Fra Filippo Lippi Kunstdrucke

Geboren um 1406 zu Florenz Gestorben 1469 zu Spoleto.

ra Filippo di Tomma so Lippi, der Karmelitermönch, zu Florenz geboren in einer Gegend, die man Ardiglione nennt und die unterhalb der Ecke alla Cuculia, hinter dem Kloster der Karmelitermönche gelegen ist, blieb nach dem Tode seines Vaters Tommaso im Alter von zwei Jahren als eine arme schützlose Waise in der Welt zurück, denn auch seine Mutter war bald nach seiner Geburt gestorben. Mona Lappaccia, die Schwester seines Vaters, nahm ihn in Obhut und zog ihn bis in sein achtes Jahr mühevoll auf, von da an aber vermochte sie ihn nicht mehr zu erhalten, und gab ihn, damit er Mönch werde, in das oben genannte Kloster del Carmine. Dort zeigte er zu allen mechanischen Beschäftigungen viel Geschick und Erfindungsgeist, in Erlernung der Wissenschaften dagegen Unbeholfenheit und Ungeschick. Er wollte seinen Geist nie dabei anstrengen und sich nie mit ihnen befreunden. Der Knabe ward mit seinem weltlichen Namen Filippo genannt und stand im Noviziat gleich allen übrigen unter Aufsicht des lateinischen Lehrers, damit man sehe, was er zu leisten vermöge. Anstatt jedoch zu studieren, ließ er nicht ab, auf seine und der anderen Bücher Fratzen und Figuren zu zeichnen, und der Prior beschloß endlich, ihm auf alle Weise behilflich zu sein, daß er das Malen erlerne. Zu jener Zeit hatte Masaccio die Kapelle des Klosters del Carmine neu gemalt, und diese gefiel, weil sie schön war, dem Filippo sehr wohl. Jeden Tag ging er zu seinem Vergnügen dahin, sich in Gesellschaft der übrigen Knaben im Zeichnen zu üben, und übertraf alle weit an Geschick und Kenntnis, so daß man sicher glaubte, er werde mit der Zeit Seltenes leisten. Nicht erst in reifen, sondern in frühen Jahren schon vollführte er so herrliche Werke, daß es als ein Wunder erschien. Sehr jung noch malte er im Klostergang, nahe bei dem Gemälde der Kircheneinweihung von Masaccio, mit grüner Erde einen Papst, der die Ordensregel der Karmeliter bestätigt; und auf vielen Wänden der Kirche sind andere Freskobilder von ihm ausgeführt, vornehmlich ein Johannes der Täufer, samt einigen Begebenheiten aus dessen Leben. Indem er es so jeden Tag besser machte, eignete er sich die Weise des Masaccio dergestalt an, daß seine Arbeiten denen jenes trefflichen Künstlers immer ähnlicher wurden, und viele sagten, der Geist Masaccios habe in Fra Filippo seinen Wohnsitz genommen. In der selben Kirche, an einem Pfeiler neben der Orgel, malte Fra Filippo den heiligen Martialis, eine Figur, welche ihm unendliches Lob erwarb, weil sie den Vergleich mit den Arbeiten Masaccios bestand, und da er sich deshalb von jedermann laut gepriesen hörte, faßte er mit siebzehn Jahren mutig den Entschluß und trat aus dem geistlichen Orden. Er begab sich nach der Mark von Ancona, und als er dort eines Tages mit mehreren seiner Freunde eine Lustfahrt auf dem Meere machte, wurden sie sämtlich von einem umherkreuzenden maurischen Kaperschiff aufgefangen und nach der Berberei gebracht. Man beschwerte sie mit Ketten und hielt sie als Sklaven. Achtzehn Monate hatte Filippo, sehr zu seinem Verdruß, bereits dort verweilen müssen, als ihm einstmals der Gedanke kam, seinen Herrn, den er oft gesehen hatte, zu zeichnen; er nahm eine ausgebrannte Kohle vom Feuer und stellte ihn auf einer weißen Wand in seiner maurischen Kleidung ganz getreu dar. Die übrigen Sklaven berichteten es dem Herrn, weil in jenen Gegenden, wo weder Zeichenkunst noch Malerei gewöhnlich war, die Sache als ein Wunder schien, und dies wurde die Veranlassung, daß man ihn von den Ketten befreite, die er so lange getragen hatte. Fürwahr gereicht es dieser herrlichen Kunst sehr zum Ruhm, daß sie da, wo Macht war, zu strafen und zu verdammen, das Gegenteil wirkte, und anstatt zu Verfolgung und Tod, zu Liebkosungen und zu dem Geschenk der Freiheit führte. Denn nachdem Filippo seinem Herrn einige Bilder mit Farben gemalt hatte, ward er sicher nach Neapel zurückgeleitet. In jener Stadt verfertigte er im Auftrag des Königs Alphons, damaligen Herzogs von Kalabrien, ein Temperagemälde auf Holz für die Kapelle des Schlosses, wo heutigentags die Wache ist. Bald nachher jedoch kam ihm das Verlangen, nach Florenz zurückzugehen; er blieb einige Monate daselbst und malte für die Nonnen von S. Ambrogio eine schöne Altartafel, wodurch er dem Cosimo von Medici bekannt wurde, der ihn sehr lieb gewann.

