Kategorie: Die Meister der Malerei und ihre Werke

Die Meister der Malerei und ihre Werke – DIE MALEREI VON 1400 bis 1800 – DIE FRÜHESTEN NIEDERLÄNDISCHEN MEISTER

Der Ursprung und die ersten Anfänge der niederländischen Schule sind dunkel, und das wenige, was wir davon wissen, wird durch den leuchtenden Glanz, den das erste Meisterwerk, das sie erzeugte, plötzlich verbreitete, noch rätselhafter. Die Schöpfer dieses Werkes waren die Brüder Hubert und Jan van Eyck, nach aller Wahrscheinlichkeit in Maaseyk im belgischen Limburg geboren, jener etwa 1370, dieser etwa 1390. Im ersten Viertel des fünfzehnten Jahrhunderts kamen sie nach Flandern, wo sich unter den Herzogen von Burgund eine lebhafte Tätigkeit auf dem Gebiete der Kunst entfaltete. Sie starben in Brügge, der ältere Bruder im Jahre 1426, der jüngere 1440.

Das bedeutendste ihrer Werke und das einzige, von dem man mit genügender Sicherheit weiss, dass Hubert daran gearbeitet hat, ist die Anbetung des Lammes, dessen Beschreibung hier folgt.

Der Gegenstand dieses Meisterstückes der altniederländischen Kunst ist dem Texte der Apokalypse entlehnt . wo Johannes sagt:

„Darauf sah ich eine grosse Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Völkern, Geschlechtern und Sprachen, vor dem Throne und vor dem Angesichte des Lammes stehend, in weisse lange Gewände gekleidet, und mit Palmen in der Hand, und sie riefen mit lauter Stimme und sagten : ,.Seligkeit sei unserem Gotte, der da sitzt auf dem Throne, und dem Lamme.”

Dieses Kapitel gehört zu dem Texte, der in der Kirche am Allerheiligenfeste gelesen wird. Ueber den Ursprung dieses Festes berichtet die kirchliche Legende, dass ein Wächter des S. Petersdomes zu Rom nachts in der Kirche eingeschlafen war und einen Traum hatte, in welchem er den König der Könige sah, auf einem Throne sitzend und zu seinen Seiten die Engelscharen; zu seiner Rechten sass Maria mit einer leuchtenden Krone auf dem Haupte; links Johannes der Täufer mit einem Kleide aus Kamelhaar. Zu dem Throne kam eine unzählige Menge von Jungfrauen und von ehrwürdigen Greisen in geistlichem Gewände, und endlich kam eine unabsehbare Schar von allerlei Völkern. Darauf erschien Petrus, der dem Wärter auftrug, dem Papste zu empfehlen, auf diesen Tag ein Fest zu Ehren Aller Heiligen anzusetzen. Die zur Feier dieses Tages gehörigen Gebete und Gesänge zählen die Gruppen des Heiligenheeres auf, die kommen, das Lamm anzubeten, die Engel, die Patriarchen und Propheten, die Kirchenväter, die Richter, Johannes. Petrus und die übrigen Apostel, die triumphierende Schar der Märtyrer, die Bekenner, die Jungfrauen. Die Maler Hubert und Jan van Eyck, die diese Erscheinung darstellten, fassten sie auf als die Verherrlichung der Erlösung der Menschen, der hohen Sendung des göttlichen Lammes, das in die Welt gekommen ist, die Sünde auf sich zu nehmen.

Die ursprüngliche Komposition besteht aus einer Altartafel mit zwei Flügeln. Sie zeigt auf der Vorderseite in zwei Reihen zwölf Szenen: sieben in der oberen, und fünf in der unteren Reihe. In der oberen Reihe sehen wir Gott Vater, den Allmächtigen, dem alles unterworfen ist, der über Himmel und Erde waltet; vermöge seiner Liebe zu seinen Geschöpfen der Allgütige, vermöge seiner Milde der freigebigste aller Geber; zu seiner Rechten sitzt Maria, die Nächste bei Gott, die grosse Fürsprecherin der Erde; zu seiner Linken sieht man Johannes den Täufer.

Auf dem oberen Teil des linken Flügels sieht man die Engel, die Gottes Lob in Ewigkeit singen ; auf dem des rechten Flügels die Engel, die mit Harfen und Orgeln Gott preisen (5). Neben ihnen auf der linken Seite Adam, auf der rechten Seite Eva, das Menschenpaar, das die Sünde in die Welt brachte. Leber diesen in Graumalerei das Opfer Kains und Abels und die Ermordung Abels durch Kain.

Die untere Bilderreihe der Vorderseite umfasst fünf Szenen: In der Mitte auf einem Altar das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt auf sich nimmt (4). Um den Altar herum knieen die Engel. Vor dem Altar entspringt der wie Kristall leuchtende Brunnen der lebenden Wasser, der dem Throne Gottes entquillt, und zu dem das Lamm die Menschen geleiten wird. Auf der linken Seite des Brunnens knieen die Propheten und hinter ihnen eine Schar Doktoren und Philosophen, auf der rechten Seite knieen die Apostel mit den geistlichen Oberen, höher in der Landschaft sieht man links die Heiligen Männer, rechts die Heiligen Frauen heran kommen. Auf einem der linksseitigen Bilder der Mitteltafel sind die Ritter Christi dargestellt: auf dem anderen die Gerechten Richter in der rechten Seite erblickt man auf der ersten Tafel die Heiligen Eremiten, auf der zweiten die Heiligen Pilger, die alle dem Lamme zuschreiten, um es anzubeten. Die Hinterseiten der Flügel sind in drei Reihen von Tafeln, eine über der anderen, geteilt. Die untere enthält vier Szenen: Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten in Wasserfarben und die Porträts der Schenker: Jodocus Vijd und seine Frau Isabella Borluut; die mittlere Reihe zeigt in vier Tafeln U. L. F. Verkündigung. Die obere Reihe enthält in niedrigen halbrunden Graumalereien den Propheten Zacharias und den Propheten Micha, die das Mysterium der Menschwerdung prophezeiten, und die Sibyllen von Cumae und von Erythraea, welche dasselbe Mysterium verkündigten.

Etwa im Jahre 1420 wurde den Brüdern van Eyck die Anfertigung dieses Altarstückes, die Anbetung des Lammes, aufgetragen. In diesem Jahre kaufte Jodocus Vijd, der Sohn des Steuereinnehmers von Flandern und Herr mehrerer Gemeinden,eine Kapelle in der St. Bavokirche,die damals St. Johanniskirche hiess, um dort seine Grabstätte und die seiner Gattin, Isabella Borluut, aus der vornehmsten Familie der Stadt Gent, erbauen zu lassen. Er liess die Kapelle prachtvoll ausstatten und die gemalte Tafel auf den Altar setzen. Auf dem Rahmen des Stückes findet man die folgende Inschrift, die wichtigste Urkunde über den Ursprung des Werkes:

,,Der Maler Hubertus van Eyck, welchen Keiner übertraf, fing das Werk an, das sein Bruder Johannes, der zweite in der Kunst, auf die Bitte Jodocus Vijds vollendete. Dieser Vers zeigt euch, dass dies am sechsten Mai (1432) geschah.“

Nach dieser Inschrift hätte Hubert, der ältere der zwei Brüder van Eyck, das Werk angefangen und Johannes, sein jüngerer Bruder, es vollendet. Welcher Teil der Tafel von dem einen, und welcher von dem anderen Meister ausgeführt wurde, wissen wir nicht, und in dem Werke selbst ist nichts zu bemerken, was auf zwei verschiedene Hände deutete. Von Hubert van Eyck kennen wir kein zweites Gemälde mit einiger Sicherheit, von Jan dagegen mehrere andere, und diese stimmen wohl mit dem Stil des Gentschen Altars überein. Wäre nicht die obenerwähnte Aufschrift, so würde niemand daran zweifeln, dass das ganze Stück von Jan van Eyck sei, und auch mit jener Inschrift bleibt die Vermutung, dass er es ausgeführt und sein älterer Bruder es nur vorbereitet habe, nicht ausgeschlossen.

Die Altartafel die Anbetung des Lammes wurde, wie gesagt, im Jahre 1432 auf den Altar der Vijdkapelle gestellt: zur Zeit des Aufruhrs, am 15. August 1566, wurde sie in der Spanjaardsburg zu Gent verborgen, darauf nach dem Rathaus überführt und im September 1584, als die Stadt wieder zur Ruhe gekommen war, wieder an ihren ursprünglichen Platz gebracht. Im Jahre 1785, bei einem Besuche des Kaisers Joseph des Zweiten, fand dieser Fürst, dass die nackten Gestalten Adams und Evas in der Kirche unpassend seien; man nahm sie vom Altar fort und verbarg sie auf dem Boden. Im Jahre 1794 wurden die festen Tafeln nach Paris geschafft, die beweglichen Flügel aber blieben in der Kirche. Im Jahre 1815 wurden die erbeuteten Teile nach Gent zurück gebracht und am 10. März 1816 wieder auf den Altar gestellt. Aber bald darauf wurden die sechs Tafeln: die musizierenden Engel, die singenden Engel, die gerechten Richter, die Ritter Christi, die Pilger und die Eremiten enthaltenden Flügel einem Gemäldehändler Nieuwenhuys, gegen eine Summe von 2000 Franks, verkauft. Dieser trat sie für 100000 Franken einem Engländer Solly ab, der sie wiederum dem Könige von Preussen gegen die Summe von 400000 Thalern überliess; sie befinden sich jetzt im Kaiser Friedrich-Museum zu Berlin. Die Flügel mit dem Bilde Adams und Evas waren indessen auf den Bodenräumen der St. Bavokirche geblieben; im Jahre 1861 traten die Kirchenvorsteher sie dem belgischen Staate ab, der sie im Museum zu Brüssel aufstellen liess, und ausser der dafür bezahlten Summe der Kirchenfabrik die Flügel schenkte, welche Michiel van Coxcie in Jahre 1559 für Philipp II. gemalt hatte, und deren fester Teil, Gott Vater und die Anbetung des Lammes, sich im Kaiser Friedrich-Museum zu Berlin, Maria und Johannes der Täufer aber in der Pinakothek zu München befinden.

Die folgenden Stücke, die van Eycks Namen tragen, sind Jan van Eycks ausschliessliches Werk. Es sind entweder religiöse Szenen mit den Porträts der Schenker, oder nur Porträts. Viel deutlicher als aus dem grossen Altarschrein der St. Bavokirche spürt man hier das Streben, die Wirklichkeit wiederzugeben: unerreicht ist der Glanz der Farbe, die täuschende Lebenswahrheit der Personen, die köstliche Feinheit des Nebensächlichen, die hohe Vollendung der Kunst. Das bedeutendste der Werke religiöser Art mit dem Porträt des Schenkers ist die Madonna van Van der Pacic, aus dem Museum zu Brügge.

Das Stück stellt Maria mit ihrem Söhnchen auf dem Schosse dar, auf einem Throne sitzend, der im Hinterchor einer romanischen Kirche steht. Die Mutter hält einen Blumen-zweig, das Kind einen Papagei m der Hand. Zur Linken steht in bischöflichem Ornat der H. Donatianus, Patron der Hauptkirche von Brügge; in der einen Hand hält er einen Stab, in der anderen ein Rad mit fünf Kerzen, sein Erkennungszeichen; auf der rechten Seite kniet der Schenker Joris van der Paele, Kanonikus von St. Donatian, in weissem Chorkleide, sein Brevier und eine Biille in den Händen; hinter ihm Sankt Georg in voller Rüstung, der seinen Helm mit der einen Hand aufschlägt, mit der anderen seinen Schützling der Mutter Gottes mit empfehlender Gebärde zeigt.

Ein zweites, ähnliches, aber viel kleineres Werk ist die Madonna von Rolin (7) aus dem Louvre, auffallend durch die scharfe Wahrheit des Porträts, durch die miniaturhafte Feinheit der Aussicht auf die Stadt und das Land im Hintergründe.

