Geboren zu Antwerpen 1580, Gestorben zu Haarlem 1666.
Holländische Schule

Den Ausdruck heiterer Stimmung vom schüchternen Lächeln eines bescheidenen jungen Mädchens bis zum wüsten Gelächter eines alten Bänkelsängers hat kein Künstler so wahr, so meisterlich wiederzugeben verstanden wie Frans Hals. Wenn man die spärlichen Nachrichten über sein Leben liest, das voll von Wechselfällen und voller Schatten war, so versteht man kaum, woher er diese stets gleichmässige Heiterkeit nahm, die er auf seine Modelle übertrug. Dass leichter Sinn und grosse Leichtlebigkeit ihn über schwere Tage rasch hinwegkommen Hessen, dafür spricht mehr als eine Urkunde; aber dass der Künstler dabei doch ein gutes Herz hatte, dafür legen die Gestalten auf zahlreichen seiner Bilder durch ihr herziges Lachen lautes Zeugnis ab. Denn ebenso wahr und komisch wie er das heisere Gekrächz einer alten Matrosendirne oder den rauhen Gesang eines Rommelpotspielers wiedergibt, ebenso entzückt uns bei seinen zahlreichen Bildnissen und Studienköpfen das metallene Lachen der Kinder, das schalkhafte Lächeln unschuldiger junger Mädchen, das treuherzige Schmunzeln der Mutter. Der Künstler, der auf den Strassen die Gassenbuben belauschte, die sich um Narren oder Musikanten scharten, und in den Kneipen an den wüsten Spässen ausgelassener Burschen und Dirnen seine Freude hatte, folgte mit der gleichen Lust dem harmlosen Spiel der Kinder. In seinen Kinderbildem, den zahlreichen Genrebildern mit singenden, spielenden und lachenden Kindern, wie den selteneren Kinderporträts schildert er die lieben Kleinen mit unübertroffener Wahrheit und Liebe. Eine köstliche Mischung schüchterner Blödigkeit und herzgewinnender Freundlichkeit zeigt das Bild einer Kleinen aus dem Hause van Beresteyn, das jetzt, fast verschollen, in einem Rothschildschen Hause zu Frankfurt hängt. Voll ausgelassener Lust ist das Kinderbild, auf dem wir einen schönen Jungen in reichster Tracht seine beiden Schwesterchen im Ziegenbockwagen spazieren fahren sehen — in Brüsseler Privatbesitz, wo sich kaum ein Dutzend kunstfroher Augen je daran erfreut haben. Eine dritte vornehme Kleine, so reizvoll wie jene beiden und durch den Gegensatz zu der treuherzigen Dienerin, die sie trägt, doppelt wirkungsvoll, ist unsere „Amme mit dem Kinde“ in der Berliner Galerie, ebenso ausgezeichnet durch den köstlichen Ausdruck, wie durch die meisterhafte Zeichnung und die Feinheit des Tons.

Siehe auch:
Frans Hals – der junge Guitarrenspieler
Frans Hals – die Offiziere der Adriaens Doelen zu Harlem
Frans Hals – der Junker Willem van Heythuysen

Frans Hals 1580-1666

Geboren zu Antwerpen 1580, Gestorben zu Haarlem 1666.
Holländische Schule

Frans Hals war reiner Porträtmaler, aber seine Porträts haben einen stark genreartigen Zug; deshalb hat er auch treffliche porträtartige Genrebilder gemalt und ist der Meister gewesen, der die grossen Genremaler Hollands: einen Brouwer, Ostade, Steen, erzogen hat. Diese Studienhaften Genrebilder, regelmässig einzelne lebensgrosse Halbfiguren, haben sich bis vor kurzem in noch viel geringerem Masse als seine Porträts der Gnade der Sammler erfreut. Als Porträtmaler war Frans Hals zu Ehren angenommen worden, nachdem in der Versteigerung Delesser zu Paris 1869 ein Rothschild und der Marquis of Hertford auf den „Jungen Offizier“ illimitierte Aufträge gegeben hatten. Der grosse englische Sammler bekam das Bild um 50000 Francs, welchen Preis der Roth-schildsche Vertreter bereits für über einen Auftrag „á tout prix“ hinausgehend betrachtete. Seither sind die Bildnisse des Frans Hals von Jahr zu Jahr im Werte gestiegen, während seine Genrebilder noch durch mehr als zwanzig Jahre völlig vernachlässigt blieben und um wenige tausend Francs zu haben waren. Erst Anfang der neunziger Jahre hatte ein englischer Händler die Eingebung, für einen solchen Bänkelsänger 150000 Francs zu fordern, und er hatte das Glück, auch einen Käufer für einen ähnlichen Preis zu finden. Seitdem sind die Genrebilder des Künstlers fast ebenso geschätzt wie seine Porträts. Gewiss mit vollem Recht, da in ihnen die treffende Charakteristik des Künstlers, sein Humor, seine malerische Auffassung in völlig freier, unverfälschter Weise zum Ausdruck kommen. Unter diesen Genrebildern wird in England der „Guitarrenspieler“ im Besitz von Earl Howe auf Gopsall besonders bewundert. Wie der hübsche junge Bursche seinen Gesang auf der Guitarre begleitet, ist in der Tat so wahr beobachtet, die Anordnung ist so geschmackvoll, die Zeichnung so meisterhaft man sehe nur die Hände, die den ganzen Akkord der Guitarre verraten der Ton der harmonischen hellen Färbung so fein und licht, dass das Bild seinen Ruf im vollen Masse verdient. Nur dass es ein eigentliches Genrebild ist, möchten wir bezweifeln: der junge Mann ist viel zu fein im Schnitt des Kopfes, zu vornehm in seinen Bewegungen, zu ernst im Ausdruck und zu reich gekleidet für einen Bänkelsänger; es ist zweifellos ein reicher Patrizier von Haarlem, den der Künstler hier in seiner Lieblingsbeschäftigung abgebildet hat, wie er ähnlich genrehafte Bildnisse vom Jonkheer Willem van Heythuizen und andern seiner vornehmen Landsleute gemalt hat.

