11. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Die Ureinwohner – Die Besiedlung – Die Christianisierung

Augenzeugen berichten von grauenhaften Szenen, die die Armeen des Diktators aus Moskau im Baltikum anrichteten: Schwangere Frauen wurden erschlagen. Kinder auf Zäune gespießt, Erwachsene unter furchtbarsten Qualen zu Tode gemartert.

Diese Greuel trugen sich vor rund 400 Jahre zu und stellen einen der ersten folgenreichen Kontakte zwischen Russen auf der einen und Esten und Letten auf der anderen Seite dar. Jener Diktator war Iwan IV., »der Schreckliche«.

Im Gedächtnis der Völker an der Ostsee spielen derartige Kapitel der Geschichte, die Rußland als Bedrohung zeigen, eine große Rolle. Auch die Litauer ziehen Parallelen zwischen dem, was sie unter Stalin und seinen Nachfolgern erleiden mußten und den blutigen Pressionen und Russifizierungsbemühungen, mit denen Zar Alexander II. dem Aufstand von 1863/64 begegnete. Esten, Letten und Litauer sind mit dem Boden, auf dem sie leben, eng verwurzelt. Die baltischen Völker im ethnographischen Sinne, also Pruszen (die Ureinwohner des späteren Ostpreußen), Litauer und Letten sowie die zwischen 1400 und 1600 von den beiden zuvor erwähnten Völkern assimilierten Kuren, Semgallen und Selen, siedelten seit spätestens dem 3. Jahrtausend vor Christus in der Region, in der sie heute noch leben.

Die Esten gehören demgegenüber ethnisch nicht zu den baltischen Völkern, sondern zu den Finno-Ugriern. Bereits im 6. Jahrtausend vor Christus, also schon im Neolithikum, war Estland besiedelt. Von diesen wahrscheinlich über Mitteleuropa eingewanderten Ureinwohnern dürften die Esten abstammen. Esten wie auch der baltische Stamm der Kuren, der im Südwcsfcn des späteren Lettland siedelte und von dem später der Name »Kurland« (und in Ostpreußen die »Kurische Nehrung«) entlehnt wurde, waren als typische Küstenvölker. ähnlich wie die Wikinger, Seeräuber. Sie griffen aber auch die Küsten Schwedens und Dänemarks auf der Jagd nach Beute immer wieder an.

»O mächtiger Gott, bewahre uns vor den Kuren!«, so lautet die inständige Bitte in einem alten dänischen Gedicht. Die Litauer waren ähnlich kriegerisch und insbesondere seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts der Schrecken der Lettgaller, Liven und auch der Esten. Russisch-normannische Fürsten aus Groß-Nowgorod und Polozk unternahmen als erste auswärtige Macht zu Beginn des 11. Jahrhunderts den Versuch, an die Ostseeküste vorzustoßen. Doch ihre Expansion nach Estland und in Richtung der Dünamündung war nur mäßig erfolgreich.

Im 12. Jahrhundert fand man auch im Heiligen Römischen Reich Interesse am baltischen Raum. Erstens wollten sie das weitere Vordringen der Russen verhindern. Zweitens wollten Kaiser und Papst die »heidnischen Gebiete«. Drittens suchten die deutschen Kaufleute neue Handelsmöglichkeitcn.

Der erste Mönch, der sich 1184 deutschen Kaufleuten anschloß und im Bereich der Düna-Mündung niederließ, Meinhard aus dem holsteinischen Segeberg, holte sich vom russischen Fürsten Wladimir von Polozk die »licentia« zur Missionierung der Liven. Unter seinem zweiten Nachfolger, dem Bremer Domherrn und späteren Gründer (1201) und Bischof von Riga, Albert, begann die offizielle Christianisierung in dieser Region. Er bemühte sich um die Ansicdlung deutscher Bauern, vor allem aus Westfalen.

Einen unverzichtbaren Beitrag zur Unterwerfung des Landes leistete der 1201/03 vom Zisterzienser Theoderich gegründete »Orden der Ritterschaft Christi«, nach seinen Abzeichen »Schwertbrüderorden« genannt. Er war nicht dem Papst, sondern dem Bischof direkt unterstellt. Später kam es jedoch zu scharfen Rivalitäten zwischen Bischof und Orden und dann auch mit den Städten. 1225 wurde Livland als Mark des Reiches anerkannt und Albert mit den übrigen Reichsfürsten gleichgestellt. Nun stand »Livland« als Sammelbezeichnung für die gesamte vom Orden eroberte Region. Später folgte eine Differenzierung in Kurland, Livland und Estland.

Doch wirklich in sich geschlossen war das alte Livland nicht. Die innere Zerrissenheit blieb, und die daraus resultierende Schwächung wuchs durch die vernichtende Niederlage, die der Schwcrtbrüderor-den im September 1236 im litauischen Schaulen (Siauliai) bei dem Versuch erlitt, das Großfürstentum Litauen zu erobern. Die überlebenden Schwertbrüder schlossen sich 1237 dem Deutschen Orden an, der auf Bitten des polnischen Fürsten Konrad von Masowien 1225/26 mit der Missionierung und Eroberung des Pruszenlandes begonnen halte.