Der Kanzler Rolin kniet auf einem Betstuhl links, mit einem geöffneten Gebetbuch vor sich, die Ellenbogen auf das Polster, das die Bank bedeckt, gestützt, die Hände Heilige Jungfrau, die rechts mit dem aneinander gelegt, in betender Haltung. Er schaut die Kinde Jesu auf dem Schosse sitzt an, das mit der einen Hand die Weltkugel trägt und die andere aufhebt, den Schenker zu segnen. Hinter Maria schwebt ein Engel, der eine reiche Krone über ihrem Haupte hält. Die Halle, in der dieser Vorgang stattfindet, ist mit drei Säulenbogen abgeschlossen, durch deren Öffnungen man eine Aussicht auf eine von einem Flusse durchschnittene Stadt hat. Den Hintergrund schliesst eine Bergreihe ab.

Das Stück wurde Jan van Eyck aufgetragen von Nicolaas Rolin, 1376 zu Autun geboren, der im Jahre 1422 vom Herzog Philipp dem Guten zum Kanzler von Burgund ernannt wurde; er starb den 28. Januar in Autun und wurde dort begraben. Der Kirche von Autun schenkte er das hier besprochene Stück, das etwa 1426 gemalt sein dürfte, da Rolin ungefähr fünfzig Jahre alt war, als er in Anbetung vor der Madonna dargestellt wurde. Es ist also eines der frühesten Werke, das wir von Jan van Eyck besitzen.

Eins der meisterhaften Porträts, welche Jan van Eyck gemalt und unterzeichnet hat, ist das Heiratsbild des Ehepaares Arnolfini (8), aus der National-Galerie zu London. Das Stück zeichnet sich aus durch eine grosse Gewissenhaftigkeit in der Wiedergabe aller, auch der weniger schönen Kennzeichen der Personen und ihrer Kleidung, sowie durch eine Gravität, welche diese Szene aus der gewöhnlichen ßürgerwelt zu einer eindrucksvollen Feierlichkeit erhebt.

Jan Arnolfini und seine Frau stehen in ihrem Wohnzimmer, die linke Hand des Mannes liegt in der rechten der Frau ; im Vordergründe ein Hündchen, das Sinnbild der Treue. An der Decke hängt ein kupferner Leuchter mit mehreren Armen, von denen einer ein brennendes Licht trägt; im Hintergründe steht ein Bett, ein Sinnbild der zwischen den beiden Personen geschlossenen Ehe. An der Wand hängt ein Spiegel, welcher das Bild zweier im Zimmer anwesenden Figuren zurückwirft. Auf dem Rahmen des Spiegels sind in zehn kleinen Kreisen ebensoviele Szenen aus der Passion Christi gemalt. Leber dem Rahmen liest man: Johannes de Eyck fuit hic 1434 (Johannes van Eyck war hier, 1434); ein Beweis, dass Jan van Eyck sich hier in diesem Zimmer befunden hat, wahrscheinlich als Zeuge der Ehe. und dass er das Doppelbild im Jahre 1434 malte. Jan Arnolfini war ein Kaufmann aus Lucca, der sich in Brügge aufhielt, er heiratete dort Jeanne de Chevany. Van Mander erzählt, dass Maria von Ungarn, die Schwester Kaiser Karls, das Stück bei einem Barbier in Brügge gefunden und ihm dafür ein Amt, das ihm jährlich hundert Gulden einbrachte, erteilt habe.

Im Jahre 1556 gehörte es ihr noch. Darauf verliert es sich bei unbekannten Besitzern. Im Jahre 1815 wurde es von dem englischen Generalmayor Hay zu Brüssel gefunde, der es kaufte und im Jahre 1842 der englischen Regierung schenkte.

Das beste der von Jan von Eyck gemalten Frauenporträts ist das seiner eigenen Gattin (9). Er hat sie mit soviel Sorgfalt, man kann fast sagen mit soviel Eingenommenheit gemalt, dass seine Kunst ihre nicht besonders schönen Züge vornehm und gewinnend gemacht hat.

Er hat sie in einem mit Pelz verbrämten Ueberkleid aus rotem Tuch, um welches ein grünseidener Gürtel geschlungen ist, dargestellt. Auf dem Haupte trägt sie ein weissleinenes Tuch, mit einem gefältelten Saume aus ähnlichem Stoff. Ihre übereinandergefalteten Hände liegen auf der Taille. Das Stück ist noch in seinem ursprünglichen Rahmen, der oben als Inschrift trägt: „Conjux meus Johannes me coniplevit anno 1439, 17 Juni, (Mein Gatte Johannes vollendete mich am 17. Juni des Jahres 1439) und unten ,,Aetas mea triginta tria annorum. Als ikh kan.“ (Mein Alter war dreiunddreissig Jahre. Wie ich kann). Die drei letzten Worte waren der Wahlspruch Jan van Eycks.

Das Stück gehörte ursprünglich der Maler- und Sattlerzunft und befand sich in ihrer dem H. Lucas und dem H. Eligius geweihten Kapelle in der Sandstrasse zu Brügge. Herr Peter von Eede fand es im Jahre 1808 auf dem Fischmarkt, er kaufte es und schenkte es dem Museum zu Brügge.

Ein Zeitgenosse Jan van Eycks und einer der alten niederländischen Maler, die ihm am nächsten standen, war Rogier van der Weyden, oder Roger de la Pasture, der etwa 1400 in Doornik geboren wurde. Im Jahre 1436 war er Stadtmaler von Brüssel und blieb in dieser Stadt tätig, bis er im Jahre 1464 starb. Seine Richtung ist mehr erzählend dramatisierend als die Jan van Eycks; er stellt Handlungen aus der geweihten Geschichte und aus dem gewöhnlichen Leben dar. Sein berühmtes Werk ist die Kreuzabnahme (10) aus dem Escurial, ergreifend durch das innige Seelenleben der Personen.

In der Mitte der Szene steht ein Kreuz aufgerichtet und erhebt sich mit der Spitze mul den Armen in ein schmales Mittelstück des Paneeles, das über die zwei Seiten hinausragt. Auf eine an die Hinterseite des Kreuzes gestellte Leiter ist einer von Christi Freunden, Simeon von Cyrene, gestiegen, der den Leichnam an einem Arm festhält; ein Zw eiter, Joseph von Arimathia. steht auf der Erde und stützt den Toten unter den Armen, ein Dritter, Nicodemus, hält ihn an den Beinen. Links sieht man Maria, die vor Schmerz in Ohnmacht gefallen ist und von Johannes und einer jungen Frau, Maria Salome, gestützt wird, während hinter ihr eine alte Frau steht und weint. Rechts steht ein alter Mann, eine Salbenbüchse in der Hand, und eine weinende Frau, Maria Magdalena.

Das Stück wurde etwa 1435 für die Kirche Lnserer Lieben Frauen extra muros zu Leuven gemalt. Fs bestehen mehrere alte Kopien davon. Philipp II liess eine von Michiel Coxcie, den er nach Leuven sandte, anfertigen. Die St. Peterskirche dieser Stadt besitzt eine andere, welche die Jahreszahl 1443 trägt, eine dritte gehört dem Museum zu Madrid, eine vierte mit der Jahreszahl 1488 befindet sich im Kaiser Friedrich-Museum zu Berlin.

Ein zweites bedeutendes Stück von ihm sind die Sieben Sakramente (11) aus dem Museum zu Antwerpen, worin er zahlreiche Szenen von Religionsübungen aus dem Alltagsleben darstellte.

Auf der mittleren fafel ist das Mittelschiff des hohen Chores einer gotischen Kirche abgebildet, in welchem am Altare das Messopfer dargebracht wird: im Vordergrund wird das Schauspiel Ciolgothas, das blutige Sühnopfer, dargestellt. Christus hängt dort tot am Kreuze; Maria, in Ohnmacht fallend, mit dem Apostel Johannes, der sie stützt, und Maria Salome, die ihre Hand hält, stehen links ; rechts knieen Maria, die Frau des Alphaeus. und Maria Magdalena. In diesem Teile wird das 11. Sakrament des Altars dargestellt. Auf der linken Tafel werden die Taufe, die Firmung und die Beichte, auf der rechten Tafel die Priesterweihe, die Ehe, die H. Oelung versinnbildlicht. Die auf den zwei Flügeln abgebildeten Szenen sind in die Seiten schiffe der Kirche verlegt worden. Feber jeder der sechs Gruppen, weicht» die Spendung eines der Sakramente wiedergeben, schwebt ein Engel mit ausgebreiteten Flügeln. Das Stück trägt auf dem Rahmen dreimal das Wappen des Stiftes Doornik und dreimal das Jean Cheviots, der von 1437 bis 1460 Bischof von Doornik, van der Weydens Geburtsort, war. Das Stück wurde also in dieser Zwischenzeit für den genannten Prälaten gemalt. Der Baron von Eiborn kaufte es zu Dijon im Jahre 1626 von den Erben des Herrn Pirard, des Präsidenten des Parlamentes von Burgund, und schenkte es mit seiner ganzen Gemäldesammlung dem Museum zu Antwerpen.

Flandern und Brabant, Provinzen des heutigen Belgiens, waren die Hauptsitze der ältesten niederländischen Kunst, aber mehrere und sogar die meisten Künstlei von Bedeutung kamen aus anderen Provinzen der Niederlande dorthin. Die van Eycks waren aus Limburg gekommen, van der Weyden aus dem heutigen Hennegau: auch kamen mehrere aus Holland. Der bedeutendste derselben war Dirk Boris, etwa 1415 zu Haarlem geboren. Bereits vor dem Jahre 1448 hatte er sich in Leuven niedergelassen, wo er lebte und arbeitete, bis er im Jahre 1475 starb. Als Künstler stammt er nicht von Jan van Eyck ab, ebensowenig wie von Van der Weyden, sondern er gehört zu der holländischen Schule, die sich in Haarlem und in Amsterdam bildete. Sein Kolorit ist reich, seine Beleuchtung klar, er giebt getreu das rein menschliche Gefühl, die menschliche Handlung wieder, obgleich er noch hölzern ist und seine Gestalten übertrieben lang und schmal sind.

Einige seiner bedeutendsten Werke sind das ungerechte Urteil Kaiser Ottos (12) und die Sühne des Unrechtes, aus dem Museum zu Brüssel.

Während einer Abwesenheit des Kaisers Otto des Dritten hatte seine Frau sich in einen Edelmann ihres Hofes verhebt, der selbst verheiratet war und seiner Frau treu blieb. Umsonst suchte die Kaiserin ihn zu verführen; aus Rache für die Zurückweisung ihres verbrecherischen Antrages, verklagte sie den tugendhaften Höiling. bei ihrem Gatten, dass er sie zum Ehebruch habe verführen wollen. Der Kaiser glaubte ihr und liess den Angeklagten enthaupten. Die Witwe des ungerecht Verurteilten appellierte an den Kaiser gegen dieses Urteil und erbot sich, durch die Feuerprobe die Unschuld ihres Mannes zu beweisen. Als ihr dies gestattet worden war, hielt sie eine Stunde lang einen glühenden Eisenstab in der Hand, ohne sich zu brennen. Ueber-zeugt dass er ein ungerechtes Urteil ausgesprochen habe, willigte der Kaiser darein, der W’itwe die von ihr verlangte Genug-tung zu leisten. Sie forderte den Tod der Kaiserin und diese wurde denn auch lebendig verbrannt.

Im Jahre 1468 wurde Dirk Bouts von der städtischen Behörde beauftragt, diese Geschichte in zwei grossen Paneelen darzustellen, um den Ratssaal des Rathauses damit zu schmücken. Sie blieben an ihrem ursprünglichen Platz bis 1827, als König Wilhelm I sie kaufte und sie seinem Sohne, dem Prinzen von Oranien, schenkte, der sie in seinem Schlosse zu Brüssel aufhängte. Dort blieben sie bis in das Jahr 1839, in dem Wilhelm II sie nach dem Haag überführen liess und sie seiner Galerie einverleibte. Im Jahre 1850, bei der Versteigerung derselben, wurden die zwei Stücke von der Königin-Mutter angekauft. Der Kunsthändler Nieuwenhuys kaufte sie ihr ab und überliess sie zum Preise von 30000 Franken dem Brüsseler Museum.

