Es war nicht nur die Feindschaft zwischen Katholiken und Protestanten die Deutschland und darüber hinaus die europäischen Länder spaltete. Auch die Kampfstellung der deutschen Fürsten gegen die Kaisermacht hatte sich immer mehr verstärkt. Der Argwohn Frankreichs gegen das Haus Habsburg, das Frankreich von Deutschland und Spanien aus umklammerte, war gleichfalls dauernd lebendig. Vor allem aber lockte die Schwäche des-Deutschen Reiches die erstarkten Randstaaten zu einem Vernichtungskriege gegen die nordische Zentralmacht Europas.

Der Glaubenskrieg beginnt.

Im Jahre 1618 starb der Kaiser. Sein Bruder Ferdinand hätte nun König von Böhmen werden müssen. Er war ein grimmiger Feind der Protestanten. Die evangelischen Böhmen wählten deshalb nicht ihn, sondern den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, der als König in Prag einzog. Ferdinand wollte Böhmen zurückgewinnen. Deshalb rüstete er ein Heer und rief die Liga zur Unterstützung herbei. Ihr Feldherr Tilly schlug die Böhmen am Weißen Berge bei Prag. Auch die Fürsten der Union wurden von 1620 Tilly in Süddeutschland in mehreren Schlachten geschlagen und zogen sich nach Norddeutschland zurück.

Völkerkrieg gegen Deutschland.

Die Nachbarn Deutschlands erkannten die günstige Gelegenheit, die Vorherrschaft des Reiches in Europa zu brechen. Die Dänen versuchten, sich an der Nordsee festzusetzen. Sie verbündeten sich mit Frankreich und England und stellten zwei Heere auf, eins in Norddeutschland und eins in den Niederlanden.

Wallenstein und Tilly gegen die Dänen.

Dem Kaiser war es lästig, daß er von der Liga abhängig war. Da kam ihm der böhmische Edelmann Wallenstein zu Hilfe. Schon während des böhmischen Krieges stand er dem Kaiser mit drei Regimentern zur Seite. Nun bot er ihm an, auf eigene Kosten ein Heer aufzustellen.

Massenhaft strömen den Werbern die Burschen zu, katholische und evangelische. Die deutsche Waffenfreude siegt, wenn sie auch längst zuchtlos entartet ist. Keiner fragt mehr, wofür er kämpfen soll. Sie wissen, daß Wallenstein gut und regelmäßig zahlt. Und wenn er siegt, gibt’s Beute und herrliche Tage, ln einem riesigen Lager sind die Landsknechte Wallensteins vereinigt. Da stehen die Zelte dicht gedrängt und bunt bewimpelt. Das Zelt des Hauptmanns ist besonders reich geschmückt und überragt alle anderen. Bei der Lagerwache gehfs lustig her. Eben hat die Marketenderin ein frisches Faß angesteckt, und ein fettes Essen brodelt im Kessel über dem Feuer. Die derben Landsknechtslieder klingen auf, die „Schelmbeine“ rollen auf der Trommel um die Beute. Sorgen kennen die Landsknechte nicht. „Lustig gelebt und selig gestorben“, ist ihr Wahlspruch.

Wallenstein säuberte Sachsen und Schlesien und trieb vereint mit Tilly den Dänenkönig auf seine Inseln. Vergeblich belagerte er dann die Stadt 1628 Stralsund, die auf der Seeseite von den Schweden Unterstützung erhielt. Er wollte das ganze Ostseegebiet für Deutschland zurückgewinnen. Doch war er dem Kaiser und anderen Fürsten zu mächtig geworden. Plötzlich 1630 wurde er abgesetzt und zog sich auf seine Güter zurück.

Read More Der Dreißigjährige Krieg (1618—1648).

Deutsche Geschichte

Die protestantischen Fürsten waren auf ihren Vorteil bedacht und in ihrem Bunde, der „Union“ (Vereinigung), untereinander uneinig und unzuverlässig. Auch in den lutherischen Gebieten wütete der Hexenwahn und lohten die Scheiterhaufen. Die Nachfolger Luthers, die Prediger, verloren sich in unfruchtbarem Glaubensstreit, Kampf gegen den Bruder auf der Nachbarkanzel, Lutherische gegen Lutherische, Reformierte gegen Reformierte, Lutherische gegen Reformierte und umgekehrt. Kampf aller gegen alle! So sah die Kirche Luthers aus, gegen die die gewaltige, geschlossene Macht der Gegenreformation angetreten war.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.
Glaubenskämpfe in anderen Ländern Europas.
Am Glaubensstreit geht das Reich zugrunde.