Die Niederlage der Schwertbrüder – und auch der Deutsche Orden war später nicht erfolgreicher – gegen die Litauer stellte eine Zäsur für die weitere Entwicklung des Ostsec-raums dar. Sie verhinderte eine umfassende deutsche Kolonisierung des Küstengebietes über Ostpreußen hinaus. Denn der Sperriegcl in Form der Existenz Litauens blieb bestehen, und über See, »auf den Balken« – eines Schiffes, ging ein landverwurzelter Bauer nicht. Dies hatte zur Folge, daß Kurland, Livland und Estland nur von einer prozentual kleinen deutschen Führungsschicht »aufgesegelt« wurde, die sich auf Dauer dort nicht halten konnte und in diesem Jahrhundert ihre Position endgültig einbüßte.

Litauen führte hingegen durch die erfolgreiche Abwehr des Ordens ein staatliches Eigenleben. In eine Schicksalsgemeinschaft mit dem späteren Lettland und Estland geriet es erst im 18. Jahrhundert, als die Gesamtregion nach der Teilung Polens an Rußland fiel.

Siehe auch:
Ukrainer
Donkosaken
Krimtataren
Ingrier-Esten-Letten-Litauer
Litauen-Lettland-Estland
Weißruthenen-Weißrußland
Idel-Uraler
Nordkaukasier
Aserbeidschaner
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Ostfinnen
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Das Balten-Gebet
Baltikum-11. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Teilrepubliken-Sowjetunion
Sowjetunion-Staatsorgane
Sowjetunion-Wirtschaft
Sowjetunion-Technisierung
Sowjetunion-Landwirtschaft
Sowjetunion-Das Land
Sowjetunion-Schlußwort
Goten-Waräger-Deutsche
Sowjetunion-Russen
Die Ukraine als Arbeitsfeld für Deutsche und Deutsches Kapital

Baltikum Deutsche Geschichte

Es war das germanische Volk der Goten, das den gewaltigen Raum von den Karpaten bis zum Kaukasus, vom Ladogasee bis zum Schwarzen Meer im 1. Jahrhundert nach der Zeitwende in staatliche Formen zwang.

Damals siedelten von der oberen Düna über die Wolga bis an die Ufer des Weißen Meeres Völker finno-ugrischer Sprache, die neben nordischen, primitiven europäiden und mongoloiden Menschen besonders im Westen zur ostbaltischen Rasse gezählt werden können.

Die Ostseeküste hatten Völker indogermanischer Sprachen inne, die in der Mehrzahl einen stark nordischen Einschlag verrrieten und stellenweise ostbaltisch durchmengt waren. Südlich davon saßen slawische Stämme. Den Raum zwischen Dnjepr und Don bewohnten Nachkommen indogermanischer Völker, Skythen, deren Blut stellenweise ebenfalls mit mongoloiden Bestandteilen durchsetzt war.

Alle diese Völker und Stämme wurden dann durch das Gotenvolk überschichtet, dessen hochentwickelte Bauernkultur durch die ausgegrabenen Geräte, Waffen, Gefäße und Schmuckstücke bezeugt ist.

Man unterscheidet die Ostgoten, die unter der Herrschaft der Amaler im Norden des Schwarzen Meeres siedelten, und die Westgoten unter dem Fürstengeschlecht der Balten zwischen der Ostsee und dem Dnjepr.

Um 370 hatte das Gotenreich des Königs Ermanarich seine größte Machtausdehnung und Blüte erreicht. Der Dnjepr war die Verkehrsachse dieses ganzen Staatssystems, das von germanischen Herulern, Bastarnen und Skiren im Südwesten flankiert war. So wurde die weite osteuropäische Ebene von einem germanischen Volk gegen jene Nomadenstämme gesichert, die das Europäertum und seine Kulturschöpfungen bedrohten.

Als aber hunnische Reiterheere nach Westen drängten, vermochte ihnen das Gotenreich nicht standzuhalten. Ermanarich, der den Zerfall seines Staates nicht verhindern konnte, gab sich seihst den Tod, und sein Nachfolger Winithar fiel im Kampf gegen die Hunnen.

Das Jahr 375 wurde also zum Schicksalsjahr von ganz Europa. Die Hunnen überrannten das Bollwerk am Don und drangen in das Herz des Abendlandes ein, doch fiel ihre Mehrzahl in den Kämpfen gegen die europäischen Heere, Erst im 5. Jahrhundert wichen sie wieder nach Osten zurück und verloren sich unter den Awaren und Chasaren.

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Deutsche Geschichte Die Sowjet-Union

Das deutsche Volk ist reich, fast überreich begabt, und doch voller Schwächen. Körperkräftig und geistesstark, gemütvoll und vielseitig, liebt es die Arbeit ohne die Waffen zu fürchten. Aber es fehlte ihm die Völkertreue, das feste staatliche Rückenmark, nur zur oft die Kraft und der Wille: das Ich, die Sippe, den Stamm der Gesamtheit, das Einzelne dem Ganzen unterzuordnen. Es erwies sich kleinlich und mißgünstig, übermütig und überschäumend im Glück, haltlos im Unglück, ohne Gleichmut der Seele; dann wieder erhob es sich Taten groß und gewaltig, zu einer Leidenschaft, einer Hingabe, einem Opfermute ohnegleichen, zu einer Wucht, die den Erdball erschütterte. Jahrhunderte dämmerte es fast gedankenlos dahin, und doch zählt es die ersten Geisteshelden zu den Seinen.

