Vorspiel.

Wegen der Veröffentlichung seines Dialoges wurde Galilei vor die Inquisition geladen. Er sollte sich verantworten, weil er in diesen Ausführungen die 1616 verbotene Lehre des Kopernikus als wahr hingestellt hatte. Allerdings hat Galilei in einer Einleitung versucht, dem Leser vorzutäuschen, daß er das kopernikanische System gar nicht für wahr halte, sondern es nur auseinandersetzen wolle. Diese Einleitung war zwischen ihm und dem Zensor genau besprochen worden. Es läßt sich heute nicht aktenmäßig feststellen, aus welchem Grunde der Papst sich nach der Veröffentlichung des Dialogs so außerordentlich feindselig gegen Galilei verhielt, wie er es wirklich tat. Urban VIII. verlangte, daß der florentinische Hofmathematiker sofort nach Rom kommen solle. Der im 69. Lebensjahr stehende Galilei wies vergebens auf seinen sehr bedenklichen Gesundheitszustand hin. Wenn er nicht freiwillig komme, ließ Urban sagen, so werde er ihn in Ketten legen und in diesem Zustand nach Rom transportieren lassen! Der Papst maßte sich die richterliche Gewalt in geistlichen Dingen in allen katholischen Ländern an — und Florenz war nicht Venedig! Der Großherzog Ferdinand II. wagte gegen den gefürchteten und als sehr energisch bekannten Urban VIII. nicht den geringsten Widerspruch. Er riet selbst zur Abreise. Mitten im Winter wurde der greise Gelehrte durch das von der Pest verseuchte Land in einer Sänfte nach Rom getragen, wo er am 13. Februar 1633 ankam. Unterwegs hatte er eine zehntägige Quarantäne an der Grenze des Kirchenstaates erdulden müssen.

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Galileo Galilei

Galilei war nun der Gefangene der Inquisition in Florenz. Im November 1634 bezog er ein kleines Landhaus am Monte Rivalto im Kirchspiel Arcetri. Der greise Gelehrte, der schon von 1616 an schwerhörig war, lebte hier ein einsames Leben unter der ständigen Drohung, bei jedem Verstoß gegen die vorgeschriebene Isolierung von der Außenwelt sofort in den wirklichen Kerker der Inquisition nach Rom gebracht zu werden. Im Jahre 1637 bildete sich der Star auf beiden Augen aus und im Jahre 1640 erblindete Galilei ganz. Trotzdem war er nie müßig und sein Geist ist wunderbarerweise bis zur letzten Minute völlig klar geblieben. Die Inquisition hatte ihm nicht nur verboten, über die Erdbewegung zu schreiben oder mit irgendeinem Menschen zu sprechen, sondern sie hatte auch den Neudruck seiner früheren Schriften sowie auch den Druck irgendeiner neuen Schrift gänzlich untersagt. Galilei fügte sich dem letzteren Verbot nur scheinbar. Er sandte seinem Freunde Diodati in Paris das Manuskript seines nach dem Prozeß niedergeschriebenen Werkes: „Discorsi e demonstrazioni mathematiche in torno a due nuove scienze“. Ein Schreiben vom 25. Juli 1634 an den genannten Diodati gibt einen Einblick in Galileis Zustand nach dem großen Prozeß. Galilei erzählt dem Freunde, daß seine Angelegenheit „eine unglückliche Wendung genommen“ habe und berichtet über die Rückreise nach Siena.

