EIN Naturalist, definierte Schadow 1801, ist jemand, der eine Kunst betreibt, ohne sie von einem Meister (Professor) oder in einer Schule erlernt zu haben,“ und bezog diese Worte auf Chodowiecki mit der Bemerkung: „ob er und einige ganz alte deutsche und holländische Künstler deshalb aber geringer zu schätzen sind als andere, die nicht zu sehen und zu arbeiten vermochten ausser durch die Brille irgend eines Meisters oder einer Schule, ist noch nicht ausgemacht.“

Ein Menschenalter später hätte Schadow an Chodowieckis Stelle den Namen Franz Krüger setzen können, ohne die Wahrheit der Worte und die Aufrichtigkeit des Lobes im geringsten anzutasten. Nicht als ob Krüger die künstlerische Erbschaft Chodowieckis angetreten hätte, wohl aber hat er wie der Danzieer Meister sein Können frei und ohne Lehrmeister aus seiner Begabung heraus entwickelt. Was die beiden Meister kunsthistorisch einander nähert, ist weit weniger ihre Art die Dinge zu sehen und zu gestalten, als das Gegenständliche, das Stoffgebiet. Auf Chodowiecki folgt Krüger als zweiter Grossmeister einer specifisch berlinischen Zeit- und Sittenmalerei. Die Verhältnisse lagen aber so verschieden, wie die Temperamente auseinander gingen, die sie widerspiegelten.

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