1. Egbert van Heemskerck / Bauernkonzert

Ausser Jan Steen und Cornelis Dusart ist Heemskerck beinahe der einzige unter den Malern des bäuerlichen Genres, der Ausgelassenheit darstellen konnte, ohne unnatürlich zu wirken. Bei den anderen, etwa hei Jan Miense Molenaer oder Hendrik Maertensz Sorgh, den man den holländischen Teniers genannt hat, geht es auf den Kneipen musterhaft zu. Man langweilt sich, als sässe man zu Hause in der Familie; von der Reaktion, welche der häusliche Zwang so gewaltsam auf die kneipfreudigen Männer ausübt, ist nichts zu merken. Bei Heemskerck dagegen spürt man, dass sie tun und lassen können, wie es ihnen gefällt. Trumpf des Abends ist, sich im Trinken und Schreien zu üherhieten und zu zeigen, dass trotz aller Kultur eine niederträchtige Seele im Menschen stecke.

Der Künstler ist, kennt man ihn näher, keiner von den anziehenden. Seine Werke sind mehr als erfreulich denen Brouwers nachempfunden, besonders merkwürdig, bedenkt man, dass er erst etwa ein halbes Jahrhundert nach diesem tätig war. Er wiederholt Brouwers Typen, besonders die Kahlköpfe mit den Affenschädeln und Krummnasen, ordnet die Gruppen ähnlich wie er (im Dreieck) an und hat in der Zeichnung die Virtuosität, in der Farbe die Eintönigkeit der spätgeborenen Generation vom Ende des siebzehnten Jahrhunderts.

Bei dem Blatt überrascht vor allem die Sicherheit, mit welcher der Rötel gebraucht ist. Das spröde Material verändert gewöhnlich den Strich des Künstlers in dem Sinne, dass er an Freiheit verliert und trockener wirkt. Hier ist damit fast die Leichtigkeit der flüchtig skizzierenden Feder erreicht.

Bild und Text aus dem Buch: Handzeichnungen altholla˜ndischer Genremaler (1907), Author: Bode, Wilhelm von, Valentiner, Wilhelm Reinhold.

Egbert van Heemskerck