Von Carl Daut.

Der Löffler — fälschlich Löffelgans genannt — gehört zu den Ausnahmeerscheinungen der schweizerischen Avifauna. Im «Katalog der schweizerischen Vögel» finden sich folgende Angaben über diesen Irrgast: «Selten vorkommend, beobachtet im Gebiet des Neuenburgersees, des Genfersees, wo mehrere Exemplare schon erlegt wurden, zuletzt noch bei Genf, 5. April 1891.»

Am 7. November 1903 berichtete mir ein Eisenbahnangestellter von Huttwil (Kt. Bern), dass in der Nähe der Ortschaft Ufhusen im Kanton Luzern ein eigenartiger Vogel tot aufgefunden worden sei; der jedenfalls mehrere Tage dort gelegen habe, da er schon stark rieche; der Beschreibung nach müsse es sich um einen Kranich handeln. Da mich die Sache interessierte und der Berichterstatter mir als gewissenhafter Beobachter und Gewährsmann bekannt war, forschte ich dem seltsamen Vogel weiter nach. Durch das freundliche Entgegenkommen des Herrn Verwalter H. in Ufhusen gelangte der Vogel am 9. November in meinen Besitz. Es war ein jüngeres Exemplar des Lötfelreihers, das bereits starke Spuren der Verwesung zeigte. Der linke Fuss fehlte, der Unterschenkelknöchen war teilweise blosgelegt, am Kopf und Hals waren die meisten Federn ausgefallen: Flügel und übrige Körperteile waren noch relativ gut erhalten. Eine Schusswunde unter dem rechten Flügel liess über die Todesursache keinen Zweifel. Nach dem bis fast zur Wurzel fleischfarbigen Löffel dürfte der Vogel kaum älter als zwei Jahre gewesen sein.

Natürlich war es mir daran gelegen, wenigstens den Balg zu retten und Herr Zugführer Z. in Bern, welcher sich in seiuer freien Zeit mit dem Ausstopfen von Vögeln beschäftigt, übernahm in sehr verdankenswerter Weise die durchaus nicht appetitliche Arbeit des Abbalgens des nichts weniger als angenehm duftenden Kadavers Die Präparation des Vogelbalges gelang so gut als möglich und befindet sich derselbe als Belegstück in meiner Sammlung.

Read More Der Löffelreiher in der Schweiz.

Der Ornithologische Beobachter

Von Karl Gerber.

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

Dem «Intelligenzblatt» der Stadt Bern wurde unterm 29. Dezember 1903 aus Worblaufen berichtet, dass dort nachmittags zirka vier Uhr, über Worblaufen von Norden herkommend, drei grosse Scharen Wildenten durchzogen in Abständen von 300 in von einander; sie flogen in Keilform, die Spitze nach vorn gerichtet; die Frontausdehnung der einzelnen Schwärme betrug etwa 400 m; die Gesamtzahl sei etwa 2000 Stück gewesen; so der Berichterstatter.

Dieser Beobachtung habe ich eine eigene beizufügen, ebenfalls vom 29. Dezember nachmittags 3 Uhr; ich war im Riedernwald bei Wynigen (Kt. Bern), da hörte ich ein Geräusch in hoher Luft und sah über mir, zirka 700 m über Meer, einen Schwarm Wildenten in der Richtung ziemlich genau von Nord nach Süd fliegen. Die Zugsrichtung verifizierte ich nach der topographischen Karte. Die Enten flogen ziemlich eng aneinander gedrängt in einer Winkelform, die Spitze nach vorn und nur von einer gebildet; die beiden Schenkel des Winkels waren gleich lang und jeder mochte von etwa 50 Enten gebildet sein; der innere Winkel war etwa um ein ¼ grösser als ein rechter Winkel; die Enten bildeten manchmal genau gerade Linien, doch kamen sie auch aus der Ordnung, so dass ihr Flugbild eher einem Kreisbogen glich als einem gleichschenkligen Winkel.

Read More Zug von Wildenten und Vogelleben im Winter

Der Ornithologische Beobachter