilder aus dem Orient – Nazareth
Bilder aus dem Orient – Am See Genezareth
Bilder aus dem Orient – Beirut
Bilder aus dem Orient – Damaskus
Bilder aus dem Orient – Die Ruinen von Baalbek

Bilder aus dem Orient


Die Ruinen der Tempel von Baalbek sind das grösste Menschenwerk, welches das westliche Asien aufweist. Sie sind fast so imposant wie die Ruinen von Karnak. Selbst der Libanon, der auf sie herabschaut, könnte stolz auf ihre Grösse sein. Die Moslemin der kleinen Stadt, die dabei stellt, und das ganze Volk der Ebene zwischen Libanon und Antilibanon, auf der sie sich- befinden, meinen, dass Salomo, der grosse Gebieter der Geisterwelt, sie mit Hilfe seiner Dschinnen erbaut habe.

Die gelehrte Forschung sieht in ihnen die Reste eines Heiligthums des syrischen Sonnengottes, welches in der Zeit errichtet wurde, wo das Land schon den Römern gehörte.

Wir beginnen unsere Umschau am besten auf der Ostseite, wo einst die Vorderfronte der ganzen Anlage war. Es war dies eine Halle von zwölf Säulen, von denen jetzt nur noch die Fussgestelle übrig sind, und zu welchen früher eine breite Treppe von 30 Stufen emporführte. Zu beiden Seiten der Halle befanden sich vierseitige geschlossene Flügelräume,’ die nach aussen mit korinthischen Pilastern geschmückt sind, und ans denen die Sarazenen, die den Tempel in eine Burg umgestalteteu, Festungsthürme gemacht haben.

Aus der Hinterwand unserer Halle treten wir in einen sechsseitigen, rings mit kleinen Kammern umgebenen Hof und aus diesem wieder in einen grösseren vierseitigen, der sogar breiter als die Vorhalle mit ihren Flügeln ist. Derselbe ist rings ebenfalls mit Kammern oder Nischen gesäumt, welche abwechselnd halbrund oder viereckig, nach vorn aber bifen sind. Säulen von Porphyr und Granit, von denen jetzt nur noch Stümpfe stehen, schmücken den Eingang in diese Seitenkammern, in welchen einst zwischen korinthischen Pilastern Statuen aufgestellt waren.

An die Mitte dieses grossen Hofes schloss sich der grosse Tempel an, der, so breit wie der sechsseitige Hof zwischen dem vierseitigen und der Vorhalle, zehn Säulen in der Front und wahrscheinlich neunzehn auf jeder Langseite hatte, von denen aber nur noch sechs auf der linken Seite ganz erhalten sind, während von den übrigen nur die Fussgestelle noch gefunden werden. Die Maasse aller dieser Mauern und Säulen waren ungeheuer. Der ganze Tempel mit seiner vorderen Säulenhalle und seinen beiden Höfen ist tausend Fuss lang und steht auf einer Plattform, die eine Höhe von dreissig Fuss’hat und auf mächtigen Wölbungen ruht. Jene sechs Riesensäulen aber, die ihr gemeinsames Gebälk noch tragen, sind ohne dieses siebzig, mit ihm zweiundsiebzig Fuss hoch. Sie bestehen nicht wie die von Karnak und die der griechischen Tempel aus sogenannten Trommeln, sondern jede nur aus drei Stücken und haben im Durchmesser acht Fuss. Wann der Tempel erbaut wurde, und von wem, ist nicht völlig sichergestellt. Gelehrte wollen an einer der Säulen in der Vorhalle eine halbverwischte Inschrift gelesen haben, nach welcher dieses Heiligthum den grossen Göttern von Heliopolis für das Heil des Antonius Pins und der Julia Augusta geweiht gewesen wäre. Sicher ist, dass die Säulen, deren Kapitale im Verhältniss zum Schaft stärker sein könnten, in die Zeit des Verfalles der antiken Kunst gehören, und die grossen Götter von Heliopolis, der Sonnenstadt, werden die syrischen Landesgötter, namentlich Baal, der Sonnengott gewesen sein, von dein sich auch in dem Namen Baalbek eine nicht zu verkennende Erinnerung erhalten hat.

