Königthum * Priesterschaft * Der Gott * Die Seelen * Weihen

Wie an andern Theilen der Westküste, treffen wir auch auf dem, durch die Expedition des deutschen Kriegsschiffes naher gerückten Terrain des Volta, auf den Berührungsstrecken der Gold- und Sklavenküste, eine Anzahl jener charakteristischen Gedankenverkörperungen, in welchen sich der Völkergedanke in seinen eigenthümlichen Gestaltungen manifestirt, unter denjenigen Formen, welche von ihm, je nach den Phasen des Wachsthums, überall auf der Erde, bald hier, bald dort, anzunehmen sind, religiös und socialpolitisch. Da ist zunächst der theilweis unsichtbare König von Anlo18) in seiner Behausung gehalten, wie es von dem alter Sabäer erzählt wird, und durch die bindenden Verpflichtungen der Fetische (oder Mokisso) in den Aeusse-rungen des eigenen Willens auf vielfache Art beschränkt, wie in buntester Mannigfaltigkeit von den Königen Westafrika’s früher und jetzt erzählt wird. Der mit der Obhut des Volkes Betraute hat dasselbe nicht nur gegen seine körperlichen Feinde, — zu welchem Zweck ihm ein jüngerer und kräftigerer Regent, als „dux ex virtutec“, oder ein Tua (Tapferer) bei den Maori, beigegeben wird, — zu schützen, sondern vor allem auch mit der unsichtbaren Welt in harmonischem Einklang zu halten durch Abwehr der bösen Mächte sowohl, wie ausserdem durch zusagende Vertragsbedingungen mit den guten und gütigen, um sie, (durch welche Regen und Segen gespendet oder durch Strafen geschlagen werden mag), in kulturellen Riten günstig gestimmt zu halten. Die Abwehr betrifft meist die der Krankheiten, deren Leiden jeder Einzelne in seinem Körper spürt, als durch feindliche Dämone veranlasst, gegen welche der Kampf in der Geschichte des Volkslebens stets einer besonderen Klasse der Zauberpriester überlassen zu werden pflegt, welche derartig gefährliche, aber dann im Glücksfalle auch stets desto einträglichere, Operationen zu übernehmen bereit sind. Die Hauptsache dagegen, was das gesammte Gemeinwesen gemeinsam interessirt, sind die Vorbedingungen materieller Existenz selbst, im täglichen Brot: dass nämlich also einem Jägervolke regelmässig seine Jagdthiere geliefert werden, (wie immagischenTanz der Indianer herangezaubert), oder dass beim Ackerbau die Vornahmen für denselben ihren normalen Verlauf nehmen, unter regulirendem Einfluss der Witterung vom Pflanzen bis zur Ernte, so dass diese Funktionen dann in die Ordnung der Jahresfeste übergehen, wie bei den Irokesen, oder ferner in die astronomischen Lehren der Priesterklassen (bei Chaldäern u. s. w.). Eine einfachste Form hierfür würde z. B. in den sogenannten Regenmachern vorliegen, so lange dieselben noch als besonders beauftragt neben dem König, der sich von lästigen Pflichten bereits loszumachen gewusst hat, funktioniren, wie bei den Bantu, unter Stämmen am Bahr-el-Abiad dagegen als der König selbst (gleich dem König Chuve, dem Regenkönige Bomma’s); und dass die Beziehung zum Regen als zunächst vorwiegend auftritt, ist bei dessen Bedeutung für das Gedeihen der Früchte an sich erklärlich. Später dann komplizirt sich die Theorie in detaillirtere Einzelheiten für die verschiedenen Vorgänge im Pflanzenwachsthum aus dem Schoss der Mutter Erde herauf, so dass eine günstige Stimmung der Demeter, oder ihrer Tochter Proserpina, in Mysterien zu gewinnen rathsam war, und wie die Römer ein ganzes Heer der hier entsprechenden Gottheiten aus ihren indigetes vorzuführen vermochten (bei Varro), so lag in Afrika wie anderen Königen auch dem Angoy’s ein umständlicher Kursus auf, um sich mit all den Fetischtempeln seines Landes in Einvernehmen zu setzen (D. E. a. d. Lngk. S. 221), ehe er in die Würde des gekrönten Königs zu gelangen vermochte. Ging indess trotz all solcher Vorsicht nachher dennoch etwas fehl, so konnte die Schuld nur in seiner eigenen Unwürdigkeit liegen; er wurde dann schlechten Herzens (Umkillu-umbi) beschuldigt und abgesetzt in Loango oder anderswo getödtet, wie König Domaldr bei den Schweden, der König der Fouyou (s. Matuanlin), der Aetoler u. s. w. Auch in China trägt der Kaiser ähnliche Verantwortlichkeit und hat deshalb bei Misswachs und Landplagen vom Throne zu steigen und Busse zu thun, wissentliche oder unwissentliche Sünde zu büssen. Wenn rein und heilig in ungetrübter Tugendkraft, dann müsste sein Gebet ebenso wirksam sein, wie das des frommen Aeacus, dem Lande Segen und Ueberfluss zu verschaffen (gegen gute Verpflegung, wie den Talapoinen zu Theil werdend). Da dies nun aus der Launenhaftigkeit meteorologischer Prozesse, welche Vorhersagungen allzu oft auf bedenkliche Probe stellen, nicht zu geschehen pflegt, bleibt das Volk zu murren geneigt, und es leiten sich daher hier historisch von selbst diejenigen Katastrophen ein, bei welchen das Priesterkönigthum auseinander bricht in seine weltliche und geistliche Hälfte. Hiefür bieten sich zwei Wege: entweder wird es der König selbst überdrüssig, länger auf stete Gefahr des Lebens hin für die Tagesbedürfnisse im Wohlsein seiner Unterthanen zu sorgen, und macht dann, wenn das Priesterkollegium seiner geistlichen Kollegen ihn ferner dazu zwingen will, von solchen Banden sich gewaltsam frei, wie Ergamenes in Meroe, oder der neben dem durch die Tempelhandlungen beanspruchten Priesterkönig ausserdem für aktive Heeresführung in Zeiten der Gefahr benöthigte Kronfeldherr, (gleich dem Braffu nnter den Fetu oder dem Fia, als Feldherrnkönig der Eweer), wird bei günstiger Gelegenheit keine Schwierigkeiten haben, sich neben einem »roi faindant« vorzudrängen und selbst auf den Thron16) zu setzen als Shaigun oder Zaque, (wie auch in Tonga zu Finau’s Zeit der Tiu-Tonga vor seinem Majordomus in den Hintergrund trat). Es liegt dabei in seinem eigenen Vortheil angezeigt, das Schattenbild jenes geheiligten Phantoms neben sich fortbestehen zu lassen, schon um alle die mit zweifelhaftem Ausgange verknüpften Ceremonialhandlungen ihm zuschieben und überlassen zu können. Gleichzeitig jedoch wird er die imbeschränkte Macht, die ihm zugefallen ist, in vollster Willkür fühlbar machen können, oftmals selbst bis zur Beschränkung der Regierungszeit, (wie bei Tolteken, in Cochin u. s. w.), um periodisch die Stelle mit eigenen Kreaturen neu zu besetzen. Auch hiefür hat wieder der jetzt behandelte Erdstrich ein Ueberbleibsel geliefert in dem König der Eyeos, der auf Zusendung von Papa geifedern sich selbst zu tödten hatte, bis dagegen rebellirend. Es scheint dies zugleich auf eine Vertretung des auch bei den Aschanti königlichen Geschlechts der Anona (Papageien) hinzudeuten, welches dort in den Stammeswappen neben dem der Aqona (Büffel) aufgeführt wird. Und wenn, wie Bowditch bemerkt, sich die Angehörigkeit dort nicht politisch, sondern aus solchen Geschlechtsverwandtschaften regulirt, so führt das auf die überall in primordialen Verhältnissen durchblickende Gentilverfassung, die bei den Irokesen selbst noch zur Zeit ihrer politischen18) Macht in voller Wirksamkeit geblieben, wenn sich durch die Völker des Fünfbundes die gleichartigen Totem hinzogen, (und so bei Kobong in Australien, u. s. w.).

Ein auf seinen Feldzügen zu Triumphen geführter Erobererkönig, gleich dem der Aschantie, wird rasch die kleinlichen Bande19) abschütteln, womit man anderswo die Fetischkönige zu fesseln sucht, z. B. in Angoy:

In den Vorbereitungs-Ceremonien für die Krönung hat der König zuerst im Dorfe des Mam-buk (in Kabinda) eine vorgeschriebene Zeit zu verweilen, dann in Umtenda zur Verehrung des Fetisch Kwiti-kwitti, dann in Manafula, dann in der Waldeinsamkeit von Katte, wo die Ansprüche der dort herrschenden Prinzessin zu befriedigen sind, dann in Chisu (bei Puerto Rico), um mit dem Lunsunsi, dem dämonischen Fürsten der Küste, ein Abkommen zu treffen, dann in Mongo-kaiye (bei Angoy), dann ln Mongo-Tombe, wo für jede geschlechtliche Vermischung dem Fetisch Inbanganga Sühne zu zahlen ist, dann in Chifo-lulo, um die Fetische Sunga und Umsinga zu beschenken, dann in Chimgukotambungo, wo der Fürst Kavukete seine Bedingungen stellt, dann in M’tuntu, um die Fetische Inzinbinganga, Umsinga und Lunga zu sühnen, dann in Mangalumbe, ein Platz in Angoy, an den Wald stossend, der die Königsgräber deckt. In jedem Krondorf muss der Krönungscandidat so lange verweilen, bis die von ihm gepflanzten Bananen genügend gereift sind, um essbare Früchte zu liefern. »Des Königs Schwester, sobald das Kind gebohren ist, hat das Dorf Kina zum Leibgedinge und darf kein Schweinefleisch essen. Wann es älter wird, besucht es Moanza und darf keine Kola-Frucht und etwas anders mit Jemand essen, aber wohl allein. Dan geth es bey Ganga Simeka, und dan mag es keine Hühner essen, als welche es selbst getödtet und gekocht hat, doch anders nicht, als allein, auch mus es das übrige begraben. Wan es nun in Salassi kommt, so hat es wieder andere und mehr Mokisien, und eben also zu Buke und Kaje, bis es König von Lovango wird« (Dapper).

Der König von Angoy kann nicht gekrönt werden, wenn er (was auch bei den Jaina ein Veto einlegt) irgend einen Defect am Körper hat, einen gebrochenen oder gefeilten Zahn, die Narbe einer zugeheilten Wunde, die vom Schröpfen gelassenen Hautritzen u. s. w.

Auf dem Umzuge des Königs von Angoy bildet Umschisu den letzten Platz, in dem er vor der Krönung zu verweilen hat. Wenn sich aber dort zufällig eine Fliege auf seinen Körper setzt, so wird er baldigst sterben, und jedenfalls ist der Werth aller vorhergegangenen Geremonien null und nichtig, und er müsste sie, mit allen daran geknüpften Bezahlungen aufs Neue beginnen, wenn so, nach der Enttäuschung eines halben Lebens, die Absicht festgehalten würde, die Krone zu erlangen. Gewöhnlich scheitern die Candi-daten schon früher, da die schwierigen Verbote, deren Bruch alles Vorangegangene nullificiren würde, mit Stufe zu Stufe zunehmen (und ebenso die Unkosten).

So lange der Thron Kongo’s seines Herrschers ermangelt, durfte in der Nachbarschaft der Dörfer kein Ackerbau getrieben werden, und während dieser königlosen Zeit herrschte das Faustrecht und allgemeine Willkür, die erst ihre Beendigung fand, wenn nach Ausführung des Sarkophags das Begräbniss stattfand und dann eine neue Krönung gefolgt war.

D. Exp. a. d. Loango-K. (S. 221).

Ist dem Lande nun das Glück zu Theil geworden, mit einem gekrönten König gesegnet zu sein, so wenden sich ihm dadurch die Segnungen der Naturgeister zu:

»Bunsi gilt als die Mutter aller Fetische (Mama Mamkissin), und der Vater, der den Donner und Blitz in seiner Hand führt, wohnte in Simbo-yakanga oder Unjumba- Unkanga (bei Tschim-boanda). Zuerst schuf Zambiampungo den Fürsten, als Ma-Goy oder König von Angoy, und dann für seine Hut den Fetisch Bunsi, der, so oft ein gekrönter König auf dem Throne Angoy’s sitzt, an dem Kalla-Mioba genannten Orte aus der Erde redet. Niemand darf sich diesem geweihten Grunde nähern, und neben dem Orakelhaus findet sich unter einem Ameisenhaufen das Grab eines Gottlosen, der in die Umzäunung einzutreten wagte und stracks von dem Fetisch niedergeworfen wurde. Von Kongo kam der Fetisch Bunsi als Bunsi di Katalla nach Katalla (bei Porto da Lenha) und dann auf dem Fluss Tondo nach Chimsinda, wo er (im Gebiet des Mambuk von Moanda) seinen Sitz im Haupt des Ganga Mamsinda-Malundo aufschlägt«.

D. Exp. a. d. Loango-K. (S. 223).

Der deutlich consolidirten Gestalt eines mit politischen Functionen hervortretenden Königs, gehen schwankendere Schemen halbmythischer Dichtungen voran:

Bei Shark-Point in der Nähe des Point Pa-dron (wo noch im Dickicht die Reste des, zum Ersatz des ersten, aufgestellten Steinpfeilers sich finden) lebt Kukulu unnahbar in einem Walde, dem sich die Neger nur knieend nähern. Dieser vom Fürst Mani-Malella in Kimbikaberüba eingesetzte Priesterkönig (in Tschitschi-Kambembe) darf keine Frauen berühren und ist auf den Umkreis seiner Wohnung angewiesen, ja in derselben an seinen Stuhl gefesselt, auf dem er auch die Nacht in sitzender Stellung zu schlafen hat, weil, wenn er sich niederlegte, kein Wind sich erheben würde, und die Schifffahrt gehemmt sein. Er regulirt zugleich die Stürme und überhaupt den gedeihlichen und gleichmässigen Zustand der Atmosphäre (wie Aehnliches von dem Thronsitz des japanischen Mikado erwartet wurde). Wenn sein Ende gekommen ist, darf der Kukulu nicht liegend begraben werden, sondern er wird ohne Sarg in einer Grube beigesetzt, in hockender Stellung auf den Kattu-Sankondo genannten Baum gestützt. Der Gebrauch der von den Weissen gebrachten Artikel ist ihm verboten.

»Der König von Sonho darf keine europäischen Wahren anrühren oder tragen, auch mag er von Niemand, der solche Wahren träget, angerühret werden. Und dieses hat ihm der Teufel auferleget und verbohten.

Wer zum Fürsten erhoben wird, geht zu Suakissie (onso toba kin fumo kun Suakissie), zu der dem Kukulu gehörigen Figur Toto oder Sua-bume Kianji (unter dem Ne-Capitan-Ouesoyo) um seine Weihe zu empfangen.«

D. Exp. a. d. Loongo-K. (S. 287).

Mit festerer Umschreibung der Staatsgewalt, in klarerer Loslösung aus mystischer Traumeswelt (in den Kinderjahren des Völkerlebens), muss bei solcher Scheidung nun zugleich das Priesterthum in bestimmteren Formen hervortreten, und zwar auch hier in gesetzlich nothwendig bestimmten, welche wir deshalb überall gleichartig wiederfinden, gleichartig dem Kern und Wesen nach, so buntfarbig verschieden es an der Oberfläche auch schillern mag (nach der Mannigfaltigkeit geographischer Provinzen).

Die Functionen bleiben dieselben, wie früher im Priesterkönigthum, und jetzt, seitdem die weltliche Hälfte herausgeschnitten ist, ganz und gar auf das unsichtbare Jenseits hingewiesen, vor Allem also im Aufträge des Staates die meteorologischen Prozesse, zum Besten der Ernte — (nämlich der Vorbedingung menschlicher Existenz überhaupt, im täglichen Brot) — in Ordnung zu halten, durch Regulirung der Jahresfeste, wie es im Hodenauseh den dort die Priester-Klasse vertretenden Festordnern auflag.

Für formellere unter den offiziellen Cultushand-lungen mag sich auch direct die Namenbezeichnung aus priesterfürstlicher Vergangenheit21) bewahren, im Rex sacrificulus oder Archon Basileus (für die ndtQiov während sich die Hierarchie für ihre Einzelheiten je nach der Götterwelt gestalten wird, welche das Volk bereits umgiebt oder demselben ausserdem zugetragen wurde.

Um die aus diesen übernatürlichen Mächten als mächtigste Erkannten in guter Stimmung zu halten, werden ihnen an ihren Tempeln, im heiligen Bezirk des Temenos, (oft eine selbstgewählte Stätte), Priesterdiener bestimmt, wie den Wong (Mawu’s Engelsboten) ihre Wulomo unter den Eweem, den Flamines entsprechend, bei denen Numa für gerathen fand, drei grosse den grossen zu weihen (Dialis, Martialis, Quiri-nalis), während‘ die minores (bis auf Pomonalis) ihre Zwölfzahl in der Kaiserzeit noch zu vermehren vermochten (mit Augustales u. s. w.).

