Kategorie: Die Industrie der Oberpfalz in Wort und Bild


Im Jahre 1880 beschloß die k. k. priv. Eisenbahn Pilsen—Priesen—Komotau (E. P. P. K.) in Deggendorf einen Umschlagplatz für Kohlentransporte nach Wien und Budapest zu errichten, um mit Benützung des billigeren Wasserweges den Kohlenverkehr aus dem Brüx-Komotauer Braunkohlenrevier über ihre Linien zu steigern und damit die Rentabilität ihres Unternehmens zu heben. Als  aber der gleichzeitig geplante Abschluß eines Transportvertrages mit der Ersten k. k. priv. Donau-Dampschifffahrt-Gesellschaft an den zu hohen Schiffsfrachtsätzen dieser Gesellschaft scheiterte, nahm die E. P. P. K. auch die Durchführung der Schifftransporte in eigene Regie, gab einen Remorkör und 14 Holzkähne in Bau und eröffnete mit diesem Schiffspark auf Grund der am 26. Juli 1882 erteilten bayerischen Schiffahrtkonzession am 20. März 1883 die Schiffahrt. Die Hoffnungen, die man auf den Schifffahrtbetrieb gesetzt hatte, erwiesen sich jedoch in der Folge als trügerisch und bei der im Juli 1884 durchgeführten Verstaatlichung der Bahn wurden die Deggendorfer Umschlagsanlage und der Schiffspark von der k. k. österreichischen Regierung nicht übernommen.

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J. B. Pilz Nachfolger Inh.: Adolf Beer, Sallern

Durchwandert man die Hauptstraße des größten Dorfes Bayerns, Reinhausen, so gelangt inan zu der an der Staatsstraße nach Regenstauf—Schwandorf gelegenen Tonwarenfabrik Sallern, welche bereits zum Orte gleichen Namens gehört.

Die heute in den verschiedenen Erdteilen durch das von ihr erzeugte Kochgeschirr „Achat“ bekannte Firma ist aus kleinen unscheinbaren Anfängen hervorgegangen. Der Gründer der Fabrik Johann Baptist Pilz, dessen  Namen das Unternehmen heute noch führt, mußte, dem Berufe seiner Eltern folgend, nach Entlassung aus der Werktagsschule das Maurerhandwerk erlernen, trat aber bald als Dreherlehrling in die Heinrich Waffler’sche Steingutfabrik in Regensburg ein, woselbst er seine Lehrzeit vollendete und sich durch Geschicklichkeit, Fleiß und Strebsinn nicht nur als flotter Dreher und Modelleur ausbildete, sondern sich auch alle notwendigen Kenntnisse der Brennhausarbeiten aneignete.

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1. Heidelbeerweinkelterei.

Regenstauf ist die Wiege einer Industrie, die in dem verhältnismäßig kurzen Zeitraum von 35 Jahren einer vorher wenig beachteten heimischen Waldpflanze, dem niedlichen Heidelbeerstrauche (Vaccinium Myrtillus L.), eine ungeahnte Bedeutung gab. Im Herbst 1878 hat der  damalige Apotheker in Regenstauf, Dr. Adolf Pfannenstiel, seither von den Kollegen „Myrtillus“ genannt, die ersten Versuche im großen gemacht, den frischen Saft der Heidelbeeren der weinigen Gärung zu unterwerfen, wozu er durch die Folgen der Verheerungen angeregt wurde, die gerade damals die Reblaus in den französischen Weingebieten anrichtete. Diese Folgen waren eine große Preissteigerung — bei bedenklicher Verminderung der Qualität — der damaligen Weinexporte Frankreichs. Nach amtlichen französischen Berichten war der Jahres-Ertrag an Wein von 84 auf 25 Millionen Hektoliter (es waren rund 1 200 000 Hektar Weinland verwüstet) gesunken. Das auf Frankreichs Weine angewiesene Ausland drängte sich förmlich, um sich eindecken zu können und bewilligte steigende Preise, und so hatte man das Schauspiel, daß zur Zeit des tiefsten Tiefstandes der Eigenproduktion Frankreich mehr Wein ausführte, als in Jahren mit voller Ernte, was es mit italienischen Importen und der „Vinification“ fertig brachte. Unter solchen Zuständen wurde mancher Versuch gemacht, einen Ersatz zu finden. — Das Resultat der Dr. Pfannenstiel’schen Gärversuche entsprach den an die physiologisch chemischen und medizinischen Eigenschaften der Beeren geknüpften Voraussetzungen: Der Heidelbeerwein zeigte sich an Farbe und Geschmack den roten Traubenweinen sehr ähnlich, übertraf sie aber an Promptheit der antidiarrhöeischen Wirkung, was schon die ersten klinischen Versuche, die 1879 Dr. Max Hanf im Krankenhause zu Regenstauf und in seiner Privatpraxis machte, einwandfrei feststellten. —

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Eines der ältesten Bauwerke der altehrwürdigen Stadt Regensburg ist das ragende Haus der Zandt, dessen in der Geschichte zum ersten Male bereits im 14. Jahrhundert Erwähnung geschieht und das seit jener Zeit Sitz vieler Patriziergeschlechter und gegen Ende des 18. Jahrhunderts im Besitz der Fürsten von Thurn und Taxis war. Dieses Haus, wegen seiner historischen Bedeutung viel genannt, birgt seit nunmehr über 100 Jahren (7. Juli 1812) in seinen Mauern die Fabrikanlage obiger Firma, die das Gebäude im Laufe der Zeit vielfach vergrößert und durch Hinzukauf des ebenfalls uralten Neuffcrhauses erweitert hat und in deren Besitz es heute als die „Tabakfabrik“ in Stadt und Kreis allenthalben bekannt ist. Auch die Firma Gebrüder Bernard, eine der ersten der Schnupftabakbranche, blickt auf ein selten ehrwürdiges Alter zurück. Die erste Niederlassung wurde von einem unter Ludwig XIV. aus Frankreich geflüchteten Hugenotten, namens Bernard, im Jahre 1687 in Frankfurt a. Main gegründet und im Jahre 1733 von den Gebrüdern Bernard nach Offenbach a. Main verlegt, wo sich heute noch das Mutterhaus der Firma befindet und deren derzeitige Inhaber neben dem Kommanditisten Freiherrn von Büsing-O r v i 11 e, die Herren Geheimer Kommerzienrat Fritz Stroh und J. Karl Stroh, Offenbach a. Main, und Geheimer Kommerzienrat G. Christlieb in Regensburg sind, unter dessen letzterer persönlicher Leitung das Regensburger Haus seit über 30 Jahren steht.

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