Mit Friedrichs des Großen Namen in engstem Zusammenhänge stellt sein Lieblingssitz, das Schloß Sanssouci in Potsdam, und dieser Vorliebe des Königs verdanken wir es, daß dieses Schlößchen auf der Spitze eines in Terrassen geteilten Hügels zu einem Nationalheiligtum geworden ist, zu dem ein großer Teil des Berlin durchflutenden Fremdenstromes in erster Linie wallfahrt. Hat auch der Zugang zum Schlosse durch den Park sein friderizianisches Gepräge zum großen Teil verloren, gehört schon ein kundiges Auge dazu, um im Parke die Erinnerungen an die Zeit seines Schöpfers von den späteren Zutaten zu sondern, das Schloß selber und der Aufgang über die Terrassen haben im wesentlichen ihr ursprüngliches Aussehen behalten; hier atmet noch der Geist des Großen Königs, des Philosophen von Sanssouci, der hier in einsamer Größe den großen Teil seiner Tage zugebracht und auch sein Leben beschlossen hat. Die Innenräume des Schlosses haben durch spätere Bewohnungen namentlich in der Ausstattung manche Änderungen erfahren, völlig zerstört ist aber nur das Schlafzimmer, von dem wir weiter unten noch eingehend sprechen werden.

Der Gedanke, in Sanssouci sich ein Schlößchen zu bauen, war in Friedrich scheinbar erst aufgetaucht, nachdem er das Potsdamer Stadtschloß zu seinem Hauptwohnsitz erwählt hatte. Rheinsberg lag zu weit von der Gcschäftszentrale Berlin, Charlottenburg wieder zu nahe, um nicht fortwährend durch Berliner Publikum und Fremde gestört zu werden. So kam das durch die Fürsorge König Friedrich Wilhelms I. emporblühende Potsdam zur Geltung. Daß das Potsdamer Stadtschloß gegenüber

Sanssouci so ganz in den Hintergrund getreten ist, hat seine Ursache darin, daß das auf einsamer Höhe inmitten seiner Gartenanlagen und Terrassen liegende Schlößchen von Anfang an eine große Anziehung auf das Publikum ausübte mit dem Namen und dem Ruhme des großen Schlachtensiegers verband sich bald der Begriff des Philosophen von Sanssouci, und in den Augen der Welt wurde Friedrich und Sanssouci zu einem Begriffe. Dazu kam, daß in noch höherem Maße wie heute der Sommer die Reisezeit war und daß demnach die Besucher Potsdams, die auch den König gerne sehen wollten, nach Sanssouci hinauswandern mußten, wo sich ihnen in den Wegen und Anlagen des Parkes am ersten die Möglichkeit bot, den in Europa am meisten genannten Helden inmitten seiner Lieblingsschöpfung anstaunen zu können. Daß in der Gedankenwelt Friedrichs sein Sanssouci einen bedeutenden Platz einnimmt, ist ja naheliegend, denn es war bestimmt, ihm Ersatz für Rheinsberg, seine «Friedrichs Feierstille», zu gewähren, es sollte mit einem Worte, worauf schon der Name hinweist, für ihn der Ort sein, an dem er nicht nur König, sondern auch Mensch sein durfte. Friedrich selber hat uns in einem nicht datierten Schreiben an d’Argens eine begeisterte Schilderung von Sanssouci und von dem, was es für ihn bedeutet, mit solcher liebevollen Vertiefung in die Einzelheiten gegeben, daß wir dem Versuch einer eigenen Schilderung seine Worte doch wohl voranstellen müssen.

Die erste Bekanntschaft mit dem späteren Terrain von Sanssouci wird Friedrich von dem benachbarten Marly-Garten des Vaters aus gemacht haben, von wo die Kinder sicher in der Nachbarschaft umherstreiften und zu der Spitze des bis 1729 mit Eichen bestandenen, dann wüsten Hügels emporstiegen, um von dort die Aussicht über Felder und Wälder und über die damals den Augen noch nicht durch hohe Bäume entzogene Wasserfläche der Havel bis zu dem jenseits des Flusses sich hinzichenden Höhenzügen zu genießen. Bei besonderen Gelegenheiten, wie z. B. der Anwesenheit des Königs von Polen 1728, wurde auf dem Terrain des heutigen Sanssouci-Parkes in der Nähe der großen Fontäne, damals Wiesenland, ein sogenanntes Schnepperschießen mit Armbrüsten veranstaltet, für das vom König kostbare Preise zur Verfügung gestellt wurden. Wenn dann Friedrich bereits als König seiner Mutter am 25. August 1743 schreibt: «Nous avons dine hier sur la montagne, d’oü la vue est charmante», so liegt es nahe, an den Berg von Sanssouci zu denken. Gewöhnlich datiert man Friedrichs Absicht, Terrasse und Schloß von Sanssouci zu erbauen, von dem Erlaß der Order zum Beginn der Terrassierung des Berges am 10. August 1744, ohne zu bedenken, daß diesem Befehl zum Beginn des Baues bereits jahrelange Überlegungen und Pläne vorausgegangen sein können. Dazu kommt die noch eingehender zu betrachtende Genauigkeit und Sorgfalt Friedrichs bei der Entscheidung aller Finanzfragen, so daß er nie einen Bau in Auftrag gab, bevor die Mittel dazu nicht bereitgestellt waren. Wir können annehmen, daß, als der König am 13. Januar 1745 den Bau eines «Lusthauses auf dem Weinberg» in Auftrag gab, sowohl die Pläne für den Bau wie die Kostenanschläge zu seiner Befriedigung ausgefallen und genehmigt waren.

Für Friedrichs Mitwirkung an dem Bau von Schloß und Park Sanssouci sind die kostbarsten Dokumente die von ihm gezeichneten drei Pläne, die besser wie jede Schilderung von anderer Seite es könnte, bezeugen, daß der Plan und die Gestalt von Sanssouci aus seinem Geiste entsprungen und seinen Gedanken entsprechend zur Ausführung gelangt sind. An der Hand dieser Pläne läßt sich auch am besten die interessante Frage erörtern, wie weit die Mitwirkung des Königs an den Entwürfen seiner Bauten reicht. Je intimer die Beziehungen zwischen Bauherrn und Architekten sind, um so schwerer wird es sein, von dem Geben und Nehmen zwischen beiden Rechenschaft abzulegen. So können wir auch nur mutmaßen, daß Knobelsdorff in Rheinsberg als der ältere und erfahrenere, der auf seinen Studienreisen viel und gründlich gesehen hat, der anregende und ausschlaggebende der beiden Freunde ist, andererseits aber geht auch aus allen Nachrichten hervor, daß Friedrich nicht nur der empfangende ist, sondern in jeder Beziehung tätigen persönlichen Anteil an den notwendigen Arbeiten nimmt. So schreibt er am 27. Juni 1739 seiner abwesenden Gattin: «Knobelsdorff et moi nous avons pris toutes les mesures pour le changement des chambres et je me flatte, que vous en serez satisfaitc ä votre retour.» Es fehlen uns aber alle Anhaltspunkte dafür, wie weit die persönliche Anregung des Kronprinzen reicht. Auch als König konnte Friedrich Rheinsberg nicht vergessen. Die Empfindungen die er am 17. März 1742 an Jordan schrieb: «Je pense souvent a Remusberg et a cette application volontaire qui me familiarisait avcc les Sciences et les arts», lebten in ihm auch noch, als er Park und Schloß von Sanssouci anlegte, um sich einen Ersatz für das Verlorene zu schäften. Überall in Sanssouci begegnen dem Kundigen die Erinnerungen an Rheinsberg, bis auf den Namen, denn bereits am 24. März 1737 hatte Friedrich an Grumbkow geschrieben:

»Je pars pour rctourncr a Rheinsberg, c’est mon Sanssouci.» Die Schöpfungen Knobelsdorffs in Rheinsberg läßt Friedrich hier wieder auflebcn, die Parkeinfahrt mit dem Obelisken davor wird getreu kopiert, die beiden Sphinxe zu seiten des auf die Front des Schlosses zuführenden Zuganges, wenn auch in anderer Auffassung, wiederholt, und wenn uns Bielfeld von dem im Rheinsberger Park geplanten Baue eines Bacchustempels erzählt, dessen in Gestalt einer umgekehrten Punschbowle gedachte Kuppel von zwölf Satyren in kolossaler Größe getragen werden soll, so steht uns sofort das Schloß Sanssouci als die erweiterte Ausführung dieses Gedankens vor Augen. Auch die Säulenkolonnade weist direkte Beziehungen zu der am Schlosse Rheinsberg auf, und das Bibliothekzimmer in Sanssouci ist in seiner Form und Lage die Wiederholung des geliebten Turmzimmers in Rheinsberg, das Friedrich auch in seinem uns erhaltenen Arbeitszimmer im Berliner Schlosse zum Vorbilde genommen hat. Dafür, daß in diesen Anklängen und Erinnerungen der Wille des Königs und nicht der Vorschlag des Architekten maßgebend war, liegt uns der urkundliche Beweis in einem eigenhändigen Entwürfe Friedrichs für Schloß Sanssouci im 1 Iohcnzollern- Museum vor. Bekannter war bereits ein anderer Entwurf des Königs für Sanssouci im Hohenzollern-Museum, der dem eben genannten chronologisch vorangeht. Auch der erste für die Ausführung gezeichnete Plan und Aufriß des Schlosses befinden sich im Hohcnzollern- Museum, und es ist interessant, diese drei Pläne miteinander zu vergleichen.

I. Erster Grundriß des Schlosses Sanssouci und der Terrassen. Eigenhändige Federzeichnung Friedrich des Großen. Uohenzollern-Museum. H. 0,230, Br. 0,185 m. Das Papier ist gebräunt und stellenweise beschädigt. Statt sechs Terrassen sieht man nur drei gezeichnet. Vor den Terrassen ist die große Fontäne und zur Seite die Baumplantage angedeutet. Am Schlosse sind drei Stufen vorgesehen. Die Raumverteilung entspricht mit einigen Abweichungen der Ausführung. Während die Säulen in der Vorhalle schon angedeutet werden, sind sie für den ovalen Speisesaal noch nicht gezeichnet. Das Schlafzimmer hat zusammen mit dem Alkoven nur zwei Fenster anstatt drei. Es sollte sich über die ganze Tiefe des Schlosses erstrecken, so daß man rechts durch einen Durchgang in die Bibliothek, links in die Galerie treten konnte. Die heutige Galerie sollte aus zwei Räumen bestehen. Die Bestimmung der Räume hat der König durch eigenhändige Beischriften angedeutet.

Das Hauptgebäude nennt er: «le Corps de logi de Piere de taille».

Beim linken Flügel steht: «de ce coté la / l´écurie et la cuisine de brique».
Beim rechten Flügel: «Pour les domestiques de brique».
Oben steht eine wieder durchgestrichene Zahlenberechnung.
Die Aufschrift unten rechts ist die Notiz eines früheren Besitzers des Blattes, des Tapetenfabrikanten Jean Cabanis.
Seine Ergänzung für die Fortsetzung des Parkes nach Osten zu findet dieser Entwurf in einer zweiten eigenhändigen Federzeichnung des Königs, die sich im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin befindet. Links sind die Terrassen vor dem Schlosse und die rechts von den Terrassen zum Schlosse hinaufführendc Baumplantage angedeutet. Oer Zweck des Blattes aber ist, die später wieder umgeänderte Anordnung und Einteilung des Parkes vor der heutigen Bildergalerie, wo vordem ein Gewächshaus stand, und der sich bis zum Portal anschließenden Partie zu bestimmen. Oben auf dem Blatte ist eigenhändig vom König geschrieben: «cötc de Potzdam , weiter unten «scre» (serre = Gewächshaus) und im Springbrunnenbassin: «gazon (vgl. die Abbildung S. 98).