In der ersten der zwei hier abgebildeten Szenen wird die Enthauptung des fälschlich beschuldigten Edelmannes dargestellt. Vorne sieht man den Henker, der das Urteil vollzogen hat und das Haupt des Verurteilten seiner Gattin überhändigt, die es in knieender Haltung auf ein Tuch empfängt. Rechts und links stehen vornehme Personen, als Zeugen der Vollstreckung des Urteils. Der Kaiser und seine Gemahlin blicken über die Mauern ihrer Burg diesem Schauspiele zu. Zur linken Seite der Haupthandlung ist eine andere Episode der Begebenheit dargestellt. Man sieht dort, wie der Verurteilte zur Richtstätte geführt wird.

Auf der zweiten Tafel, die ebenfalls den Museum zu Brüssel gehört, sieht man im Vordergründe die Edelfrau, welche die Feuerprobe besteht; im Hintergründe die Kaiserin auf dem Scheiterhaufen. Ein anderes von Bouts bedeutendsten Werken, sein Meisterstück vielleicht, ist das Letzte Abendmahl (13) aus der St. Peterskirche zu Leuven, in voller Einfalt fast kunstlos aufgefasst und dennoch ergreifend durch die erhabene Feierlichkeit, die in dem beschränkten Raume waltet, wo der Heiland zum letzten Male mit seinen Jüngern vereinigt ist.

Mitten in einem Saale mit einem Kamin und einer Tür im Hintergründe, zwei Fenstern links, zwei Arkaden rechts, steht der Tisch, um welchen Christus und die Jünger sitzen. Der Heiland sitzt in der Mitte hinter dem Tische ; in der einen Hand hält er eine Hostie, mit der anderen segnet er dieselbe, Sankt Petrus sitzt zur Rechten Christi, Sankt Johannes zur Linken, auf der Seite rechts stellt der Wirt. Durch eine herabgelassene Luke in der Wand sieht man zwei junge Männer ; man glaubt, dass der Maler sich selbst in dem Wirte und seine Söhne in den zwei jungen Männern dargestellt habe. Das Stück wunde von der Bruderschaft des H. Altarssakramentes im Jahre 1468 bestellt.

ln der alten Grafschaft Flandern, zu Baerle, einem Weiler bei Drongen, wurde Petrus Christus geboren; im Jahre 1444 hatte er dort das Bürgerrecht erlangt und starb daselbst im Jahre 1472. Seine Kunst ist im Verfalle begriften, Handfertigkeit tritt an die Stelle erhabenen Sinnes und kunstvoller Ausführung. Sein bedeutendstes Werk ist die Legende der H. Godeberta (14), aus der Sammlung des Barons Oppenheim.

Die Szene spielt sich in dem Laden eines Goldschmiedes ab, wo der H. Eligius hinter dem Ladentische sitzt. In der einen Hand hält er einen Ring, in der anderen eine kleine Waage. Links ein Mann, der die eine Hand auf den Griff seines Schwertes, und die andere auf die Schulter einer Frau, der H. Godeberta, legt. Auf der Theke ein Spiegel, der zwei Männer und die Häuser auf der anderen Seite der Strasse wiedergibt. An der Wand die Auslage eines Juwelierladens. Auf der Vorderseite der Theke die Inschrift: M. Petrus Christus me fecit anno 1449. (Meister Petrus Christus hat mich im Jahre 1449 gemacht). Das Stück gehörte ursprünglich der Goldschmiedezunft der Stadt Antwerpen.

Die Legende von Sankt Godeberta erzählt, dass ihre Eltern sie eine reiche Ehe schliessen lassen wollten. Die Tochter, die in ein Kloster zu treten wünschte, ging zum Bischof Eligius, um ihm ihre Lage darzustellen. Dieser machte von dem Rechte Gebrauch, die Klosterschwestern einzusegnen, indem er seinen bischöflichen Ring an den Finger der Jungfrau steckte und sagte: ,,Ich verlobe Dich mit Jesu Christo“. Auf dem Gemälde wird die Szene in den Laden eines Goldschmiedes verlegt. Der heilige Eligius war übrigens vor seiner Weihe Goldschmied von Beruf.

Aus Ter Goes im seeländischen Flandern kam ein Künstler Hugo van der Goes, der an der Spitze eines zweiten Geschlechtes der alten niederländischen Maler steht, nach dem eigentlichen Flandern, wo er in Gent und in Brügge von 1465—1476 arbeitete. Er trat später als Laienbruder in das Augustinerkloster zu Roodendale bei Brüssel, wo er zwar tätig blieb, sein Geist aber in Anfällen von Schwermut und Wahnsinn erlosch. Er starb im Jahre 1482.

Mit ihm verfolgt die Schule ihren Weg zu reiner Menschlichkeit und wahrer Natur in der Kunst; er bildet seine Figuren in scharfen Einrissen ab und arbeitet sie fein aus. Lange Zeit hat man von ihm nur ein einziges Stück mit genügender Bürgschaft für die Echtheit gekannt, nämlich seine Anbetung der Hirten (15), die sich jetzt im Uffizi-Museum zu Florenz befindet.

In der Mitte der Szene kniet Maria, mit an einander gelegten Händen das Kindlein Jesu anbetend, das nackend vor ihr auf dem Boden liegt. Im Vordergründe und hinter ihr kniecn Engel in Anbetung vor dem neugeborenen Erlöser. Rechts St. Joseph, links die Hirten, die das Kindlein betrachten und anblicken. Das Stück wurde etwa 1476 dem Maler, der sich damals in Brügge aulhielt, von Thomas Portinari, dem Bevollmächtigten der Medici in der Stadt, für die Kapelle des Krankenhauses Santa Maria Xuova zu Florenz, aufgetragen. In den letzten Jahren hat man eine zweite Anbetung der Hirten (KJ) entdeckt, die jetzt im Besitze des Kaiser Friedrich-Museums zu Berlin ist. und von den meisten als ein Werk Hugo van der Goes, von einigen aber auch als ein Werk eines etwas jüngeren Schülers angesehen wird. ln der Mitte liegt der neugeborene Heiland auf einem weissen Leinen in einer Krippe. St. Joseph und Maria knieen daneben; betende Engei hinter der Krippe und schwebende Engel in der Luft loben das göttliche Kindlein. Auf der linken Seite nahen sich die Hirten, es anzuschauen und zu verehren. An den zwei äusseren Enden ein Vorhang, hinter welchem die Szene sich abspielt, und der von zwei stattlichen, ehrwürdigen männlichen Figuren aufgehoben wird.

Das Stück befand sich bis vor wenigen Jahren in Spanien, wo es aus der Hinterlassenschaft der Infantin Maria Christina von Bourbon von dem Kaiser Friedrich-Museum zu Berlin angekauft wurde.

Der grösste Künstler dieses zweiten Geschlechtes ist Hans Memling, etwa 1430 zu Memlingen bei Metz geboren. Er kam 1466 oder 1467 nach Brügge, wirkte dort lange Zeit und starb am 11. August 1494. Fr machte sich von der Feierlichkeit seiner Vorgänger und von ihrer derben Steifheit los: Weichheit und Anmut dei Form. Zartheit des Gefühls und der Farbe kennzeichnen ihn: an Stelle des Dramatischen tritt das Idyllische, an Stelle des Blühenden das Kräftige. Firns seiner vollendetsten und charakteristischsten Stücke ist sein Triptychon des St. Johannis-Altars (IT), im St. Johannishospital zu Brügge.

In der Mitteltafel erblickt man unsere Liebe Frau auf einem Throne sitzend, dessen Rückseite mit einem reichen Gewebe bekleidet ist, das an einem Baldachin hängt, mul an dem zwei Fnglein schweben, die eine Krone über dem Haupte der H. Jungfrau halten. Auf dem Boden neben ihr kniecn zwei grössere Fngel, von denen der eine eine kleine 1 landorgel dreht, der andere das Buch der Weisheit trägt, von dem Maria ein Blatt umschlägt. Auf ihrem Schosse sitzt das nackte Kindlein Jesu, das einen Ring an den Finger tler H. Katharina steckt, die er also zu seiner Braut- auserwählt; zu ihren Füssen liegt ihr Kennzeichen, ein Rad. Die H. Barbara sitzt auf der gegenüberliegenden Seite rechts und hält mit beiden Händen ein Buch, worin sie liest : hinter ihr ein Turm, ihr Kennzeichen. Im Hintergründe stehen die Patrone des Krankenhauses: links St. Johannis der Täufer mit seinem Lamme, rechts St. Johannis der Fvangelist, das Zeichen des Kreuzes über dem vergifteten Kelch machend, den er in der Hand hält, und aus dem er trank, ohne dass es ihm schadete. Die Szene findet in einem von Säulen umgebenen Saale statt, zwischen denen links mehrere Szenen aus dem Leben St. Johannis des Täufers dargestellt sind. Auf dem rechten Flügel sieht man noch andere Szenen aus dem Leben des Täufers, namentlich seine Hinrichtung. Am äussersten Ende rechts erscheint ein Bruder des Krankenhauses und der Weinfassaicher der Gemeinde, sowie ein Teil der Stadt Brügge; weiter in die Landschaft hinein erblickt man mehrere •zenen aus dem Leben St. Johannis des Evangelisten. Der rechte Flügel stellt St. Johannes zu Pathmos dar, wie er die Szenen aus der Apokalypse betrachtet.

Das Altarstück soll Memling von Anthony Ligters, einem Bruder des St. Johannishospitals, der im Jahre 1475 starb, aufgetragen worden sein. Es wurde im Jahre 1479 vollendet und auf den Altar der Kapelle des Hospitals gestellt. Auf dem Rahmen des Mittelstückes steht zu lesen : ,,Opus Johannes Memling anno MCCCCLXXIX“ (Werk von Hans Memling im Jahre 1479).

Ein kleineres, aber merkwürdiges Triptychon befindet sich ebenfalls im St. Johannishospital zu Brügge. Die mittlere Tafel desselben zeigt die Anbetung der Könige (18).

Unsere Liebe Frau sitzt in der Mitte des Paneeles mit dem Kinde auf ihrem Schosse. Rechts kniet der älteste der Könige und bringt mit der einen Hand Jesu Fuss an den Mund, ihn zu küssen. Der zweite König kniet zur linken Seite und bietet dem Neugeborenen, der sich lächelnd zu ihm wendet, eine köstliche Vase dar. Der dritte König, der Mohr, tritt rechts mit seiner Vase in der Hand herein. Der Schenker, Jan Floreins, kniet auf der äussersten linken Seite hinter einer niedrigen abgebröckelten Mauer, von der einer der Steine die Zahl der Jahre des Schenkers (36) trägt. Hinter ihm steht sein jüngerer Bruder Jacob. Im Hintergründe sieht man den Ochsen und den Esel, und durch eine Öffnung erblickt man in der Ferne eine Strasse mit dem auf Kamelen und Pferden reitenden Gefolge der Körnige.

Auf dem oberen Rahmen sieht man das Wappen der Floreins und der Sillys. Auf den Seiten stehen die Anfangsbuchstaben J. F. und unten die Inschrift: „Dieses Werk Hess Bruder Jan Floreins, alias van der Rüst, Klosterbruder des St. Johannishospitals in Brügge, machen anno MCCCCLXXIX. Opus Joannis Memling „Jan Floreins”, der das Werk anfertigen Hess, war im Jahre 1443 geboren, er trat 1472 in die Gemeinde ein und starb im Jahre 1504.

