Kategorie: Deutsch-Amerikaner

100jahr Tagung der Naturforscher und Aerzte in Leipzig

Vor 100 Jahren hatte die erste Versammlung der Naturforscher und Aerzte, auf Anregung Lorenz Okens, in Leipzig in den Räumen der Naturforschenden Gesellschaft, staattgefunden. Das Präsidium der Naturforscher- und Aerztetagung. Geheimrat Plank (X), Präsident der Tagung. Ausser diesem sind in der Gruppe: Geheimrat His, Geheimrat von Struempell, Geheimrat Prof. Bier, Professor Hübschmann und Geheimrat Prof. Dr. Sudhoff.

Im September fand in Leipzig die Hundertjahrfeier Deutscher Naturforscher und Aerzte statt. 4000 Teilnehmer füllten die Alberthalle des Kristallpalastes. Diese grossartige Entwickelung eines wissenschaftlichen Unternehmens lässt es angezeigt erscheinen, des Mannes zu gedenken, der vor hundert Jahren — am 18. September 1822 -in Leipzig die erste Versammlung eröffnete.

Der damalige Jenaer Professor und Hofrat Lorenz Oken (geh. 1779, gest. 1851) wird für alle Zeiten als der Begründer dieser Versammlungen genannt werden müssen. Der von Oken vom ersten Anfang an ins Auge gefasste Hauptgrund der Versammlungen, die persönliche Bekanntschaft der Gelehrten untereinander zu vermitteln, besteht auch noch zu Recht. Alexander v. Humboldt hat die Bedeutung dieser Naturforscher-Versammlungen hei der Eröffnung der Berliner Versammlung im Jahre 1828 in folgender Weise zum Ausdruck gebracht:

„Was wir erstreben, ist die persönliche Annäherung derer, welche dasselbe Feld der Wissenschaft bearbeiten, die mündliche und darum mehr anregende Auswechslung von Ideen, es mögen sich diese als Tatsachen, Meinungen oder Zweifel darstellen, die Gründung freundschaftlicher Verhältnisse, welche den Wissenschaften Licht, dem Leben heitere Anmut, den Sitten Duldsamkeit und Milde gewähren.“

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Von Dr. Albert Neuburger.

Es gibt Tage, denen für die Entwicklung des Menschengeschlechts eine höhere Bedeutung zukommt, als Dutzenden von jenen, die Millionen von Schülern noch nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden im Schweisse ihres Angesichtes auswendig lernen müssen. Diese Tage pflegen aber in den Annalen der Weltgeschichte nicht verzeichnet zu sein. Auch von demjenigen Junitage des Jahres 1922 werden diese Annalen vielleicht nichts berichten, an dem mit der Eröffnung der Betriebszentrale der „Transradio“ zu Berlin der drahtlose Weltverkehr seinen Anfang nahm. Und doch leitet dieser Tag ein neues Zeitalter auf dem Gebiete des ganzen Verkehrswesens und damit des Wirtschaftslebens der Völker sowie des kulturellen Fortschrittes ein.

Drahtloser Weltverkehr?

Ja, gab es denn dergleichen bisher nicht? Man konnte doch über die Ozeane hinweg Telegramme senden, und so mancher Leser wir sich vielleicht erinnern, vernommen zu haben, dass die Funkenzeichen der Station zu Nauen in Awanui auf Neuseeland aufgenommen wurden. Die Entfernung beläuft sich auf nicht weniger als auf 20,000 km. Der Umfang des Aequators aber beträgt 40,000 km. Da nun die elektrischen Wellen von Nauen aus nicht nur in der einen Richtung nach Awanui gelangen, sondern da sie sich von den Sendedrähten aus nach den verschiedensten Richtungen hin ausbreiten und somit nicht nur von der einen, sondern von verschiedenen und entgegengesetzten Seiten her in Awanui anlangten, so hatten sie also im vollsten Sinne des Wortes den Erdball umflutet. Damit waren also die Voraussetzungen für einen drahtlosen Weltverkehr gegeben. So sollte man meinen!

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Die Jahrhunderte alte Eifersucht zwischen England und Frankreich, die nur ungefähr 40 Jahre lang geruht hatte, hat ihren neuen Kristallisationskern gefunden. Nach der Niederlage der Mittelmächte Europas scheint nun die Zersetzung der siegreichen Staaten ebenfalls zu beginnen. Die strategisch, ökonomisch und politisch vielleicht wichtigste Stelle der aussereuropäischen politischen Kombination ist die Türkei bezw. ihr altes und noch jetzt von ihr gehaltenes Gebiet, eine Ländermasse, durch die die längst geplante Algier-Port-Said-Sudan Bahn führen soll, zu der alle anderen, bis jetzt vor handenen Bahnen, die Kap-Kairo, Hedschas-, Libanon-, Bagdad-Bahn nur Zubringerbahnen sein werden.

