Kategorie: Friedrich der Grosse

Friedrich der Große und Voltaire Friedrich der Grosse als Volkswirt Friedrich II. (Preußen)-Der Alte Fritz Friedrich der Grosse als Kronprinz Friedrich der Grosse, eine Einleitung

Die Musik kommt in ihrer Wirkung der gewaltigsten und leidenschaftlichsten Beredsamkeit gleich. Gewisse Akkorde rühren und erregen die Seele in wunderbarer Weise; sie spricht zum Gemüt, und wer davon Gebrauch zu.machen versteht, der vermag seine Gefühle den Hörern mitzuteilen.“ So schreibt Friedrich an den kunstsinnigen Grafen von Schaumburg-Lippe, und in einem Briefe an Algarotti preist er „die entzückende Melodie, deren geheimnisvolle Wirkungen das Herz mit dem süßen Zauber einer Melancholie umspinnen, in der die beruhigte Seele sich von der flüchtigen Sorge loslöst und das Glück kostet, das die Himmlischen genießen“. Es steht fest, daß der König als Flötenspieler und auch als Komponist mehr denn bloßer Dilettant war; jeder weiß, daß er ein Opernhaus baute und sein Land den Musen öffnete, aber weniger bekannt ist die Hauptsache: nämlich, daß die Musik für ihn Lebensbedürfnis war, daß die Musik, seine „Freundin“, ihn neben der Poesie, seiner „Göttin“, in der schweren Leidenswoche seines Lebens, den sieben Kriegsjahren, getröstet und aufrechterhalten hat. Dabei hatte er trotz aller Vorliebe für die französische Sprache und Literatur die echt deutsche „Leidenschaft für das Adagio“, wie er selbst seiner Schwester schreibt, und offenbarte beim Vortrage langsamer Sätze eine Tiefe und Weichheit des Gefühls, welche die Mitwelt ihm sonst nicht zutraute, welche nun aber die erstaunten Zuhörer um so stärker und bis zu Tränen rührte.

Zehn Kinder erwuchsen dem Könige Friedrich Wilhelm I, und alle waren musikalisch, einige sogar ganz hervorragend; auf sie hatte sich das recht bedeutende musikalische Talent der Großmutter aus dem Weifenhause, der ersten Königin Sophie Charlotte, vererbt. Daß der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. eine Abneigung gegen die Musikübung des Kronprinzen gehabt habe, ist eitler Klatsch. Vielmehr förderte er anfangs die Beschäftigung mit der Musik in jeder Weise; erst als er zu erkennen glaubte, daß Friedrich über Büchern und Flöte wichtigere Studien vernachlässige, ja, versäume, verbot er die Musik — zu spät und vergeblich.

Als Knabe erhielt der Kronprinz Klavierunterricht beim Domorganisten Heyne und spielte unter anderen die Melodien zu französischen Psalmen. Auf dem Deckel des noch vorhandenen Buches sind einzelne Nummern verzeichnet, „die der Kronprinz gerne spielet“. Darunter sind herbe Melodien in Moll, die nicht leicht einem Knaben gefallen dürften. Heynes Unterricht war gründlich, wenn auch langweilig; er ließ den Prinzen Choräle vierstimmig aussetzen, erschloß ihm die Geheimnisse des Generalbasses und gewöhnte ihn an eine strenge Stimmführung. Zeitlebens hat Friedrich der Große am strengen Stil festgehalten. Einst sagte er zu Fasch, der ihn am Flügel begleitete: „Es freut mich immer, wenn ich finde, daß sich der Verstand mit der Musik zu schaffen macht; wenn eine schöne Musik gelehrt klingt, das ist mir so angenehm, wie wenn ich bei Tische klug reden höre.“ Daß der Kronprinz später gerade die Flöte wählte und dadurch dies Instrument in Mode brachte, war eine Folge des berühmten Besuches am Dresdener Hofe im Frühjahr 1728.