Auch als Porträtmaler zeichnete Memling sich aus; seine Bilder haben eine Gewissenhaftigkeit in der Wiedergabe der Züge, gepaart mit einer Lebendigkeit des Ausdrucks, die seinen Vorgängern abgeht. Zu seinen merkwürdigsten Schöpfungen gehend das Bild des Nicolas Spinelli (19) aus dem Antwerpener Museum und das des Martinus van Nieuwenhoven (20) aus dem St. Johannishospital zu Brügge. Ersterer ist bis an die Brust zu sehen; er ist nach rechts gewandt, mit einem schwarzen Wans, weissen Kranz und einem schwarzen Käppchen bekleidet. Eine Fülle dunkeier Locken quillt von allen Seiten unter dem Käppchen hervor. In der Hand hält er eine Medaille, mit dem Kopfe Kaiser Neros und der Aufschrift: ,,Ncro Claudius Caesar Aug{ustus) Germ{anicus) Tr(ibunicia) P(otestate) Imper(ator) Im Hintergründe eine Landschaft.

Nicolas Spinelli oder Nicolo di Forzore Spinelli, genannt, Nicolo Fiorcntino, war ein Medaillenschneider aus Florenz, im Jahre 1450 geboren, Sohn des Goldschmieds Forzore Spinelli. Im Jahre 1468 stand er als Stempelschneider im Dienste des Herzogs von Burgund. Karls des Kühnen, und arbeitete in Flandern. Im Jahre 1474 war er nach Florenz znrückgekehrt und liess sich im Jahre 1493 in Lyon nieder, wo er 1499 starb.

Das Stück ist erst in den letzten Jahren, aber mit vieler Wahrscheinlichkeit, als das Konterfei Nicolas Spinellis erkannt worden: in Folge dessen ist anzunehmen, dass es im Jahre 1468 gemalt wurde, und also das älteste bekannte Werk Memlings ist. Es wurde dem Museum zu Antwerpen von dem Baron von Ertborn mit dessen ganzer Sammlung geschenkt. Dieser hatte es in Paris im Jahre 1826 bei der Versteigerung des Barons Vivant Denon gekauft, der es selbst in Lyon erstanden hatte.

Das Porträt Marten van Nieuwenhovens ist der rechte Flügel eines Diptychons. Auf dem linken Flügel sieht man Maria mit dem Jesuskinde auf dem Schosse, dem sie einen Apfel anbietet. Auf dem rechten Flügel ist der Schenker abgebildet. Mit erhobenen Händen kniet er vor einem Betpult, auf welchem ein geöffnetes Gebetbuch liegt. Hinter ihm sieht man zwei Fenster. Auf einem derselben ist in dem oberen Feil St. Martin, seinen Mantel mit einem Armen teilend, auf Glas gemalt; der untere Teil des Fensters ist geöffnet und gewährt einen Blick in die Landschaft. Das Stück wurde von Marten van Nieuwenlioven bestellt, einer adlichen Familie aus Brügge angehörig, am i:. November 1463 geboren, im Jahre 1442 zum Mitglied des städtischen Rates, und im Jahre 1417 zum Bürgermeister erwählt. Es wurde im Jahre 1487 vollendet.

Ein Nachfolger Memlings war Gkkard David, zu Oudewater in Holland etwa 1430 geboren, zuerst unter dom Einfluss der Haarlemer. darauf im Jahre 1493. als er sieh nach Brüssel begab, unter dem Memlings stehend. Sein Pinselstrich wird geschmeidiger, aber matter, seine Komposition bewegter, aber seine Farbe ist schwächer, sein Ausdruck weniger innig. Enter seine hervorragendsten Werke gehören die Madonna von lingeln und Heiligen umgeben (21) zu Rouen und seine Taufe Christi (22) zu Brügge. Auf dem ersten Stück sitzt Mann inmitten der Szener mit dem Jesuskinde auf dem Schosse, das eine von seiner Mutter ihm dargebotene Traube in die Hand nimmt.

Auf beiden Seiten stellt neben ihr ein Engel mit entfalteten Flügeln ; der rechts stehende spielt auf der Geige, der zur Linken auf der Mandoline. Zwischen den Engeln und Maria stehen rechts Sancta Fausta mit einer kleinen Säge, links Sancta Apollonia mit einer Zange in der Hand. Rechts sitzen vorne vier Heilige: Sancta Godelieva, in einem Buche lesend, Sancta Barbara, ein wenig rückwärts, Sancta Cacilia und S. Lucia. Hinter diesen an der äus-sersten Hinterseite bemerkt man die Frau des Malers Cornelia Cnoop. Zur Linken: ein Heiliger ohne Kennzeichen, dann St. Agnes, St. Katharina, St. Dorothea. Am Ende hat der Maler sich selbst abgebildet.

Das Stück wurde im Jahre 1509 von Gerald David dem Kloster der Carmeliterinnen zu Brügge geschenkt. Es wurde im Jahre 1785 in Brüssel mit den Besitzungen der geschlossenen Klöster verkauft und befand sich später im Louvre. Im Jahre 1803 wurde es dem Museum zu Rouen geschenkt.Die Taufe Christi“ zeigt Christus im Vordergründe, nur mit einem Tuch um die Lenden bekleidet, bis an die Kniee im Wasser des Jordans. Johannes der Täufer, der am l’fer des Flusses auf den Knicen liegt, giesst das Wasser, das er mit der Hand geschöpft hat. über das Haupt des Heilands. Links hält ein in einen köstlichen Chorrock gekleideter Engel die Kleider des Erlösers in der Hand. In der Höhe Gottvater und unter ihm der II Geist. Im Hintergründe sieht man eine felsige Landschaft mit Bäumen und Gebäuden. Links und rechts eilt die Menge heran, um getauft zu werden.

Auf dem linken Flügel der Schenker. Jan des Trompes sein Patron St. Johannes und sein Sohn Philipp; auf dem rechten Flügel Jan des Trompes‘ erste Frau, Elisabeth van der Meersch mit ihren vier Töchtern und ihrer Patronin. An der Aussenseite der Flügel Unsere Liebe Frau und die zweite Gattin des Schenkers, Magdalena Cordier, mit ihrer Tochter Cornelia und ihrer Patronin Maria Magdalena. Jan des Trompes war Schildknappe, Kassenführer der Stadt Brügge im Jahre 1498, Polizeioberster im Jahre 1501, Schöffe im Jahre 1512 und starb vor dem 15. Oktober des Jahres 1516. Das Triptychon wurde ungefähr im Jahre 1506 gemalt und den 16. Dezember 1520 von den Erben Jan des Trompes und seinen zwei ersten Frauen den geschworenen Schreibern des  Gerichtes von Brügge geschenkt, welche es auf dem Altar ihrer   Kapelle in der Sankt Basiliuskirche aufstellen liessen, wo es bis in das Jahr 1794 blieb.

Mit Gerard David schliessen wir die Periode der primitiven Niederländer ab. Quinten Massys bildet den Übergang zu der jüngeren Schule. Manchen Zug hat er noch mit seinen Vorgängern gemein ; die glänzende Farbe, die gewissenhafte Ausarbeitung der Einzelheiten, die Steifheit der Haltung; aber das menschliche Leben in seinen vielseitigen Sorgen und Mühen, mit seinen dramatischen und komischen Szenen, mit seinen schönen und hässlichen Taten und Gefühlen, wird zum Gegenstand seiner Studien und Gemälde. Er war etwa 1466 zu Leuven geboren, wurde als Freimeister in die St. Lucas-zunft zu Antwerpen aufgenommen und starb dort 1530.

Sein bedeutendstes Werk ist das Triptychon die Grablegung Christi (23, 24, 25) im Museum zu Antwerpen.  Im Hintergründe (23) stehen drei Kreuze aufrecht auf dem Gipfel eines Felsens. Die zwei Mörder hängen noch am Schandpfahl; der Leichnam Christi ist soeben abgenommen worden, und im Vordergründe bereitet man ihn zur Bestattung. Hinter dem Leichnam sind neun lebensgrosse Personen geschart, vier Männer an der Seite des Hauptes, fünf Frauen an den Beinen und am Fussende. Rechts sieht man eine in den Felsen gehauene regelmässige Höhle, wo ein Mann und eine Frau beim Lichte einer Kerze die Gruft bereiten. Der erste der um Christus stehenden Männer ist eine bejahrte und vornehme Persönlichkeit; er hält das Haupt des Leichnams und löst die Haare von dem darin geronnenen Blut. Neben ihm kniet ein anderer vornehmer Mann mit grossem Barte, der den Leichnam unter den Armen stützt. Der dritte steht gerade und hält die Dornenkrone. Dann folgt Johannes, der Maria, die wehklagend zusammenzubrechen droht, unterstützt. Nach ihr kommen drei junge Frauen, die den Leichnam salben wollen.

Inder Mitte (24) befindet sich ein grosser kupferner Kessel, unter welchem geheizt wird, und worin der Gefolterte aufrecht steht. Zwei handfeste Schergen sind im Vordergründe beschäftigt, das Feuer zu schüren; hinter dem Kessel drängt sich eine dichte Schar Volks und obrigkeitlicher Personen zu Fass und zu Pferd. Im Hintergründe erhebt sich ein Baum, aus dessen Zweigen ein Knabe zusieht; am Horizont die Mauern einer befestigten Stadt, das Grün der Bäume und das Blau des Himmels. Herodes (25)   sitzt mit Herodias hinter dem Tische, auf dem das Haupt des Johannes in einer Schüssel liegt. Die Geliebte des Königs steckt die Spitze des Messers in die Stirn des Toten. Vor dem Tische stellen die Tochter der llerodias, Salome, und ein Page. Im Hintergründe auf einer Tribüne sieht man vier spielende Musikanten. Durch eine Bogenöffnung sieht man in der Ferne, wie der Henker das Haupt des Johannes der Tochter der llerodias überreicht.

Das Stück wurde im Jahre 1508 dem Maler von der Schreinerzunft von Antwerpen für ihren Altar in unserer Lieben Frauenkirche aufgetragen. Philipp II. bot grosse Geldsummen dafür, aber die Schreiner weigerten sich, es zu veräussern. Marten de Vos beredete den Magistrat, es zu kaufen. Darauf wurde es auf dem Altar der 11. Beschneidung in F. L. F. Kirche angebracht. Im Jahre 1718 wurde es der Bildersammlung der Departements-Zeichenschule, des späteren Museums, einverleibt.

Ungefähr zu derselben Zeit, als das vorhergehende Stück, malte Quinten Massy für seinen Geburtsort ein zweites sehr bedeutendes Triptychon. Die Legende von Saneta Anna (26), welches einen mehr religiösen und beschaulichen als dramatischen Gegenstand behandelt; es ist leider zu stark beschädigt, als dass man es nach seinem rechten Werte schätzen könnte.

Die Szene findet unter drei von Säulen getragenen Gewölben statt, welche durch drei Öffnungen den freien Himmel erblicken lassen; das mittlere Gewölbe ist zu einer Kuppel erhöht. Unter dem Durchgang steht eine marmorne mit Schnitzwerk versehene Bank. Maria sitzt mitten auf der Bank und hält das Kindlein auf dem Knie; neben ihr sitzt S. Anna, die dem kleinen Jesus eine Traube anbietet. Links sitzt Maria Cleophas von ihren Kindern, St. Jacobus Minor, St. Simon, St. Thaddäus und St. Joseph dem Gerechten umgeben; hinter ihr stehen St. Joseph und Alphaais, der Gatte der Maria Cleophas. Auf der rechten Seite der Mittelgruppe sitzt Maria Salome mit ihren zwei Sphnen, St. Jacob Major, und Sankt Johann dem Evangelisten, hinter ihr Joachim und Zebedteus, der Gatte der Maria Salome.

Der linke Flügel zeigt an der Innenseite St. Joachim im Gebet und den Engel, der ihm ankündigt, dass sein Gebet erhört ist, und dass seine Frau Maria gebären soll; der rechte Flügel stellt den Tod der H. Anna dar. An der Aussen-seite eines der Flügel trägt eine Platte im Giebel eines Tempels die Inschrift: Quinten Metsys scrcef dit A °. 1509.