2. Zweiter Grundriß des Schlosses Sanssouci. Eigenhändige Federzeichnung Friedrichs des Großen im Hohenzollern-Museum. H. 0,180, Br. 0,215 m- Tadellos erhalten (vgl. die Abbildung S. 96). Die Zeichnung gibt nur den Grundriß des Hauptgebäudes und der Kolonnade ohne den Flügel und die Terrassen und zeigt in mehreren Dingen eine Weiterentwicklung des ersten Entwurfes. Der ovale Spciscsaal zeigt zwar auch noch keine Säulen, dafür sind aber die beiden Nischen für die Statuen bereits eingetragen. Das Schlafzimmer mit Alkoven hat jetzt drei Fenster, und die Verbindung zur Bibliothek und zur Galerie ist jetzt, wie ausgeführt, angedeutet. Die Fremdenzimmer sind bereits mit Alkoven versehen. Im Bibliothekzimmer sind drei Fenster anstatt zwei Fenster gezeichnet und eine Wandnische angedeutet, die scheinbar für den Kamin dienen sollte. Die eigenhändigen Beischriften sind folgende:

Rechter Flügel: «Pour le roy / les chambres 18 pieds de haut». Darunter steht wieder durchgestrichen: «larges de 12 pas et / longueur de . .»

Bibliothek: «come a Reinsberg».

Schlafzimmer: «aleove / chambre de lit / meine proportion qu’ä Potsdam» (Stadtschloß Potsdam).

In den drei Fremdenzimmern: «aleove».
In den kleinen Zimmern dahinter einmal «garderobe» und zweimal «gardc».
Im runden Zimmer: «apartement» und «aleove».
Bei der Kolonnade: «colonade canelce corintien mais le reste come a Reinsberg».

3. Für die Ausführung bestimmter Grundriß des Schlosses Sanssouci und Aufriß der Vorder- und Rückseite, bezeichnet J. C. Berger, Conductur H. 0,577, Br- 0,840 m. Hohenzollern-Museum. Berger war im Jahre 1745 bei dem Bau des Schlosses als Kondukteur beschäftigt. Im Bibliothekzimmer sind noch drei Fenster cingezeichnct. Das eine wurde bei der Ausführung geschlossen und der Kamin an die Stelle gesetzt. Einzelne Teile, wie z. B. die Fenster der Mittelkuppel, erfuhren in der Ausführung eine reichere Ausstattung.

Während Manger in einer Zusammenstellung der Gebäude, die nach Knobelsdorffs Zeichnungen in Potsdam ausgeführt sind, ausdrücklich «die sechs Terrassen und die Gartenanlage zu Sanssouci» sowie «das Lustschloß nebst der daran stoßenden Kolonnade eben daselbst» nennt, macht der König in seinem P’loge de Knobelsdorff hier einen Unterschied. Fr bezeichnet ihn als den Erbauer des Opernhauses, des neuen Flügels in Charlottenburg, als denjenigen, der das Stadtschloß in Potsdam umgebaut hat, aber in Sanssouci wurden «nach seinen Zeichnungen» nur ausgeführt die Marmorkolonnade, die Grotte und «le salon de Sanssouci qui imite l’intcricur du Pantheon», d. h. der ovale Marmorsaal, der als Speisesaal diente. Damit steht in Einklang, daß die Architektur des Marmorsaalcs in den beiden Entwürfen Friedrichs noch gar nicht angedeutet wird. Wahrend z. B. in beiden Entwürfen bereits die Säulen der Vorhalle eingezeichnet sind, gibt cs für die des Saales keine Andeutung in den Zeichnungen. Knobelsdorff hatte demnach allem Anscheine nach freies Feld für seinen schönen Entwurf und war durch keine Wünsche des Königs eingeengt.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Anlage des Parkes von Sanssouci, die nach der zitierten Äußerung Mangers nach den Zeichnungen von Knobelsdorfif ausgeführt sein soll. Daß der König auch hier die Idee gegeben hat, geht aus seinen eigenhändigen Entwürfen klar hervor. Diese Entwürfe reichten vollkommen aus, um, von einigen Erläuterungen Friedrichs begleitet, seine Wünsche absolut deutlich zu machen. Von diesen Entwürfen bis zur Ausführung war aber noch ein weiter Weg künstlerischer und technischer Tätigkeit zurückzulegen, bei dem Knobelsdorff schon kraft seiner amtlichen Stellung in hohem Maße beteiligt gewesen sein kann, da diese Vorarbeiten noch in die Jahre 1744 und 1745 datiert werden müssen. Der König Urania. Marmorslaiue iin Marmorsaal des Schlosses Sanssouci von F. G. Adam 1748.

in seinem Eloge erwähnt eine Mitarbeit Knobelsdorffs allerdings nicht, während er ihm z. B. das Verdienst für die Anlage des Tiergartens in Berlin ganz allein zuschreibt, wenn er darüber sagt: «Herr von Knobelsdorff machte es zunächst zu seiner Aufgabe, den Berliner Park (Tiergarten) schmuckvoll auszugestaltcn; er schuf daraus eine durch die vielseitige Abwechslung der Alleen, der Baumgehege und Salons sowie durch die angenehme Zusammenstellung der Blätterfarben so vieler verschiedener Bäume reizvolle Anlage; er verschönte den Park durch Statuen und die Anlage von Wasserläufen. Auf diese Weise gab er den Bewohnern dieser Hauptstadt eine bequeme und schöne Promenade, wo die Verfeinerungen der Kunst sich nur unter den ländlichen Reizen der Natur darbieten.» Dieses Lob Knobelsdorffs in bezug auf seine gartenkünstlerische Tätigkeit ist dadurch von besonderem Werte für uns, daß Friedrich sich damit zu denselben Ansichten bekennt, die Ziele, die Knobelsdorff bei der Verschönerung des Tiergartens verfolgte, auch als die seinigen andeutet.

Uber den Anteil Friedrichs an den Plänen zum Opernhause haben wir bereits oben gesprochen und darauf hingewiesen, daß Knobelsdorff den König ausdrücklich als den Erfinde#, sich aber als den Ausführer dieser Pläne bezeichnet. Wenn uns auch hier keine Originalzeichnungen Friedrichs erhalten sind, so können wir doch aus den für Sanssouci erhaltenen Quellen den Schluß ziehen, daß es sich beim Opernhause ähnlich verhalten hat. Um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, möchte ich aber betonen, daß ich Knobelsdorffs Arbeit dadurch nicht für erleichtert ansehen möchte, im Gegenteil, sie wurde durch derartige Dispositionen des Königs eine schwerere, und um so höher sind die glänzenden Lösungen der ihm gestellten Aufgaben anzuerkennen. Unser Interesse an den Bauten des Großen Königs wächst aber in hohem Maße, wenn wir in ihnen nicht nur von ihm befohlene Leistungen seiner Beamten, sondern Geist von seinem Geiste und seine persönliche Beeinflussung erkennen können, die sein Freund und Baumeister Georg Wenceslaus von Knobelsdorff ausgebildet und zu glanzvoller Wirklichkeit gestaltet hat.

Auf gewisse Differenzen zwischen Friedrich und seinem Architekten weist bereits die Notiz bei Manger in seiner Baugeschichte Potsdams hin, daß der König die «erste Idee» zum Schlosse Sanssouci dem Herrn von Knobelsdorff gegeben habe, «und daß es aller Einwendungen des letzteren ungeachtet, so wie es jetzt dasteht, hat gebaut werden müssen». Diese Einwendungen bezogen sich namentlich darauf, daß das ganze Gebäude durch einige Stufen hätte erhöht und näher an den Rand des I Iiigels herangesetzt werden müssen, damit es vom Fuße des Hügels aus mehr sichtbar geworden wäre, und daß es hätte unterkellert werden müssen, während jetzt die Fußböden direkt über dem Erdboden liegen, was natürlich trotz der hohen Lage Kälte und Feuchtigkeit in den Räumen beförderte und daher der Gesundheit nicht zuträglich sein konnte. Den erstgenannten Anforderungen an die Sichtbarkeit des Gebäudes setzte Friedrich seine persönlichen Neigungen entgegen; er baute nicht für das Publikum, sondern für sich, und er wollte in seinem Landhause ganz im Freien wohnen und ohne Stufen durch Türen und Fenster bequem ein- und ausgehen können. Aus derselben Rücksicht auf seine Bequemlichkeit wollte er vor seinem Fenster eine möglichst breite Terrasse für seine Orangerie und für seine Spaziergänge zur Verfügung haben. Friedrich als Bauherr fühlte sich eben unabhängig von der Rücksicht auf das Urteil der Menschen, während für den Baumeister natürlich Kritiken dieser Art Bedeutung und Berechtigung hatten. Auf die Unterkellerung scheint der König kein Gewicht gelegt zu haben, obwohl er genau wissen mußte, wie es sich in einem nicht unterkellerten Hause lebt, da das Sommerschloß seiner Mutter, Monbijou, nur bei einigen wenigen Zimmern unterkellert war, trotzdem es auf ganz ebenem Boden nicht allzu hoch über dem Wasserstand der Spree lag.

Schon Gurlitt hat darauf aufmerksam gemacht, daß Friedrich in der Anlage des Schlosses ganz der Mode der Zeit folgte, die für ein schönes und bequemes Landhaus die Hauptforderung stellte, alle nötigen Räume in einem Geschosse zu vereinigen, damit der Bewohner in der Lage sei, ohne Mühe in seinem Garten zu promenieren, dessen stets gegenwärtiger Anblick eine Wohnung sehr angenehm und freundlich machte. Dieser von Daviler bereits 1720 ausgesprochene Lehrsatz ist von Friedrich in Sanssouci genau befolgt, denn alle Fenster gehen bis zum Fußboden herab und können ohne weiteres als Türen benutzt werden, wie das auch bei Schloß Monbijou in seiner ursprünglichen Gestalt der Fall war und später von Friedrich beim Neuen Palais ebenfalls so eingerichtet wurde. Daß diese Übertragung der ursprünglich für das antike Landhaus aufgestellten Grundsätze trotz mehrfacher Umwandlungen für unser nordisches Klima manche Unzuträglichkeiten im Gefolge hat, ist Friedrich auch gewiß mit der Zeit klar geworden, aber an und für sich huldigte er bei seinen Anordnungen der Mode und dem Fortschritt, während seine Baubeamten rückständig und eigensinnig waren, denn sie hätten Mittel und Wege finden müssen, die Erfüllung der Wünsche des Königs in zweckentsprechender und zugleich praktischer Form zu ermöglichen.

Bis zum November 1745 kam das Schlößchen bereits unter Dach, und blieb für das Äußere noch die Herstellung der Bildhaucrarbeiten sowie die Versetzung der Balustrade mit ihrem Skulpturenschmuck übrig. Ebenso wurde der Bau der Kolonnade im nächsten Jahre begonnen, aber erst 1747 beendet. An der Vorderfront des Schlosses mit ihrer durch Pilaster streng gegliederten Front sowie an der Kolonnade mit ihren 96 gekuppelten kannelierten Säulen erkennen wir die maßvolle feinfühlige Hand Knobelsdorffs und in der Kolonnade auch die von Friedrich gepflegte Erinnerung an das Rheinsberger Vorbild. Hatte er doch in seinem oben wiedergegebenen Entwürfe für die Kolonnade daneben geschrieben: «colonade eanelee corintien mais le reste come a Reinsberg». Tritt uns in dieser vornehmen, ruhigen, klassischen Front mit ihrem runden, durch die Kolonnade eingefaßten Ehrenhof die der Zufahrtsstraße zugewendete Zercmonialseite des Gebäudes entgegen, so herrscht auf der Gartenseite das üppigste übermütige Barock. Hier ist ein toller Bacchantenzug von als Pilaster das Dach tragenden Nymphen, Satyrn und Faunen aus dem Stein gehauen, die uns einerseits lebhaft an die Außenfiguren des Dresdener Zwingers, andererseits an die Erzählung von Bielfeld erinnern, daß Fried rieh für Rheinsberg inmitten eines Labyrinths den Bau eines Bacchustempels plante, bei dem zwölf Satyrn von kolossaler Größe als Säulen dienen und eine umgekehrte Punschbowle tragen sollen, die die Kuppel bildete. Hier tritt die ursprüngliche berufenen Pariser Bildhauers Francois Gaspard Adam, eines jüngeren Bruders von Lambert Sigisbert, wurden im Jahre 1748 die beiden in den Nischen aufgestellten

Marmorfiguren des Apollo und der Urania abgeliefert Auf den beiden Seiten eines von Apollo gehaltenen aufgeschlagenen Buches hat der königliche Bauherr durch eine dem Lukrez entnommene Inschrift den Raum oder wohl das ganze Gebäude diesem seinem Lieblingsgott Apollo gewidmet:

Eine von Friedrich auf den Fußboden gestellte Bronzebüste Karls XII. von Schweden von J. Ph. Bouchardon, Geschenk seiner Schwester Ulrike, ist jetzt im Neuen Palais aufgestellt.