Der Wulomo, im täglichen Verkehr mit seinem Wong, den er zu speisen und zu putzen hat (auch zu baden vielleicht, wie Hertha’s Priester, im Lectistemium zu pflegen, gleich Bhixu u. s. w.), wird, als aufmerksamer Kammerdiener, mit den Launen seines Herrn bald weit besser vertraut sein, als ein Aussenstehender, so dass es solchem nicht gerathen sein dürfte, im Tempel opfern zu wollen, ohne den »Sopher« desselben zu Rathe zu ziehen, und sofern er sich mit diesem gut zu stellen weiss, kann er dann, wenn antwortsbedürftig auf Fragen, darüber durch das Medium des Vermittlers22) das Eine oder Andere von dem Gotte erfahren, da dieser, wenn auch — (ausser an Orakelstätten zuweilen) — nicht mit hörbarer Stimme, doch durch allerleiAnzeichen reden mag und sein getreuer Rechnungsführer dieselben verstehen.

Sehr tief indess pflegt auf diesem, etwas unbehülflich umständlichen, Wege der Scharfblick in die Mysterien des Jenseits nicht vorzudringen, und so hat sich für die vielfachen Anliegenheiten, die das Volk in seinen privaten Angelegenheiten, besonders auch für die körperlichen Leiden in Krankheiten, an die »unsichtbaren Mächte« zu stellen hat, durchweg auf der Erde eine zweite Modification des priesterlichen Charakters noth-wendig erwiesen, welche als Ergänzung zur offiziellen, in loseren Formen hinzutretend, deshalb einer weit freieren Entwickelung sich fähig erweist, aber dadurch auch (bei weiter gewagten Abschweifungen bis über die Grenzen der Orthodoxie hinaus geführt), in das gefährliche Schachspiel schwarzer und weisser Magie hineingerathen mag.

So erscheint neben dem Hiereus der Mantis, manchmal noch als gottgeheiligter Prophet28), im nächsten Anschluss an altes Priesterkönigthum und offiziell beglaubigt, wie bei den Karen, dann aber bald allerlei Lockungen preisgegeben, sich auch mit den verdächtigen Mächten des Jenseits im Verkehr einzulassen, und dies um so leichter, weil es hier gerade viel nichtsnutziges Gesindel giebt, die jeden Augenblick bereit sind, in den Kopf eines Ganga (an der Loango-Küste) einzufahren, um ihn, kraft eigener Besessenheit, zu befähigen, andere zu exorzisiren. Hier tummelt sich nun der ganze Wirrwarr jener zweideutigen Gestalten auf verschiebbarem Grenzgebiete, bis im jedesmaligen Fall der Endoxe deutlicher erkannt, überwiesen und (durch Erisere u. s. w.) vernichtet ist (oder auf dem Scheiterhaufen als ein Hechicero und Fetei§ero). Wie ähnlich bei den Eweern, tritt in der Priesterschaft der Odschi neben dem Wulomo der Wongtchä hervor, der dem Dienste eines besonderen Gottes (oder Wong) dedizirt von diesem begeistert werden mag, und diese Klasse der Seher gelangt dann bald dahin ihre Inspirationen aus der Todtenwelt abgeschiedener Seelen zu entnehmen, mit denen sich (weil vom Leben her menschlich vertraut) um so leichter communiziren lässt.

Für wirksame Hülfe wendet man sich an diejenigen, denen solche schon auf Erden zugetraut worden sein würde, also an die Vornehmen, an die Herren24) (gegenüber den oi jzoXloC), oder den Chao, den siamesischen Heros, der bei den Siamesen für Orakel herabsteigt (mit ähnlichem Titel).

Unter den verschiedenen Ansprüchen des Publikums sind die häufigsten (und also auch einträglichsten) die auf Körperleiden bezüglichen, und wenn der Kräuterarzt nicht mehr helfen kann, mag die Aitiologie aus göttlicher Prognosis festgestellt werden. Ein zürnender Gott, der mit Krankheit geschlagen, wäre zu sühnen, ein Teufel, der aus purer Bosheit quält, zu verscheuchen, und wenn es mit der Seele des Patienten nicht in Ordnung ist, diese zu curiren, oder (durch Angekok) zu flicken, wie bei Karen die Wih verstehen (auch für die Seele oder Kelah des Reis).

Wie Aristoteles die amtlichen Opfer der Magistrate von den hieratischen des Priesters (als Vorstehers eines Temenos) unterscheidet, so finden sich in China, neben dem vom Kaiser selbst geleiteten Staatscult, eine Auswahl von Religions-Culten (je nach idiosyncrasischem Vorzug). Neben den (Bild1) (der Geschlechter) bilden (Bild2) »alle gesetzlich recipirten Götter« (s. Herrmann), und dem gegenüber fallen (Bild3) (der Manteis) unter (Bild4) (s. Plato)25). Die Würde des Wulomo oder Osofo (der seinen besonderen Wong bedient), erbt16) auf den ältesten Sohn (in Abokobi).

»Dieser Priester kann oft, unbekannt mit den Künsten der Wongmänner, den Wong wirklich fürchten, den er zu bedienen hat, besonders da dieser etwaige Dienstvergehen mit dem Tode zu bestrafen pflegt.« (s. Steinhäuser.) Der Wulomo bedient den Wong, damit es dem Volk gut gehe, und segnet die Geschenke Bringenden. Für seine Frau wird durch die Stadtältesten Auswahl eines Mädchens getroffen, wie der Flamen von staats-wegen seine ebenbürtige Gattin erhielt (für die Culthandlungen). Der Edrokosi (dem Gott Geweihter), oder Priester, besitzt (bei den Eweem) die Geheimkenntniss, Zauber-, Zeichen (Dso) zu verfertigen (mit Speichel benetzt unter Bestreichen mit rother Erde) zum Verkauf beim Umbinden (s. Schlegel). Während der O-Bossum-Fu »nur allein bei dem O-Bossumen, dem eingebildeten Schutzheiligen des ganzen Fetuschen Landes, aufwartet«, lässt sich der Summän-Fu »in des Summän Dienst mit Schlachten, Opfern, Fegen und dergleichen Arbeit gebrauchen«, aber »Gom-Fu oder Sophu ist nichts anderes, als ein Zauberer, welcher anderen zum Besten ein eigenes Fetiso mit grossen Unkosten hält, durch dessen Hülfe er von zukünftigen Dingen wahr sagen wil«. (s. W. J. Müller.)

Sobald neben den äusseren Zeichen , den Willen der Gottheit zu deuten (aus dem Vogelfluge, aus Portenta der Teqaaxonoi, als »interpretes portentorum«, aus der Eingeweideschau u. s. w.), ein directer Verkehr mit der Geisterwelt eingeleitet ist, damit sie in dem Stadium psychischer Erregung das Auge öffne für seherisches Schauen, wird, noch bequemer als im Wachzustand — (weil unter Sparung abnormer Gefühlsaufregung, der selbst die Pythia sich unwillig hingab), — der Zweck in der Nachthälfte des Lebens erreicht werden, da (nach dem übereinstimmenden Zeugniss der Naturstämme) die Seele des Schlafenden, denselben regelmässig schon verlässt, um im Traume zu wandern (als Theilseele wenigstens, die beim Erwachen zurückkehrt). Hier ist also der Zusammenhang mit dem Körper bereits genügend gelockert, um, wie im Ausfahren der eigenen Seele, ein Eingehen fremder zu gestatten, und .so wohin wir blicken, in Oceanien, Amerika, Afrika, sehen wir im Traum die Seele der Abgeschiedenen mit ihren schlafenden Verwandten communiziren. Neben dem offiziell bestellten Priester (oder Hiereus im Temenos oder Tempel) bieten ihre Dienste die selbstberufenen an, welche (als Manteis) durch Einfahrung besessen zu orakeln vermögen. Die Inspiration dieser >Interpretes futuri« (wie Cicero »ministros sacrorum« unterscheidet) wird selten von einer der bereits abgeklärten Göttergestalten herrühren (da für solche zugleich ihr Priesterdiener vorhanden ist, mit dem sie durch die Zeichensprache des Cultus com-muniziren), sondern gewöhnlich aus der noch unbestimmt schwankenden Dämonen weit, die (dem Allgemeingefühls-Sinn näher, als dem scharf umzeichnenden Auge) meistens aus dem gespenstischen Heere der Todten redet (den Heroen oder Chao), oder sonst aus den heiligen Schauern81) der Waldesgrotten, Höhlen, Berge, Wüsten u. s. w., mitunter durch ein in Einsiedeleien festgehalten — und als  künftiges Leben versprechend (s. Plut.) — oder sonst aus diesen wieder die Städte durchschweifend (s. Plato) oder (b. Zosimus).

Bei den Eweem bezeichnen sich (unter den Nunola oder Priester) die Propheten oder Nyagblola als am Munde Gottes sitzend oder Eno Mawu nu (Mawu nunola).

Für die zur Ordnung der aus dem Jenseits in das Menschenleben übergreifenden Prozesse erforderliche Vermittlung mit den Göttern wurde der Priester in den Tempeln des öffentlichen Cultus von staatswegen eingesetzt, auch zwangsweise, wenn nöthig, aus dem Sklavenstande, wie beim Rex nemorensis (des Virbius in Aricia), und dort hatte er die ihm obliegenden Aufträge auszuführen, als ein der Gottheit dedizirter (und ihrer Verfügung übergebener) Diener, gleich dem Edrokosi (bei den Eweern) oder dem der Gottheit (Edro) Geweihten (Kosi).

Sacerdos dicatus est numini, hoc est ad obsequium datus est. (s. Servius.)

Ihm untersteht dann derjenige Theil der Welt, der im Rechten zwischen Menschen und Göttern, den letzteren zugefallen. Sacerdos qui sacrum dat. (s. Varro.)

Beim Ausfall der Erblichkeit (wie in den Eteobutaden und anderen Priestergeschlechtem) war die Nachfolge vorzusehen durch göttliche Eingebung, gleich der des Kapurale (in Ceylon), wenn denjenigen erwählend, von dem er geträumt hat.

Sacerdos sorte ductus est, ut solet fieri, quum deest sacerdos certus. (s. Servius.)

Zur Ausbildung des Wongtschä (vom Wong besessen) gehört das Lernen des Wongtanzes nach der Trommel, das Liedersingen bei Wongbefragungen u. s. w. Die Ga-Wongmänner sind in drei Bezirke getheilt, nach dem verschiedenen Schlagen der Trommeln benannt, Kple-, Kpa- und Me-Leute. (s. Steinhäuser.)

Die Otutu-Leute sind (als Wongmänner) von dem Wong einer Asafo (Unterabtheilung eines Stadtviertels) besessen (mit der Otutu oder Kriegstrommel als Wong), in Krankheiten befragt und durch das Schauen in einen Kulo (Topf) mit Wasser antwortend (unter Besitzergreifung des Wong im Zucken beim Eisenschlagen). Wie in der Extase, unter dem den Teufelstanz begleitenden Gelärm, mag die Gottheit auch in der Versenkung angenähert werden, im Traum, als Götterraum (Dro-we), wenn träumend (Ku-dro, Gott erreichen).

Freilich gilt Nyamkupong jetzt zu weit entfernt, um Gebete hören zu können, aber »als der Erde noch näher, ertheilte der Himmel dem Menschen Weisheitslehren« (in Akwapim), wie Muchha, der als »Erster Mensch« (der Indianer) die Vorfahren besuchte (bei den Karen).

Entweder hat der Wong krank gemacht, weil es an Verehrung gefehlt hat, ein Gebot übertreten worden ist u. dgl. m. (so dass Opfergaben von Thieren u. s. w. nöthig werden), oder die Erkrankung rührt her vom Kla, weil die erwiesenen Wohlthaten nicht geachtet sind, in unordentlicher Kleidung keine Achtung bezeugt wurde u. dgl., und hier wäre Sühnung zu suchen im Schmuck, durch Geschenke u. s. w.; dann aber kann das Leiden durch die auf Rache (wegen ungenügenden Begräbnisses) bedachte Sisa eines verstorbenen Verwandten verursacht sein, und hier wäre dann die Vertreibung vorzunehmen.

Bei einer Krankenheilung am Alt-Kalabar gab zuerst der Abia-ibok ein Zweigblatt in die Hand (zum Erbrechenerregen), und dann blickte der Abia-idiöng in ein mit Wasser gefülltes Gefass, worin die Sonne flimmerte, um die Seele des Kranken zu erkennen, die sich indess nicht zurückrufen Hess, sondern (zum schlechten Pro-gnostikon) »flew away to the sun« (s. Waddeil). Die Priester der Pruczi sahen die Seelen leibhaftig zum Himmel fahren (nach dem Tode).

Nachdem der (orakelnde) Gima-Wong (Bote Gottes) oder Bribri (wunderlich oder unbegreiflich) für das Jahresfest (bei Labode) zusammengerufen hat, »verfügt er sich mit einem eben solchen Erdbeben und Gethöne, wie er gekommen, wieder weg und hinterlässt einen begeisterten Fetismacher, welchen die Schwarzen in die Hütte82) setzen und ihn eben so, als Giemawong selbsten verehren«. (W. J. Müller.)

Gbalo, prophet, soothsayer; Klamo, diviner (a person, who has a Kla or is possessed of a Kla).

Komfo (Okomfo), Priester (in welchen ein Fetisch eingegangen ist). Kom (tanzen, eingehen), to be possessed by a fetish.

Sorrefo (Sopho), Priester (sorre, aufstehen, anbeten).

Wontse (Priester) possessor of a fetish.

Osofo oder Sofo (Priester), Sorefo (one who prays).

Ayen, Zauberer (Beninjyen).

Bayen, Zauberin (Baifo).

Ayi begreift die bei Ernte und Leichenbegängnissen gefeierten Feste. The Aye (witches) are able to burn like a torch at night-time (in Akra), wie Irrlichter (Tück-bolde), als Seelen ungetaufter Kinder (in Mecklenburg).

In den Städten der Eweer finden sich die Legba (Bilder) der schützenden Götter (oder Edro) und der Stammesgott wird zu Anlo im dunkelen Tempel vom Priester befragt (für Orakel).

Mit Jou-jou wurde der Gottesdienst am Dio Fetisso oder Fetischtag (s. Artus) geendigt, unter Wassersprengen des Fetischir (in Guinea).

Der Hausgötze (Summam) wird in einen Korb88) (Sesju) eingeschlossen (bei Fetu), und heilige Körbe wurden in geweihten Mysterien getragen (zum Einlegen und Herausnehmen).

Die Seele des geschlachteten Thieres wird mit der Botschaft vertraut, welche der Edro (Gottesdiener) an die Gottheit Mawu übertragen soll (bei den Eweem), und die Scythen beauftragten den für Zamolxis Ge-spiessten.

Der Priester lässt die Arznei des Wong durch Nyongma (als Ata oder Vater) segnen (in Abokobi).

Die Verehrer der Gottheit im Blitz (Chebieso) tragen einen Eisenring (dem Blitzstrahl nachgeformt) am Arm (bei den Eweern), die des Feuers Ringe von Perlen und Steinchen, sowie Dso, als rothe Schnüre, (s. Schlegel.)

The people in the inferior at Akim, have for a fetish, what is called a »categury«, a large brass pan, said to have fallen in some remote age from heaven [wie die fürstliche Goldkette in Macassar, neben heiligen Urnen in Borneo]. The fetish house is omamented with swords and axes (s. Hutchinson), als Waffen, wie im Kakiroba-Hause Halmaheira’s oder in (ceylonischen) De-walas Ceylon’s,(auch zu Kamakura oder einst in Hercules’ Tempel zu Theben) für Bekämpfung (der Widersacher).

An der Goldküste wurde aus Feuer gewahrsagt34), vom Mutinu-amaja (am Congo) aus fliessendem, vom Molonga aus kochendem Wasser, in der Seidre-Kunst (s. Vlkst. am Brahmaquitre, S. XXXIV). Der Neoni sprach durch den Mund Nzazi’s u. s. w. (s. Besuch in San Salvador, S. 202). Es sind frawen und man die sich under-winden fewre zu machen und in dem fewre dann sehen geschechne und künftige dinge (in der »Kunst Pyromancia«).

Die Gbalo (Sprecher) genannten Wahrsager (in Guinea) rufen (wenn befragt) den entsprechenden Wong (Kla oder Sisa) mittelst einer Kette, die an dem Dach der Hütte hängt, und an der sie rütteln und ziehen, bis sich der Geist daran niederlässt (s. Steinhäuser) und bei den Bhiksu werden die Schnüre aufgehängt, zum Herabsteigen des Geistes (in Macassar).

Derjenige, dessen Speisereste u. dgl. m. mit Hongschnüren (aus dem Bast des Hongbaumes verfertigt) umwunden sind, wird in den darüber gesprochenen Verwünschungen verflucht (an der Goldküste) und »diese Glasse der Wongdiener ist mit ihren Producten die am meisten gefürchtete, indem sich der Neger denkt, dass vor einem solchen Fluch-Wong auch seine gewöhnlichen Geister zurückweichen«, (s. Steinhäuser.)

Die Eweer lassen sich von dem Priester mit Zauberzeichen umbinden85) (sa) gegen diejenigen Geister, deren Abwehr beabsichtigt ist.

Idiön, witchcraft (the conspiracy practised by the Abia-idiön), a brand put upon a person or a thing, by which it maybe recognized as belonging to anyone (in Efik)86), besonders wichtig zum Festmachen der Unverwundbaren (oder, von Hydarnes geführten, Unsterblichen) in Passauerkunst (der Mithras-Geremonien), wie (zu Ca-vazzi’s Zeit) in den Gesellschaftsbunden der Npungu, Cabanzo und Issaen (in Congo). S. Bes. in S. Salv. S. 202. Und hier lässt sich dann wieder in Vereinigungen doppelte Kraft gewinnen im Geheimniss der Meda87) (oder anderer Orgeonen). s. Vlkgd. S. 43.