Die Brüderschaft der H. Anna trug im Jahre 1508 Quinten Massys der damals schon in Antwerpen wohnte, dieses Triptychon finden Altar ihrer Kapelle im Hauptschiffe der Sankt Peterskirche zu Leuven auf. Im Jahre 1509 war das Stück vollendet und wurde auf dem Altäre angebracht.

Quinten Massys malte ausser seinen grossen religiösen Bildern einige Szenen aus dem alltäglichen Volksleben und einige Porträts. Diese letzteren haben in den Gesichtszügen etwas Markiges, das merklich verschieden ist von den weicheren Figuren seiner Bibelszenen. Eines der auffallendsten ist das eines Geistlichen in der Lichtenstein-Galerie zu Wien (27). Ein Kanoniker, bis zur Hälfte des Körpers gesehen, in schwarzer mit Marderpelz verbrämter Sutane, worüber ein in Falten gelegtes Chorhemd. Über den linken Arm trägt er seinen Chorpelz, auf dem Kopfe seine viereckige Mütze. In der einen Hand hält er ein Buch, in der anderen seine Brille. Im Hintergründe sieht man eine gebirgige Landschaft mit zwei Bäumen.

Unter den niederländischen Malern, die sich nach Italien begaben, und von dort mit einer Vorliebe für die südliche Kunst zurückkehrten, die sie die altheimischen Traditionen aufgeben liess, ist einer der frühesten Jan Gossaert van Mabi’SE. nach seiner Geburtsstadt Maubeuge also genannt. Er erblickte dort etwa 1470 das Licht der Welt. Im Jahn- 1504 zog er nach Antwerpen und ging 1508 nach Italien. Von dort kehrte er nach den Niederlanden zurück und starb in Antwerpen im Jahre 1541. Er malte meist Vorgänge aus dem Leben Marias und andere biblische Geschichten, auch mythologische Szenen, in welchen nach seiner Rückkehr aus Italien reiche Motive aus dem Renaissancestil den Hintergrund bilden. Auch als Porträtmaler zeichnete ersieh aus. Dasjenige, welches wir abbilden, zeigt einen Mann in einem mit Pelzwerk verbrämten Sammetrock, eine Sammetmütze auf dem Haupt, einen Stock in der lland: seine* Frau mit einem weissen Tuche auf dem Kopf (28). In viel höherem Masse als Gossaert hat Lukas Jacob/. gewöhnlich Lucas van Leiden genannt, den südlichen Einfluss erfahren. Er wurde im Jahre 1494 zu Leiden geboren und starb dort im Jahre 1543. Er war vor allem ein Kupferstecher, und seine nach eigenen Kompositionen verfertigten Sticht* gehören zu den eigentümlichsten Schöpfungen dieser Art. Seine Gemälde, unter denen sein Jüngstes die hervorragendste Stelle einnimmt, gehören namentlich wegen der Zeichnung der Figuren mehr zur Renaissancekunst, als seine Kupferstiche, die dem altertümlichen, realistischen Stil noch getreuer bleiben.

Im oberen Teile des Gemäldes sitzt Christus auf einem Regenbogen und verkündigt das Urteil. In den Wolken neben ihm sieht man grosse Scharen von Engeln. Der H. Geist schwebt über ihm und ganz oben auf dem Gemälde sieht man in einer Glorie Jehovahs Namen. Ursprünglich war hier Gott Vater abgebddet; die strengen Calvinisten Hessen das Bild durch den Namen ersetzen. Zu Füssen Christi‘ sitzen an beiden Seiten die Jünger auf den Wolken. Unter diesen schwebt je ein Engel, der die Posaune zur Auferweckung der Toten bläst. Im Vordergründe links werden ein Mann und eine Frau, vielleicht wohl die Schenker, von einem Engel himmelwärts geleitet. Auf derselben Seite harren noch zahlreiche Auferstandene des Urteils. Rechts treiben die Teufel ihre Opfer in die Hölle. Das Stück wurde am 6. August 1526 Lucas von Leiden aufgetragen, zum Andenken an den Holzhändler Claes Dircksz, Schöffen und Rat der Stadt Leiden, und in der St. Peterskirche angebracht. Ein Teil der niederländischen Maler Hess sich nicht durch den von der italienischen Kunst ausgehenden Reiz verführen. Sie blieben dem Wahrheitssinn ihrer Vorgänger getreu, einige sogar übertrieben diesen; sie verfielen in Spottlind Zerrbilder; sie schufen menschliche Gestalten und Taten ins Lächerliche um und hegten eine Vorliebe für Spukgestalten. Der älteste, und einer der hervorragendsten unter ihnen, war Hieronymus Bosch, geboren zu Herzogenbusch zwischen 1460 und 1464. und im Jahre 1516 gestorben. Viele seiner Stücke befinden sich in Spanien, namentlich im Museum zu Madrid. Wir wählen daraus das Mittelstück der Anbetung der Könige  auf welchem er mit einem witzigen Einfall, die Bauern aus der Umgegend auf das Dach klettern lässt, um durch die Spalten zu sehen, was drinnen vorgeht.

 

Ein Nachfolger des Hieronymus Bosch war Peter Breughel der Altere etwa 1520 zu Brcughel bei Breda in Nordbrabant geboren. Im Jahre 1551 wurde er in die Antwerpener St. Lucaszunft aufgenommen, im Jahre 1554 befand er sich in Rom; darauf kehrte er in sein Vaterland zurück, wo er 1569 zu Brüssel starb. Ebenso wie Hieronymus Bosch gefiel er sich in der Darstellung scheusslicher und possierlicher Figuren, aber er war auch in hohem Masse ein Beobachter des wirklichen Lebens; zum Vorwurf seiner Studien nahm er vorzugsweise das Bauernvolk und den geringeren Mann; er war der Erste, der die Landschaft in voller Wahrheit und Einfachheit wiedergab, wie die Natur sie zeigt. Als Kolorist von grosser Kraft und feinem Tone steht er sehr hoch; er malte in öl und in Leinölfarbe. Das Kaiserliche Museum zu Wien besitzt mehrere seiner hervorragendsten Stücke. Wir erwähnen drei derselben: Der Bethlechemitische Kindermord (31). die Bauernhochzeit (32) und eine Gebirgige Herbstlandschaft (33). Den Bethlchemitischcn Kindermord stellt er sich als in einem flämischen Dorfe stattfindend vor. Es ist Winter, der Boden und die Dächer sind mit Schnee bedeckt, gegen welchen Wohnungen und Gestalten in derben braunen und gelben Tönen hervortreten. Auf der Dorfstrasse kommt eine Schar Reiter herangeritten, im Vordergründe verrichten ihre Gefährten die Henkerarbeit. Die dramatische Handlung zeigt eine gemütliche, fast komische Seite durch die Szenen, die sich zwischen den plumpen Figuren der Männer und Frauen und den groben Soldaten abspielen.

Bauernhochzeiten sind auch ein beliebter Gegenstand Breughels, der  ihm Stoff zur Schilderung der Dorfsitten lieferte. Auf dem Stücke zu Wien (32) sitzt die sehr junge Braut hinter dem Tische, einen Kranz auf dem Kopfe; hinter ihr ist ein grünes Tuch ausgespannt; die Gäste sitzen um den Tisch, alle tragen die bunte Kleidung des Bauernvolkes. Vorne schleppen zwei Männer die Speisen auf einem Tragbrett herbei; links die Spielleute, auf dem Boden sitzt ein naschendes Kind.

Eine Szene aus dem ländlichen Leben wird in der Gebirgigen Landschaft (33) dargestellt. Irrt Louvre zu Paris finden wir ein eigentümliches Gemälde von ihm, eine Gruppe von Bettlern vorstellend (34). Dieses kleine Stück gibt eine Probe von den Krüppeln und Lahmen, die neben monströsen Figuren eine hervorragende Stelle in Breughels Werken einnehmen. Das Stück wurde von dem bekannten Kunsthistoriker Paul Mainz dem Louvre geschenkt. Einer der Maler des sechzehnten Jahrhunderts, die der alten vaterländischen Tradition getreu blieben, ist Peter Aertszen, Lange Peer beigenannt, geboren zu Amsterdam im Jahre 1517, und daselbst 1575 gestorben. Wir bilden von ihm den Eiertanz aus dem Reichsmuseum in Amsterdam (35) ab.

In einer Gaststube ist eine Gesellschaft von Bauern versammelt, um die Kunst eines Tänzers zu bewundern. Auf dem Boden liegen neben einem mit Kreide gezogenem Kreise, ein Ei, ein Napf und allerlei andere Gegenstände, zwischen welchen er herumtanzt, die er aber nicht berühren darf. In der Stube zahlreiche Personen, die ihm Zusehen, und ein Dudelsackpfeifer. Über dem Kamin liest man die Jahreszahl 1557.

Text aus dem Buch: Die meister der malerei und ihre werke; fünf jahrhunderte malkunst in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, England und den Niederlanden, 1400-1800 (1908), Author: Rooses, Max.

Die Meister der Malerei und ihre Werke JAN VAN EYCK 1390 bis 1441

UNTER den schönen Künsten ist die Malerei die Kunst der Neuzeit. Altertum und Mittelalter erregen unsere Bewunderung durch Meisterwerke der Baukunst; bei den alten Griechen und Römern erreichte die Bildhauerkunst die höchste Stufe der Vollendung. Die Malerei erzeugte in allen Jahrhunderten, die dem 15. vorangingen, nur Werke von geringerer Bedeutung. In den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt wurden die Katakomben und später die Wände der christlichen Kirchen im Orient und Occident mit Wandmalereien geschmückt. Was davon auf uns gekommen ist, bezeugt, .lass die Kunst sich in all diesen Zeiten noch nicht von den Überlieferungen losgemacht hatte, die als unverbrüchliche Gesetze galten, und von stereotypen Formen, die alle Frlindungslust unterdrückten und jede persönliche Auffassung verboten. Lediglich die Miniaturmaler, die mit kleinen, lebhaft und bunt gefärbten Bildern die Bücher schmückten, befreiten sich noch vor dem Jahre 1400 von diesem Zwange, und obgleich sie erst später ihren höchsten Triumph feierten, gingen sie den Tafelmalem auf dem Wege, der zur Vollendung führte, voran.

Im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert traten die Vorläufer und die ersten Pfleger der Malerei in Italien auf. Cimabue (Florenz 1240-1302), der noch in den eisernen Banden der byzantinischen Überlieferungen gefesselt war; Duccio (Siena, um dieselbe Zeit), der zum Teil Freiheit der Bewegung und Wahrheit des Ausdrucks errang: Giotto (Florenz 1266-1337), der Beobachter und Darsteller der Wahrheit und Schönheit im Leben, der wegen dieser Eigenschaften als der Begründer der italienischen Schule gepriesen werden kann, dem aber noch der grosse Reiz der Farbe und der Lichter fehlt, welcher der Kunst des folgenden Jahrhunderts ihre Zauberkraft verleihen wird. Zahlreiche Meister zeichnen sich noch in Florenz und Siena aus: Andrea Orcagna. Simone Martini, die unbekannten Maler der ältesten Gemälde aus dem Campo Santo zu Pisa, und manch’ anderer Künstler, dessen Name uns nicht erreicht hat; aber sie Alle sind Vorläufer: erst im fünfzehnten Jahrhundert erstehen die wahren Meister, und die gereifte und vollendete Kunst schafft ihre ersten Wunderwerke.

Und von diesen Zeiten an bis auf unsere Tage hat sie ihr Leben fortgesetzt, indem sie in der Alltagswelt eine andere, aus Farbe und Licht gebaute Welt erschuf. Die Kunst hat sich nach Zeiten und Ländern umgebildet, indem sie vorzugsweise in einigen Gegenden blühte, ihr Gebiet aber immer weiter ausdehnte und allmählich die gesamte zivilisierte Welt der Macht ihres Zaubern unterwarf.

Ein grosser Schritt zur Vollendung wurde im Anfang des 15. Jahrhunderts in Flandern gemacht, sei es nun, dass dort, wie man lange Zeit behauptet hat, die Ölmalerei erfunden wurde, oder, wie man jetzt aus triftigen Gründen allgemein annimmt, dass diese früher bekannte, aber wenig benutzte Malweise dort zuerst vervollkommnet wurde.