Das einfenstrige schmale Empfangszimmer hat infolge seiner unverhältnismäßig großen Tiefe und Höhe wenig günstige Verhältnisse. In der architektonischen Anlage ist es unverändert geblieben, auch das Deckengemälde von Pesne hat sich gut erhalten. Nur anstatt der ursprünglichen «gris de lin» – farbenen Damasttapeten und Gardinen sind heute solche von roter Farbe, die auch schon wieder sehr schadhaft sind, vorhanden. Der Bilderschmuck ist seit Friedrichs Zeiten derselbe geblieben, und sehen wir hier eine Zahl jener Bilder aufgehängt, die er in den vierziger Jahren durch Der Homer von Sanssouci». Antike Mannorbüste Vermittlung seines Gesandten in in der Bibliothek I riedrichs des Großen. Paris, des Grafen Rothenburg, von dort erhielt. Von den angeblichen Bildern Wattcaus hat allerdings nur eines der Kritik standgehalten, das schöne Konzert , während die beiden großen auf den beiden Langwänden sich gegenüber hängenden, angeblich von Watteau gemalten Bilder sich das eine als ein sehr gutes Bild Paters und das andere als eine Nachahmung erwiesen, jedenfalls von den Pariser Händlern ausersehen, dem oft wiederholten Verlangen des Königs nach besonders großen Bildern seines Lieblingsmalers nachzukommen. Auf die einzelnen Bilder von Pater, de Troy, Roux, Coypel usw. kann ich hier nicht näher eingehen. Der schöne vergoldete Tisch mit Agatplatte sowie der Marmorkamin von Glumc stammen ebenfalls noch aus der Zeit der Erbauung des Schlosses. Das sonstige Mobiliar aber, namentlich die Sitzmöbel, ist in der Zeit der Bewohnung des Schlosses durch König Friedrich Wilhelm IV. mehrfach verändert oder ausgewechselt worden, da es für eine wirkliche Benutzung nicht haltbar genug mehr war.

Vom Vorzimmer aus betreten wir den zweiten durch die Kunst Menzels verewigten Raum in Schloß Sanssouci, das Konzertzimmer, in seiner Architektur, in Decke- und Wandschmuck tadellos erhalten, und neben seinem historischen Werte für alle Verehrer des Großen Königs ein Juwel des Potsdamer Rokokostiles. Die sämtlichen reich vergoldeten Holzschnitzereien in Türen, Trophäen, Bilder- und Spiegelrahmen, Fensterläden usw. wurden von Johann Michael Hoppenhaupt d. A. im Frühjahr 1747 fertiggestellt, und die ornamentalen Teile der in ihrem ganzen Entwürfe köstlichen Decke wurden von dem Stukkateur Merck, die figürlichen von dem Bildhauer Ebenhecht angefertigt. Links und rechts von dem Kaminspiegel und einem mit diesem korrespondierenden Spiegel an der gegenüberliegenden Wand sind in die Vertäfelung vier Gemälde von Antoine Pesne eingelassen: Pygmalion und sein von Venus belebtes Modell, Vcrtumnus und Pomona, Bacchus und Ariadne, Pan und Syrinx, während ein fünftes größeres Gemälde: Diana mit ihren Nymphen, den Mittelplatz auf der den Fenstern gegenüberliegenden Wand einnimmt. Von den vier Supraporten von Ch. du Bois beansprucht die eine mit der Darstellung Sanssoucis als eine der ersten Abbildungen des Schlosses mit seinen Terrassen unser besonderes Interesse.

In dem Schlaf- und Sterbezimmer Friedrichs des Großen stammt nur noch der Marmorkamin aus alter Zeit, alles andere ist noch im Sterbejahr des Königs auf Anordnung seines Nachfolgers durch den Architekten von Erdmannsdorf von Grund aus neugebaut und in seine jetzige Gestalt gebracht worden. Soviel mir bekannt geworden ist, gibt es nur eine gedruckte Beschreibung dieses Raumes in seiner ursprünglichen Gestalt, und zwar die von Nicolai in seiner Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam (1786), in der er sagt, daß das Zimmer aus «Stukkaturarbeit und Gold nach des jüngeren Hoppenhaupt Zeichnung» bestehe. Nach dieser Beschreibung konnte man sich in Verbindung mit den Andeutungen auf dem Stich nach einem Gemälde von Bock, das den Besuch des Königs Friedrich Wilhelm II. bei der Leiche seines Vorgängers darstellt, etwas Ähnliches an Dekoration vorstellen, wie sie der Musiksaal Friedrichs des Großen in dem von ihm erbauten P’lügel des Charlottenburger Schlosses aufweist, und ich habe mich in diesem Sinne früher auch ausgesprochen. Es scheint aber, daß Nicolai sich bei der Besichtigung dieses gewiß schwer zugänglichen Raumes in der Eile getäuscht hat, denn sowohl eine eigenhändige Beschreibung des Schlosses von der Hand der Landgräfin Karoline von Hessen-Darmstadt aus verhältnismäßig früher Zeit, deren Abschrift Herr Dr. Volz mir freiindlichst zur Verfügung gestellt hat, wie die Rechnungen über die Herstellung des Raumes geben ein anderes Bild und ermöglichen uns, eine ziemlich deutliche Vorstellung von der Art der Dekoration des Raumes zu gewinnen: «Dann tritt man in das Schlafzimmer, in dem das Bett sich in einer Art von Nische befindet, umgeben von einer vergoldeten Balustrade. An Stelle von IIolz-füllungen auf den Wänden ist eine solche von ,satin celadon* vorhanden, auf die leichte Blumengirlanden aus Bildhauerarbeit herabfallen. Die beiden Türen zur Seite der Bettnische sind mit Spiegeln belegt, auf die und auf alle andern Spiegel im Zimmer, ebenso wie auf die Satin wände diese Blumengirlanden zwanglos herabfallen.» Im einzelnen wird diese Schilderung ergänzt durch die Angaben in der am i. Mai 1747 ausgestellten Rechnung des Bildhauers Johann Christian Hoppenhaupt des Jüngeren über für das Schlafzimmer angefertigte Bildhauer- und Vergolderarbeit, nach denen auf der Wand dem Fenster gegenüber sich zwei größere «Banden von Bildhauer Arbeit aus Treillage Werk und Blumen» und drei kleinere «Banden mit Treillage Werk und herabhängenden Trophäen reichlich dekoriert» befanden. Je zwei ähnliche Banden waren links und rechts vom Kamin, dessen Spiegel «mit einer herabhängenden Trophäe dekoriert» war. Ähnlich waren der Spiegel zwischen den Fenstern und die schmalen Wandteile der Fensterseite verziert. An der Alkovcn-seite befanden sich links und rechts zwei gleich den Spiegeln geschmückte Banden von Spiegelglas, während die Verzierung des Alkovenbogens bestand: «aus einem großen Schild in der Mitte des Bogens, zwei großen auf beiden Seiten gearbeiteten

und ganz freihenkenden Trauben Fcstons, welche von zwei großen dazu aptirten Vögeln gehalten werden, beliebst den Pylästern \’on Treillagc Werk und mit Blumen verziert, worauf die Architravc des großen Bogens ruhet, desgleichen das zu oberst befindliche Treillagc Werk, wie auch die Verzierung des inwendigen Bogens überhaupt.» Daß die Wände aus Satin vert ccladon» bestanden, wird ferner bestätigt durch die Lieferung von 817 Berliner Kllen dieses Stoffes ä 32 Groschen bereits im Oktober 1746 durch Girard & Michelet in Berlin, die für die Fenster- und Bettgardinen dann noch denselben Stoff in besserer Qualität zu besorgen hatten. Der Tapezier Daniel Damm aber reicht am 28. April 1747 seine Rechnung über Beschlagen der Schlafkammer und des Alkovens sowie des Durchganges nach der Bibliothek mit grünem Atlas ein. Die Decke muß noch reicher als die des Musikzimmers gewesen sein, da sie mit demselben Preis von 280 Talern von dem Stukkateur Merck für die ornamentalen Teile, aber mit 160 Talern vom Bildhauer Georg Franz Kbcnhecht für die Figuren und Tiere anstatt 60 Taler in Rechnung gestellt wurde. Ergänzen können wir die Vorstellung von der Erscheinung des Schlafzimmers noch dadurch, daß der Alkoven von dem Zimmer durch eine vergoldete Messingbalustrade geschieden war, auf der vier nach dem Entwürfe von Fahl modellierte und in Messing gegossene Kinder standen; diese Balustrade muß mit der silbernen des königlichen Schlafzimmers im Stadtschlosse von Nahl ziemlich übereingestimmt haben da auf diese ausdrücklich hingewiesen wird und der König in seinem eigenhändigen Entwürfe bereits für dieses Zimmer in Sanssouci dieselben Proportionen wie für das im Stadtschlosse befohlen hatte.

Zur linken Seite des Alkovens öffnet sich eine Tür, die uns durch einen kurzen, der Tiefe des Alkovens entsprechenden Gang in das Allerhciligste des Philosophen von Sanssouci, den Wallfahrtsort aller Verehrer des Großen Königs, die Bibliothek führt. Dieser Raum, der wie kein anderer uns Friedrichs Wesen und Sein vor das geistige Auge zu zaubern vermag, ist in der Form jenem Rheinsberger Turmzimmer nachgebildet, in dem der Kronprinz Friedrich überraschend für die ganze Welt zu dem jungen König ausreifte, in dessen Händen nach wenigen Jahren die politischen Fäden von ganz Europa zusammenliefen. Durch die beiden Fenster, mit denen eine Spiegelnische und der Kamin mit darüber befindlichem Spiegel korrespondieren, wird die Wand des runden Raumes in vier Felder geteilt, die ebenso wie die Fenstcrleibungen ganz mit Zedernholz boisiert sind. Der untere Teil jedes dieser vier Fensterpfeiler wird durch einen mit Glastüren geschlossenen Bücherwandschrank gebildet, in denen die Handbibliothek des Königs noch heute aufbewahrt wird. Unter dem die ganzen Wände überspannenden Ranken- und Schnörkelwerk aus vergoldeter Bronze heben sich auf den vier Pfeilern zunächst über den Schränken die zu Gruppen vereinigten Insignien der Architektur, der Malerei, der Musik und der Astronomie hervor, über denen wieder auf vier Konsolen von vergoldeter Bronze antike Büsten, unter ihnen der berühmte Homer von Sanssouci, aufgestellt sind. Den Abschluß unter der Decke machen vier Reliefs, ebenfalls von vergoldeter Bronze, deren allegorische Darstellungen sich in lebhaft bewegten Figuren auf die genannten vier Künste beziehen. An der flach gekuppelten Decke setzt sich der Ornamentschmuck der Wände in vergoldetem Stuck fort. Das Ganze atmet eine solche feinsinnige, königlich einfache Vornehmheit, daß es leicht begreiflich ist, warum gerade in diesem Raume der Geist des Philosophen von Sanssouci am fühlbarsten uns entgegentritt. Wenn uns auch als die Modelleure des Bronzeschmuckes zwei untergeordnete Kräfte, der sonst gar nicht genannte Bildhauer Becker und für die Reliefs der Bildhauer Giese, durch die Rechnungen nachgewiesen werden, so macht es der Vergleich mit den Arbeiten Nahls im Potsdamer Stadtschloß unzweifelhaft, daß dieser Künstler der geistige Vater der Dekoration dieses Raumes ist und daß seine Entwürfe den Ausführungen der genannten beiden Bildhauer zugrunde gelegen haben.