Deutsche Geschichte

Der Papst rüstet zum Kampf.

Der Gegenangriff der Papstkirche zur erneuten Unterdrückung der Glaubensfreiheit ließ nicht lange auf sich warten. Auf dem Konzil zu 1545—63 Trient wurde die Säuberung der katholischen Kirche in Sitte und Lehre durchgeführt und die unbedingte Machtstellung des Papstes erneut begründet.

Seine zuverlässigste Kampftruppe war der Jesuitenorden, die „Gesellschaft Jesu“. Ein spanischer Ritter, Ignatius von Loyola, hatte den Orden zusammen mit mehreren getauften Juden aus Spanien und Italien gegründet, ein Papst, der selbst aus Judenblut stammte, bestätigte seine Regeln. Die Aufgabe des Jesuitenordens war „Krieg gegen die Ketzerei. Friede ist ausgeschlossen. Auf Loyolas Geheiß haben wir auf den Altären ewigen Krieg geschworen1! Damit er erfolgreich geführt werden konnte, mußten sich die Jesuiten zu unbedingtem Gehorsam gegen den Papst und den Ordensgeneral verpflichten. „Wie ein Stock, der sich überall hintragen läßt, wie ein Leichnam, der nicht sehen kann“, so müssen sie blind jedem Befehl gehorchen.

Vater und Mutter, Bruder und Schwester sollen sie verlassen und verleugnen, kein Volk und Vaterland dürfen sie kennen. Auch ihr eigenes Gewissen soll sie nicht mehr warnen dürfen. Deshalb bekamen sie ein eigenes Sittengesetz, nach dem jedes Mittel, auch das verwerflichste, recht ist, wenn mit ihm der jesuitische Zweck erreicht werden kann. Diese gefährliche Kampftruppe wurde in alle Länder geschickt, wo sich Glaubensfreiheit zu regen begann. Wo eine Bibel im Hause gefunden wurde, wo ein verdächtiges Wort gehört wurde, wo jemand der Beichte femblieb, da hieß cs: „Ketzer, widerrufe oder brenne!“ Mit furchtbaren Folterwerkzeugen arbeitete die „Inquisition“. Furcht und Schrecken zogen durch die deutschen Lande. Zwar ertrugen Hunderttausende den Flammentod oder flüchteten aus der Heimat, aber viele Herzen verzagten. Als das neue Jahrhundert anbrach, war ein Drittel Deutschlands wieder katholisch geworden. Die katholischen Fürsten standen, in der „Liga“ (Bund) fest zusammengeschlossen, hinter Kaiser und Papst.

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Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.
Glaubenskämpfe in anderen Ländern Europas.

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Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.

Neben der Lutherkirche war die reformierte Kirche entstanden. Ihre Heimat war die Schweiz. Im deutschen Zürich lehrte Zwingli, im französischen Genf wurde die Reformation von Calvin durchgeführt. Er war viel strenger als Luther. Da gab es keine Lebensfreude, keinen Tanz, kein fröhliches Lied, aber Scheiterhaufen und Hinrichtungen! Seine Lehre, die sich besonders an das jüdische alte Testament anschloß, verbreitete sich vor allem in Frankreich, England, den Niederlanden und in Westdeutschland. In Frankreich wurden in der „Bartholomäusnacht“ mehr als 20000 Reformierte auf Befehl des Königs ermordet. Tausende von „Hugenotten“ verließen nun die Heimat und flüchteten nach Deutschland. In den Niederlanden wütete der finstere Herzog Alba mit seinem „Blutrat“. In hundertjährigem Kampfe gegen Spanien verteidigten die niederländischen „Geusen“

Freiheit und Glauben. Endlich gelang es dem deutschen Grafen Wilhelm von Oranien, den nördlichen Teil — Holland — selbständig zu machen und protestantisch zu halten. Leider wurde der Zusammenhang des Landes mit dem Reich dadurch weiter gelockert. Die südlichen Niederlande — das heutige Belgien — blieben bei Spanien und wurden durch Blut und Tränen wieder zum Katholizismus gezwungen. In Spanien war der Halbjude Torquemada „Kardinalgroßinquisitor“. Alle Gegner der Papstkirche wurden von ihm grausam vernichtet. In England entstand die Hochkirche. Sie war vom Papst unabhängig, behielt aber sehr viel Katholisches bei. Sie besteht noch heute, doch gehört die Masse des Volkes calvinistischen Sekten an.

Die germanischen Länder des Nordens, Dänemark, Schweden und Norwegen waren bald ganz lutherisch und sind es bis auf den heutigen Tag geblieben.

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Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
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