Ein wichtiger Umschwung vollzog sich zu derselben Zeit in der Malkunst und in der Kunst überhaupt, eine Folge der Wiedergeburt des menschlichen Denkens und Wissens. Jeder, der den Pinsel führte, sah seine Umgebung mit eigenen Augen, streifte die Fesseln der Tradition ab und nahm die wirkliche und materielle Wahrheit zum Vorbilde.

Und in dieser Weise gab die junge Kunst die Aussenwelt wieder mit dem Malerischsten, was Natur- und Menschenwerke darbieten, und die innere Welt mit dem was in der Seele der Bewohner des Himmels und der Erde vorgeht. Sie hüllte dies alles in den Strahlenglanz erhöhter und verfeinerter] Farbe und nahm unter den Äusserungen des menschlichen Bildnergeistes den Ehrenplatz ein, den sie nicht mehr abtreten sollte.

Die Niederlande. Wir sahen, wie in Italien bereits im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert die moderne Malerei bedeutungsvolle Werke erzeugte, und wie dort ihrer höheren Blüte ein Keimen und Entfalten voranging, dessen erhaltene Zeugnisse gestatten, die Entwickelung Schritt für Schritt zu verfolgen. In den Niederlanden war es anders. Dort fängt die Geschichte mit einem Werke an, das auf einmal, und wie durch Zauber die höchste Stufe erreicht, sodass man es. ohne sich den Vorwurf der Übertreibung zuzuziehen, das merkwürdigste Gemälde nennen darf, das je geschaffen worden ist. Sicher hatten diejenigen, die es schufen, ihre Kunst nicht erfunden und sie nicht auf einmal bis auf diese Höhe gebracht; sie sind jemandes Schüler gewesen; wessen, weiss man freilich nicht. Man kennt nur mit Sicherheit ihren Namen und ihr Werk. Von ihren Vorgängern weiss man wenig oder nichts, bloss die Miniaturmaler oder die Buchillustratoren sind als ihre würdigen Vorläufer zu erwähnen.

Sie waren Brüder und hiessen Hubert (etwa 1370-1426) und Jan van Eyck (etwa 1390-1440); sie stammten aus dem Städtchen Maaseyk im Maastal und arbeiteten in Brügge und in Gent. In letzterer Stadt schufen sie das obenerwähnte Meisterstück, den Altar der St. Bavokirche. Hubert, der ältere Bruder, starb noch ehe das grosse Werk vollendet war, Jan führte es zu Ende und schuf noch zahlreiche andere Stücke, Porträts und religiöse Szenen. Mit ihnen fängt die hochberühmte Schule der flämischen Primitivkunst an, die ihren Sitz zuerst in der Grafschaft Flandern hatte, sich dann aber auch über die anderen Teile der Niederlande ausbreitete. Ihre bedeutendsten Meister waren : Petrus Christus, der in Brügge arbeitete; Hugo van der Goes, in Gent wohnhaft, Rogier van der Weyden (oder Roger de la Pasture), der sich in Brüssel nieder-liess; Dirk Bouts, aus Haarlem gebürtig, arbeitete in Leuven ; Albrecht van Ouwater und Geertje van Haarlem, ebenfalls Holländer von Geburt und Kunst, Hans Memling, aus der Umgegend von Mainz gebürtig, verlebte seine Künstlerzeit in Brügge und war nach den van Eycks der grösste Meister der Schule; Gerard David, wirkte gleichfalls in Brügge; Quinten Massys, aus Leuven gebürtig und in Antwerpen tätig, wo er starb.

Mit Quinten Massys endet die eigentliche Schule der Primitiven, in welcher der .Mystizismus überwiegt, aber verknüpft mit dem Realismus, der Neigung, die materielle Wirklichkeit naturgetreu abzubilden. Was die Seele in höherem Fluge zu erschauen suchte, und was das Auge hier unten beobachtete, wurde in feiner und farbiger Malerei wiedergegeben. Als Nachfolger dieser rein niederländischen Kunst können die Realisten des 16. Jahrhunderts betrachtet werden: Hieronymus Bosch von Herzogenbusch, Lucas van Leiden, Peter Breughel der Altere, der aus Nordbrabant nach Antwerpen kam und sich nachher in Brüssel niederlicss, Peter Breughel der Jüngere, Pieter Aertsen und mehrere andere, die den älteren Überlieferungen treu blieben.

Während diese den guten Namen ihrer Schule aufrecht erhielten, war eine ganz neue Strömung in den Niederlanden entstanden. Sie wurde durch die Vorliebe für die italienische Kunst verursacht, durch den Hang, den Südländern nachzufolgen und, gleich ihnen, der getreuen Wiedergabe der Natur und dem reichen Farbenglanz stolze Schöpfungen, schöne Formen, gewandte Zeichnung vorzuziehen. In den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts wurde es in den Niederlanden und anderwärts zur Regel, sich jenseits der Alpen in der Kunst zu vervollkommnen. Gossacrt van Mabuse, Barend van Orley, Scorel, Marten van Hccmskerck gingen voran; Anton Moro, Frans Floris, Otto Vcnius und hundert andere folgten. Allen diesen Männern war es sehnlichster Wunsch und höchster Zweck, soviel wie möglich die eigene niederländische Art abzulegen und sich die fremde anzueignen. Ein Schüler des Otto Vcnius trat diesem verderblichen Streben entgegen: Peter Paul Rubens (1577-1640). Seine Begabung war zu hoch, als dass er— ungeachtet seines gründlichen Studiums der italienischen Kunst — seine Hämische Art hätte verleugnen sollen. Er erneuerte die Hämische Schule, und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieb er ihr ruhmreichster Vertreter und ihr grösster Lehrmeister. Seine Gehilfen: Jan Breughel, Frans Snijders, Lucas van Uden; seine Schüler: Anton von Dyck, Gerard Zegers, Cornelis Schutnt, Theodor von Thulden, und selbst seine Landsleute, die seine Werkstatt nicht besuchten: Jacob Jordaens, David Feniers, und so viele andere, standen unter seinem Einfluss und nahmen seine Kunstaulfassung an. Im 18. Jahrhundert erzeugte die flämische Schule keinen Künstler mehr, der sich mit den grossen Meistern des 17. Jahrhunderts vergleichen liess, und mit dem Jahrhundert endet auch die Schule.

Von dem Augenblicke der Trennung der beiden Niederlande an setzte für den nördlichen Teil eine Blüteperiode ein, die auch in der Malerei Wunder erzeugte. Die Holländer malten die Welt mit dem, was sie enthält, mit dem, was sie darin beobachteten: Menschen, Landschaften, Tieren, Blumen und leblosen Dingen; sie kümmerten sich um keine übernatürlichen Wesen, und wenn sie Gegenstände aus der Bibel behandelten oder aus der Sage, so sahen sie darin freiwillig oder unfreiwillig nichts anderes als weltliche Dinge aus früherer Zeit oder aus fremden Ländern, die sie auf den heimischen Boden und in ihre Zeit versetzten. Sie waren Porträtmaler allerersten Ranges: Frans Hals, Thomas de Keyzer, Michael Miereveit, Bartholomäus von der Fielst, Rembrandt, Jac. Adriaensz Bakker, Govaert Flinck, Ferdinand Bol, Nicolas Maes, Gerhard Terborch. Das Porträtmalen wurde Geschichtsmalerei n ihren grossen „Doelen- und Regentenstücken“ , und ihre Geschichtsmalerei ging allmählich in Genremalerei über, so in den Werken des Grössten unter ihnen, der zugleich einer der Grössten aller Zeiten ist: Rembrandt, der in allem Material zum Malen fand, der die ganze Schöpfung mit seinem Pinsel umschuf, wie er, der tiefe Denker, sie in seinen Visionen zu neuem Leben heraufbeschworen hatte. Da, wo die Holländer als echte Genremaler auftraten, betrachteten sie die Welt bald von der ernsteren Seite, wie Nie. Maes, Govaert Flinck, bald in ihrem täglichen Gange, in ihrem bürgerlichen Tun und Treiben, wie Gerard Dou, Jan Vermeer, Pieter de Hooch, die Metsus, die Mieris’, die Netschers, oder sie betrachteten sie von ihrer komischen Seite, wie Jan Steen, Adriaen Brouwer, Adriaen van Ostade. Sie malten Landschaften mit oder ohne Menschen, wie Jacob und Salomon van Ruysdael, Hobbema, Isaac van Ostade, Aart van der Neer, Adriaan van de Velde, Albert Cuyp, Claas Berchem, oder sie wählten in der Natur das Wasser belebt mit Menschen, die es befahren oder an seinem Strande wohnen, wie Jan van Goyen, Jan van de Capelle, Willem van de Velde, Ludolf Backhuyzen; oder sie malten vorzugsweise Tiere, wie Paul Potter, Philips Wouwerman, Melchior Hondecoeter, oder einfach tote Natur, wie die Heems, Heda, Abraham van Beijeren. Alle haben dies gemein, dass sie Maler der Wahrheit sind, aber bis ins Unendliche gehen sie auseinander in der Art, die Natur wiederzugeben. Alle sind Verehrer des Lichts und der Farbe, aber in erstaunlicher Weise wechselt ihre Wiedergabe des Gesehenen.

Italien. Nicht nur in Flandern, auch in Italien stand im 15. Jahrhundert die Malerei in herrlicher Blüte. Dort, jenseits der Alpen, hatte die Kultur einen Riesenschritt getan, und der menschliche Geist war in ein völlig neues Stadium eingetreten. Man hatte sich dort mit den Schriften der alten Griechen und Römer bekannt gemacht und hatte gelernt, die Welt von einem ganz anderen Standpunkt zu betrachten, als man es im Mittelalter zu tun pflegte. Der Geschmack wurde geläutert, der Mensch gelangte zum vollen Bewusstsein seines Wertes und seiner Selbständigkeit. Die Bekanntschaft mit der Literatur der Alten erhöhte das Interesse an dem, was diese auf dem Gebiete der Kunst hinterlassen hatten. Eifrig suchte man die Bildhauerwerke hervor, die vergessen waren oder verschüttet unter der Erde lagen; man brachte die Bauwerke, die man Jahrhunderte lang vernachlässigt und verstümmelt hatte, wieder zu Ehren, und ein frischer Schöpfergeist begann, sicli in der Kunst überhaupt und besonders in der Malkunst zu regen.