Die Ausführung der Modelle in feuervergoldeter Bronze, mit Ausnahme der von Giese ganz und gar hergestellten Reliefs, lag in den Händen des Potsdamer Goldschmiedes Kelly und stellt seiner hohen Befähigung für die Ausführung derartiger Arbeiten das beste Zeugnis aus. Eine kleine Galerie führt von dem Korridor vor Schlafzimmer und Bibliothek wieder zu dem Vorsaal des Schlosses. Der schmale langgestreckte Raum wirkt fast überreich dekoriert durch die Kamine, die reichen Schnitzereien an Türen und Supraporten, den Stuck der Decke, die Postamente mit Büsten und antiken Figuren, die Konsolen mit Meißener Porzellanvasen und dann auch durch die zahlreichen auf der den Fenstern gegenüber liegenden Wand placierten Gemälde, fast ausschließlich von Watteau, Laueret und Pater gemalt. Auf der anderen Seite des Marmorsaales liegen die für die Gäste des Königs bestimmten Zimmer mit sehr viel einfacherer Ausstattung, aber zahlreichen Gemälden. Das Mobiliar ist unter König Friedrich Wilhelm IV., der diese Zimmer mit der Königin Elisabeth bewohnte und der auch hier gestorben ist, fast völlig verändert, aber die Gemälde sind, abgesehen von einigen späteren hinzufügungen, fast unberührt geblieben.Durch seine Dekorierung bemerkenswert ist der letzte Raum, dessen getäfelte Wände mit von Iloppenhaupt d. J. geschnitzten und naturalistisch bemalten ‚Pieren, Früchten und Blumen bedeckt sind. Nach der Tradition hat Voltaire diesen Raum bei seiner Anwesenheit in Sanssouci bewohnt.

Tritt man aus Schloß Sanssouci auf die Terrasse heraus, so kann man sich ihren Anblick zur Zeit Friedrichs des Großen leicht wieder konstruieren, wenn man die von König Friedrich Wilhelm IV. auf ihr angelegten Wasserkünste und Springbrunnen sich hinwegdenkt. Alles andere stammt aus des Großen Königs Zeit und verdankt ihm persönlich die Aufstellung und Anordnung, die kleinen Wäldchen links und rechts mit den Halbkreisen antiker römischer Kaiserbüsten aus farbigem Marmor mit weißen Köpfen davor, deren Mittelpunkt je eine Marmorgruppe von F. G. Adam bildet; rechts: Zephir und Flora vom Jahre 1749, links: Kleopatra mit Amor vom Jahre 1750. Unter der ersten Gruppe hatte Friedrich eine Gruft ausmauern lassen, in der er nach seinem Tode beigesetzt zu werden wünschte, «quand je serai la, je scrai sans souci», und neben der er seine Lieblingshunde begraben ließ. Zu beiden Seiten des Schlosses führen Laubengänge zu Kabinetten von eisernem, zum Teil mit vergoldeten Ornamenten verziertem Fisengitterwerk, in deren rechtem die berühmteste Antike aus Friedrichs Sammlung, der betende Knabe aus Bronze, aufgcstcllt war, nach ihrer Abgabe an die Berliner Museen durch eine Kopie ersetzt. Vor den Lauben stehen wieder antike Marmorbüsten abwechselnd mit Porzellanvasen. Von dieser Terrasse konnte man früher den ganzen Park und weit darüber hinaus die benachbarte Landschaft mit der Havel und den jenseits sich hinziehenden Höhenzügen übersehen. Heute ist der Baum wuchs ein so mächtiger geworden, daß man nur auf die Wipfel der Bäume und in der Mitte auf das Bassin der großen Mittclfontänc und seine Umgebung blickt. Ich brauche wohl kaum zu bemerken, daß der heutige Park von Sanssouci nicht in seinem ganzen Umfange mit einem Male geschaffen worden ist, sondern daß auch außer Friedrich dem Großen während seines langen Lebens seine Nachfolger und unter ihnen namentlich König Friedrich Wilhelm IV. an ihm verändert und ihn namentlich auch bedeutend erweitert haben. Die sichtbarsten Spuren der Tätigkeit dieses Königs sind die gerade im ältesten Teil des Parkes, der sich vom 1 laupteingange bis zum Ende der Neuen Kammer erstreckt, neu aufgestellten Marmorsäulen und Sarkophage sowie die riesigen weißen Marmorbänke rund um die große Fontäne herum. Dieser Mittelpunkt des Gartens bot unter Friedrich dem Großen einen ganz anderen Anblick, indem das Bassin noch nicht mit Marmor, sondern mit grünem Rasen eingefaßt war, in dem die heute noch im Original oder Kopie vorhandenen Marmorgruppen von Pigalle und k. G. Adam, zum Teil Geschenke König Louis XV. an Friedrich den Großen, sich erhoben, ln der Mitte des Bassins stand eine große vergoldete Bleigruppe von F. G. Adam: Thetis mit Tritonen und Delphinen, mit der in den vier Ecken der das Bassin umgebenden Gartenanlagen vier ebensolche Gruppen von Ebenhecht korrespondierten. Diese vergoldeten Bleigruppen sind mit einer ganzen Anzahl anderer im Park aufgcstellter mit der Zeit der Witterung zum Opfer gefallen, müssen aber mit ihrem aus dem Grün der Baume hervorleuchtendcn goldigen Schimmer den Anlagen ein ganz eigenartiges Gepräge verliehen haben.

Es ist nicht möglich, hier eine detaillierte Beschreibung aller in dem Park von Friedrich aufgestcllten Kunstwerke zu geben; daß der vor dem Haupteingange aufgestellte Obelisk ebenso wie das aus gekuppelten Säulen bestehende Hauptportal selber sowie die an dem Anfänge der von der Gartendirektion auf das Schloß zu führenden Allee aufgestellten Marmorsphinxe von Ebenhecht Wiederholungen ganz ähnlicher Anlagen im Rheinsberger Park sind, ist bereits hervorgehoben worden. Mich eine von der Marmorstatue Neptuns gekrönte, von Knobelsdorf!“ entworfene, reich ausgeschmückte Grotte (1754) (Abbildung S. 113) sowie ein Drachenhäuschen, ein chinesischer Pavillon (1756) und andere notwendige Requisiten eines Rokokoparkes fehlen nicht. Das Hauptstück war aber eine von Knobelsdorff entworfene, im Zuge der 1 Iauptallec von Sanssouci errichtete und von ihr durchschnittene runde Marmorkolonnade, deren Herstellung wegen mannigfacher Schwierigkeiten bei Beschaffung des Marmors und der Bleiarbeiten sich von 1751 bis 1762 hinzögerte. Diese Kolonnade mit ihren reich verzierten Eingangstoren, ihren 32 Säulen und Pilastern aus rotem Marmor mit Schaftgesimsen und Kapitalen von Karrara-Marmor, die schweren viereckigen Sandsteinpilastern vorgestellt waren, ihrem weißen Hauptgesimse mit reichem Vasen- und Figurenschmuck und zahlreichen zwischen die Säulen gestellten Figurengruppen muß einen wunderbaren Anblick dargeboten haben. Die dabei eingerichteten Wasserkünste kamen niemals zur Wirkung, da auch hier alle Versuche des Königs, leistungsfähige Leitungen für das Wasser zu erhalten, vergeblich waren. Die reichlich angebrachten Figuren und Vasen aus Blei sollten dieser kostbaren Anlage zum Verderben gereichen. Die durch ihre rasche Verwitterung stets erforderlichen teuren Reparaturen erleichterten den Beschluß des Königs Friedrich Wilhelm 11., die Kolonnade 1797 abreißen zu lassen und die Säulen für die Flügel des von ihm erbauten Marmorpalais im Neuen Garten zu verwenden.

Den Abschluß dieser den ganzen Park von Sanssouci durchschneidenden Ilaupt-allee sollte eine steinerne Grotte bilden, für die das Material bereits herbeigeschafft war. Als jedoch später der König die Allee noch verlängern und quer zu ihr das Neue Palais errichten ließ, wurden die bereits fertiggestelltcn Teile wieder abgerissen und alles dem Boden wieder gleich gemacht.

Links und rechts vom Schlosse Sanssouci hatte der König bereits 1745 und 1747 ein etwas niedriger gelegenes Gewächshaus und ein Orangenhaus errichten lassen, und für die Terrassierung vor dem nach Potsdam zu gelegenen Gewächshaus hat sich der oben abgebildete eigenhändige Entwurf Friedrichs erhalten. (Vgl. Seite 98.) An der Stelle dieses Gewächshauses beschloß der König, dessen Wohnungen allmählich mit Gemälden überfüllt waren, angeregt durch die wiederholten Besuche der Dresdener Gemäldesammlung, ein eigenes Gebäude für seine Sammlungen zu errichten, das, in unmittelbarer Nähe des Schlosses Sanssouci gelegen und mit dessen oberster Terrasse durch einen besonderen Eingang verbunden, auch dazu dienen sollte, ihm bei schlechtem Wetter eine angenehme und anregende Promenade zu gewähren. Im Januar 1755 ließ der König den Baumeister Büring nach Berlin kommen, um sein Projekt mit ihm zu besprechen. Manger teilt das von Friedrich aufgestellte Bauprogramm mit, das kurz gefaßt dahin lautete, daß das neue Gebäude an Stelle des 1745 errichteten Gewächshauses, und zwar als Pendant zu dem auf der anderen Seite des Schlosses 1747 erbauten Orangenhause erstehen solle. In der Mitte sollte der Neubau eine Art von Kuppel erhalten und an der Gicbelseite einen Balkon. In der sich an die Schloßterrasse anlehnenden Schmalseite sollte ein auf diese führendes Treppenhaus angelegt werden, dem im anderen Giebel des Gebäudes ein Kabinett für kleinere Bilder zu entsprechen hatte. Diesem Programm zeigte sich Büring, wenigstens bei der Außenseite des Gebäudes, nicht ganz gewachsen, denn diese gehört mit ihren überreichen Verzierungen und unverhältnismäßig großen Köpfen als Schlußsteinen über den Fenstern, mit ihren plumpen Vasen und Figuren sowie der Dachkonstruktion der Kuppel zu den unerfreulichsten Erscheinungen unter Friedrichs Bauten. Wie weit die Abwesenheit Friedrichs während des Siebenjährigen Krieges und der infolge des Krieges eintretende wiederholte Mangel an Baugeldern hier mitgewirkt haben, läßt sich heute schwer entscheiden. Auch die Umgebung der Galerie wurde nach den genauen Angaben des Königs völlig neu gestaltet, indem die bisherigen sechs schmalen Terrassen in zwei große verwandelt wurden, auf denen in Erinnerung an den Besuch Friedrichs in Holland ein holländischer Garten angelegt wurde.

Sehr viel erfreulicher als das Außere wirkt das Innere des Gebäudes mit seiner soliden Prachtentwicklung an verschwenderisch angebrachtem, zum Teil antikem Marmor in den Wandverkleidungen und Fußböden, mit den vergoldeten Bronzekapitälen und Schaftgesimsen an den weißen Marmorsäulen, mit dem reich modellierten vergoldeten Deckenschmuck, macht aber in seinen groß angelegten Verhältnissen bei 267 Fuß Länge mehr den Eindruck eines prunkvollen Festsaales als den einer Bildergalerie, zu der die einzige den Fenstern gegenüber liegende, für die Bilder bestimmte Wand sich schon wegen der ungünstigen Beleuchtung sehr wenig eignet. Außer den Gemälden, mit denen die Galerie und das daneben liegende Kabinett gefüllt wurden, die im Laufe der Jahre namentlich infolge von Abgaben an die Berliner Museen manche Änderungen erfahren haben, gab Friedrich auch noch einer Anzahl von Skulpturen in ihr einen festen Platz. Uber den beiden Türen der Schmalseiten wurden zwei Sarkophagreliefs aus der Polignacschen Sammlung in die Wand eingelassen, und zwischen den Säulen neben den Türen wurden vier im Aufträge des Königs in Paris für diese Plätze später angefertigte Marmorfiguren von Apollo (Lemoyne 1769) und Diana (Vasse 1769) sowie Mars und Venus (Coustou 1. j. 1771) aufgestellt. Auf den Fensterpfeilern wurden zwölf große vergoldete Konsolen angebracht, auf die antike Marmorbüsten aus der Sammlung Polignac gestellt wurden. Friedrich war mit seinen Gedanken viel bei dieser seiner Schöpfung, und auch im Felde ließ er sich eingehend über die Fortschritte der Arbeit berichten. In seiner Korrespondenz mit seiner Schwester Walhelmine begegnen wir den ersten Hinweisen auf seine Pläne, wenn er ihr am 28. März 1755 schreibt: Je fais batir ä Sanssouci unc galerie de tableaux, autre folie, si vous voulez.» Am 6. November d. J. kommt er eingehender hierauf zurück und berichtet der Schwester.