O-Bossum-Fu ist ein Heidnischer Pfaff, welcher nur allein bey den O-Bossumen, den eingebildeten Schutz-Heiligen des gantzen Fetui-schen Landes auffwartet, ausser welchem niemand unter den andern Pfaffen sich unterfangen darff, einen O-Bossum zu fragen, und Antwort von demselben zu holen.

Ein solcher O-Bossum-Fu wird bey ihnen in grossen Würden und Ehren gehalten. Wenn jemand unter ihnen eine Missethat begangen, und den Tod verdienet, der Missethäter aber zu eines O-Bossum-Fu Wohnung fleucht, wird derselbe loss und ledig gesprochen.

Als im Jahr 1608 ein solcher O-Bossum-Fu in Fetu starb, wurden seinetwegen gewisse Trauer- und Klag-Tage im gantzen Lande an-gestellet.

Summän-Fu ist ein Pfaff, welcher sich in des Summän Dienste, Schlachten, Opffern, Fegen, und dergleichen Arbeit gebrauchen lasset. Dieser wird ebenmessig hochgeehret, jedoch aber hat jener den Vorzug.

Gom-Fu oder Sophu ist nichts anders, als ein Zauberer, welcher anderen zum besten ein eigenes Fitiso mit grossen Unkosten hält, durch dessen Hülffe er von zukünftigen Dingen wahr sagen wil. Wann die Schwartzen mit den Blan-quen reden, so nennen sie einen solchen Gomfu oder Sopha Fitisero, nach der Portugesischen Sprach einen Zauberer oder Hexenmeister. (W. J. Müller.)

The Abaw-Efik, the keeper of Ndem Efik (the great Idem of Galabar or the tutelary deity of the country) in the execution of his Office is subjected to certain restrictions (the violation of which Ndem Efik punishes with death), so that the office is not now an object of desire (s. Goldie), wie in Niue Niemand mehr den gefährlichen Posten des Königs bekleiden wollte (s. Turner), und die Candidaten des Gonsulates in Rom gerne das Amt des Flamen, wenn aufliegend, los zu werden suchten (in den späteren Zeiten der Republik).

Das Myal-System sollte (unter den Negern Jamaica’s) Krankheiten heilen und Uebeln entgegenwirken , welche das Obea hervorgerufen hatte. Die Myal-Ausüber hielten sich für Engel des Lichts und nannten die des andern Systems Engel der Finstemiss.

Es gehörte zur Kunst und Macht eines Myal-Mannes, den Schatten eines Verstorbenen zu fangen und ihn für Zwecke der Zauberei zurückzuhalten. Derselbe musste am Grabe gefangen werden, bpi oder bald nach dem Begräbniss; deshalb war die Abenddämmerung, in welcher die Beerdigungen gewöhnlich stättfanden, oder eine Mondnacht die geeignete Zeit für dies ge-heimnissvolle Werk. Von all dem Volk, welches das Grab umstand, sah der Myal-Mann allein, was von den andern ungesehen blieb: den Schatten oder Geist des Verstorbenen, wie er über seiner letzten Wohnstätte schwebte; und er versuchte, ihn durch mancherlei heftige Gestikulationen, durch Laufen und Haschen zu ergreifen, oder, wenn er davonfloh und ihm entschlüpfte, durch seltsame Rufe ihn zu bezaubern. Gelang ihm dies, so verschloss er ihn in einem hierzu verfertigten kleinen Sarg, der entweder in demselben Grabe beigesetzt wurde,, oder im Hause und unter dem Bett des Myal-Mannes aufgestellt, für späteren Gebrauch. Zuweilen war er nicht leicht zu fangen und entkam auf die Weide oder in den Wald, wohin die Gehülfen dann den Myo-Mann bei der Verfolgung begleiteten, über Hecken und Gräben, Steinwälle und alle Hindernisse hinweg, mochte man nun einen Leuchtflieger oder einen Nachtvogel, etwas oder nichts, verfolgen, bis der Führer seinen Zweck erreicht und den Geist in Sicherheit gebracht hatte.

Ausserdem konnte der Schatten selbst vor dem Tode verloren gehen, so dass man eines Andern Seele stehlen konnte. Ein sechzehnjähriges Mädchen war sehr bekümmert, weil sie glaubte ihren Schatten verloren zu haben. Jemand hatte ihn gestohlen, wie sie sagte, und sie suchte ihn an den bebuschten Ufern des Stromes, oder um den riesigen Baumwollbaum und an andern heimgesuchten Plätzen, im Mondschein, zwischen den andern Schatten dieser Orte. Ihre Freunde, die sie zur Behandlung brachten, gaben die Versicherung, dass sie nicht mondsüchtig sei, und obgleich sie selbst nicht an diese Dinge glaubten, so thaten es, nach ihnen, doch viele andere. ( Waddel.)

Mehr noch als die Todtenseele (Uhane make) wird die ausserhalb des Körpers umhergehende Seele eines noch Lebenden (Uhane ola) gefürchtet (in Hawaii), doch giebt es dafür Poi-Uhane (Seelengreifer), welche die Vagabonden mit Händen greifen (wie bei den Taculli).

(Z. Kenntniss Hawaii’s, S. 21.)

Der Ursprung des Endoxe wird in den Schöpfungsmythen mit dem ersten Sterben in Verbindung gebracht, das erst (wie bei den Grönländern) nach einem Götterstreite eintrat, während anfangs das Leben beständig währte und sich (gleich dem der Caroliner)* mit dem Neumond stets erneute. Ursprünglich tödtete der Endoxe im Aufträge der Gottheit, zu der er an einem (auch in der Mythologie der Chibchas bekanntem) Spinnenfaden hinaufkletterte. Seitdem er indess von einer moralischen Verurtheilung getroffen wurde, bildete sich im dualistischen Gegensatz zu Samba ampungo im Himmel, die Vorstellung des bösen (impi) Gottes in der Erde oder des Sambi impi, und durch Beschwörung dieses mit seinen höllischen Geistern soll nun der Teufelskünstler seine Kunst erwerben. Der Ganga oder Priester, dessen Weihe stets auf Schwierigkeiten stösst (und in Guyana z. B. durch die Seefrau vermittelt werden muss), tritt erst in zweiter Linie nach dem Endoxe hervor und wird geradezu für einen abtrünnigen Endoxe erklärt, der, um beim Todesurtheil sein Leben zu retten, sich für schuldig erkannte und, um des Cassa-Essens überhoben zu sein, sich erbot, die ihm bekannten Kräfte und Milongo (oder Zaubermittel) fortan zum Besten der Menschheit, statt zu ihrem Schaden zu verwenden. So kann es nicht überraschen, dass die Stellung des Ganga vielfach zwischen weisser und schwarzer Magie schwankt, und dass er in alte Gewohnheiten des Schadens zurückfallen mag. Jedoch bleibt davon getrennt die Klasse der den heiligen Boden der Muttererde hütenden Ganga, deren Existenz mit der göttlichen Einsetzung der Fürsten in Verbindung gebracht wird und schon mit deren Function als Priesterkönig eng verknüpft ist.

(D. E. n. d. L. II. S. 162.)

In Mawu, dem unübertrefflichen als jenseitigen und somit unbegreiflichen, gleich Wacan der Dakotah, fasst sich der Himmel, nicht das sichtbare Firmament, sondern, wie in chinesischer Philosophie, der Ursprung siderischen oder kosmischen Wirkens, ähnlich einem alles durchdringenden Weltäther moderner Naturphilosophie oder dem Wirksamwerden der potentiellen Energie (in kinetischer Naturlehre), und indem es heisst, dass dieser Weltschöpfer beständig weiter schafft, so quellen aus ihm alle Seins-Einzelheiten, die, weil in Vielfachheit vor Augen tretend, nun auch ein jedes mit seinem idealen Vorbilde oder Eigentümer einwohnend, wie der Innua der Eskimo (oder Kelah der Karen »nullus enim locus sine genio est«) angeschaut werden. Dadurch folgt die bunte Vielfachheit sogenannter Fetische (oder Bosom) als Schutzgeister oder immanenter Genii in Won und Edro, die bei hervorragenden Erscheinungen sich mit einem gottähnlichen Gewände bekleiden, obwohl sie auch in demjenigen auftreten, was, als den Fremden besonders auffallend, mit dem Namen der Fetische bezeichnet wird, nämlich der Amulette und Talismane, oder Zaubermittel in Juju und Grigri. Hierüber erwirbt sich der Wontsche oder Besitzer eines Won, als Priester (oder Ganga Loango’s), durch Kenntniss kultureller Ceremonien eine je nach Umständen einflussreichere Macht, und sein Widersacher erscheint dann leicht in dem Dunkel feindlichen Gegensatzes des Endotsche oder Hexenmeisters, der, wenn nicht bezwingbar, — also wie in Ceylon z. B. nicht Wasavarti, unter dem mit Buddha abgeschlossenen Huldigungseide, gehorchend, — einem fremden Reiche angehörig gelten mag, dem von Mawu oder Niangpong unabhängig, gleichfalls in der Welt herrschenden Bösen oder Abonsom41) (mit Sasa-bonsom im Erdboden). Wem es also gelingen sollte, mit solchen, durch legitime Riten einer Theologie unnahbaren, Gewalten einen Teufelsbund (im Homagium) einzugehen, der wird durch die Schrecken schon, welche die furchtbaren Waffen, wie sie jetzt zu seiner Verfügung stehen, verbreiten müssen, höheres Ansehen gewinnen, vermehrt gerade mittelst des geheimnissvollen Mysteriums, das sich dem Durchblick orthodoxen Kultus entzieht, aber deshalb von dort her am wirksamsten bekämpft wird, durch das Anathema heterodoxen Abfalles (von dem gesetzlich Gestatteten), mit Hülfe der Staatsgewalt die Mittel der Vernichtung in Kraft setzend (durch Giftnuss oder Scheiterhaufen).

Wie von Mawu die Wong, als seine Kinder, niedersteigen, alle Naturgegenstände göttlich durch-geistigend und beseelend, so erfüllen von Njankopomp herab die Sunsum die Natur (als Obosom).

Nyame oder (in Ashantie) Onyame bezeichnet (als Gott) den Himmel, wo Nyankupon44) (in Akwapim) wohnt, der als Schöpfer der Welt die Ordnung derselben den Naturgeistern (Bosom) übergeben hat (s. Riis).

»Die Odschi-Neger denken sich Gott als im Himmel wohnend (ote sorro), schreiben ihm die Schöpfung zu (Nyankupon abo ade), auch die Naturerscheinungen der oberen Atmosphäre, wie Donner, Blitz, Regen u. s. w., legen ihm auch zuweilen Eigenschaften, wie Allmacht, Güte, Allwissenheit und Allgegenwart, bei, denken sich ihn aber sonst ausser aller Beziehung zu sich selbst, indem er nach ihrer Vorstellung sie ganz den Naturgeistern (Bosom) untergeordnet hat, und sich selbst um die kleineren Angelegenheiten der Menschen nicht kümmere«

(s. Riis), wie dies sonst auf Engel delegirt werden mag (und deren Aequivalenten in ethnischen Schöpfungen).

Neben dem allgemeinen Gottheitsbegriffe in Abasi-Ibum (almighty god), oder als Emanation desselben: der Gott Idem-Efik »is supposed to preside over the affairs of Kalabar« (personifiziert im Baume Idem-Nyanga), und als seine Ausflusskräfte durchdringen nun die Idem45) (wie die Kelah der Karen) alle Naturgegenstände, einem jeden derselben einwohnend (und deshalb aus einem jeden auch als Fetisch verwendbar). The Idems are inferior to Abasi in power (in the Ibibio country). Of all these the Ndem Efik is greatest, and its high priest »Aubong Efik« or King of Kalabar the greatest man in the country (s. Waddell), als irdischer Repräsentant aus dem Jenseits (ähnlich dem Dalai-Lama).

In der Religion sind die Akraer, wie alle Neger der Goldküste, der Abgötterei ergeben. Sie erkennen ein höchstes Wesen, das die Welt und alles, was darinnen ist, erschaffen hat, das sie mit dem Namen Rumbo belegen. Aber sie glauben, dass dieses erhabene Wesen viel zu vornehm sei, als dass es sich um die Handlungen der Menschen bekümmern sollte. Es habe deshalb eine Menge Unter-Gottheiten geschaffen, die auf das Thun der Menschen Acht haben sollen, und dies ist der in der guineischen Geschichte so berühmt gewordene Fetis. Die Neger wenden sich allezeit zu ihm mit ihren Gebeten und Opfern, da sie dafür halten, dass er sowohl Gutes als Böses thun könne. (Isert.)

Von einem höchsten Wesen scheinen zwar die Wanyika nicht viel zu wissen, indem sie sagen, da man keinen Schöpfer Himmels und der Erde sehe, so gebe es auch keinen; doch hat jedes Dorf sein »Dschumba dscha mulungu« (Gotteshaus), wo die Zauberer ihre Beschwörungen machen, ehe die Wanyika zum Krieg aus-ziehen, und wo man sich versammelt, um Regen und Aehnliches zu erflehen. Denn auch dies Volk hat seine Regenmacher; als Vermittler zwischen dem »Mulungu« aber, dem Himmel oder höchsten Wesen, und den Menschen dienen die »Koma« oder Schatten der Verstorbenen, die deshalb auch in höherem Ansehen stehen, als der Mulungu selbst. Ausserdem fürchtet man die »Pepo« oder bösen Geister, denen jegliches Uebel zugeschrieben wird, und sucht durch allerlei Zaubermittel, Ugengu, sich gegen ihre Einflüsse zu sichern. Wer nach ihrer Meinung von einem bösen Geist oder Teufel besessen ist, geht in zahlreicher Begleitung unter Tanzen, Schreien und Trommeln mit einem weissen Huhn in der Hand nach dem Meeresstrande, wo er nach Tödtung des Huhns ein Seebad nimmt, während seine Begleiter den schauerlichsten Lärm machen, um den Teufel auszutreiben. Dann gehen sie, der vorher Besessene auf einem andern Wege, ganz still wieder heim, in der festen Meinung, der Teufel sei nun zurückgeblieben. Auch an bösen Zauber glaubt der Wanyika, und oft wird, wer dessen verdächtig ist, dass etwa durch seine Schuld kein Regen auf die Reis- und Maispflanzungen fiel, getödtet; jeder Ort aber, an dem ihnen ein grösseres Unglück zugestossen, als bezaubert, verlassen. (Grundemann.)

Die Seele der im Anschauen der Mondscheibe Ohnmächtigen (bei den Kamma in Gumbi) erhielt, zu Ilogo (im Mond) aufgestiegen, von dort das Heilmittel (47) (s. Du Chaillu).

Obwohl die Welt der Götter voll ist, im Polydämonismus, »als ursprüngliche Vorstellungsform der Religion« (Pfleiderer), wölbt darüber sich doch das ungestillte Sehnen nach höherer Befriedigung hinauf.

Unter den Wong interessiren weniger die allgemeinen, die des Meeres, der Gebirge (eher der Berge u. s. w.), als die mit den besonderen Landestheilen verknüpften, z. B. im Flusse desselben die Flussgottheiten, und als der Oberste gilt der Fluss Sakumo-Fio (in Akra), im Stammesahnen (gleich Inachos, Kephissos, Peneios, dann Spercheios u. s. w.) verehrt, und der Wulomu, von den Stadtältesten mit dem für seine Ehe ausersehenen Mädchen versehen, hat den jedesmaligen Wong der Ansiedelung zu bedienen, um dadurch dem Volke Glück und Segen, (der auf private Anfrage ebenfalls verliehen werden mag), zu sichern, gleich dem Pahan bei Oraon, den Festordnern bei Karen u. dgl. m. Dies ist die unter besonderen Gunstfällen als Priesterkönig hervortretende Gestalt, und sein eigenes Wohlsein wird wieder als Unterpfand des allgemeinen Wohlseins vorausgesetzt, so dass die Unterhaltung auch öffentlich, wie bei Talapoin, auf freiwillige Kosten stattfindet, und wenn Landplage droht, werden dem Ofnon Geschenke gebracht. Aus der grossen Anzahl der übrigen Wongs, verschiedenen und zum Theil böswilligen Temperaments, können nur die für bestimmte Zwecke geeigneten, durch die in Besessenheit anrufenden Wongtsche (die dann jedesmal einen Wong als partikularen besitzen) herbeigerufen werden zur Einfahrung für Orakel; dabei jedoch, um keine mit strafender Rache bedrohten Fehler zu begehen, setzt sich genaue Kenntniss der Liebhabereien des jedesmal gewählten Gottes voraus, und somit mancherlei dem Laien verborgene Geheimkenntniss, die deshalb, weil unkontrolirbar, (wenn etwa in feindlicher Absicht angewendet), gefürchtet und so leicht in Beziehung gesetzt wird zu dunkel waltender Macht des Bösen in Abonsa.

In der Mehrzahl der Fälle aus dem gewöhnlichen Leben geht dagegen Alles glatt geschäftsmässig ab, da die Gerechtsame zwischen Götter und Menschen im Ritual genau festgesetzt sind, und der Verwalter des Heiligthums also dem Applicanten in deutlichen Ausdrücken seine Verpflichtungen klar legen kann, deren pflichtgetreue Erfüllung dann wieder den Wong zur schuldigen Gegenleistung verpflichtet, nicht nur »honoris causa«, sondern auch verständiger Wahrung eigenen Interesses halber, da er sonst riskiren könnte, seiner Stellung, und somit des täglichen Brodes (in der Opferfütterung), verlustig zu gehen. Es liegen Beispiele genug vor Augen, dass, wenn auf allzu harte Proben gestellt, die Geduld des frommen Verehrers schliesslich abriss, und der Fetisch zerbrochen wurde oder doch zum Tempel hinausgeworfen.

