Kategorie: Fra Bartolommeo di San Marco

Geboren 18. März 1472 (?) zu Florenz. Gestorben den 31. Oktober 1517.

ahe beim Gebiete von Prato, zehn Miglien von Florenz in einem Orte Namens Savignano, wurde Bartolommeo, nach toskanischem Sprachgebrauch Baccio genannt, geboren. Er zeigte in seiner Kindheit so viel Neigung als Geschick für die Zeichenkunst; deshalb verschaffte Benedetto da Majano ihm Gelegenheit, daß er zu Cosimo Rosselli in die Lehre und zu einigen Verwandten vor dem Tore von St. Pier Gattolini ins Haus kam, wo er viele Jahre wohnte, weshalb man ihn nicht anders als Baccio della Porta nannte. Nachdem er sich von Cosimo Rosselli getrennt hatte, fing er an, mit großem Eifer die Werke des Lionardo da Vinci zu studieren, und machte so rasche Fortschritte, daß er bald in Zeichnung und Malerei für einen der besten jungen Künstler galt. Baccio genoß wegen seiner Vorzüge in Florenz große Liebe; er war emsig bei der Arbeit, friedlich, gut und gottesfürchtig, hatte Gefallen an einem ruhigen Leben, vermied lasterhaften Umgang, hörte gern das Wort Gottes und suchte immer die Gesellschaft ernster und gelehrter Leute. In Wahrheit erschafft die Natur selten einen vorzüglichen Geist und geduldigen Künstler, ohne ihm nach einiger Zeit ruhiges Leben und Güter zu verleihen, wie sie es bei Baccio tat, der dadurch erlangte, was er wünschte, wovon später mehr gesagt werden wird. Es verbreitete sich der Ruf, er sei nicht minder gut als geschickt, und sein Name wurde so gerühmt, daß Gerozzo di Monna Venna Dini ihm Auftrag gab, eine Begräbniskapelle auf dem Gottesacker des Spitales von Santa Maria Nuova in Fresko zu malen. Dort begann er, das Weltgericht darzustellen, mit so vielem Fleiß und nach so schöner Manier, daß sein Name immer mehr Glanz erhielt; vornehmlich rühmte man die sinnreiche Anordnung der Herrlichkeit des Paradieses, woselbst Christus mit den zwölf Aposteln über die zwölf Stämme Gericht hält; lauter Gestalten in schönen Gewändern, aufs zarteste koloriert.

Im Kloster von San Marco befand sich zu jener Zeit der Bruder Girolamo Savonarola aus Ferrara vom Orden der Prädikanten, ein sehr gerühmter Theologe. Baccio wohnte aus andächtiger Verehrung seinen Predigten bei; er stand in häufigem Verkehr mit ihm, schloß auch mit den anderen Mönchen Freundschaft und hielt sich fast beständig im Kloster auf. Unterdessen fuhr Fra Girolamo fort, zu predigen, und ereiferte sich jeden Tag auf der Kanzel darüber, daß wollüstige Gemälde, Musik und Liebesbücher die Gemüter zum Unrecht verleiteten, weshalb es nicht gut sei, in Häusern, wo Mädchen sind, Bilder von nackten männlichen und weiblichen Gestalten aufzubewahren. Die Bewohner der Stadt gerieten durch seine Reden in Eifer, und da in der Stadt der alte Brauch herrschte, zum Karneval auf dem Markte ein paar Hütten von Reisig und Holz zu bauen, die man am Fastnachtsabend verbrannte, während Männer und Frauen, einander bei den Händen fassend, Liebestänze und Gesänge aufführten, so wußte Fra Girolamo es dahin zu bringen, daß jenes Tages eine große Anzahl Malereien und Bildwerke, welche nackte Gestalten enthielten und zum Teil von trefT liehen Meistern ausgeführt waren, samt einer Menge Bücher, Lauten und Lieder nach dem Markte gebracht und zu großem Schaden besonders für die Malerei verbrannt wurden. Hierzu trug Baccio alle Studien herbei, die in Zeichnung nackter Gestalten von ihm gemacht worden waren, und seinem Beispiele folgte Lorenzo di Credi und viele andere, welche den Namen Klagebrüder führten. Baccio aber, veranlaßt durch die große Liebe, welche er zu Fra Girolamo trug, verfertigte das sehr schöne Bildnis jenes Mönches; es kam damals nach Ferrara und ist seit kurzem erst wieder in Florenz, wo es Filippo di Alamanno Salviati in seinem Hause aufbewahrt und als ein Werk Baccios sehr wert hält. Nach einiger Zeit erhob sich die Gegenpartei des Fra Girolamo, in der Absicht, ihn gefangen zu nehmen und wegen des mannigfachen Aufruhrs, den er in jener Stadt erregt hatte, den Händen der Gerechtigkeit zu überliefern. Auf die Nachricht davon vereinigten sich die Freunde des Mönches, fünfhundert an der Zahl, und verschlossen sich im Kloster S. Marco, mit ihnen Baccio, wegen der absonderlichen Liebe, die er zu jener Partei trug.

