Geboren Paris 1703, Gestorben Ebenda 1770.

Französische Schule

Die Malerei des achtzehnten Jahrhunderts in Frankreich trägt trotz ihres dekorativen Stils den Charakter der Kleinmalerei; freilich in ganz anderem Sinne als hundert Jahre früher die holländische Kunst. Die Stelle der grossen Malerei vertraten die Gobelins, deren Bedeutung für die dekorative Ausstattung fürstlicher Prunkräume sie noch heute zu den meistgcschätzten Kunstwerken macht. In der Tat passen sie sich dem heiter-prächtigen Stil des Rokoko aufs wunderbarste an. An der Spitze der staatlichen Fabrik der Gobelins stand durch lange Zeit François Boucher, der gefeiertste Meister des „grossen Stils“ unter König Ludwig XV. Von ihm stammen die Entwürfe zu verschiedenen Serien grosser Gobelins. Den Charakter dieser Webearbeiten haben aber auch seine Gemälde: den grossen dekorativen Stil, die reiche, geschickte und klare Komposition, die helle Färbung, das heitere Spiel der Linien und des Lichtes, die zum Ausdruck der leichten, kokett aufgefassten mythologischen und allegorischen Darstellungen vortrefflich passen. Mehr als Dekorationen im besten Sinne sind jedoch diese Bilder nicht, denn es fehlen ihnen jedes ernstere Naturstudium, Kraft und Saft der Farbe und Feinheit des Helldunkels. Die graziöse, oberflächliche Art der Auffassung seiner Motive und seiner Formengcbung zeigt auch das berühmte Bild des Louvre, das unsere Heliogravüre wiedergibt.

François Boucher