Finnland liegt in Nordeuropa, im östlichen Teil des geographischen Gebiets Fennoskandia, zwischen dem Bottnischen Meerbusen, der Ostsee, dem Finnischen Meerbusen und dem Ladogasee. Sein Flächeninhalt beträgt 377,426 km², wovon 44,286 km² oder 11,7 % auf die Binnengewässer entfallen (berechnet 1901—07; nach Streljbitskijs Berechnungen vom fahre 1882 374,802 km², davon Binnengewässer 41,820 km2. Diese Ziffern umfassen auch Finnlands Anteil am Ladogasee 8,014 km²). Finnland hat 3,300,650 Einwohner (1915), 9,9 auf das Quadratkilo= meter.

Natürliche Grenzen besitzt Finnland nur teilweise im Westen und im Süden, wo es in einer Ausdehnung von etwa 1000 km vom Meere bespült wird. Die übrige, etwa 2,500 km lange Grenze verläuft teils durch Wälder (vor allem die Ostgrenze gegen Russisch-Karelien), teils an Flüssen entlang, die nicht einmal die verschiedenen Nationalitäten auseinanderhalten (die Grenze gegen Schweden bildet der Tornionjoki (Torneälv) mit seinem Nebenfluss Muonionjoki und dem sich in diesen ergiessenden Könkämäeno, die Grenze gegen Norwegen zieht sich eine lange Strecke an den Flüssen inarinjoki (Enareälv) und Tenojoki (Tanäelv) hin, während Finnland im Süden unter anderem durch den Rajajoki (Systerbäck) von Russland getrennt wird. Die Festlandsgrenzen haben sich dann auch im Laufe der Zeit bald zum Vorteil, bald zum Nachteil Finnlands verschoben. Am kleinsten war das Reich in der Neuzeit nach dem Frieden von Åbo (Turku) 1743, wo der Flächeninhalt nur ungefähr 235,400 km² betrug. Seitdem ist das finnländische Gebiet immer mehr gewachsen, ausgenommen ein 14 km² grosses Areal an der Mündung des Rajajoki, welches 1864 Russland einvcrleibt wurde. So wurden 1773 bei der Grenzregelung zwischen den Bistümern Åbo und Hernösand die Kirchspiele Sedankyla, Kittilä, Utsjoki und Inari, im ganzen 40,979 km², mit Finnland vereinigt; dazu kamen im Frieden von Fredrikshamn (Hamina) 1809 (Grenzvertrag 1810) Ylitornio (Overtorneå), Turtola, Kolari, Alatornio (Nedertorneå), Karunki, die Stadt Torneå (Tornio), Muonioniska und Enontekiö, insgesamt 18,180 km². Im Jahre 1811 erhielt Finnland das in früheren Kriegen von Russland eroberte sog. »Alte Finnland», 31,423 km², wieder und endlich 1896—97 bei der Grenzregelung zwischen Finnland und Norwegen ein 1,198 km² grosses Gebiet nordöstlich vom Inarisee. Doch liess die zuletzt erwähnte Grenzvcrschiebung Finnland nicht an das Nördliche Eismeer heran, sondern trennt cs durch einen stellenweise bloss 12 km breiten, zu Norwegen gehörenden Landstreifen davon. Der nördlichste Punkt von Finnland, Rajala am Tenojoki, liegt auf 70° 60′ nördl. Br., der s ü dlichstc, die Südspitze der Landzunge Hangöudd (Hankoniemi) auf 59° 48′ 39″ nördl. Br., der östlichste, am See Unnusjärvi, auf 32° 47′ östl. L. und der westlichste, die Klippen Signilskär westlich von Åland, auf 19° 30’östl. L. v. Gr. Die nordsüdliche Länge Finnlands beträgt also etwa 1,160 km, die grösste Breite des Festlandes von Ost nach West beinahe 600 km, die kleinste (abgesehen von dar Nordspitzc Lapplands) 2oo km, in der Gegend von Uleåborg (Oulu).

Siehe auch:
Der Name Finnlands

Finnland im Anfang des 20. Jahrhunderts

FINNLAND, der deutsche Name für Suomi, ist germanischen Ursprungs. Die germanischen Völker haben von altersher die Lappländer und Finnländer Finn genannt, ein Wort, das man zuerst bei Tacitus und Ptolemäos (Phinnoi) findet. Der Name kommt bereits in den 1229 erlassenen päpstlichen Bullen vor, obwohl damit im Mittelalter gewöhnlich nur das sog. Eigentlichc Finnland (Südwestfinnland) gemeint war. Der finnische Name des Landes, Suomi, der heute sowohl das Land selbst als auch die finnische Sprache bezeichnet, hat offenbar ursprünglich weder das eine noch das andere bedeutet, sondern vielmehr eine einem baltisch-finnischen Stamm angehörige Person, wahrscheinlich auch diesen Volksstamm in seiner Gesamtheit. Mit der Zeit dehnte sich die Bedeutung des Wortes Suomi auch auf das Wohngebiet und die Mundart des genannten Volksstammes aus. Noch im 16. Jahrhundert verstand man unter jenem Namen ausdrücklich die Gegend, die wir jetzt das Eigentliche Finnland nennen und unter der Sprache Suomi die dort gesprochene Mundart.

Finnland im Anfang des 20. Jahrhunderts