Dass dieser grosse Tempel vollendet gewesen ist, als das Heidenthum durch Christi Lehre verdrängt wurde, möchte man daraus schliessen, dass man ihm zur Seite, links an der Südwestecke des vierseitigen Hofes, eine neue Terrasse angebaut, und auf diesen tieferen Grund, der die Symmetrie der Anlage aufhebt, parallel mit jenem, einen zweiten, weniger kolossalen, aber immer noch der Bewunderung werthen Tempel gestellt hat.

Dieser zweite Tempel ist besser erhalten als der soeben geschilderte. Seine Plattform oder Terrasse ruht gleichfalls auf Gewölben. Seine Länge beträgt 225, seine Breite 120 Fuss. Zu beiden Seiten der Treppe, die zu ihm hinaufführte, jetzt aber gleich dem Innern beider Tempel ein Schuttlhigel ist, befanden sich fünfzehn Fuss hohe Piedestale, welche Bildsäulen trugen. Die Langseiten umgaben je fünfzehn, die schmalen Seiten je acht Säulen. An der östlichen Seite standen nach innen noch acht Säulen, die mit den äussern die Eingangshalle bildeten. Nach den noch aufrechtstellenden dreizehn Säulen zu schliessen, war auch dieser Tempel im korinthischen Style erbaut. Die Höhe jener beträgt 45 Fuss, und das auf ihnen ruhende Karniess ist mit der Cella durch schön gemeisselte Platten verbunden, in deren Mitte sich Sechsecke befinden, welche mit Basreliefs geschmückt waren. Nur ein Ganymed, der vom Adler entführt wird, und eine Leda mit dem Schwan sind, obwohl in sehr beschädigtem Zustande und kaum noch erkennbar, erhalten geblieben. Man hat daraus schliessen wollen, dass dies ein Jupiterstempel gewesen.

Die Vorderseite des Tempels ist durch eine Mauer verbaut, die von den Sarazenen aufgeführt wurde, als sie sich bald nach dem Fall von Damaskus auch Baalbeks bemächtigten und diesen Tempel, der damals eine christliche Kirche war, gleich dem anderen in eine Festung umschufen. Ihre Maurer haben die Zinnenmauer au der Aussenseite sogar auf dem Säulengebälk selbst herumgeführt. Ueber Schutt, Brocken von Quadern und Trümmer von Säulen müssen wir, nachdem wir durch ein enges Loch gekrochen sind, uns nach dem Innern des Tempels emporarbeiten. Hier aber erwartet uns ein staunenswerther Anblick, das grösste Portal, das vielleicht jemals auf Erden gebaut worden ist. Die zu ihm führende Vorhalle ist tief, lässt aber uur noch seine Breite, 21 Fuss, sehen. Die ihr entsprechende Höhe ist nicht zu messen, da hochgehäufter Schutt den Boden bedeckt. Die Seitenpfosten des mächtigen Thores bestehen aus einem Stück. Die gewaltigen Monolithen sind mit reichen Ornamenten, sorgfältig ausgemeisselten Blumenarabesken geschmückt. Den Schlussstein des aus drei Quadern bestehenden Obertheiles hat ein Erdbeben gelockert, so dass er nur mit den äussersten Kanten noch oben hängt und jeden Augenblick auf uns herabzustürzen droht. Der orientalische mit einem Federbusch gekrönte Adler, dessen Krallen eine Schlange halten, ist auf die Unterseite dieses gewaltigen Blocks gemeisselt. Von seinem Schnabel gehen Blumengewinde aus, die mit argverstümmelten Menschengestalten zusaminengehangen zu haben scheinen.