Der Name Njankupong oder Yankumpon hat mancherlei Deutungen erfahren, während er etymologisch undeutbar gilt, und nur an Stelle des für Himmel verwandten Wortes Njame gebraucht wird (nach Riis). Mit den weiteren Wechseln (bei den früheren Bericht erstattern) in Nyankupön50) von Sankumpon und Jan-kupong (Jan-Kumpon) könnte man sich gelegentlich bis auf einen Kumpan jener Kompagnie führen lassen, die auch im holländischen Ostindien auf abgelegenen Inselgruppen (wie die Aru, Key u. s. w.) symbolisch fortwirkt in der Phantasie der Eingeborenen, um höchsten (und für sie idealistischen) Bedürfnisse in Namensbezeichnung zu genügen (wenn sonst dafür mitwirkend beeinflusst).

Der überall in Religionen durchklingende Zwiespalt des Menschen zur Welt folgt aus der Beschränkung dessen, worin sich am vollsten die eigene Persönlichkeit verwirklicht fühlt, aus der Beschränkung des Willens, der Vieles will (und wünscht), was er nicht kann.

Zur Wiederherstellung solchen Bruches wird nun auf der durchweg gleichartigen Elementar-Grundlage der Sympathie das Heilmittel gesucht, und zwar, wie immer, im Widerspiel einer symbolischen Handlung ähnlicher Art.

Daraus empfiehlt sich die Selbstbeschränkung des Eigenwillens, und zwar in der Enthaltsamkeit bestimmter Form (je nach idiosyncrasisch bedingter Wahl), auferlegt durch das Gelübde, im Mokisso des Einzelnen, und in allgemeingültiger Weise, unter Beziehung zum Cultus, realisirt in dem, was sich in Polynesien als Tabu, in Indonesien als Pomali bezeichnet, was in Afrika dem Fetisch Genannten (oder Bossum) zu Grunde liegt, und seinen Ueberlebseln nach aus Sacer bei Ariern, als Haram bei Semiten Bekanntem herstellbar bleiben würde, und wenn sich unter bereits bindend anerkannten Cultus-Ceremonien die Sühne durch Geschenke (nach dem Rechtsabschluss mit den Göttern), beim Opfern suchen lässt in evxrf und votum, erkennt sich in der dedicatio noch die Theilung des Eigenthums zwischen menschlichem und göttlichem (s. Indonesien, S. 78).

Bei Harim liegt die Grundbedeutung im Verwahrtsein, zum Schutz des Heiligen gegen das Profane (im El-Haram oder dem Innersten des Tempels, wo der Gottesdienst stattfindet), während der Harami (oder Räuber) das Verbotene übend, als doeßijg erscheint; dann folgt aus Herem der Fluch (oder Bann), Hahrim den Fluch hinaufwerfen, und Horma die verfluchte Stätte (als der Verödung geweiht), und in El Haramäim dagegen begreifen sich die heiligen Stätten (Mekka und Medina), als reservirt (im Kedesh).

Uqcc (ursprünglich Gebet) wurde zum Fluch und sogar Uebel, insofern dies wenn unverschuldet als Folge fremder Wünsche betrachtet wird (s. Herrmann), mit »snellem fluoche« neben Segenssprüchen, »rauco susur-ramine« in Brandenburg (1735),. Die Fluch-Wong sind fünffingrig und stärker als die vierfingrigen (s. Steinhäuser) die Tiki haben 3 Finger (bei den Maori).

Ibet (divine law), a prohibition or vow of a binding nature, forbidding anything or engaging to abstinence from it (am Kalabar), the thing prohibited or abstained of, »Unen edi ibet me«, the ibet of a hen is the thing prohibited (against the use of which I vowed) Ukanje (vow) oath (the thing vowed, devoted, or the forfeiture pledged) in Efik (s. Goldie)62).

Die Guineer enthalten sich zu Ehren ihres Fetisches »einer gewissen Art Speise oder Getränk« (nach dem Ehegelübde). Daher isst der Eine kein Rindfleisch, der Andere kein Ziegenfleisch und Hühnervieh, der dritte enthält sich von Palmwein oder Brandtwein« (s.Villault). Jeder an der Goldküste »a ses viandes d6-fendues« (Bosman).

Sothaner Erb- und Haus-Götze wird in einem Korbe (Sesja) eingeschlossen (bei den Fetu) und bei einem jeglichen Summän ist auch ein absonderliches Gelübde, welches sie denselben müssen bezahlen. Zum Exempel: der Eine trinket Zeit seines Lebens keinen Brandtwein, der Andere keinen Palmwein, der Dritte isset kein Kuhfleisch, der Vierte kein Ochsen-, der Fünfte kein Schaaf-oder Ziegen-, der Sechste kein Hühnerfleisch (W. J. Müller).

Wie die Opfersteine der Karthager sich aus dem an Baal gerichteten Gelübde (Nidr) aufrichten, so das ganze Religionsleben des Fiot aus seinen Mokisso63) und Gelübden, und solche kennt man in ihren Ueberlebseln weithin noch, bis nach Ostfriesland, denn »bei schwerer Geburt ist es heilsam ein Gelöbniss zu thun« (Wuttke).

Kanga (to vow to) to swear (by Ndem Efik).

Akanga (fate) vow (promise).

Unwönö (assurance) oath.

Nwöno (to assert) swear.

Diön (to benefit) to bless (im Efik).

Abia-diön (a practitioner of sorcery (s. Goldie).

Idiök (bad) forbidden (Idiön, witchcraft).

In der auf älteste Wurzeln zurückreichenden Kulturschöpfung des Buddhismus lehrt sich die im Materialismus (s. A. Lange) angestrebte Seelenlehre »ohne Seele«, da in der Psychologie des Abhidhammen die Seele ausfüllt und direct negirt wird (bei Nagasena).

Je tiefer dagegen wir hinabsteigen in die Barbarei der Naturstämme, desto komplizirter schraubt sich die Psychologie zusammen, in Vervielfachung der Seele, die bei Karen als siebenfach bekannt ist, vierfach bei Khond, Dakotah, Batta u. s. w., als doppelt wenigstens überall (gleich birmannischer Leipya im Traume flatternd).

Bei den Odschi praeexistirt das Kla, das bei der Geburt der Neugeborenen einen Spiegelreflex hineinwirft, als Seele oder Sasuma (Schatten), die nun von der andern Hälfte (in der ihm offenbarten Form des heiligen Naturgegenstandes, wohinein sie gefallen ist) als Schutzgeist begleitet wird (in der innern Stimme, als Gbesi, redend), und nach dem Tode sich in das Gespenst der Sisa wandelt, die (bis zum Abzug nach den Geister-Inseln am Volta) am Grabe umherspukt, und sich als Bla neu incamiren kann, zur Wiedergeburt im Stamme.

Bei den Eweem sendet die Gottheit Mawu’s aus dem Seelenlande Nodsi die geschlechtliche Hälfte auf die Erde hinab, als Dsogbe (am Geburtstag)65), um den Embryo zu beseelen durch Luwo (Seele) oderSchatten, und ihm zugleich als (vom Kla abscheidender) Aklama (Schutzgeist) durch das vom Dsi (dem Herzen) begeistete Leben (mit dem Gedanken oder Susni des Verstandes oder Tarne, als »Kopf-Inneres«) zu begleiten, bis zum Tode, wo bei der Rückkehr nach Nodsi, auf Erden dann nur das Seelengespenst Noali zurückbleibt, und die Hinterbliebenen belästigen könnte, wenn nicht kunstgerecht vom Zauber-Priester verscheucht.

In madagassischer Seele verschwindet Saina (beim Tode) unsichtbar, als Levona und Aina im Winde (Riwotra), während neben Fanahy, aus geistigem Prinzip, das gespenstische Matoatoa fortspukt (s. Ellis).

Bei den Karen wird aus dem Kelah die Einzelseele des jedesmaligen Menschen durch den in seinem Haupte thronenden Tso, als Thlah, in moralischer Ordnung gehalten, deren Störung dann die der Gesundheit bedroht (psychisch oder physisch), s. Vorstellungen von der Seele (S. G. W. V. X, 226, S. 19).

Wenn sich aus dem Noli die Lu wo (Schatten) als Seele dem Körper vereinigt hat, bleibt der andere Theil als zugehöriger Edro oder Schutzgeist (mit dem Sitz in einem auserwählten Naturgegenstande), und so erscheint Kla doppelt, als Seele, sowie als begleitender Schutzgeist derselben (gleich dem Fravashi), wie der ‚“Khuan auf dem Scheitel der Siamesen thronend, in Ohnmächten zurückgerufen (und so aus der Scheidung in der Doppelseele), beim Traum wandelnd (unter Ta-galen, Birmanen u. s. w.)56). So lange der Tso seinen Sitz im Haupte bewahrt, können böse Geister nicht schaden (bei Karen).

In Ceylon wird der legitime Kult (neben offiziell orthodoxem Buddhismus) von den Capurale (an den Dewalas) geübt, unter dem nach der Unterwerfung unter Buddha getroffenen Abkommen mit der brama-nischen Götterwelt, während in der Besessenheit der Yako-Duro (an den Coviles) diejenigen der vorbuddhistischen Dämonen (Teufel) ihr Unwesen treiben, die gleich den Geistern depossedirter Urbewohner sich noch nicht haben befriedigen lassen, sondern auf Rache bedacht geblieben sind.

Geist heisst (im Odji) Sunsum (Sunsuma, Schatten)67), und so bezeichnet (im Efik) Ukpon (shadow), the soul of a man, die Seele, welche, (gleich der der Longobarden, Birmanen, Hawaier und vieler Gesinnungsgenossen) den Körper beliebig verlassen kann, um andere Plätze zu besuchen. Jeder Unfall, der auf solchem Wanderleben zustossen sollte, wirkt dann als Krankheitsempfindung68) auf den Körper zurück, aber anderseits vermag derselbe auch des Schutzes zu geniessen, den ihm die im heiligen Thiere seiner Prädestination reflek-tirte Seele zu gewähren pflegt.

Die Seele des Menschen ist, ehe in die Leiblichkeit eingezogen, ein Noli (Geist) gewesen; wie der ganze Weltraum (Ghecheme) mit geistartigen Wesen, guten und bösen, erfüllt ist, jeder Mensch hinwiederum seinen eigenen Schutzgeist hat, so wird die schattenartig (Luwo, Schatten von Lebendigen und Seele) abgeschiedene (Aklama von Kla, abscheiden) Seele des Verstorbenen wieder zum Noli (Geist, auch Gespenst), welche Geister dann theils in neugeborenen Menschen wieder zu Seelen (Luwo) werden, oder in gewissen Thieren wiederkommen (s. Schlegel).

Sofern die Seele eine wandernde, abscheidende, heisst sie Aklama, sofern und solange sie im Leibe des Menschen wohnt, luwo (Schatten), sofern als völlig geschieden, Noli59) (Gespenst), wie auch vor der Incarnation bei der Geburt (bei den Eweem), aus einem Koafiog vorjtog.

Der Kla (in Ga) oder (in Odschi) Kra im Menschen als Leben (oder Seele), Böses redend mit männlicher Stimme und mit weiblicher Gutes, umgibt als Schutzgeist (s. Steinhäuser).

Dsi (Oberer) oder Himmel bezeichnet (wie das Herz) das Geistige im Menschen (beim Eweer) und gbogbo dsi sterben (das Leben aushauchen).

Die abgeschiedene Seele (bei den Issinesen) belebt im Mittelpunkte der Erde »einen neuen Körper in dem Leibe eines Weibsbildes» , und dasselbe geschieht von dortaus auf der Erde (s. Loyer). Auch Seelenwande- rangen durch Thierleiber mögen zwischenfallen, um in den heiligen Thieren bei Dix Cove u. s. w. die Ahnen zu ehren, und »in Yoruba wandeln sich Menschen in Thiere« (s. Isert), auch während des Lebens etwa, in Hyänen (die Buda) in Abyssinien, in Löwen die Hottentotten, in Tiger Kambodier (und Wehrwölfe Europas), s. Vlk. d. ö. A. IV, S. 20. So kann auch bereits während der Schwangerschaft die künftige Seele des Embryo influenzirt werden, in magischer Bindung, oder jedenfalls von Neugierigen ausgehorcht60). Neben den in Wiedergeburten meist erblich innerhalb des Stammes fortgepflanzten Seelen können aber auch neue hinzutreten, aus der Seelenheimath Nodsi bei den Eweem, und »wenn Nyongmo das grosse Thor öffnet, kommen neue Kla als kleine Kinder herab (s. Steinhäuser), während die Sisa, wenn sie wollen, wieder zu Kla werden können, in Menschen (oder auch in Thieren). In der Auffassung der Kla (bei den Odschi) kommt das organische Wachsthum des Denkprozesses zum Bewusstsein für den, der nicht selbst zu denken, sondern ein Etwas in sich denken fühlt. So doppelt sich die Seele, zweifach zerfallend, in diejenige, welche im eigenen Willen wirkt, und diejenige, die gleich Sokrates* Dämon als Stimme zu sprechen scheint, guter oder böser, weiblicher und männlicher (in Gbesi) für Kla, als nochmals gespalten. Wie man manchmal, unzufrieden mit sich, zurückblickt auf den verschiedenen Ausgang, der beim Folgen früherer Eingebungen resultirt haben würde, so liegt es dem Guineer im Gedankengange, gesondert solche Wesen zu setzen, die gleich einem guten oder bösen Genius die Seele begleiten und ihre Ehrerbietung verlangen (wie Ming Khuan bei den Siamesen u. s. w.). Gum nascimur, duos genios sortimur (s. Virgil), und »Genium appellant deum (Paul. Diae.), naturalem deum uniuscujusque foci vel rei aut hominis« (s. Ser-vius). Als Atua begleitet die Seele im Schatten, und unter den Paradoxen, ob »der Schatten lebendig«, könnte sich die Wage zur Bejahung neigen (nach Fechner). Ist eine Person gestorben, so kann der Sisa62) im Hause bleiben, wo der Leichnam ist; da kann er mit seinen Gebeinen aus dem Grabe steigen, aber Niemand sieht ihn, ausser dem Wongmann; er kann da die noch Lebenden plagen, krank machen u. s. w., bis er entweder selbst sich an den eigentlichen Aufenthalt der Sisa, an die Ufer des Volta (Aisa) begiebt oder vom Wongmann dorthin getrieben wird (s. Steinhäuser). Hat der Kla krank gemacht, so giebt sich (beim Citiren durch den Wongmann) als Ursache: weil erwiesene Wohlthaten nicht geachtet seien oder keine Ehrerbietung bezeugt wurde in angemessener Kleidung u. s. w. (s. Steinhäuser), wie in Siam der Kopf nicht berührt werden darf (und die Haare sorgfältig behandelt werden müssen), um den Khuan (Ming Khuan) nicht zu beleidigen, sonst könnte (bei seinem Entfliehen) das Kind von Krämpfen ergriffen werden, und dann bedarf es des Zurückrufens (im Riök Ming Khuan). Vlkr. d. ö. As. III. S. 236. The spirit Tso resides on the upper part of the human head and as long, as he keeps his seat, no kelah can do any mischief (bei den Karen). Ils appellent l’ombre d’une personne Passadoor ou Conducteur, et disent que cette ombre temoignera contre eile, si eile a bien au mal vecu (am Benin). Der dem Einzelmenschen begleitende Geist Akua noho (einwohnender Gott) wacht über denselben (cf. Hawaii Z. K. H. S. 18). Die Wittwe (in Fetu) sammelt Geld, ein Opferthier zu kaufen für den Priester, afin qu’il prie les Fetiches du defunt, de le conduire en lieu de repos (s. Villault), so dass der eigene Genius dann als Psychopompos fungirt (wie der treue Haushund bei den Polarvölkern). Bei dem Begräbniss im Hause kann die Seele dort in bequemster Weise durch einen Trichter (wie am Bonny und in Assam) gefüttert werden, um das Hinaustragen der Dadisa oder Todtenmahle auf die Kirchhöfe zu sparen, und auch der Platz lässt sich im Leben schon (wie bei der Sargbestellung in China) für die Zukunft aussuchen. A ravine full of the densest and richest Vegetation, whence a limpid well of delicious water gushes up and flows along in a purling stream to the river (am Ka-labar), was considered hallowed ground by the king, and all his people had strict commands to revere it as such. Not a branch of a tree was allowed to be cut here, for the king believed it to be the residence of the god >Anansac63), the tutelary guardian of Oldtown, with whom he espected to take up his abode, when he died (s. Hutchinson), und so reservirte sich Numa seinen Hain (Egeria’s).

Die Ekpo (ghost, a disembodied spirit) >are believed to remain on earthc (in Kalabar), und indem das Sterben beständig fortgeht, bedarf es aller zwei Jahre der Ndök genannte Ceremonie zur Auskehlung, indem die in die »traps« (s. Goldie) der Nabikim — (a rüde figure or image of something, as of a man, an isantem etc., made of grass, old cloth, or any slight material and stuck up before the houses) — vor dem Lärm geflüchteten und so gefangenen Luftdämone in den Fluss geworfen werden (and the town is considered purified). Später werden die Seelen in immer weitere Entfernung gedrängt, meist nach Westen (wie in Polynesien), und besonders strebt man sich durch einen Fluss (der Vergessenheit, im Lethe) von ihnen zu separiren, unter Anweisung eines besonderen Geisterreiches, (s. Mensch in der Geschichte L, S. 207.)