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Friedrich der Große und die Musik Friedrich der Grosse als Volkswirt Friedrich II. (Preußen)-Der Alte Fritz Friedrich der Grosse als Kronprinz Friedrich der Grosse, eine Einleitung


Friedrich der Große sah in fast allen Dingen das Wesentliche, das machte ihn groß. Als junger Mann schon suchte er sich ein klares Bild von der Welt zu machen, das „Welträtsel“ zu lösen. Seit Deutschlands Kultur aber durch den Dreißigjährigen Krieg zu Tode getroffen, hatte es die geistige Führung Europas verloren, England und Frankreich, jedes national geeint, politisch mächtig, waren damals die geistigen Führer: englische Naturforscher, französische Philosophen begründeten die Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts. Voltaire aber, der Locke und Newton in Frankreich bekannt gemacht, Voltaire, der englische und französische Kultur vereinte, Voltaire, der umfassendste und klarste Geist, den Frankreich hervorgebracht, Voltaire war der erste Fackelträger seiner Zeit.

Am 8. August 1736 schrieb Friedrich ihm zum erstenmal. Er war damals noch Kronprinz von Preußen, jedoch durch seine leidvolle Jugend ein in Europa schon bekannter Mann. Er machte auch französische Verse, beherrschte sein lebelang die französische Schriftsprache weit besser als die deutsche und nahte sich Voltaire als Schüler — in der Philosophie, der Poesie und dem Allgemeinwohl. Er betont, daß Voltaire der Fackel der Wahrheit folgt, um der Allgemeinheit zu dienen, und unterzeichnet „votre affectionné ami Fédérie“.

An jenem 8. August traten zwei der bedeutendsten Menschen, zwei der größten Arbeiter, zwei der gewaltigsten Diener der Menschheit in Berührung. Es ist ein großer Gedenktag.

Seitdem begann ein reger Briefwechsel zwischen Rheinsberg, wo Friedrich, und Schloß Cirey, wo Voltaire bei der Marquise du Chátelet lebte, Hauptgegenstand der Briefe bilden philosophische Fragen. Beide waren Deisten, sie glaubten beide an einen Gott, der ihnen logisch und moralisch gleich unentbehrlich schien; beide waren überzeugt, daß der Mensch mit seinen menschlichen Kräften Gott nur ahnen, nicht aber erkennen kann; beide waren daher Gegner des starren Dogmas, einer unduldsamen Kirche und verlangten, daß die Menschen, die das Welträtsel ja doch nicht endgültig lösen können, sich gegenseitig in der Verschiedenheit ihrer Lösungen dulden, sie forderten die Toleranz oder, wie Friedrich es später ausdrückte, daß jeder nach seiner Fasson selig werden könne.

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Zweimal im Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts haben sich die Männer, die für Deutschlands Zukunft dachten und taten, auf Friedrich den Großen und sein Werk besonnen und berufen, und beidemal in einer Epoche wirtschaftlicher und sozialer Umgestaltung der Gegenwart. Das geschah dar mals, als seit der Begründung unserer wirtschaftlichen Einheit durch den Zollverein im Jahre 1834 die nationalen und liberalen Hoffnungen ein politisches Idealbild des großen Schlachtensiegers schufen, und das wiederholte sich, als seit dem Ausgang der siebziger Jahre die Wirtschaftspolitik des jungen deutschen Einheitsstaates bewußt den Bahnen zulenkte, die der weitblickende königliche Volkswirt einst eingeschlagen hatte. Wie immer der Werdende sich anklammert an die gefesteten Grundsätze eines Fertigen und Vollendeten, so wählte sich auch das Wirtschaftswollen unseres von unausgeglichenen Gegensätzen und Kämpfen bewegten Geschlechtes einen Führer und Helden, um ihm die Wege zu innerer Einheit und äußerem Erfolg nachzuarbeiten.

Geleitet von dem Grundsatz, als Hilfsmacht zur Lösung der Fragen und Forderungen des Tages die geschichtliche Erkenntnis zu entbieten, hat auch die wirtschaftsgeschichtliche Forschung des letzten Menschenalters dem Wirtschaftswerk des großen Königs weitgehende Pflege geschenkt und in festen Strichen das Bild entworfen, dessen Umrisse und Grundlinien nicht mehr verzeichnet werden können.