Das Pendantgebäude zur Bildergalerie, die 1747 erbaute Orangerie, heute Neue Kammern genannt, ließ der König von 1771 ab im Innern zur Unterbringung von Gästen für Schloß Sanssouci auf das prächtigste ausbauen und in der Mitte mit einem der Bildergalerie entsprechenden Kuppelaufbau versehen.

Bei dem Bau von Sanssouci hatte Friedrich der Große nur an sein persönliches Bedürfnis gedacht und sich ein Gartenhaus schaffen wollen, in dem er still und beschaulich seinen Idealen und seinen Freunden leben konnte. Allen weiteren Ansprüchen mußte das ziemlich entlegene Stadtschloß dienen, was bei vielen Besuchern doch manche Unbequemlichkeiten sowohl für diese wie für den König mit sich brachte. Daher beschäftigte sich Friedrich bereits in der Mitte der fünfziger Jahre mit Bauplänen für ein großes Repräsentationsschloß, das Raum für größere Festlichkeiten bot und auch fürstlichen Besuchern standesgemäße Unterkunft gewähren konnte. Da Friedrich über diese Fragen nicht auf dem Wege der Korrespondenz, sondern von Mund zu Mund verhandeln konnte, erfahren wir sehr wenig über diese ersten Baupläne. Als Platz für dieses neue Schloß hatte der König den Tornow gegenüber von Schloß Sanssouci auf der anderen Seite der Llavel in Aussicht genommen, und wenn man bedenkt, daß die Aussicht von Sanssouci damals nicht so zugcwachsen war und daß man von dort die Havel mit ihren Ufern frei überblicken konnte, ebenso wie der Hügel von Sanssouci weithin sichtbar war, so erscheint uns dieses Projekt mit seinem Hereinziehen des dort ziemlich breiten Wassers der buchtenreichen Havel und der Ausdehnung des Parks auf ihre beiden LTer mit weiten Fernsichten von großartiger Entwicklungsfähigkeit. Aber die Schwierigkeiten waren auch ganz außerordentlich, da sich die Anlage ohne große Landankäufe, den Bau von Brücken nsw. gar nicht ausführen ließ. Jedenfalls nahm der König davon Abstand und bestimmte, als er nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges energisch auf seine Baupläne zurückkam, das Terrain hinter dem sogenannten Rehgarten in der Achse der großen Allee als Bauplatz.

Rödenbeck (Tagebuch oder Geschichtskalender Friedrichs des Großen) berichtet unter dem 2. März 1756, daß Friedrich in einem von dem Ingenieur Müller gezeichneten, im vormals Königlichen Mausarchiv aufbewahrten Plan von Sanssouci den eben erwähnten Bauplatz auf dem Tornow selber angegeben und an diese Stelle eine kleine ausgeschnittene Zeichnung des Neuen Palais mit einer Nadel befestigt habe. Die Nachrichten über die Herstellung der Entwürfe für das Neue Palais sind nicht ganz klar, und wir wissen nicht, wie weit der Baumeister Johann Gottfried Biiring hierbei bestimmten Angaben und Wünschen des Königs folgte. Fs ist naheliegend, anzunehmen, daß Friedrich von seiner Reise nach Holland im Juni 1755 Eindrücke mitbrachte, die seinen Aufträgen an Biiring zugrunde gelegt wurden. Nach Nicolai hat der König die Anlage des Neuen Palais selber angegeben, und wurden die Zeichnungen nach seinen Ideen angefertigt. Nicht ganz stimmt cs allerdings hiermit, daß Biiring die ersten Zeichnungen bereits 1754 entworfen haben soll, doch wissen wir ja über die Art dieser ersten Entwürfe so gut wie nichts. An dem Entwurf für die Kommuns waren der Franzose Le Geai und später Gontard beteiligt, letzterer namentlich auch an dem inneren Ausbau des Hauptgebäudes. Großartige nicht ausgeführte Schloßentwürfe von Gontards Hand im Hohenzollern-Museum und Neuen Palais lassen sich kaum auf das Neue Palais beziehen, da er erst 1765 von Baireuth nach Potsdam kam, als der Bau des Neuen Palais nach Bürings Entwürfen bereits in vollem Gange war und nur noch in Einzelheiten abgeändert werden konnte.

An der Feststellung des Bauplatzes und an den Ausmessungen für das neue Gebäude am 10. Mai 1763 nahm Friedrich regen persönlichen Anteil und kümmerte sich um alle Einzelheiten. Am 11. Juni wurde bereits die Aufmauerung der Fundamente begonnen, die bei einem späteren Besuch dem König zu hoch erschienen, da er ebenso wie bei Sanssouci unmittelbar zu ebener Erde wohnen wollte. Friedrich befahl daher, daß drei Fuß der Fundamente wieder abgetragen werden sollten, der Baumeister aber, dem wohl bekannt war, wie in nassen Jahren das ganze Bauterrain oft überschwemmt war, begnügte sich mit der Abtragung von drei Stcinschichten und ließ dann von außen Erde gegen die Fundamente karren, um sie niedriger erscheinen zu lassen. Diese Vorsicht hat sich sehr bewährt, denn in nassen Jahren ist später oft das ganze Kellergeschoß des Schlosses überschwemmt worden, und bedurfte die Trockenlegung besonderer baulicher Maßnahmen. Durch die Anweisung von 200000 Talern Baugelder gleich im ersten Jahre bezeugte der König seinen Wunsch nach schneller Förderung des Baues, da nun alle Bestellungen weit im voraus gemacht werden konnten. Zunächst wurde der kleine, nach Süden zu bclcgene Flügel in Angriff genommen, in dem die Wohnung des Königs eingerichtet werden sollte, die bei des Königs eifriger Teilnahme bereits 1765 fertiggcstellt und auch möbliert war, so daß Friedrich bei seinen häufigen Besuchen des Baues sich darin aufhaltcn konnte. Diese Wohnung bezog Friedrich in den Sommern 1768 und 1769 ganz, wahrscheinlich um von dort aus die Inneneinrichtung des Palais leichter leiten zu können, das dann am 19. Juli 1768, obwohl noch unfertig, durch das Oratorium La conversionc di san Augustino von Hasse cin-geweiht wurde. Die Zimmer der Wohnung Friedrichs zeichnen sich vor den anderen Wohnungen nicht durch größere Pracht, aber durch eine größere Reinheit und Geschlossenheit des Rokokostiles aus, der, trotzdem er sich anderweitig, z. B. in Paris, bereits völlig überlebt hatte, es hier noch zu großartigen Wirkungen bringt, während in den übrigen Teilen des riesigen Schlosses sich zuweilen eine Verwilderung und Vermischung des Stiles zeigt, die oft mehr prunkvolle als feine Effekte erzielt. Den 1 laupt-antcil an der Innenausschmückung der Räume nicht nur der Wohnung Friedrichs, sondern des gesamten Schlosses hatte der jüngere I loppenhaupt, der auch die Entwürfe zu den Verzierungen der schönsten Räume selber angefertigt hat. In den Wolrn-rüumen FriecHchs können wir auch einige der schönsten Leistungen der von ihm besonders geförderten Manufakturen aufsuchen, wie die von der Berliner Porzellanmanufaktur angefertigten Kronleuchter und Spiegclrahmcn und die von Melchior Kambly geschaffenen Prunkmöbel, Schränke, Uhren, Kommoden aus Schildpatt mit vergoldeten Bronzebeschlägen. Der Bilderschmuck hat im Laufe der Zeiten mehrfache Änderungen erfahren, zeigt aber noch einige von Friedrichs hervorragendsten Erwerbungen an Gemälden von Rubens, Watteau, Chardin, Antoine Pesne u. a.

Von dieser seiner Wohnung aus leitete Friedrich dann den ganzen weiteren Schloßbau, indem er stets antrieb und anfeuerte, wo er Nachlässigkeit zu bemerken glaubte. Diese stete Anwesenheit des Bauherrn hatte natürlich auch zur Folge, daß während des Baues mannigfache Änderungen des bereits Begonnenen befohlen wurden, wenn es den Wünschen des Königs nicht zu entsprechen schien. Eine der eingreifendsten Änderungen dieser Art war die Eortnahmc der Säulen, die Biiring vor die Pilaster des Risalites den vom König genehmigten Plänen entsprechend aufstcllcn ließ, um die riesige Gartenfront des Schlosses mit ihrer gleichmäßigen Pilaslerarchitektur zu unterbrechen. Kaum erblickte der König diese Säulen, die er in den Plänen wohl übersehen hatte, als er auch den Befehl zu ihrer Fortnahme gab, weil nach seiner Ansicht, gegen die sich ja auch nicht viel cimvendcn Läßt, vorstehende Säulen die Inncnraumc gefängnisartig machen und die Aussicht behindern.

Der Muschelsaal gewährte damals noch nicht den prächtigen Anblick von heute, da der König die Ausgaben für die Verkleidung der Wände mit Muscheln und Gesteinen auf 6000 Taler beschränkte, mit denen in dem riesigen Raume nicht viel 7.11 machen war, so daß in der Hauptsache Gipsarbeiten verwendet wurden. Die jetzige kostbare Ausschmückung mit edlen Steinen, Muscheln und anderen Naturalien entstammt erst den letzten Jahrzehnten, und an ihrer Zusammenbringung hat die ganze kaiserliche Familie durch unausgesetzte Sammlertätigkeit beigetragen.

Auch in der Anlage der für ein derartiges großes Gebäude zu unbedeutenden und versteckten Treppen setzte der König dem Baumeister Gontard gegenüber seinen Willen durch, so daß die Sciten-treppen an den Schmalseiten des Schlosses bedeutend großartiger ausfielen als die in der INIitte am großen Vestibül belegenen Haupttreppen.

Bei den nach den von Gontard geänderten Entwürfen Le Geais begonnenen Kommuns standen schon die Fundamentmauern, als der König befahl, ihre Front nach hinten um je vier Fenster zu verlängern, ohne daß darum die Baukosten erhöht werden durften. (Abbildung S. 116.) Auch an den Kolonnaden ließ der König nach ihrer Fertigstellung noch eine Änderung vornehmen. Ursprünglich war auch ihr Mittelportal von einem Obelisken gekrönt. Dieser gefiel dem König nicht, er mußte wieder abgenommen und durch eine flache Kuppel ersetzt werden.

Der Eindruck dieses Prachtbaues auf die Zeitgenossen war groß, und es konnte sich die Auffassung verbreiten, daß Friedrich ihn nur unternommen habe, um zu zeigen, wie wenig der Siebenjährige Krieg seinen Kredit und die Hilfsquellen des Landes angegriffen habe. Bezeichnete doch der König selber dieses Unternehmen im Jahre 1780 seinem Vorleser Luchesini gegenüber als Fanfaronnade», doch habe ich oben gezeigt, daß die Pläne zu einem solchen Gebäude schon vor dem Siebenjährigen Kriege entworfen wurden. Der Reichtum der Ausstattung mag ja den Zweck gehabt haben, Europa zu verblüffen, das Preußen und seinen Herrscher nach so vielen Kriegen für völlig erschöpft halten mußte. Die Landgräfin Karoline von Hessen verglich das Neue Palais in einem Briefe vom 19. Juli 1769 mit einem «Feenschloß .