Immerhin sucht man jedoch gerne einen geeigneten Verkehr zu unterhalten, besonders mit den Geistern (den Ahnengeistem des durch sie zaubernden Schämen) der Weisen und der Greisen, der in der vorliegenden Gliederung der Altersklassen64) naturgemäss aufgestiegenen Geronten des Senatus, gleich den Gnekbade der Kru, als erfahrungsreiche und deshalb werthgeschätzte Rathgeber (wie in kirgischer Parabel dargelegt), und so heisst der »gelehrte Mensch« (s. Gaster) »der Schatzmeister der Zukunft« (in rumänischer Alexander-Sage).

Mit den Königen werden in afrikanischen Leichenfesten die Diener in Menschenopfer zum Jenseits befördert, wo jene fortthronen in Herrlichkeit und so von dort noch rückwirkende Kraft äussem können, wie im gra-duirten Masse die Vornehmen überhaupt, während die Seelen des Volks, als vom Atua gefressen, gänzlich zu Grunde gehn (in Polynesien).

Der Mensch findet in sich selbst ein Etwas, das im Verständniss desselben freilich er selbst66) ist, das aber doch, weil aus einem Unbewussten aufsteigend, sich für ihn doppelt in der Stimme des Innern (als Gbesi), und so überträgt er auf alle anderen Naturgegenstände gleichfalls ein Innerliches als Geistiges aus einem xofyiog vofjrög, in einen Edro oder Won. Auch in der Noli des Idealmenschen wohnt also bereits ein Edro, der dann, wenn der Luwo als Schatten sich dem Körper einigt und dort einen eigenen Willen gefunden hat, in einem andern Naturgegenstande Stellung nimmt, demjenigen, mit dem in empfänglicher Stunde sich die Aufmerksamkeit geeinigt hat, ihn als Schutzgeist für das Leben zu wählen, (wie der Indianer sein Totem). Auch dem Fetu ist persönlich ein Thier heilig, dessen er sich von den Ahnen her, also stammweise, zu essen enthält. Aber ausserdem mag er sich für bestimmte Zwecke die dazu jedesmal geeigneten Fetische, oder die Edro derselben, günstig stimmen in geweihten Amuletten, und wird durch solche Möglichkeit, einzelne zu Freunden zu gewinnen, auf die Weiterforderung geführt, andere als ihm feindlich zu betrachten, deren Abneigung zu sühnen, (unter Kenntniss zauberkräftiger Riten), oder (bei eigenem Besitz genügend kräftiger Schutzgeister) zu bekämpfen gilt. Da aber nun in manchem oder der Mehrzahl der Fälle das Feindlich-Böse im Leid des Lebens sich über jede einleitbare Berechnung hinaus als unnahbar überwiegend erweist, tritt die Vorstellung einer schwarzen Hälfte der Natur in dem dualistisch bei Mawu der Gottheit die Wage haltenden Abonsom hinzu, auf der Erde reflektirt aus dem dunklen Schosse derselben, in Sasabonsom, und hier, wenn überhaupt ein Widerstand geleistet werden soll, benöthigt sich gefährliches Operiren, das oft schon im Leben dem Angeklagten dieses kostet, um die Sicherheit in dem (dem Menschen als £ooov noXmxdv vorbedinglichen) Gemeindewesen zu bewahren. Solche Vorstellung verbindet sich dann mit der des Todes, wie in dem als Jäger erscheinenden Kuku (Tod oder Sterben), und nur die ihm unter den Menschen schon, als Böse, Verfallenen sind deshalb auch dem vollen Tode verfallen, während dieser sonst einfache Einleitung zur Neuerung der Wiedergeburt bildet, nach periodischem Spuken am Grabe. Indem es heisst, dass Mawu die Seele (in Noli) jedes Neugeborenen aus Nodsi einnimmt, dem Stammeslande der Eweer, so liegt darin der Zusammenhang ausgedrückt, welcher von den Ahnen bis auf die Nachkommen hin, im Leben eines Volkes, bei nationaler Entwickelung, das Ganze psychischer Einheit durchdringt.

Im Tode starrt ein fremdartiges Grausen entgegen aus imbekanntem Jenseits, indem der in der Vollkommenheit der Gesundheit Lebende für Aenderung dieses ihm normalen Zustandes keinen Grund absieht, und wie der Abipone (s. Dobritzhoffer) jeden Todesfall durch feindlichbösen Eingriff verursacht sein lässt, denkt es sich überall unter den Naturvölkern, so dass der Tod demnach eigentlich nicht hingehört in die Welt und erst in Folge eines Missverständnisses entstanden sei (in den Diskussionen bei Eskimo, Hottentotten, Arowaken u. s. w.). So, wenn in Guinea die materielle Welt als »lebendig athmende Masse« gedacht wird (s. Cruikshank) unter fortgehenden Schöpfungen des Schöpfergottes (Mawu oder Niangkopong) lässt sich verstehen, wie zeitweis Kla in Sisa sich wandeln mag und diese in jene, oder wie die Sisa nach eigenem Willen aus temporärem Verweilen auf den Inseln des Volta wieder in den Körper eines Menschen oder auch von Thieren, (was buddhistisch nach der Karma bestimmt sein würde, ohne freie Auswahl, wie hier) zurückkehren mag. So müsste dieser Existenzwechsel, (also auch bei der Kla als Seele im lebenden Körper), vom eigenen Willen abhängig bleiben, der sich selbstverständlich nur selten zum Tode entschliessen würde, aber diesen, trotz und gegen seinen Entschluss, eintreten sieht. Nun können allerdings manche der Leiden und Krankheiten, von denen die Erfahrung Weiterführung bis zum Tode lehrt, durch strafende Götter verursacht sein, da die Wong, obwohl an sich »Schützer«, doch auch den Willen des höchsten Nyang-kupong in durchschauender Gerechtigkeit zu erfüllen haben und ebenso der Edro die Satzungen Mawu’s. Indem aber hierin der »Richter« (Edro) liegt, wird sich stets, da im Rechten der Menschen und Götter, (wie in Sikyon), ein Gesetzeskodex niedergelegt war, innerhalb der kulturellen Ceremonien ein entsprechendes Abkommen treffen lassen, worin, nach dem Rechtsspruche, die über die Menschen verhängten Strafen gesühnt werden mögen, oder es sich doch auch vielleicht nachweisen liess, dass diese, weil für Sühne zu schwer, ihren Verlauf nehmen müssten. Ausserdem schrecken manchmal noch die Erinnerungen an die Abgeschiedenen, worin als direkt mit Todesvorstellungen verknüpft, vieles Unheimliche bereits durchläuft. Aber auch hier kennt der Priester die Heilmittel, um, wenn die Sisa in der durch das Begraben bedingten Form des Gerippes, (wie in Guatemala), erscheint, sie an den ihr angewiesenen Aufenthaltsort zurückzuschrecken, (wie der Bogaier bei Aro waken durch den Lärm der Maraka). Wenn nun aber, trotz all solcher Vorkehrungen, die legitimer Weise getroffen werden können, — sei es indem man dem vom Wulomo bedienten Wong seine Verehrung erweist, oder die Verstösse gegen die eigene Kla gut macht, sei es dass man durch den Wongtsche (in seinem Haupte) während der Besessenheit, oder durch den Gbali im Gitiren zur Unterredung, die Wong um die Justa, welche sie, als bisher mangelnd, verlangen, befragt, — wenn trotz alledem und alledem, dass sämmtlichen Vorschriften im orthodoxen Kulte genügt ist, der Tod dennoch eintritt, so beweist dies das (ausserhalb liegende) Dasein einer auf dunkler Hälfte der Natur in Geheimnissen, die der Theurgie unzugänglich sind, mysteriös verschlungenen Macht, die Macht nämlich des hervorzischenden (und mit dem Todespfeile treffenden) Bösens, im Abonsom (oder dem irdischen Reflex im Sasambonsom des Waldesschauers), und wer nun hier ebenfalls, im frevelhaft kühnen Wagen, Wirkungskraft erlangt hat, der wird, wenn auch für eigennützige Zwecke mitunter benutzt, im Allgemeinbesten als Verdächtiger geflohen und zugleich als Gemeinschädlicher verfolgt, wie der Endotsche, dessen Ursprung in Loango sich mit dem Sterben verknüpft.

Indem die geistigen Potenzen der Naturgegenstände, diesen einwohnend gedacht, sich bei Eskimo als Innuä (Besitzer), im Efik als Idem (das Selbst), als Genius qui vim obtineret rerum omnium generandorum (Paul. Diac.) u. s. w. bezeichnet finden, so werden wir dadurch auf sonst unzugängliche Erinnerungen aus der Kindheit des Volkslebens zurückgeführt. Wie die aus eigener Kindheit, seit der sonnige Tag des Bewusstseins eingetreten, in schattenhafte Traumbilder dunkler Nacht dem Auge entschwunden sind, so die aus der Prähistorie des Naturzustandes dem Kulturvolke. Aber wie wir oftmals bei zufällig lebendig gebliebenen Gedankenüberbleibseln eines in früher Kindheit im Gedächtniss hängen gebliebenen Spruches (oder Thuns) aufklärende Lichtstreifen gewinnen mögen für Motive, die später noch fortwirken (in der Entwickelung eigener Persönlichkeit, bei dieser zugewandten Selbstbeobachtung), so werden jene elementaren Völkergedanken, weil aus eiserner Nothwendigkeit organisch erwachsen, für die Physiologie des Gesellschaftsorganismus auf fortgeschritteneren Stadien68) Erklärungen zu liefern vermögen, für welche bis vor Kurzem jede Möglichkeit ausfiel. Kaum ist der Philosophie je ein bedeutungsvolleres Objekt der Studien gestellt als hier in induktiver Behandlung der psychischen Welt. Inder Philosophie der Kultur leuchtet der Gedankenblitz des Einzelnen, wenn begabtem Talent’s, und wie wir den gottbegeisterten Dichter mit Freude lesen und bewundern, nicht jedoch den schulmässigen Dichterling, so werden wir auch von dem geborenen Philosophen Vieles lernen, den künstlich zwischengedrängten lieber wohl dem Verfalle seines System’s überlassen. Im Völkergedanken dagegen haben wir den naturnothwendigen Ausdruck geistigen Schaffen’s, nicht wie im Einzelnen nur manifestirt, sondern in der Menschheit als Gesellschafts wesen nach den verschiedenen Umkreisungen ethnischer Variationen auf dem Erdball (für komparativen Ueberblick und genetische Ausbildung).

Bei Eintritt der Reinigung wurden Mädchen, unter. Behang mit Amuletten und Talismanen, buntgeschmückt umhergeführt (an der Goldküste), im Anschluss an die aus allen Gegenden (auch an der Loango-küste) wiederholten Geremonien  der (im enggezogenen Gesichtskreis der Naturstämme) das Interesse vorzugsweise absorbirenden Altersstufengrade (mit dem der Pubertät, für die sozialen Verhältnisse auch, — in Ehe und Wehrhaftmachung, — als wichtigsten), und in den Kamerungegenden haben die Knaben ihre Vorbereitungen zur Jünglingsweihe im Buschland durchzumachen, während in Bomma Voranzeichen politischer Ordnung schon einzugreifen beginnen.

Wenn ein Fürst eine Quimba errichtet, treten ausser seinen eigenen Leuten auch oft fremde (aus benachbarten Dörfern) darin ein, und diese müssen dann, für den Unterricht durch den Longa Inquimba, Zahlung leisten (wie es mitunter auch für Mädchen eingerichtet wird).

In Bomma gehen oft mehrere Jahre hin, ohne dass eine Quimba geöffnet wird, und wenn dieses dann in einem Dorfe geschieht, strömen dort auch aus den umliegenden alle die jungen Leute, die diese Weiheceremonien noch nicht durchgemacht haben, zusammen, so dass sich oft in einer und derselben Quimba die verschiedensten Altersstufen von 8—20 Jahren vereinigt finden mögen. Regelmässig wird dagegen die Beschneidung (Longa) geübt (bei der die Knaben im Walde zurückgehalten werden bis zur feierlichen Entlassung nach Vernarbung der Wunde), während man für die darauf folgende Wehrhaftmachung in der Inquimba (Kimba) ausserhalb des Dorfes ein langes Haus erbaut. Die darin für die Jünglingsweihe Eintretenden werden in Palmblattzeuge (Gomba) gekleidet, einer Reihe von Prüfungen unterworfen, in einen todten-ähnlichen Zustand versetzt und im Fetischhaus begraben. Wenn sie wieder zum Leben erweckt werden, haben sie (wie im Belli-Paro) das Ge-dächtniss für alles Frühere, selbst für ihre Eltern, ihren Vater und Mutter verloren, und sie vermögen sich ihres eigenen Namens nicht mehr zu erinnern. Es werden ihnen deshalb, je nach den Titeln oder Graden, zu denen sie aufgestiegen sind, neue Namen gegeben, wie Lufala, Lutete, Ghinkele, Luvungu, Malunga, Lubele, Juka, und das Führen eines solchen Namens lässt erkennen, dass das Individuum die Quimba (das Mokissie Quimba) durchgemacht hat. Bei den Bassuto werden die beschnittenen Knaben während der Zeit, dass sie am Umlimo (Hochaltar) an abgelegenem Ort verweilen, durch ihre Eltern mit Speise versehen und dürfen, nachdem sie in den Kraal zurückgeführt sind, nicht die Zähne zeigen (d. h. weder reden noch lachen), bis das Korn aufgewachsen ist. In Mayumbe wurden die durch Fasten in dunkler Kammer vorbereiteten und durch Schweigen geprüften Novizen vom Priester des Idols Maramba durch Schulterschnitte geweiht. Nach Gavazzi wurden in Gongo von den (das Zeichen des Kreuzes gebrauchenden) Zauberern Nquiti geheime Cere-monien in den Wäldern abgehalten, bei welchen die Eintretenden ohnmächtig niederfielen und dann in dem geweihten Kreise wieder zum Leben erweckt wurden.

Quinqure (obwohl wegen seiner Grausamkeit getödtet) wurde von den Zauberpriestern unter den Zumbis (Ahnen) vergöttert, und nach seinem Beispiel, weil aus Lunda stammend (wo die Beschneidung geübt wird), beschneiden sich die Jaga.

Innerhalb der Quimba gehen die Zöglinge nackt, und nur bei Annäherung Fremder werden die Palmblattkleider (über ein Gestell aus Rohrstäben) angelegt. Weder Hände noch Körper sind zu waschen, und es darf nicht von Tellern, sondern nur auf der Erde gegessen werden. Die von den Eltern täglich dem Mutinde oder Zuchtmeister gebrachten Speisen sind vorwiegend mästender Natur, viele Arten von Fleisch und Fisch jedoch verboten. Die Knaben lernen neben dem Verfertigen von Palmwein, Fischen und anderen Kunstfertigkeiten allerlei Geheimnisse, die sie durch einen Schwur beim Fetisch verbunden sind, Niemandem zu verrathen. Damit sie sich untereinander verständigen können, ohne von Uneingeweihten belauscht zu werden, besitzen sie eine Geheimsprache, die von der gewöhnlichen abweicht. Darin, sowie in den Cere-monien Siquimbe (des Fetisch Quimba) unterrichtet der Mutende Anquimba (Inquimbo) und der Hülfslehrer Baku, als Assistent. Andere Gehülfen, — besonders auch für Uebung des heiligen Tanzes (Sangila) Sangula oder wie er in Noki (auch in Sunda) heisst: Gocchina, — sind der Matundo, Malanda, Bondo, Kongo. Der Makunga Imvia vollzieht die Beschneidung. Im Hause der Quimba (Jeso), das beim Verlassen (am Ende der Saison) verbrannt wird, findet sich der Fetisch Tafi, als Holz mit zwei Figuren (Matundo und Malanda), sowie Bondo u. a. m. Die Ganga der Quimba heissen Matando. In Bomma endet die Quimba (unter Festlichkeiten) stets mit einer Jahreszeit, während sie in Mayumba 4 Jahre und länger dauern mag. Der Grossfetischir oder Gross-Woodnuss (der Dahomet oder Dahomey) »sagte, er komme vom Himmel und gab sich für den Dolmetscher der Götter auf der Erde aus« (s. Labarthe). Bei den Wanika darf die heilige Hütte (Moro) in Kaya von Uneingeweihten nicht betreten werden, und so nicht der Wald, wo Bunsi aus der Erde redet (wie ähnlich bei Mpongwe). In den Fetischwäldern staffiren sich die Ordensbrüder mit den Verkleidungen zum Mummenschanz aus, und im Kultus zu Pheneos

(in Arkadien) legte der Priester der grossen Weihe die Maske der Demeter -Kidaria an. Um Pastophoros zu werden, musste die Weihe der Isis und des Osiris durchgemacht sein (s. Apulejus).