Sein Mut jedoch war nicht groß; zu schüchtern für solche Lage, verlor er das Selbstvertrauen, als er bald nachher das Kloster belagert und mehrere der Eingeschlossenen getötet und verwundet sah; deshalb tat er das Gelübde, wenn er aus dieser Bedrängnis erlöst werde, wolle er sogleich in den Dominikanerorden eintreten; dies Gelübde erfüllte er nachmals genau, denn als der Aufstand vorüber, der Mönch gefangen und zum Tode verdammt war, wie die Geschichtschreiber ausführlicher erzählen, begab sich Baccio nach Prato und wurde Mönch in S. Domenico. Man ersieht dies aus den Chroniken jenes Klosters, woselbst er sich den 26. Juli 1500 einkleiden ließ, zu großem Mißvergnügen aller seiner Freunde, denen es sehr nahe ging, daß sie ihn verloren hatten, um so mehr, als sie hörten, er sei willens, sich nicht mehr mit der Malerei zu beschäftigen. Nachdem Fra Bartolommeo viele Monate in Prato gewesen war, schickten ihn seine Oberen als Mönch ins Kloster St. Marco nach Florenz, woselbst er um seiner Vorzüge willen von den Mönchen sehr freundlich aufgenommen wurde. Bemardo del Bianco hatte zu jener Zeit, nach Angabe des Benedetto di Rovezzano, in der Abtei von Florenz eine Kapelle von Macignostein mit sehr reichen und schönen Skulpturverzierungen erbauen lassen, sodaß sie noch heute als ein schmuckvolles und mannigfaltiges Werk sehr geschätzt wird. Verschiedene runde Figuren und Engel in Nischen und mehrere Friese mit Cherubim und Wappenschildern der Familie Bianco wurden daselbst zu größerer Zierde von Benedetto Buglioni in gebrannter überglaster Erde gearbeitet, und da Bernardo ein der Umgebung würdiges Gemälde in jene Kapelle zu stiften gedachte, bot er alle erdenkliche Freundlichkeit auf, den Fra Bartolommeo für seinen Zweck zu gewinnen, in der Überzeugung, er werde leisten, was sich hier zieme. Fra Bartolommeo lebte im Kloster, einzig mit gottesdienstlichen Übungen und Erfüllung der Gebote seines Ordens beschäftigt, obwohl der Prior und seine vertrautesten Freunde ihn dringend baten, er solle irgendein Malerwerk ausführen. Schon war ein Zeitraum von vier Jahren verflossen, ohne daß er etwas hätte arbeiten wollen, als er endlich bei der eben genannten Veranlassung, vonBernardo del Bianco gedrängt, das Bild des heil. Bernard zu malen begann. Der Heilige schreibt, und ihm erscheint die Madonna mit dem Sohn auf dem Arme von vielen schön kolorierten Engeln und Kindern getragen; er ist in Anschauung verloren, und man gewahrt in ihm etwas Überirdisches, welches sich für den aufmerksamen Beschauer über das ganze Werk verbreitet. Mit gleicher Liebe und gleichem Fleiß malte er in Fresko einen Bogen oberhalb dieses Bildes. Andere Gemälde verfertigte er bald nachher für den Kardinal Giovanni di Medici, und für Angnolo Doni ein Madonnenbild von seltener Schönheit, welches auf dem Altar in einer Kapelle seines Hauses steht.

Zu jener Zeit kam Raffael von Urbino nach Florenz, die Kunst zu erlernen; er lehrte den Fra Bartolommeo die Regeln richtiger Perspektive und war beständig bei ihm, weil er Verlangen trug, in der Manier des Mönches zu malen, dessen Behandlung und schöne Verschmelzung der Farben ihm wohl gefiel.