So sehen wir aus den uns überlieferten spärlichen Nachrichten überall die eifrige persönliche Teilnahme und Mitarbeit Friedrichs an diesem seinem größten Bau, der als ein hervorragendes Denkmal der Kunstliebe des Großen Königs von seinen Nachkommen in pietätvoller Weise gepflegt und erhalten worden ist und bei dem das Kaiserpaar nicht die geringste Änderung oder Erneuerung gestattete, ohne daß nach jeder Seite hingeprüft wurde, wie sie sich den von Friedrich getroffenen Einrichtungen stilgerecht anschließt. Auf diese Weise ist es gelungen, dem Schlosse den von seinem Erbauer gewollten Charakter unvermindert zu erhalten, und es ist wohl das beste Zeugnis für die Großartigkeit der Anlage, daß das Neue Palais den Anforderungen einer modernen Hofhaltung ohne besondere Schwierigkeiten in jeder Beziehung gerecht zu werden vermochte.

In enger Beziehung zum Neuen Palais stehen zwei in seiner Nähe in den Parkanlagen errichtete Tempel, zu denen Friedrich nach Mangers Zeugnis eigenhändig die leider nicht erhaltenen Skizzen entworfen hatte, die Gontard dann «ins reine» zeichnen und mit einigen Änderungen zur Ausführung bringen mußte. Der Antikentempel ist ein ganz mit schlesischem Marmor ausgekleideter und durch ein Oberlicht beleuchteter Rundtempel mit einem dreifenstrigen viereckigen Anbau. In dem Rundbau sowie auf einer Balustrade an der W and und auf 50 vergoldeten Wandkonsolen hatte der König einen Teil seiner heute in den Berliner Museen befindlichen Antikensammlung aufgestellt, darunter auf dem Fußboden der Stolz seiner Sammlung, die sogenannte Familie des Lykomedcs, in Wirklichkeit eine vom Kardinal Polignac mit Hilfe der Restaurierungen von L. S. Adam gemachten Zusammenstellung von gar nicht zueinander gehörenden antiken Statuen. In dem Anbau war in vier Schränken die kostbare Münzen- und Gemmensammlung des Königs untergebracht, in der seine eigenen großen Ankäufe mit der Sammlung seines Großvaters König Friedrichs I. vereinigt waren. Der Freundschaftstempel sollte der Erinnerung an seine am 14. Oktober 1758 verstorbene Lieblings-schwestcr Markgräfin Wilhelminc von Baireuth dienen. Er besteht aus einem von zehn korinthischen Säulen getragenen, hinten geschlossenen Rundtempel aus karrarischem Marmor, in dem die Statue Wilhelmines in sitzender Haltung mit einem Buch in der Hand und ihrem Lieblingshündchen auf dem Schoß aufgestellt ist. An den Säulen sind Medaillonbildnisse berühmter Freundschaftspaare des Altertums aus Marmor aufgehängt. Die Figur der Markgräfin wurde zwei Baireuther, nach Potsdam übersiedelten Bildhauern, den Gebrüdern Ränz, übertragen, ebenso wie auch Gontard, der Architekt und Ausführer der Ideen Friedrichs, aus den Diensten der verstorbenen Schwester nach Potsdam gekommen war.

Bei der weiteren Ausgestaltung des Parkes in der Nähe des Neuen Palais hatte der König auch die Anlage eines terrassierten Weinberges mit Treibmauern an den Abhängen des sogenannten Clausberges, der das Terrain von Sanssouci von den Bornstädter Feldern scheidet, befohlen. Bei dem Besuche dieser Anlage lernte er wiederholt die schöne Aussicht von der 1 lohe des Berges auf das Neue Palais und dessen nähere und weitere Umgebung kennen, die durch seine Bauten und Anlagen einen ganz anderen Charakter als früher gewonnen hatte. Um für diese Aussicht eine noch höhere Stellung zu gewinnen, beauftragte er den Baumeister Unger mit der Anlage eines Belvederes, das in jedem Stockwerk einen runden Salon mit von Säulen getragenen Balustraden hat und von einer Kuppel gekrönt ist. Die obere Balustrade ist mit 20 Sandsteinfiguren geschmückt, so daß der ganze Bau mit seinen Säulen, Figuren und großen geschwungenen Freitreppen einen wenn auch etwas schwerfällig wirkenden prächtigen Anblick gewährt. Die ursprünglich angebrachten Blumenfcstons aus Blech, die den Gebäuden einen festlichen und leichten Anstrich geben sollten, wurden von den Winden bald derartig beschädigt, daß sie wieder herabgenommen werden mußten. Die beiden Säle wurden reich mit Marmor ausgeschmückt, und ist der obere, der einen parkettierten Fußboden hat, in späteren Jahren einige Male zu kleinen Tanzfestlichkeiten benutzt worden; für Friedrich selber hat das Belvedere keine große Bedeutung gewonnen. Die Ursache hiervon lag auch wohl mit daran, daß der König es von Sanssouci erst mit einem großen Umwege erreichen konnte. Sein Wunsch, diesem Übelstande durch Anlage eines beim Drachenhause vorbeiführenden Weges abzuhelfen, veranlaßte einen Kostenanschlag von 1387 Talern, der den König so empörte, daß er dem Baukontor am 9. Mai 1775 sein äußerstes Mißfallen hierüber kundgab. Es gibt das zu erkennen, daß Keiner der Baubedienten sich angelegen sein läßt, Allerhöchstderoselben Interesse und die äußerste Menage zu beobachten, und werden sie daher alles Ernstes verwarnt, ihre Pflicht und Schuldigkeit besser wahrzunehmen.» Ein neuer Anschlag über 162 Taler wurde dann genehmigt, der damit erbaute Weg aber bald vom Flugsande wieder verweht.

Text aus dem Buch: Friedrich der Grosse und die bildende Kunst (1922), Author: Seidel, Paul.

Hier geht es weiter:
Friedrich der Grosse und die bildende Kunst – Vorwort
Friedrich der Grosse und die bildende Kunst – JUGENDEINDRÜCKE.
Friedrich der Grosse und die bildende Kunst – RHEINSBERG.
FRIEDRICH DER GROSSE ALS BAUHERR
Friedrich der Grosse und die bildende Kunst – DAS STADTSCHLOSS IN POTSDAM.

Friedrich der Grosse und die bildende Kunst

Nächst dem Berliner Schlosse ist das Potsdamer Stadtschloß die wichtigste Residenz der Hohcnzollern in Brandenburg-Preußen. Seine älteste Baugeschichte ist ebenso wie die des Berliner Schlosses in Dunkel gehüllt, und erst vom Ende des ]6. Jahrhunderts stammen die frühesten Nachrichten über die baulichen Zustände des damaligen Gebäudes. Über den 1598 begonnenen Neubau der Kurfürstin Katharina sind wir bereits etwas besser unterrichtet und können aus den erhaltenen Inventarcn eine Vorstellung von der inneren Einrichtung gewinnen, eine Abbildung der äußeren Erscheinung ist uns aber nicht erhalten. Uber den Neubau des Großen Kurfürsten dagegen sind wir, was die äußere Erscheinung anbelangt, durch ausgezeichnete Abbildungen sehr gut informiert, während uns für die innere Einrichtung ein allerdings erst unter seinem Nachfolger angelegtes Inventar Auskunft gewährt.

Das Potsdamer Stadtschloß in seiner heutigen äußeren Erscheinung verdankt diese dem von Friedrich dem Großen vorgenommenen Um- und Ausbau. Geändert hat sich nur die Farbenfreudigkeit und Frische der Bemalung, die einer gleichmäßigen Tünche und Farblosigkeit gewichen ist. Hier wieder den ursprünglichen Intentionen gerecht zu werden, wäre dadurch sehr erleichtert, als uns die farbige Erscheinung des Schlosses durch Ölgemälde aus dem Jahre 1771 mit größter Genauigkeit überliefert worden ist. Bedeutungsvoller sind die Umwandlungen der Innenräume unter König Friedrich Wilhelm 111., der einige Räume der Wohnung Friedrichs völlig neu ausbaucn ließ, während bei anderen, die zur Wohnung der Königin Luise umgewandelt wurden, wohl nur aus Sparsamkeitsgründen wenigstens die schönen vergoldeten Stuckdecken erhalten blieben. Das Theater Friedrichs wurde durch Friedrich Wilhelm III. leider ganz beseitigt und zu kleinen Wohnungen für das Gefolge ausgebaut.

Friedrich II. hat nicht von Anfang an einen weitgehenden äußeren Umbau des Stadtschlosses geplant, sondern begnügte sich zunächst mit einer am 2. August 1744 befohlenen Abputzung und Instandsetzung des Gebäudes, die im wesentlichen aus dem Ausbessern des abgcfallenen Putzes und aus dem Streichen und Färben der jedenfalls sehr verwaschenen und verschmutzten Fassaden bestanden. Da aber die Order zum Bau der Terrassen von Sanssouci vom 10. August desselben Jahres lautet, muß man annehmen, daß der König sich um jene Zeit definitiv entschlossen hatte, in Potsdam seinen 1 lauptwohnsitz, wenigstens finden Sommer, zu nehmen. Und schon vom 29. Dezember 1744 ist. die Order datiert, in der Friedrich die Mittel zur Verschönerung des Stadtschlosses durch zwei neben ihm zu erbauende Kolonnaden anweist, die das Schloß selber aber unberührt lassen. Die Entwürfe dazu waren nach des Königs Angaben von Knobelsdorff hergestellt, und es ist wohl zweifellos, daß auch hier, ebenso wie später bei den Kolonnaden des Schlosses Sanssouci, die lieben Erinnerungen an den Rheinsberger Schloßbau mit seiner Kolonnade bei dem Bauherrn wie bei dem Baumeister den Anstoß zu dieser Idee gaben, wenn auch die Anlage selber bei den abweichenden Verhältnissen ganz anders gestaltet werden mußte. Die eine Kolonnade erstreckt sich von der nach der Havel zu liegenden Schloßecke bis zu der kurz vorher am Havelufer fertiggestellten Balustrade und besteht aus acht Paar gekuppelten Säulen, von denen die zwei Endpaare und die links und rechts vom Durchgang liegenden durch je eine dritte Säule verstärkt waren, damit die ganz frei stehende Kolonnade bei starkem Winddruck nicht ins Schwanken geraten sollte. In die Zwischenräume der Säulen wurden Gruppen gestellt, auf der Attika aber erhielten Kindergruppen und Vasen abwechselnd ihren Platz. Die zweite erst im Jahre 1746 fertiggestellte

Kolonnade wurde in ähnlicher Weise, aber entsprechend länger, zwischen der Westseite des Schlosses und dem damaligen Orangenhause, später Marstall, aufgestellt und besteht aus 32 Säulen, in deren Zwischenräumen Gruppen von Ringern und Fechtern ihren Platz erhielten. Vielleicht ist es die Freude an der Herstellung dieser Kolonnaden gewesen, die den König zu dem Entschlüsse brachten, die äußere Erscheinung des gesamten Stadtschlosses mit seinen Neigungen und seinem Geschmack in Einklang zu bringen und sich darin als Ergänzung seines in demselben Winter 1744/1745 begonnenen Sommerschlosses Sanssouci ein Winterquartier einzurichten, das ihm ermöglichte, das ganze Jahr in dem liebgewonnenen Potsdam zubringen zu können.

