Bonaventuras Gebet während einer Papstwahl


Francisco de Zurbaran, dem Velazquez gleichalterig, wird allgemein als drittgrößter spanischer Maler gerechnet. Seine nach Mönchstypen Sevillas gestellten Figuren sind kräftig, ganz modellmäßig, ohne Erhöhung und äußerlich meistens ruhig aufgefaßt. Sie haben nicht das sprechende Leben des Velazquez und auch nicht Murillos freundliche Wärme. Sie sind gewöhnlich furchtbar ernst. Und so auch die Farben. Sie leuchten und kleiden prächtig, aber sie erwärmen nicht, und ihr Glänzen wirkt auch keinerlei poetische Verklärung. Man kann Zurbar ans Größe anerkennen und ihn trotzdem kalt und unsympathisch finden. Es ist auch kein Zufall, daß ihm die Darstellung des Weiblichen nicht gelingen wollte. Die meisten Bilder von ihm sind in Sevilla und Madrid, aber außerhalb Spaniens befindet sich wenigstens ein Hauptwerk aus seiner früheren und besten Zeit (1629), das Leben des heiligen Bonaventura aus der Franziskanerkirche zu Sevilla, in vier Darstellungen, deren eine mit noch vierzehn andern spanischen Bildern der Sammlung des Königs Louis Philippe nach Dresden gekommen ist. Daran ist vieles zu bewundern: Energie in Zeichnung und Farbe, überraschende Anblicke, die kein Italiener uns bieten wird, wie die roten Kardinale in dem hell beleuchteten Hofe hinter den stark beschatteten drei Männern an der Treppe. Aber nach solchen Effekten bleibt der Gesamteindruck einer kühlen Zeremonie Zurück. Der geschilderte Vorgang ereignete sich bei der Wahl Gregors X. 1271. Das Kardinalskollegium konnte sich nicht einigen und übertrug die Entscheidung dem Franziskanergeneral, der nun betend von dem Engel die Eingebung empfängt.

Aus dem Buch “Album der Dresdner Galerie” von 1904.

Dresdner Galerie FRANCISCO DE ZURBARAN 1598-1662