Fra Bartolommeo hörte später oftmals die trefflichen Werke rühmen, welche Michelagnolo und der anmutige Raffael zu Rom hervorbrachten, und endlich bewog ihn der Ruf von den Wundem jener beiden göttlichen Meister, mit Bewilligung des Priors nach Rom zu gehen. Dort wurde er von dem Frate del Piombo, Mariano Petti, aufgenommen und malte für ihn im Kloster San Silvestro auf Monte Cavallo, dem er an? gehörte, zwei Bilder mit den Heiligen Petrus und Paulus. Was er unternahm, wollte ihm jedoch in jener Luft nicht so wohl gelingen als in Florenz; die übergroße Menge der verschiedenen alten und neuen Werke jener Stadt erschreckte ihn, und die Kunst und Trefflichkeit, welche er zu besitzen glaubte, schien ihm sehr gering; deshalb beschloß er von dannen zu gehen und überließ dem Raffael von Urbino, das Bild des heil. Petrus zu vollenden, welches jener bewunderungswürdige Künst? ler ganz überarbeitet an Fra Mariano übergab.

So kehrte Fra Bartolommeo nach Florenz zurück, und weil man ihm dort öfters den Vorwurf gemacht hatte, er könne nackte Gestalten nicht malen, wollte er zeigen, daß er gleich anderen Meistern jede treffliche Arbeit in seiner Kunst auszuführen vermöge. In dieser Absicht stellte er in einem Bilde den heil. Sebastian unbekleidet dar, mit einer Farbe, die dem lebendigen Fleische sehr ähnlich sah, mit angenehmen, der Schönheit des Körpers entsprechenden Gesichtszügen, wodurch er sich bei den Künstlern das größte Lob erwarb. Als aber dies Werk in der Kirche aufgestellt war, fanden die Mönche in den Beichten, daß die Frauen beim Anblick desselben durch die reizende und sinnliche Darstellung des Lebens, welche Fra Bartolommeos Talent hier erreicht hatte, zu sündhaften Cedanken erregt worden waren; deshalb ward es von den Mönchen aus der Kirche weggenommen und nach dem Kapitel gebracht. Dort kaufte es bald nachher Giovan Batista della Palla und schickte es dem Könige von Frankreich.

Fra Bartolommeo hatte sich mit den Tischlern erzürnt, welche die Verzierungen um seine Tafeln und Leinwandbilder arbeiteten, weil sie damals wie noch heute mit den Vorsprüngen der Rahmen ein Achtel der Figuren zu überdecken pflegten; er beschloß eine Erfindung zu machen, wodurch sie jener Zieraten entbehren könnten, und ließ zu dem Bilde des heil. Sebastian eine Tafel im Halbkreis arbeiten, zog darauf in Perspektiv eine Nische, sodaß sie auf der Tafel in Relief vertieft scheint, und malte so einen Rahmen umher, welcher der Gestalt in der Mitte zur Verzierung dient. Das selbe tat er bei dem heil. Vincentius und bei dem heil. Marcus.

Man hatte Fra Bartolommeo vorgeworfen, er habe eine kleine Manier, daher kam ihm der Einfall, zu zeigen, daß er auch große Figuren arbeiten könne; er malte für die Wand, wo die Türe des Chores ist, die Gestalt des Evangelisten Marcus fünf Ellen hoch, auf einer Tafel, mit guter Zeichnung und großer Meisterschaft. — Sah vatore Billi, ein florentinischer Kaufmann, der von Neapel zurückkam, hörte von der Trefflichkeit Bartolommeos, und da er seine Werke sah, ließ er ihn als Anspielung auf seinen Namen eine Tafel malen, auf welcher Christus der Erlöser von den vier Evangelisten umgeben war und zu seinen Füßen zwei Kinder mit der Weltkugel, ihre Körper zart und frisch ausgeführt, gleich dem ganzen Werke; daneben befanden sich auch noch zwei sehr zu rühmende Propheten. Diese Tafel, von dem Mönche mit großer Liebe vollendet, wurde auf Begehren Salvatores in der Nunziata zu Florenz unter der großen Orgel aufgestellt und rings mit einer Marmorverzierung von Pietro Rosselli umgeben.