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Galileo Galilei

Im Herbst des Unglücksjahres 1618 erschienen drei Kometen, von denen besonders der im Bild des Skorpions leuchtende die Aufmerksamkeit der Astronomen, Furcht und Schrecken im Volke erregten. Galilei war infolge langwährender schwerer Krankheit nicht imstande, genauere Beobachtungen anzustellen. Er hat aber seine Meinung über die Natur der Kometen verschiedenen Personen mitgeteilt; der berühmte Mathematiker war der Ansicht, daß es sich um Erddünste handle, die hoch über die Erde emporgestiegen seien und deren Licht im übrigen keine reelle Erscheinung, sondern eine bei bestimmter Beleuchtung hervorgerufene Täuschung sei. Ähnlich war übrigens die Meinung Keplers, der die Schweifsterne erstens als irdische Dünste und zweitens als göttliche Mahnzeichen hinstellte. Indessen bestand zwischen den beiden Anschauungen doch ein großer Unterschied, denn Kepler wußte, daß die Kometen wirkliche Weltkörper seien, die weiter als der Mond von uns entfernt sind, während Galilei sie mit „Nebensonnen und Nordlichtern“ gleichsetzte und also der Meinung war, daß sie für verschiedene Beobachter, sofern sie überhaupt sichtbar sind, ganz gleichartig erscheinen, also keine Parallaxe haben, wie der Fachmann sagt. Abgesehen davon, daß die Nordlichter wirkliche Lichterscheinungen sind und eine meßbare Parallaxe haben, hat sich Galilei in seiner Anschauung über alles das hinweggesetzt, was zu seiner Zeit in bezug auf die Körperlichkeit der Kometen bereits bekannt war. Wir bemerken noch, daß er auch den neuen Stern von 1604 als durch Ausdünstung der Erde entstandene Lichtreflexe aufgefaßt wissen wollte. Nun schrieb 1619 der Pater Grassi im Kollegium Romanum eine Abhandlung über jene drei Kometen, worin er mit guten Gründen die Meinung bewies, daß diese Phänomene keine Täuschung, sondern wirkliche Himmelskörper seien. Galileis Anhänger drangen in diesen, daß er seine Anschauung gegenüber der des Grassi durch eine Schrift zur Darstellung bringe. Galilei hat nun wohl mit Rücksicht auf die ihm von den Theologen entgegengebrachte unfreundliche Gesinnung darauf verzichtet, selbst eine Schrift gegen Grassi zu verfassen, aber er bewog seinen Freund Mario Guiducci, den Konsul der Florentiner Akademie, eine solche Abhandlung zu schreiben. Darin werden dem Grassi allerlei Irrtümer vorgeworfen, und es wird der galileische Standpunkt als der richtige erklärt. Auch wird in ziemlich scharfer Weise die Frage aufgeworfen, warum denn Grassi „die neuesten astronomischen Entdeckungen Galileis“ mit völligem Stillschweigen übergangen habe? —

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Als Galileis glänzender Stern am Himmel europäischen Ruhmes emporstieg, da hatte Kepler schon die beiden ersten Gesetze über die Planetenbewegung gefunden. Und als der deutsche Forscher sein wunderbares drittes Planetengesetz gefunden hatte (1619), da gab sich der große Italiener noch mit ziemlich unfruchtbaren Spekulationen über die Natur der Kometen ab, wobei er mit allerlei obskuren Leuten ins Debattieren kam. Galilei wurde, sagen wir es offen, durch eine kulturgeschichtlich unwichtige Nebenaufgabe gereizt (Beweis des kopernikanischen Systems), und dadurch kam seine große Begabung nie voll zur Wirksamkeit. Erst am Abend seines langen Lebens wurde er sich über die genauen Grundlagen klar, aus denen heraus sich die beobachteten Gesetzmäßigkeiten beim freien Fall erklären lassen.

Die Fallgesetze des Galilei und die Planetengesetze des Kepler sind nun Ergebnisse von anscheinend ganz verschiedener Art und aus scheinbar verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaft. Der Vorgang des Fal-lens der irdischen Körper wird durch die Angabe hinreichend beschrieben, daß diese Bewegung eine mit gleichmäßiger Beschleunigung vor sich gehende ist. Das hat Galilei mit 74 Jahren erkannt. Es folgt daraus, daß sich die Geschwindigkeit im gleichen Maß vergrößert, wie die Zeit fortschreitet, und daß ferner die Wege beim freien Fall mit dem Quadrat der Zeit wachsen. Die Fallwege nach 1, 2, 3, 4 Sekunden sind etwa 5 m, 20 m, 45 m, 80 m. Ferner gilt die überraschende Tatsache als Gesetz, daß alle Körper gleich schnell fallen. Für zwei Körper aus gleichem Stoff, z. B. Eisen, ist dies logisch notwendig, wie Stevin und Galilei gezeigt haben. Aber für zwei verschiedenartige Körper, wie z. B. Eisen und Gold ist dies nicht selbstverständlich, es ist auch gar nicht von vornherein zu erwarten und man kann, soferne es wirklich ganz genau gelten sollte (was wir heute noch nicht entscheiden können), daraus folgern, daß alle Körper aus dem gleichen Urstoff bestehen.

Read More Kepler und Galilei im Vorhof des Gravitationsgesetzes.

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