Die Entwürfe für den Umbau der Fassaden des Stadtschlosses wurden unter reger Beteiligung des Königs, der selber Zeichnungen dazu entworfen hat, von Knobelsdorff hergestellt und die Arbeit danach sofort in Angriff genommen. Der Grundriß des Schlosses erlitt keine wesentlichen Veränderungen, eine Vergrößerung erfuhr er nur durch den Anbau des Konfidenztafelzimmers an die Wohnung des Königs. Die äußere Erscheinung erfuhr aber eine durchgreifende Umgestaltung, ohne daß in die Verteilung der Fenster irgendwie eingegriffen wurde, indem dem Mittelrisalit der Lustgartenfassade durch zwischen den fünf Fenstern angebrachte, auf das Rustika-Untergeschoß gestellte Doppelhalbsäulen ein kraftvoll sich geltend machender Palastcharakter verliehen wurde; dafür, daß durch die einfachen Halbsäulen an den Ecken dieser Eindruck sehr abgeschwächt wurde, konnte der Architekt nichts, denn für Doppelsäulen war dort kein Platz vorhanden, nachdem der König eine Veränderung der Fensteranlagen ausdrücklich verboten hatte. Die Seitenrisalite erhielten, ebenso wie die Seitenfronten dieses Hauptgebäudes und alle Risalite der Seitenflügel, in ähnlicher Weise angebrachte einfache Pilaster zwischen den Fenstern, während die zurücktretenden Teile der Gartenfront mit gekuppelten Doppelpilastern versehen wurden. Das Dachgesims erhielt eine mit Figuren und Vasen geschmückte Balustrade, und außerdem wurden Kartuschen mit dem preußischen, brandenburgischen und schlesischen Wappen angebracht. Die bisherige Freitreppe wurde in eine Rampe umgebaut, deren Balustraden mit Laternenfiguren, Sphinxen und Vasen reich geschmückt sind. Die Seitenfassaden wurden durch Aufbau eines neuen Stockwerkes mit dem Hauptgebäude auf gleiche Höhe gebracht und in oben angedeuteter Weise mit Pilastern zwischen den Fenstern belebt. An den Giebelseiten dieser Flügel nach dem Markte zu wurde das Erdgeschoß vorgerückt, um vier freistehenden Säulen Raum zu gewähren, die mit Bildhauerarbeit reich geschmückte Frontispize trugen. In ihrer äußeren Erscheinung blieben das de Bodtsche Portal und die niedrigen halbrunden Seitengebäude desselben erhalten, letztere wurden nur nach der Schloßhofseite mit Arkaden versehen und ihr Hauptgesims mit einer durch Vasen und Trophäengruppen geschmückten Balustrade verziert. An der Hofseite des 1 rauptgebäudes mußte das Mittelrisalit erweitert werden, um einem reich ausgcstaltcten Marmortreppenhause Raum zu gewähren, dessen Front durch fast ganz freistehende Doppelsäulen und Eck-säulen als Mitte des Baues stark hervorgehoben wurde, während die Seitenteile dieser Front und die Hoffronten überhaupt ähnlich wie auf den Außenseiten des Schlosses durch Pilaster belebt wurden. Die Balustraden des Daches wurden mit Figuren und Vasen reich geschmückt, das Kupfer blau gefärbt und mit vergoldeten Zieraten versehen. Diese energischen Farben des Daches, verbunden mit der roten Färbung aller Frontflächen, die durch das grün getönte Bodtsche Portal noch mehr hervorgehoben wurde, müssen dem ganzen Gebäude, wie auch die erhaltenen danach gemalten Ölgemälde aus der Zeit Friedrichs des Großen bezeugen, eine ungemein lebhafte farbenfrohe Erscheinung verliehen haben, die mit der ganzen ungebrochenen Farbenpracht der inneren Ausstattung in Marmor, Seidenstoffen und Gemälden in innigster i larmonie stand. Noch heute wird vielfach der Fehler begangen, die Farbenfreudigkeit unserer Vorfahren nach den Überresten verblaßter Seidenstoffe oder nach dem Schmutze jahrhundertelang nicht gereinigter oder abgenutzter Vergoldungen und Deckengemälde zu beurteilen. Wir begehen hier denselben Fehler, als wenn wir uns das alte Griechenland voller schneeweißer Marmortempel und Figuren denken, wie sie uns heute überliefert sind, nachdem tausendjähriger Regen oder feuchte Erde auf ihre reiche Farbenpracht cingewirkt haben.

Dieser Umbau des Stadtschlosses wurde im Jahre 1751, selbstverständlich nicht in der hier gegebenen Reihenfolge meiner kurzen Skizze, zu Ende geführt. Ein jeder Besucher Potsdams erblickt beim Überschreiten der Langen Brücke als erstes Bild der Stadt vor sich das Stadtschloß, er sicht durch die Havelkolonnaden über den Lustgarten, in dessen Hintergründe die Garnisonkirche emporragt und alle Augenblicke durch ihr Glockenspiel aus luftiger Höhe die Erinnerung an die alten Zeiten in uns wachruft, er sieht vor dem Schlosse die mit unendlicher Mühe und Sorgfalt erhaltene Bittschriftenlinde, von der aus die Bittsteller ihre Gesuche zu dem Arbeitszimmer des alten Fritz emporhielten; und doch wie wenige von den Tausenden, die hier namentlich im Sommer täglich vorbeiströmen, kommen auf den Gedanken, das Innere des Schlosses zu besichtigen und die zahlreichen Andenken an den Großen König in den von ihm bewohnt gewesenen und bis auf heute pietätvoll erhaltenen Räumen aufzusuchen. Wohl nur ein kleiner Bruchteil der Besucher Potsdams weiß überhaupt, daß im Stadtschloß die Winterwohnung des Großen Königs lag, die stilistisch zum Teil viel schönere und bedeutendere Räume und vor allen Dingen in Stoffen und Einrichtungsgegenständen viel besser erhaltene Zimmer enthält als Sanssouci. Trotz mancher Umbauten im Stadtschlosse, namentlich unter Friedrich Wilhelm IIP, sind wenigstens die Wohnräume Friedrichs so gut wie unberührt geblieben und vermögen uns noch heute das beste und ungetrübteste Bild der von ihm sich geschaffenen Umgebung zu gewähren. Auch hier möchte ich bei der Schilderung der Einrichtungen von einer chronologischen Reihenfolge Abstand nehmen, sondern meine Leser im Zusammenhänge durch Friedrichs Wohnräume führen und an dieser Stelle nur die chronologische Aufeinanderfolge der inneren Ausbauten kurz andeuten.

Von der fürstlichen Einrichtung des Schlosses, wie wir es aus dem Inventar von 1713 kennen lernen, findet sich in den Wohnräumen Friedrichs gar nichts mehr vor, und auch die ganze Innendekoration ist bis auf die Decke im Marschalltafelzimmer und die Dekoration eines Ganges im dritten Stockwerke völlig verschwunden. Nur die Stuckdekorationen Schlüters an der Decke des Marmorsaales wurden pietätvoll konserviert und in die neue Ausgestaltung der Decke hineingezogen.

Da Friedrich in Potsdam ohne seine Gemahlin residierte, wurde die alte Einteilung der Räume hinfällig, der König verlegte seine intimeren Wohnräume in die Zimmer, wo ehedem Kurfürstin Louise Henriette und Königin Sophie Charlotte ihr Quartier hatten, und gestaltete die Wohnungen des Großen Kurfürsten und König Friedrichs I. zu Gesellschafts- und Gasträumen.

Wie nach dem Siebenjährigen Kriege der Bau des Neuen Palais von Sanssouci beweisen sollte, wie wenig Preußen von des Krieges Not erschöpft war und wieviel mächtiger sein Herrscher aus diesem Kampfe mit ganz Europa hervorgegangen war, so wurden durch den Ausbau des Stadtschlosscs die beiden ersten Schlesischen Kriege und die Gewinnung dieser kostbaren Provinz gefeiert und verherrlicht. Wir erwähnten schon, daß an der I fauptfront neben dem preußischen und brandenburgischen das schlesische Wappenschild angebracht war, und treten wir von der Hofseite aus in das Schloß, so sehen wir, daß Schlesien das Material für die drei ersten Räume hat gewähren müssen, denn im Treppenhause, in der Galerie vor dem Marmorsaale und in diesem großen Saale selber sind Wände und Fußböden durchweg aus schlesischem Marmor hergcstellt; Friedrich wollte auch hier zeigen, daß er bis in das Innere der Berge hinein Besitz ergriffen hatte von seiner Eroberung und daß er an ihr festzuhalten gedachte. Während Friedrich in Sanssouci durch die Dekoration der Wände und Decken andeutete, daß er hier ganz den Musen und schönen Künsten als Philosoph von Sanssouci» zu leben gedachte, so sehen wir im Stadtschlossc nichts von antiken Mythologien und olympischen Zusammenkünften, keine 1 lorazverse und keine Venus Urania ziehen unsere Blicke auf sich, sondern gleich im Treppenhause sehen wir an dem Deckengemälde Pesnes den anderen Geist, der hier waltet, zum Ausdruck gebracht. Dort wird ebenfalls der Krieger verherrlicht, der als Sieger über die bösen Mächte den neu eroberten Provinzen und seinen Ländern den Frieden bringt, jauchzend stößt die Fama in die Trompete: «Orbi Pacem Felicita-temque Nuntiafero.»

Daß sein eigenes Bildnis zu einer wenn auch nur allegorischen Verherrlichung seiner Siege, die übrigens in dem erwähnten Bilde Pesnes in allen Schlössern Friedrichs einzig dasteht, benutzt werde, hat der König nie gestattet; dagegen hat er den Bau des Stadtschlosses dazu benutzt, das dort im Marmorsaale dem Großen Kurfürsten, der den Grund und das Fundament zu Preußens Macht gelegt hatte, errichtete Denkmal zu erweitern und weiter auszugestalten. Die Vorgefundenen großen Ölgemälde mit den Verherrlichungen des Großen Kurfürsten von van Thulden, Lcygebc und Vaillant wurden in dem neu hergestellten Marmorsaale in prachtvollen Goldrahmen wieder angebracht, daneben aber vergoldete Bronzerelicfs mit Darstellungen der Siege Friedrich Wilhelms und ebensolche Trophäen in den Marmor eingelassen, und über dem Ganzen auf der von dem Schlütcrschen Figurenfries eingerahmten Decke als Abschluß eine allegorische Verherrlichung seines großen Vorfahren von van Loo gemalt. Wie nahe hätte es für den jugendlichen Sieger in zwei gewaltigen Feldzügen gelegen, und wie verständlich wäre cs erschienen, wenn er seine Taten hier neben die seines Urgroßvaters gestellt hätte, aber nein, weder jetzt noch später hat der Große König die von ihm so geliebte und bewunderte Kunst dazu benutzt, um seinen Ruhm auch im Bilde oder Stein und Erz auf die Nachwelt gelangen zu lassen, ja nicht einmal hat er nach seiner Thronbesteigung gestattet, daß ein Maler sein Bildnis getreu nach dem Leben für die Nachwelt schuf. Müssen wir auch diesen Mangel künstlerischer Verewigung des Genius mit großem Schmerze bedauern, so stehen wir doch wieder bewundernd vor einer solchen Seelengröße, die über alle menschliche Eitelkeiten der Welt, des Ruhmes und des Erfolges derartig erhaben war.

Mit dieser sozusagen politischen Inszenierung der Eintritts- und großen Festräume seiner Wohnung im Stadtschlosse ist Friedrichs Bedürfnis nach dem Pompe öffentlicher Repräsentation völlig genügt, in seinen Wohngcmächern ist die Behaglichkeit, die künstlerische Durchbildung aller Einzelheiten gemäß seinem persönlichen Geschmack der einzige Gedanke, der ihn bei ihrer Herstellung leitet.

Gleich im Jahre des Regierungsantrittes beginnt die Instandsetzung der intimen Wohnräume des Königs, von denen das kleine Speisezimmer, das Schreibgemach an der Ecke und das Schlafgemach in den Rechnungen ausdrücklich genannt werden, doch ziehen sich die Arbeiten bis zum Juni 1742 hin. Diese erste Ausgestaltung der drei Räume war bedeutend einfacher als wie sie sich heute zeigt, und nur das ovale Speisezimmer scheint seine damalige Erscheinung bewahrt zu haben. Das Schlafzimmer mit dem Alkoven war boisiert und weiß gestrichen, während die Stuckverzierungen der Decke und die Holzschnitzereien vergoldet waren, auch war die Balustrade vor dem Alkoven aus bemaltem und zum Teil vergoldetem Holz hergestellt. Ebenso war das Arbeitszimmer boisiert und weiß gestrichen. Auch das Konzertzimmer wird in einer Malcrrechnung vom Juni 1742 erwähnt, in der auch von dort befindlichen Freskomalereien gesprochen wird.