Palästina, Anatolien, Syrien und die Küste des Marmara-Meeres sind Schlüssel-, Deckungs- und Sicherungspunkte zum Ausbau dieses Systems. England setzte sich nach dem Waffenstillstand mit einem grossen Uebergewicht an Machtmitteln in Konstantinopel fest, auf diese Weise die Dardanellen und den Bosporus beherrschend und gegen Sowjet-Russland eine Barre errichtend, das nun den Weg zu einer Verbindung RusslandTürkei versperrt fand. Mittlerweile war es aber für Russland doch möglich, selbst auf dem Umweg über die neuen, den Weg ebenfalls versperrenden Kaukasus-Staaten, wie Georgien usw. eine aktive Unterstützung der Türkei herzustellen, wodurch gleichzeitig deren Durchtränkung mit bolschewistischen Ideen vorbereitet wird.

Auf diese Weise findet heute eine Bedrohung der westeuropäischen Kultur statt. Da aber Frankreich ebenfalls bestrebt ist, das Gebiet dieser Drei-Erdteil-Ecke an sich zu reissen, so unterstützte es die sich gegen den Friedensvertrag von Sevres auflehnende Angora-Türkei ebenfalls mit Kriegsmaterial, um die englische Politik zur Bescheidenheit zu zwingen und gleichzeitig von Syrien aus, wo sein Einfluss von jeher sehr stark war, seine Machtsphäre zu vergrössem und sich selbst in das Erdteilverbindende-Bahnnetzgebiet hineinzuschieben.

Und der türtische Führer Kemal Pascha siegte und damit siegte auch die französische Politik m Orient. Es ist nun nur eine Frage der Weiterentwickelung dieser Dinge, ob England und Frankreich eines Tages ebenso aneinander geraten werden, wie Deutschland nit England zum Teil nur der Bagdadbahn wegen aneinandergeriet. In diesem Falle vürde die Türkei wahrscheinlich verstärkt und vergrössert wieder erstehen, gleichzeitig vürde die Bolschewisierung der Welt grosse Fortschritte machen, denn die Türkei und Russland hätten wieder gemeinsame Grenzen. Und was bolschewistische Ideen am mittelländischen Meer mit seinem so regen Verkehr bedeuten, vermag man sich leicht vorzustellen, ebenso eine Ausbreitung des Sovjetgedankens am Persischen Golf auf der Strecke nach Indien. Es wäre der Anfang vom Ende Europas, ein Ende, an dem Russland das grösste Interesse hätte.

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Wenn es heute noch Leute gibt, die die naive Frage aufstellen, ob denn ein neuer Bahnhof für Stuttgart durchaus das Wichtigste sei, so muss man über eine solche Aeusserung den Kopf schütteln. Denn auch diejenigen, welche sich gern in die Zeit „des Postgangs und des Trabs“ zurückversetzen, werden, wenn sie einmal die Verhältnisse auf dem alten Bahnhof an eigenem Leibe erfahren haben, dahinter gekommen sein, wie notwendig ein neuer ist. Die Frage, der Nützlichkeit eines solchen braucht daher wohl nicht erörtert werden. Vor genau 76 Jahren, zur gleichen Zeit, als die ersten Droschken fuhren, wurde der erste Eisenbahnzug van Cannstatt aus nach Stuttgart-Ludwigsburg abgelassen, da Cannstatt viel früher einen Bahnhof hatte als die damalige Residenz. Der Zug hatte in Stuttgart eine Stunde Aufenthalt, zum Entsetzen derer, die nach Ludwigsburg wollten.

Erst am 13. Mai 1867 wurde der von Morlock und Wolff erbaute Bahnhof dem Betrieb übergeben. Dass dieser alte Bahnhof überhaupt so lange den gesteigerten Bedürfnissen einer grossen Stadt genügen konnte, ist zu bewundern. Nun ja: wenn der Krieg nicht gekommen wäre, hätten wir ja den neuen Bahnhof schon längst.

Man mag über das Gesicht dieses neuen Bahnhofs denken wie man will: zum Charakter unserer Zeit passt es ausgezeichnet. Die äusseren Masse sind grosszügig und für die Zukunft berechnet. Der Bürger wird sich sehr bald mit dem neuen Bahnhof befreunden, wenn er sich über seine Zweckmässigkeit vollkommen überzeugt hat. Er wird schon zufrieden sein, wenn er nicht mehr so lange vor den Schranken der Bahnsteige warten braucht und wenn ihn nicht mehr das erschütternde: Achtung! des Gepäckwagenschiebers bei Seite schleudert. Wir haben gewiss zu Anfang noch mit manchen Unvollkommenheiten zu rechnen, die sich erst nach und nach regeln lassen werden.

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