Im Hause des Pier del Pugliese, jetzt demMatteo Botti, einem florentinischen Bürger und Handelsmann, zugehörend, stellte Fra Bartolommeo oben an der Treppe in einem Vorsaale den heil. Georg dar, welcher, in Waffenschmuck zu Pferd, mit dem Lindwurm kämpft. Er malte ihn grau in grau in Öl, denn ehe er seine Arbeiten kolorierte, pflegte er sie in dieser Weise gleichsam im Karton zu entwerfen oder sie mit Tinte oder Asphalt zu schattieren; dies sieht man noch jetzt an vielen Arbeiten, die er bei seinem Tode unvollendet hinterließ; außerdem gibt es eine Menge Zeichnungen der Art in Hell und Dunkel von ihm ausgeführt, jetzt großenteils im Kloster der heil. Katharina von Siena auf dem Platz von S. Marco, als Besitztum einer Nonne, die sich mit der Malerei beschäftigte. Viele solcher Blätter zieren zu seinem Andenken unser Zeichenbuch, und andere besitzt Messer Francesco del Garbo, ein trefflicher Arzt.

Fra Bartolommeo pflegte alle Gegenstände nach der Natur zu zeichnen; selbst Gewänder und Waffen wollte er nicht ohne Vorbild malen, deshalb ließ er sich eine Holzfigur in Lebensgröße arbeiten, mit biegsamen Gliedern, umgab sie mit Kleidern und vollführte hier# nach treffliche Arbeiten, da er bis zum Schluß ruhig festhalten konnte, was er darzustellen gedachte. Dies Modell wird so beschädigt, als man es fand, zum Ge# dächtnis Bartolommeos von mir aufbewahrt.

Piero Soderini gab ihm Auftrag, eine Tafel für den Ratssaal zu malen, und er legte sie in Helldunkel so schön an, daß er sich große Ehre erworben haben würde, wenn er sie zur Vollendung gebracht hätte. Unvoll# endet, wie er sie ließ, wird sie nunmehr in S. Lorenzo in der Kapelle des glorreichen Ottaviano von Medici aufbewahrt, und man findet darauf alle Beschützer der Stadt Florenz und alle Heiligen, an deren Tagen von der Republik Siege erkämpft worden sind. Unter vielen verschiedenen Gestalten auch Fra Bartolommeo selbst, der sich nach dem Spiegelbild zeichnete. Er hatte dies Werk angefangen und ganz entworfen, als durch beständiges Arbeiten unter einem Fenster, durch welches das Licht ihm im Rücken hereinfiel, eine Seite seines Körpers ganz steif wurde und er sich nicht regen konnte. Die Ärzte gaben ihm den Rat, nach dem Bade S. Filippo zu gehen; er blieb lange dort, wurde aber nur um weniges besser. Fra Bartolommeo war ein großer Freund von Früchten, sie schmeckten seinem Gaumen so wohl, daß er seiner Gesundheit sehr dadurch schadete. Eines Morgens unter anderen aß er viele Feigen, zog sich dadurch außer dem Übel, welches er schon hatte, ein heftiges Fieber zu und starb nach vier Tagen bei vollem Bewußtsein im achtundvierzigsten Jahre seines Lebens. Seinen Freunden, besonders den Klosterbrüdern, geschah sein Tod sehr weh, und sie gaben ihm am 8. Oktober des Jahres 1517 in S. Marco ein ehrenvolles Begräbnis. Die Mönche hatten ihn von allen Chordiensten entbunden, dagegen fiel der Gewinn seiner Arbeiten dem Kloster zu, und er behielt nur so wenig Geld in Händen, um Farben und anderes Nötige zum Malen zu kaufen. Fra Bartolommeo gab seinen Gemälden ein so herrliches Kolorit und verlieh ihnen so viel neue Schönheit, daß er zu den Meistern gezählt werden muß, die der Kunst zum Segen gereichten.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto
Buonamico Buffalmacco
Jacopo della Quercia
Luca della Robbia
Lorenzo Ghiberti
Masaccio
Filippo Brunelleschi
Donatello
Frate Giovanni da Fiesoie (Fra Angelico)
Antonello da Messina
Fra Filippo Lippi
Jacopo, Giovanni und Gentile Bellini
Domenico Ghirlandajo
Sandro Botticelli
Andrea del Verrocchio
Andrea Mantegna
Leonardo da Vinci
Giorgione da Castel Franco
Antonio da Correggio

Fra Bartolommeo di San Marco