Wie Bismarck auf politischem, so gehört Friedrich der Große auf wirtschaftlichem Gebiet nicht zu den neuschöpferischen, sondern zu den vollendenden Persönlichkeiten der Geschichte. Er hat die Verwaltungsarbeit seiner Vorgänger, des Großen Kurfürsten und Friedrich Wilhelms I. fortgesetzt, und er ist gleich ihnen ein überzeugter Anhänger der wirtschaftspolitischen Grundsätze und Grundgedanken des Merkantilismus gewesen. Getreu diesem ersten weitverbreiteten System der neuzeitlichen Wirtschaftspolitik bekannte auch er sich ganz und gar zu seinen drei Forderungen staatswirtschaftlicher Tätigkeit: das Geld im Lande auf jede Weise zu mehren, dem Staat die Sorge für dessen Vermehrung zu überantworten und endlich den Staat auch mit der Leitung der volkswirtschaftlichen Konsumtion zu betrauen, um auf diese Weise eine Steigerung der nationalen volkswirtschaftlichen Produktion zu erzielen. Eigenartig an Friedrichs Wirtschaftspolitik sind nur die zähe Willenskraft und die unerbittliche logische Folgerichtigkeit, mit der sein kühner und geschulter Geist das merkantilistische Programm bis in seine äußersten Verzweigungen vertrat, lind die überwältigende Selbstverleugnung, in der er seine Person vollständig den Zwecken und Zielen seines Staates zum Opfer brachte.

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Mit dem Beinamen des Großen begrüßte den jugendlichen Feldherm, als er sieggekrönt aus seinem zweiten Feldzuge heimkehrte, sein dankbares Volk. Aber vor der Nachwelt sollte er sich diesen Namen erst durch sieben furchtbare Kampfesjahre verdienen. Durch sie wurde er für sein Volk erst „der alte Fritz“, durch sie wurde er auch erst für die Welt einer der größten Feldherren aller Zeiten.

Vieles von dem, wofür er unermüdlich seine Führer und Truppen erzog, ist mit ihm dahin gegangen, aber als auf den Feldern von Jena sein ganzes in langer Lebensarbeit gebildetes Instrument zerbrach, da zeigte sich auch, was echt an seinem Werke gewesen, und was für alle Zeiten Bestand haben sollte. Da konnten sich alle jene Männer mit warmem preußischen Herzen und klarem Kopfe, jene Scharnhorst, Gneisenau, Blücher, Yorck und andere, um ihren König scharen und mit ihm an der Wiedergeburt des Heeres arbeiten. Und echt friderizianisch war diese Wiedergeburt. Es war der Geist der Pflichttreue und Hingabe bis zum äußersten, der alle durchdrang, den einst in sechsundvierzig Kriegs- und Friedensjahren, in zwölf gewonnenen Schlachten und unzähligen Gefechten, in der stolzen Unbeugsamkeit nach den schlimmsten Niederlagen der alte Fritz seinem Heere und Volke eingehaucht hatte.

Am 26. Oktober 1740 starb Kaiser Karl VI. ohne männliche Erben, und damit war die Frage der österreichischen Erbschaft aufgerollt. Sofort war der junge König entschlossen, die alten Rechte seines Hauses auf die schlesischen Besitzungen geltend zu machen. Schon am 16. Dezember überschritten seine Truppen die schlesische Grenze. Die Würfel über das Schicksal seines Lebens waren gefallen. Auf zahlreichen Schlachtfeldern hatte das recht eigentlich von seinem Vater geschaffene Heer seine Probe bestanden, aber meist nur in fremden Diensten, noch nicht für große Zwecke des eigenen Staates. Nun sollte es ihm beschieden sein, dem jungen Königreich, auf das die alten Staaten Europas hochmütig herabsahen, eine ebenbürtige Stellung unter ihnen zu erkämpfen.

Der erste Waffengang, bei Mollwitz am 10. April 1741, war ein Sieg, den der junge König der von seinem Vater und dem alten Dessauer unübertrefflich geschulten Infanterie verdankte. Noch fehlte ihm selbst jede Kriegserfahrung, .denn was er in dem tatenlosen Rheinfeldzug 1734 an der Seite des Prinzen Eugen gesehen hatte, konnte ihm nichts von den Lehren des großen Krieges geben. Nur in theoretischen Studien hatte er sich bisher in seinen idyllischen Rheinsberger Tagen eine Grundlage zu verschaffen gesucht. Aber nun bewies er sofort seinen klaren Blick und seine Tatkraft.

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