Von der Blüte der Aachener Goldschmiedekunst in unserer Zeit legt der Schrein ein beredtes Zeugnis ab. Dieses Kuppel-reliquiar in Kreuzesform, hergestellt von dem jetzigen Aachener Stiftsgoldschmied Witte, birgt die Reliquien der heiligen Märtyrer Leopardus und Corona, die durch Otto III. (wohl vor 997) nach Aachen kamen. Bis 1910 ruhten die Gebeine der Heiligen in Bleisärgen unterirdisch im Sechzehneck des Münsters. Der Schrein ist eine Stiftung des Stiftspropstes Dr. Bellesheim, des Stiftskapitels und vieler Münsterfreunde aus der Bürgerschaft.

Die vier Kopfseiten zeigen in kunstvoll getriebener Arbeit das Martyrium der beiden Heiligen, die Übertragung der Reliquien durch Otto III. und die Hebung der Bleisärge 1910. In den Giebeln dieser Kopfseiten befinden sich in leuchtendem Schmelz die Wappen des Papstes, des Deutschen Reiches, des Stiftskapitels und des Stiftspropstes Dr. Bellesheim.

In den Zwickeln der Bogen oberhalb des Bildes sind in Elfenbein geschnitten die Sinnbilder der vier Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Starkmut) und die der vier Nebentugenden (Frömmigkeit, Gehorsam, Demut, Geduld).

Zwischen den Kreuzschiffen stehen vier Kaiser: Otto I., Otto II., Otto III., Heinrich II.

Der Reifen, der den Übergang zur Kuppel bildet, trägt Elfenbeinplättchen, die vier Elemente versinnbildend.

Die Kuppelnischen enthalten zwölf sitzende Figuren: zunächst Karl den Großen, sodann Heilige und geistliche Würdenträger, die in näherer Beziehung zu Otto III. gestanden haben. Vor den Sockeln der schönen Achatsäulchen, die die Kuppelnischen trennen, erblicken wir abwechselnd den Wolf und den Pinienzapfen des Münsters.

Das Kuppeldach zeigt in reizender Schmelzarbeit die zwölf Sternbilder. Als Abschluß dient ein Kreuz mit Doppelbalken in Form des Lotharkreuzes. In den Schrein der sich würdig den mittelalterlichen anreihen kann, sind 375 echte Steine eingefügt, die dem Ganzen einen besonderen Glanz verleihen.

Die Schatzkammer des Aachener Münsters

Der Marienschrein ist, wie der vorhin erwähnte Karlsschrein, eine Stiftung der Aachener Bürgerschaft und in derselben Kunststätte entstanden. Doch deutet mancherlei darauf hin, daß der Schrein nicht aus der Hand eines Meisters hervorgegangen ist. Der Prachtschrein enthält die vier großen Heiligtümer, die Windeln und das Lendentuch des Herrn, ein Kleid Mariens und das Leichentuch Johannes des Täufers, die alle sieben Jahre unter feierlichen Zeremonien öffentlich gezeigt werden (Heiligtumsfahrt, Aachenfahrt).

An dem Schrein, der durch seine reichentwickelte Architektur, sein herrliches Figurenwerk und die Fülle seines vvechselreichen Ornamentes den Blick des Beschauers sofort gefangennimmt, sind alle Metallteile silbervergoldet. Die Form ähnelt einer Kirche mit kreuzförmigem Grundriß. Während der Karlsschrein rein romanisch ist, treten hier schon gotisierende Formen auf, was der Zeit seiner Vollendung (1239, Übergangsstil) entspricht. Statt der Rundbogenarkaden z. B. finden wir hier reich geschmückte Giebel. Die Technik der Treibarbeiten steht künstlerisch und stilistisch höher als beim Karlsschrein.

Vordergiebel: Der segnende Heiland mit der lateinischen Inschrift zu Häupten: “Ich, der Ewige allein, erschaffe und regiere das Weltall.“
Unten steht: “Hoffnung der Gefallenen, Friede den Gerechten, Züchtigung der Schuldigen.“ Rückgiebel: Papst Leo III. mit der Inschrift: „Hier Papst Leo, der den von Karl erbauten Tempel in heiliger Segnung weihte.“ Dies geschah am Dreikönigentage 805.

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Der Karlsschrein gehört zu den größten und vollendetsten Reliquienschreinen Deutschlands. Ein großer Vorzug vor andern derartigen Kunstwerken besteht darin, daß dieser Schrein, wie auch der an zweiter Stelle besprochene, keine nennenswerte Ausbesserung bzw. Bearbeitung im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat, so daß die Aachener Prunkschreine noch jetzt fast in ihrem erstlichen Glanze dastehen. Der Karlsschrein umschließt die Gebeine Karls des Großen, soweit sie nicht in besondern Reliquiaren enthalten sind. Am 29. Dezember 1165 ließ Friedrich Barbarossa (1152—1190) die Gebeine Karls des Großen heben und veranlaßte die Herstellung dieses kostbaren Schreines. Am 27. Juli 1215 wurde der Reliquienschrein durch seinen Neffen Friedrich II. (1215 — 1250) geschlossen.

Die Aachener Kunststätte (Wibert?) wählte für dieses Prachtwerk, das zu Ehren Karls des Großen und zugleich zur Verherrlichung des deutschen Königtums geschaffen wurde, die Form einer romanischen Kirche, wobei der innere Schmuck nach außen verlegt wurde. Außerdem ist der Schrein reich verziert mit kunstvollem Schmelzwerk und vielen edlen Steinen. Der Figurenschmuck ist ein Meisterwerk der Treibkunst. Bei dem Dache wurden vergoldete Kupferplatten, bei den übrigen Metallteilen vergoldete Silberplatten verwandt. Man beachte:

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