AUS dem Kloster S. Marco sind der florentinischcn Kunst in einem Jahrhundert ihre beiden grössten und reinsten religiösen Maler erstanden, nach dem ,,seligen“ Meister von Fiesole der ernste Fra Bartolommeo. Das Leben im Kloster, uneigennütziges Schalten im Interesse des Ordens, die Stoffe sind beiden gemeinsam, und doch ist es viel mehr als das halbe Jahrhundert unerhört rascher Kunstfortschritte, was den jüngeren Künstler von seinem Vorgänger trennt.

Aus den lichten Bildern des Fra Angelico sprach in sanften Gestalten zum letztenmal die lautere Frömmigkeit des Mittelalters. An der Reinheit des Ausdrucks erfreuten sich seine Zeitgenossen und mögen diese Tiefe des Gefühls wie Poesie genossen haben, während sie sich schon dem neuen Zauber weltlicher Bilder hingaben, die aus dem wiedererwachenden Leben, der rings entdeckten Natur in Fülle von allen Seiten herzudrängten.

In der religiösen Kunst stellt sich jetzt die Aussenwelt zwischen den Künstler und seinen Stoff. Was an ihr zu ergründen ist, Form und Charakter, Perspektive in Luft und Linien, daran erneut sich wieder und wieder die Freude; in die heiligen Bilder jener Zeit, die Legenden Gozzolis und Ghirlandajos, dringt die ganze irdisch alltägliche Welt und fordert selbstbewusst ihren Platz. Und sie ist willkommen in diesen mediceischen Tagen von Florenz.

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Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst Fra Bartolommeo della Porta