In der Sprache der Quimba (Bomma’s) heisst der Weisse (Mundele) Nawonöno oder Novo, Branntwein (Malava) Tonva, dann Wasser: Luimvoa oder Mayumwa (Nuimwe), Feuer: Giovi oder Yananjoge, Mond: Lumbowa, Kopf: Dum-vela, Augen: Limbuanve (Simbuanve), Haus: Tschovo, Ohr: Jovo, Zahn: Masini, Hand: Unta-miguffu, Leopard: Matscherata-mansefe, Krokodil: Matscherata-maniumfe, Wald: Sefe, Essen: matefa, Sprechen: choya, Vater: Baku, Mutter: Kongam-tumba, Erdnuss: Cuimva, Palmnuss: Kidima, Calabasse: Chofot, Nase: Masunu u. s. w. In der gewöhnlichen Sprache würden diese Worte heissen: Masa, tubia (baso), gondo, ntu, dissu (messu), mso, cutu (matua), menu, cuacu (rau-caco), ngo (chicumbe), ngandu, m’schitu, dia vovu, tata, mama u. s. w. Masunu (statt junu oder mazaumau) ist z. B. aus der Bunda-Sprache. Gezählt wird cochi (mochi), keile (solle), tatu, maia (ina), tanu, samanu, semboari (semboella), nane, evua, cumi u. s. w., und in der Quimba-Sprache: lTschanangowe(Umgosi), 2 Tschanangiobi (Giobi), 3 Tschanantafu (Umtafu), 4 Tschananquibanganu (Quibaganga), 5 Tanumgibe (Untembu), 6 Salan-gano (Sanamgena), 7 Nanumgide (Sambuageddi), 8 Suangiele (Namvo), 9 Intschana, 10 Tschana-lunguinova, 20 Tschanam-tschiobi, 100 Umtschana. Dieser heiligen Sprache, neben der noch freimaurerische Griffe Vorkommen sollen, fehlen nicht die Gestikulationen, die in allen afrikanischen Unterhaltungen hervortreten, wie z. B. Proyart bemerkt: »Wenn man ihre Sprache nicht versteht, so könnte man ihre Gespräche für ein Spiel halten. Sie haben nämlich eine sonderbare Gewohnheit, die eben sehr gut dazu dient, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erhalten und unwichtigen Gesprächen ein gewisses Interesse zu geben. Diese Gewohnheit besteht darin, dass, wenn sie öffentlich reden, sie die Zahlen durch Geberden anzeigen. Derjenige z. B., der sagen will: ich habe sechs Papageien und vier Rebhühner gesehen, sagt blos: ich habe (6) Papageien und (4) Rebhühner gesehen, und macht zugleich zwei Gesten, wovon die eine 6, die andere 4 ausdrückt. In demselben Augenblick rufen alle Anwesenden: sechs, vier, und der Redende fährt alsdann weiter fort. Wenn Jemand von der Gesellschaft entweder zerstreut wäre oder erst nach dem Andern zuriefe, so würde man glauben, dass er schlummerte oder mit seinen Gedanken umherschweifte, und man würde ihn für unhöflich halten.« Die Priester der Dacota gebrauchten eine geheime Sprache mit verändertem Wortsinn (und so auf poly-nesischen Inseln).

(D. Exp. a. d. Lngk. n, 12.)

Der grosse Fetisch lebt im Innern des Buschlandes, wo ihn Niemand sieht und Niemand sehen kann. Wenn er stirbt, sammeln die Fetischpriester sorgfältig seine Knochen, um sie wieder zu beleben, und ernähren sie, damit er aufs Neue Fleisch und Blut gewinne. Es ist aber nicht gut, davon zu sprechen. Im Lande Am-bamba muss jeder einmal gestorben sein, und wenn der Fetischpriester seine Galabasse gegen ein Dorf schüttelt, so fallen diejenigen Männer und Jünglinge, deren Stunde gekommen ist, in einen Zustand lebloser Erstarrung, aus dem sie gewöhnlich nach drei Tagen auferstehen. Den aber, welchen der Fetisch liebt, führt er fort in den Busch und begräbt ihn in dem Fetischhause, oftmals für eine lange Reihe von Jahren. Wenn er wieder zum Leben erwacht, beginnt er zu essen und zu trinken, wie zuvor, aber sein Verstand ist fort und der Fetischmann muss ihn erziehen und selbst in jeder Bewegung unterweisen, wie das kleinste Kind. Anfänglich kann das nur durch den Stock geschehen, aber allmälig kehren die Sinne zurück, so dass sich mit ihm sprechen lässt, und nachdem seine Ausbildung vollendet ist, bringt ihn der Priester seinen Eltern zurück. Dieselben würden ihn selten wieder erkennen, ohne die ausdrückliche Versicherung des Fetize-ros, der ihnen zugleich frühere Ereignisse in’s Gedächtniss zurückführt. Wer die Prozedur der Wiedergeburt in Ambamba noch nicht durchgemacht hat, ist allgemein verachtet und wird bei den Tänzen nicht zugelassen. So bildet der Scheikh Al-Gebal seine Bathenier in Bamba.

Identischer Weise gelten die im Waldhaus der Mauwen wiederaufgelebten Knaben (in Ce-ram) als Neugeborene, welche, da sie die Erinnerung an das frühere verloren, Alles wieder frisch zu erlernen haben, beim Uebertritt aus dem Kindesalter iu die Mannheit (s. Indonesien, Lf. I, S. 145), und daran schliessen sich die complicirten Weihe-Ceremonien Australien^ (für Daramulan u. s. w.).

Auf das Pubertätsfest (oder Wagnaro) der Knaben folgt die Aufnahme unter die Jünglinge (bei Wanika).

Die als Kosi geweihten Jünglinge werden später (bei den Eweern) Götzenpriester (das Edro).

Wenn ein Neger ungefähr 16 Jahre alt ist, so muss er sich eine Hütte bauen (beim Butter-ball-Coustyme) und Spiessruthen laufen (s. Römer) durch seine Altersgenossen (bis zum Fluss).

Bei Weihe der Knaben (durch den Tohunga) im Blätterhaus folgt auf die Ceremonie Kohatu nach Beendigung der Fasten die zweite Taufe (Idi-Idi) bei Maori (s. Inslgr. i. O. S. 195).

Neben der Knabenlustration im Tempel der *AQisfusKoQv&aAXia fand am Altar der Artemis Orthia (Orthosia) die der Epheben statt (in Sparta), und so bei Bantu (mit ähnlichen Prüfungen in Amerika überall). (Besuch in S. Salvador S. 82.)

»Bei den Mussorongho wird in der Zeit der Gazimba eine grössere Zahl von Knaben (zwischen 5—6 Jahren) vereinigt, um an ihnen die Beschneidung (Comtinta) gemeinsam zu vollziehen, und sie bleiben dann einige Wochen zusammen, bis das Ganze mit einem Fest beschlossen wird. Bei den Murundas findet (nach Pintos) die Beschneidung im 18.—20. Jahre statt. Die das höchste Wesen Kalumbo verehrenden Moluwa üben die Beschneidung (nach Magyar) und ebenso die Bobal, denen Kajanda der gute, Makitschi der böse Gott ist.«

(D. E. a. d. L. I. S. 177.)

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Text aus dem Buch: Der Fetisch an der Küste Guinea´s auf den deutscher Forschung nähergerückten Stationen der Beobachtungen (1884), Author: Adolf Bastian.

Siehe auch:
Der Fetisch an der Küste Guinea – Kalabar und Kamerun

Der Fetisch an der Küste Guinea

Geheimbünde * Reinigungsfest

Die in den letzten Wochen vielfach genannten Theile Afrikas, die von Sr. Majestät Kanonenboot »Möwe« im Interesse des deutschen Handels besucht wurden, gehören zu denjenigen des Kontinents, die einer deutlichen Kenntniss am längsten entzogen geblieben sind. In seinem Innern schliesst Afrika noch manche terra incognita ein, aber hier liegt bis an die Küste ein derartig unbekanntes Gebiet, dass selbst die Mündung des Niger, des uralten [Bild1] der Nigritier, eine problematische blieb bis über das erste Viertel des neunzehnten Jahrhunderts hinaus, als zuerst von Richard Lander identificirt.

Bei meiner Reise in den fünfziger Jahren hatten die Nigerexpeditionen allerdings begonnen, aber über dem Kamerungebirge lagerte geographisch noch der verhüllende Schleier, der ihn in seiner nebligen Dunstatmosphäre (der Bight von Biafra) meist den Blicken der Vorüberfahrenden entzieht.

Auch mit Fernando Po stand es nicht besser, und als wir das imposante Schauspiel dieses Gebirgswaldes der Ilha formosa, wie von Fernando Po, dem Entdecker benannt, vor uns sahen, konnte mir niemand in Clarence-Cove sichere Angabe verschaffen über die Höhe des Piks, der allerdings bereits von Beecroft erstiegen sein sollte, aber erst drei Jahre später 1859 zum ersten Male von dem deutschen Botaniker Mann gemessen und auf 10190 Fuss festgestellt wurde. Bald darauf glückte Bur ton nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen die Ersteigung des Kamerun, und ihm ist dann die Beschreibung der Krater seines alten Vulkans zu verdanken (13 120 Fuss).

Diese terra alta Amboza der Spanier wird bald mit Ptolemäus’ Arualtes (bei Macqueen), bald mit dem flammenden Götterwagen (Bild2) identifizirt aus jener Karthaginischen Reise, welche auch dem Gorilla einen alten Stammbaum für seine Namensbezeichnung verschafft hat, und bis hierher an die Grenze von Oberund Niederguinea, wo dann im Süden die grösste der afrikanischen Sprachfamilien beginnt, soll (nach Wilson) Eudoxus gelangt sein, da er an der Westküste gleichsprachige Stämme mit denen der Ostküste gefunden haben will.

Immerhin schürzen sich hier vielfache Probleme afrikanischer Geographie, und so wird voraussichtlich noch mancher Dank zu schulden sein unserem erfolgreichen Reisenden, dem langjährigen Vorsitzenden der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin, der als jetziger Consular-Vertreter der deutschen Handels-Interessen mit richtiger Entscheidung denjenigen Punkt zu wählen wusste, auf den schon lange fragend und nach Aufklärung verlangend die Blicke der Geographen gerichtet waren.

Für den Zusammenhang dieses Hoch-Gebirges in der Richtung der Inseln des Golfes bis zu den Rumbybergen werden weitere Untersuchungen jetzt bald zu erwarten stehen und ebenso über die Anlage von Sani-tarien auf seiner Höhe.

Die Möglichkeit solcher würde eine desto höhere Bedeutung haben, da dieser Küstenwinkel Afrikas, in der sogenannten Bight von Biafra, für den dortigen Charakter seines Klimas zu dem verrufensten auf der ganzen Erde gehört. Daraus erklärt sich eben das Dunkel, worin bis auf die neueste Zeit diese dem Meere anliegenden Gegenden verblieben sind. Sie wurden von jedem geflohen, und obwohl sie, nach einigen Berichterstattern, besser seien als ihr schlimmer Ruf, wagte sich doch niemand dorthin, wenn nicht nothgedrungen.

Dieser Fall trat ein, als der Sklavenhandel seine Tage gezählt sah. Die englische Flotte überwachte jeden Hafen der Küste, von dem in früheren Jahrhunderten Ausfuhr stattgehabt hatte, und so flüchteten n die Sklavenschiffe als letzten Zufluchtsort in die Flussdelta der bis dahin wenig befahrenen Bucht. Einige Jahre hindurch wurden grosse Mengen von Sklaven aus dem Kamerun und Alt-Kalabar verschifft, bis dann die englischen Kreuzer die Baracoons auch dort aufzuspüren und mit ihnen kurzen Prozess zu machen wussten.

Als nun der legitime Handel an die Stelle trat, in der Palmölgewinnung vornehmlich, die sich besonders längs der Wasserstrasse des Niger in grossartigem Maassstabe ausbreitete, traten bald aus den bereits eingeleiteten Beziehungen die benachbarten Flüsse hinzu und unter den Faktoreien am Kamerun wurden solche auch von deutschen Firmen begründet.

Zum Eingang in Afrika’s Innere eröffnet sich hier ein vielversprechender Zugang, den für die Erschliessung des Innern zu verwerthen, schon seit Heinrich Barth’s Erkundungen in Adamaua, und dortiger Wege zur Küste, mehrfach im Projekte gelegen hat. Als im Jahre 1872 die afrikanische Gesellschaft begründet wurde, schwankte anfangs die Wahl zwischen Angola, als Ausgangspunkt zum Muata Jamvo, oder dem Kamerun zum Vordringen in das Herz des Kontinents, und obwohl man sich schliesslich für die Loango-Küste entschied und auf diese sich die Aufrufe beziehen im Korrespondenzblatte der afrikanischen Gesellschaft, wird dasselbe doch in seinem ersten Hefte eingeleitet durch Mittheilungen aus dem Kamerun von deutschen Reisenden, die sich damals dort befanden (Dr. Dr. Buchholz, Reichenau, Lüders); und gegenwärtig finden sich diese Arbeiten durch Dr. Passavant wieder aufgenommen, der für seine Expedition den Kamerun zum Ausgangspunkt genommen hat.

Mit berechtigten Hoffnungen darf deshalb werthvollen Detailberichten entgegen gesehen werden, und diese werden ein besonderes Interesse besitzen im ethnographischen Sinne, da gerade jenes noli me tangere, welches diese Gegenden dem europäischen Kontakte länger entzogen hat, dadurch anderererseits allerlei ethnische Originalitäten zu schützen vermochte, die anderswo vielfach mit Einleitung lebhafteren Wechselverkehrs unter den dadurch herbeigeführten Katastrophen bereits längst zu Grunde gegangen waren, ehe sie zu wissenschaftlicher Beobachtung gebracht werden konnten.

Für die ganze Zukunft der Ethnologie handelt es sich aber um die Vorfrage, ob es noch möglich sein wird, ehe zu spät, die Materialien zu sammeln, in ungetrübter Originalität, ohne welche die Induktion ihre Arbeit nicht beginnen kann.

Wir bedürfen also charakteristisch geprägter Aussprachen des Völkergedankens mit dem Typus seiner geographischen Provinz, um mit dem Studium des psychischen Wachsthums die organischen Gesetze festzustellen, welche hier gleichzeitig walten durch alle fünf Kontinente hindurch.

In den seit den letzten Decennien angehäuften Sammlungen ist es der Ethnographie bereits gelungen, eine Anzahl solch gleichartiger Elementargedanken zu markiren, die sich unter den Geistesschöpfungen des Menschengeschlechts mit eiserner Nothwendigkeit zu wiederholen haben als Produkte eines organischen Wachsthums im psychischen Leben der Völker, und genau identisch für die hier ursächlich waltenden Gesetze, obwohl an der Oberfläche verschiedentlich schillernd nach der Mannigfaltigkeit geographischer Variationen.

Ueberzeugende Beweisstücke für diesen Satz finden sich, nach dem bis soweit Bekanntgewordenen, vornehmlich in den hier behandelten Gebieten am Kalabar und Kamerun, und so mögen aus diesen ethnischen Parallelen zwei Vertretungen gewählt werden, eine aus den religiösen Vorstellungen, eine andere aus den sozialen Institutionen.

Der letzteren sei der Vortritt cedirt.

Wer sich aus Reiseberichten oder Lehrbüchern über staatliche Einrichtungen Westafrikas zu informiren sucht, wird dort auf die sogenannten »Kings« stossen, welche den Europäern als Repräsentanten der Regierungsgewalt zu gelten pflegen.

Es sind das im Grunde, wie bereits Bossman bemerkt, Häuptlinge (Ahin oder Ohin), deren Titel zu dem königlichen erweitert oder auch durch die Fremden erst als solcher ertheilt wurde.

Bei einigen der militärisch organisirten Staaten, in denen die herrschende Dynastie dem Eroberungsvolke angehört, mag, wie in Aschanti und Dahomey, von Königen in dem sonst mit solchem Worte verbindbarem Sinne gesprochen werden, während bei der Mehrzahl der übrigen »Kings« weder die Bezeichnung als König, noch auch selbst, bei schärferer Scheidung, die als HäuptlingJ) gelten könnte, sofern sich mit der letzteren die Vorstellung einer Stammesangehörigkeit verknüpft.

Was in derartig sogenannten »Kings« der westafrikanischen Küste dagegen als charakteristisch hervortritt, betrifft zunächst nur den Rang eines Vorsprechers des Gemeinwesens, desjenigen, der mit der Art und Weise der Fremden, vielleicht auch mit ihrer Sprache vertraut, den Verkehr mit denselben am geschicktesten zu führen weiss und deshalb von seinen Landsleuten damit beauftragt ist (wie später sog. Fiadores).

Zunächst ein Kaufmann gleich den übrigen, wird er durch die in seiner Stellung begründete Erleichterung des Vorkaufs schon einen Vorrang erwerben und mit dem Anwachsen seines Vermögens2), als der Reichere, bald über die anderen hinausragen. Den Fremden ihrerseits bleibt daran gelegen, die Macht dessen, mit welchem sie zu thun haben, möglichst zu stärken, um ihn, unter Anerkennung als Vertreter einer Ge-sammtheit, für diese zugleich verantwortlich machen zu können8). Man theilt deshalb Ehren aus an denjenigen, dessen Ansehen im eigenen Volke gestärkt werden soll, und schmückt ihn mit dem Titel des Königs oder »King« (wie Römer die Barbarenhäuptlinge mit dem des Rex an den Namensendungen).

Die Beziehungen desselben zu seinen Mitbürgern bleiben, von der Vermögensverschiedenheit abgesehen, wenig verändert die früheren; aber man markirt bis zu einem gewissen Grade sein Recht, im Namen der Ge-sammtheit handeln, und bei Verstössen gegen den Gebrauch auch strafen, zu können, um den begehrten Verkehr mit den Fremden in ungestörtem Gange zu erhalten, obwohl diese dann manchmal wieder eine Ausübung weit grosserer Machtbefugniss von dem Könige verlangen, als ihm zusteht, so dass Missverständnisse nicht ausbleiben und an Streitereien kein Mangel ist.

Aber auch innerhalb des einheimischen Kreises fehlt es daran nicht, da bei jeder einigermaassen bedenklichen Krisis im Volksleben ein rein kaufmännisches Regiment sich zu schwach erweisen muss, mit Energie durchzugreifen und das Staatsruder zu führen; es mangelt die Autorität, die in anderer Weise beschafft werden muss und zwar, wie immer zur Festigung der Staatsgewalt und ihrer Repräsentation, aus mystischreligiöser Weihe.