Es vollbrachte den Sturz des römischen Weltreiches, aber nur, um mehr als die Hälfte seiner tatenfrohen Söhne zu verlieren, um siegend besiegt zu werden. Es errang die Kaiserkrone Roms und gestaltete sie zum Dornenkranze, an dem es selber und Italien sich verblutet haben. Es durchbrach die mittelalterliche Weltordnung und ging im dreißigjährigen Kriege durch seine Heldentat staatlich zugrunde. Deutschland war schließlich nur noch ein geographischer Begriff, ohnmächtig, zerissen, verarmt im Innern, im äußeren Bestande eingeengt und beraubt, verspottet, verachtet von den Nachbarn.

Da erhob sich aus seiner gefährlichsten Schwäche: seinem Triebe zur Sondergestaltung, die entscheidene Macht. Über den märkischen Kiefernwäldern begann ein bislang unbeachteter Aar (Adler) zu kreisen, der seine Schwingen reckte, machtvoll und stark bis an die Grenzen des Reiches. Aus der Kleinstaaterei erwuchs ein Gebilde, welches zum Weltreiche wurde. Auf allen Meeren weht die deutsche Flaage, fern und nah erkämpft sich die deutsche Ware einen Ehrenplatz, überall arbeitet deutscher Verstand und deutscher Fleiß, werden deutsche Einrichtungen bewundert, beneidet, nachgeahmt. Und daheim bildet Deutschland das Herz Europas mit einem unternehmenden, kühngemuteten Volke, einem starkem Staatswesen, einem mächtigen Kaisertum. In Kampf und Not erwachte sein Selbstvertrauen, mit Blut und Eisen erkämpfte es aus der Zwietracht die Einigkeit. Seine Armut verwandelte sich in Reichtum, die Verachtung der Nachbarn in Ansehen und Bewunderung.
So ist die deutsche Geschichte einzig in ihrer Art gewesen, und einzig in seiner Art ist auch dieses Werk, welches sie versinnbildlicht, welches der Inbegriff ist von Deutschlands augenblicklichem Selbst, seiner inneren Höhe, seines äußeren Glanzes. Die «Deutsche Gedenkhalle» ist kein Buch gewöhnlicher Art, sondern hebt sich aus allen heraus und schuf sich sich selbst ihren Rahmen. Sie gibt keine landesübliche Darstellung in fortlaufender Erzählung, sondern Einzelschilderungen über Haupt- und Staatsaktionen, über Recht, Sitte, Kultur, Kunst und Wissenschaft, kurz die ganze reiche Lebensfülle des Daseins in Vergangenheit und Gegenwart; jeder Abschnitt besteht für sich und doch hängt er mit seiner Umgebung zusammen, alle liefern sie ein farbiges Gesamtbild. Demgemäß wurde jeder Einzelbeitrag sorgfältig ausgewählt, aber seine wahre Bedeutung, gleichsam seine Weihe erhielt er erst durch den Bearbeiter, welcher stets ein namhafter, meistens der namhafteste Fachmach ist: ein Gelehrter, der vorurteilslos zu forschen und in edler Wahrhaftigkeit darzustellen verstand. Das Buch bildet damit den Höhe- und Sammelpunkt der augenblicklichen Geschichtsschreibung. Zu den Gelehrten gesellten sich die Künstler, dahingeschiedene und lebende. Sie schufen für das Auge, was ihre Gefährten dem Geiste erschlossen. Und weiter kam hinzu ein Buchschmuck, der kaum seinesgleichen findet, der die Größe des Gegenstandes auch groß und herrlich wiedergab. In dem Zusammenklange aller dieser Dinge beruht der unvergängliche Wert des Werkes, erscheint es als literarisches Denkmal ersten Ranges, erhebt es sich zu einem Marksteine für Gegenwart und Zukunft.

Ihren Ausdruck erhalten diese Tatsachen in der Teilnahme Seiner Majestät des Kaisers, der in einer Kabinetts-Ordre schrieb:

«Es ist Mir ein Bedürfnis Meiner Befriedigung Ausdruck zu geben, daß Ich das Protektorat über ein Werk habe übernehmen können, welches durch die Gediegenheit seines Inhalts und den vornehmen Geschmack seiner Ausstattung ein Denkmal deutscher Buchkunst genannt werden muß.»

Voll diesen Verständnisses für die Schwierigkeiten, die der gesamten Geschichtsschreibung und diesem Buche im Besonderen anhaften, hat der Herrscher es sinnig mit den Worten unseres größten Dichters eingeleitet, daß es das Schwerste ist:

«Mit den Augen zu sehen,

Was vor den Augen dir liegt!»

 Pflugk-Harttung, Julius von

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