Siehe auch:
Frans Hals – die Amme mit dem Kinde
Frans Hals – die Offiziere der Adriaens Doelen zu Harlem
Frans Hals – der Junker Willem van Heythuysen

Frans Hals 1580-1666

Geboren zu Mecheln 1580, Gestorben zu Haarlem 1666.
Holländische Schule

Die Stadt Harlem, sonst so arm an Werken der heimischen Kunst, hat von ihrem grössten Sohne, von Frans Hals, noch die hervorragendsten und bedeutendsten Gemälde gerettet: acht grosse Schützen- und Vorsteherbilder, die jetzt den Hauptschmuck des Städtischen Museums ausmachen. Diese acht Bilder verteilen sich über die ganze Zeit seiner Tätigkeit, nahezu über fünfzig Jahre, und sind die Marksteine für seine künstlerische Entwickelung. Aus der frühesten Zeit ist das Festmahl der Offiziere des Georgsschützenkorps vom Jahre 1616, noch einfach und fast sorgfältig in der Durchführung, rötlich im Fleischton und kühl in den Schatten. Dann folgen, aus dem Jahre 1627, zwei ähnliche Werke, die wie Gegenstücke erscheinen und von ganz gleichem Charakter sind: das Festmahl der Offiziere der Georgsschützen und das der Adriaensschützen. Von letzterem liegt die Nachbildung vor uns, ein Bild, so bezeichnend und vorteilhaft, um die Kunst des Meisters kennen zu lernen, wie wenig andere seiner Werke. Die stattlichen, stolzen Söhne der tapferen Verteidiger von Harlem gegen die Spanier haben sich in der reichen, bunten Tracht ihrer Gilde auf dem Schützenhaus zum Festmahle versammelt. Dieses Zweckessen ist den tapferen Schützen nicht die unangenehmste ihrer Pflichten: das sieht man ihnen an! Vor der reichbesetzten Tafel sitzen und stehen sie in bester Weinlaune, das Glas oder die Kanne in der Hand oder zum Munde führend oder ein Huhn tranchierend, in eifriger Unterhaltung, oder keck aus dem Bilde herausschauend. Joviale Heiterkeit, frisches, naives Selbstbewusstsein drücken sich in allen diesen, unübertrefflich lebenswahren Köpfen aus, und dem entsprechen die heitere Farbigkeit des Bildes, die breite, kecke Behandlung, der helle, silberfarbige Ton.

Siehe auch:
Frans Hals – die Amme mit dem Kinde
Frans Hals – der junge Guitarrenspieler
Frans Hals – der Junker Willem van Heythuysen

Frans Hals 1580-1666

Geboren zu Antwerpen 1580, Gestorben zu Haarlem 1666.
Holländische Schule

In treffender Charakteristik, in voller Lebenswahrheit steht Frans Hals den grössten Porträtmalern aller Zeiten gleich, in frischer, jovialer Schilderung der Persönlichkeit ist er unübertroffen. In dem Bildnisse dieses Haarlemer Patriziers aus vornehmem Geschlecht ist der gesunde, derbe Zug des holländischen Bürgertums kaum weniger stark ausgeprägt, als in den Bildnissen der zahlreichen übrigen holländischen Porträtmaler, die gleichzeitig ihre Landsleute in Einzelbildnissen und Gruppenbildern in fast unübersehbarer Zahl verewigt haben; aber keiner hat seinen Modellen den köstlichen Zug von Humor, die eigentümliche Mischung von feiner Ironie und ungesuchtem Selbstbewusstsein aufzuprägen gewusst, welche Hals’ Bildnissen fast ausnahmslos eigen sind, ein Ausfluss seines eigenen Charakters sowohl wie seiner vornehmen Herkunft. Gelegentlich steigert sich dieser Ausdruck zu einer fast spanischen Grandezza, zu einer monumentalen Vornehmheit in Haltung und Ausdruck, neben der selbst die meisten Bildnisse eines van Dyck gesucht und schwächlich erscheinen. Das bekannte Meisterwerk dieser Art besitzt Fürst Johannes Liechtenstein in Wien in seiner an trefflichen Bildnissen aller Art fast einzig reichen Galerie: den Junker Willem van Heythuyscn. Die Anordnung dieses um 1630 entstandenen Bildes beweist einen gewissen Einfluss von van Dyck, der gerade in den Jahren 1626 und 1627, nach seiner Rückkehr aus Italien, eine Zeitlang in Holland sich aufgehalten zu haben scheint. Vor einer grossen mattroten Draperie, die den Ausblick auf einen französischen Garten freilässt, steht der junge Mann in prächtiger Pose, stramm, die Linke in die Seite gestützt, mit der Rechten den hohen Degen auf den Boden stemmend. Diese Pose ist keine Theaterpose; sie giebt den Mann in seinem stolzen Selbstgefühl, in seinem Standesbewusstsein, ganz wie er war und wie er sich gab; hier jedoch ohne jede Spur der feinen Ironie oder des Humors, die sonst um die Lippen der Dargestellten in den Bildnissen des Frans Hals spielen. Jeder Zoll ein Edelmann!

Siehe auch:
Frans Hals – die Amme mit dem Kinde
Frans Hals – der junge Guitarrenspieler
Frans Hals – die Offiziere der Adriaens Doelen zu Harlem

Frans Hals 1580-1666