Ein elementarer Ersatz dazu findet sich überall auf der Erde, bei allen Völkern zu allen Zeiten, in dem, was unter begünstigenden Verhältnissen sich hie und da in der Geschichte zum Priesterkönigthum entfaltet hat, stets jedoch nur momentaner Dauer und deshalb meistens erst bekannt geworden aus den Trümmern bereits eingetretenen Zerfalles. Ohne auf diese bereits häufig besprochenen Verhältnisse weiter einzugehen, sei hier nur bemerkt, dass das auf der Westküste Afrikas entsprechende Aequivalent in demjenigen zu suchen ist, was sich vielfach als Juju-König, bezeichnet findet (gleich Akoko am New-Kalabar, wie Kukulo an der Kongo-Mündung u. s. w.), neben dem eigentlichen König oder »King«, und über demselben erscheinend. Seine Stellung würde der des Mikado zum Taikun, des Idaacanza zum Zaque u. dgl. m. entsprechen, sofern wie in diesen Beispielen der König (oder King) an seiner Seite ein Kronfeldherr wäre und das weltliche Schwert zu Schutz und Trutz zu führen wüsste.

Für die Hände des friedlichen Kaufmannskönigs passt das nicht, und so, bei Ausfall jeder Autorität, droht sie einzureissen »die kaiserlose, die schreckliche Zeit« des Faustrechts, mit dem keinem gedient zu sein pflegt, und den Negern an afrikanischer Westküste ebensowenig.

Das Mittel, sich dagegen zu schützen, ist nun auch für sie genau dasselbe, wie es sich bei ähnlicher Periode unserer Geschichte durch die Vehmgerichte geboten hat, wie es in neuester Zeit erst wieder bei Auflösung aller Bande gesetzlicher Ordnung in Kalifornien in der »vigilance committee« sich benöthigte, wie es sich bei den Naturstämmen überall in ihren Geheimbünden bemerkbar macht, und in solcher Form auch in Westafrika. Am längsten bekannt unter diesen durch den Schrecken der Fetischwälder herrschenden Gewalten ist der Purrah-Bund der Timmanih, der Semo der Susu, neben dem bereits degradirten Mumbu Jumbu in Sene-gambien, den Sindungo in Angoy mit zugehörigen Parallelen, wie vielfach erörtert worden ist. Am Kala-bar (oder Akpa-Efik) treibt der Idem-Efik sein Wesen und damit verbindet sich dort sowohl, wie in Kamerun, unter besonderem Hinblick auf Kräftigung kommerziellen Interesses der Egbo-Orden, dessen nach einem Gursus vorbereitender Prüfung aufgenommene Mitglieder unter geheimnissvollem Geremonial zu den höheren Rangstufen (bis zum Nangnay, Okpoko, Kakuda, dem 9., 10., 11. Grad), empor steigen oder sich empor kaufen, (wie bei den geheimen Orden gesitteter Völker ebenfalls Sitte sein soll), wenn sie Zusammenkommen, »stato tempore in silvam auguriis patrum et prisca formi-dine sacram« (die Semnonen); lucos ac nemora consecrant deorumque nominibus appeliant secretum illud quod sola reverentia vident (bei Tacitus).

Der Egbo-Orden oder Efik (Tiger) ist in 11 Grade abgetheilt, von denen die drei obersten Nyampa, Obpoko oder der Messing-Grad und Kakunde für Sklaven nicht käuflich sind; andere Grade bilden oder bildeten der Abungo, Makaira, Bambim boko u. s. w. Der gewöhnliche Weg ist, dass Eingeweihte sich in die höheren Stufen nach einander ein^aufen; das dadurch erlöste Geld wird unter die Nyampa oder Yampai vertheilt, die den inneren Bund bilden; dem König selbst kommt die Präsidentschaft zu, unter dem Titel Eyamba. Jede der verschiedenen Stufen hat ihren Egbotag, an welchem ihr Idem oder ihre gespenstische Repräsentation eine absolute Herrschaft ausübt, wie sie die Römer dem Dictator in kritischen Zeiten übertrugen, und auch Glieder anderer Stufen des Egbo-Ordens, wenn er ihnen begegnen sollte, mit seinen Strafen nicht verschont. Das Land befindet sich gleichsam in einem permanenten Belagerungszustand, der durch die Ueberzahl der Sklaven und Frauen nöthig wird, indem die traditionellen Gebräuche des alten Herkommens durch die regelmässig einander folgenden Egbo-tage und die damit verbundene Proclamirung des Kriegsgesetzes beständig ausser Kraft gesetzt und suspendirt werden. Sobald ein Egbotag verkündet ist, fliehen Sklaven, Weiber und Kinder nach allen Richtungen, da der Emissär des Idem mit seiner schweren Peitsche bewaffnet umgeht und durchaus nicht scrupulös in ihrer Anwendung ist. Eine gelbe Flagge auf dem Hause des Königs verkündet den Tag des Brass-Egbo oder des Messing-Grades, wo selbst von den Freien sich nur sehr wenige ausser dem Haus zeigen dürfen. So oft bei dem Egbo-Orden eine Klage anhängig gemacht ist und der Missethäter bestraft werden soll, wird durch geheime Geremonien der im fernen Buschlande wohnende Idem citirt, der dann mit einer phantastischen Kleidung aus Matten und Zweigen von Kopf bis zu den Füssen bedeckt und mit einem schwarzen Visir vor dem Gesicht erscheint. Am Kameroon werden die Glieder des Ordens selbst durch ein in einem künstlichen Knoten geschürztes Laubwerk vereinigt, so dass sie sich als eine zusammenhängende Masse bewegen. Ein jedes, Mann, Frau oder Kind, hat das Recht, die Hülfe des Egbo gegen seinen Herrn oder seinen Nachbarn anzurufen, und dazu bedarf es nur, dass er ein Mitglied des Ordens auf der Brust berührt oder an die grosse Egbo-Trommel schlägt. Der Beanspruchte muss alsogleich einen Convent zusammenberufen, wo die Klage untersucht und, wenn gerecht, befriedigt wird. Erweist sie sich dagegen als unbegründet, so wird der Kläger bestraft; hat das ‚ Gericht ein Verdammungsurtheil gefallt, so läuft der Beauftragte mit seiner schweren Peitsche in der Hand und von einem lärmenden Gefolge von Egbobrüdern umgeben, direct nach dem Haus des Verurtheilten, aus dem sich niemand rühren darf, bis die Strafe vollzogen und gewöhnlich das ganze Haus zusammengerissen ist, so dass alle Einwohner mehr oder weniger Schaden nehmen. Während dieser Zeit, sowie überhaupt während der ganzen Dauer einer Egbositzung, würde es für jeden nicht dabei Betheiligten der Tod sein, wenn er sich auf der Strasse blicken liesse, und erst wenn die Egbo-Trommel den Schluss des Gerichtes verkündet, können die Geschäfte des gewöhnlichen Lebens wieder begonnen werden. Mitglieder des Ordens sollen, wenn ver-urtheilt, das Recht haben im Rausch zu sterben. Leute, die auf Reisen zu gehen gezwungen sind, stellen meistens ihr Eigenthum unter den Schutz des Messing-Egbo, und ein gelbes Stück Zeug, das über der Thür angebracht ist, genügt, das Haus gegen jede Beschädigung zu schützen; der in den Messing-Grad Einzuweihende wird am ganzen Körper mit einem gelben Pulver eingerieben. Am Kameroon ist ein Bündel grüner Blätter, der an einen Pfahl gebunden wird, das Zeichen, dass das Eigenthum unter dem Schutz des Egbo steht.

Seine Entstehung soll der Orden der freien Egbos auf den Messen genommen haben, die auf einem grossen Oelmarkte des Innern (halbwegs zwischen dem Kalabar und dem Kameroon) abgehalten wurden. Da dort vielfache Unordnungen einrissen, der europäische Handel aber zur Aufrechterhaltung des Gredits eine genaue Einhaltung der übernommenen Verpflichtungen forderte, so bildete sich dieses Institut als eine Art Hansa unter den angesehensten Kaufleuten zu gegenseitiger Wahrung ihrer Interessen und gewann später die politische Bedeutung einer Vehme, indem es die ganze Polizei des Kalabar und Kameroon in seinen Bereich zog. Die Könige suchen sich stets die Grossmeisterschaft in diesem Orden zu sichern, da ohne dieselbe ihr Ansehen zu einem Schatten herabsinkt. Europäische Capitäne haben es mehrfach vortheilhaft gefunden, sich in die niederen Grade einweihen zu lassen, um ihre Schulden leichter eintreiben zu können. Ein Mitglied des Egbo hat das Recht, den Sklaven seines Schuldners, wo immer er ihn finde, als sein Eigenthum zu beanspruchen, indem er eine gelbe Schleife an das Kleid oder Tuch desselben befestigt. Der Charakter eines Egbo wird selbst im Innern noch geachtet und gefürchtet und giebt eine Unverletzlichkeit, wie sie für ausgedehntere Handelsspeculationen in Afrika durchaus nothwendig ist. Als Vorbereitung für ihre Aufnahme unter die freien Egbos werden am Kameroon die aufwachsenden Knaben für längere Zeit zu den Makoko, einem Buschvolk des Innern, geschickt, bei denen sie nackend in den Wäldern leben und nur zeitweise, mit grünen Blättern behängen, hervorstürzen, um ein Bad im Flusse zu nehmen. Keine Frau, und vor allen keine Sklavin, darf sich bei schwerer Strafe dem Walde nähern, in dem sie sich aufhalten. Um einen Besuch, vorzüglich einen europäischen, besonders zu ehren, pflegt man am Kameroon die Egbo-Ziege vorzuführen, deren Anblick dem Volke sonst nur selten gestattet wird.

(Rechtsverhältnisse b. verschied. Völkern der Erde, S. 402.)

Das ganze Land Alt-Kalabar steht unter der Herrschaft der sogenannten Egbo-Gesetze. Dieselben werden durch eine geheime Rathsversammlung, die Egbo-Versammlung, erlassen, welche in einem eigens für diesen Zweck errichteten Hause, dem Palaver-Hause, abgehalten wird; als Vorsitzender dieser Versammlung fungirt, kraft seiner Souveränetät, der Herzog unter dem Titel Eyamba. Bei den unter ihm stehenden Egbo-Mitgliedern giebt es verschiedene Rangabstufungen, und alle diese Grade müssen nacheinander erworben werden. Zuweilen werden Engländer in diese Versammlung zugelassen; so hatte Capitän Burrell vom Schiff Haywood aus Liverpool den Rang eines Yampai, der von grosser Wichtigkeit ist, und dies war sehr vorteilhaft für ihn, da es ihm die Möglichkeit gewährte, alle Summen, welche die Eingeborenen ihm schuldeten, einzuziehen.

Die Namen und Preise der Rangstufen sind folgende:

1. Abungo 125 Bars,

2. Aboko 75 Bars,

3. Makaira 400 Kupferstangen,

4. Bakimboko 100 Bars,

5. Yampai 850 Kupferstangen,

dazu Rum, Kleider, Membo u. s. w.

Die Yampai-Klasse ist die einzige, deren Mitglieder die Erlaubniss haben, im Rath zu sitzen.

Die für die verschiedenen Titel der Egbo bezahlten Summen werden ausschliesslich unter die Yampai vertheilt, welche übrigens nicht auf einen einzelnen Antheil beschränkt sind, denn jeder Yampai kann seinen Titel so oft vervielfältigen, als er Antheile hinzukaufen kann, und diese berechtigen ihn zum Empfang der entsprechenden Quoten aus dem Gewinne der ganzen Institution.

Die Art ihrer Rechtspflege ist folgende: Wenn jemand eine Schuldsumme nicht eintreiben kann oder ihm irgend ein persönliches oder anderes Unrecht zugefügt ist, so wendet er sich an den Herzog wegen der Egbo-Trommeln und macht ihn zugleich mit der Natur seiner Klage bekannt. Bewilligt der Herzog die Bitte, so tritt die Egbo-Versammlung unverzüglich zusammen, und die Trommeln werden in der Stadt geschlagen. Sobald dieselben zum ersten Male ertönen, muss sich jede Frau in ihre Wohnung zurückziehen, bei Strafe der Enthauptung für Zuwiderhandeln, und sie darf aus ihrer Einsperrung nicht hervorkommen, bevor nicht die Trommeln zum zweiten Male ertönen, als Zeichen, dass der Rath beendet ist. War die Klage gerechtfertigt, so wird der Egbo zu dem Uebelthäter gesendet, um ihn wegen seiner Schuld zu verwarnen und Genugthuung zu verlangen, wonach niemand das von dem Schuldigen bewohnte Haus verlassen darf, bevor die Sache nicht beigelegt ist. Geschieht dies nicht bald, so wird ihnen das Haus über dem Kopf niedergerissen, wobei einige Menschenleben gewöhnlich verloren gehen. Doch tritt dieser äusserste Fall nur selten ein, denn wenn der Schuldige nicht selbst im Stande ist, die Angelegenheit zu ordnen, so geschieht dies meist von seinen Verwandten und Freunden.

Der Egbo-Mann, das heisst der mit der Vollziehung Beauftragte, trägt eine vollständige Verkleidung, bestehend in einem schwarzen Netzwerk, welches von Kopf zu Füssen die Haut bedeckt, einem Hut mit langer Feder, Hörner auf der Stirn, einer langen Peitsche in der rechten Hand, einer am unteren Theil des Rückens befestigten Glocke und verschiedenen kleineren an den Knöcheln. So ausgerüstet verlässt er das Egbo-Haus und läuft mit seinen tönenden Glocken durch die Strassen bis zum Hause des Uebelthäters, hinter ihm her ein halbes Dutzend untergeordneter, phantastisch gekleideter Personen, von denen jede ein Schwert oder einen Stock trägt. (Holman.)

Egbo ist ein Geheimbund, unter dem Schutz eines göttlichen Wesens gleichen Namens. Eine Person, welche darin den höchsten Rang erhält, zahlt an jedes Mitglied eine Eintrittsgebühr, welche, wenn auch gering im Einzelnen, sich doch auf nahezu 100 £ beläuft, da etwa 1000 Mitglieder existiren. Die Mysterien werden nur von den Eingeweihten gekannt und dürfen bei Todesstrafe nicht verrathen werden. Alle Gesetze gemessen dasselbe heilige Ansehen. Der Bund besteht aus 10 an Ansehen und Macht verschiedenen Graden, von denen einige so tief stehen, dass Knaben und Sklaven sie erwerben können, andere wieder so hoch, dass sie nur Freien von alter Familie und hohem Rang erreichbar sind.

Die Gesetze des Egbo bezwecken nur das Wohl der eigenen Mitglieder, wogegen die allgemeine Wohlfahrt nicht berücksichtigt wird.

Die Gesellschaft besteht in Kalabar aus Edlen und Sklaven. Erstere sind mehr als frei; sie gemessen Privilegien, welche mit der Freiheit der Nicht-Mitglieder des Egbo unverträglich sind. Sind freie Leute, welche zu arm sind, diese Privilegien zu erwerben, in ihren Rechten gekränkt, so müssen sie einen Egbo-Edlen erkaufen, um ihre Sache vor ein Egbo-Gericht zu bringen, das, je nach dem Erfolg, einen grossen Gewinnanteil zu beanspruchen hat. Zuweilen ziehen solche Personen vor, sich selbst irgend einem mächtigen Häuptling zu verkaufen und seinen Schutz auf Kosten ihrer Freiheit zu gewinnen. Gleich allen exclusiven Gemeinschaften will das Egbo nicht freiwillig die- Vorrechte seiner Mitglieder zu Gunsten niedrig stehender preisgeben. Was sie haben, halten sie fest. Uninteressirtes Wohlwollen ist keine heidnische Tugend. Das Egbo kümmert sich nicht um die Sklaven, sondern sorgt für absolute Autorität der Herren, indem es bewirkt, dass alle für einen einstehen, was er auch thun möge. Es scheint namentlich bestimmt, Frauen und Sklaven in Abhängigkeit zu halten. Frauen, wenn sie nicht mächtige Väter oder Brüder haben, müssen die entwürdigendste Behandlung der brutalsten Ehemänner ohne Widerspruch ertragen. Das einzige Gesetz, welches der Bund jemals zum Schutz der Sklaven erliess, wurde auf Anregung der Fremden gegeben.

Die Könige von Duke Town und Creek Town wurden von der Egbo-Autorität als solche nicht anerkannt. Sie besassen im Orden Macht als hohe Würdenträger, da jede Klasse ihr Haupt hat, aber nicht als Könige. Dieser Rang ist nicht erblich, sondern eingesetzt, um den Verkehr des Volkes mit den Fremden zu vermitteln. Eyo sagte mir häufig, dass er nicht König in unserem Sinne wäre und keine andere Macht hätte, als die ihm von den Weissen in den Landesangelegenheiten zugestandene. Da das Amt speziell mit Europäern zu thun hat, so hatten diese schiesslich bei der Erwählung mitzusprechen. Dies begann bei Eyambo, der ihre Unterstützung suchte, und blieb so bei seinen Nachfolgern, bis S. M. Gonsul kam und die Entscheidung übernahm.

Thatsächlich sind die Städte in Kalabar eine Anzahl kleiner Republiken, jede mit ihrem eigenen Oberhaupt und Rath, und zusammengehalten lediglich durch die Egbo-Verbrüderung, soweit sie von dieser für gegenseitige Verteidigung vereinigt sind. Eyo erzählte mir, dass er über andere Städte keine Gewalt beanspruchen oder ausüben könnte, ausser wenn sie ihn als Schiedsrichter in schwierigen Fällen anrufen wollten. Doch indirect war er der mächtigste Mann im Lande und sein Einfluss machte sich überall fühlbar. Niemand könnte in Kalabar den despotischen Herrscher über freie Männer spielen, wie die Könige von Ashanti und Dahomey, welche die Köpfe ihrer Edlen in ihren barbarischen Händen zu halten scheinen. Jeder derartige Versuch würde vereitelt und bestraft werden durch eine Vereinigung der Egbo-Edeln, die sich auf ihre Autorität berufen und auf ihren Rechten bestehen.