Für die Kapelle der Kirchenverwalter von S. Lorenzo malte er auf Holz eine Verkündigung, und für die Kapelle della Stufa eine andere in der selben Weise, welche jedoch nicht beendet ist. In einer der Kapellen von St. Apostolo der selben Stadt ist von ihm eine Tafel, welche die Madonna von mehreren Figuren umgeben darstellt, und zu Arezzo, in der Kapelle S. Bemardo bei den Mönchen von Monte Oliveto, verfertigte er im Auftrag des Herrn Carlo Marsuppini die Altartafel mit der Krönung Mariä und vielen Heiligen umher, welche sich so frisch erhalten hat, als habe Fra Filippi sie jetzt erst beendet. Hierbei ward er von Herrn Carlo erinnert, auf die Hände zu achten, die er male, denn an seinen Arbeiten werde vieles sehr getadelt; Fra Filippo, der solchen Tadel meiden wollte, suchte von jener Zeit an seine Gestalten meist durch Gewänder oder sonst schicklich zu verhüllen. In jenem Bilde aber stellte er Herrn Carlo nach dem Leben dar. Für die Nonnen von Annalena zu Florenz malte er auf eine Tafel die Geburt Christi; einige seiner Arbeiten sind in Padua, und nach Rom sandte er dem Kardinal Barbo zwei Bilder mit kleinen Figuren, vortrefflich und sehr fleißig vollendet. Denn alle seine Arbeiten waren mit seltener Anmut und der zartesten Verschmelzung der Farben ausgeführt; deshalb stand er bei Künstlern immer in Wert, auch die neueren Meister feiern ihn durch größtes Lob, und so lange seine herrlichen Bestrebungen vor der Zerstörung der Zeit geschützt bleiben, wird jedes Jahrhundert ihn verehren.

In Prato, nahe bei Florenz, woselbst Filippo einige Verwandte hatte, verweilte er mehrere Monate in Gesellschaft des Karmeliters Fra Diamante, welcher sein Gefährte im Noviziat gewesen war, und vollendete in der ganzen Umgegend eine Menge Arbeiten. Dort erhielt er von den Nonnen von Santa Margherita Auftrag, die Tafel für den Hauptaltar zu malen, und während er hiermit beschäftigt war, erblickte er eines Tages die Tochter des Florentiners Francesco Buti, welche in jenem Kloster entweder unter Aufsicht stand oder Nonne werden sollte. Fra Filippo betrachtete Lucrezia — dies war der Name des Mädchens — und da sie schön und anmutig war, wußte er die Nonnen dahin zu bewegen, daß er sie zeichnen und dieses Porträt für die Mutter Gottes in dem Altarbilde verwenden durfte. Bei dieser Veranlassung verliebte er sich noch mehr, und fand endlich Mittel und Wege, Mona Lucrezia jenen Nonnen gerade an dem Tag zu entführen, wo sie ausging, den Gürtel der Jungfrau zu sehen, eine heilige Reliquie, die man zu Prato auf bewahrt. Die Nonnen waren durch dies Ereignis sehr beschämt, und der Vater Lucrezias wurde niemals wieder froh; er wandte alle Mittel an, sie wieder zu bekommen, doch wollte sie nicht zurückkehren, entweder aus Furcht oder aus einem anderen Grunde. Sie blieb bei Filippo, dem sie einen Sohn gebar, welcher nach dem Vater Filippo genannt und später gleich ihm ein berühmter Maler wurde.

Fra Filippo war ein Freund fröhlicher Menschen und lebte immerdar vergnügt. Er ließ Fra Diamante die Kunst der Malerei lernen und dieser vollendete viele Bilder in der Karmeliterkirche zu Prato, gelangte in Nachahmung der Manier seines Meisters zu großer Vollkommenheit, und erwarb sich dadurch viele Ehre.

Fra Filippo starb 1468 in seinem siebenundfünfzigsten Lebensjahre, und übertrug in seinem Testament dem Fra Diamante die Sorge für Filippo, seinen Sohn. Dieses Kind, erst zehn Jahre alt, lernte von Fra Diamante die Kunst und kehrte mit ihm nach Florenz zurück.

Aus dem Buch: Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance (1910), Author:Jaffé, Ernst.

Siehe auch:
Giovanni Cimabue
Niccolo und Giovanni aus Pisa
Giotto
Buonamico Buffalmacco
Jacopo della Quercia
Luca della Robbia
Lorenzo Ghiberti
Masaccio
Filippo Brunelleschi
Donatello
Frate Giovanni da Fiesoie (Fra Angelico)
Antonello da Messina

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