ALS im Frühjahr 1900 der grösste Teil der Louvre-Sammlungen neu geordnet wurde, richtete man in der Abteilung der neueren Skulpturen hinter der Salle de Rude einen neuen Saal ein und benannte ihn nach dem Bildhauer Carpeaux. Nur ein leerer Saal steht nun in diesem Flügel des Erdgeschosses für künftige Erweiterungen zur Verfügung; er wird vermutlich dereinst den Namen Rodins erhalten. Rude, Carpeaux und Rodin sind die Begründer und Vollender nicht nur der modernen französischen, sondern überhaupt der modernen Skulptur.

Wie in den Adern jedes Franzosen romanisches Blut mit keltischem gemischt ist, so könnte man die französische Kunstgeschichte, insbesondere seit der Renaissance und noch mehr seit den Tagen Ludwig XIV., als eine ewige Wechselwirkung zwischen römischer Tradition und nordischer Freihcits-liebe, zwischen klassischem Schönheitsdurst und keltisch-germanischem Individualisierungsbedürfnis auffassen. Um 1800 schien der Sieg endgültig den Klassizisten zugefallen zu sein. Aber schon kurz darauf sprengte Gericault die engen Fesseln, die die Akademie dem künstlerischen Schaffen angelegt hatte, und leitete die romantische Bewegung in der Malerei ein, die in den Meisterwerken von Delacroix ihren Gipfelpunkt erreichte. In der Bildhauerei ging die Entwickelung etwas langsamer vor sich, führte aber auch zum Triumph der neuen Richtung.

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Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst François Rude Jean-Baptiste Carpeaux