WÄHREND in Holland die „Genremaler“ eine förmliche Phalanx bilden, lassen sich für die vlämischc Schule nur drei oder vier Meister ersten Ranges in diesem Fache anführen: mit Peter Brueghel und seinem Sohne Jan, dem „Sammet-Brueghel“, mit Adrian Brouwer und David Teniers ist man bereits am Ende. Ihnen allein verdanken wir für mehr als anderthalb Jahrhunderte unsere Kenntnisse von Menschen und Dingen jener Zeit, ihnen allein unsere Vertrautheit mit dem, was in der breiten Masse des Volkes vorging, indem sie uns bald in ein ländliches, bald in ein städtisches Milieu einführen, uns Aufschluss geben über das, was die Menschen thaten, womit sie sich belustigsten, woran sie glaubten. Was sie uns bieten, steht in stetigem Zusammenhang; Schauplatz und die Mitwirkenden ändern sich, aber durch das Milieu und durch die geschilderten Vorgänge geht ein gemeinsamer Zug.

Brueghel d. Ä. bewahrt selbst in seinen Schilderungen von Volksfesten eine gewisse Würde. Man hat das Gefühl, er ist besorgt um die Zukunft der Seinen; und so wird uns auch berichtet, er habe, als er sein Ende herannahen fühlte, einen Teil seiner Werke den Flammen überliefert, aus Furcht, ihr satirischer Charakter könne seiner Witwe Unannehmlichkeiten von Seiten der argwöhnischen Machthaber herbeiführen. Sicherlich, auch zur Zeit Jan Brueghel’s und seines Schwiegersohnes, David Teniers, waren Flandern und Brabant nicht in einem ideal-glücklichen Zustand; aber der Himmel hat sich doch immerhin etwas aufgeklärt. Wie bereits Jan Brueghel war auch Teniers der Liebling des Hofes; wie Velazquez ist er Günstling und Kammerherr bei zwei Statthaltern, Leopold Wilhelm und Don Juan von Oesterreich. Von ziemlich einfacher Herkunft, darf er doch von Adelsbriefen träumen; und die Türmchen seines Herrenhauses von Perck, einem Teil der früheren Rubenschen Besitzung, erblicken wir oft im Hintergründe seiner Schilderungen ländlicher Feste, auf denen er selbst erscheint, wie er seine Carosse verlassen hat und seine Gutsleute bei ihrer Tanzbelustigung besucht.

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Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst DAVID TENIERS DER ALTERE 1582-1649 David Teniers der Jüngere 1610-1690

 

 

Im Dorfe


Die beiden David Teniers, Vater und Sohn» sind Antwerpener von Geburt» der Sohn siedelte dann in die Residenzstadt Brüssel über und wurde nächst Rubens der angesehenste Maler seiner Zeit. Sein Ruhm hat das Andenken des Vaters verdunkelt. Heute denkt man aber auch über die Kunst des Sohnes anders als ehedem. Wir finden seine Bauernhochzeiten, Kirmessen und Dorfkneipen einförmig» die Figuen sind unlebendig» die Gesichtstypen wiederholen sich bis zur Ermüdung. Aber ihre künstlerischen Qualitäten bleiben in voller Geltung: die sichere, geistreiche Zeichnung und der feine» bald silbergraue» bald goldwarme Farbenton. Anders als die Figuren wirkt bei ihm die Landschaft» sei es als Hintergrund oder selbständig hervortretend mit kleiner Figurenstaffage; sie befriedigt alle Ansprüche» und die Bilder dieser zweiten Art sind von dem größten Reize. Teniers versteht sich gut auf das Licht und auf die wechselnden Eindrücke des Himmels. Die flämische Landschaft ist an sich mannigfaltiger als die holländische» heiter und sonnig. Mit spitzem Pinsel setzt Teniers die Lichter auf, kleine blitzende Flecke oder auch dünne Streifen von Gold und Silber; sie beleben das wellige Erdreich mit seinen Steinen und Planzen, hüpfen von Strauch zu Strauch und locken unser Auge von Gegenstand Zu Gegenstand. Solche Landschaftsbilder malte schon neben vielem anderen, was uns heute nicht mehr interessiert, der Vater Teniers, und wenn sie ihm gut gerieten, sind sie von denen seines Sohnes kaum zu unterscheiden. Höchstens sind die Figuren nicht ganz so gut gezeichnet, wie sie der Sohn zu geben pflegt. Die Dresdner Galerie besitzt von ihm zwei winzige Dorfbildchen, deren eines hier in der Größe des Originals abgebildet ist. Es weckt in uns eine friedevolle Stimmung, mit den rauchenden Schornsteinen seiner traulichen Hütten und den sich unterhaltenden Bauern. Es wirkt aber auch künstlerisch fein und wohltuend durch den Gegensatz der warmen Farben zu dem Silbergrau des Regenhimmels.

Aus dem Buch “Album der Dresdner Galerie” von 1904.

David Teniers der Jüngere (1610-1690)

Siehe auch: HYACINTHE RIGAUD, ALBRECHT DÜRER, TIZIAN, RAFFAEL, FERDINAND BOL, ADRIAEN VAN DER WERFF, SALOMON KÖNINCK, JAN VAN DER MEER VAN DELFT, CARLO DOLCI, KASPAR NETSCHER, GERARD DOU, REMBRANDT VAN RIJN, JAN DAVIDSZ DE HEEM, GABRIEL METSU, REMBRANDT VAN RIJN, ADRIAEN VAN OSTADE, DER MEISTER DES TODES DER MARIA, JUSEPE DE RIBERA, GUIDO RENI, LORENZO LOTTO, FRANCISCO DE ZURBAR AN, RAPHAEL MENGS, REMBRANDT VAN RIJN, BARTOLOME ESTEBAN MURILLO, HANS HOLBEIN DER JÜNGERE, JEAN ETIENNE LIOTARD, ANTON GRAFF, ANGELICA KAUFFMANN, ANTONIO ALLEGRI DA CORREGGIO, JAN VAN EYCK, ANTONIUS VAN DYCK, JACOB VAN RUISDAEL, CLAUDE LORRAIN, ANTOINE WATTEAU, PAOLO VERONESE, MEINDERT HOBBEMA, PETER PAUL RUBENS, CIMA DA CONEGLIANO, JAN WEENIX, PALMA VECCHIO, JAN WILDENS, MICHELANGELO CARAVAGGIO, POMPEO BAtONI, FRANCESCO FRANCIA, JAN VAN DER MEER VAN HAARLEM, DAVID TENIERS DER ÄLTERE, WILLEM KLAASZ HEDA, ADRIAEN BROUWER, JAN FY , HRISTIAN LEBERECHT VOGEL.

DAVID TENIERS DER ALTERE 1582-1649 Dresdner Galerie