Die Anbetung der Könige


Hundert Jahre vor den Caracci gab es schon in Bologna eine eigene» tüchtige Malerschule, deren Haupt der zarte Francia war. Sein Darstellungskreis ist nicht weit: Madonnen und ruhig gehaltene Konversazionen,der anmutig weiche Ausdruck seiner Köpfe etwas einförmig, aber er zeichnet sicher und hat sehr gute Farben. Stilistisch steht er auf der Stufe des jungen Raffael. Den Übergang in die Hochrenaissance, die er noch erlebte, hat er nicht mitgemacht. In seinen größeren Altartafeln, die fast alle in Italien geblieben sind, erhebt er sich zu einer gewissen Monumentalität. Seine vielerwärts vorkommenden einzelnen Madonnen sind immer angenehm und oft von besonderem Liebreiz. Unser seit 1754 in der Dresdener Galerie nachweisbares Bild hat die Eigentümlichkeit, daß es eine figurenreiche Szene, die sonst in großem Maßstabe dargestellt zu werden pflegt, in ganz kleinem Format miniaturartig zierlich ausgeführt wiedergibt. Die in die Breite gezogene Gruppierung ist an sich ebensowenig bedeutend, wie es die einzelnen Figuren sind, aber alles ist gefällig, und das Ganze mit seinen leuchtenden Farben ist einheitlich abgestimmt aut einen Eindruck von Feierlichkeit und Pracht.

Aus dem Buch “Album der Dresdner Galerie” von 1904.

Dresdner Galerie FRANCESCO FRANCIA 1450-1517