Es giebt noch eine andere Persönlichkeit, welche, unter missbräuchlicher Anwendung des Titels, »König von Kalabar« genannt wird. Es ist das Ueberbleibsel des grössten Mannes im Lande, annähernd ein Pontifex Maximus, soweit ihr Aberglaube einen solchen zulässt. Er hatte das Amt eines Ndem Efik oder Gross Galabar Juju. Ihm bezeugten die Häuptlinge des Landes tiefe Ehrerbietung, während er sich vor Niemand verbeugte, und vor ihm und seinem Idol wurden die Familien- und Stammes-Verträge durch Eid erhärtet. ( Waddell.)

Wie an der Egbo-Trommel knüpfen sich in Ost-Afrika (bei Wanika u. s. w.) die Geheim-Ceremonien an den Ton des Muansa genannten Instruments (auch in Guyana ähnlich verwandt), und bei Kioko schreitet (wie Tamatekapua bei Maori) Maquimho auf Stelzen (s. Capello) im Mummenschanz (gleich den Duk-duk Neu-Britannien’s). »The secrets and meetings of Egbo men are strictly private« (s. Hutchinson), dort, wo meist vom stärkeren Geschlecht gerichtet gegen das schwächere (und die Sklaven); während mitunter die weiblichen Orden, (wie am Gabun), die Wage halten und bei den Qua sich unter den Sklaven der Geheimbund der Iukas bildet.

In der Hauptsache sind somit diese afrikanischen Geheimbünde, wie den Frauen, so besonders den Sklaven gegenüber gebildet, da Sklavenaufstände im »tumultus servilis«, seit plötzlicher Unterbrechung der früheren Ausfuhr in Westafrika, desto gefährlicher drohen. Im Waschen der Gräber seiner Vorfahren hat der Despot Dahomey’s umfangreiche Aderlässe für nöthig erfunden, obwohl sich in bescheidenem Verhältnissen die Polizei durchschnittlich von den Fetischen versehen lassen kann.

Am Gabun stehen den männlichen Geheimorden auch weibliche gegenüber (wie in den Clubbergöll Pauau’s), wogegen an der Ostküste die Unterdrückung wieder auf den Frauen lastet, mit dem dumpfen Ton des Waldhorns verscheucht, das ebenso am Orinoco gehört wird. Vor Beginn der Feldarbeiten wird der Sterbetag des Muansa (bei dessen Ton Alles entflieht) gefeiert (unter den Wanika). Bei den Wakamba wird Hexerei durch das Geheimgericht der Kignole verfolgt, unter dem Heiligthum des Mbawani (Muansa der Wanika) genannten LärmInstruments.

Bei bestimmter Individualisirung der Obergewalt, überträgt sich die Executive auf die Leibwache (bei den Joloff), den Sofas (in Bambara), ähnlich wie bei dem benachbarten Geheimbund der Almusseri, und so im Süden:

In verschiedenen Ortschaften Angoy’s, wie in Nutchisi, Matamba, Mekono (Tumba), Tschin-sasa, sowie besonders in der eigentlichen Hauptstadt (Angoy), besteht der von Vater auf Sohn vererbte Geheimbund der Sindungo (Dungo im Sing), die nur unter umständlichen Geremonien einen Gandidaten aufnehmen und, ausser bei Regenbeschwörungen, dem Könige ähnlich dienen, wie dem der Jolof die gegen seine eigenen Unterthanen ausgesandten Soldaten, (wobei die Vermummung den Schrecken vermehrt, wie er ebenfalls dem Boten des Purrah- und Semo-Ordens vorhergeht). Die Sindungo stehen unter den Befehlen des Kuvukuta-Kanga-Asabi, eines Staatsbeamten, der sie auch bei gebotenen Gelegenheiten in den Wald, in dem ihre Sitzungen abgehalten werden, zusammenruft und dort die grotesken Blättergewänder, die zur Verhüllung dienen, austheilt. Sobald indess die Sindungo ihr Rüstzeug empfangen haben, treiben sie den Kuvukuta-Kanga-Asabi mit Schlägen in das Dorf zurück, als symbolisches Zeichen, dass jetzt das gemeine Gesetz für eine Zeitlang suspendirt sei und das Walten der dunkeln Vehme beginne. In ihrem phantastischen Aufputz und durch ihre Masken (wie die Klux-klux) unkenntlich, durchziehen sie das Dorf, wo sie das ihnen Passende sich zueignen und besonders in der Regenzeit wenig Widerstand zu fürchten haben. Um Regen auf die Erde herabzuziehen, bedienen sie sich des Fetisches Kokolo-Umkissie, und sie nehmen die Geremonien, um sich seiner Mitwirkung zu versichern, bei Nacht vor, auf einem in der Mitte des Dorfes dafür hergerichteten Platz. Dieses wird so lange von den meisten Bewohnem verlassen; denn sollte Jemand husten oder sonst durch einen Laut die Stille der Nacht durchbrechen, so würde er von den in sein Haus einstürmenden Sindungo lebendig zertreten werden. Wer Schulden einzutreiben wünscht, wendet sich an den Kuvukuta-Kanga-Asabi, und dieser schickt die maskirten Sindungo aus, die, wenn sie keine Bezahlung erhalten, Hühner, Ziegen oder anderes Hausvieh tödten, reife Bananen abschneiden oder sich sonstiges Eigenthum des lässigen Schuldners aneignen. Die Theilnehmer an solchen Expeditionen bleiben wegen der Verkleidung unbekannt, und wenn die Sindungo bei ihrer Rückkehr aus dem Walde mit einem Bekannten Zusammentreffen, haben sie die eine oder andere Ausrede fertig, ihre längere Abwesenheit und jetziges Vorhaben in unschuldiger Weise zu erklären. In der Hauptstadt Angoy werden die inneren Angelegenheiten der Sindungo von dem Tschisinbongo geleitet, dem der Mabo-bolo als Stellvertreter dient mit dem Kumbokutu, Sunyi, Tschinemantscho, Tendekele, Tendekele-Munsumbi-Ibulu als Gehülfen.

In Mekono, wo die Sindungo als (Empa-casseiros oder) Soldaten des Königs gelten, zollen sie den Fetischen Lunga, Vemba, Lufunsu Verehrung. Die monströsen Masken sind aus leichtem Holz gefertigt und mit verschiedenen Farben bemalt. (D. Exp. a. d. L.-K. S. 221.)

Die religiösen Anschauungen lassen in Afrika gesättigter als irgendwo sonst denjenigen Hintergrund durchblicken, auf welchem sie spielen, im Leid des Lebens.

Trotz aller Tröstungen und Verheissungen, welche idealistische Religionen gewähren mögen, interessirt das Volk zunächst das Leid und die Qual des täglichen Lebens, hier empfindet es Schmerz und Noth und hier verlangt es deshalb Hülfe. Die Schuld des Leidens wird auf einen bös gesinnten Feind, ob sichtbaren oder unsichtbaren, geworfen und der Schutz wird bei den (Bild3) gesucht oder bei den Priestern, die deren Dienst bald zu erzwingen, bald zu erflehen vermögen durch die Theurgie des Kultus, und die es in disparaten Fällen auch vielleicht wagen, einen Bund abzuschliessen in der schwarzen Hälfte der Magie.

Der ethnische Elementargedanke, der hier gleich-mässig überall thätig ist, entspricht dem, was Feuerbach als anthropomorphischen Charakter der Religion bezeichnet hat, in Personifizirung der Kausalität, indem der Wilde die Folgewirkungen eines Schädlich-Feindlichen in seinem Körper fühlend, nun die Ursächlichkeit in einer Wesenheit ausserhalb verkörpert; in einer, weil ihm feindlichen, also bösen, und, weil nicht gesehen, sondern nur gedacht, somit gespenstisch-dämonischen.

Und daher nun die ganze Buntheit der Gespensterwelt in mythologischen Vorstellungen nach den lokalen Variationen geographischer Provinzen.

Durchweg somit auf der Erde bei den Naturstämmen nicht nur, sondern auch in den Unterschichtungen der Kulturvölker treffen wir die Schrecken der Deisidämonie, die Ausgeburten der Höllenpein in fratzenhaften Verzerrungen ringsum, das Wohlsein des Menschen bedrohend —, stets ein und dasselbe Gedankending, das sich in ethnologischen Sammlungen bis zur Monotonie zu häufen beginnt, sobald in gleicher Bedeutung wiedererkannt unter dem Wechsel topographischer Masken und den verschiedenen Namensbezeichnungen, je nach dem Sprachdialect.

Für dieses wilde Heer nun, da die Abwehr im Einzelnen nicht auszureichen pflegt, hat sich jedem der ethnischen Kreise, so viel wir deren auf dem Erdball vorfinden, ein allgemeiner Reinmachetag nöthig erwiesen, um wenigstens einmal im Jahre reine Bahn gemacht zu haben und ein neues Leben gleichsam mit frischen Hoffnungen zu beginnen, — freilich kurzen nur, die kaum den Jubelstaumel des Festes überdauern, aber denen man dann doch wieder auf das nächste Jahr hin sich schmeichelt, entgegensehen zu dürfen.

Wie sich solche (Bild4) (einer Mago-phonie) in den Februalien, wo wir sie treffen: im Situa-feste der Inka, in mexikanischem Umlaufe des Tetzon-pak im Monat Tozottontli, im Jüng-Tün-Atana12) der Siamesen u. A. m. gestaltet (oder bei sonstigen, auf fortgeschritteneren Kulturstufen noch erkennbaren, Ueberlebseln), dann unter den Indianern, Negern, Papua, Al-furen (und den Naturstämmen, quantos hai) —, das ist bereits so vielfach und wiederholt zur Erörterung gekommen, dass, ohne darauf einzugehen, bei dieser Gelegenheit nur die am Alt-Kalabar geläufige Version zunächst zu wiederholen wäre:

Eine merkwürdige Sitte existirt in Alt-Kalabar, es wird nämlich alle zwei Jahre die Stadt von allen Teufeln und bösen Geistern gereinigt, welche, nach Ansicht der Autoritäten, während dieser Zeit von ihr Besitz ergriffen haben. Sie nennen dies Iudok, und eine ähnliche Ceremome wird jährlich an der Gold-Küste gefeiert. Zu einer bestimmten Zeit wird eine Anzahl Figuren, »Nabikems«, hergestellt und hier und da in der Stadt vertheilt. Diese Figuren, denen man verschiedene Gestalt giebt, werden aus Stäben und Bambusgeflecht angefertigt. Einige sehen wie menschliche Körper, mit Armen und Beinen, aus. Phantasievolle Künstler statten diese Produkte mit einem alten Strohhut aus, geben ihnen eine Pfeife in den Mund und einen Stock in die Hand, als wenn sie zu einer Reise gerüstet wären. Einige dieser Figuren sollen Vierfüssler vorstellen, andere Krokodile oder Vögel. Von den bösen Geistern wird angenommen, dass sie nach 3 bis 4 Wochen in ihnen ihren Aufenthalt nehmen, was meines Erachtens eine grosse Geschmacklosigkeit der vagirenden Geister ist. Kommt die Nacht ihrer allgemeinen Austreibung heran, so sollte man meinen, die ganze Stadt wäre verrückt geworden. Die Bevölkerung isst und trinkt festlich und zieht dann in Gruppen aus, um in alle leeren Winkel zu schlagen, als ob dort empfindende Wesen zu verjagen wären; dabei machen sie Hallo aus Leibeskräften. Schüsse knallen, die Nabikems werden mit Gewalt umgerissen, in Brand gesteckt und in den Fluss geworfen. Die Orgie dauert bis zur Morgendämmerung und die Stadt ist dann für weitere 2 Jahre von Geistern befreit. Ein seltsamer Widerspruch mit ihren Ideen über die Ausrüstung, welche den Todten zu ihrer Reise in die andere Welt nöthig ist. (Hutchinson.)

Beim Lärmen des zweijährlichen Ndök (that the spirits of the departed, who have died since the last Ndök may be driven from the abodes of men), »the Nabikim, in which the ghosts (Ekpoes) may have taken refuge«, werden ins Wasser geworfen (zur Reinigung).

Die alle zwei Jahre wiederkehrende Reinigung der Städte am Kalabar von allen Teufeln und Geistern fand an einem vorher bestimmten Tage Anfang December statt. Sie heisst Ndök. Während einer mehrtägigen Vorbereitungszeit wurden vor allen Thüren rohe Figuren von Kühen, Elephanten, Tigern, Alligatoren und anderen Thieren aufgeteilt, welche aus Stöcken und Gras gebildet, mit Tüchern bedeckt wurden und Nabikim heissen. Ihr Zweck wurde uns nicht gesagt, vielleicht war die ursprüngliche

Idee denen, welche die Gewohnheit fortsetzten, selbst nicht mehr bekannt.

Am Abend vor der Geremonie liess der König mir sagen, ich möchte mich am nächsten Morgen nicht beunruhigen, wenn ich Lärm in der Stadt höre, »da um 3 Uhr Jeder, Mann und Frau, mit dem Thürklopfen anfange.« Ungeachtet dieser Warnung liess der Sturm von Getöse, welcher zur genannten Stunde erweckte, mich so angstvoll auffahren, dass ich verwirrt aus dem Bett sprang und ans Fenster lief, um die Ursache zu erfahren. Es machte den Eindruck eines Orkans, der im Sturm einen Wald niederbricht, oder über eine Flotte von Schiffen dahinbraust, wobei das Geschrei von tausend Ertrinkenden sich mit dem Heulen von Wind und Wellen mischt. Im nächsten Augenblick durchzuckte mich der Gedanke, dass die Stadt vom Feinde erstürmt sei. Ueberall das Knattern des Kleingewehrfeuers, von Zeit zu Zeit Kanonendonner am Strande; tausende von Stimmen brüllten und heulten, des Königs grosse Glocke läutete die ganze Zeit hindurch, und der ganze Ort tönte wieder von dem Gepolter grosser Stöcke, mit denen die Thüren bearbeitet wurden, ähnlich dem Waffengeklirr in der Schlacht.

All der wilde Aufruhr sollte den Teufel aus der Stadt treiben und konnte jeden andern, als den Teufel, wohl erschrecken. Die Kühe, welche für gewöhnlich ruhig auf dem Markte schliefen, wurden fast toll, galoppirten die Strassen auf und ab, mit hocherhobenen Köpfen und Schwänzen, und wussten nicht wohin. In der Frühe des Morgens wurden alle Häuser vom Dach zum Boden gründlich ausgekehrt, Kehricht und Nabikim zum Fluss geschafft. Hiernach wurde angenommen, dass nunmehr alle Geister und Teufel auf und davon zu den Schatten wären.

Dabei gab es mitunter Ausbrüche wirklichen Kummers, bei dem Gedanken an verstorbene Verwandte, die schliesslich so weggetrieben wurden — herzbrechend leidenschaftliche Klagen. Die Macht des Beispiels und der Sympathie war so gross, das Sklaven aus weiter Feme wie die Kalabar-Leute schrieen, nicht einer wusste weshalb eigentlich, bis der König ihnen sagte, sie möchten sich nicht so betrüben, da ihre Väter und Mütter nicht in Kalabar gelebt hätten und dort nicht gestorben seien. Wir scherzten an Eyo´s Tafel über die Sitte, besonders über die Querköpfigkeit der Qua-Leute, welche für die Ndok-Ceremonie nicht denselben Tag festsetzten, wie Kalabar, sondern einen Tag später. Die Folge dieser Nichtübereinstimmung war, dass die Absicht beider vereitelt wurde. Die Kalabar-Geister schwebten in der ersten Nacht den Fluss entlang zum Qua-Territorium, wo sie Ruhe fanden, und zogen in der nächsten Nacht, als sie von dort vertrieben wurden, wieder zurück, und ihre Nachbarn mit ihnen. Es ist leicht ersichtlich, dass diese Leute keine guten Christen vom alten Schlage waren, sonst hätten sie sich des Tages wegen gegenseitig verfolgt und excommunicirt, wie die östliche und westliche Kirche es vor Alters thaten wegen der richtigen Osterzeit. ( Waddell)

In solchen Grenzverletzungen mögen sich Streitigkeiten bis zu dauernden Fehden entwickeln, wie zwischen den Inseln der Nicobaren, wenn an den Küsten die mit Schuld beladenen Geisterschiffchen antreiben. Die Lockpuppen (eines Bild5-Festes) wurden bei den Reinigungen in Fiji ähnlicherweise verwandt, wie einst in Rom. Laneae effigies, compitalibus, noctu dabantur in compita (s. Festus), in Rom, wo der Besen des Everricator zum Auskehren diente, — frei zu werden vom »Ekpo« (very bad), identificirt mit »ghost« (in vexvöia). Die Postiler-Jagd (der Frau Faste) verband sich (im Zersägen) mit dem Tod-Austragen (an der dominica laetare des Mitfasten), und weiter hätte nun eine lange Reihe fernerer Kettenglieder zu folgen (gleicher Elementarvorstellung).

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Text aus dem Buch: Der Fetisch an der Küste Guinea´s auf den deutscher Forschung nähergerückten Stationen der Beobachtungen (1884), Author: Adolf Bastian.

Der Fetisch an der Küste Guinea