Florenz war die Stadt, von welcher diese Bewegung ausging, und die Jahrhunderte lang ihr Mittelpunkt blieb. Dort arbeiteten, wie wir sahen, die Maler der dem 15. Jahrhundert vorangehenden Zeit, die italienischen „Primitiven”. Auch nach 1400 lebten dort die grossen Meister, denen die Fhre gebührt, die italienische Schule endgültig begründet zu haben. Sic waren viele an Zahl, reich an Begabung, verschieden im Ausdruck. Masolino (1385?—1447?) und Masaccio (1401-1428?) eröffnen die Reihe der florentinischen Maler der jüngeren Schule; mit Filippo Lippi, dem Schüler Masaccios, verzieren sic die Brancacci-Kapellc in der Kirche del Carmine zu Florenz mit Wandmalereien, die wir noch immer als einen schlagenden Beweis des neuen und höheren Geistes bewundern, der damals in der Kunst herrschte. Ihr Zeitgenosse Fra Giovanni da Fiesoie (1387-1455) drückt inniger als irgend welcher andere Künstler den Mysticismus aus, von welchem diese frühe Kunst in Italien durchdrungen blieb, auch nachdem der Einfluss der Renaissance sich geltend gemacht hatte. Die Paneele des Filippo Lippi, die ersten Meisterwerke unter den Altartafeln und unter den häuslichen religiösen Stücken, atmen noch diesen Geist. Mit Sandro Botticelli (1446-1510) macht die Kunst sich los von der alten Schüchternheit und wacht auf aus den mittelalterlichen Träumen; und entzückt, wie in der frohen Überraschung und in dem süssen Rausche einer ersten Liebe, spricht sie aus, wie schön ihr der Mensch und die Wirklichkeit, wie anmutig ihr die Erde scheine. Nach diesem grossen Meister, der so viel dichterischen Geist und Ursprünglichkeit besass, folgte die Reihe derjenigen, die fortfahren, die Verbindung der Wahrheit und Schönheit, der Verschmelzung von Himmel und Erde zu suchen. Benozzo Gozzoli (1420-1498), Antonio (1426-1498) und Piero (1443-1489), Pollajolo, Filippino Lippi (1457 1504), Lorenzo di Credi (1459-1557), Domenico Ghirlandajo (1449-1494), Leonardo da Vinci (1452-1519). Mit diesen letzten ging das 15. Jahrhundert zur Neige, und die florentmische Kunst fand ihren höchsten Ausdruck; Domenico Ghirlandajo hatte in seinen Wandmalereien die Wahrheit und die Schönheit, das Reale und das Ideale in unvergleichlicher Weise verschmolzen und den vollendeten Ausdruck der florentinischen Kunst gegeben. Wollte die Schult weiterleben und weiterblühen, so musste sie sich bewegen, sich umbilden. Leonardo da Vinci hatte dies gefühlt: er nahm die alten Überlieferungen auf und blieb ihnen treu, soweit seine Genialität ihm gestattete, andre Gesetze als die seines eignen Geistes zu befolgen; aber er drückte dann auch seinen Schöpfungen das Gepräge seiner hohen Persönlichkeit auf und machte sie noch mehr zu seinen Werken als zu solchen seiner Schule. Nach ihm steigt eine zweite stolze Figur auf: Michelangelo (1475-1564), der noch individueller war als Leonardo da Vinci. Er bricht entschieden mit den Auffassungen seiner Vorgänger; ihn fesselt weder die holdselige Wahrheit, noch die süsse Harmonie, sondern das Kraftvolle und Riesenhafte; er betrachtet und verehrt den Menschen an und für sich, er erhebt ihn mit sich über die Erde, macht ihn zum Alles Beherrschenden. Die zwei grössten Söhne von Florenz verliessen ihre Mutterstadt, um anderwärts zu leben und zu arbeiten : Leonardo da Vinci in Mailand und Frankreich, Michelangelo in Rom. Die Kunst von Florenz wurde die Kunst Italiens. An den Ufern des Arno blieben noch einige Männer von Bedeutung tätig: Fra Bartolomeo (1475-1517), Andrea del Sarto (1486-1531), und mehrere andere; aber mit diesen fing der Rückgang der glorreichen Schule an, der immer rascher zum völligen Untergang führte.

Inzwischen waren neben ihr andere Schulen aufgekommen: das ganze nördliche Italien war wie ein fruchtbarer Boden, der Jahrhunderte lang brach gelegen hatte, und der jetzt, mit Fleiss und Einsicht bearbeitet, die verschiedensten und herrlichsten Früchte in Hülle und Fülle, erzeugte. In der Nähe von Florenz, im alten Lande der Umbrier finden wir zu Anfang des 15. Jahrhunderts Maler von ungemeinem Verdienste. Gentile de Fabriano, Piero degli Franceschi, Melozzo da Forli (1438-1494), Luca Signorelli (1441-1523), Perugino (1446-1524), Pinturicchio (1454-1513). Was alle diese Männer kennzeichnet, ist eine religiöse

Innerlichkeit, welche sie von den mehr weltlichen Florentinern unterscheidet. Diese Schule erzeugte als ihre reifste Frucht Raffael, den Göttlichen (1483-1520). Aus Urbino gebürtig, Schüler des Perugino, einige Jahre seines kurzen Lebens in Florenz tätig und darauf nach Rom verzogen, wo er eine Schule begründete, ist er gleichsam eine Zusammenfassung der italienischen Kunst und dann auch, alles in allem, ihr vollendetster Vertreter. Er verbindet das Mystisch-Träumerische früherer Zeiten mit dem Menschlich-Realen der späteren, die herrlichen Formen der Gestalten mit der Anmut der Gruppierung und der Lebhaftigkeit der Bewegungen.

In Padua entstand eine Schule, aus der Mantegna (1431-1506) ihr grösster Meister und zugleich einer der hervorragendsten Meister Italiens, hervorging. Diese Schule eignete sich mehr die antike Kunst an, und das Edelste, das diese kennzeichnet, übertrug sie ebenso glücklich in die moderne Kunst. In Ferrara und Bologna wirkte eine Anzahl von Malern, von denen einige wie Francia (1450-1517), Lorenzo Costa (1460-1535), Timoteo Viti (1467-1523) sich wohlverdienten Ruhm erwarben. In Mailand, wo ebenso wie in anderen Städten Nord-Italiens zahlreiche sehr verdienstvolle Künstler vor der Ankunft Leonardo da Vincis gearbeitet hatten, ilösste dieser der Kunst neues Leben ein. Unter seinen Nachfolgern heben wir Bernardino Luini, den Frescomaler hervor, der in den reizendsten Formen seine edel- und zart empfundenen Konzeptionen zum Ausdruck brachte. Aus der Schule, die Michelangelo und Raffael in Rom begründeten, ging Daniel da Volterra (1509-1560) hervor, als bedeutendster Nachfolger des Ersteren, und Giulio Romano, Schüler des Letzteren. Parma schenkte der Welt Correggio (1494-1534), den Zauberer des Lichtes. In anderen Städten wirkten noch zahlreiche andere Maler, die hier nicht sämtlich erwähnt werden können, Die Stadt Venedig verdient besondere Erwähnung, weil sie eine eigentümliche und selbständige Stelle in der italienischen Kunst einnahm. Während die anderen Künstler vor allem zeichnende Maler zu nennen sind, waren die Venetianer an erster Stelle Koloristen.

Ihre Schule erreichte etwas später als die der anderen die völlige Reife. Von 1440 bis 1490 arbeiteten dort die Brüder Johannes, Antonius und Bartolomäus Vivnrini von Murano; darauf folgten mit ihrem einigermassen altfränkischen, aber trotzdem ergreifenden und rührenden Stil: Carlo Crivelli, die Grüder Giovanni und Gentile Bellini, beide hervorragend, obgleich sehr verschieden; der eine malte träumerische, ideal schöne Madonnen, der andere schuf realistische Darstellungen aus dem Leben der Heiligen; Vittore Carpaccio, der dem Gentile Bellini in seinen naturgetreuen Abbildungen des Lebens nachfolgte, Cima da Cone-gliano, Marco Basaiti, die in der letzten Hälfte des fünfzehnten und im ersten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts wirkten. In den weiteren Verlauf des sechzehnten Jahrhunderts fällt die Zeit der höchsten Blüte der venetianischen Schule: es ragten damals in der Stadt der Lagunen hervor: Giorgione (1478-1511), Palma Vecchio (1480-1528), Lorenzo Lotto, Tizian (1477-1576), Paris Bordonc (1500-1571), Pordenone (1483-1549), Moretto (1498-1555?), Morone, die Bassano’s, Tintorotto (1519-1594), Paolo Veronese (1528-1588), die alle im Reichtum der Farbe und in der Feinheit der Schattierung wetteiferten. Mit den zwei letzten, die nach Tizian die zwei Grössten waren, gerät die Schule in Verfall, um im achtzehnten Jahrhundert noch einmal mit dem geistvollen Figurenmaler Tiepolo (1692 176(1) und mit dem farbenfreudigen Städtemaler Canaletto (1697 1780) anfzuleuchten.

Die Blüte der italienischen Malerei ging mit dem sechzehnten Jahrhundert zu linde. Als die Periode des dahin im Hintergründe geblieben war, ein ernstlicher Versuch gemacht. : den’drohenden Untergang abzuwenden: in Bologna. Männer von gutem Willen und grosser „Tatkraft“ mit mehr als gewöhnlichem Verdienste ausgestattet, glaubten, die vaterländische Kunst retten zu können, indem sie gewissenhaft die grossen Meister studierten, ihnen in den liigenschaften. in welchen diese hervorragten, nachahmtcn und eine höhere Vollendung anstrebten durch die Verschmelzung alles dessen, was jeder der ruhmreichen Vorgänger im höchsten Masse besass. Es war im eigentlichsten Sinne die akademische Kunst, die sie gründeten, die schulmässig nach stereotypen Mustern und festen Regeln erlernte Kunst. Die Begründer und die hervorragendsten Männer waren die Brüder Lodovico (1555-1619), Agostino (1557-1602) und Annibale Carracci (1580-1609). Timen folgten, manchmal sie übertreffend, Guido Reni (1575-1642), der verdienteste von allen, Domenichino (1581-1641) und Guercino (1591-1666).

Frankreich. Im Mittelalter stand Frankreich in der Baukunst und Literatur an der Spitze der Reiche des westlichen Europas; auch in der Miniaturkunst erzeugte es Meisterwerke; aber in der Malerei stand es hinter Italien, Flandern und Deutschland zurück. Die Geschichte der frühesten Zeiten der französischen Schule ist wenig bekannt, und sie bleibt es, trotz der in den letzten Jahren angestellten löblichen Versuche, mehr Licht darüber zu verbreiten. Im Laufe des 15. Jahrhunderts treten die ersten Meister mit eigenem Stil und mit Werken von Bedeutung auf. Unter diesen sind Jean Fouquet, Enguerrand Charanton, Nicolas Froment, Jean Perreal, le Maitre de Moulins zu nennen. Zwischen dem Einflüsse Flanderns im Norden und dem Italiens im Süden schwankend, gelangen diese Meister nie zu vollkommener Selbständigkeit. Sie streben nach getreuer Wiedergabe der Wirklichkeit in den äusseren Formen und nach dem Ausdruck inniger Gemütsbewegung und erreichen beides, ohne dass sie jedoch die Ungelenkigkeit einer weniger geübten Kunst abzulegen vermögen.

Erst im siebzehnten Jahrhundert erlangt die französische Kunst allgemeinere Bedeutung in Europa. Noch immer jedoch steht sie unter fremdem Einfluss. Die Brüder Lenain, Antoine (geboren 1588), Louis(1593), Mathias (1607) suchen und finden einen eigenen Weg zwischen den Italienern und den Niederländern und bleiben selbstständig in der Auffassung und in der Ausführung ihrer bürgerlichen Szenen; Valentin (1591-1634) schliesst sich dem Banner des realistischen Dunkelmalers Michelangelo da Caravaggio an; aber alle anderen nehmen die Italiener aus der Verfallzeit, namentlich die Bologneser, zum Muster. Simon Vouet (1590-1649), Nicolas Poussin (1594-1665), Gaspar Dughet (1613-1675), Philippe de Champagne (1602-1674), (ein Brüsseler von Geburt), Sebastian Bourdon (1616-1671), Claude Lorrain (1600-1682), Pierre Mignard (1612-1695), Charles Le Brun (1619-1690), Eustache Le Sueur (1616-1655), Jean Jouvenet (1644-1717), Nie. de Largilliere (1656-1746), Hyacinthe Rigaud (1659-1743), sind die bedeutendsten. Ihre Kunst ist vor allem akademisch in der Form, rhetorisch im Ausdruck, gemässigt in Linien und Farben; sie haben sich in der Schule und durch Studium zu verständigen Künstlern ausgebildet: Feinde jeder Übertreibung, die aber auch jede Kühnheit, jedes persönliche Wagnis scheuen. Nie. Poussin mit seinen edel empfundenen und harmonisch gestalteten Tableaux, mit seinen klassisch idealisierten Landschaften, Claude Lorrain mit seinen verklärten Landschaftsbildern sind die berühmtesten und rühmlichsten. Charles Le Brun gewährt den vollendetsten Ausdruck des rhetorischepischen Stiles; Eustache Le Sueur spricht mit dem grössten Erfolg den klösterlich religiösen Sinn aus; Pierre Mignard, Nie. de Largillicre, Hyacinthe Rigaud zeichnen sich als würdige Porträtisten des hochvornehmen französischen Adels und der höheren Beamtenwelt aus.