Die Cella des Tempels ist und war, da sie keine Fenster hat, vermuthlich immer ohne Dach. Die Seitenwände haben kannelirte Halbsäulen korinthischer Ordnung, zwischen denen sich zwei Leihen von Nischen, die obere oben giebelgekrönt, die untere in Muschelform endend, hinziehen. Der innerste Theil des Tempels war eine höhere Stufe, so wie cs Lucian vom Tempel zu Hieropolis erzählt.

Sind diese Bauten unzweifelhaft spätrömischen Ursprunges, so herrschen über die Substructionsinaner mit ihren beispiellos grossen Quadern sehr verschiedene Meinungen. Im Westen, da, wo einst das Hinterende des grossen Tempels stand, finden wir in einer Höle von dreissig Fuss drei behauene Steinblöcke, von denen jeder bei einer Höhe von vierzehn Fass eine Lange von mehr als sechzig Fnss hat, einer sogar nahezu siebzig Fass lang ist. Aehnliche kolossale Quadern treflen wir auf der Nordseite der Terrasse, und alle sind nur an den Fugen glatt behauen oder gerändert, genau so wie wir dies an den Seitenmauern beobachteten, welche den Gipfel des Moriah-IIügels in Jerusalem in ein Viereck verwandelten. Die Römer haben nirgends mit solchen riesigen Steinen gebaut. Vielleicht aber die Syrer, die hier zwischen Libanon und Antilibanon den Sonnengott der Semiten verehrten. Bauten sie diesem hier einen Tempel, so kann derselbe kaum vollendet worden sein, da sonst wohl die Propheten des alten Testaments, die uns das benachbarte Tyrus so genau schildern, seiner gedenken würden. Es ist daher anzunehmen — wofern das steinerne Räthsel von Baalbek überhaupt zu lösen ist — dass die Landesbewohner in alter Zeit hier ein Heiligthum zu bauen anfingen, welches aber ins Stocken gerieth und erst Jahrhunderte später von Römern oder doch in fremdem Styl ausgeführt wurde. Jene Anfänge aber mögen in die Zeit fallen, wo im Osten von Damaskus Palmyra, die Oasenstadt der syrischen Wüste, seine Glanzperiode hatte, und wo von dort über Damaskus und Baalbek die grosse Handelsstrasse nach Tyrus und Sidon hinabführte.

Gewisses darüber zu sagen, ist unmöglich. Die Geschichte beginnt erst mit der Schrift, und jene Steine haben keine Inschrift.

Text aus dem Buch: Bilder aus dem Orient (1864), Author: Busch, Moritz; Lèoffler, August.

Siehe auch:
Bilder aus dem Orient – Der Orient.
Bilder aus dem Orient – Alexandrien
Bilder aus dem Orient – Kairo, die Chalifenstadt
Bilder aus dem Orient – Die Citadelle von Kairo
Bilder aus dem Orient – In der östlichen Wüste
Bilder aus dem Orient – Die Gärten und Garteninseln Kairos
Bilder aus dem Orient – Altkairo und die Derwische
Bilder aus dem Orient – Matarich, die Stätte von Heliopolis
Bilder aus dem Orient – Die Pyramiden und die Sphinx
Bilder aus dem Orient – Jaffa
Bilder aus dem Orient – Jerusalem
Bilder aus dem Orient – Das Harem Esch Scharif
Bilder aus dem Orient – Die Täler um Jerusalem
Bilder aus dem Orient – Der Ölberg und Bethanien
Bilder aus dem Orient – Jericho
Bilder aus dem Orient – Am Jordan
Bilder aus dem Orient – Mar Saba
Bilder aus dem Orient – Bethlehem
Bilder aus dem Orient – Sichem und Nablus
Bilder aus dem Orient – Nazareth
Bilder aus dem Orient – Am See Genezareth
Bilder aus dem Orient – Beirut
Bilder aus dem Orient – Damaskus

Bilder aus dem Orient