Erst mit dem Jahre 1744, in dem der Bau von Sanssouci begann und die Wahl Potsdams zur Hauptresidenz des Königs feststand, wurde der äußere Umbau des Potsdamer Stadtschlosses begonnen, und gleichzeitig wurde die Herstellung einer wirklich königlichen Wohnung energisch in Angriff genommen, während die bisherigen oben erwähnten Arbeiten keine größere Bedeutung als die Herstellung eines vorübergehendem Aufenthalte dienenden Absteigequartiers hatten. Neben Knobelsdorff, dem Generalintendanten der königlichen Bauten, ist für die Innendekoration der Räume in erster Linie der Bildhauer Johann August Nahl von ausschlaggebender Bedeutung gewesen, der als Direktor der Ornamente wirkte und für die Ausführung derjenigen Skizzen, die er nicht allein bewältigen konnte, im Namen des Intendanten Kontrakte mit Künstlern und Handwerkern schloß. Unser besonderes Interesse erregt Nahl durch den Umstand, daß er in Berlin geboren ist; seine Erziehung und Ausbildung erhielt er aber im Auslande, ganz besonders in Straßburg, wo er auch das Bürgerrecht besaß. Im Jahre 1741 oder 1742 kam er nach Berlin, und ihm verdanken wir das Schönste von Innendekorationen, was die Schlösser von Charlottenburg und Potsdam aufzuweisen haben. Als Ausführer seiner Entwürfe und später auch als selbständige Künstler kommen für Holzschnitzereien Vater und Sohn Hoppenhaupt in Frage, die nach dem Fortgange Mahls im Jahre 1746 die meisten wichtigeren Arbeiten dieser Art zu liefern hatten. Auf die große Zahl der sonstigen Holzbildhauer, der Marmorarbeiter, Stukkateure, Bronzearbeiter, Tischler usw. können wir hier nicht näher eingehen.

Von besonderem Reize ist in der Wohnung Friedrichs im Potsdamer Stadtschlosse die unerschöpfliche Mannigfaltigkeit der Motive und Dekorationsarten, durch die ein jeder Raum seinen ganz bestimmten Charakter erhält. Auch der dem König so eigenartigen Vorliebe für das Silber anstatt des Goldes an Decken, Holzschnitzereien und Möbeln begegnen wir hier in der schönsten Vollendung. In dem Schlafzimmer ist diese Neigung sogar so weit durchgeführt, daß die Alkoven-balustradesowic dicMetall-beschläge des Schreibtisches und der Kommoden aus massivem Silber hergestellt sind. In dieser Zusammenstimmung der Farbentöne von sehr reich angewandtem Silber mit dem zarten mit Silber melierten Blau der Tapeten, Möbelüberzüge und Gardinen (heute zum Teil vereinfacht) und dem Weiß des Holzanstriches erscheint der König geradezu bahnbrechend gegenüber dem damals als absolut vorbildlich geltenden französischen Geschmack, das kein einziges Beispiel ähnlicher Dekorationen aufzuweisen vermag.

Ein kleines Juwel ist ferner das Zedernkabinett mit seinen von Nahl entworfenen vergoldeten Bronzedekorationen und das ebenfalls von Nahl dekorierte Konzertzimmer mit seinen von vergoldeten Holzschnitzcreien eingefaßten Malereien auf Goldgrund in chinesischer Manier. Die außerordentlich feinen und noch ganz den Regencestil atmenden vergoldeten Holzschnitzereien des Marschalltafelzimmers werden in ihrer Erscheinung durch die schwer auf dem Raume lastende weiße Decke aus der Zeit des Großen Kurfürsten geschädigt, gehören aber in bezug auf Feinheit der Zeichnung und Durchbildung der technischen Ausführung zu dein Vollendetsten, was aus dieser Zeit vorhanden ist.

Späterer Zeit (1748 —1750) entstammen das Konfidenztafelzimmer mit seinen rosa Sammettapeten und den etwas schwerfälligen Bronzedekorationen von Melchior Kumbly sowie die Dekoration der «laquirten naturellen Blumen-Kammer», des Arbeitszimmers des Königs, mit geschnitzten Blumengehängen von Johann Christian Hoppenhaupt (1755), die dann von Augustin Dubuisson, dem Schwager und Schüler Pesnes, coloriret und natürlich gemahlet wurden.

Der bereits oben erwähnte, 1749—1751 ausgebaute große Marmorsaal trennte diese intimen Wohnzimmer Friedrichs von der ehemaligen Wohnung des Großen Kurfürsten und Friedrichs I., deren Ausbau gleichzeitig in Angriff genommen wurde. Der Anschlag Boumanns ist vom 26. Februar 1744 datiert, doch wissen wir nicht, ob er vom König bewilligt und ob die Ausführung sofort in Angriff genommen wurde, denn auch hier wieder lassen uns die Akten völlig im Stich. Dazu kommt, daß von den sechs in Frage kommenden Räumen nur ein einziger erhalten geblieben ist: der sich unmittelbar an den Großen Marmorsaal anschließende Bronzesaal. Nach dem erwähnten Anschläge Boumanns von 1744 war die Dekoration dieses Raumes in vergoldeter Holzschnitzerei gedacht, deren Aufzählung und knappe Schilderung den Gedanken nahelegt, daß sie der zehn Jahre später ausgeführten Dekoration in vergoldeter Bronze völlig entsprach. Dadurch würde auch die durch Nicolai überlieferte, an sich sehr wahrscheinlich klingende Tradition bestätigt, die den Entwurf dieses Raumes Nahl zuschreibt, der bei der Ausführung derselben in Bronze in den Jahren 1754 1755 aber Potsdam und Berlin längst verlassen hatte. Der am 8. März 1754 zwischen dem Gcheimkämmerer Predersdorff und Melchior Kambly geschlossene Kontrakt legte die Ausführung in Bronze für die Summe von 16500 Talern ganz in die Hände des letzteren, während nur ein kleiner Teil der Modelle von Schwitzer für 1190 Taler und die Feuervergoldung von dem ITanzoscn Morel unter der Oberaufsicht Kamblys für 8000 Taler geliefert werden sollte. Der Bronzesaal diente unter Friedrich dem Großen bei festlichen Gelegenheiten als Speisesaal und nimmt die Breite des ganzen Flügels ein, so daß er zwei Fenster nach dem Hofe und zwei nach der Garnisonkirche zu hat. Die ganze überaus reiche Dekoration der Wände besteht aus vergoldeter Bronze von einem Reichtum und einer Vielseitigkeit der Erfindung, sowie einer Durchbildung und Eleganz der Einzelformen, die durch keine anderen Leistungen auf diesem Gebiete, auch in Frankreich nicht, je übertroffen wurden. Zum Beweise dieser Behauptung geben wir einem berufenen französischen Kritiker, Famile Michel, das Wort, der in der Revue des deux Mondes vom April 1883 einen geistvollen Aufsatz über Friedrich II. und die Kunst am Preußischen Hofe veröffentlicht hat.

Die Ausstattung, die Friedrich der Große den sich an den Bronzesaal anschließenden fünf Räumen geben ließ, ist heute verschwunden, sic mußte unter König Friedrich Wilhelm III. einer gänzlich veränderten Geschmacksrichtung weichen. Jedoch vermögen wir uns aus der 1786 erschienenen Beschreibung Nicolais noch ein deutliches Bild dieser Räume zu machen. Auf den Bronzesaal folgte das Audienzzimmer des Königs mit von Heinitscheck reich in Silber gestickten gelben Sammettapeten. Auch der preußische Adler mit Schild und Schildhaltern auf der Rückwand des Thrones hinter dem Sitze des Königs war reich in Silber gestickt. Die Verzierungen der Stuckdecke waren versilbert und wahrscheinlich ebenso die sonstigen Dekorationen der Wände und die Möbel. Das Wohnzimmer war «mit Silberstuck tapeziert, worauf vergoldete Leisten und Tressen; die Vorhänge ebenso». Die darauffolgende kleine Galerie war getäfelt, die Füllungen grün und der Grund fleischfarben, die Pilaster mit Mosaik und die Dekoration vergoldet.

Einen besonderen Schmuck des Raumes bildeten sieben antike Büsten aus der Sammlung Polignac und drei Gemälde von Watteau. Die folgenden beiden Räume bildeten früher zusammen den sogenannten Roten Saal und waren jetzt in zwei Räume geteilt. Der erste war als Schlafzimmer eingerichtet, und der Alkoven hatte ein Geländer von vergoldetem Erz.

Die Wände waren mit Goldstoff auf grünem Grunde tapeziert. Zur Erinnerung an die Bewohnung des Zimmers durch Friedrichs Schwester, Königin Ulrike von Schweden, hing hier deren Bildnis als Braut von Pesne gemalt und war vor dem Kamin ein von ihr mit Chenille gestickter Kaminschirm aufgestellt. Aus der zweiten größeren Hälfte des Roten Saales wurde das große Konzertzimmer Wänden von Marmorstuck, auf bunte chinesische Figuren auf Goldgrund gemalt waren. Die Dekorationen der Decke und der Wände waren vergoldet, und die Vorhänge und Möbelübcrzüge bestanden aus rotem Sammet. Eine Besondere Merkwürdigkeit war der Ofen, der in einer von Erz gemachten, ein Instrument spielenden chinesischen Dame, über die ein Chinese einen Sonnenschirm hielt, verborgen war. Auch das im November 1745 im Rohbau fertige und dann von Nahl dekorierte Theater ist gleichfalls verschwunden, es wurde unter König Friedrich Wilhelm III. zu Dienerschaftswohnungen ausgebaut.

Auffallend spät, erst im Jahre 1746, wurden das Treppenhaus und daran anschließend 1749-—1751 die Marmorgalerie und der Marmorsaal in Angriff genommen, um die Gestalt zu erhalten, in der sie noch heute erscheinen. Hier und in dem gleichzeitig 1747 gebauten Marmorsaal im Schlosse Sanssouci wurde der Marmor in reichstem Maße als Baumaterial herangezogen, in Sanssouci zum Teil der italienische, im Stadt-schlossc der schlesische, der seitdem in allen Bauten Friedrichs eine große Rolle spielte.

Nachdem der König durch den Bau der französischen Kirche in Potsdam der französischen Kolonie ein eigenes kirchliches Heim geschaffen hatte, kam die alte Schloßkapelle im Stadtschlosse wieder zu seiner Verfügung. Sie wurde im Jahre 1752 zu einem vornehmen Quartier ausgebaut, dessen Dekorierung sich nur in den schönen vergoldeten Stuckdecken zum Teil erhalten hat, als die Räume zu einer Wohnung der Königin Luise verwandt wurden. Besonders zu erwähnen ist die eigenartige Dekoration des Eckkabinetts, das später, bis auf die Decke umgestaltet, als Schreibkabinett der Königin Luise diente. An den Wänden befanden sich mit Spiegeln ausgelegte Pilaster, die mit vergoldeten Kragsteinen verziert waren, auf denen Vasen von Berliner Porzellan standen. Die Füllungen zwischen den Pilastern bestanden aus weißem Taffet, auf den Hcinitscheck chinesische bunte Figuren und Lusthäuser gestickt, Wasser, Luft und Hintergrund aber gemalt hatte. Auch die Tapeten der anderen Räume waren reich ausgestattet; das spätere Wohnzimmer der Königin Luise hatte Tapeten von perlfarbenem Atlas, worauf chinesische Verzierungen mit Blumen durchflochten von Heinitscheck in Gold gestickt waren. Der Salon war mit apfelgrünem Atlas tapeziert, auf dem «mit Gold erhöhte Dekorationen und Fruchtgehänge von Blumen mit natürlichen Farben sehr reich und schön von Pailly in Berlin gestickt sind». Alle diese kostbare Dekoration der Wände, nach Manger erhielt Heinitscheck allein 16000 Taler für seine Arbeit, ist mit den vergoldeten Schnitzereien der Wände, Spiegeln und Möbeln spurlos verschwunden, nur die prachtvollen üppigen vergoldeten Rokokodecken wissen in seltsamem Gegensätze zu dem im Verhältnis mageren, nüchternen und ärmlichen Mobiliar aus der Zeit der Königin Luise von dem Geschmackc Friedrichs des Großen und der Pracht, die hier einmal geherrscht hat, zu erzählen.

Text aus dem Buch: Friedrich der Grosse und die bildende Kunst (1922), Author: Seidel, Paul.

Hier geht es weiter:
Friedrich der Grosse und die bildende Kunst – Vorwort
Friedrich der Grosse und die bildende Kunst – JUGENDEINDRÜCKE.
Friedrich der Grosse und die bildende Kunst – RHEINSBERG.
FRIEDRICH DER GROSSE ALS BAUHERR

Friedrich der Grosse und die bildende Kunst