Motto:

Eine Gabe nur allein
löst des Blinden Dunkel nicht;
erst sein Teil am Menschensein
bringt ihm durch die Arbeit-Licht!

Darum führt ihn in das Land
segensreicher Arbeit ein,
gönnt ihm, frei durch Kopf und Hand,
Werker, Kämpfer, Mensch zu sein!

Wie es zur Beschäftigung Blinder in der österreichischen Industrie kam.

Die Möglichkeit, Blinde in Industriebetrieben bestimmte Teilarbeiten verrichten zu lassen, war den Fachleuten schon vor dem Weltkrieg klar, doch wurde dieselbe erst durch den im Weltkriege eintretenden Arbeitermangel zur Tatsache. Auf welche Weise es dem Direktor der Kleinbauwerke Siemens-Schuckert in Siemensstadt bei Berlin, Ing. Paul Perls mit Hilfe von Blindenfachleuten, allen voran Studiendirektor E. Niepel, gelungen ist, die Blinden an diesen Platz zu stellen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, mit Hilfe der Technik die Arbeit von Sehenden verrichten zu können, ist heute bereits in der ganzen Welt durch die verschiedensten Veröffentlichungen bekannt.

Auch für Österreich war Dir. Perls der Anreger in dieser Richtung, denn seiner Vermittlung ist es zu danken, daß bei den öst. Siemens-Schuckertwerken in Wien im Jahre 1922 der erste Blinde an eine Maschine gestellt wurde. Über die aufsehenerregende Tat berichteten damals die Tagesblätter folgendermaßen:

Am Osterdienstag hatten sich über Einladung der Direktion der Siemens-Schuckertwerke in Wien XX. Vertreter des „Zentralvereines für das öst. Blindenwesen“, der Bundesministerien für soziale Verwaltung sowie für Handel und Gewerbe und der Tabakregie daselbst eingefunden, um den im Werke beschäftigten blinden Arbeiter Wicke bei seinem Wirken zu beobachten. Es ist der erste Fall in Österreich, daß ein Blinder im Fabriksbetriebe tätig ist und, das sei gleich gesagt, der Griff nach ihm hat sich außerordentlich bewährt. Herr Wicke fand sich unter der persönlichen Anleitung des Herrn Ing. Soloman, der keine Mühe der individualistischen Arbeitseinführung scheute, überraschend schnell in seine Tätigkeit, der Montage von Fassungen, bestehend aus vier Einzelteilen mittelst maschinell betätigten Schraubenziehers. Geringe Änderungen ermöglichen ihm die Betreuung einer Maschine, die, entsprechend geschützt, ihm vollkommen ungefährlich ist Genaue Aufzeichnungen über seine Arbeitsleistung zeigen, daß er bereits nach wenigen Wochen die Arbeitsleistung seiner sehenden Arbeitsgenossen erreichte. Alle Teilnehmer konnten den Eindruck mit nach Hause nehmen, daß nunmehr für die Einstellung Blinder in Fabriksbetriebe auch in Österreich das Eis gebrochen sein dürfte und selbst die größten Skeptiker in dieser Hinsicht eines Besseren belehrt sein müssen. Sind doch in den Berliner Siemens-Schuckertwerken Dank der bahnbrechenden Tätigkeit des Direktors Perls nahezu 100 Blinde eingestellt.

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Blinde Arbeiter in der Österreichischen Industrie