Jm achtzehnten Jahrhundert erfährt die französische Schule eine bedeutende Umwandlung. Aus einer rhetorisch-klassischen wird sie zu einer idyllischen, bald moralisierend, bald wieder am Liederlichen Gefallen findend, immer nach Anmut der Form und Verfeinerung des Gefühls strebend. Jean-Baptiste Simeon Chardin (1699-1779) steht vereinzelt da durch seine realistische und bürgerlich einfache Stimmung, Jcan-Baptiste Greuze (1725-1805) durch seine melodramatischen Familienszenen; Claude Joseph Vernet (1714-1789) durch seine gekünstelten dekorativen Landschaften. Francois Boucher (1704-1770), Antoine Watteau (1684-1721), Nicolas Laueret (1690-1743), Jean-Baptiste Joseph Pater (1696-1736), Jan-Honore Fragonard (1732-1806) zeichneten sich als Maler der leichtsinnigen, lebenslustigen, reizvoll anmutigen Kreise ihrer Zeit aus, die die Welt als einen grossen Ballsaal betrachteten und es als ihren Beruf ansahen, sich darin möglichst gut und elegant zu amüsieren. Mit ihnen arbeitete Frankreich sich in einer Zeit, als die europäische Kunst sehr in Verfall geraten war, dermassen empor, dass das Land, das früher hinter den anderen zurückblieb, diesen jetzt den Ton angab. In den herannahenden Zeiten, in welchen nach einander der neu-klassische Stil Jacques Louis Davids (1748-1825),der romantische, der naturalistische herrschte, sollte es diese Stellung nicht nur behalten, sondern auch noch fester begründen.

Deutschland. Zur selben Zeit, als die Malerei in Flandern ihre erste Periode hoher Blüte erlebte, fand sie in den benachbarten Provinzen Deutschlands ihre früheste Pflege. Die ersten und hervorragendsten deutschen Maler wirkten in Köln und schufen dort höchst merkwürdige Leistungen. Das berühmte Gemälde im Kölner Dom ,,Anbetung der Könige“ wurde etwa 1426 vom Meister Stephan Loch euer ausgeführt.

Im Westen und Süden Deutschlands setzten um dieselbe Zeit und bis ans Ende des fünfzehnten Jahrhunderts andere weniger begabte Maler ihre Tätigkeit fort. Sieerfuhren offenbar den Einfluss der flämischen Schule, kamen ihr aber nicht gleich: die feine Ausführung und die zarte Grazie ihrer flämischen Zeitgenossen gingen ihnen ab.

Mit dem sechzehnten Jahrhundert brach das goldene Zeitalter der deutschen Kunst an; die Maler waren und blieben zwar mehr Zeichner und Kunststecher als Pinselführer, aber vermöge ihrer eigentümlichen Gaben standen einige so hoch, dass sie unter die grössten Meister zu rechnen sind. Die bedeutendsten unter ihnen sind Albrecht Altdorfer (etwa 1538) , Albrecht Dürer (1471-1528), Hans Baldung-Grien ( 1475 -1545), Hans Burckmair (1473-1531),Bartel Beham (1502-1540), Lucas Cranach (1515-1586), Hans Holbein (1497-1543), Barthel Bruyn(1493-1553?). Die berühmtesten unter ihnen waren Albrecht Dürer und Hans Holbein. Jener ist ein unermüdlicher Schöpfer, ein tiefeindringender Beobachter, ein als Zeichner und Kupferstecher ausgezeichneter Darsteller, ebenso grossartig wie fein, ebenso dramatisch wie gefühlvoll; dieser ist mit reicher und heiterer Phantasie begabt, dazu ein scharfer Beobachter der Natur, mehr Maler als Dürer und einer der grössten Porträtisten, die je gelebt haben.

Im Laufe des siebzehnten Jahrhunderts haben wir unter den deutschen nur einen bedeutenderen Meister zu erwähnen. Es ist Adam Elsheimer (1578-1621), der eine Ausnahme unter seinen Landsleuten, ein Meister der Farbe und des Lichts war, und seine äusserst anmutigen Bildchen ebenso fein wie reizend malte. Im achtzehnten Jahrhundert bringt die deutsche Schule keinen Künstler mehr hervor, der unter die grossen Meister gerechnet zu werden verdient.

Spanien. Die Geschichte der spanischen Malerschule erwähnt wenige Meister von Bedeutung, aber unter diesen giebt es doch einige, die zu den Fürsten im Reiche der Kunst gehören. Bis in das fünfzehnte Jahrhundert hinein gehörte Spanien mohammedanischen Fürsten an, oder lag mit ihnen im Kampfe um den Besitz des eigenen Bodens, und als das Land wieder unabhängig geworden war, hatte es noch keine Gelegenheit gefunden, sich in den Werken des Friedens zu üben. Im sechzehnten Jahrhundert nicht nur unabhängig, sondern die grösste Macht Europas geworden, besass es die Niederlande und ein gutes Stück Italiens, sodass viele Meister dieser beiden Hauptsitze der Kunst Untertanen der spanischen Fürsten waren. Italienische und niederländische Maler arbeiteten denn auch für die in Madrid regierenden Herrscher und wurden die Führer der spanischen Künstler. Solange Spanien eine blühende Grossmacht war, herrschte auf seinem Boden fremde Kunst; erst im siebzehnten Jahrhundert, als die Zeiten politischen Verfalls anbrachen, nahm die eigene Kunst, Literatur, Bildhauerkunst, Malkunst einen hohen Aufschwung.

Die Maler, die zu dieser Periode herrlicher Blüte gehören, sind Francesco Herrera der Ältere (1576-1656), Francesco Zurbaran (1598-1662), Alonzo Cano (1601-1667) und mehrere andere. Die Werke aller dieser Männer tragen tief das Gepräge des spanischen Charakters: ernster, schwermütiger, religiöser Sinn, gepaart mit einer Wahrheitsliebe, welche zu übertriebener Herausarbeitung des Alltäglichen führt, und mit einer kraftvollen Farbengebung, die das Düstere und das Dunkelgetönte liebt. Nach ihnen tritt der grösste der spanischen Meister, Diego Velazquez (1599-1660) auf. Fr ist einer der wunderbarsten Koloristen, die die Welt erblickt hat, schlicht und verfeinert zugleich; er ist voller Ehrfurcht für die Wahrheit und giebt diese mit grosser Treue wieder, zugleich aber verleiht er seinen Menschen einen sehr persönlichen Charakter und drückt diesen mit ebensov iel Tiefe als Wahrheit aus. Fr ist ein Naturalist wie alle seine Landsleute, sogar der radikalste unter ihnen, aber er hat nichts von ihrer Härte und keine ihrer Übertreibungen, weder in der Farbe, noch in der Zeichnung. Der zweite im Fange ist Bartolome Esteban Murillo (1618-1682). Auch er malte Szenen aus dem Volksleben ohne Scheu und Schönfärberei, auch er sprach den tiefen und schwärmerischen religiösen Sinn aus; aber er ist ein Künstler, der in Verzückung vor der Herrlichkeit des Überirdischen schwebt, ein Naivgläubiger, der das Übernatürliche in treuherziger Weise darstellt. So holdselig seine Visionen sind, so verführerisch sind auch seine Farben ; er ist vor allen anderen der gefällige Mvstiker. Weit hinter ihm zurück steht dann wieder Jos. Ribera (1588—1656), der einen Teil seines Lebens in Italien verbrachte, sehr viel von den Schwarzmalern seiner Zeit gelernt hat, diese Eigentümlichkeiten aber noch schärfer ausprägt durch seine spanische Schwermut; der Sinn für Wahrheit führte zur Roheit, und die dramatische Kraft zu barbarischer Gewaltsamkeit.

Diese drei grossen Beherrscher ihrer Schule hatten eine grosse Anzahl Schüler und Nachfolger, unter denen sich aber keiner hoch genug erhob, um zu den grossen Meistern gezählt zu werden. Im achtzehnten Jahrhundert waren es wieder mehr Fremde als Einheimische, die in Spanien malten. Ein einziger Name ist in diesen Jahren zu erwähnen: Francisco Goya y Lucientes (1746—1828), einer der seltsamsten und launenhaftesten Pinselkünstler, die wir kennen. Er erblickt die Welt als ein grosses, von lautem Leben zitterndes und dröhnendes Schauspiel; er taucht seine Porträts in grelles Licht und grelle Farben, so schonungslos wahr, dass man nicht weiss, ob es ihm Ernst oder Spott ist; er malt mit einer erstaunlichen Leichtigkeit, die zur Leichtfertigkeit wird, und ist, alles in allem, eine ursprüngliche Erscheinung in einer Zeit des Verfalls und schwächlicher Nachahmung.

England. England, das sich auf allen Gebieten menschlicher Geistestätigkeit schon früh einen hohen Rang erobert hatte, blieb in der Malerei Jahrhunderte lang hinter den andern Ländern Europas zurück.

Erst im achtzehnten Jahrhundert, als es sich nach allen Richtungen hin selbständig ausgebildet hatte und auf materiellem und geistigem Gebiete eines der mächtigsten Länder geworden war. errang es auch eine eigene und bedeutende Stelle in der Malerei. Dort wirkten damals William Hogarth (1697—1764), der literarisch angehauchte und satirisch moralisierende Zeichner und Maler; Richard Wilson (1714—1782), der älteste der englischen Landschaftsmaler, der aus Italien einen Zweig der Kunst in sein Vaterland einführte, der dort in späteren Jahren so reich blühen sollte; Sir Joshua Reynolds (1723—1792), der klassisch gefärbte Künstler, der gediegene Geist, der an der Spitze der glänzenden Reihe englischer Porträtmaler steht, und der. trotzdem er die grossen Meister der Vergangenheit zum Muster nahm, eine grosse Originalität und eine kunstvolle Technik erreichte; Thomas Gainsborough (1727—1788), sein Mitbewerber um den ersten Rang unter den Porträtmalern, der den natürlichen Schwung mit treffender Wiedergabe des innigen Lebens und glänzendem Kolorit verband und sich auch als Landschaftsmaler auszeichnete.

Mit diesen Meistern der ersten Zeit wurde die englische Schule begründet, und ununterbrochen brachte sie in der Folge Künstler von bedeutenden Anlagen und mannigfaltiger Begabung hervor. Noch im achtzehnten Jahrhundert lebten Georg Romney (1734—1802), Sir Henry Raeburn (1756—1823), John Hoppner (1758-1810), Sir Thomas Lawrence (1769— 1830), alles hervorragende! Porträtmaler, einige auch talentvolle Geschichtsmaler; Benjamin V’est (1738—1820), ein Geschichtsmaler, geboren in Amerika; John Crome (1768-1821), der Begründer der englischen Schule der Landschaftsmalerei; James Ward (1769—1859), hierum! Landschaftsmaler; William Turner (1775—1851), der grosse Phantast, der dichtende und erdichtende Landschaftsmaler, der sich rühmte, Claude Lorrain zu übertreffen, was ihm wirklich gelang; John Constable (1776—1837), der tüchtige Maler der echten englischen Landschaft; sämtlich Bahnbrecher der englischen Kunst des folgenden Jahrhunderts.

Im vorliegenden Werke soll dem Leser vorgeführt werden, was die Malerei in fünf Jahrhunderten geleistet hat. Vor seinem Auge werden jene herrlichen Bilder vorüberziehen, die bei ihrem Entstehen von uns voran gegangenen Geschlechtern begrüsst wurden, und die Millionen unserer Ahnen den reinsten Genuss bereiteten, ihr Auge mit dem Glanze des Lichtes und der Farbe und ihr Herz mit edler Freude erfüllten.

Text aus dem Buch: Die meister der malerei und ihre werke; fünf jahrhunderte malkunst in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, England und den Niederlanden, 1400-1800 (1908), Author: Rooses, Max.

Die Meister der Malerei und ihre Werke